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Full text of "St Petersburger Medicinische Wochenschrift 10.1885"

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St Petersburger 
Medicinische Wochenschrift 

Karl Krannhals Dehio (Johannes Schröder, Theodor V.) 


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St. Petersburger 

Medicinische Wochenschritt 


UNTER DER REDACTION VON 


Prof. Ed. v. WAHL, Dr. L. v. HOLST, Dr. Gust. TILIHG, 

Dorpat. St. Petersburg. St. Petersburg. 


!- 


Neue Folge. — II. Jahrgang. 


ST. PETERSBURG. 

Verlag von Carl Rick er, Newsky-Prospect <Ni 14. 

1883 


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Inh 

(Die mit ein< 


A. 

Abortus habitaalis. 151. 

Acne vulgaris mit entzündl. Papillom, Fall 
von — 419*.* z. Beh. d. — 442. 

Aerzte, v. Statistik. 

Aether, z. Prüfung dess. 312. 

Albumimeter. 355. 

Algosis fanc. leptotbricia. 304. 

Alopecia areata, z. Beh. d. — 27. 

Alnmen nstnm als Verbandmittel. 49. 

Alumhiinm acetico-glycerinat. sicc. 287. 

Alnmininm acetico-t&rtaric. 287. 

Anatomie, Grundriss d. — Physiolog. u. Ent- 
wickelgsgesch. von Brass. 214. 

— Lehrb. d. patholog. — v. Birch-Hirsch- 
feld. 66. 

Anämia perniciosa n. Typh. abd., ein Fall 
v. — 1*. Fall von — 273, 298, — Blut- 
inject. b. — 305. 

Anchylostomum. 295. 

Aneurysma art. axill., Fall von Exstirpat. 
eines — 71*. 

— Aortae, Fälle v. — 263, 290, 297. 

Aneurysmen, z. Statistik u. Aetiolog. d. — 
397. 

Antipyrin, Discuss. über — 115. - mit Kai- 
rin als Antipyret. 249. Einfl. d. — auf 
d. Stoffwechsel — 337. — b. Gelenk- 
rhenmatism. 397. 

Antiseptik, Wesen d. — 117*. im Marien- 
hospitale 422. Resultate d. — 262. 

Art. obtnratoria. 120. 

Arensburger Schlammbäder u.d. Körpermeta¬ 
morphose 137*. 

Argent. nitric. b. Spinalirritat. 399. 

Arsenvergiftnng, Fall von — 272. 

Art. subclavia u. axillar., Schussverletzungen 
d. - 289. 

Arterien Verletzung, Diagnose d. — 346. 

Arthrotomie wegen Gonitis, Fall von — 293*. 

Arzneimittel, einige neue — 105, 178- 

Arzneiverordnnngslehre von Böhm. 75. 

Ascites, Punction b. — 397. 

Aspiration pleurit. Exsnd. 223. 

Assainisation d. Städte v. Bensengr. 8. 

Asthma, Pyridin b. — 239. 

Asyl, d. Oranienbaumer — f. convalesc. Kin¬ 
der. 75. 

Auge, Kaninchen — als künstliches — 379. 

Augenheilkunde v. Schmidt-Rimpler. 152. 

Augenmuskellähmungen, z. Lehre d. — 429. 

Augenuntersuchungen an Neugeborenen von 
Schleich. 8. 

Auscultation u. Percussion, Lehrb. d. — v. 
Gerhardt. 18. 

Austreibungsperiode, z. Physiolog. d. — 337. 

Autotransfusion b. acut. Gehirnanaemie. 405. 

b. 

Bacterien, s. Untersuchung d. — 283. 

Badecuren b. Bückenmarksleiden. 280. 

Bäder, hydroelektrische — von Lehr. 368. 

Bandwurmmittel. 76. 

Basiotribe Taraier von Pinard. 172. 

Bauchwunden, Fall von — 309*. 

Beckenabscess, Fall von — 289. 

— enchondrom, Exstirpat. eines — 381. 

Belladonna b. Intoleranz geg. Jodkalium. 249. 

— b. Collaps 274, — b. Nachtschweissen, 
296. 


alts-V erzeichn 

n * bezeichneten Zahlen beziehen sich auf Orig 

Sach-Register. 

Benzoßtinctur geg. Schnupfen 331. 
Biographisches Lexion vonWemich u. Hirsch. 
281, 421. 

Blasennaht, zur — 98. 

— papillome, z. operat. Beh. d. — 169*. 

— tumoren v. Thompson. 57. 
Bleivergiftung durch Thee. 415. 

Blutegel im Kehlkopf. 403*. 

Blutinjectionen b. Anämie. 305. 

— körperchenzählung, zur — M8. 

— plasma u. Mikroorganismen. 39. 

— serum — Quecksilber z. subcut. Inject. 
270. 

Borax intern als Desinficiens. 384. 
Brandwunden, Jodoform b. — 35. 

Brisement forcß, Modification des — 49. 
BronchiaMrüsen, Dysphagie b. Erkrankung 
v. — 404. 

Brust- u. Bauchhöhlenkrankheiten, z. Dia¬ 
gnostik d. — 397. 

Brustbein, z. Resection dess. 439. 
Brustwnnden, penetrirende — forensisch. 354, 
Bubo, scbankröser. 305. 

c. 

Calomel b, Lebercirrhose. 337. 
Cantharidentinctur geg. Enuresis nocturn. 
107. 

Caput obstipum, z. Beh. d. angeborenen — 
254. 

Carbolsäure als Desinficiens 367. — Clysmen 
u. Kairin als Antipyret. 7. — Vergiftung, 

2 Fälle von — 206. 

Carbunkeln, Chlorwasser bei — 44. 
Carcinom-Kranke, Zucker im Blute ders. 
381. 

Carcinoma duodeni, Fall von — 307. — intes- 
tinorum,Fall von — 413. — mammae, ra¬ 
pid. Wucherung eines — nach Erysipel 
49. — oesophagi, Fall von — 282. 
Carcinome, z. Entstehung d. — durch Im¬ 
pfung. 40. 

Caries d. Felsenbeins, Fall von — 306. 

Carotis communis, Fälle v. Unterbindg. d. — 
b. Neuralgie. 296. 

Cascara Sagrada. 114. 

Castration, z. — d. Frauen. 304. 

Cataracta, Fälle spontaner Resorption von 
— 6 . 

Centralorgane, Bau d. nervösen — v. Kdin- 
ger. 421. 

Cephalocele traumatica, Fälle von —35. 
Chininnm bibydrobromatnm. 21*. 

Chirurgischer Hospitalbericht von Knie. 18. 
Chloralhydrat bei Nachtschweissen. 188. 

— als Vesicans. 291. 

Chloroformirung, zur — 90. 

Cbloroformtod, Fall von — 363, 397. 
Chlorwasser bei Carbunkeln. 44. 

Cholera, bacteriolog. Diagnose d. — 341*. 
literär. Studien über —177*. 

— Ferran’sche Schutzimpfung geg. — 
188,208,224, 234,240, 249,*254,256,274. 

— v. Pettenkofer 97. z. Contagiosität 
d. — 347. — in Frankreich 265,274,307. 

— in Indien 143. — in Italien 291,307, 
323,423. —in Spanien 134,208, 234, 
240, 249, 256, 265, 363. Briefe über - 
304, 328, 362. — in Tonking 399. 

— -Bacillen 64,131, 197, 280, 420, 438. 

— -Conferenz in Berlin 163, 345, 353. 


iss. 

lal- Arbeiten.) 


Chromsäure b. Nasen- u. Rachenkrankheiten. 
410*. 

Chrom wasser b. Syphilis. 327. 

Cocaextract für Cocain. 172. 

Cocain als Antiphlogisticum. 47*. — b. Ery- 
sipelas. 213*. — bei Verbrennung der 
Mund-Rachenhöhle. 429*. — 91, 106, 
206, 356, 381, 443. — b. Augenleiden 
5, 42. — b. Frauenkrankheiten 75. — 
b. Kindern 162. — b. Otitis media 331. 

— b. Pruritus vulvae 75. — b. Seekrank¬ 
heit 430. — b. Tenesmus recti et vesi- 
cae 50. — b. Vaginismus 19, 75, 265. 

— b. Vomitus gravidarum 76. ‘Ersatz¬ 
mittel für — 172, synthet. Darstellung 
d. — 423. Vergiftungen durch — 254, 
429. z. Bestimmung d. Maasses d. Wir¬ 
kung dess. 331. 

Coffein als Diureticum. 35. 
Comedonenquetscher v. Unna. 83. 

Condyli femor., z. Entwickelungsgesch. d. — 
214. 

Condylome, Mikroorganismen d. spitzen —. 
214. 

Congress, med. — in Petersburg. 442. 
Continnitäts-Ligaturen. 260*. 

Convallaria majalis. 246. 

Conveigence, de l’amplitude de — von El- 
laby. 49. 

Coryza, Tinct. Benzoös geg. — 331. 

Coxitis, Rectaluntersuchnng b. — 442. 
Curorte, klimatische — der Krim. 388*. 
Cystospasmus, z. Beh. des — 34. 

D. 

Darmbewegung u. -Temperatur. 367. 

— blutung, Fall von tödtlicker — 378*. 

— naht, Fälle v. — 442. 

— occlusion, Fall v. — 397; z. Beh. der 
—. 206, 381. 

Dauerverband, neuer —. 151. 

Desinfection d. Hände. 240. 

Diabetes insipidns. 171. — mellit. u. Sebnen- 
reflexe. 11, 141. 

Diagnostik innerer Krankheiten von Frühauf. 
214. 

Diagonalfractur der Schädelbasis. 13*. 
Digitalis, Ersatzmittel d. — 246. 

Diphtherie, z. Therapie u. Statistik der — 
45*. Papayotin b. — 179. Sedum acre 
b. — 384. — u. Patellarreflexe. 431. 
Wasserstoffsuperoxyd b. — 320. v. auch 
Statistik. 

Durchfall, Eichelcacao bei — 390. 
Dysmenorrhoea membranacea. 131. 

Dyspepsia acida. 197. 

Dyspepsie, Magenverdauung b. nervöser — 
267*. 

Dysphagie b. Erkrankung v. Bronchialdrü¬ 
sen. 404. 

E. 

Echinokokkus d. Leber, Fall von — 175*. 
Eclampsie, Sauerstoff b. — 197. 

Eichelcacao b. Durchfällen. 390. 

Eiterung durch ehern. Reizmittel. 328. 
Elektricität in d. Geburtsh. 113. 

Elektrolyse in d. Chirurgie. 328. 

Elektromagnet z. Extract. v. Eisensplittern, 
Fall v. Anwendg. d. — 273. 


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Emphyseme subcntan, durch Geburtswehen. 
281. 

Empyem, Fälle Ton — 98. 

Endocarditis, Fall v. infectiöser — 31&. 
Entfettung mikroskopischer Präparate. ISO*. 
Enuresis nocturna, Canthariden geg. — 107. 
Epheliden, z. Beh. d. — 305. 

Epicystotomie, Fall t. — 312. 

Epidydimitis syphilitica. 435*. 

Epilepsia mitior, z. Symptomatol. d. — 296. 
Epilepsie, Fall von — 306. Osmiumsäure b. 

— 44. 

Erblindung nach Blutverlust, Discuss. über 

— 413. 

Erbrechen Schwangerer, Cocain h. — 76* 
Ernährung, zur — d. arbeitenden Klassen. 

289. 

Erysipelas faciei, Cocain b. — 213*. 
Eucalyptus in Fieberkrankheiten. 429. 
Ezaminationsprogramm. 298. 

Exstirpation des Talus, Fall von — 215, 

— des Unterkiefers, Fall von — 233. 
Extr. filic. mar., z. Wirkung u. Bereitung d. 

-96. 

— Secal. cornut. Denzel. 66- 
Extrauterinschwangerschaft, Fälle von — 
151. 

F. 

Faeces, Mikroorganismen d. — 10. 
Färbungsmethoden b. Mikroorganismen, v. 
Plaut. 80. 

Fascia coraco-clavicularis, Fälle von Absces- 
sen hinter ders. 248. 

Faulbaumbeeren, Fall v. Vergiftung durch — 
311*, 339. 

Fettherz, Fall von — 273. 

— leibigkeit, Obductionsbefand b. — 95*. 
Entziehungscur b. — 42. 

Fibroma Uteri, Fall von Exstirpat. eines — 

239, 255. 

Fieber, gelbes —, Schutzimpfung geg. — 
167, 347. 

Fische, giftige — 272. 

Fleischpräparate, engl.-amerikan. — 288. 

— pepton, neues — 41. 

Foetallagt- z. Aetiologie der — 39. 

Foetus, Infection dess. durch Mikroben der 

Mutter. 247* 

Frauenkrankheiten, Kemmern b. chron. — 
81. 

— milch, z. Prüfung d. — 331. 

Fractura cranii complic., Fall von — 285*. 

— urethrae, Fall von —. 105. 
Fremdkörper in d. Luftwegen, Fälle von — 

170. 

Frisch-Luft-Athmer. 233. 

Froschhaut, Transplantation von — 326*. 
Frostbeulen, Parafflnum jodat. b. — 76. 
Frühgeburt, künstliche — durch Inductions- 
ström. 304. 

Fussleiden u. F.-bekleidung. 153. 

— schweisse, Saliclsäuretalg geg. — 

240. 

G. 

Gallensteine, Operation wegen —- 157*. 

— u. Darmstenose, Fall v. — 273. 
Gastritis crouposa, Fall von — 306. 
Gastrotomie, Fälle von — 81, 288. 
Gebärasyle, z. Würdigung kleiner — 40. 
Geburtsfälle, 2 schwierige — 255. 

— hülfe, Grundriss d. — v. Cohnstein. 
142, operative — v. Schauta 8, 232. 

Geisteskranke, Züricher Hülfsverein f. — 338. 
z. Beh. den. 263. 

Gelenkrheumatismus, Fall von — 233. 
Geruchsorgane, z. Mikrochemie d. — 294*, 
336*. 

Gesundheitspflege, System d, — von Hirt. 
381. 

Gonitis, Fall von Arthrotomie wegen eitriger 
— 293*. 

— gonorrhoica, Fall v, — 293*. 
Gonokokkus Neisser. 329. z. Kenntniss d. — 

367. 


Gonorrhoe, Resorcin b. — 368. z. Diagn. d. 
— b. Weibern. 412. 

Graviditas tubaria, Fall von — 77*. 

— extrauterinn, Laparotomie b. — 367 

Gynäkolog. Specialismus von Landau. 131, 

H. 

Haematemesis, Fall von — 338. 

Hämoptoö, artificiell. Pneumothorax b. — 
287. 

Hämorrhoiden, z. operativ. Beh. d. — 440. 

Harnblase, Fall von Buptur d. — 211*. Ver¬ 
schienung d. — b. Tamponade d. Rectum 
420. 

— cylinder 232, — gährung, ammoniakal. 
389, — gries nach Erdbeeren 323, — Or¬ 
gane, z. Chirurgie d. — v. Thomp¬ 
son 41,421, — röhrendivertikel h. Kindern 
397,— Untersuchung v. Puhlmann 18. 

Hautkrankheiten, Lehrb. d. — von Behrend 26. 

— u. Geschlechtskrankheiten, Lehrb. d. 
v. Lesser 320. 

Helleborein 246. 

Hemianopsia heteronym. lateral., Fall v. — 
272 . 

Hernia incarcer. scrot. et interstitial., Fall 
von — 310*. 

Herniotomie, Fall von — 301*. 

Herpes iris universal., Fall von — 395*. 

Hirn, Fall v. Luftansammlung im — 179. 

— druck. 388. 

— anämie, Autotransfusion b. acuter — 
405. 

Hoden, z. Compression des — 162. 

Hospitalberichte d. allg. Krankenhauses in 
Riga 368, d. Augenhospitals in Petersb. 
313, d. barmherz. Brüder in Prag 232, 
d. Chirurg. Abthlg. d. Kinderhospitals in 
Petersb. 369, d. Entbindungsanstalt in 
Petrsb. 313, d. Marien-Magdalenenh. 297, 
405, d. Obuchowh. 30ß f 441, d. Wiener 
Hospitäler 83, Operationsber. aus dem 
Mar.-Magdal.-H. 298. 

Hydrarg. cyanat. subcutan b. Syphilis. 88. 

Hydrastis canadens. b. Uterinblutung. 312. 

Hydrochinon. 304. 

Hygiene, Curaus d. praktischen — von Skwor- 
zow. 26. 

Hypnoskop. 253*. 

Hysterie b. Kindern. 74 

I. 

Ichthyol b. Gelenkrheumatismus. 413. 

Icterusepidemie. 65. 

Ileus, Magenausspülung bei — 63*, 56, 214, 
412. 

Incontinentia urinae durch Missbildung, Fälle 
von — 7. 

Influenza bei Kindern. 5. 

Infectionskrankheiten v. Statistik, 

Inhalationen, antiseptische — b. Phthisis. 424. 

Insectenpulver, z Wirkg. desselb. 114. 

Intoxication, putride —, z. Kenntniss den. 
354. 

Intussuscepüon, Fall von — 270. 

Irrenverpflegsag, d. Fortschritte in d. — von 
Tiling. 255. 

Ischias, z. Beh. d. — 338. 

«r. 

Jaborandi bei Singultus. 107. 

Jodkalium, Belladonna b. Intoleranz geg. — 
249. 

Jodoform b. Brandwunden. 35, Sassafrasöl als 
Desodorans b. — 384. 

— frage, zur — 105. 

Jodol als Antisepticum. 384. 

JL 

Kaffee als Antisepticum. 439. 

Kairin u. Carbolsäure-Clysmen als Antipyre- 
ticum. 7. 

Kali hypermangan. als Emmenagog. 331. 

Keflr, Eiweissstoffe des — 139*, — von Pod- 
wyssozki. 33, — v. Dmitriew. 33. 


Kohlkopf, Fälle v. Blutegeln im — 403*, Fall 
von Fremdkörper im — 414. 

— exstirpation, Fall von — 230*. 

— gescbwüre, Operat.fälle wegen derselb. 
123. 

— krankheiten, Handb. d. — von Nikitin, 
132, — v. Gottstein. 297. 

— polypen, Schwammoperation b. — 289« 

— tnberculose, Milchsäure b. — 390. 
Kemmern, Krankenbewegung in — 81, — 

b. Frauenleiden. 81. 

Keuchhusten, z. Therap. dess. 405. 
Kinder-Ernährung durch d. Sonde. 320. 

— heilanstalt zu Dresden, Festschrift z. 
ÖQjälir. Jubil. d. — 271. 

Kindskopf, Stand desselben als prognost. Mo¬ 
ment. 140. 

Kniephänomen hei Diabet. mell. 141, z. dia- 
gnost. Wichtigkeit dess. 17. 

Kniewunde, Fall von — 309*. 

Kola als Arzneimittel. 96. 

Kommabacillen, Dauerform d. — 363, 420, 
Ptomain aus — 373. 

Kopfschmerzen von Day. 42. 

Kopfstellung, z. Diagn. d. — 420* 

Krim, klimat. Curorte d. — 388*. 
Kropfcysten, z. Exstirpation d. — 33. 

L. 

Labyrinthaffectionen. z. Beh. d. — 231* 
Lampenglocken, Beleuchtungswerth der — 
132. 

Laparotomie, Fälle von — 426*, 153, — bei 
Gravid, extrauterin. 367, Bericht über 
1000 Fälle v. — 141. 

Laryngoskopie und Kehlkopfkrankheiten, 
Handbb. d. — von Nikitin. 132. 
Lebercirrhose, Calomel b. — 337. 

— krankheiten v. Harley. 17. 

— ruptur, Fälle v. — 333*. 

Lepra in d. Ostseeprovinzen. 109*, — in 
Riga. 317*, Fälle von — 9, 313. 
Leukoderma syphilit., Fall von — 357*. 
Leukoplakie, Fall von — 4*. 

Lichen planus chron., Fall von — 395*. 
Licbtsinn, z. Prüfung desselb. — 80. 

Linse, Fall v. Luxation d. — 298. 
Lippspringe, z. Wirkung v. — 101*. . 
Lithofapaxie u. Sectio alta. 6. 

Luft im Gehirn, Fall von — 179. 

Lufteintritt ins Blut während d. Geburt, Fall 
von — 223. 

Lungenödem, Fall von — bei Masern. 221* 
Lupus, Kälte bei — 429. 

Luxatio femoris congen-, Fall von — 336. 
Lyssa, Fall von geheilter — 356, prophylakt. 
Impfung d. — 380, z. Beh. der — nach 
Pasteur. 423. 


M. 

Madeira als Curort von Mittermayer u. Gold¬ 
schmidt. 163. 

Magenausspülung bei Darmocclusion. 206, — 
b. Ileus. 63*. 56, 214. 

Magenkrankheiten, z Beh. d. — 231, z. Par 
thol. u. Diagn. d. — 247. 

Magensaft, Einwirkung desselben auf d • Oe- 
sopbaguswand. 7., Pepsingehalt dess. 
247. 

Magenv6rdauung 239, — bei nervöser Dys¬ 
pepsie. 267*. 

Malaria, Mikroorganismen d. — 431. 

Malleus, Fall v. — 264. 

Mammaamputation und Dauerverband. 270. 
— tnberculose. 336. 

Manie, z. Begriffsbestimmung d. — 288. 

Masern, Fall von Lungenödem bei — 221*. 
Mortalität an — in Petersb. 151. 

Massage in d. Chirurgie. 235*. 

Medicinal wesen in England. 440« 

Meningealtuberculose, Fall von — 9. 

Meningitis, Beugecontracturen b. — 262. 

Meningocele, z. Beb. d. — 255. 

Menstruation, Fälle von frühzeitiger — 274, 
347. 

Metrorrüagie, Hydrastis canadens. b. —312. 


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Miesmuscheln, Vergiftung durch — 363, 
391. 

Mikroben, Uebergang pathogen. — v. Mutter 
anf Frucht. 247. 

Mikroorganismen d. spitz. Condylome. 214, d. 
pathogen, pflanzl. — v. Baumgarten. 247, 
z. Färbung d. — 80,188. 

Milchsähre b. Larynxtuberculose. 390, z. An¬ 
wendung d. — 296. 

— Verdauung, Untersuchung über — 366. 
Militär-Sanit&tswesen, Jahresbericht überd. 

— von Roth. 368. 

Milsschwellung b. recent. Syphilis. 407. 
Mineralhunger. 66. 

Missbildung, Fall v. symmetrischer — d. Ex¬ 
tremitäten. 18. 

Morbns maculos. Werlhof., z. Infectiosität d. 

— 16, Fall v. — 339. 
Morphiumvergiftung, Fälle von — 340. 
Muskelkraft, Schwankungen der — 96. 

Jt. 

Nachgeburtsperiode, z. Physiolog. d. — 337. 
Nachtschwei88e, Belladonna b. — 296. Chlo- 
ral b. —. 188. 

Nadel, Fall v. verschluckter — 291. 
Nahrungsaufnahme, Einfl. d. — auf d. Tem¬ 
pern. 237*. 

Natriumnitrit. 262. 

Natr. salicyl. b. Variola. 155*. 
Nephrectomien, z. Casuistik d. — 365*. 
Nephritis, z. Beh. der — 188. 
Nervenkrankheiten von Strümpell. 179. 
Neuralgien, Osmiumsäure b. — 219*. 
Neurectomie. Beitrag znr — 149*. 

Neuritis, Fall v. multipler — 320. 

Niesseil, neuropathisches. 107. 

Nitroglycerin. 262, — b. Schrumpfhiere. 151. 

o. 

Ösophagotomie, Fall von — 239. 
Ohrenheilkunde v. Urbantschitsch. 97. 
Ohrenkrankheiten. Lehrb. d. chirurgischen — 
v. Schwänze. 420. 

01. aether. Sassafras als Desodorans f. Jodo¬ 
form. 384. 

Operationslehre, chirurgische — V. Löhner. 
382. 

Orthopädie von Studenski. 281. 

Ortsinn, Verlnst dess. b. Dementia, Fall von 

— 272. 


Phthisis, Ueberernährung b. — 412. z. Beh. 
der — 424. z. Heredität d. — 254. 

Physiologie u. Histologie, vergleichende — 
v. Thanhofer. 97. 

Pityriasis rubra, Fall von — 85*. 

Piatigorsk, Curperiode von 1884 in — 23*. 

Pleuritis, z. Beh. seröser — 328. 

Pneumonie, Fall von croup. tranmat. —105. 
Fall von Schluck — 49. z. Beh. der — 
354. 

Pneumothorax, artificieller — bei Hämoptoö. 

' 287. 

Pockenepidemie in Montreal. 391. 

! Polyrie, acute, nach Insectenstich. 396. 

Prolapsus ut. et vag., z. Beh. d. — 214. 

Prostatabypertrophie, Galvanocaustik b. — 
296. 

; Pruritus vulvae, Cocain b. — 75. 

Psychologie des Verbrechens von Krauss. 33. 

, Psychose u. Schwangerschaft. 289. — geheilt 
durch Kopfverletzung, Fall von — 311. 

Puerperalinfection d. Föetus und Neugebore¬ 
nen. 5. 

Pulsuhr Waldenburg’s und Pulsmesser von 

t Basch, Discuss. 50. 

Punction b. Ascites. 397. 

! Pyämie, Fall von — 98. 

Pyelitis, Fall von — 9. 

Pyridin bei Asthma. 239. 


Q 

, z. j 

R. 


Quecksilberwirkung, z. Theorie d. — b. Sy¬ 
philis. 440. 


Real-Encyclopädie v. Eulenburg. 142. 
Reflexkrämpfe, statische — v. Erlenmeyer. 
382. 

Refraction u. Accomodation v. Landolt. 197. 
Rekrutenempfang, fehlerhafter. 179. 
Resectiogenu, Fall von — 215, — manubr. 
j stemi. 439. 

' Besorcin b. Gonorrhoe. 368. 

I Bhachitis, z. Bebi d. 97, 162. 

;Rheumat. artic. acut., Antipyrin b. — 397. 
j z. Beh. d. -a 315 . Ichthyol b. chron. 

413. - 

i Rhinosclerom, Histologie d. — 281. 
i Rückenmarksleiden, Badecuren b. — 280. 

i 

! s. 


Osmiumsäure bei Neuralgien. 219*, — b. Epi¬ 
lepsie. 44. 

Osteomalacie und Rhachitis v. Pommer. 355. 

— myelitis. 281. 

— tomie wegen genu vulgum, Fall v. — 
215. 

Ovarialhernie, Fälle von — b. kleinen Kin¬ 
dern. 34. 

Ovariotomie bei Schwangeren. 57. Bericht 
über 106 Fälle von —, 121. Fälle v. — 
9,114. Schwangerschaft nach doppelsei¬ 
tiger — 312. 

Ozäna, Natur u. Beh. d. — 120. 

p. 

Papayotin b. Diphtherie. 179. 

Paraffinum jodatum b. Frostbeulen. 76. 

Paraldebyd als Bypnoticum. 389. 

Paralvsis spin. acut, ascend., Fall v. — 272. 

Patellareflexe b. Diphtherie. 431. 

Pathologie, Curaus der allg. und spec. — von 
Paschutin. 305. — u. Therapie v. Eich¬ 
hont. 80. — von Liebermeister. 320. — 
v. Strümpell. 263, 297. — von Ziemssen. 
121 . 

Pellagra v. Statistik. 

Pepeingehalt d. Magensaftes. 247. 

Periostitis, Fall v. acut, infectiös. — 255. 

Pest, sibirische, z. Schutzimpfung geg. — 48. 

Pest- u. Choleraepidemien im Astrachanschen 
Gouv. v. Scbtsohepotjew. 97. 

Pericarditis, Fall von — 421. 

Petit mal, z. Symptomatologie d. — 18. 

Phlegmone, subperitonäale — 379* 

Phosphor bei Rhachitis. 162. 


, Sacraltumoren, Fälle v. angeborenen — 19. 
Salicylsäuretalg geg. Fnsssobweisse. 240. 

I Salicylsäurewirkung, Fa}l von ungewöhnlicher 

— 281. 

| Sanitäts-Anstalten, Evacuation d. — von Kö- 
| eher, 381. 

| — Commission, Bericht d. 8t. Petersbur- 

I ger — 88t 

— Gesetze, Sammlung d. österreichischen 

— v. Witowsky. 320. 

Sauerstoff b. Eclampsie. 197. 

Schädelbasis, Diagonalfractur der — 13*. 
Schankerbubo. 305. 

Scharlach, Fall v. — beim Kanarienvogel. 35. 
Schrumpfhiere, Fall von — 441. Nitroglyce- 
! rin b. — 151. 

: Schulfrage, zur —. 103*. 

— wesen in Elsass-Lothringen. 152. 
Schusswunde, Fall von penetrirender — d. 
Abdomen. 440. 

Schwammoperation b. Kehlkopfpolypen. 289. 
Schwangerschaft nach doppelseit.Ovariotomie, 
Fall von — 312. — und Psychosen. 289. 
Schwefelsäure, Fall v. Verbrennung d. Ma¬ 
gens durch —. 310*. 

Sclerome, primär syphilitische des Rachens 
von Schadeck. 49. 

Scorbut, z. Aetiolog. d. — 441. z Patbol. d. 

— 171. 

Secale cornnt. in d. Geburt. 96. 

Sectio alta mit Blasennaht. 29*, z. Statistik 
d. — in Russland. 56*. Discuss. über —, 
43. Fall von — 97. — u. Litholapaxie 6. 

— u. Perinäal8chnitt. 179. 
Sectionsbericht a. d. allg. Krankenh. in Riga. 

385*. 


| Sedum acre b. Diphtherie. 384. 

Seekrankheit 429. Cocain b. — 430. 

Sehnenreflexe u. Diabetes. 11, 141. 

Sehschärfe, Helligkeitsdifferenz u. Farbe des 

! Grundes. 10. 

j Selbstmord, ein seltener — 270. 

I Sequestrotomie, Fall von — 442. 

Simulation von Gesundheit, Fall von — 282. 

Singultus, Jaborandi bei — 107« z. Beh. d. 

— 287. 

Sittengesetz, Entwurf z. einem ärztlichen — 
159*. 

Spaltpilze von Zopf. 297. 

I Spinalirritation, Höllenstein b. — 399. 

! Ssaki, Moorbäder von — von Schtscherba- 

| kow. 8. 

Ssimbirsk, v. Statistik. 

Statistik. Aerzte im Perm’sehen Gouv. 153. 
Bevölkerung in Frankreich. 315. Cholera 
in Riga 1871.314. Diphtherie, Mortalität 
an — in Berlin. 216. Eisenbahnunfälle. 
291. Infectionskrankheiten in Riga. 282. 
medicin. d. Gouv. Ssimbirsk v. Kraje- 
witsch. 49. Pellagra in Italien. 291, 
Syphilis im Jamburg’schen Kreise. 88. 
in Kronstadt. 270. in Petersburg. 88. v. 
auch Hospitalberichte. 

Steinoperation bei Frauen. 37*. 

Stickstoff, Methode z. Bestimmung dess. im 
Harn. 223. 

Stomatitis, Fall von infectiöser — 312. 

Strychnin, Ausscheidung des — 7. 

Sublimatinjectionen b. Pneumonie. 354. 

Syncope, z. Beh. d. — 315. w 

Syphilis beim Kinde. 121. Chromwasser b#— 
327. Hydrarg. cyanat. b. — 88. —- in 
Russland von Herzenstein. 121. Milz¬ 
schwellung b. acuter — 407. Pathol. u. 
Thrap. d. — von Zeissl. 114. Queck¬ 
silberwirkung b. — 440. Einschränkung 
d. — 113. z. Excision d. Primäraffect. 
d. — 291. v. auch Statistik. 

Syphili8bacillen. 288. 

T. 

Tabes, z. Symptomatologie d. — 44. 

Temperatur u. Darmbewegung. 367. 

— Schwankungen, z. Aetiol. d. tägl. — 
321. 

Tenesmen von Blase und Rectum,Cocain b. — 
50. 

Tenotomie zur Lösung des Ringfingers. 80. 

Tetanus traumaticus 191*. Fälle von — 272. 

Thallin. 88. 

Thee, Bleioxyd im — 415. 

Thrombus vaginae, Fälle v. — 273. 

Totalexstirpation d* Uterus p. vaginam, Fälle 
v. - 372. 

Transfusion v. Vogelblut. 337. 

Transplantation von Froschhaut. 326*. 

Traubenzucker, Wirkung desselb. auf Blut¬ 
druck u. Harnabsonderung. 105. 

Trichinose, Fälle von — 98, Unterauchg. v. 
Schweinen auf — 98. 

! Trigeminus-Neuralgie, Ligatur d. Carot* com. 

! b. — 296. 

| Trimus nascentium von Hartigan. 26. 

| Trockengeburt, Fall von —. 320. 

{Tubarschwangerachaft, Fall von — 77*, 223. 

Tuberculose d. Brustdrüse. 336. Fall v. con¬ 
genitaler — 270. — in d. Familien 380. 
z. Erblichkeit d. — 205. 

Tuberkelbacillen, z. Diagn. d. — 389. 

Tumor d. Mediastinum, Fall von malignem 
_272. 

Typhus abd., d. Recidiv des — 251*. — mit 
pernieiöser Anämie. Fall von — 1*. — 
Epidemie in Wiesbaden 248# — z. Aetio- 
logie d. — 232. 

— bacillen in d. Faeces. 296. 

| u. 

Unterkiefer, Fall von Exstirpation dess. 233. 

Urethan als Hypnoticnm. 381. 

Urethra, Fall von spastischer Strictur d. —9. 

Uterinblutung, v. Metrorrhagie. 

Uterus, Fälle v. Totalexstirpation d. — 296, 
320, 372. 


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Uterusrupturen in d. Geburt y. Labusquiere. 
263. 

v. 

Yaccination von Pfeiffer 57. z. mögl. Infec- 
tion b. — 288. z. — von syphilit. Kin¬ 
dern. 17. 

Vaginalstenose, Fall v. — 338. 

Vaginismus, Cocain bei — 19, 75, 265. 

Variola, Natr. salicyl. b. — 155*. 

Vaselin zu Salben. 323. 

Verband, ernährender — auf grossen Wund¬ 
flächen. 287. 

Verbrennung des Magens durch Schwefelsäure, 
Fall von — 310*. 


Verbrennung d. Mund- Bachenhöhle, Cocain 
b. — 429*. 

Verdauungskrankheiten d. Kinder von Ba- 
ginsky, 297. 

Vergiftung, Fall von — durch Faulbaumbee¬ 
ren 311*. 339. 

— durch e. Schiefertafel. 443. 

Verrücktheit, Wahnideen b. d t primären — 

120 . 

Vivisectionsfrage, zur — 76. 

Vogelblut z. Transfussion. 337. 

Volksküchen, z. Frage d. — 289. 

w. 

i Wasserfiltration. 239. * 


Wasserstoffsuperoxyd, b. Diphtherie. 320. 
Wismuth, z. Wirkung des — 33. 
Wöhnerinnen-Asyle v. Brennecke. 80. 
Wunden, Fall von schweren — durch Beil¬ 
hiebe. 371. 

z. 

Zahnheilkunde, Lehrb. d. — von Schelf. 239. 
Zucker im Blute Carcinomatöser. 381. 

Zunge, Fall v. Totalexstirpation d. — 273. 
Zwillingsgeburt, Fall von — mit zusammen- 
gewachsenen Früchten. 79*. 


Namen-Register. 


Adamski + 347. 

Aeby, Ch. t 248. 
Afanassjew, N. + 163. 
Albertoni, P. 105. 

Althaus 44. 

Altscbul 35. 

Amburger. G. 378*, 338 
441. 

Amirow, S. f 58. 

Anders, E. 215. 

Arbusow f 188. 
Archangelsk^ Th. 270. 
Aristow, A. 113. 

Assmutb 34. 

Athenstädt, J. 287. 

Aubert 249. 


Breisky 214, 338. 
Brennecke 80. 

Bresgen, M. 429. 

Brissand 312. 

IBristowe 17. 

{Britan, A. 57. 
iBrodowicz, j. 67. 

Brondel 315. 

Brown, B. 336. 
Brown-S6quard 337. 

Brück f 256.! 

Brühl, L. 140. 
v. Brunn 101*. 

Brydon 331. 

IBubnow, N. + 10. 
Buchalow, N. A. 294* 336*. 


Bachmanow f 363. 
Baeckmann, Fr. f 315. 
Baginsky 297. 

Baldowsky, N. f 123. 
Ballard 17. 

Bardeleben, A. 412. 
Bardenheuer 439. 
Barklowski + 224. 

Barthel 223. 

Baumgarten 247. 

Bayer. H. 113. 

Becker 354. 

Bedro f 234. 

Beetz 399. 

Behrend, G. 26. 

Benezet, B. + 35. 
Bensengr, W. 8. 

Berg 9. 

Berg, A. + 256. 

Berger, 0. + 248. 
Bergmann, A. 230*, 293*, 
317*, 19. 123. 
v. Bergmann, E. 381. 388. 
Bernhardt 431. 

Bertenson. J. 48. 
Betteiheim 50. 

Bidder, E. 223. 255. 313. 
Biel, J. 139*. 

Billroth 239. 
v. Birch-Hirschfeld 66. 
Bjegun f 423. 

Blazina + 123. 

Blocq 379. 

Blumberg, C. 354. 
Bockhart, M. 270. 
v. Boeck, H. f 240. 
Boeckel, E. 239. 

Boehm, R. 75. 

Boekmann, A. + 35. 
Börner, P. + 299. 
Begoljepow, A. + 67. 
Bogoljubow, N. 270. 
Bohland, K. 223. 

Bökai, J. 367. 397. 
Bokelmann 296. 

Borowkow + H 5 . 

Bottini, E. 296. 

Bouchard n. 

Boule y + 414. 

Bozemann, N* 151 . 
Bradiord, H. W. 379. 
Brandt, A. + 373. 

Brass, A. 214. 


Büchner 420. 

Budge, A. f J!8. 

Büngner, 0. 289, 

Bulachow + 50. 

IBumm, E. 329. 
jBurckhardt. H 33. 

Bnrow, E. + 398. 
iKutjagin + 339. 

Cabot, A. 91. 

Cahn, A. 56. 

rarpenter, \V. f 398. 
Cayley 287. 

Cazin 19. 70, 265. 

Celli 431. 

Charcot 107. 

Chiari, H. 7. 179. 
Chochrjakow. A. + 27. 
Choroschko, K. P. + 431. 
Chotowizki + 123. 

Christie, D. 223. 

Coghill 424. 

Colin, H. 132. 

Cohnstein, J. 142. 

Conner 35. 

Cornil 281. 

Oory 17. 

Credö 153. 

de la Croix, N. J. 341* 413. 
Cyon, E. 384. 

Czarda + 391. 

Czartorishski + 153. 

Dauchez, H. 32 j. 

Daukscha + 27. 

Day, W. 42. 

Dehio 106. 

Delhaes f 180. 

Demitsch, W. 85*. 
van Derver, A. 274. 

Desaux + 163. 

Dianin f 134. 

Dick f 98. 

Dieterichs + 248. 

Dittel 6. 105. 

'Diwnogorski f 224. 
Dmitriew, W. N. 33. 
!Dobrowolski f 224. 

Döbner f 44. 

Dombrowski 273.320.372. 
Donskow + 224. 

Dotzauer + 256. 

Dreyer, W. 179. 

Dreyfous, F. 206. 


IDrszewezki t 35. 
jDobenski + 98. 

|Dubnizki, A. 1106. 
i Dnbois 338. 

Duore, L. 384. 

Eberraann 37* 48. 
tEdinger, L. 421- 
Eichhorst, H. SO. 

Einhorn f 27. 
lEllaby 49. 

!Eisberg f 98. 

Emmerich 420. 

Erlenmeyer 382. 
v. Ermengem 254. 

Esbach 355. 

Iv. Ettinger. Th. f 75. 
Eulenburg, A. 142. 

Ewald, C. A. 397. 

Falkenheim. H. 246. 
Faludy + 240. 

Favre, W. 197. 

Fehleisen 420. 
iFilatow. N. 5. 
iFinkler, D. 438. 

1 Fischer, F. 440. 

Flerow f 163. 

Fliesfeder f 216. 

Forbes, W. 8. 80. 

Fox, T. 27. 

Fraeukel, A. 295. 
Fremmert, H. 4*. 
v. Frerichs, Th. t 82. 
Frühauf, H. 214. 

Fncbs 96. 

Funk 305. 

Gärtner 367 
Gawrilow, W. t 115. 

Gay, W. A. f 347. 
Geibowitsch, VV. + 315. 
Gerhardt, C. 18.429. 
Gladkowski, J. + 355. 
Gläser, H, + 330. 

Glax, J. 328. 

Goldfeld. B. 49. 
Goldschmidt, J. 103. 
Golembiowski f 339. 
Gorezki, L. t 153. 
Gorodezki + 234. 
Goschkewitsch. M. 151. 
Gottstein, J. 297. 

Grimm, H. f 11. 

Grimm, J. 429*. 

GrodBinski + 283. 

Groedel 280. 

Grognot 287. 

Grohmann, W. 39. 

Grosse, Th. 79*. 
v. Grünewaldt, 0. 40. 255. 
GuöneaudeMussy,N.+ 198. 
Güntz, J. E. 327. 
Guschtschin f 256. 

Haas, H. 232. 

Hach 9, 81. 

Häcker, A. 213* 170. 
Haeser +315. 

Hageubach 97- 


Hagen-Torn, Th. 114. 
Halkiu, V. 305. 

Hamilton, J. B. 440. 
Hampeln 281, 282 
Harley, G.17. 

Hartigan 26. 

Hasenclever, C. 214.390. 
Hauke, J. + 75. 
Haussmann, D. 288. 
Heerwagen 282. 

Heiberg. S. 214. 

Heidecke. W. + 283. 
Helling, A. 88 . 
v. Helmersen, G. + 58. 
Helot 331. 

Henle + 172. 

Herrmann 49. 297.306.339. 
441. 

Herzenstein. G. M. 121. 
Hess, N. 1^8. 

Hesse, W. 239. 

Heyfelder 23*. 

Heymann, P. 429. 

Heynsius + 391. 

Hirsch, G. + 248. 
Hirschfeld + 208. 

Hirsch fei d + 423. 

Hirt. L. 381. 

Hoffa, A. 270. 

Hoffmann, J. 75. 

v. Holst, H. 5. 

v. Holst, L. 1*. 301*. 273. 

298.306.321. 
v. Holst, V. 272. 

Holz 76. 

Holzer. A. + 98. 

Hopkins, W. B. 162. 287. 
Housselle + 115. 

( Howe 331. 

(Hryntschak 16. 

Huchard 35. 

!Htiber 263. 273. 

I Hübner 42. 273. 

Hueppe F. 363. 420. 
Humphry 17. 

Hutchinson 17. 296. 381. 

Ignatjew, W. 175*. 
Ignatowski + 283. 

Jacobson, A. 304. 
v. Jaksch, R. 88, 381. 
Jansen 81. 

Jarkowski + 383. 
Jastrzembski + 315. 
Jeborowicz + 363. 

Jehn 76. 

Jescbtschin + 67. 

Jessner 397. 

Jewstifejew + 98. 
Johanne88en, A. 396. 
Johannson, K. R. + 224. 
Johne 270. 

Jürgens, E. + 90. 

Kalabanowitsch + 27. 
Kalinin + 373. 

Kascbinski + 98. 

Kedrow, D + 58. 

Kernig, W. 98, 262, 290, 
307. 


| Kesteven, L. 429. 

! Kinnicutt 304. 

| Kiralyfi, A. 281. 

1 Kisch, E. H. 95*. 
Kischkowski + 106. 
Kleinwächter 131. 

Kling + 172. 

Knie, A. 149*, 18. 

Knocb 272. 

Knoll, Pn. 232. 

Kochs 41. 

Köcher 381. 

Königstein, L. 429. 

Körner, 0. 404. 

Kolbe, B. 10. 

Komarezki + 123. 

Koppe, R. 405. 

Koschinski + 27. 

Kossmin + 172. 

Kossycb + 198. 
Krajewitsch, I). 49. 
Krannhals, H. 385*, 283. 
Kraske, P. 40- 
Krause, H. 390- 
Krause, W. + 331. 

Krauss 33. 

Kreis, E. 367. 

Krestnikow + 363. 

Krüger 384. 

Krusche, A. 120. 

Kryluw, W. P. + 383. 
Kubassow 247. 
Kudrjawzew, A. t 283. 
Kudsinowitscb + 307. 
Küsel, G. 159^. 

Kulakow + 240. 
Kumzewitsch + 98. 
Kurowski, J. + 26 $■ 
Kusnezki, P. 367. 
Kwaschnin + S3- 


Labusquiere, B. 263. 
Ladygin, N. t 414 
Lagowski + 44. 

Landau. L. 131. 

Länderer t 274. 

Landolt, E. 197. 

Lange, 0. 6, 106. 

Lasarew + 423. 

Lebedew, 8. 66. 

Lee, R. J. 121. 

Lehr 368. 

Leisrink + 115. 

L*loir 291. 

Leonhardt + 75. 

Leono w + 363. 

Lupine, R. 354. 
Leppmann, A. 311. 

Lesser, Ed. 320 
Letzel 368. 

Leube, W. 389. 

Lendet. E. 380- 
Lewentujew + 363. 
Liebermeister. C. 320. 
Linda + 67. 

Lingen 97, 264. 

Linhart. J. + 134. 
Lipjawko-Polowinez + 67. 
j Löbner, K. 382. 


4 


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Löwenberg 120.' 
y. Löwenssein. M. G. + 50 
Löwentbal + 90. 

Lomer 412. 

Lorenz 413. 

Lorner 420. 

Lublinski, W. 262. 

Lucae, J. f 44. 

Lürmann 65. 

Lunin, N. 45*. 

Lnrtz 296. 

Lustgarten, S. 288. 

Madden 7 . 

Magawly 9, 298, 313. 
Maissnrianz, 8.13*, 403*. 
Makawejew, J. 117*. 
Marchiafana 431. 

Martin, H. + 58. 

Mascfaka 9. 

Masing, E. 309*, 98, 248, 
306, 442. 

Mätrai, G. 381. 

Matwejew, A. 288. 

Mauk, H. 66 . 

Maximow f 283. 
Maximowitsch, J. 21*. 
Mayerhausen, G. 254. 
Mazzoni f 67. 

Mediokrizki + 234. 
Medwedjew, P.+ 373. 
Mercklin, A. 18, 296. 
Michaelis, H. 390. 
Michailow, F. N. f 431. 
Mickwitz, L. f 35. 

Mielek 323. 

Mierzejewski, W. 0. 137 . 
MiJjntin, M. K. 299. 
Milne-Edwards f 264. 
Mingazzini 249. 

Minkewicz f 90. 
Minkewitsoh t 398. 

Minn, D. E. t 391. 
Mischtschenko, E. t 67. 
Mittermayej, K. 163. 
Mizewitsch + 373. 
MonastyTski, N. 191*, 233. 
Monnet 96. 

Moritz, E. 9, 233, 273,421. 
Mosetig-Moorhof 105. 
Mnnnich, J. 368. 

Nachtigal + 153. 

Narkewitsch f 373. 
Nasarow-Snamenski f 123. 
Xaumow, W. f 172. 
Neelsen, F. 49. 

Nök&m f 307. 

Nemetti f 83. 

Nensberg f 363. 
Nengebauer 291. 

Xeuhaus 429. 

Nenmann 47 *. 

Neomann, H. 397. 
Newmann, R. 328. 

Nicati 373. 

Nicolai 188. 

Nikitin, W. N. 132. 
Nikolski, D. t 58. 

Nöschel, W. 239. 

Nordmann 6 . 

v. Nordström. J. Ch + 363 
Nekrolog 373. 


Ao3«o.ieHO ueH3ypoio. C 


INotley 315. 

.iNowizki t 216. 

Obrzut, A. 188. 

Ogston 35. 

Oppler 439. 

Ornatski. N. D. t 406. 
Orthmann, E. G. 336. 

Otto, W. 430- 

Pagenstecher 107. 
Pantaleoni, D. + 198- 
Panum +143. 

Paschutin, V. 305. 

Pasteur, L. 380. 

Paul f 163. 

Paul, C. f 188. 

Pavay, G. 178. 
Pawlowitsch + 373 . 
Pawlowski t 224. 
Pawlowski, W. + 216- 
Peiper, E. 412. 

Peretti 289. 

Perroncito 44. 

Persh 76. 

Peters, R. 63* 

Petersen, 0.177* 311* 326* 
333* 339 414. 

Petrow t 180. 

PetrowBki, M. 179. 
v. PettenWer, Äl. 97. 
Pfeiffer, A. 296. 

Pfeiffer, L. 57. 

Pflüger, E. 223. 

Picard t 234. 

Piculin 1339- 
Pinard, A. 172. 

Piotrowski, G. + 50. 
Plagge 367. 

Plaut, H. 80. 

Podwyssotzki, W. 33. 

Pöhl, A. 10- 
Pohl, A. E. f 283. 

Pohl, H. 253* 

Pokrowski f 98. 

Polaillon. M. 262. 

Politzer 231. 

Pommer, G. 355. 

Ponzi, G. f 414. 

Popow, A. f 363. 

Popow, J. f 90. 

Porcher, P. 443. 

Poresch, A. + 355- 
Portugalow, M. A. f 234. 
Porubajew + 355. 
Poshidajew f 163. 
Prazmowski f 208. 

Prior, A. 438. 

Prochnow, J. 270. 
Prochorow, P. 88 . 
Proschanski f 106. 
Prosorow, G. t 35. 

Pughe, R. 397 
Puhlmann, 0 . 18, 

Queirotoin 407. 

Rabutean + 406. 

Radakow 296. 
y. Radeski, E. 288. 
Ramdohr, H. A. 232. 
Raptschewski, J. 131, 280. 

304, 328, 362. 
y. Rautenleld. P. 7. 


Reichmann 197, 366. 
Reimer 155*, 221* 

Reurski + 339. 

Richter, C. M. 397. 

Riedel 157* 

Riegel, F. 247. 
jRietsch 373. 

Ripari, P. + 106. 

| Ritter, Ch. t 307. 

Robin, Ch. Ph. t 347. 
Roche 107. 

Rodzqewski, D. K. 237*, 
267* 321. 

Rodziewitsch, H. J. 56*. 
Roloff, F. f 443. 

Rosano w + 44. 
jRosanow, J. 96, 320. 
'Rosenbach, P. 120. 320. 
(Rosenblttth 239. 
iRosenstein, J. 141. 

IRossbach, M. J. 151 . 

Roth, W. 368. 

Rothe, A. 389. 

| Rubinstein + 98. 

Rubinstein, F. 39. 

Rückert + 274. 

|Rueff, A. f 373. 

Runge, M. 426* 

Sachaijin 337. 

Sadkowski t 339 . 
Saexinger, J. 96. 

Sagorski, P. 151. 

Salomon, E. t 50. 

Salomon M. 440. 
Sambrzicki, A. + 274. 
Sauerhering 405. 

Sawadski + 172. 

Schadeck, C. 357*, 395*, 
419*, 435*, 49. 

Schächter, M. 49. 

Schäfer 74. 

Schäffer, M. 287. 

Schalita, S 440. 

Schapiro, B. M. 219*. 
Schapiro, H. 171. 

Schatz 312- 
Schauta, Fr. 8 , 232. 

Scheff, J. 239. 

Scheuerlen, E. 328. 


ISchustler, M. 179. 
iSchwanebach, A. 410*. 
.Schwartz 19. 

Schwartze, H. 420. 
Schwarz, A. t 35. 
Schwarz, V. + 347. 
Schweninger f 322. 

Scott, J. 289. 

,S 6 e, M. 151. 
v. Seidlitz, C. J. + 58. 
Selenewski + 98. 
Selenezki + 134. 
Selenkow, Al 285*. 
Selenski 114. 

Senator 105. 

Sergejew, N.+ 123. 
Shiwostirzejew 312. 
v. Siebold, C. + 134. 
Silbermann, 0. 305. 
Skorik f 67. 

Skworzow, J. 26. * 
Slatownatski t 83. 
Slobodsinski f 234. 
Smigrodski, G. 88 . 
Sinirenski f 90. 

Smith, N. 7. 
jSobern f 83. 

|Socin 281. 

|Solowjew f 106. 

Speranski, K. f 347. 
Sperck 9, 442. 

Speyer, C. + 339. 
Ssacharow f 208. 

Ssalazki f 44. 

Ssalmanow + 414. 
Ssemtschenko, D. 162. 
Ssirotin f 331. 

Ssokolski f 264. 

Ssolomin, P. 105. 
Ssutugin, W. 304. 
Sswiridenko + 172. 
iSsyromjatnikow, J. 304. 
jStarcke, P. f 347. 
Stavenhagen 206,272, 273 
Stazewitsch, F. 171. 
Stefanowski, N. P. f 398. 
Steinfeld, W. 33. 
Steinmann, Fr. + 75. Ne 
krolog 82. 

Stern, H. f 50, 


f w» 

Schimkewitsch, J. t 373. 'Strassmann, W. f 431. 


Schlager, L. *j* 256. 
Schlegel f 83. 
Schleich 8 . 

Schmidt 314. 


IStrat^jewski, S. + 264. 
Strelzow f 188. 

'Strümpell, A. 179, 263,297 
jStudenski, N, 281. 


Schmidt, A., Nekrolog 133. Stupatschewski f 274. 
Schmidt-Rimpler 152. jStutzer 288. 

Schmitz, A. 9. 34, 75, 98, Suchmanowitsch f 373 

OKK rtO(\ AAC\ A OOl 


255, 369,, 442. 
Schnegas, M. f 322. 
v. Schneller, J t 443. 
Schönfeldt, J. E. t 423. 
Schottelius, M. 197. 
iSchpiljawski + 27. 
|Schreiber, J. 17. 
•Schröder, K. 337. 
Schröder, L. 251*- 
v. Schröder, Th. 42. 
Schtschastliwzew + 355. 
Schtschepotjew, N. 97. 
Schtscherbakow, A. 8 - 
Schubert, D. 397. 
[Schütz, E. 247. 


jSuck, A. f 331. 

Tait, L. 141. 

Talma, S. 231. 
jTauffer 121. 
iTemTlon 312. 
v. Thanhofer, L. 97. 
Thilenius f 299. 

[Thomas, G. 331. 
Thompson, H. 41, 57, 421 
Tichomirow, J. + 224. 
Tiling, G„ 29*, 71*, 301* 
43. 

Tiling, Th. 255, 263. 
Topas, J. t 44. 


Tothmayer, F. 367. 
Totleben + 180. 

Towjanski f 248. 
Trachtenberg, G. 206. 
Trussewitsch, J. 7. 
Tscbaschnizki f 172. 
Tschelzow, M. 114. 
Tschernigowski, S. f 391. 
Tscherscbik f 307. 
Tschistowitsch, J. t 363. 
Nekrolog 373. 

Uhde t 347. 

Unkowski, N. 214. 
Urbantschitsch, V. 97 . 

Verchdre, F. 381. 

Vierhuff 18. 

Villaret 262. 

Vogel 422. 

Vogelsang, Fr. 320. 

Vogt, P. f 233. 

Volkmann, R. 254. 
Voltolini 289, 389. 

Voss 260*. 

v. Wahl, E. 365*, 346. 
Wahl, M. 205. 

Waldhauer, C. 103*. 
Walter, P. 337. 

Warden 312. 

Wassewitsch t 240. 
Wassiljew, R. f 414 , 
Wassing 240. 

Weber, F. 388*. 

Weber, R. 274. 

Weiss 74. 

Wellberg, J. 109*. 
Weprizki, N. f 58. 
Wesselowski + 115. 
Wiedemann, C. 77*. 
Wierzbicki + 339. 
Wildermuth 44.' 
Winogradow, A. + 443. 
Wischnewski f 123. 
Wischnewski, N. E. + 443. 
v. Wistinghausen, C. f291. 
Witowsky, A. 320. 

Witte, A. E. f 208. 
Wladykow, N. f 355. 

Wolff, J. 397. 

Wolff, M. P. 289. 
Wolffberg, L. 80. 
Wolffberg, S. 254. 
Woloschkewitsch f 50. 
Wootten 356. 

Wosnessenski f 27. 

Wulff 98, 371. 

Wulffius, E. f 430. 

Zabludowski, J. 235*. 
Zander 153. 

Zaufal 331. 

Zawadski, St. + 75. 
Zechanowitsch f 67. 

Zeissl, H. 114. 

Zeller t 291. 

Ziemacki, J. 130*, 211*. 
Zieminski, B. 5. 
y. Ziemssen 121. 

Zini, F. f 391. 

Zopf 297. 

Zulinski, Th. + 67. 
Zwingmann, C. f 172. 


.-IleTepCypn,, 7 RHBapa 1886 roAa 


Buchdruckerei von A. Caspary, Liteiny-Prospekt N» 5** 


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Neue Folge. St. Petersburger II. Jahrgang. 

^ (ln der Reihenfolge X. Jahrgang.) 

Medicinische Wochenschrift 


unter der Redaction 

von Prof. ED. v. WAHL in Dorpat und Dr. L. v. HOLST in St. Petersburg. 


Die «St. Petersburger Medicinische Wochenschrift» erscheint jeden Sonn¬ 
abend. Der Abonnements-Preis ist in Russland 8 Rbl. für das Jahr, 
4 Rbl. für das halbe Jahr inclusive Post-Zustellung; in den anderen Län¬ 
dern 16 Mark jährlich, 8 Mark halbjährlich. Bestellungen übernehmen 
die Buchhandlungen aller Länder. Der Insertions-Preis für die 3 mal 
gespaltene Zeile in Petit ist 12 Kop. oder 4b Pfenn. 


Manuscripte sowie alle auf die Redaction bezügliche Mittheilungen bittet 
man an den geschäftsführenden Redacteur, Dr. L. V. Holst in St. Peters¬ 
burg, Evangelisches Hospital, Abonnements-Aufträge, Inserate ete. an 
die Buchhandlung von C. Ricker in St. Petersburg, Newsky-Prosp. J# <4 
zu richten. Ausser dem Honorar (16 Rbl. pro Bogen) werden den Autoren 
25 Separatabzüge ihrer Original-Artikel zugesandt. 


Ns 1. St. Petersburg, 5. (17.) Januar 1885. 


Infcsrit: L Holst: Ein Fall von Ileotyphus und perniciöser Anämie. — H. Fremmert: Zur Casuistik der Leukoplakie. — Re¬ 
ferats. B. Zieminski: Experimentelle und klinische Beiträge zur Frage über die Anwendung des Cocains in der Ophthalmologie. — 
H. t. Holst: Zur Aetiologie der «Puerperalinfection* des Foetns und Neugeborenen. — N. Fiiatow: Influenza bei Kindern. — O. 
Lange: Znr Frage über die spontane Resorption cataractöser Linsentrübungen. Nordmann: Fall von Cataracta Morgagni (hyperma- 
tura Saida) mit wasserklarer Corticalflüssigkeit. — Prof. D Ittel: Ueber das Verhältniss der Litholapaxie zum hohen Schnitt. — J. 
Tr usse wi tsch: Kalrin innerlich und snbcutan verbunden mit gleichzeitigen Carbolsäure-Clysmen als bestes Temperatur-herabsetzendes 
Mittel. — P. v. Rautenfeld: Ueber die Ansscheidung des Strychnins. - Prof. H, Chiari: Znr Lehre von den durch die Einwirkung 
des Magensaftes bedingten Veränderungen in der Oesophagus wand. — Madden: Ein Fall von Incontinentia nrinae in Folge von Miss¬ 
bildung. Noble Smith: Incontinentia nrinae in Folge von Missbildung. — J Bücher-Anzeigen und Besprechungen. W. Bensengr: 
Ueber Assainisirnng der Städte. — A. Schtscherbakow: Der Ssaki’sche Moor in der Krim. — Schleich: Die Angen hundertund- 
fünfisig neugeborener Kinder ophthalmoskopisch untersucht. — Schanta: Grundriss der operativen Gebortshülfe. — An die Redadion 
eingesandte Bücher und Druckschriften . — Auszug aus den Protokollen der Gesellschaft praktischer Aerzte zu Riga. — Auszug 
aus den Protokollen des deutschen ärztlichen Pereins. — Protokolle des Vereine st. Petersburger Aerzte. — Vermischtes. — Kran¬ 
kenbestand der Civil- und Kinderhospitäler St. Petersburgs. — Mortalität einiger Hauptstädte Europas. — Anzeigen. 


Die <St. Petersburger Medicinische Wochenschrift» 

unter der Redaction von 

Prof. Sd. v. Wahl in Dorpat und Dr. L. v. Holst, in St. Petersburg 
wird auch im Jahre 1885 unter der jetzigen Redaction und nach dem bisherigen Programm erscheinen. Sie stellt sich 
die Aufgabe, ein Organ für praktische Aerzte zu sein und letztere durch Originalarbeiten sowohl als dnrch Referat»' 
und Besprechungen neu erschienener Werke mit den Ergebnissen zeitgenössischer medicinischer Forschung bekannt zu 
erhalten. Besondere Aufmerksamkeit wird die Wochenschrift auch fernerhin der russischen und polnischen medicl- 
nischen Literatur widmen und es sich angelegen sein lassen, die fortlaufende Kenntnissnahme derselben den mit den be¬ 
treffenden Sprachen nicht vertrauten Fachgenossen zu vermitteln. Der Abonnementspreis ist incl. Zustellung In 
Russland 8 Rbl.für das Jahr, 4 Rbl. für ein halbes Jahr; in den andern Ländern 16 Mark für das Jahr, 8 Mark 
fhr ein halbes Jahr. — Abonnements-Aufträge und Inserate nehmen sowohl der Vferleger der Wochenschrift — Buch¬ 
händler G. Ricker in St Petersburg, Newsky-Prospect JV» 14, als auch alle anderen Buchhandlungen entgegen. 


Ein Fall von Ileotyphus und perniciOser Anämie. 

Von 

Dr. L. H o 1 s t 


Christine P., 20 J. alt, ledig, Finnländerin, wurde am 4. 
Nov. 1884 in’s Evangelische Hospital aufgenommen. Da 
Pat. nur der finnischen Sprache mächtig war, blieb das 
Krankenexamen resultatlos; nur so viel war von der Be¬ 
gleitung der Kranken in Erfahrung gebracht worden, dass 
sie seit einigen Wochen krank sei. Doch lehrte ein flüch¬ 
tiger Anblick, dass Patientin offenbar schwer erkrankt sei, 
denn die Leichenblässe des Gesichts so wie die grosse Hin¬ 
fälligkeit und Kraftlosigkeit bei sonst kräftigem Körper- 
bane und offenbar gutem Ernährungszustände sprang sofort 
in die Augen. 

Die am 5. November Angestellte, genauere Untersuchung 
ergab Folgendes: Die Haut des ganzen Körpers von auf¬ 
fallender Blässe, das Fettpolster überall gut entwickelt, 
dabei hohes Fieber, am Abend des 4. Nov. T. 40,3, am 
Morgen des 5. 39,5, P. 100. Zunge wenig belegt, ein flüssiger 
Stuhl. Leib nicht aufgetrieben, gegen Druck empfindlich, 
doch beschränkt sich die Empfindlichkeit nicht auf eine be¬ 
stimmte Stelle, sondern ist über den ganzen Unterleib ver¬ 
breitet, ja sogar über den ganzen Körper, da Druck überall 
Schmerz hervorruft. Von Exanthem. keine 8pur vorhan¬ 
den, Milzdämpfnng nicht vergr&dert; über dem Herzen ein 


leichtes Sausen zu hören, welches als anämisches Blutge¬ 
räusch aufgefasst wurde. Leichtes Hüsteln, ohne dass in 
den Lungen eine auffallende Veränderung nachzuweisen 
gewesen wäre. Urin ziemlich dunkel gefärbt, trübe durch 
Beimengung von Schleim, reagirt schwach alkalisch, auf 
Zusatz von Essigsäure entsteht beim Kochen eine leichte 
Trübung. — Einige Male tritt Erbrechen ein, Durst nicht 
sehr lebhaft. Abendtemperatur 40. 

.Die Diagnose blieb zweifelhaft. Die höchst auffallende 
Blässe der Bant bei gut erhaltenem Fettpolster and hoch¬ 
gradiger Prostration legten den Verdacht auf Leukämie 
oder perniciöse Anämie nahe; dagegen sprachen die hoben 
Temperaturen hei nur mässig beschleunigtem Pulse, welche 
eher auf einen Typhus hinzudeuten schienen. Jedoch fehl¬ 
ten wiederum Exanthem, nachweisbare Empfindlichkeit der 
Ileocoecalgegend, Auftreibung des Leibes and vor allen Din¬ 
gen nachweisbare Milzschwellung; auch war die Beschaffen¬ 
heit der Zunge, das völlig freie Sensorium, der nur mässige 
Durst bei gleichzeitigem hohem Fieber und hochgradigem 
Darniederliegen der Kräfte schwer in Einklang zu bringen 
mit einem Typhus von mehrwöchentlicher Dauer. Für die 
Annahme einer ernsteren Affection der Nieren, Lungen, oder 
des Herzens war kein hinreichender Grand vorhanden, and 
. die Anamnese fehlte. — Ord.: Chinin. 

6. Nov. T. Morgens 40,2, P. 106, Pat klagt über 
Schmerzen in der Milzgegend; Druck ist wie Tags zuvor, 


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2 


überall am ganzen Körper schmerzhaft Keine Milzschwel¬ 
lung, kein Stuhl, kein Erbrechen. Ueber dem Herzen ein 
systolisches Sausen. Abendtemperatur 40,8. — Ord.: 
Clysma. 

7. N o v. Morgentemperatur 40,3, P. 108. In der Nacht 
ist Pat. sehr unruhig gewesen, doch ohne zu deliriren. 
Durch das Klystier ist eine Stuhlentleerung bewirkt worden. 
Mässiger Husten; hinten hört man beiderseits etwas Rassel¬ 
geräusche in den oberen Lungenpartien. Der Urin trübe, 
gebt klar durch's Filter, reagirt sauer, (ist massig ei weiss¬ 
haltig. 

Wegen der ungewöhnlichen Dunkelheit an den vorherge¬ 
henden Tagen war die Untersuchung des Blutes bisher unter¬ 
lassen worden; nachdem nun grössere Tageshelligkeit ein¬ 
getreten, wurde ein Tropfen Blut der Patientin entnommen 
und unter das Mikroskop gebracht. Dabei fiel sogleich auf, 
dass es überhaupt schwierig war Blut zu erhalten; erst 
durch einen ziemlich tiefen Nadelstich und nachheriges 
fortgesetztes stärkeres Reiben und Drücken gelang es ein 
kleines Tröpfchen Blut von sehr blassrothem Ansehen zu 
erhalten. Unter dem Mikroskope zeigte sich nun Folgen¬ 
des: Die Zahl der weissen Blutkörperchen war nicht ver¬ 
mehrt, sondern entschieden vermindert, man musste oft 
lange suchen, bis man eins entdeckte; im ganzen Gesichts¬ 
felde war oft nicht ein einziges zu finden und man musste 
das Präparat mehrmals hin und her schieben, bis man auf 
eins stiess. Um Leukämie handelte sich’s also positiv nicht. 
Dierothen Blutkörperchen hatten sich nirgendwo in der 
gewöhnlichen Geldrollenform aneinander gelegt, sondern 
waren regellos übereinander geschichtet oder schwammen 
frei umher wie die Eiterkörperchen in einer eitrigen Flüs¬ 
sigkeit. Fast sämmtlich waren sie in Form oder Grösse 
verändert, normale rothe Blutkörperchen waren fast ebenso 
selten anzutreffen wie die weissen. Die Grösse war be¬ 
deutenden Schwankungen unterworfen; die allermeisten 
waren grösser als gewöhnlich, den weissen Blutkörperchen 
gleichkommend, andere wieder nur halb sogross. Noch 
auffallender waren die Verschiedenheiten der Form. Blut¬ 
körperchen von normaler kreisrunder Form fanden sich 
allerdings in ziemlich grosser Menge, doch waren sie dann, 
wie gesagt, grösser oder kleiner als gewöhnlich, auch fan¬ 
den sich einige deutlich kernhaltige unter ihnen. Die weit 
überwiegende Mehrzahl aber zeigte in ihrer Gestalt die auf¬ 
fallendsten Abweichungen von der Norm. Sie waren ent¬ 
weder in die Länge gezogen, oval, aber noch von regel¬ 
mässiger Gestalt, oder mit einem spitz zulaufenden Ende. 
Andere wieder birnförmig, keulenförmig, retortenförmig, 
mit unregelmässig polygonalen Contouren; wieder andere auf 
die Fläche gebogen, so dass sie, auf der hohen Kante Hegend, 
ein Kreissegment mit angeschwollenen Enden darstellten. 
Bei einzelnen sah man deutlich helle Stellen, Vacuolen im 
Innern, bei anderen wieder einen deutlichen Defect am 
Rande. Schliesslich fanden sich denn auch ziemlich zahl¬ 
reiche, unregelmässig polygonal gestaltete, kleinere und 
grössere Brocken, offenbar Fragmente von Blutkörperchen. 
Die Blutuntersucbung wurde in der Folge noch mehrmals 
wiederholt und ergab stets dieselben Bilder. Zugleich wurde 
nach Mikrokokken gesucht, da ja die perniciöse Anämie 
von Einzelnen ebenfalls für eine parasitäre Krankheit ge¬ 
halten wird. Doch ist es uns trotz eifrigen Sucbens weder 
in gefärbten noch in ungefärbten, weder in feuchten noch 
in Trockenpräparaten gelungen etwas Specifiscbes zu finden. 
Die nachfolgende Zeichnung wird dem Leser die von mir 
gesehenen Bilder veranschaulichen, und da dieselben mit 
den von anderen Autoren gegebenen Abbildungen der Blut¬ 
körperchen bei perniciöser Anämie ziemlich genau überein¬ 
stimmen, so hielt ich die Diagnose «perniciöse Anämie» für 
gesichert, wobei die hohen Temperaturen freilich unerklärt 
blieben. 

Ich glaube in das bier Gesehene nichts hineinzuinterpre- 
tiren, wenn ich in der Reihenfolge der abgebildeten Formen 
den Ausdruck der auf einander folgenden Phasen des fort¬ 


schreitenden Zerstörungsprocesses sehe, welchem die rothen 
Blutkörperchen anheimfallen. Die erste Phase scheint die 
zu sein, dass das Blutkörperchen anschwillt; dann scheint 
der Inhalt zu gerinnen, zu schrumpfen. Folgt nun die 
Umhüllungsmembran diesem Schrumpfungsprocess, so ent¬ 
stehen die verschiedenen auffallenden, bisweilen recht bi¬ 
zarren Formen. In anderen Fällen aber scheint die Mem¬ 
bran dem sich zusammenziehenden Inhalte nicht zu folgen 
und es entstehen Hohlräume, Vacuolen. Reisst nun die 
die Vacuole überziehende Partie der Membran, so haben 
wir den Defect am Rande des Blutkörperchens, welches 
schliesslich in einzelne unregelmässig gestaltete Partikel 
zerfällt 



a, weluei Blutkörperchen. 6, rotheg Blutkörperchen, c, mit Kern. 
d, e, Blutkörperchen von verschiedener Form, f, Blutkiinerchen 
mit Vacuole. g, Blutkörperchen mit Defect am Bande. «, Blut- 
kOrperchen-Fragmente. 


Der weitere Krankheitsverlauf war nun kurz folgender. 
Am Abend des 7. Nov. stieg die T. auf 41,2, war in der 
Nacht 40,3, am Morgen des 8. Nov. 40,5. Die Nacht ver¬ 
lief sehr unruhig, nur wenig Schlaf, das Sensorium aber 
ganz frei. Von Blutaustretungen war nirgends die geringste 
Spur zu entdecken. T. Abends 40,5, in der Nacht 40,7. 
— Ord.: Tinct. fern acet. aether. gtt. XXX 3 Mal täglich. 
Kalte Abreibungen. 

9. N o v. T. Morgens 40. Die kalten Abwaschungen 
sind der Patientin angenehm und setzen die Temperatur 
zeitweilig stark herunter. Die Nacht ist schlaflos und 
sehr unruhig vergangen, mit viel Aecbzen und Stöhnen, 
aber ohne Delirien. An der Dorsalfläche der Füsse und 
der unteren Partie der Unterschenkel sieht man vereinzelte 
kleine, hanfkorn- bis erbsengrosse hämorrhagische Flecken. 
Abendtemperatur 41, — Ord.: Ghloral zur Nacht. 

10. Nov. T. Morgens 40,7. Die Nacht ist ruhiger ver¬ 
gangen, nachdem Chloral genommen worden. Die Chinin¬ 
oblaten werden erbrochen. P. 118. Das rechte Herz ist 
vergrössert, reicht bis an den rechten Sternalrand und etwas 
darüber hinaus. Abendtemperatur 41,6. 

11. N o v. Morgentemperatur 40,7. Nacht sehr unruhig 
trotz Chloral, Delirien. P. 118, etwas Sehnenhüpfen. 
Abendtemperatur 40,6. 

12. Nov. Morgentemperatur 40, P. 126, sehr klein, 
Nacht etwas weniger unruhig; Rechts hinten schwach bron¬ 
chiales Exspirium. — Pat. ist offenbar moribund, und am 
Morgen des folgenden Tages um 4 Uhr tritt der Tod ein. 

Section : Leiche sehr blass, Leichenstarre recht bedeu¬ 
tend, am Rücken ausgebreitete livide Todtenflecke. In der 
Kreuzbeingegend ein etwa handtellergrosser, hämorrhagi¬ 
scher, hochrother Fleck; ein ebensolcher bohnengrosser in 
der Gegend des rechten Schulterblattes, mehrere kleinere, 
Stecknadelkopf- bis erbsengrosse an den unteren Extremi¬ 
täten. Fettpolster reichlich vorhanden. 

Das Herz dilatirt, namentlich der rechte Ventrikel gross, 
die Muskulatur blass, etwas bräunlich tingirt, an den Pa- 
pillarmuskeln ein leicht getigertes Aussehen deutlich zu er¬ 
kennen, die Klappen normal bis auf einzelne kleine, durch 
beginnende Verfettung getrübte Stellen; dasselbe an der 
Aorta in etwas ausgeprägterem Maasse zu sehen. Das Blut 
sehr dünnflüssig, blass, von etwas bräunlicher Färbung, hat 
nur sehr wenige zarte, lockere Gerinnsel gebildet Im Pe- 
ricardium eine mässige Quantität seröser Flüssigkeit. 

Die rechte Lunge theilweise adhärent, ödematös, wenig 
lufthaltig; der untere Lappen fast völlig splenisirt, der bei 
Druck austretenden Flüssigkeit sind fast gar keine Luft¬ 
blasen beigemengt. An der Oberfläche zahlreiche kleine 
Ecchymosen. Die linke Lunge ist frei, bietet sonst den- 


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selben Befand, nur dass sie bedeutend lufthaltiger ist als die 
rechte. 

Die Milz nur sehr wenig vergrössert, doch fest, von dunk¬ 
ler Farbe und gutem Blutgehalt, die Malpighischen Kör¬ 
perchen deutlich erkennbar. 

Die Leber ziemlich gross, an der Oberfl&che gallig tin- 
girt Das Gewebe auf dem Durchschnitt etwas blass und 
gelblich, brflchig, trübe. Läppehenzeichnung nicht deutlich; 
parenchymatöse Degeneration. 

Die Nieren gross, die rechte von reichlichem Blutgehalt, 
die linke auffallend blass; Pyramiden deutlich sich ab¬ 
zeichnend. 

Die Mesenterialdrüsen geschwellt, namentlich in der 
Nähe des Coecum stark vergrössert, auf dem Durchschnitt 
sehr rotb, einzelne schon blasser, geigen mehr den Charak¬ 
ter der markigen Infiltration. 

Im Magen etwas röthlich tingirter Schleim und sehr 
zahlreiche kleine Ecchymosen in der Schleimhaut. Der 
Dünndarm sehr blass, zeigt in seinen oberen Partien nichts 
Besonderes. Im Ileum aber beginnen hie und da kleine, 
erbsengrosse Infiltrationen aufzutreten, die nach abwärts 
hin allmäfig zahlreicher werden, es treten Schorfe auf, 
welche sich hie und da schon abgestossen und kleine Ge- 
schwürchen hinterlassen haben. In der Gegend der Ileo- 
coecalklappe sind die, grösstentheils noch mit Schorfen be¬ 
deckten Geschwüre sehr zahlreich, dicht, bei einander ste¬ 
hend und grösser. 

Der Uterus liegt stark nach links hinüber gebeugt, bietet 
sonst nichts Besonderes. 

Zur Untersuchung des Knochenmarkes wurde aus dem 
rechten Femur ein Stück ausgesägt Das Mark war auf¬ 
fallend roth ; bei der mikroskopischen Untersuchung ergab 
sich, dass dasselbe kernhaltige Blutkörperchen enthalte, je¬ 
doch nicht in auffallend grosser Menge. 

Die Section hatte somit unzweifelhaft festgestellt, dass 
ein Ileotyphus vorlag, dessen Vorhandensein wir bei Leb¬ 
zeiten der Patientin aus den oben angeführten Gründen ge¬ 
glaubt hatten bestreiten zu müssen. Eh bleibt nur noch die 
Frage zu erledigen, ob wir uns auch in Betreff der auf 
Anämia perniciosa gestellten Diagnose geirrt hatten. Ich 
glaube das nicht. Meiner Meinung nach waren beide 
Krankheiten vorhanden, und zwar hatte die an perni- 
ciöser Anämie leidende Patientin einen Abdominaltyphus 
acquirirt, wodurch die Prognose natürlich nur noch bedeu¬ 
tend verschlimmert, das letale Ende nur noch rascher her- 
beigefUhrt werden konnte. Beide Krankheiten congruirten 
nur in einer Beziehung, nämlich in der Zerstörung der vi¬ 
talen Bedingungen und Kräfte; in vielen anderen Bezie¬ 
hungen aber widersprachen sie sich, so dass aus ihrem zu¬ 
fälligen Zusammentreffen eine eigenthümliche Complication 
von Erscheinungen entstand, welche theils dem einen, theils 
dem anderen Processe angehörten, und dabei durch ihr 
Vorhandensein bald den einen, bald den anderen Process 
auszuschliessen schienen, oder aber durch die zufällige Com¬ 
plication mit einer grundverschiedenen Krankheit nicht zur 
vollen Entwickelung kamen und daher auch nicht deutlich 
in die Erscheinung traten, — und zwar gilt das sowohl von 
den während des Lebens beobachteten Erscheinungen wie 
von den durch die Section zu Tage geförderten Resultaten. 

Die perniciöse Anämie ist verhältnissmässig selten als 
genuine Krankheit beobachtet worden, häufiger als Folge 
anderer schwerer Erkrankungen, wie z. B. nach Puerperal¬ 
fieber, schweren Typhen etc. Hier aber verhielt sich die 
Sache gerade umgekehrt. Aus dem Sectionsbefunde liess 
sich der Schluss ziehen, dass der Typbusprocess sich beim 
Tode der Patientin am Ende der 2., oder Anfang der 3. 
Woche befunden haben müsse; dieselbe hatte 10 Tage im 
Hospitale gelegen, der Typhus hatte also höchstens 8 Tage 
vor ihrer Aufnahme eingesetzt, bei der Aufnahme aber war 
angegeben worden, dass sie bereits seit einigen Wochen 
krank sei. Ausserdem war es völlig unmöglich anzunehmen, 
dass ein Typhus von nur 8 tägiger Dauer eine solche 


Leichenblässe verursachen könne, wie sie gleich bei der 
Aufnahme als auffallendste Erscheinung sich bemerkbar 
machte. Die Anämie war also offenbar das ältere Leiden, zu 
welchem der Typhus hinzugetreten war. Die hochgradige 
Blässe blieb während der ganzen Krankheit besteben, selbst 
Temperaturen von41—41,5 vermochten nicht,auch nureine 
leichte Rötbung der Wangen hervorzurufen und der Wider¬ 
spruch zwischen beiden Erscheinungen erklärt sich eben dar¬ 
aus, dass beide verschiedenen Krankheiten angehörten; bei 
perniciöser Anämie sind die Temperaturen nicht sehr hoch, 
und beim Typhus ist Blässe des Gesichts weder so hoch¬ 
gradig noch so constant wie in diesem Falle. Ebenso ver¬ 
hält es sich mit dem reichlichen Fettpolster, welches beim 
Typhus ja rasch consumirt zu werden pflegt, namentlich bei 
stärkerem Fieber, hier aber sieb unverändert bis zum Ende 
erhielt, wie es bei der pernieiösen Anämie der Fall ist, und 
zwar trotz der excessiv hohen Temperaturen. Hier hatte 
der Einfluss der Anämie das Uebergewicht behalten, wie 
auch in Beziehung auf das Sensorium, welches frei blieb 
bis zum vorletzten Tage vor dem Tode, wo der Tod schon 
so zu Bagen vor der Thüre stand, während ein constant 
freies Sensorium im Typhus bei Temperaturen die 8 Tage 
lang nicht unter 40° hinuntergehen, wohl aber öfters über 
41 binausgehen, doch kaum beobachtet werden dürfte. Bei 
perniciöser Anämie aber bleibt das Sensorium frei bis zum 
Ende. Dazu kommt nun noch der bei der mikroskopischen 
Untersuchung des Blutes erhaltene Befund. Allerdings 
sind die beschriebenen Veränderungen des Blutes ja nicht 
charakteristisch für perniciöse Anämie, sie werden auch 
bei anderen schweren Krankheiten, welche das Blut stark 
consumiren und eine hochgradige Anämie hervorrufen, ge¬ 
funden, aber doch schwerlich bei einem Typhus von nur 
8tägiger Dauer in solcher In- und Extensität wie in diesem 
Falle. Mit allen den übrigen Erscheinungen zusammenge¬ 
halten sicherte dieser Befund denn dpeh wohl die Diagnose 
auf perniciöse Anämie, denn um eine gewöhnliche Anämie 
handelte sich's nicht, weder in Folge von Blutverlusten; 
noch in Folge von erschöpfenden Krankheiten, da von bei¬ 
den weder bei der Section irgend eine Spur aufgefunden 
werden konnte, noch in der Anamnese irgend ein Anhalts- 
punct für eine solche Annahme geboten worden war. Von 
Leukämie oder einfacher Chlorose konnte erst recht nicht 
die Rede sein. — Anfänglich wurde vergeblich nach Blut- 
austretungen gesucht, später aber traten sie auf. Derar¬ 
tige hämorrhagische Flecke, wie wir sie an den Unterschen¬ 
keln und Füssen unserer Patientin sahen, kommen ja wohl 
auch im Verlaufe eines schweren Typhus vor; aber neben 
* diesen kleinen Flecken fand sieb noch ein grösserer an der 
Schulter, ein handtellergrosser am Kreuz, sehr zahlreiche 
kleine Ecchymosen in der Lungenpleura und der Magen¬ 
schleimhaut, wo auch der Schleim etwas blutig gefärbt war. 
Das sind Erscheinungen, welche nicht in den Bildrahmen 
eines Typhus hineinpassen, der ohne blutige Stühle, sogar 
ohne irgend erheblichen Durchfall und ohne Trübung des 
Sensorium verläuft. 

In ganz ähnlicher Weise stossen wir bei der Section be¬ 
ständig auf Widersprüche, auf Erscheinungen welche sich, 
die einen mit diesem, die anderen mit jenem Krankheits¬ 
bilde durchaus nicht vereinigen lassen wollen. Da ist zu¬ 
erst die ausgesprochene Todtenstarre und die ausgebreiteten 
Todtenflecke, beides Erscheinungen wie sie an Leichen von 
Personen die an perniciöser Anämie verstorben sind, nicht 
beobachtet werden. Hier hatte wieder der Typhus sein 
Uebergewicht geltend gemacht. Andererseits sprach die 
sehr dünnflüssige Beschaffenheit des blassen Blutes, das nur 
einige wenige kleine, sehr weiche und lockere Gerinnsel zu 
bilden vermocht hatte, für die Anämie. Am auffallendsten 
war das Verhalten der Milz. Es war nicht etwa Schuld 
einer mangelhaften Untersuchung, wenn wir bei Lebzeiten 
keine Milzschwellung nachweisen konnten; sie war wirklich 
nicht, oder doch in sehr unbedeutendem Maasse vergrössert, 
und das bei Temperaturen die stets über 40° standen. Wie 

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stimmt das mit dem Typhus ? Andererseits war sie aber 
fest, derb, von reichlichem Blutgehalt. Wie stimmt das 
mit der perniciöeen Anämie ? Beide Processe scheinen sich 
biet die Waage gehalten zu haben. Die Anämie liess es 
nicht zu einer merklichen Vergrössernng dieses Organes 
kommen, der Typhus aber sorgte wenigstens für derbe 
Consistenz und Blutfülle. Die bedeutende Blässe der Darm¬ 
schleimhaut und der linken Niere (die rechte war offenbar 
hyperämisch durch Stauung in Folge der nahen Nachbar¬ 
schaft der degenerirten Leber) war ohne Zweifel eine Er¬ 
scheinung welche der Anämie angehörte. Schliesslich wäre 
noch des Knochenmarkes Erwähnung zu thun, welches sehr 
roth war und kernhaltige Blutkörperchen enthielt. Das 
ist kein gewöhnlicher Typhusbefund, und die bedeutende 
Röthung des Markes bei der in die Augen fallenden allge¬ 
meinen Blutleere war jedenfalls eine sehr auffallende Er¬ 
scheinung. Auch im kreisenden Blute waren ja einige 
kernhaltige Blutkörperchen gesehen worden. Letztere 
pflegen bei perniciöser Anämie in grosser Zahl im Knochen¬ 
marke aufzutreten, in unserem Falle aber waren sie nicht 
sehr zahlreich vertreten. Sollte da nicht vielleicht auch 
der Typhus eine reichlichere Entwickelung verhindert 
haben ? 

Somit haben wir neben dem feststehenden Abdominal¬ 
typhus eine ganze Reihe von Erscheinungen die sich gar 
nicht, oder doch nur sehr schwer mit einem Typhus verei¬ 
nigen lassen. Und wenn man selbst behaupten wollte, dass 
jede einzelne dieser Erscheinungen ausnahmsweise auch ein 
Mal bei einem schweren Typhus Vorkommen könne, so wird 
man doch schwerlich behaupten können, dass eine solche 
Cumulation von Seltenheiten in einem einzelnen Falle in das 
Gebiet der Wahrscheinlichkeit gehöre. Was ist da nun 
besser anzunehmen: dass gleichzeitig Anämia perniciosa 
•und Typhus abdominalis vorhanden gewesen — welche An¬ 
nahme an sich doch weder unmöglich noch auch nur un¬ 
wahrscheinlich ist —, oder dass eB sich um einen Typhus 
abdominalis gehandelt habe mit einer ganzen’Serie von sehr 
seltenen und sehr unwahrscheinlichen Erscheinungen an 
der Lebenden wie an der Todten? Ich denke die wahr¬ 
scheinlichere Annahme ist die ungezwungenere und daher 
auch die bessere. Es ist aber ungezwungener anzunehmen, 
dass wir einen Fall von perniciöser Anämie gesehen haben, 
zu welcher ein Ileotyphus hinzutrat, als anzunehmen, dass 
wir es mit einem^Falle von Ileotyphus zu,thun hatten, wie 
ihn bisher noch Niemand gesehen. 


Zur Casuistik der Leukoplakie. 

Von H. Fremmert. 

Vortrag, gehalten im Verein St. Peterob. Aertze am 13 . Not. 1884 . 

Geehrte Colleges t Es dürfte nicht’uninteressant sein zu 
erfahren, wie oft von Ihnen eine Affection, die scheinbar 
nicht in allen europäischen Ländern gleich häufig vorkommt 
und von der bisher überhaupt kaum hundert Fälle beschrie¬ 
ben worden sind, hierorts beobachtet wurde. Ich meine 
diejenigen unheilbaren Schleimhauterkrankungen der Mund¬ 
höhle, welche als weisse, scharf begränzte, meist verdickt 
oder sogar wie verhornt erscheinende Flecken und Streifen 
viele Jahre hindurch unverändert bestehen können und von 
Hause aus den Eindruck einer malignen Bildung machend, 
sich thatsächlich doch ganz anders wie syphilitische Plaques 
oder krebsige Entartungen verhalten. Ich batte im Früh¬ 
ling d. J. Gelegenheit einen Mann zu untersuchen, der 
neben anderen Leiden (einer Aortenklappeninsnfficienz mit 
allen ihren (Konsequenzen) auch diese eigenthümliche, einen 
grossen weissen, unregelmässig contourirten und erhöhten 
Fleck darstellende Verfärbung und Verdickung eines sehr 
grossen Theiles des Zungenrückens aufwies, die Erscheinung 
aber nicht weiter erörtert wissen wollte und, ziemlich un¬ 
willig, nur einige kurze Daten über sie mittheilte. Patient, 
eine recht bekannte Persönlichkeit (der alte Hofapotheker 


B.), ist im Laufe der Jahre von sehr vielen Aerzten gesehen 
worden, seine Zungenerkrankung entging wohl Keinem, 
führte gelegentlich auch zu Discussionen und vergeblichen 
Heilversuchen, blieb aber schliesslich immer, als nebensäch¬ 
lich und das Leben offenbar nicht direct gefährdend, auf 
sich beruhen. Leider ist der Kranke in diesem Herbst, 
nachdem ich ihn im Mai zuletzt gesehen und sein nicht 
mehr compensirter Herzfehler keinerlei Hoffnung auf Bes¬ 
serung zuUess, in fremder Behandlung gestorben. Ihnen 
das Original seiner Zeit nicht vorgeführt zu haben, bedaure 
ich sehr, — werde das Versäumte aber dadurch einiger- 
maassen gut zu machen suchen, dass ich im Folgenden eine 
kurze Beschreibung des mir noch ganz frisch vorschweben¬ 
den Falles nebst einer aus der Erinnerung gezeichneten Ab¬ 
bildung gebe und daran einige Betrachtungen knüpfe. 

Herr B., der sein Zungenleiden damals, als ich ihn ken¬ 
nen lernte, im Allgemeinen ignorirte und auf dasselbe meist 
nur zu sprechen kam, wenn man ausdrücklich darnach 

fragte, laborirte 
angeblich seit 15 
Jahren an demsel¬ 
ben (was letzthin 
auchalteBekannte 
von ihm bestätig¬ 
ten) ; es störte ihn 
wohl etwas beim 
Essen, Rauchen 
und Sprechen, im 
Grossen und Gan¬ 
zen hatte er sich 
aber daran ge¬ 
wöhnt Dierahm- 
oder etwa lapis- 
schorffarbige 
Schleimhautver¬ 
dickung bedeckte 
fast den ganzen Zungenrücken panzerartig, sah ziemlich un¬ 
eben aus, fühlte sich trocken an, bildete gewissermaassen 
Bezirke welche anzudeuten schienen, dass der ganze Fleck 
allmälig aus confluirenden kleineren entstanden sei, zeigte 
an ihren äusseret zackigen und bizarren Gränzen nur stell¬ 
weise einen rothen Saum, ging also fast überall unvermittelt 
in das normale Gewebe über, erstreckte sich aber nicht auf 
die Mucosa der Wangen und des Gaumens oder auch nur 
auf die untere Fläche der Zunge, noch auf die eigentliche 
Zungenwurzel jenseits der Papillae circumvallatae. Erosio¬ 
nen oder Geschwüre waren, zur Zeit meiner Untersuchung, 
nicht vorhanden, es soll aber vor Jahren ein Mal eine spon¬ 
tane Ablösung der ganzen weissüchen Schicht stattgehabt 
haben, unter welcher eine blutende und so empfindliche 
Wundfläche sichtbar wurde, dass Pat. froh war, als sich 
seine Schwarte abermals bildete. Der Geschmackssinn war 
wohl völlig verloren gegangen (wenigstens behauptete Pat., 
dass ihm Alles wie Stroh schmecke) und selbst scharfe Ge¬ 
würze und Getränke erregten keinerlei Kitzel, geschweige 
denn Schmerz; das Rauchen von Cigarren wurde aus Ge¬ 
wohnheit in massigem Grade fortgesetzt, machte offenbar 
aber nicht viel Vergnügen. Am ganzen Volumen der Zunge 
war wohl nur eine sehr geringe Zunahme erkennbar und 
Drüsengeschwülste Hessen sich weder in der Regio supra- 
hyoidea noch irgendwo am Halse nachweisen. 


Vergleicht man diesen Befund mit den einschlägigen An¬ 
gaben von Sch wimmer (im Archiv, f. Dermat. und Syph, 
1877 und 1878) und kennt man die von ihm gegebenen co- 
lorirten Abbildungen, so unterliegt es wohl keinem Zweifel, 
dass ein Fall jenes, in den eigentlichen Handbüchern nicht 
erwähnten, Leidens vorlag, welches von einigen früheren, es 
kurz erwähnenden Beobachtern bald Psoriasis, bald Ichthyo- 
sis, Keratosis oder Tylosis linguae genannt, von S. aber als 
Leukoplakia lingualis (von Xeoxö? und •») wXiS, die Platte, 
Fläche) bezeichnet wurde. Hier auf die den Gegenstand in 



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allen Richtungen wirklich erschöpfende Darstellung Schwim¬ 
mer^ verweisend und nur hervorhebend, dassseine histologi¬ 
schen Untersuchungen die ganze Erkrankung als eine inten¬ 
sive kleinzellige Wucherung im Corium erkennen lassen, muss 
ich noch bemerken» dass es sich bei Herrn B. möglicher 
Weise um eine auf luetischer Basis ruhende Leukoplakie 
handelte. Einige Angaben von Collegen des Verstorbenen 
und von Aerzten lassen vermuthen, dass Pat. in früheren 
Jahren syphilitisch gewesen ist, — möge dem aber sein, 
wie ihm wolle, immer bleibt zu berücksichtigen: dass, nach 
Sch wimm er, die Syphilis bei Entstehung der Leukoplakie 
nur ein Zufölligkeitsmoment abzugeben vermag und nicht 
höher anzuschlagen ist, als zwei andere mitunter Vorgefun¬ 
dene Wahrscheinlichkeitsursachen: der Magenkatarrh und 
der Einfluss des Tabaks. — Wenn man, wie S. ferner an¬ 
führt, bedenkt, dass die zur Fleckbildung directen Anlass bie¬ 
tende papulöse Syphilisform, welche sich an der Zunge als 
linsengrosse, perlmutterfarbige Plaques opalines oder (wie 
einige wenige Autoren wollen) auch als sich aus diesen her¬ 
ausbildende ausgebreitete Verfärbungen mit Verdickung 
oder Verhornung des Epithels äussert, — leicht excoriirt, 
blutet, geschwürig wird und eine übel riechende Absonde¬ 
rung verursacht, oder, bei grossem Umfange doch durchaus 
nicht die auffallende Persistenz, die dauernde Infiltration 
der Leukoplakie zeigt, so scheint Kaposi’s Ausspruch, «dass 
die Psoriasis und Keratosis mucosae oris et linguae als un¬ 
trügliches Zeichen einer vorausgegangenen, wenn auch nicht 
mehr vorhandenen, Syphilis zu gelten habe>, fast auf vor¬ 
gefasster Meinung zu beruhen. Da auch Dr. Schuster 
in Aachen nachzuweisen versuchte, dass sich oft nach ge¬ 
tilgter Syphilis blauweisse Trübungen vorfinden, andererseits 
aber doch zugeben muss, dass man zuweilen vergebens nach 
syphil. Anhaltspuncten sucht und energische antisyphiliti¬ 
sche Curen ohne Erfolg bleiben, — so dürfte es bei der 
Leukoplakie im Allgemeinen irrelevant sein, ob Syphilis 
existirte oder nicht uud trifft Schwimmer offenbar das 
Richtige, wenn er meint: «dass sich auf syphilitischem Bo¬ 
den wohl auch Leukoplakie entwickeln könne, diese aber 
nicht stets ein Syphilisproduct sei». 


Nachdem ich meinen Fall schon im October in engerem 
Kreise geschildert und Betrachtungen über Leukoplakie 
daran geknüpft hatte, bot sich mir neuerdings durch einen 
Collegen Gelegenheit, das Leiden wiederum, dieses Mal aber 
als Leukoplakie buccalis, zu sehen und zu constatiren, dass 
Pat., der allerdings vor etwa 25 Jahren syphilitisch gewesen 
sein will, jetzt keinerlei Zeichen von Lues an sich trägt. 
Da der Kranke, ein gut situirter, verheiratheter, sehr regel¬ 
mässig lebender und gebildeter Mann nicht zu meiner Cli- 
entel gehört, erlaube ich mir keine weiteren Andeutungen 
über den Fall; der behandelnde College, welcher seiner Zeit 
die Krankheit sofort als Leukoplakie bezeichnet und von 
allen antisyphilitischen Curen abgesehen hatte, dürfte be¬ 
zügliche Eröffnungen machen wollen und kann ich diesen, 
so wie einer vielleicht geplanten Demonstration des Patien¬ 
ten nicht vorgreifen. Nur so viel sei bemerkt, dass die 
weissen Flecken auf der Schleimhaut beider Wangen unge¬ 
fähr die Grösse von je einem Zwanziger haben und circa 9 
Jahre bestehen. 

Jedenfalls sind die Fälle von Leukoplakie selten (denn 
selbst Schwimmer, welcher das Leiden viel mehr als 
sonst Jemand gesehen, berechnet die Häufigkeit in Prag 
unter ausschliesslich dermatologischen und syphilitischen 
Kranken auf 4 per mille) und würde ich mich freuen, wenn 
meine Mittheilung auch hier weitere Kundgebungen über 
einen pathologischen Vorgang, der in Deutschland selten, 
in Frankreich, England und Oesterreich etwas häufiger beo¬ 
bachtet wurde, veranlasst. Von Bedeutung dürfte nament¬ 
lich sein, ob und wie häufig Complication mit malignen 
Neubildungen, besonders Krebs, den Schwimmer zuwei¬ 
len neben der Leukoplakie sah, vorkommt, 


Referate. 

B. Zieminski: Experimentelle und klinische Beiträge zur 
Frage über die Anwendung des Cocains in der Ophthal¬ 
mologie. (Dorpater Inauguraldissertation 1884.) 

Verf. benutzte das Cocainum muriaticum von G e h e in Dresden 
und bestätigt die günstigen Erfahrungen, welche jetzt von allen 
Seiten über dieses Mittel gemeldet werden. Die Instillation von 6 
Tropfen (im Maximum) einer 8 bis 10% wässerigen Lösung in den 
Bindehautsack wirkt in allen Fällen nach 6—9 Minuten anästhesi- 
rend auf die Binde- und Hornhaut. Zugleich tritt schon nach ein 
Paar Minuten eine recht bedeutende Erweiterung der Pupille auf, 
welche nach \ Std. ihr Maximum erreicht und nach 25 Std. wieder 
verschwunden ist. Selbst zur Zeit der grössten Dilatation reagirt 
die Pupille dennoch auf grelle Beleuchtung und Accommodationsim- 
pulse. Das Cocain ist aus diesem Grunde sowohl, als auch wegen 
des raschem Schwindens der Pupillenerweiterung für ophthalmosko¬ 
pische Zwecke das geeignetste Mydriaticum. Da das Cocain den 
Heilungsprocess der Wunde durchaus nicht beeinträchtigt, so ist es 
z ur Bewirkung von localer Anästhesie behufs operativer Eingriffe 
6 in höchst werthvolles Mittel. D—o. 

H. v. Holst: Zur Aetiologie der «Puerperalinfection» des 
Foetus und Neugeborenen. (Dorpater Inauguraldisserta¬ 
tion 1884.) 

Verf. hat es sich in dieser Arbeit zur Aufgabe gestellt, durch eine 
kritische Sichtung der einschlägigen Literatur diejenigen Factoren 
heraus zu finden, welche nach dem heutigen Stande der Wissenschaft 
als ätiologische für die während der Schwangerschaft und Geburt 
zu Stande kommende septische «puerperale» Infection des Foetus 
oder des Neugeborenen anzusprechen sind. Er kommt hierbei zu fol¬ 
genden Resultaten: 

1) Die gewöhnlichste und häufigste Eintrittspforte für das septi¬ 
sche Gift ist die Nabelwunde. 

2) Nach dieser nehmen die zweite Stelle die zufälligen Verletzun¬ 

gen und die dritte diejenigen Infectionen ein, welche von den mit¬ 
unter vorkommenden Schleimhauterosionen des Mundes des Kindes 
ausgehen. \ 

3) Die intrauterine Infection des Foetus ist sicher beobachtet, aber 
sehr selten. Die Infection durch Aspiration fauligen Fruchtwassers 
resp. Genitalseoretes muss für vereinzelte Fälle als sehr wahrschein¬ 
lich angenommen werden. 

4) Was die durch Lactation hervorgerufene Puerperalsepsis an¬ 
langt, so sind wir bisher nur auf Vermuthungen angewiesen. D— o. 

N. F i 1 a t o w: Influenza bei Kindern. (Archiv für Kinder¬ 
heilkunde. V. Bd. 9. und 10. Heft) 

Unter dem Namen Influenza versteht man einen fieberhaften epide¬ 
mischen Catarrh, der entweder gleichzeitig mehrere Schleimhäute, 
oder aber dieselben nach einander befällt. Nach F. kommen die 
meisten Grippeepidemien während der kalten Jahreszeit vor. Die 
Frage, ob die Grippe zu den contagiösen oder miasmatischen Krank¬ 
heiten gehöre, ist z. Z. noch unentschieden. F. ist für den conta¬ 
giösen Ursprung (ohne den miasmatischen ganz zu leugnen). Da- 
Incubationsstadmm der Grippe beträgt 1—3 Tage. Das frühe Kins 
desalter (^—5 Jahren) scheint zur Krankheit besonders zu disponi- 
ren. Das Geschlecht scheint dagegen ohne Einfluss zu sein. Als 
Gelegenheitsursachen führt F. Erkältungen an. Ein einmaliges 
Ueberstehen der Grippe schützt nicht vor wiederholten Erkrankungen 
an derselben. Ueber die Symptome der Grippe lässt sich Folgendes 
sagen: der Krankheit geht in der Regel ein 1—1 ^tägiges fieberlo¬ 
ses Prodromalstadium, (selten beginnt sie mit einem ausgeprägten 
Schüttelfrost, oder bei kleinen Kindern unter 2 Jahren mit Kräm¬ 
pfen ; bei Erwachsenen fehlt dieses Stadium ganz), bestehend in 
Schnupfen, Conjunctivitis und Bronchitis, vorher. Das Fieber tritt 
erst am 2—4. Tage hinzu und die Temperatur steigt schon am ersten 
Abend bis 40—40,5°. Nach F. giebt es zwei Hauptfiebertypen bei 
der Influenza. Der erste Typus (erinnert etwas an den Typh. 
abdom.) ist der einer Febris continua remittens mit unbedeutenden 
Morgenremissionen (durchschnittlich 39—39,5°) und Abendexacerba¬ 
tionen (39,5—40,5°). Diesen Typus beobachtet man hauptsächlich 
bei kleinen Kindern bis zum 2. Lebensjahr; das Fieber endigt oft 
kritisch und die Defervescenz dauert 24—72 Stunden. Diesem Fie¬ 
bertypus entspricht in der Regel eine diffuse catarrhalische Erkran¬ 
kung der Schleimhaut des ganzen Respirationstractus, sehr oft mit 
Pneumonien complicirt. Der zweite Typus zeichnet sich durch be¬ 
deutende Temperaturschwankungen im Laufe des Tages aus, wobei 
die Morgentemperaturen feist normal oder normal sein, während die 
Abendtemperaturen 39,5—40° betragen können, der Verlauf des 
Fiebers ist in diesen Fällen atypisch. Diesem Fiebertypus ent¬ 
spricht eine langsame Ausbreitung des catarrhalischen Processes. 
Werden derartige Fälle durch Pneumonien complicirt, so haben letz¬ 
tere auch einen unregelmässigen Verlauf. Jede Grippe beginnt mit 
catarrhalischen Symptomen. Als ein wichtiges Initialsymptom der 
Grippe giebt F. die Ohrenstiche an. welche sich in der Regel in 
der ersten Nacht einstellen und aur einem gutartigen Catanrh der 
Tuba Eustachii beruhen. Ausser catarrhalischen, zeigen sich in 
dieser Periode auch nervöse Erscheinungen und zwar als Aufregung, 

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6 


Sc hlafl osigkeit und Eigensinn (solche Kinder sträuben sich gegen 
jede Untersuchung, wodurch sie sich von den Typhuskranken unter¬ 
scheiden). Bei schweren Formen kommen auch Delirien vor. Die 
Convulsionen sind dagegen selten, höchstens noch bei kleinen Kin¬ 
dern und im Anfang der Krankheit. Nach West beginnt die 
Krankheit häufig mit Dyspnoe uud hohem Fieber, letzteres ver¬ 
schwindet nach einigen Tagen und es bleiben nur Cyanose, Dyspnoe 
und ein collapsartiger Zustand, unter welchen Erscheinungen die 
Kinder zu Grunde gehen können; genesen sie, so ist die Reconva- 
lesoenz eine sehr langsame. Die Grippe kann abortiv in Gestalt 
von Schnupfen und Conjunctivitis auftreten. Bei Neugeborenen und 
Säuglingen ist sogar diese Form gefährlich, da in Folge der Coryza 
das Saugen erschwert, ja zuweilen sogar unmöglich gemacht wird. 
Der Catarrh der Nasenschleimhaut kann den Kehlkopf überspringen 
und direct auf die Bronchien übergeben. Von gewöhnlichem Bron- 
chialcatarrh unterscheidet sich die Grippe, ausser ihrem epidemischen 
Charakter, durch einen sehr heftigen, frequenten und trockenen Hu¬ 
sten, bei fast negativen physicalischen Erscheinungen seitens der 
Lungen und dadurch, dass das Lösungsstadium lange auf sich war¬ 
ten lässt. Durch eine Ausbreitung des entzündlichen Processes auf 
die kleinsten Bronchien und die Alveolen können Pneumonien ent¬ 
stehen. In solchen Fällen steigt die Temperatur. Dasselbe findet 
statt, wenn der Darm miterkrankt. In seltenen Fällen schwillt bei 
der Grippe die Milz an. Ausserdem beobachtet man hin und wieder 
Herpes nasalis und labialis (gewöhnlich zwischen dem 3.—5. Tage) 
und bei profrisen Schweissen — Sudamina. Zu den häufigsten Com- 
plioationen der Grippe gehören die Pneumonien, letztere haben einen 
verschiedenen Verlauf, je nachdem sie Grippefälle mit constantem 
oder atypischem Fieber compÜciren. In ersteren Fällen haben die 
Pneumonien den Charakter einer Pneumonia crouposa und endigen 
in der Regel kritisch; dauern aber meistens länger, als genuine 
Pneumonien. Für diese Art von Pneumonien ist es charakterisch, 
dass die physicalischen Symptome erst später (zwischen dem 5.—9. 
Tage) deutlich werden, nachdem schon früher pneumonischer Husten 
und Fieber constatirt wurden. Man nahm daher an, diese Pneumo¬ 
nien seien von Anbeginn central. F. theilt diese Ansicht nicht. 
Die sogenannte atypische Form von Grippe wird meistens von wan¬ 
dernden croupösen Pneumonien begleitet, die durch ihren unregel¬ 
mässigen Verlauf und bedeutende Schwankungen der Tagestempera¬ 
tur (wobei Differenzen von 2—3° und darüber Vorkommen) sich aus- j 
zei chn en. Ausserdem erreichen die die Krankheit begleitenden 
symptomatischen Catarrhe (Argina, Laryngitis, Otitis media cum 
Perforatione tympani u. s. w.) einen hohen Grad, so dass das eigent¬ 
liche Leiden in den Hintergrund tritt. Als Nachkrankheiten wer¬ 
den von einigen Autoren die Tuberculosis pulmonum und Meningitis 
tuberculosa angeführt. Die Prognose im Ganzen quoad vitarn gün¬ 
stig, gestaltet sich jedoch verschieden je nach dem Alter und Kräfte- 
instand des Pat. und zwar je jünger und schwächer das Kind, desto 
ungünstiger ist dieselbe. Chronische Fälle können zu chronischen 
Pneumonien, resp. Tuberculosis miliaris führen. Abortive Fälle 
können in 3—5 Tagen endigen, jedoch dauert das Fieber in der 
Regel 7—10 Tage, in schweren Fällen kann dasselbe 1£—2-fr Wo¬ 
chen dauern, zuweilen dauert die Krankheit selbst Monatelang, die 
Hals- und Leistendrüsen schwellen an und die Kinder gehen oft an 
Erschöpfung zu Grunde, meistens unter der Diagnose Phthisis. Was 
die Behandlung der Grippe anbelangt, so empfiehlt F. ausser entspre¬ 
chenden diätetischen Maassregeln, so z. B. Schutz der Kinder vor 
Erkältungen, Abhärtungen der Säuglinge durch allmälig kühlere 
Bäder 4 ), Chininum sulphuvicum oder muraticum, in einer Dosis von 
2—3 Gr. pro Jahr, gewöhnlich 1—2 Mal täglich (Erbrechen nach 
den ersten Dosen desselben soll nicht als Contraindication betrachtet 
werden); zuweilen gelang es ihm mit diesem Mittel die Krankheit 
zu coupiren. Wenn nach 2 Tagen keine Besserung eintritt. so muss 
man dann zur symptomatischen Behandlung übergehen. ^Zunächst 
muss man die beiden lästigsten Symptome, den Husten und Schnupfen 
(bei Säuglingen) zu bekämpfen suchen. Gegen letzteren empfiehlt 
F. eine Chinfiglycerinlösung (Chin. muriat. Gr. 1 ad Glycerin. ^ ß), 
davon 2—3 Tropfen 3—4 Mal täglich in jedes Nasenloch mit einem 
Pinsel (in der Rückenlage des Kindes) einzuführen. Gegen quälen¬ 
den Husten verordnete er Opium in Gestalt von Pulv. Dow. (davon 
entspricht die tägliche Dosis dem Alter des Kindes, so z. B. dass ein 
Kind von -fr Jahr — -fr Gr. Pulv. Dow. (in 2 Dosen) pro die erhält, 
ein Kind von 1 Jahr — 1 Gr. und dann für jedes folgende Jahr wird 

J Gr. hinzugefügt und Morphium (Morph, muriat. Gr. 1, Aq. destill. 

1, davon giebt man 2 Mal täglich 2 Tropfen pro Jahr). Opium 
wird bei Durchfällen, Morphium dagegen bei Neigung zur Verstop¬ 
fung gegeben. Contraindicationen gegen die Darreichung der 
Opiate bilden nur folgende Zustände: Anämie, allgemeine Schwäche 
(frühgeborene Kinder) und Anhäufung von Secret in den Bronchien. 
Bei trockenen Catarrhen empfiehlt er als expectorirendes Mittel: 
Apomorphinum muriaticum (in Lösung mit Zusatz von Acid. muriat, 
4 /ts Gr. pro die und pro Jahr). Dem Aufrats sind einige Kranken¬ 
geschichten nebst Temperaturangaben beigegeben. N. E. 


4 ) Vom 4 # Monat an soll die Temperatur derselben gradatim bis 
24° (R.). ja sogar bis 22° sinken (? d. Ref.). Solche Bäder sollen die 
Kinaer im Sommer und Winter erhalten (bis zum 2. Lebensjahr) und 
später noch kalte Begtessungen von 20° resp. 18° (R.). 


0. Lange (Petersburg): Zur Frage über die spontane 
Resorption c&taractöser Linsentrübungen. (Gr aefe’s 
Archiv für Ophthalmologie. Bd. XXX, 3). 

Nordmann (Helsingfors): Fall von Cataracta Morgagni 
(hypermatura fluida) mit wasserklarer Corticalflüssig- 
keit. (Arch. f. Augenheük. v. Knapp und Schweig ge r. 

Bd. XIV, H. 2). 

Unter spontaner Aufsaugung cataractöser Linsentrübungen glaubt 
Verf. nur eine Resorption derselben bei unverletztem, vollkommen 
geschlossenem Kapselsacke verstehen zu dürfen und theilt folgenden 
von ihm in der Petersburger Augenheilanstalt beobachteten Fall mit. 

Patient, 58 Jahre alt, ist vor 12 Jahren in Warschau wegen reifer 
Cataract auf dem rechten Auge mit vollem Erfolge operirt worden. 

Ein Jahr darauf begann das Sehvermögen des bis dahin gut sehen¬ 
den linken Auges zu verfallen, war nach weiteren 4 Jahren voll¬ 
kommen erloschen und blieb es bis zum September 1883, also volle 
7 Jahre. Seit September 1883 behauptet Patient mit dem linken 
Auge wieder etwas zu sehen und soll das Sehvermögen zusehends 
zunehmen. 

Der Befund an den Augen war folgender: 

R. Aphakia artificialis, Coloboma artiflciale iridis. V = 0,5. 
mit + 10,0 D. 

L. Aeussere Theile normal. Vordere Kammer von normaler 
Tiefe, Iris nicht schlotternd. Pupille reagirt gut auf Licht. Die 
Linse erscheint getrübt und zwar zeigt die vordere Kapsel mehrere 
peripher sitzende feine, -fr—1 Mm. lange weiss-graue Trübungen, 
die Linsenmasse selbst fein granulirt und getrübt, wenig lichtre- 
flectirend. Nur im unteren Theil derselben findet sich eine nach 
oben mit einer convexen Bogenlinie scharf abgrenzende hellgelb¬ 
graue, stark lichtrefiectirende Trübung, welche sich nach unten hin¬ 
ter die Iris fortsetzt und sich hier nicht weiter verfolgen lässt. Bei 
Rückenlage des Kranken tritt die genannte saturirte Trübung ganz 
ins Pupillargebiet, der ganze Umfang derselben ist kleiner als die 
mässig erweiterte Pupille. — Die bei maximaler Atropinmydriasis 
vorgenommene ophthalmoskopische Untersuchung zeigte den Lin¬ 
senrand in seiner ganzen Ausdehnung an dem ihm normaliter zu¬ 
kommenden Platze, wodurch sich die Linse in ihrer Grösse intact 
und in der richtigen Lage auswies. — War die saturirte Trübung 
der Linse bei aufrechter Kopfhaltung des Kranken nach unten ge¬ 
sunken, so wurde der Augenhintergrund ophthalmoskopisch, wenn 
auch recht verschleiert, so doch in seinen Einzelheiten sichtbar. 

V = 4 /eo mit + 6,0 D. 

Es handelt sich demnach im vorliegenden Falle um eine Cataracta 
hypermatura fluida (Morgagniana), deren ganz dünnflüssige Corti- 
calis sich wieder soweit aufgehellt hat, dass das vollkommen er¬ 
loschen gewesene Sehvermögen wieder bis auf 4 /«o steigen konnte. 
Der unregelmässig geformte Kern ist durch Maceration verkleinert 
worden. , ^ 

In dem Nordmann’sehen Falle war die Aufhellung der Cor- 
ticalis eine viel bedeutendere, so dass der Augenhintergrund ober¬ 
halb des kleinen Kernes deutlich und recht klar sichtbar war, dem¬ 
entsprechend war auch das Sehvermögen des Auges ein gutes. 

V = 4 /e mit -4- 10,0 D., bei Hinzufügung der stenopeischen Spalte 
sogar */9 des Normalen. 

Es geht ans diesen beiden Fällen, die bisher in der ophthalmolo- 
gischen Literatur einzig dastehen, klar hervor, dass eine cataractös 
getrübte Linse unter bestimmten, uns vorläufig noch völlig unbe¬ 
kannten Bedingungen durch regressive Metamorphose ihrer Ele¬ 
mente sich spontan wieder auf hellen kann. L. 

Professor D i 11 e 1 (Wien): üeber das Verhältniss der 
Litholapaxie zum hohen Blasenschnitt. (Wien. med. 

Wochenschrift 1884. J4N» 3—7 und 9—11). 

Seit die Litholapaxie von B i g e 1 o w 1878 in die Praxis einge- 
führt, hat Vf. bereits 80 Mal das genannte Verfahren angewandt, 
üeber 30 Fälle berichtete er bereits vor einigen Jahren, gegenwärtig 
fügt er weitere 50 (tabellarisch geordnet) hinzu und bespricht die 
beiden genannteu Methoden, sie kritisch beleuchtend. Die Lithola¬ 
paxie hat in den 80 Fällen nur 5 Mal den Tod zur Folge gehabt 
(64-%), obgleich 6 Mal hochgradige Prostatahypertrophie vorlag 
und in einem Falle der Stein in einem Divertikel zertrümmert wer¬ 
den musste. Quoad vitam giebt die Methode somit sehr befriedigende 
Resultate, doch ist'der Eingriff dabei entschieden intensiver als bei 
der Lithotripsie, da man sich bei der Litholapaxie oft bis zu 2 Stun¬ 
den und mehr mit den Instrumenten in der Blase aufbält und leicht 
Blutung der Blasenschleimhant und dadurch leicht alkalische Harn¬ 
zersetzung und Cystitis hervorruft. Um dieses zu vermeiden, ist der 
Verweilkatheter unentbehrlich. Meist allerdings genügt os ihn, 2 
bis 3 Tage liegen zu lassen. Im Allgemeinen spricht sich D. aber 
dahin aus, dass die Blase den Eingriff sehr gut verträgt, veil sie 
andererseits auf einmal vom Stein befreit wird. Viel mehr leidet 
nach D’b Erfahrungen bei der Litholapaxie die Harnröhre, die na¬ 
mentlich «in ihrem Krümmungswinkel recht oft and nicht selten 
arg mitgenommen nnd geradezu verletzt wird*. Die Boactionon, 
die D nach der Litholapaxie gesehen, «gingen niemals ans Ver¬ 
letzungen der Blase, sondern ans Insulten der Harnröhre hervor». 
B ezüglich der Nieren meint D., dass nadh Litholapaxie Pyelitiden 
seltener anfzutreten pflegen, als nach Lithotripsie in mehreren 


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Sttcungen. Bin nioht m unterschätzender Vorzug der L. ist die j 
bedeutende Abkürzung der Behandlungsdauer. D. hat auch bereits ‘ 
einige Fülle von Reddiven (nach 2 und mehr Jahren) nach Lithola- 
|&xie gesehen und zwar ausser nach Divertikelsteinen noch in 4 
Füllen, wo vielleicht Fragmente zurückgeblieben waren. Diese 
Fülle zeigten jedoch, dass keine Nephritiden aufgetreten waren. D. 
epricht sich dahin aus, dass die L. vor den früher üblichen Metho¬ 
den entschieden den Vorzug verdiene, nur könne man sie nicht An¬ 
deren beibringen, «da ist jeder Autodidakt», während der Blasen- 
schnitt am Cadaver gelernt und geübt werden kann Dann giebt 
es noch Complicationen, wo die Litholapaxie unausführbar ist, näm¬ 
lich wenn, wie D. es gesehen, Ankylose des Hüftgelenkes mit 
recht- oder spitzwinkliger Flexionsstellung des Oberschenkels vor¬ 
handen. Zu erwähnen wäre auch noch, dass D. die Litholapaxie 
bereits 3 Mal bei Kindern gemacht und deren Anwendung mit gün¬ 
stigem Erfolge im Kindesalter dadurch bewiesen hat. 

Vf. kommt nun zum hohen Blasenschnitt. Bezüglich der Tech¬ 
nik erwähnt er nur, dass durch Wasserinjectionen unter Umständen 
Blasenruptur bewirkt werden könne (wie das in Wien 1 Mal vorge- 
kommen), daher proponirt er lieber Luftiinectionen in die Blase zu 
maehen, weil diese bei einer eventuellen Ruptur weniger Schaden 
bringe, als Flüssigkeit. Von der Blasennaht hält D. «nicht viel», 
da ihm eine vollständige Vereinigung per primam nicht gelungen 
ist. Einige an den Instrumenten zur Cystotomie vorgeschlagene 
Neuerungen sind von keiner grossen Bedeutung (cf. W. med. W. 
X 10 ). 

Wichtig ist aber die Schlussfolgerung, zu welcher D. kommt. Er 
sagt «mit der durch Bigelow eingeführten Neuerung hat die 
Steinzertrümmeruug einen eminenten Fortschritt gemacht, .. . der 
Schnitt aber ist und bleibt wahrscheinlich das sicherste Verfahren, 
die Blase von dem in ihr befindlichen Fremdkörper zu befreien. Wenn 
es gelingt, den Wundverlauf nach dem hohen Blasenschnitt so 
sicher zu handhaben, wie dies gegenwärtig an anderen peripher ge¬ 
legenen Körpertheilen der Fall ist, dann ist die Operation an der 
Stufe der Vollendung angelangt. Als Hauptvortheile der Sectio 
alta hebt D. hervor, dass sie relativ unwichtige Körpertheile durch¬ 
trenne, wobei der Operateur jeden Messerschnitt verfolgen könne 
und der Blutverlust ein minimaler sei. Man könne grosse ^Steine 
leichter entfernen und dabei die Wunde wieder besser schützen. 

Zum Schluss führen wir die Zahl der [von D i 11 e 1 gemachten 
Steinoperationen an, es sind 300. Davon Lateralschnitt — 69, Zer¬ 
trümmerungen — 209, Medianschnitte — 18 and hohe Blasen¬ 
schnitte — 4. Die geringe Zahl der letzteren erklärt sich wohl dar¬ 
aus, dass D. persönlich über eine besonders hohe Fertigkeit im 
Steinzertrümmern verfügt. P- 


J. Trussewitsch (Kronstadt): Kaffrin innerlich und sub- 
cutan verbunden mit gleichzeitigen Carbolsäure-Clys- 
men als bestes Temperatur herabsetzendes Mittel. 
(Wratsch. MM 39, 40 und 42.) 

Als Ordinator der Erysipelabtheilung des Krön Städter J M arin e-Hos" 
pitales hatte Vf. Gelegenheit 1683 / 84 eine grosse Reihe von Erysi¬ 
pel zu beobachten, wobei er verschiedene vergleichende Versuche 
mit Kalrin anstellte. Innerlich verabreicht lässt sich eine gute 
Wirkung erzielen, solange die Temperatur nicht über 40° steigt und 
man nicht weniger als 16 Gran giebt. (33 Beobachtungen). Ferner 
ipjicirte Vf. K. suBcutan. Da es sich jedoch nicht leicht im Wasser 
löst, setzte er auf je 1 Pravaz’sche Spritze (je 8 Gran K. enthal¬ 
tend) 1 Tropfen Salzsäure hinzu. Die Injectionen (40 Mal gemacht) 
waren wenig schmerzhaft und wurden gut vertragen, es ergab sich 
jedoch, dass das Mittel subcutan durchaus nicht stärker wirkte, wie 
bei Verabreichung per ob. 

Die 3. Beihe der Beobachtungen des Vf. (25) beziehen sich auf 
gleichzeitiges Verabreichen von K. per os und Clysmata mit Carbol- 
säure, wobei jedes Mal 2 J einer 4 %Jigen Lösung (also c. 39 Gran) 
in das Bectum eingeführt wurden. Vf. hat dabei nie Intoxications- 
erscheinungen gesehen. (Auch früher schon hat Vf., wie er in einer 
Anmerkung sagt, Clysmata mit je 3 J 5 %iger Carbolsäure als Anti- 
pyreticnm benutzt (also c. 70 Gran) und dabei nur 1 Mal Erschei¬ 
nungen gesehen, die man als Folge der Carbolsäureintoxication an¬ 
seben konnte. Bef. erscheinen diese Carboisäuremengen doch etwas 
hoch und möchte er vor zu ausgiebiger Application der Carbolsäure 
warnen, da wir nie genau wissen, wieviel davon in jedem gegebenen 
Falle zur Resorption kommt, (cf. den Fall von Grüne waldt’s 
in den Protokollen des Vereins St. Pbg. Aerzte am 28. Febr. a. c.). 
War die Temperatur unter 40°, so gab Vf. 8 Gran Kalrin, bei höhe¬ 
rem Fieber 16 Gran, jedes Mal aber gleichzeitig 2 Unzen 4 %iger 
Carbolsäurelösung. Der Erfolg soll ein ausgezeichneter gewesen 
sein. Schon na<m 4 Std. betrug der Temp.-Abfall -1,4°, nach 1 
Std. —2,3° und nacn 2 Std. sogar 2,6°. Selbst nach 5 Stunden 
konnte noch eine Temperaturverminderung von 1,6° oonstatirt wer¬ 
den. Die Beactionssteigerung der Temp. soll bei Kalrin und Car¬ 
bolsäure nicht so heftig sein, wie man sie sonst bei K. beobachtet. 
Das Maximum des Temperaturabfalles betrug 4,4° d. h. von 40,4 in 
2 Std. auf 36°. Dabei scheint Vf. keinerlei Collapserscheinungen 
gesehen zu haben. Sk muss jedoch hinzugefügt werden, dass bei 
demselben Pat. (wie die Tabelle zeigt) nach 2 weiteren Stunden die 
Temp. wieder auf 40° gestiegen war. P. 


P. v. Rautenfeld: Ueber die Ausscheidung des Strych¬ 
nins. (Dorpater Inauguraldissertat. 1884). 

Plagge ist der Ansicht, dass das Strychnin im thierischen Kör- 

S er eine Veränderung erleiae; er giebt zwar zu, dass ein Theil des 
fiftes unverändert wieder ausgeschieden wird, behauptet aber, dass 
die grössere Partie desselben im Körper zu einer andern Substanz, 
der von ihm so genannten Strychninsäure, oxydirt werde. Diese 
letztere soll amorph sein, nicht bitter schmecken und nicht giftig 
sein. Verf. hat nun diese Angaben einer Controle unterzogen, 
indem er den Harn von Patienten, welche das Strychnin, in medica- 
mentösen Dosen einnahmen, sowie die Leber und das Blut von Thie- 
ren, welche mit diesem Alkaloid vergiftet worden waren, nach der 
von Dragendorff angegebenen Methode auf das Vorhandensein 
von Strychnin prüfte. Ueberall konnte er dasselbe nach weisen und 
aus dem Harn auch wieder isoliren. Er kommt zu folgenden, den 
Plügge 'sehen Angaben entgegengesetzten Resultaten: Das 
Strychnii wird unverändert wieder durch den Ham ausgeschieden. 
— Die Ausscheidung beginnt sehr bald (schon eine Stunde) nach 
der Aufnahme des Giftes. — Die Ausscheidung währt noch längere 
Zeit (bis zu 6 Tagen) nach der Einverleibung, und zwar ist die 
Dauer abhängig von der Menge des angenommenen Alkaloids. — 
Es ist wahrscheinlich, dass die Leber dasjenige Organ ist, welches 
das Strychnin zurück hält und nur in kleineren Mengen abgiebt. 

D—o- 

Prof.'H. C h i a r i: Zur Lehre von den durch die Einwir¬ 
kung des Magensaftes bedingten Veränderungen in der 
Oesophaguswand. (Prag. m. W. 1884 M 28). 

Analog der Gastromalacie unterscheidet C h. 3 Formen der Oeso- 
phagomalacie: 1) die postmortale, 2) die bei schwerer Erkrankung 
in ultimis einsetzende und 3) die bei sonst ganz Gesunden plötzlich 
entstehende, welche die Ursache für die spontane Zerreissung des 
Oesoph. abgeben kann. Oh. nimm? auch peptische Geschwüre des 
Oesoph. an, d. h. es kann zu eigentlicher Geschwürbildung mit ent¬ 
zündlicher Gewebsinfiltration in Folge von Anätzung der Oesopha¬ 
guswand durch den Magensaft kommen (durch Regurgitation), z. B. 
bei Atonie der Muskulatur der Oardia und des unteren Oesophagus- 
abschnittes. C h. fand bei der Section einer 58-jährigen Frauen¬ 
leiche einen solchen Fall. Todesursache war eitrige Peritonitis 
aus Perforation des Duct. cboledochus (Gallenstein). Magen und 
Darmschleimhaut waren intact, hingegen die untere Oesophagus- 
hälfte von einem umfangreichen Geschwürsprocesse occupirt, der 
sich an der Cardia scharf absetzte und in seinem unteren Abschnitte 
stellenweise bis in die Längsschichte der Muscularis reichte; an 
vielen Stellen hingen der leicht gerötheten Geschwürsfläche schwärz¬ 
liche Ge websfetzen an, wie man sie bei frischeren, sogenannten 
perforirenden Magengeschwüren des öfteren sieht. Der Grund des 
Geschwürs zeigte überall deutliche entzündliche Infiltrations»Tuber- 
culose und Neubildung, namentlich Oarcinom waren auszuschliessen. 
— Für die peptische Natur des Ulcerationsprocesses sprach das An¬ 
haften der braunschwarzen Gewebsreste an der Ulcerationsfläche 
und die anatomische Ausschliessbarkeit jedes anderen Geschwürs- 
processes so speciell auch jeder Aetzung; aus der mikroskopisch 
erkennbaren entzündlichen Infiltration des Gewebes konnte die 
wahrscheinliche Dauer des Prozesses auf etliche Tage, vielleicht 
sogar mehr als eine Woche abgeschätzt werden. Da die Frau viel 
erbrach, so dass hingelangter Magensaft daselbst einige Zeit ver¬ 
blieb und bei einer Circulatlonsstörung in der Oesophaguswand, die 
möglicherweise durch die Entzündung in den benachbarten Unter¬ 
leibsorganen veranlasst wurde, seine zerstörende Wirkung entfaltet 
hat. — Wäre der Ulceration vollständige Heilung gefolgt, so wäre 
es sehr schwierig gewesen, die betreffende narbige Strictur richtig 
zu deuten. Man muss mit Quincke die Existenz eigentlicher Ul- 
cera oesophagi ex digestione wie auch die Möglichkeit des Zusam¬ 
menhanges von Narben im Oesophagus mit einstiger peptischer Er¬ 
weichung daselbst zugeben. Dr. Hertzka — Carlsbad. 

M a d d e n : Ein Fall von Incontinentia urinae in Folge 
von Missbildung. (Brit. med. Journ. 1884. M 1236). 
Noble Smith: Incontinentia urinae in Folge von Miss- 
' bildung. (Brit. med. Journ. 1884. M 1236). 

M a d d e n weist darauf hin, dass neben den Fällen von Enuresis, 
die leicht einer internen Behandlung weichen, es auch solche giebt, 
die inourabel sind und für welche der Grund nicht in fünotioneller, 
Schwäche, sondern in Missbildungen des Urogenitalsystems zu su¬ 
chen ist. 

Im vorliegenden Fall handelte es sich um ein 16jähriges junges 
Mädchen. Obwohl bei ihr der Urin periodisch willkürlich in grösse¬ 
ren Mengen entleert werden konnte, so fand doch fortwährend ge¬ 
ringes Harnträufeln statt, was Vf. darauf brachte, eine genaue 
Ocntarinsi cKJtiou vorzunehmen. Dieselbe ergab, dass Fingerbreit 
über der Urethralmündung eine Oeffnung existirte, aus der perma¬ 
nent etwas Harn floss. Ein dünner elastischer Catheter liess sich in 
dieselbe in seiner ganzen Länge einführen, indem er erst zwischen 
Blase und Harnröhre und dann in der Richtung nach hinten oben 
ging. Verf. erklärt diesen Gang für den rechten Ureter, welcher 
in Folge einer Bildungsanomalie nioht in die Blase hinein, sondern 
an der obenerwähnten Stelle mündete. Er hat einen operativen 



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Eingriff in Aassicht genommen and wird das Besultat später mit¬ 
theilen. 

Noble Smith meint, dass es sieh in Fällen, wie der obener¬ 
wähnte, am einen mangelhaften Verschloss der vorderen Baach¬ 
decken während des fötalen Lebens handelte, welcher beim männ¬ 
lichen Geschlecht an Hypo- and Epispadie and an hochgradigen 
Fällen an Ectopia vesicae führt. In einer eigenen einschlägigen 
Beobachtang bei einem 13jährigen Mädchen fand er einen solchen 
Defect der vorderen Blasenwand gleich oberhalb der Urethra. Die 
Oeffnnng war für einen Finger durchgängig and die Blasenschleim- 
hant lag in der Ausdehnung eines halben Fingers zu Tage. Von 
dieser erweiterten Urethra aog sich ein Sulcus nach oben, der die 
Clitoris in 2 Hälften theilte. Hier brachte eine Operation, deren 
detaillirte Beschreibung Vf. sich vorbehält und die im Wesentlichen 
in einer Deckung des Defectes durch Ablösung der Schleimhaut des 
Sulcus und der Blase und Zusammennähung derselben über der 
Oeffnnng bestand, fast radicale Heilung. Der Urin wurde jetat 
spontan in 3—4stündigen Zwischenräumen entleert. — -s. 


BUcher-Anzeigen und Besprechungen. 

W.Benßengr: Ueber Assainisirung der Städte. (Ofo 
osAopoBjeniH ropoAOBi. HsA&sie Kapnona). Moskau, 
1884. 96 Seiten. 60 Kop. 

Diese Broschüre ist vom Vf. mit Rücksicht auf das Erscheinen 
der Cholera in Europa und in Erwartung des Auftretens derselben 
in Russland verfasst. Vf. hat im Verlaufe einer fast 50jährigen 
ärztlichen Praxis eine Reihe der verschiedensten Epidemien in Russ¬ 
land erlebt und durchlebt und ist, wie er sagt, mit den Schatten¬ 
seiten der hygienischen Verhältnisse unserer grossen Städte wohl- 
bekannt und daher ein competenter Richter in der genannten Frage. 
Wir sind dem Vf. schon oftmals auf literärischem Gebiete in frühe¬ 
ren Jahren begegnet und freuen uns auch iu der vorliegenden Schrift 
sein klares und scharfes Urtheil über die bestehenden Verhältnisse 
und über das, was Noth thut, wiederzufinden. Seine Schrift ist all¬ 
gemein verständlich gehalten und wäre es sehr wünschenswerte, 
dass die Collegen recht eifrig das Lesen derselben unseren Stadtver¬ 
ordneten anempfehlen. In 5 Capiteln zeigt Vf. wie nöthig Rein¬ 
heit der Luft, des Wassers und Bodens und dass gute Nahrungs- I 
mittel und Wohnräume zu schaffen sind. Die Broschüre wird übri- | 
gens auch jeder College nicht ohne Nutzen gezogen zu haben aus 
der Hand legen. P. 

A. Schtscherbakow: Der Ssaki’sche Moor in der 

Krim. (CaKcnia rpasn bi KpuMy). Moskau, 1884. 79 Seiten. 
Preis 1 Bbl. 

In der Krim, 19 Werst von Eupatoria und 43 Werst von Simfero- 
pol, liegt der Ssaki’sche See, dessen Moor bereits seit vielen Jahren 
zu Heilzwecken verwandt wird. Seit 1880 befindet sich die deselbst 
angelegte Heilanstalt unter der Verwaltung der Taurischen Land¬ 
verwaltung, die recht viel zur Verbesserung derselben gethan hat. 

Die vorliegende genaue Beschreibung Ssaki’s und dessen Heil¬ 
mittel ist bereits in der «Medizinskoje Obosrenije» 1884. 6—9 

erschienen und nun als Separatschrift herausgegeben. Die Aus¬ 
stattung ist eine vorzügliche. Jedem, der sich mit den Moorbädern 
der Krim überhaupt bekannt machenpvill, giebt die Schrift ausführ¬ 
liche Auskünfte. P. 

Schleich (Tübingen): Die Augen hundertundfünfzig 
neugeborener Kinder ophthalmoskopisch untersucht 
Mittheilungen aus der ophthalmiatrischen Klinik in Tübingen, 
herausgegeben von Prof. Dr. A. Nagel. Zweiter Band, 
erstes Heft. Tübingen, Verlag der H. Laupp’schen Buch¬ 
handlung. 

Verf. untersuchte ophthalmoskopisch die Augen aller in der Tü¬ 
binger geburtshülflichen Klinik in einem bestimmten Zeiträume ge¬ 
borenen Kinder im Alter bis zu 8 Tagen und fand in allen Fällen 
ohne Ausnahme hyperopische Refraction, wobei der Grad der Hy. 
peropie ein verschiedener war und zwischen 1,0 D.-8,0 D. wech¬ 
selte. Irgend wie wesentlichere Unterschiede in der Refraction 
beider Augen fanden sich nicht. Als Durchschnittswerth für die 
Refraction fand Sch. 4,4 D. Hyperopie. Die niederen Grade 
1,0—2,0 D. fanden sich am seltensten (in 11%)* häufiger bestand 
Hyperopie von 2,0—4,0 D. (in 36 %), am häufigsten fand sich eine 
Hyperopie von 4,0—6,0 D. (in 42 %), noch höhere Grade von Hy¬ 
peropie 6,0—8,0 D. konnten in nur 10,7 % der Fälle conBt&tirt 
werden. 

Alle Refractionsbestimmungen wurden nach Atropinisirung des 
zu untersuchenden Auges gemacht und zwar im aufrechten Bude. 

Diese Untersuchungsresultate stimmen mit denen von König- 
stein vollkommen überein und stellt Verfasser den Satz auf, dass 
das normale Auge des Neugeborenen ausschliesslich hypero - 
pisch gebaut ist und spricht der bis vor Kurzem noch recht verbrei¬ 
teten Lehre von angeborener Myopie jede Berechtigung ab. Die 
früheren Angaben von v. Jäger, Ely und Horstman, welche 
verschieden hohe Procentsätze myopischer Augen unter den Neu¬ 
geborenen fanden, müssen aus der Schwierigkeit der Refractionsbe- 
stimmung an Augen Neugeborener ohne vorausgegangene Atropini- 
rirung erklärt weiden. L. 


Fr. Schauta: Grundriss der operativen Geburtshülfe 
für prakt. Aerzte und Studirende. Mit 30 Holzschnitten. 
Urban & Schwarzenberg, Wien und Leipzig, 1885. 

Bei den rapiden Fortschritten, den die operative Gynäkologie in 
den letzten Jahren aufzuweisen hat, musste das Bestreben, die hier 
gewonnenen Resultate auch in der Geburtshülfe zu verwerthen, 
sich von selbst ergeben. Und so sehen wir denn auch in dem uns 
vorliegenden Werk, dass gerade diejenigen Operationen, die in letz¬ 
ter Zeit das Interesse der Gynäkologen in hervorragender Weise be¬ 
schäftigt haben, besonders die Laparohysterotomien, oder hier spe- 
ciell der Kaiserschnitt nach P o r r o, eine besonders eingehende Be¬ 
sprechung gefunden haben. Wenn wir auch nicht ganz den vom 
Vf. vertretenen Standpunct einnehmen, «dass es nicht bedauert wer¬ 
den könne, wenn ein Weib, das nur mit Lebensgefahr zu entbinden 
im Stande ist, künftighin durch Sterilität dieser Gefahr überhoben 
werde», so lässt sich doch nicht läugnen, dass «für gewisse Fälle 
der P o r r o’schen Operationen ein dauernder Platz in der Reihe un¬ 
serer Operationen gesichert ist» Ebenso können wir uns nicht ein¬ 
verstanden erklären mit den Vorzügen der von Soh. so warm em¬ 
pfohlenen Brau s’schen Geburtszange. Verf. sollte als strenger 
Antiseptiker es mehr berücksichtigen, dass mit jeder Complicatton 
eines Instrumentes auch die Infectionsfähigkeit desselben wächst, 
und dass die Vortheile, welche die von ihm empfohlene Zange auf¬ 
weist, durch diese Gefahr gewiss nicht aufgewogen werden. Doch 
sind wir weit entfernt, deshalb die sonstigen Vorzüge des «Grundrisses 
der operativen Geburtshilfe» nicht anerkennen zu wollen: vielmehr 
sind wir der festen Ueberzeugung, dass sich derselbe durch seine 
klare und umfassende Darstellungsweise, sowie durch sorgfältige 
Benutzung der einschlägigen Literatur einen bleibenden Platz in 
der classischen Literatur der operativen Geburtshilfe sichern wird. 

S. 


An die Redaction eingesandte Bücher und Druck¬ 
schriften. 

— Cursus der Orthopädie von N. Studenski. Mit 42 
Z eichnungen im Text. — C. Ricker, St. Petersburg 1885. (russ.) 

— Mittheilungen und Sitzungsprotokolle der St. 
Petersburger medicin. Gesellschaft für 1884. n. Jahr¬ 
gang, I. Lief. — C. Ricker, St. Petersburg 1884. (russ.) 

— Das Resorcinderivat: Phloroglucin von Dr. J. 
Andeer. (Sep.-Abd. a. d. «Internat. Monatsschrift für Anatomie 
und Histologie». Bd. J. HeftV. 1884.) 

— Ueber Sklerose des Rückenmarks einschliess¬ 
lich d. Tabes dorsalis und anderer Bückenmarks¬ 
krankheiten von J. Althaus. Mit 9 Abbildungen. — 0. Wi¬ 
gand, Leipzig 1884. 

— Historischer Bericht über das hundertjährige 
Bestehen des Obuchow-Hospitals. Eine Statistik und 
Aetiologie der hauptsächlichsten Krankheiten von Dr. F. Herr- 
m ann. — St. Petersburg 1884. (russ.) 

— Lehrbuch der allgemeinen und speciellen Arz¬ 
neiverordnungslehre für Studirende, Aerzte und Apotheker 
von Dr. R. Boehm. — G. Fischer, Jena 1884. 

— Die gegenwärtige Parasitentheorie in Bezug 
auf öffentliche Gesundheitspflege von M. 0. Perfil- 
jew. — St. Petersburg 1884. (russ.) 

— Lehrbuch der pathologischen Anatomie von Prof. 
N. P. I w a n o w s k i. IV. Lief. — St. Petersburg 1884. (russ.) 

— Wie erleuchtet man am besten die Schultische? 
von Dr. M. Reich. (Sep.-Abd. a. d. Zeitung «Kawkas» AI 249, 
1884). (russ.) 

— Eine modificirte Lampe (mit Contrereflector) zur Be¬ 
leuchtung der^Schultische von Dr. M. Reich. — Tiflis 
1884. (russ.) 

— Färbungstaethoden zum Nachweiss der fäul- 
nisserregenden und pathogenen Mikroorganismen 
von Dr. H. Plant. 2. Aull. — H. Voigt, Leipzig 1885. 

— Bericht über die XVI. Versammlung der oph- 
thalmologischen Gesellschaft. — Heidelberg 1884. Bei¬ 
lageheft zu d. «Klin. Monatsblättern für Augenheilkunde». Mit 1 
lithographirten Doppeltafel. — F. Enke, Stuttgart 1884. 

— Commentario clinioo delle malattie degli or- 
gani genito-urinari. AI 3, 4. 

— Vorlesungen über Pharmakologie für Aerzte 
und Studirende von Dr. C. Binz. 2. Abth — A. Hirschwald, 
Berlin 1885. 

— Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde 
und Thierzucht, herausgegeb. von Alois Koch, Veterinär¬ 
arzt. Mit zahlreichen Hlustrat. — M. Perles, Wien u. Leipzig 1884. 

— Note sur lapratiquedu pansement antiseptique 
per Dr. F. Frai pont. (Sep.-Abd. a. d. «Annales de Liöge»). 

— Laparotomie bei Extrauterinschwangerschaft 
von Proi. K.S 1 a w j a n s k i. — St. Petersburg 1884. (russ.) 

— Syphilitische Initialsklerosen des Rachens von 
K. Schadeck. — Kijew 1884. (russ.) 

— Affection der Cornea in Folge von Syphilis von 
K. Schadeck. — Kijew 1884. (russ.) 


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9 


— Vingt-sept laparotomies par Je prof. Slawjanski. 
(Extr. des «Annales de gynöcologie*, Juillet 1884. — H. Lauve- 
reyns, Paris 1884. 

Auszug aus den Protokollen der Gesellschaft prakti¬ 
scher Aerzte zu Riga. 

SUeung vom 3. October 1884. 

Dr. Schals demonstrirt eine Niere mit stark dilatirtem Nieren¬ 
becken nnd Harnleiter, verursacht durch Occlusion der Blasenmün¬ 
dung des Ureter. Es findet sich an der Einmündungsstelle eine di¬ 
vertikelartig in die Blase vorragende Ausbuchtung, die von einer 
Menge von Concrementen ausgefüllt ist. Das Pr&parat wurde zu¬ 
fällig bei der Section eines Erhängten gefunden. 

Dr. Berg referirtüber eine von ihm, ausgeführte Ovariotomie. 
Patientin, 37 Jahre alt, hat seit 7 Jahren einen Tumor im Leibe, 
der sich bei der Untersuchung als eine Ovarialcyste erweist. Bei 
der Punction mit der Pra vaz’schen Spritze löst sich die Nadel an 
der Fassung und fällt in die Bauchhöhle. Durch sofort vorgenom¬ 
mene Operation wird eine grosse einkammerige Cyste leicht ent¬ 
wickelt, Stiel abgebrannt versenkt, Jodoformverband. Heilung per 
primam. Auf dem Boden der entfernten Cyste wird die Nadel wie- 
dergefanden. Demonstration des Präparats. 

Dr. Hoch weist eine grosse zweikammerige Ovarialcyste vor. 
die vor ca. 8 Tagen von ihm entfernt worden. Interessant war bei 
der Patientin, dass in Folge starker Verdünnung der Bauchdecken 
und Diastase der Recti Wellenbewegung bei leichtester Erschütte¬ 
rung auf dem Auge sichtbar war. Operation leicht, nur 2 rabenfe¬ 
derkieldicke Adhäsionen am Dünndarm. Heilung fast durchgehend 
per primam. Die an der Innenseite der Cyste vorhandenen Falten 
und Stränge glaubt Vortragender als Reste atrophirter Septa auf¬ 
fassen zu können, so dass früher hier eine multiloculäre Cyste vor« 
gelegen habe, die erst im Verlaufender Zeit ihr jetziges Ansehen ge¬ 
wonnen. 

Dr. Erannhals demonstrirt aus der Sammlung des allgemeinen 
Krankenhauses: 

1) Adenoma cylindro-cellulare ovarii. Vortragender geht hier¬ 
bei kurz auf Entstehung der Ovarialcysten ein und gedenkt der Ver¬ 
änderung des Epithels und des Inhalts derselben im weiteren Ver¬ 
laufe. 

2 ) Ein doppelseitiges Papilloma ovarii, das sich auf der Innen¬ 
fläche von QyBtensäcken entwickelt hat. 

8) Eine Ovarialcyste bei gravidem Uterus. Patientin war an 
Darmocclusion zu Grunde gegangen. 


Auszug aus den Protokollen des deutschen ärztlichen 

Vereins. 

Sitzung vom 5. Märe 1884. 

Dr. Magawly demonstrirt dem Verein eine Patientin mit dem 
seltenen Befände eines Lepraknotens in der linken Cornea. Der 
Knoten ist über erbsengross und dringt vom obem Cornealrande in 
die Hornhaut ein. Die Kranke ist 28 Jahre alt, verheirathet; we¬ 
der ist in der Verwandtschaft Lepra vorgekommen, noch ist Patien¬ 
tin je mit Leprösen in Berührung gekommen; sie ist in Petersburg 
geboren und lebt beständig hier. Die Krankheit ist während 4 Jah¬ 
ren zu der jetzigen Entwicklung gelangt, ergriffen sind Gesicht, ein 
Theil des Halses und die Vorderarme. Die Form des Processes ist 
hier die tuberculöse, das hochgradig entstellte Gesicht ist von Beulen 
und Knoten durchsetzt. Nirgends ist a B an den afficirten Hauptpar¬ 
tien Anaesthesie zu constatiren. 

Dr. 8 p e r c k hat auf Kamtschatka und in Ochotsk Gelegenheit ge¬ 
habt Gruppen von Leprösen zu untersuchen; die häufigsten waren die 
mit Anaesthesie verbundenen Formen, Mutilation kommen in solchen 
Fälen nur wenn der Process in der Nähe der Gelenke seinen Sitz hat 
vorlund ist durch fortschreitende Atrophie der Haut und die dersel¬ 
ben folgenden tiefen Einschnürungen bedingt. Augenblicklich hat 
Dr. Sp er ok folgenden Fall von Lepra im Kalinkinhospital in Beob¬ 
achtung. Eine 28-jährige Frau, aus Olonez stammend, deren Ver¬ 
wandte alle vollständig gesund sind, — trat in’s Hospital mit zahl¬ 
reichen weissen Flecken auf Gesicht, Rücken und Händen. Die 
Flecken sind scharf begrenzt von einem Infiltrat, das Anfangs rosa¬ 
farben, bei älteren Flecken gelbbraun gefärbt ist. Die Flecke waren 
ganz anaesthetisch. Im weiteren Verlauf fingen in den Infiltraten 
an sich Knoten zu bilden, die bis zu Wallnussgrösse reichten, auch 
letztere sind anaesthetisch; durch das Zusammenfliessen vieler 
Flecke und knotiger Infiltrate wurde die Gonfiguration der Hauterup¬ 
tionen mannigfaltig gestaltet. Die anfänglich begonnene Arsenbe¬ 
handlung war ganz erfolglos, seit 6 Wochen wurde Creosot gebraucht 
und zwar aufsteigend von */» Gr. bis zu *1* Gr. 3 Mal täglich, wäh¬ 
rend der letzten 2 Wochen ist merkliche Besserung eingetreten; die 
Knoten begannen abzuflachen und sind jetzt fast geschwunden, an 
deren Stelle befinden sich braune Flecke die mit den weissen alteroi- 
ren. Die Anaesthesie besteht aber unverändert fort. Allgemeinbe¬ 
finden und Gemüthsstimmung der Kranken sind gut. Bei dieser 
Kranken wurde ein Hautviereck ausgeschnitten, es erfolgte kaum 
Blutung, empfanden wurde gar nichts. Der sich selbst überlassene 
Substanzverlust war in 2 Wochen fast ohne Eiterung vernarbt, die 
Granulationen der Wandfläche waren reichlich, aber sehr blass. In 


diesem Falle ist kein Nervenstamm ergriffen, da sonst gewöhnlich 
Hyperaesthesien vorausgehen; auch erfolgte hier die Verbreitung 
des Processes nicht nach dem Verlauf der Nerven, sondern war von 
Beginn an maculös, unregelmässig zerstreut; so dass wahrscheinlich 
ein centraler Vorgang zu Grunde liegt. 

Dr. Moritz theilt folgenden Krankheitsfall mit: Am 18. Februar 
wurde in’s Obuchowhospital eine Kranke mit angeblich puerperaler 
Erkrankung aufgenommen. Es stellte sich heraus, dass Patientin 
vor 3 Wochen in der Gebäranstalt entbunden worden, aber ihre 
Krankheit schon zwei Wochen früher bestanden habe, — seit 5 Wo¬ 
chen hat sie über Durchfall und häufiges Erbrechen zu klagen gehabt. 
Auch beim Eintritt in’s Hospital giebt Patientin an 4—5 Stühle täg¬ 
lich, oft mit Tenesmen, zu haben, täglich träte Erbrechen auf Pa¬ 
tientin, Soldatenfrau, 29 Jahre alt, ist sehr mager, hat kein Fieber 
Respiration 18, Puls 80 mittelgross. Unterleib nicht gross, resistent, 
bei tieferem Druck Empfindlichkeit in der rechten Bauchhälfte. Le¬ 
ber und Milz nicht vergrössert, Brnstorgane gesund. Die Diagnose 
wurde auf Darmkatarrh gestellt. Erbrechen und Durchfall wurden 
seltener, aber am 21. Februar Klage über Kopfrehmerz, derselbe be¬ 
stand fort und war am 25. Februar sehr heftig. Das Erbrechen 
wurde wieder häufiger und schien mit dem Kopfschmerz im Zusam¬ 
menhänge zu stehn, die Zunge war ohne Belag und ihr Epithel war 
erhalten. Die Hartnäckigkeit des Processes und die Abmagerung 
Hessen die Möglichkeit der Tuberculöse zu, dagegen sprach die Ab¬ 
wesenheit jeder Erscheinung von Seiten der Lungen. Die Abwesen¬ 
heit von Fieber sprach gegen einen Eiterungsprocess oder grössere 
Ulcerationen im Darm ebenso gegen Meningitis, Abwesenheit von 
Nackenstarre und andere Hirnbasiserscheinungen speciell gegen Me¬ 
ningitis tubercnlosa. Der Ham enthielt kein Ei weise. Es wurde 
die Annahme, dass Tuberkel mit Vorzugs weisem Sitz auf der Con- 
vexität vorhanden seien, dennoch ansgesprochen nnd zwar im frühe¬ 
sten Entwickelungsstadium, ohne Meningeal-Exsudat. Bei anhal¬ 
tendem Kopfschmerz, quälendem Erbrechen, erfolgte Collaps und 
am 29 Februar Tod der Kranken. Die Section ergab auf der Con- 
vexität der rechten Hemisphäre eine grosse Anzahl kleinster grauer 
Tuberkel, die Pia war hier hyperämisch, während sie sonst normal 
war. Die Basis frei. Lungen gesund. Käsig infiltrirte Mesenterial- 
drüsen; vom Jejunum anfrngend bis in den Dickdarm intensivster 
folHculärer Katarrh, dichtstehende geschweUte solitäre Follikel. 
Keine Geschwürsbildung. Scheinbar frische Nephritis mit eitrigem 
Secret im Nierenbecken. Dieser Fall beweist, dass eine Tuberculöse 
der Meningen vorkommt ohne eigentüche Meningitiserscheinungen 
und bereits in diesem Stadium diagnosticirbar ist, ferner dass es 
nicht nöthig zu sein scheint zur Dissemination der Tuberculöse, dass 
Ulceration vorhanden sei, sondern dass der Katarrh tuberculös infici- 
ren kann. 

Dr. Schmitz hat folgenden Krankheitsfall in Beobachtung, der 
die Existenz einer rein spastischen Strictur der Urethra ausser 
Frage stellt. Vor 8 Tagen wurde in’s Kinderhospital des Prinzen 
von Oldenburg ein 12jähriger Knabe gebracht, der angeblich seit 36 
Stunden an Hamretention leiden sollte. Der Versuch, den Catheter 
einzuführen misslang, selbst in der Chloroformnarkose. Auf die sta¬ 
tionäre Abtheilung angenommen, wurde constatirt, dass der Vertex 
der Blase über dem Nabel stand, an den äussem Geschlechtstheilen 
nichts Besonderes, Palpation der Harnröhre negativ, keine Druck- 
empfindUchkeit, kein eingekeiltes Concrement. Anamnestisch wurde 
eruirt: im 6. Lebensjahre durch mehrere Tage Hamretention, wobei 
aber Hamträufeln bestand; später für kurze Zeit Wiederholung der 
Erscheinung. Vor 3 Jahren hat Patient im Kinderhospital gelegen; 
damals auch Hamretention, der Katheter stiess in der Pars merabra- 
naoea auf Widerstand, der durch stärkem Druck überwunden wurde, 
es erfolgte Entleerung der Blase in vollem Strahl, kein Stein, keine 
Vergrösserung der Prostata. In den folgenden 2 Wochen war das 
Uriniren bald ganz frei in vollem Strahl, bald dünner Strahl von 
Schmerz begleitet, bald Retention. Der Katheter drang verschieden 
leicht in die Blase. Später hat Patient in der hiesigen Klinik ein 
ganzes Jahr gelegen, wo die Erscheinungen von Seiten der Blase 
auch wechselnd waren; wahrscheinlich wegen Verdacht auf Onanie 
wurde ihm dort das Praeputium entfernt. Dr. Schmitz narkotisirte 
den Patienten, der silberne Katheter stiess auf 8 Ctm. Entfernung 
auf einen Blindsack, eine schwere Steinsonde desgleichen, eine sil¬ 
berne Sonde J4 10 drang endHch ohne Widerstand zu finden in die 
Blase, der Katheter folgte danach ganz frei und leicht und entleerte 
in schwachem Strahl normalen klaren Harn. Der Versuch der Ent¬ 
fernung des Katheters gelang nicht gleich, die Erklärung lag in dem 
mittlerweile eingetretenen Ende der Narkose. Seitdem werden wech¬ 
selnde Erscheinungen wie früher beobachtet; katheteiisirt wurde 
zwei Mal, das eine Mal ganz frei, das andere mit Schwierigkeiten. 
Von Interesse ist, dass die Untersuchung des Harns auf Zucker ein 
positives Resultat ergeben hat, wenn Narkose vorausgegangen war ; 
auch jetzt wird nach der letzteren geringer aber quantitativ nach¬ 
weisbarer Zuckergehalt beständig constatirt. Der reine genuine 
Spasmus der Urethra ist in diesem Fall als Ursache der Hamreten¬ 
tion sicher constatirt. 

Dr. Mascbka aus Karlsbad erzählt folgende Beobachtung: Ein 
fettreicher Mann von mittleren Jahren klagte über Schmerzen, die 
als Nierenkolik gedeutet werden mussten, daneben Ischurie. Bei 
i Untersuchung mit dem Katheter wurde klarer, reiner Urin entleert, 
sonst nichts gefunden. Den nächsten Tag präsentirte Patient eine 
grosse Flasche mit Eitermassen, die aus der Blase stammten; dieses 


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dauerte 2 Tage. Nach 8 Tagen wurde, bei Klage Uber Ischurie, eine 
Steinsonde dageführt, die wieder für 2 Tage starke Eiterabsonde¬ 
rung aus der Blase zur Folge batte. Die Erklärung lag hier offen¬ 
bar in einer Pyelitis, die zur Ausdehnung eines urethers geführt 
batte, Verschluss des letztem durch einen Pfropf oder Druck auf die 
Ausgangsöffnung wurde zeitweise mechanisch durch Einführung des 
Katheters gehoben. z. Z. Director Dr. Herrmann. 

Secretair Dr. Amburger, 


Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerzte. 

Sitzung vom 27 . November 1884 . 

1. Dr. R ei m er stellt einen 12jährigen Knaben vor, welcher so¬ 
eben Variola überstanden und bei dem sich das salicylsaure Natron 
als Mittel, die Pusteln zum schnelleren Abtrocknen zu bringen, vor¬ 
züglich bewährt hat. Bereits 1876 ist das Mittel von Prof. 
Schwimmer gegen Pocken empfohlen worden. 1883 berichtet 
Claridge über die erfolgreiche Behandlung eines 74jährigen 
Pockenkranken mit Salicylsäure (3 stdl. zu 8,6 Grm.). Am 3. Tage 
nach Anwendung des Mittels fingen die Pusteln an abzutrocknen. 

Der vorgestellte Knabe, der nicht geimpft gewesen, war am 2. 
Tage seiner Ankunft aus Twer unter heftigen Allgemeinerschei¬ 
nungen erkrankt und zeigte bei seiner Aufnahme ins Nicolai-Kinder- 
hospital ein hämorrhagisches Exanthem, welches jedoch nach 2 Ta¬ 
gen seinen hämorrhagischen Charakter verlor und in normal ent¬ 
wickelte Pocken überging. Als R. das salicylsaure Natron verord- 
nete. waren die Pocken bereits gedellt. Schon am folgenden Tage 
machte sich ein Stillstand im Entwickelungsgange der Pusteln be¬ 
merkbar und das Eintrocknen begann so bald, dass am 7. Tage nach 
der ersten Eruption das Gesicht mit trocknen Krusten bedeckt war. 
Nach weiteren 3 Tagen liessen sich die Schorfe leicht abheben und 
unter denselben fand man glatte, glänzend rothe Hautpartien, ohne 
jeglichen Substanzveriust. Im Verlauf von 14 Tagen hat Pat., bei 
28tdl. Tag und Nacht fortgesetzter Darreichung von je 10 Gran sa- 
licylsauren Natrons circa 5 Unzen des Mittels verbraucht und gut 
vertragen, ohne jeglichen Reiz seitens der Magenschleimhaut. 

Die wesentlichste Wirkung des salicylsauren Natrons im vorlie¬ 
genden Falle scheint R. in der Hemmung der Pustulisation zu lie¬ 
gen, wodurch anch das Tiefergreifen des Processes mit nachfolgender 
entstellender Narbenbildung verhindert wird. 

2. Herr Oberlehrer B. Kolbe (als Gast) hält einen Vortrag 
•über den Einfluss der relativen Helligkeit von Schriftzeichen 
und der Farbe des betreffenden Grundes auf die Sehschärfe », 
wobei er einen von ihm construirten Apparat] und verschiedene 
Farbentafeln demonstrirt. 

Die Aufgabe, welche der Vortragende sich gestellt hatte, war, 
durch Experimente zu ermitteln : 

I. In welcher Abhängigkeit steht die Sehschärfe von der HeU 
ligkeitsdifferenz zwischen den Buchstaben und dem Grunde der 
Tafeln? 

n. Für welche Farbe des Grundes ist (bei gleicher Grösse und 
Qualität der Schriftzeichen und bei gleicher Helljgkeitsdifferenz der¬ 
selben mit dem Grunde) die Sehschärfe am grössten ? 

HI. Bei welcher Farbe des Grundes ermüdet das Auge am we¬ 
nigsten ? 

Zur Beantwortung der ersten Frage stellte sich Kolbe eine Reihe 
von verschiedenhellen grauen Flächen her, deren Helligkeit photo¬ 
metrisch (an rotirenden Scheiben mit Sammetsectoren) bestimmt 
wurde. 

Die Buchstaben, deren Helligkeit gleichfalls gemessen wurde, 
waren aus tief schwarzem Bristolcarton (von dem nur die ge¬ 
schwärzte oberste Papierschicht genommen wurde), neutralgrauem 
Zeichenpapier und purpurnem und grünem Papier , sowie aus dem 
weissesten Visüenkartencarton (welches K. von dem hiesigen Li¬ 
thographen K o e h n e bezogen) ausgeschnitten. Zn den purpurnen 
und grünen Buchstaben wurden solche Papiere ausgesucht, welche 
bei diffus. Tageslicht gleich hell mit dem benutzteu neutralen Pa¬ 
pier, und unter sich gleich intensiv waren *). Als *Normalweiss> 
wurde das von Dr. K ö ni g (v. G r a e f e ’ s Arch. 1884. II, pag. 
162) vorgeschlagene Magnesiumoxyd benutzt. Die Helligkeit des¬ 


selben = 100 gesetzt, war: 

D. Helligk. d. K o e h n e 'sehen Visitenkartencartons = 96,3 

* * * weissen Bristolcartons.= 90,0 

» » > neutralgrauen Papieres .....= 29,25 

» > » purpurnen Buchstaben.= 28,3 

» > > grünen > = 29,0 

> > > schwarzen > = 2,6 


Die Schriftzeichen wnrden, genau entsprechend den 8 n e 11 e n - 
sehen internationalen Schriftzeichen E (für 6 Meter Distance) her¬ 
gestellt und auf die Tafeln geklebt. 

Beobachtet wurde die Sehschärfe für diese Schriftzeichen auf a) 
weissestem (K ö h n e 'schein) Visitenkartenpapier, b) auf weissesten 
Bristolcarton, c) auf grauem Grunde, entsprechend einer Helligkeit 
von 61 8; 41,4; 26,4; 6,8. 

Die Resultate, welche graphisch dargestellt wurden, ergaben: 


*) Ueber die benutzten Methoden zur Best, der relat. Helligkeit 
und der chromat. Valenz (färb. Intens.). S. v. G r a e f e 's Arch. 
f. Oph. 1884. II, p. 1-68. 


I. Die Sehschärfe wächst mit der HeUigkeitsdifferenz zw. d. 
SchrifUeichen und dem Grunde, doch ist die Zunahme nicht 
gleichmassig. 

Anfangs (bei dunklem Grunde und schw. Schriftzeichen) wächst 
die Sehschärfe rasch, dann bedeutend langsamer, um später (bei 
weissen Papieren) wieder bedeutend stärker anzusteigen. Die Diffe¬ 
renz der Sehschärfe für den weissesten Carton (h=96,3) und 
den weissen.Bristolcarton (h = 90,0) wächst bei abnehmender 
Beleuchtungsstärke! Mithin sollten Schulbücher auf sehr weissen» 
Papier gedruckt werden (was auch Prof. Cohn empfiehlt). 

H. Die Farbe des Grundes scheint ohne Einfluss auf die Seh¬ 
schärfe zu sein, indem nur die Helligkeitsdifferenz zw. Buchstaben 
und Grund den Unterschied bedingt. Da gelbliche Papiere bei 
künstlicher Beleuchtung relativ heller, als andere bei Tageslicht 
gleichhelle Flächen erscheinen, so ist zum Gebrauch bei Kerzen¬ 
oder Lampenlicht gelbliches Papier (welches J a v a 1 empfiehlt) an* 
dersfarbigem (aber nicht reinweissem) vorzuziehen. 

ni. Das Schreiben und Lesen auf farbigen Papieren ermüdet 
mehr, als auf weissen und zwar um so mehr, je lebhafter die Nach¬ 
bilder sind, welche sie im Auge erzeugen (z. B. Purpur, resp. roth. 
und grün, weniger gelb und blau). Zum Maasstab der Ermüdung 
benutzte der Vortragende die Herabsetzung seiner 8ehschärfe nach 
den Schreiben und Lesen auf farbigem Grunde. 

Dr. M a g a w 1 y fragt, ob der Einfluss der Befraction bei den 
Sehschärfebestimmungen berücksichtigt worden sei ? K. demon- 
strirte die benutzten Tafeln und zeigte, dass dieselben durch eine 
Drehung um ihren Mittelpunct in jede Lage gebracht werden konn¬ 
ten und dass beim Messen alle 4 Stellungen beobachtet worden seien. 

Dr. Schroeder fragt, ob sich für die Praxis nicht eine 
zweckmässige Helligkeitsdiff. zw. den Buchstaben und dem 
Grunde werde bestimmen lassen ? K. wies darauf hin, dass die 
Sehschärfen-Curve bei einer Differenz von 80 % (des Weise) wieder¬ 
um beginne steil anzusteigen, dass also diese Differenz als eine für 

S Taktische Zwecke entsprechende bezeichnet werden könne, indem 
ie Sehschärfe noch eine volle sei, aber eine kleine Helligkeitsdiffe¬ 
renz hier weniger die Sehschärfe beeinflusse, als bei noch helleren 
Papieren. 

3. Dr. S t a n g e (Gast) mache eine kurze Mittheilung über die 
tKommabacitten der Cholera » und demonstrirt mikroskopische 
Präparate derselben, die er im Sommer von Dr. K o c h in Berlin er¬ 
halten hat. Hierbei macht S t. darauf aufmerksam, dass der Name 
nicht ganz zutreffend, da die Form mehr an 8täbchen, die an beiden 
Enden etwas eingebogen, erinnert, als an ein gewöhnliches Komma. 

4. Dr. ehern. A. P o e h 1 (Gast) theilt, an den Stange 'sehen Ver¬ 
trag anknüpfend, Einiaes aus seinen Beobachtungen über die Mi¬ 
kroorganismen der Fäces mit, wobei P. eine Reihe von Culturen 
verschiedener aus den Fäces stammender Mikroorganismen (meist auf 
Kartoffeln) demonstrirt. Hierbei betont P., dass anch Koch nicht 
nur auf das Bild, welches die Mikroorganismen unter dem Mikroskop 
geben, Gewicht legt, sondern ebenso den mikroskopischen Charakter 
der Culturen beachtet. Ferner muss man auch auf die chemischen 
Eigenschaften der Mikroorganismen achten, namentlich auf die 
Spaltung8producte der Ei weisskörper und bestimmter Kohlenhydrate. 
Für die Cholerafrage ist die von Bienstock aufgestellte Behaup¬ 
tung, dass die normalen Fäces, Dank der Einwirkung des normalen 
sauren Magensaftes nur sporenführende Mikroorganismen enthalten, 
während Mikrokokken und Stäbchen im sauren Magensaft unter¬ 
gehen, von grosser praktischer Bedeutung. Da K o c h für die Cho- 
lerabacterien eine Dauerform nicht gefunden hat, so ist leicht er¬ 
klärlich, warum dieselben im normalen Magensaftzu Grunde gehen. 
Bei pathologischen Fäces fand P. ausser sporentragenden Mikro¬ 
organismen auch Stäbchen und Mikrokokken, die nicht zu Grunde 
gegangen, da der Magensaft neutral oder alkalisch gewesen. 

In jüngster Zeit batte P. Gelegenheit Fäces von Cholera nostras 
(die ihm von Prof. Eichwaldt zugestellt) zu untersuchen und 
demonstrirt Culturen von Mikroorganismen aus denselben. Die 
Verwechslung der sogen. Kommabacillen K o c h 's mit denjenigen, 
welche Prior und Fi n k 1 e r bei Cholera nostras gefunden, kann 
nicht stattfinden, sobald man die Culturen berücksichtigt. Bei Cho¬ 
lera asiatica wird die Gelatine langsam und allmälig verflüssigt und 
nur am oberen Ende des Impfstiches bildet sich eine Einsenkung, 
während sich bei Cholera nostras die Verflüssigung in der ganzen 
Länge des Impfstiches entwickelt, wobei, wie Koch bemerkt, nach 
2 Tagen die Cultur die Gestalt eines länglichen Sackes bildet. 

Ferner demonsfrirt P. flache Gefässe mit seitlicher Oeffnung, 
welche er zu bacteriologischen Wasseruntersuchungen anwendet. 

Secretair: Dr. 0. P e t e r s e n. 


Vermischtes. 

— In St. Petersburg verstarb am 18. December a. pr. Dr, Ni¬ 
kolai Bubnow, Assistenzarzt an der Klinik des Prof. B o tk i n, 
an Diphtherie. Nach Absolvirung des medicinischen Studiums an 
der hiesigen medico-chirurgischen Academie beschäftigte B. sich an¬ 
fangs in der Botkin’sehen Klinik, wurde darauf zur weiteren 
Ausbildung in’s Ausland geschickt, wo er 2 Jahre an verschiedenen 
Kliniken studirte. Während des letzten türkischen Feldzuges 
wirkte B. als Arzt auf dem Kriegsschauplätze und wurde nach Be¬ 
endigung des Krieges wieder Assistent an der Klinik des Prof. B o t- 


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11 


Je i xi. Von seinen wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist die be¬ 
deutendste seine Arbeit über die physiologische und therapeuti¬ 
sche Wirkung von Adonis vernalis, welche zuerst in Form von vor¬ 
läufigen Mittheilungen in unserer Wochenschrift (Jahrg. 1679) und 
später ausführlicher als Doctordissertation erschien. In dem Da- 
hingeschiedenen haben wir nicht nur einen tüchtigen Arzt, sondern 
auch einen strebsamen, zu grossen Hoffnungen berechtigenden wis¬ 
senschaftlichen Forscher verloren. 

_ Am 24. December n. St. ist in Berlin der Leibarzt des deut¬ 
schen Kaisers und Generalstabsarzt der preussischen Armee a. D., 
Dr. Heinrich Grimm, nach längerem Leiden im 61. Lebens¬ 
jahre gestorben. Nachdem G. seine medicinische Ausbildung im 
medidnisch-chirurgisehen Friedrich-Wilhelms-Institut erhalten, trat 
sr in den Militär-Medicinaldienst, in welchem er bereits im Jahre 
1644 Generalarzt, 1647 zweiter und 1851 enter Generalstabsarzt 
und Chef des Militär -Medicinalwesens wurde. In letzterer Stellung 
werblieb er bis zum Jahre 1879, wo er in den Ruhestand trat. Der 
Verstorbene hat sich grosse Verdienste um das deutsche Militärsani- 
tfttswesen erworben. Die von ihm geschaffenen Einrichtungen be¬ 
währten sich in den Feldzügen von 1864 und 1866 so vortrefflich, 
dass der Kaiser unter höchster Anerkennung der von den Aerzten 
geleisteten Dienste im Jahre 1668 die Organisation des selbständi¬ 
gen, dem Kriegsminister unmittelbar unterstellten Sanitätscorps ge¬ 
nehmigte und Grimm zum Chef desselben ernannte. Es erschien 
nun unter seiner Leitung die «Instruction über das Sanitätswesen 
der Armee im Felde», welche die Heilpflege bei den Truppen im 
Felde wesentlich den neucreirten Divisionsärzten anvertraute und 
die Feldlazarette den ganz und voll verantwortlichen Chefärzten 
auch als militärischen Vorgesetzten überjg&b. 

— Wir geben nachstehend ein Verzeichniss der Aerzte (in chro¬ 
nologischer Reihenfolge), welche im verflossenen Jahre in Russland 
gestorben sind: 

Director und Oberarzt von Alexandershöhe Ed. Rutkowsky (Riga). 

— Nie. Lunin (Bjelew). — Oberarzt d. klinisch. Mil.-Hosp. N. To- 
ropow (8t. Petersburg). — Edm. Trost (Kronstadt). — A. Tomarow 
(Kasan). — Latri (Jalta). — Prof. Frese (Kasan). — Sebastian 
Bitter (St. Petersb.). — Dimit. Naidenow (Moskau). — Iwan Marku- 
sow (Tiflis). — Cymbalow (Tiflis). — G. Wodow (8ysraiy). — 
Schtschetnikow (Tiflis). — Subkowski (Brjansk). — Prof. emer. 
Bchtschurowski (Moskau). — Ad. Goedechen (St. Petersb.). — Wen- 
gerow (St. Petersb.). — Michailow (Moskau). — N. Ssokolow 
(Omsk). — M. Iwanow (Riga). — P. Popow (Unupino). — F. Lang 
(Charkow). — Prof. emer. Alferjaw (Kiew). — Leiboculist Joh. Ra¬ 
bat (St. Petersb.). — Joh. Thalberg (St. Petersb.). — A. Ley (St. 
Petersb.). — Heinr. Herrm. Schnee (Goldingen). — M. Bashanow 
(Perm). — A. Snamenski (Ischim). — Nie. Brasche (Narwa). — 
Oserski (Brest-Litowsk). — Popow (Omsk). — Monachow (Nowo- 
minsk). — Belinski (Kasan). — K. Grossmann (im Stawroporschen 
Kreise). — K. Fedorow (Odessa). — W. Karpow (Poltawa). — Prä¬ 
sident d. Medicin&lrathes E. W. Pelikan (St. Petersb.). — Chodo- 
towski (St. Petersb.). — Medicinal-Insp. d. Anstalten der Kaiserin 
Maria W. Koch (Moskau). — Böthling (Ssimferopol). — M. Lewen- 
sohn (Odessa). — David Zederbaum (Odessa). — Mühlhausen 
(Warschau). — Prof. emer. u. Director der Dorpater Veter.-lnst. 
Unterberger. - Kaschinski (Mirgorod). — Ponomarew (Witebsk). 

— J. Karadylew (Moskau). — N. Ssawizki (Wilna). — Conat. Jan- 
kowski (Moskau). — Artinski (Nowotscherkask). — Prof. Nawali- 
ehin (Kasan). — Olerow (Kogasman). — Fr. Szonn (Riga). — Fas- 
nanow (Pawlowsk). — Fned. Stroschneider (Peterhof). — Divisions¬ 
arzt Messerschmidt. — Jakubowski (Tomsk). — Tolpegin (Wladi¬ 
mir). — Kindt (Piijatin). — Hammelmann (St. Petersb.). — La- 
moni (Jekaterinburg). — Insp. der Med.-Verw. v. St. Petersburg 
Baron Maydell. — Kolomenski (Moskau). — Kisselew (Ssurash). — 
Ssatinski (Orenburg). — Stanislaus Girdwoyn (Telschi). — Bulgak 
(Iwangorod). — Targonski (Werchneudinsk). — Rud. Albrecht (St. 
Petersb.). — Gussew (Moskau). — Uschakow (Orenburg). — E. Klink 
(Warschau). — Carl Strauch (St. Petersb.). — Beck (Moskau). — 
Heinrich Laskowski (St. Petersb.). — Milostanow. — Kaleri (Mos¬ 
kau). — Prof. emer. J. Glebow (St. Petersb.). — Eng. Borkenhagen 
(St. Petersb.). — Prof. emer. Giwartowski (Moskau). — Kolomen¬ 
ski (Moskau! — Tschernjak (Pjatigorsk). — Tscherokow. - Milo¬ 
stanow. — Paul v. Smolian (St. Petersb.). — Gross (Mariinsk). — 
Lampadow (Perm). — Wold. Werncke (Reval). — K. Lebedew. — 
A. Shdanow (Odessa). — Ljatoschinski (Shitomi?). — J. Schaposch- 
nikow. — Boitschenko (Jekaterinosslaw). — Prof. Lebedew (Mos¬ 
kau). — K. Kurnatowski (Riga). — Koplewski (Woltschansk). — 
Wainlund (Wolhynien). — Bd. Kettler (8t. Petersb.). — Med.-In- 
spector Demidowitsch (Twer). — P. Woronzow (Olones). — Ssa- 
witsch (Igumen). — Chelkowski (Werchneuralsk). — Nicolai Bub- 
now (St. Petersb.). 

Die medicinische Wissenschaft im Auslande verlor im verflossenen 
Jahre durch den Tod folgende hervorragende Männer: 

Oberarzt der Armee Baker Pascha*s, Dr. Leslie (Egypten). — 
Prof, der Pharmakologie Radius (Leipzig). — Prof. emer. Dr. Allen 
Thomson (London). — Director der Irrenanstalt Roda Dr J. Göpel 
(Altenburg). — Früherer Arzt der deutschen Botschaft in St. Pe¬ 
tersburg Dr. Adalbert Lehwess (Berlin). — Prof, der med. Chemie 
Würts (Paris). — Prof. Ad. KjeUbergjfStockholm). — Aeltester 
Primärarzt des allg. Krankenhauses in Wien Dr. Kolisko. — Prof. 
Bd. v. Jäger, Ophthalmolog (Wien). — Prof. Pribram, Therapeut 


I (Prag). — Prof, der Pathologie Cohnheim (Leipzig). — Erfinder d. 
Elektrotherapie Dr. Bourq (Paris). — Generalinspector d. rumäni¬ 
schen Militär-Sanitätswesens Dr. Davila (Bukarest). — Prof. Carino 
und Prof. Somma (Neapel). — Dr. Woodward, bekannter Mikrosko- 
piker (New-York). — Prof, der Psychiatrie Neumann (Breslau). — 
Elektrotherapeut Dr. Rud. Brenner (Merseburg). — Dr. Av6-Lalle- 
mant (Lübeck). — Prof. Bokai, Pädiater (Budapest). — Oberarzt 
Dr. Rabbeth (London). — Prof. emer. Dr. Heinr. Adelmann (Würz¬ 
burg). — Dr. Fauvel, bekannter Hygienist (Paris). — Prof, der 
Physiologie v. Wittich (Königsberg). — Prof. Chwostek (Wien). — 
Prof, der med. Chemie Henniger (Paris). — Prof, der Physiologie 
Vierordt (Tübingen). — Prof. Fonssagrives (bei Paris). — Prof. d. 
Chirurgie Fauoon (Lille). — Generalstabsarzt der preussischen Ar¬ 
mee Dr. Heinr. Grimm (Berlin). 

— Bouchard macht auf ein Symptom beim Diabetes mellitus 
aufmerksam, welches von praktischer Bedeutung bezüglich der 
Diagnose und Prognose dieser Krankheit ist. Es verschwinden 
nämlich die Sehnenreflexe im Verlaufe des Diabetes mellitus, sobald 
die Krankheit in ein gefährliches Stadium tritt; mit der Rückkehr 
der Sehnenreflexe tritt gleichzeitig eine Besserung der übrigen 
Symptome ein. B. gelangte in mehreren Fällen durch dieses Symp¬ 
tom zur richtigen Diagnose. 

— Das österreichische Ministerium des Innern hat an alle grösse¬ 
ren Krankenhäuser einen beachtenswerthen Erlass gerichtet, in wel¬ 
chem diese darauf aufmerksam gemacht werden, dass es nothwendig 
sei, besondere Maassregeln in Betreff der Lungentuberculose-Kran¬ 
ken in Erwägung zu ziehen, da nach der herrschenden Theorie die 
Tuberculose durch einen bestimmten Bacillus hervorgerufen werde 
und übertragbar sei, somit als Infectionskrankheit betrachtet werden 
müsse. Die Krankenanstalten wurden daher aufgefordert, in Erwä¬ 
gung zu ziehen, ob solche Kranke von den übrigen Pfleglingen des 
Hospitals isolirt und welche andere prophylaktischen Maassregeln 
gegen die Verbreitung dieser Krankheit angewendet werden sollen. 


M. 

W. 

Summa. 

2685 

1832 

4517 

58 

85 

143 

M. 

W. 

Summa. 

172 

81 

253 

14 

16 

30 

18 

6 

24 

474 

339 

872 


Krankenbestand der Civil- u. Kinderhospitäler St. Petersburgs 

am 16. December 1884. 

M. 

Civilhospitäler. 2685 

Kinderhospitäler *). 58 

Unter der Gesammtzahl befanden sich : 

Typhöse Krankheiten (abd., exanth., reo.) 

Scharlach. 

Pocken. 

Venerische Krankheiten. 474 

Die Ambulanzen der Kinderhospitäler wurden in der Woche 
vom 9.—15. December 1884 besucht von 1505 Kranken, darunter 
zum ersten Mal von 744. 

am 28. December 1884. 

M. 

Civilhospitäler. 2710 

Kinderhospitäler. 79 

Unter der Gesammtzahl befanden sich : 

Typhöse Krankheiten (abd., exanth., rec.) 

Scharlach. 

Pocken. 

Venerische Krankheiten. 482 

Die Ambulanzen der Kinderhospitäler wurden in der Woche 
vom 16.—22. December 1884 besucht von 2529 Kranken, darun¬ 
ter zum ersten Mal von 972. 


M. 

W. 

Summa. 

2710 

1805 

4515 

79 

159 

238 

M. 

W. 

Summa. 

188 

93 

281 

18 

27 

45 

13 

7 

20 

482 

361 

843 


*) Die Zahlen vom Kinderhospital des Prinzen v. Oldenburg sind 
uns nicht zugegangen. 


Mortalität einiger HauptstSdteEuropao. 


Name 

Neuer Styl. 

Einwohner¬ 

zahl. 

4 

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2 .5 1 
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S ; 

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11 
2 5 

Stockholm . . 

7—13 Dec. 

181 732 

102 

17 27,, 

16,0 

36,o 

Kopenhagen.. 

10—16 Dec. 

267 000 

148 

37 1 28,8 

25,o 

40.» 

Berlin • . . 

14—20 Dec. 

1225 065 

518 

92 

22,0 

17, r 

37,. 

Wien. 

14—20 Dec. 

759849 

345 

23 

23,< 

6,8 

37,. 

Brüssel • . - 

7—13 Dec. 

171293 

83 

9 

25,s 

10* 

34,. 

Paris .... 

14—20 Dec. 

2 239928 

1018 

134* 

23,< 

13 4 

26,. 

London . . . 

14-20 Dec. 

4019 361 

1595 

217 

20,r 

13,8 

34,o 

8t. Petersburg 

20—27 Deo. 

•28016 

508 

55 

28,. 

10* 

20,t 


*) inol. 25 an Masern. *) ind. 3 an Cholera. 

Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger Aerzte 
Dienstag den 8. Januar 1885. 

Tagesordnung: Wahl der Vorstandes; Börling: ein Fall von 
Sclerodermie; Wiedeman: Tubarschwangerschaft; Selenski: 


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Therapeut. Verwendung des persischen Insectenpulvers; Reimers: 
zur Therapie der Variola. 

Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 14. Januar o. 

Adressen von Krankenpflegerinnen. 

* 6. van der Vliet, Boiii. Macrepczaz, x* N 5, kB. 49. 

* Fr. P. En rieh, Ha ynyMaiofl Htäjbehceöä ji. h dpreiena 
nep., x- Nt 1/12 kb. 19. 

* Jlyzsa KapjOBHa MepTKe, Axymepsa, PzscKift npocn. 
XOm» Ji 42/4. kb. N 5. 

* Co$iM HaBiOBHa niKiape Bcsaa, no MofiKt x- Ji 102, 
spapT. Ji 4. 

Mad. Hell wig , ÜSMaiUoBCKiit hojkb, 11. poTa, xombM5, kb. 6 . 
Max* ropxoHB, RpoHBepKCKift npocneKTi, yron»KoHHaro nep. 
XOlTb N 11 KB. 11. 

Fr. £ aufm ann, Herepß. crop., Majas MoHenaH N6/S kb. Ji 1. 


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Fr. Berg, Omzierstrasse Haus N 20 Quart. 25. 

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1,1884, 3 Rbl. M 

Garpatt, Myths in medecine and old-time doc- 
tor» 1884, 4 Rbl. 50 Kop. 

Glrerd, Des manifestations du paludisme sur 
les Organes glnitaux de l'homme. 1884, 1 Rbl. IIoXB p 
50 Kop. - 

Gould, Elements of surgical diagnosis. 1884, ^ n P a 
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Grastet, L’art pescrire. Etudes de th^rapeu- IlhHa 1 
tique g^n^rale. 3. £d. 1884, 1 Rbl. 50 Kop. 50 KOD. 

Jones, The health of senses. a. ed. 1884, KOseno 
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man an den geschäftsfilhrenden Redacteur, Dr. L. V. Holst in St. Peters¬ 
burg, Evangelisches Hospital, Abonnements-Aufträge, Inserate etc. an 
die Buehhandlung von C. Ricker in St. Petersburg, Newsky-Prosp. H 14 
zu richten. Ausser dem Honorar (16 Rbl. pro Bogen) werden den Autoren 
25 Separatabzüge ihrer Original-Artikel zugesandt. 


N® 2. 8t Petersburg, 12« (24.) Januar 1885. 


*“** a ** : Samson Maissurianz: Ein Fall von Diagonaltiractur der Schädelbasis. Heilung. — Referate . Hyrnfcschak: 
Zur Frage der Infectiosität des Morbns macnlosns Werlhofii. — J. Schreiber: Ueber das Kniephänomen. — Bristowe, Hnmphry, 
Hutchinson und Ballard über Dr. Cory’s Experimente der Vaccineimpfang an sich selbst von syphilitischen Kindern. — Bücher - 
Anzeigen und Besprechungen . George Harley: Die Leberkrankheiten. — A. D. Knie: Rechenschaftsbericht über meine chirnr- 
gische Thätigkeii in meinem Hospital 1880—1883. I. — C. Gerhardt: Lehrbuch der Anscultation und Percussion mit besonderer Be¬ 
rücksichtigung der Inspection, Betastung und Messung der Brust und des Unterleibes zu diagnotischen Zwecken. — 0. Puhlmann: 
Die chemisch-mikroskopische Untersuchung des Harns auf seine wichtigsten Veränderungen. — Auszug aus den Protokollen der Gesell- 
praktischer Aerzte zu Riga . — Vermischtes. — Krankendestand der Civil- und Kinderhospitäler 8t. Petersburg*. — Mor¬ 
talitäts-Bulletin 8t. Petersburgs. — Mortalität einiger Hauptstädte Europas. — Anzeigen. 


Ein Fall von Diagonalfractur der Schädelbasis. 
Heilung'). 

Von 

Dr. med. Samson Maissurianz, 

Ordinator am MkfcaiUw’stbe» Kmäkenhmmm zu THÖs. 

M. H.! Eins der interessantesten Gebiete der chirurgi¬ 
schen Pathologie ist unzweifelhaft die Lehre von den Frac- 
turen der Schädelbasis, die schon seit der Mitte des vorigen 
Jahrhunderts die Aerzte auf das Lebhafteste beschäftigt 
hat, aber noch heute nicht vollkommen zum Abschloss ge¬ 
bracht worden ist. Gestatten Sie mir die Geschichte der 
Lehre dieser Schädelbrüche in ihren Hauptzügen Ihnen in’s 
Gedächtniss znrückzurufen. 

Sie wissen ja, dass man an der Schädelbasis zwei Haupt¬ 
gruppen von Brüchen unterscheidet: directe und indirecte. 
Die Zahl der directen Brüche der Basis, d. h. solcher, 
welche auf den Angrifispunct der verletzenden Gegenstände 
beschränkt, so zu sagen Zertrümmerungsbrüche darstellen, 
ist eine beinahe verschwindend kleine. Von zwei Höhlen 
aus ist die Basis eher als an allen andern Stellen zugäng¬ 
lich : von der Orbital- und von der Nasenhöhle. Von hier 
finden daher, natürlich die Schusswunden ausgenommen, 
welche ja von jeder Stelle bis zur Basis Vordringen können, 
die meisten directen Verletzungen derselben statt Ferner 
sind noch diejenigen Brüche der Schädelbasis zu den di¬ 
recten zu rechnen, welche nach den Versuchen von Baum 3 ) 
und neuerdings von Messerer 3 ) durch die Wirbelsäule 
vermittelt werden, indem beim Fall auf die Füsse oder bei 
Gewalteinwirkungeu senkrecht auf den Schädel der das 
Hinterhauptsioch umgebende Theil des Knochens in die 
Schädelhöhle direct hineingetrieben wird — die sogenannten 
ring- oder kreisförmigen Brüche der Schädelbasis. 


*) Vorgestellt am 16. November 1884 in der medizinischen Gesell¬ 
schaft zn Tiflis. 

*) W. Baum: Beitrag zur Lehre von den indirecten Schädel- 
flracturen. Langenbeck’s Aroh. f. klin. Chirurgie, 1876, Band 
XIX, p. 316. 

*) O. Messerer: Ueber Elastioität und Festigkeit der mensch¬ 
lichen Knochen. Stuttgart 1880, p. 26. 


Viel häufiger und von weit grösserem Interesse als diese 
directen Brache der Schädelbasis sind die sogenannten in¬ 
directen Brüche derselben, d. h. diejenigen, welche an einem 
andern, als dem angegriffenen Orte ihre Entstehung finden. 
Der Mechanismus, nach welchem diese indirecten Fracturen 
der Schädelbasis zn Stande kommen, ist fast von den Zeilen 
Hippokrates bis auf die neueste Zeit Gegenstand vielfacher 
Controversen gewesen. Nach der ältesten Theorie sollten 
diese Brüche der Schädelbasis entstehen wie ein Echo, ge¬ 
genüber den Lauten, die es wecken, also gerade gegenüber 
der einwirkenden Gewalt, deswegen Apochemata genannt. 
Dieser Vergleich ist der Ausgangspunct der Lehre von den 
Contrafissuten , für welche im vorigen Jahrhundert der 
Name fracture par contre coup in Gebrauch kam. Sau¬ 
ce ratte, der hauptsächlich diese Lehre begründet, 
dachte sich, dass der Schädel gegenüber der Stelle platze, 
wo der Kopf von der Gewalt getroffen wurde und hat dies 
durch Fortpflanzung der Schwingungen in der Knochensnb- 
stanz zu erklären versucht. Mit dieser Vibrationstheorie 
erklärte man sich fast alle Brüche der Schädelbasis, bis 
A r a n mit seinem Ihnen wohlbekannten Gesetz gegen diese 
ganze Lehre auftrat und alle Brüche der Basis einfach alft 
fortgesetzte Brüche, fracture par irradiation hinstellte. Ob* 
man sich nun mit A r a n die Irradiation auf dein kürzesten. 
Wege oder mit Fdlizet 4 ) auf den schwächern Bogen— 
abachnitten zwischen den Strebepfeilern des SchädelgewS^ 
bes hinlaufend dachte, man setzte immer voraus, dass die 
Continuitätstrennung an einem bestimmten Puncte der Con- 
vexität beginne und erst von dort aus sich gegen die Schä¬ 
delbasis fortsetze. Wenn nnn auch diese Irradiationslehre 
als ein Fortschritt gegen die frühere Vibrationstheorie de¬ 
ren anphysikalische Idee namentlich W. B a u m erläutert 
hatte, bezeichnet werden muss, so gebührt doch unstreitig 
Bruns 6 ) das Verdienst, durch den Hinweis auf die 
tidtät des Schädels Licht in die Frage nach der Entstehung 
der Basisbrüche gebracht zu haben, denn erst seine Arbeit 
wurde zum Ausgangspunct und zur Anregung der experi- 

*) G. Fgliset: Becherches anatomiqnes et experimentales rar 
lee fraetnrea du crine. Paris 1873. 

*) V. Bruns: Die chirurgischen Krankheiten and Verletsmuren 
des Gehirns and seiner Umhüllungen. Tübingen 1854, p. 203. 


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meotellen Verfolgung der Frage. Schon die von Arnold 
S c h w a r 1z *) bei der Durchmusterung einer ziemlich 
zahlreichen Casuistik von 115 Fällen gefundene Thatsache, 
dass Querbrilche der Basis hauptsächlich durch Gewaltein- 
Wirkungen auf die .seitliche Kopfgegend, Längsbrüche da¬ 
gegen durch Gewalteinwirkungen aut die Hinterhaupt- oder 
Stirngegend zu Stande kämen, legten es nahe, den Verlauf 
der Bruchspalte auf bestimmte Druckrichtungen zurückzu- 
führen und einen gesetzmässigen Zusammenhang zwischen 
Druckrichtung und Bruchlinie 2 U vermuthen. Aber erst 
die experimentellen Untersuchungen, die in neuester Zeit 
von Hermann 1 ), Messerer und neuerdings von 
T r e u b •) zu diesem Zweck ausgeführt worden sind, haben 
den cansalen Zusammenhang zwischen Angriffspunct der 
Gewalt und der Richtung derselben einerseits und dem Ver¬ 
laufe der Bruchlinie andererseits sichereestellt, indem sie 
einstimmig folgendes interessante Resultat ergeben: beim 
Znsammendräcken eines Schädels zwischen 2 planparallelen 
Flächen erfolgt die Continuitätstrennung der Schädelbasis 
bei querer Compression in querer oder frontaler Richtung, 
bei sagittaler Compression in longitudinaler, d. h. ocdpito- 
frontaler Richtung, hei schräger dagegen in diagonaler Rich¬ 
tung ; mit andern Worten: die Richtung der Basisfractur 
fallt stets mit der Richtung der auf den Schädel einwir¬ 
tenden Gewalt zusammen. 

Nur aber die t rage, wie diese Fractur zu erklären sei, 
sind zur Zeit noch die Meinungen getheilt. Während Her¬ 
mann und neuerdings auch T r e u b die Fractur an der 
Druckstelle entstehen lassen, fängt sie nach Messerer 
und v. W a h 1 •) irgendwo an der Basis an und kommt von 
dort erst secundär zu der Druckstelle, v. W a h 1 hat die 
letztgenannte Meinung am ausgiebigsten vertheidigt und 
mit mathematischen Beweisen gestutzt. Nach ihm ist es 
vollkommen gleichgflltig, an welchem Puuct der Schädel¬ 
oberfläche die Gewalt angreift und ob sie an diesem Punct 
einen Zertr&mmerungsbruch hervorruft oder nicht. Die 
Brucbspalten der Schädelbasis entstehen durch Berstung , 
nicht durch Irradiation; auch in dem Falle, wo beide 
Brncbformen zusammenlaufen, sind die BerstungsbrQche 
nicht als Fortsetzung der ZertrUmmerungsbrache aufzu¬ 
fassen. 

Ziehen wir nnn das Facit aus diesen die indirecten Ba- 
sisbrüche betreffenden Untersuchungen, so können wir das¬ 
selbe in folgenden für die klinischen Betrachtungen höchst 
wichtigen Sätzen zusammenfassen: 

1 ) Es giebt nur drei Typen der indirecten Basisbrüche , 
Querbrücke , Längsbrüche und Diagonalbrüche. 

2) Die Richtung der Gewalt bestimmt die Richtung der 
Fractur, und vice versa , aus der Richtung der Bruch¬ 
spalten lässt sich die Richtung der Gewalt er- 
Schlüssen. 

So weit nun das Experiment. Wenn die Klinik uns jetzt 
noch lehrt die Resultate dieser Experimente auf den leben¬ 
den Menschen zu Übertragen, so muss, sagt v. Wa h 1, auch 
der letzte Widerspruch vei stummen und das kopfzerbreche- 
rische Capitel der Basisbrüche einer neuen und einfachem 
Gestaltung entgegengehen. 

Einen solchen klinischen Beitrag bietet, nun, wenn ich 
nicht irre, der Fall von complicirter Basisfractur dar, den 
ich Ihnen heute vorzustellen die Ehre habe. Gestatten Sie 
mir zunächst die Krankengeschichte desselben in extenso 
vorauszuschicken. 

Der 13jährige Knabe stürzte am 26. October 1884 circa 
1 Faden hoch auf den mit kleinen Steinen gepflasterten Bo- 


•) Arnold Schwarte: Zur Statistik der Fractnren der Schä¬ 
delbasis. Inang.-Dissert. Dorpat 1872. 

T ) N. Hermann: Experimentelle nnd casnistische Studien über 
Fractnren der Schädelbasis. Inang.-Dissert. D< rpat 1881 . 

*) Hector Treub: Kritische nnd experimentelle Untersuchun¬ 
gen über den Mechanismus der Scbüdelbasisfractnren. 1884. 

*) Ed. t. W ab 1: Ueber Fractnren der Schädelbasis. Sammlung 
klinischer Vorträge von Bichard Volkmann. J4 328. 


den, einen 10 Pud schweren Waarenballen mit sich reis¬ 
send, so dass sein Kopf zwischen dem Boden und Waaren¬ 
ballen blieb. Nach kaum mehr als 2 Stunden konnte ich 
Folgendes constatiren : Aus der Anamnese konnte ich mit 
Sicherheit herausbringen, dass der Knabe mit der gleich zu 
beschreibenden Wunde am Schädeldach auf dem Steinboden 
gelegen, während die rechte Gesichtshälfte dem Waaren¬ 
ballen zugekehrt war. Der Knabe befand sich nach einer 
sehr kurzdauernden Besinnungslosigkeit jetzt bei fast freier 
Besinnung und konnte auf alle Fragen ziemlich klar ant¬ 
worten. Die gleich nach der Verletzung stattgehabte be¬ 
deutende Blutung aus dem linken Ohre, der Nase, sowie 
das Blutbrechen dauerten, wenn auch weniger heftig, noch 
an. Ausser der starken Contusiou der rechten Gesichts¬ 
hälfte mit besonderer Schmerzhaftigkeit der Gegend des 
rechten Unterkiefergelenks befand sich noch am Schädel 
in der Höhe einer dem hintern Rande der linken Ohr¬ 
muschel entsprechenden Linie, vier Finger breit vom Obern 
Rande derselben Ohrmuschel, eine 4 Otm. lange bis auf den 
Knochen reichende Wunde mit gezackten Rändern. An dem 
seines Periosts entblössten Knochen konnten keinerlei Ver¬ 
änderungen wahrgenommen werden. An den Augenlidern 
beiderseits nichts Abnormes wahrnehmbar, die rechte Pu¬ 
pille ad maximum erweitert, die linke stark verengt, beider¬ 
seits die Reaction träge, namentlich links. Pat. klagt über 
heftige Kopfschmerzen namentlich in der linken Kopfhälfte. 
Ptils voll und soviel ich mich erinnere etwa 60 in der Mi¬ 
nute. Temperatur scheinbar herabgesetzt. Dass die er¬ 
wähnten Zeichen untrüglich für eine Basisfractur sprachen, 
unterlag wohl kaum einem Zweifel, ja ich vermuthete, die 
vorhin erwähnten Experimentaluntersuchungen berücksich¬ 
tigend, eine in diagonaler Richtung von hinten links nach 
vom rechts zur Mitte verlaufende Bruchlinie voraussetzen 
zu können, da ja aus den äussern Verletzungen die Rich¬ 
tung der Gewalteiowirkuug mit vollkommener Genauigkeit 
erschlossen werden konnte, ganz abgesehen von den sichern 
diesbezüglichen Angaben der Umgebung. 

Nachdem der Kopf abraeirt, wurden das linke Ohr, wie 
die Nase nnd äussere Wunde sorgfältig mit Sublimat 
(1:1000) desinficirt und die Mundhöhle mit 2% Garbo]- 
säure gründlich ausgewischt. Das linke Ohr wie die beiden 
Nasenlöcher nach Einblasen von Jodoform mit Jodoform¬ 
marly tamponirt und nach Schliessung der Kopfwunde durch 
die Naht ein grosser antiseptischer Watteverband über 
Kopf, Nase und linkes Ohr angelegt. Von der beabsichtig¬ 
ten Bedeckung des Mundes mit einer dünnen Schiebt von 
mit Carbol befeuchtetem Marly musste ich wegen unwilligen 
Geberdens des Knaben AbBtand nehmen. Eisblase auf den 
Kopf, Catheterisation der Blase. 

Am andern Tage Temperatur 37,3, Puls voll und 80 in 
der Minute, Erbrechen hat aufgehört, Urin spontan ent¬ 
leert Der Allgemeinzustand besserte sich allmälig soweit, 
dass ich ihn von nun ab einer genauen Untersuchung unter¬ 
ziehen konnte, bei welcher ich eine Reihe der interessante¬ 
sten Erscheinungen an den an der Schädelbasis verlaufen¬ 
den Nerven constatiren konnte. 

Zunächst war eine vollständige Lähmung des linken 
Nervus acusticus nachzuweisen; Pat. kann das Ticken der 
Uhr weder in der allernächsten Entfernung vom Ohr noch 
bei directer Leitung hören. Die erst nach mehreren Tagen 
ausgeführte Spiegeluntersuchung des Ohres ergab einen be¬ 
deutenden Defect im Trommelfell. 

Sodann war auffallend der Schiefstand des Mundes, der 
linke Mundwinkel steht tiefer uod die Mundspalte auf der¬ 
selben Seite offener; gestörte Articulation, näselnde 
Sprache, Pfeifen unmöglich; die linke Nasolabialfalte ver¬ 
strichen, den linken Nasenflügel kann Pat. nicht heben. 
Linksseitiger Lagophthalmus, geringe conjunctivale Rei¬ 
zung des Auges. Die licke Stirnhälfte kann der Kranke 
nicht runzeln. Die Bewegungen des Unterkiefers nach allen 
Seiten hin frei Nach allem dem brauche ich wohl kaum 
auseinanderzusetzen, dass wir hier eine Lähmung des liuiken 


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Nervus foaalis vor uds haben und zwar, wegen des Mit* 
ergrifienseins des Stirnastes, des peripheren Stammes des¬ 
selben **). Interessant ist es nur, dass man in diesem Falle 
sogar mit Bestimmtheit angeben kann, an welcher Stelle 
seines Verlaufs der Nerv getroffen sein muss. Ich habe dem 
Knaben auf die Zungenspitze mehrere Mal Chinin eingerie* 
ben,. ohne dass er auch nur die geringste Geschmacks¬ 
empfindung angegeben hätte, sobald aber mit einem Schluck 
Wasser das Chinin auf die übrigen Tbeile der Zunge ge¬ 
langte, spie er dasselbe sofort sehr unwillig aus. — Stellen 
wir nun dieses Symptom mit dem Schiefstand der Uvula 
zusammen, welchen ich beim Pat. am 3. Tage sehr ausge¬ 
sprochen nach links vorfand, so sind das Zeichen, welche 
untrüglich auf die Affection des Nerven mindestens ober¬ 
halb des Ganglion geniculi hinweisen. Noch genauere Loca- 
fisation der Verletzungsstelle dieses Nerven wird durch die 
gleichzeitig vorhandene Acusticnslähmung derselben 8eite 
ermöglicht, denn am Meatus auditorius internus liegt der 
Nervus facialis noch in einer Rinne des Nervus acusticus, 
wo sie am leichtesten zugleich getroffen werden können. 

Ausser Acusticus- und Facialislähmung finden sich beim 
Fat. noch alle Zeichen der Affection des Unken Nervus ab- 
ducens, des linken Nervus olfactorius und eines Theils des 
Unken Nervus Trigeminus. Lässt man Pat einen nach 
links von der Medianlinie gelegenen Gegenstand mit beiden 
Augen fuhren, so folgt nur das rechte Auge, das linke bleibt 
aber zurück. Ferner sieht er beim Vorhalten eines gefärb¬ 
ten Glases gleichnamige und in gleicher Höhe stehende 
Doppelbilder, deren Abstand in merklicher Weise zuoimmt, 
je mehr der Gegenstand nach links bewegt wird. 

Beim Einblasen von Jodoform in die beiden Nasenlöcher, 
welches ich täglich vornahm, bemerkte ich, dass der Geruch 
desselben rechts sehr unangenehm war, während er links 
gar niehte zu riechen angab. 

Endlich die Anästhesie der linken Conjunctiva bnlbi, der 
Mundschleimhaut, des Lippenroths, der Zunge linkerseits, 
sowie der linken Wange, Stirn und Nasenhöhle sprechen 
mit Entschiedenheit für eine Affection des N. Trigeminus 
uüd zwar seines Bensiblen Theils, da ja die Kaubewegungen 
tbUkommen frei sind. Vielleicht dass auch die conjunctivale 
Injeetion des linken Auges als Folge der Mitverletzung der 
'von Meissner und Schiff im Trigeminus angenom¬ 
menen tropbiscben Nervenfasern und nicht bloes auf die 
Vulnerabilität des Auges beim Verlust des Tastsinnes seiner 
"Sthutzorgane zu beziehen ist. 

Berücksichtigen wir die Affection der Nn. facialis und 
acusticus am Meatus auditorius internus, so ist nicht schwer 
Jto Zusammenhang damit anzunehmen, dass die Bruchlinie 
^weiter nach vorn durch die Spitze der Felsenbeinpyramide 
ziehend, an der Impressio Trigemini das Ganglion Gasseri 
getroffen hat, welches ja fast nur von der sensiblen Wurzel 
des Trigeminus gebildet wird. Dass der Bruch die Spitze 
' der Felsenbeinpyramide durchsetzt, dafür spricht auch die 
Affection des gleichseitigen Nervus abducens, denn dieser 
Nerv verlänft, wie Sie wissen, in einer Furche der Felsen¬ 
beinspitze. 

Die ophthalmoskopische Untersuchung der Augen ergab 
beiderseits nichts Abnormes. Sehschärfe beiderseits normal, 
Pat. klagt nur über leichte Schmerzen im linken Auge. 
Was die Pupillen betrifft, so verhielten sie sich folgender- 
maassen. Während, wie schon erwähnt, gleich nach der 
Verletzung die linke Pupille stark verengt war und die 
rechte eine Dilatation ad maximum aufwies, änderte sich 
dieses Verhalten der Pupillembald, indem schon vom 2. Tage 
an die linke Pupille sich allmälig bis zur normalen Mittel¬ 
weite erweiterte, während die rechte sich allmälig ver¬ 
engernd, ebensobald die der andern Seite entsprechende 
Mittelweite erlangte. Die Reaction war die ganze Zeit deut¬ 
lich ausgesprochen sowohl beim Zudecken der Augen, als 


**) Auf Butartunggreaction habe ich bis jetat ans naheliegenden 
(Müden noch nicht untersuchen können. ' 


auch bei Aceommodationsbewegungen derselben. Bei Abwe¬ 
senheit irgend einer ophthalmoskopischen Veränderung, 
oder einer Affection des Oculomotorius, sowie endlich beim 
Fehlen von irgend welcher Erscheinung von Seiten des Ge¬ 
hirns oder seiner Häute dürfte vielleicht folgende Erklärung 
für unsern Fall am passendsten sein: 8ie erinnern sich, 
meine Herren, dass die motorischen Fasern für den Museu¬ 
las dilatator pupillae grösstentheils dem SympathicuB ent¬ 
stammen. Nach den Untersuchungen von Schiff enthält 
aber auch der erste Ast des Trigeminus selbst pupillendila- 
tirende Fasern, die aus der Medulla oblongata direct in den 
ersten Ast gehen oder nach 0 e h 1 aus dem Ganglion GaS- 
seri entspringen. Dass der Dilatator pupillae nicht in seiner 
ganzen Ausdehnung vom Sympathicus beherrscht wird, be¬ 
weist ausserdem noch der Umstand, dass nach Ausrottung 
des Ganglion cervicale Supremum des Sympathicus die Er- 
weiterungsfäbigkeit der Pupille noch nicht völlig erloschen 
ist. Nach Durchschneidung des Trigeminus verengt sich 
daher bei Kaninchen und Frosch die Pupille, jedoch nicht 
dauernd, da bald wieder die an Zahl grössere Fasern des 
Sympathicus überwiegen und die Pupille wiederum zur Er¬ 
weiterung führen. Da ich vorhin aus den vorliegenden an¬ 
derweitigen Zeichen auf eine Affection des linken Ganglion 
Gasseri in unserm Falle hingewiesen habe, so glaube ich, 
dass die nur vorübergebend vorhanden gewesene starke 
Verengerung der linken Pupille am leichtesten durch die 
Mitverletzung der Trigemiuusfasera für den Dilatator pu¬ 
pillae erklärt werden könnte. Was nun die gleichfalls vor¬ 
übergehende starke Erweiterung der Pupille des rechten 
Auges betrifft, so möchte ich auf eine genügende Erklärung 
derselben verrichten. Vielleicht Hesse sich dieselbe auf die 
obenerwähnte Gontusion der Gegend des rechten Uoter- 
kiefergelenks beziehen, wodurch eben eine Reizung des an 
dieser Stelle gelegenen Ganglion cervicale supremum Nervi 
Sympathici verursacht werden könnte. 

Was den weitern Verlauf der Krankheit betrifft, so ge¬ 
staltete er sich äusserst günstig. Die Temperatur Mieb die 
ganze Zeit hindurch unter 38° C., der Pub schwankte um 
80 herum. Milchdiät nnd Eisblase wurden noch einige Tage 
fortgesetzt und dazwischen leichte Abführmittel gereicht. 
Nase und Ohr tägKch 2 Mal desinficirt. Die Weich theil- 
wunde am Kopf heilte per primam, ebenso schnell vergingen 
die Erscheinungen der Gontusion der rechten Gesichtsbälfte. 
Was nun die Erscheinungen von Seiten der verletzten Ner¬ 
ven betrifft, so dauern sie heute am 21. Tage nach der Ver¬ 
letzung noch alle in demselben Grade an, nur scheinen die 
Aneustie nnd Anoemie etwas abgenommen zu haben; such 
steht die Uvula jetzt gerade. 

Sie erinnera'sich, m. H., dass man im Allgemeinen 'an¬ 
nimmt, dass bei einseitiger Lähmung des Gaumenbogens 
und der Uvula letztere sieb nach der gesunden Seite zu 
wenden pflege. Um diesen scheinbaren Widerspruch in 
unserem Falle zu heben, könnte man an folgende Möglich¬ 
keiten denken: Entweder müsste die im Anfänge vorhanden 
gewesene Neigung der Uvula nach der kranken Seit» in 
unserem FaUe für einen Reizzustand des Nervus petrosus 
superficialis major angesehen werden und dann würde das 
Sichaufstellen der Uvula jetzt für einen Rückgang des Pro- 
cesses sprechen; oder nimmt man eine Lähmung dieses Ner¬ 
ven an, so liegt es nicht allzu fern anzunehmen, dass diese 
Stellungsanomalie der Uvula nach der gesunden Seite nicht 
gleich im Anfänge der Lähmung eintrete, sondern erst 
durch die consecutive Contraction des Antagonisten bedingt 
werde. Bei dieser Annahme würde weder unser Fall dem 
obenerwähnten klinischen Erfahrungssatz widersprechen, 
noch auch das Sichaufstellen der Uvula jetzt für den Rück¬ 
gang des Lähmungsprocesses des Nerven sprechen, wofür 
auch nach den andern vorliegenden Zeichen kein Grand 
vorhanden ist. Man sollte nur erwarten, wenn unsere letzte 
Voraussetzung richtig ist, dass im weiteren Verlaufe der 
Krankheit die Uvula noch mehr nach der gesunden Seite 
hinübertreten werde. 

v 


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Die gebrochene Linie=der Bruch! iaie. 
a. Ueatus auditorius internus (Nn. 
facialis et acusticus). 

Impressio Trigemini (Gangl. Gas- 
seri). 

Nervus abduoens. 

Lamina cribrosa (Nerv, olfactor.). 
Fossa sigmoidea (Sinus transvers.). 


_ Schliesslich mochte ich noch erwähnen, dass Pat auf der 
linken Seite nicht gern kaut, da ihm «der Bissen zwischen 
der Zahnreihe und der Wange bleibe», was uns bekanntlich 
auf die Lähmung des Musculus buccinator hinweist. 

Vergegenwärtigen wir uns, m. H., das soeben geschilderte 
Krankheitsbild, so werden Sie mir, glaube ich, zugeben, 
dass wir in diesem Falle die Bruchlinie an der Schädelbasis, 
ich möchte sagen, mit mathematischer Genauigkeit zu zie¬ 
hen im 8tande sind. Die reichliehe Blutung aus dem Ohre, 
die Verletzung der Nn. facialis und acusticus am Meatus 
auditorius internus, des Ganglion Gasseri und des N. ab- 
ducens an der Spitze der Felsenbeinpyramide , das blutige 
Erbrechen, sowie endlich 
die Blutung aus der Nase 
verbunden mit der links¬ 
seitigen Geruchlosigkeit 
weisen uns mit Entschie¬ 
denheit auf eine in dia¬ 
gonaler Richtung von hin¬ 
ten links nach vorne rechts 
und zur Mitte verlaufende 
Bruchlinie durch die Pau¬ 
kenhöhle, den Meatus au¬ 
ditorius internus, durch 
die Spitze der Felsenbein- 
Pyramide, durch Sella 
turcica und die linke ho¬ 
rizontale Siebbeinplatte . 

Ich glaube, dass man die¬ 
se Brucblinie noch mehr 
nach hinten durch die 
Fossa sigmoidea verlegen 
kann, womit auch die so 
bedeutende Blutung aus 
dem Ohre durch die Ver¬ 
letzung des Sinus trans- 
versus ihre Erklärung fände. 

Sie sehen, m. H., dass dieser Fall von complicirter Basis- 
fractur ein mehrfaches Interesse darbietet. Erstens stellt 
er einen trefflichen klinischen Beweis dar fär die Richtig¬ 
keit der soeben erörterten experimentellen Ergebnisse; er 
lehrt uns, dass die Brüche an lebenden Menschen genau in 
der Weise erfolgen wie an der Leiche. Denn ziehen wir 
eine Linie durch die Narbe, die noch an der Stelle der 
obenbeechriebenen Weichtbeilwunde sichtbar ist, zum rech¬ 
ten Os zygomaticum, welches die breite Fläche des Waaren- 
bailens wohl am meisten tangirt haben möchte, so ist leicht 
ersichtlich, dass diese Linie, wenn sie nicht genau die 
Bruchlinie deckt, so doch wenigstens ihr parallel verläuft. 
Dass man aus der Druckrichtung der Gewalt allein auf den 
Verlauf der Bruchspalten an der Schädelbasis and umge¬ 
kehrt schlie88en kann, scheint mir nicht nur vom chirurgi¬ 
schen, sondern auch vom forensischen Standpunct von gros¬ 
ser Wichtigkeit. Eine ähnliche Meinung hat neuerdings 
Bornhaupt 11 ) auch in Bezug auf die Röhrenknochen 
ausgesprochen. «Es wird eine Zeit kommen, sagt dieser 
Autor, wo wir im Stande sein werden schon aus der Form 
der vorliegenden Fractur mit Bestimmtheit auf den ganzen 
Mechanismus der vorhergehenden Verletzung zu schliessen 
und umgekehrt.» 

Zweitens bietet der Fall eine Reihe der interessantesten 
Erscheinungen an den an der Schädelbasis verlaufenden 
Nerven, wie sie in solcher Fülle nicht häufig beobachtet 
sind. Ich habe in der letzten Auflage von v. B'ergman n’s 
«Kopfverletzungen» die Casuistik durcbgesehen und nur 
einen von A r a n citirten Fall auffinden können, wo in Folge 
▼on zwei Pistolenschüssen in den Schädel der Abducens, 
Facialis, Acusticus und Trigeminus der rechten Seite ge- 

**) $• r. BopHraynti: Hpoöaaa jeania, n Rien- 

ckoki yraBepcaTerb 29-ro Anpftu 1883 roja. (<Bpa<n>> As 47, 
cip. 744,1883). (Probelection, gehalten in der Kiew’achen Univer¬ 
sität am 29. Apr. 1833. «Wratsch» M 47,1883). 


lähmt waren. Bei der Section fand sich eine Zerschmette¬ 
rung des Felsenbeins, ein Abscess in der rechten Hemi¬ 
sphäre um die Kugel und eine Erweichung mit Injection 
des 6. Nerven sowie des Ganglion Gasseri. Es fehlt in die¬ 
sem Falle also nur noch die bei unserem Knaben vorhan¬ 
dene linke Olfactoriuslähmung. 

Drittens beweist Uns der Fall, dass wir heutzutage Da nk 
den Fortschritten der Wundbehandlung auch so ernsten 
Verletzungen wie die complicirte Fractur der Schädelbasis 
nicht mehr so hülf- und machtlos gegenüberstehen, wie 
früher. Galt doch ihre Heilung im Anfänge dieses Jahr¬ 
hunderts für unmöglich und wurde später als eine Aus¬ 
nahme seltener Art angesehen. 

Viertens möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass meine 
obige Angabe, dass an dem seines Periosts entblössten Kno¬ 
chen der äu3sern Kopfwunde keinerlei Veränderung wahr¬ 
zunehmen war, namentlich für die von v. W a h 1 vertre¬ 
tene Ansicht sprechen würde, wonach diese indirecten 
Fracturen der Schädelbasis nicht als Fortsetzung der an 
der Druckstelle entstandenen Zertrümmerungsbrüche auf¬ 
zufassen sind, sondern die Beratung an der Basis beginnend 
von dort erat zu der Druckstelle gelangt. Denn grobe Ver¬ 
änderungen am Knochen waren entschieden nicht vorhan¬ 
den, wenn ich auch das Ueberaehen einer recht feinen Fissur 
nicht durchaus in Abrede stellen möchte. 

Fünftens endlich möchte ich darauf hinweisen, dass dieser 
Fall, wenn meine Voraussetzung richtig ist, erst die zweite 
klinisch erkannte Diagonalfractur der Schädelbasis vor¬ 
stellen würde. Nachdem Hermann 1881 bei der von 
ihm_ in diagonaler Richtung ausgeführten Compression des 
Schädels zuerst die diagonale Richtung der Fractur mit 
Sicherheit nachgewiesen hatte, war v. W a h 1 der Erste, 
der zum ersten Male am Krankenbette eine solche Fractur 
mit Sicherheit erkannte und durch die Section bestätigt 
fand. 


Referate. 

Hyrntschak: Zur Frage der Infectiosität des Morbus 

maculosus Werlbofii. (Archiv, für Kinderheilkunde V Bd. 

11 and 12 Heft. 

Dr. Petro ne*) beobachtete zuerst bei Meerschweinchen am 5. 
Tage nach subcutaner Injection von Blut eines mit Pnrpnra hämor¬ 
rhagica Behafteten kleine Hämorrhagien, in Gestalt von Flecken an 
** er D ttra ®ater f der Haut des Bückens und in den Kaumuskeln. In 
der Folge wiederholte er diese Experimente und kam zu demselben 
Resultat. Im Blute mit Purpura h&morrh. Behafteter fand er bei 
der mikroskopischen Untersuchung ausser einer Vermehrung der 
weissen Blutkörperchen, spärliche äusserst kleine Mikrokokken *) 
(mit Methylviolett Beaction) und im Serum spärliche Bacillen. P. 
machte dann zweien Kaninchen snbeutane Injectionen dieses Blutes 
und beobachtete schon nach 3 Tagen Hämorrhagien der äusserton 
Haut (an den Löffeln), begleitet von Fieber (Temp. zwischen 40,5— 
“****)•■ Am 5. Tage wurden dieselben getödtet und bei der 
Section fand man ausgedehnte Hämorrhagien resp. Flecken in den 
laneren Organen (Dora mater an der Basis, Pleurae, Peritonaeam, 
Pnlmones, Lien, Intestina und in den Muskeln). Bei der mikrosko¬ 
pischen Untersuchung des Blutes fand er zahlreiche kleine sehr be¬ 
wegliche Mikrokokken von ovaler Form. Denselben makro- und 
mikroskopischen Befund fand P. nach Einspritzung des Blutes eines 
dieser Kaninchen einem dritten Kaninchen, ausserdem fand er noch 
im Blute einige Bacillen. Auf Grund dieser Beobachtungen nimmt P. 
eine Infectiosität a ) des Morbus macul. Werlhoffi und dessen Ueber- 
tragbarkeit von Menschen auf Kaninchen und von letzteren 
andere Thiere derselben Species, an. Hryntschak stellte ähn¬ 
liche Versuche an mit dem Blute 4 ) eines in der Wiener allgemeinen 

l ) Cf. JdM : 7,14 und 17*der «Gazetta degli Ospitali 1884.» 

*) Die Priorität dieser Entdeckung gehört eigentlich Dr. Bar¬ 
th e 1 e my, welcher den von ihm beobachteten Fall in <Arch. göndr.» 
(von welchem Jahrg. ? d. Ref.) beschrieben hat. 

s ) Nur die sog. febrile idiopatische Form der Purp, hämorrhag. 
soll infectiös sein, was dagegen die afebrile Form betrifft, so ist 
deren Infectiosität noch zweifelhaft, dagegen sollen die sog. sympto¬ 
matischen Purp, hämorrh. (z. B. bei Endocarditis) nicht infectiös sein. 

*) Dasselbe zeigte mikroskopisch eine unbedeutende Vermehrung 
der weissen Blutkörperchen; letztere waren theils von normaler 
Grösse theils etwas kleiner als die rothen Blutkörperchen und stets 
stark granulirt. Mikrokokken waren nur in sehr geringer Quantit&t 
vorhanden. 


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17 


Poliklinik (Abtheilung des Prof. Monti) beobachteten, 12jährigen 
8chnlknaben, ohne hereditäre Anlage zur Hämophilie, der seit sei¬ 
nem 5. Lebensjahre an einem beständig recidivirenden Morb. macul. 
Werlh. litt. Er experimentirte an 4 Kaninchen. Das eine dersel¬ 
ben wurde an der Mundschleimhaut geimpft, zweien wurden subeu- 
tane Injectionen einer vollen Pravai’schen Spritze dieses Blutes 
mit gleichen Theilen einer 0,8% NaCllösung gemacht und dem vier¬ 
ten wurde 7* Prav&z’sche Spritze reinen Blutes subcutan injicirt. 
Alle vier vertrugen diese Operation ganz gut, ohne jegliche fieber¬ 
hafte Beaction. Zwei starben am zwölften Tage an Diarrhoe (in 
Folge unzweckmäßiger Ernährung; die zwei anderen wurden am 
5. Tage getödtet und secirt, dabei ergab die makro- und mikrosko- 
piache Untersuchung einen völlig negativen Befund. 

Der von P. constatirte Befund wurde in neuerer Zeit von 
Cheyne-Marchand (Centralblatt für klinische Medicin, M 15. 

I. J.) bestätigt. Es ist sehr zu bedauern, dass man mit den im 

Blute constatirten Mikrokokken und Bacillen keine Culturversuche 
angestellt hat. N. E. 

J. Schreiber: Ueber das Kniephänomen. (Deutsch. Aroh, 

f. klin. Med. 6d. 35, p. 254). 

Die hohe diagnostische Wichtigkeit des Erlöschens der Kniephä¬ 
nomene im Initialstadium der Tabes dors. («Wes tphal’sches Zei¬ 
chen») hat längst ihre Anerkennung in den weitesten ärztlichen Krei- 
«en gefunden. Damit diagnostische Irrthttmer vermieden werden, 
erscheint es jedoch richtig, auch diejenigen Verhältnisse kennen zu 
lensen, unter denen das Kniephänomen bei nicht Tabischen vermisst 
wird. Während das Fehlen desselben bei Poliomyelitis anterior, diph¬ 
therischer Lähmung, progr. Muskelatrophie, Pseudohypertrophia mus- 
eulorum, Landry’scher Paralyse, multipler degenerativer Neuritis, 
kaum zu ernsten diagnostischen Schwierigkeiten Anlass giebt, be¬ 
zeichnet Verf. mit Recht die Be urtfa et iun g anderer Fälle als schwie¬ 
rig, in denen das Kniephänomen bald vorübergehend, bald dauernd 
nicht nachzuweisen ist. Zum Verschwinden des Kniephänomens 
führt Decrepidität des Körpers, in Folge von Ueberanstrengung, 
schlechter Ernährung, hohem Alter (hat auch Moebius nachge¬ 
wiesen). ln einem hierher gehörigen Fall gelang es Verf. nach 
Frottiren der Haut des Unterschenkels, oder durch 1—2 Minuten 
langsam fortgesetzte Percussion der Patellarsehne das fehlende Knie¬ 
phänomen wieder zur Erscheinung zu bringen. In einem andern 
Fall konnte das seit zwei Jahren fehlende Kniephänomen durch fort- 

f esetzt subcut. Strychnininiectionen (0,003—0,005—0,008) zum 
r orschein gebracht und für die Dauer erhalten werden. Bei Tabes 
fehlt das Kniephänomen auch nach Strychnisirung. Der chron. 
Alcoholismus ist eine wichtige Ursache des Verschwindens des Knie¬ 
phänomens. Dass dasselbe bei Alcoholisten mitunter dauernd fehlt, 
•ohne dass sonst Symptome einer Spinalerkrankung vorhanden sind, 
ist wie Bef. glaubt eine wohl den meisten Beobachtern bekannte 
Thatsache. Interessant erscheinen die Angaben des Verf. über das 
transitorische Fehlen des Kniephänomens bei Alcoholisten. Man 
findet es besonders bei Gewohnheitstrinkern, die seit mehreren Ta¬ 
gen, Wochen, Monaten den Schnaps gemieden haben, wegen Diges¬ 
tionsbeschwerden, schlechtem Schlaf zur Behandlung kommen. 
Bringt man sie für mehrere Ta^e und Nächte (Chloral) bei geregel¬ 
ter Ernährung zur Ruhe, so gelingt es das Kniephänomen wieder zu 
erzeugen, und —wenn die Pat. sich passend führen — für die Dauer 
xu erhalten. Demnach giebt es transitorische (toxische, functioneile) 
Defecte des Kniephänomens, welche in einer Reihe von Fällen durch 
die vom Verf. angegebenen Mittel von jenen Defecten unterschieden 
werden können, die auf organischer Erkrankung des Rückenmarks 
herüben. 

Verf. giebt an, seine Untersuchungen mit genauer Berücksichti¬ 
gung der von Westphal (Archiv, Bd. XU) angegebenen Fehler¬ 
quellen angestellt zu haben. Mercklin. 

Bristowe, Humphry, Hutchinson und B al- 
1 a r d über Dr. C o r y ’s Experimente der Vaccine¬ 
impfung an sich selbst von syphilitischen Kindern. 
(London Medical Record. Juli 1884. Art. 2790 nach the Sup¬ 
plement to the twelfth Report of the Local Gouvernment 
Board 1882—83). 

Im 8upplement etc. geben obengenannte Herren ihren Bericht und 
Ihr Votum über die Experimente des Dr. C o r y ab, welcher an sich 
die Unschädlichkeit der Vaccine Syphilitischer, wenn nur kein Blut 
mitkomme, beweisen wollte. 

Das erste Experiment, im Jahre 1877 oder 1878, Impfung von 
T&ccinepusteln eines nach Dr. C o r y unbedingt syphilitischen Kin¬ 
des, hatte den Erfolg der Vaccination, das zweite (syphilitisches 
Kind nach 4 Tagen Mercurialbehandlung) am 5. Nov. 1879 hatte 
bezüglich Vaccine und Syphilis negativen Erfolg, ebenso das dritte 
(syphilitisches Kind, da9 einer Mercurialbehandlung schon unter¬ 
sogen) am 11. Mai 1881. Beim vierten Experimente am 6. Juli 
1881 Uess sich Dr. C o ry an drei Stellen des Vorderarms von einem 
Kinde, das im Momente noch syphilitische Affectionen an sich trug, 
unter denselben Cautelen, dass kein Blut in die Lymphe kam, impfen. 
Die Vaccination gab ein negatives Resultat, dagegen treten am 
26. Juli (21. Tag) rothe Papeln auf, und am 11. August wurde von 
Dr. H u m ph r y und Dr. Hutchinson Syphilis constatirt. Bx- 
<riiion der Plaques vergeblich, am 31. August Beginn der Roseola¬ 


eruption, die 4 Tage andauerte, worauf sich Dr. Cory einer regel¬ 
rechten antisyphilitischen Cur unterzieht. 

Die Commission spricht sich natürlich im entsprechenden Sinne 
aus, woran der medical officer of the Gouvernment Board von seinem 
8randpuncte die Bemerkung anknüpft, dass für den praktischen 
Impfer durch diese Experimente nichts Neues zu seinen Instruc¬ 
tionen geboten werde, welche lauten «die Lymphe zu nehmen nur 
von Subjecten, welche ganz gesund» und «stets sorgfältig das Sub- 
ject auf eine vorhandene Hautkrankheit und besonders auf irgend 
welche Zeichen von hereditärer Syphilis zu untersuchen». N. 


BOcher-Anzeigen und Besprechungen. 

George Harley: Die Leberkrankheiten. Handbuch für 
Aerzte und Studirende. Unter Autorisation des Verfassers 
deutsch herausgegeben von J. Kraus und C* G. Rothe. Mit 
2 Chromolithographien und 35 Holzschnitten. Leipzig 1883. 
Verlag von Ambr.'Abel. 496 Seiten. Preis elegant gebunden 
15 Mark. 

Die Einwilligung des Autors, dessen Name schon durch frühere 
Publicationen inder medicinischen Welt einen guten Klang hat, 
zur deutschen Ausgabe seines im November 1882 erschienenen Wer¬ 
kes verschaffte sich Dr. K r a u 8 s namentlich im Hinblicke darauf, 
dass seit dem epochemachenden Buche Frer ich s* über Leberkrank¬ 
heiten diesem Thema von deutscher Seite keine weitere, ausschliess¬ 
liche Behandlung zu Theil wurde, indem die diesbezüglichen im 
Ziem88ersehen Sammelwerke von verschiedenen Autoren veröf¬ 
fentlichten Arbeiten, so eminent sie auch gehalten sind, doch nur 
Theile eines grösseren Ganzen ausmachen. Die Mehrzahl der deut¬ 
schen Collegen werden ihm dafür dankbar sein, da es gewiss Viele 
interessiren wird, die Ansichten dieses hervorragenden englischen 
Specialisten für Leberkrankheiten kennen zu lernen. Die vorliegende 
deutsche Ausgabe ist natürlich keine wortgetreue Uebersetzung des 
Originals, sondern hat einen dem Geiste der deutschen Sprache an¬ 
gepassten Zuschnitt erhalten, namentlich auch durch Fortlassung 
solcher Stellen, die mit der eigentlichen Materie des Buches gar 
nichts zu schaffen haben, wogegen alle Details, soweit sie von Be¬ 
lang waren, wiedergegeben sind. 

Was nun das Werk selbst anlangt, so glaube ich aus den oben 
angeführten Gründen auf eine detaillirte Besprechung desselben ein- 
gehen zu dürfen. Die Eintheilung des Stoffes in die einzelnen Ca- 
pitel lässt freilich Manches zu wünschen übrig, da sie weder syste¬ 
matisch ist, noch überhaupt mit der Disposition des Inhalts in logi¬ 
scher Strenge übereinstimmt. Sie ist übrigens wegen etwaiger Ver¬ 
gleichung des Originals auch in der deutschen Ausgabe beibehalten 
worden. Dafür entspricht der Inhalt jedoch in jeglicher Beziehung 
allen Anforderungen, die man bei dem heutigen Stande der Wissen¬ 
schaft an eine klinische Abhandlung, denn mehr will das Werk 
nichts sein, stellen kann. Die pathologische Anatomie ist leider, um 
den Umfang nicht allzu sehr zu vergrössern, nur auf die nothwen- 
digsten Abrisse beschränkt, dagegen ruht das Werk auf physiolo¬ 
gisch-chemischer Grundlage, ohne welche heutzutage eine Behand¬ 
lung dieses Stoffes ganz undenkbar erscheint, und sind die einzelnen 
Krankheitsbilder durch eine reichliche Fülle von Fällen meist aus 
der eigenen Praxis des Autors erläutert. 

Im allgemeinen Theile (den fünf ersten Capiteln) werden zunächst 
die Chemie, Physik und Physiologie der Leber, die Aetiologie der 
Gelbsucht und die übrigen Zeichen und Symptome der Lebererkran¬ 
kungen, dann auch das Allgemeine über die Behandlung derselben 
besprochen. Als Ursache des Icterus , dieses wichtigsten Symptomes 
bei Lebererkrankungen, nimmt Harley übereinstimmend mit allen 
Forschem erstens eine mechanische Behinderung des Gallenab¬ 
flusses mit Wiederaufsaugung der so zurttckgehaltenen Galle ins 
Blut an, also den s. g. Ohstruclionsicterus, Im Gegensätze jedoch 
zu den seiner Zeit von Frerichs in die Aetiologie des Icterus ein¬ 
geführten und von Murchison, Legg und Anderen adoptirten 
Elementen der verminderten Blutcirculation in der Leber mit abnor¬ 
mer Diffusion als Folge, sowie der behinderten Umwandlung oder 
eines verminderten Verbrauches von Galle im Blute vertritt Harley 
die schon früher namentlich in England vorherrschende und von ihm 
selbst seit 20 Jahren beharrlich durch Wort und Schrift verfochtene 
Theorie der Unterdrückung der Gallenabsonderung in Folge eines 
krankhaften Zustandes der Leber selbst, wodurch die im Blnte schon 
präformirten Gallenbestandtheile, da sie nicht ausgeschieden werden, 
sich in der Circulation ansamme ln und die Haut färben, also den 
s. g. Suppressionsicterus. 

Dementsprechend wird der ganze zu behandelnde Stoff der spe- 
ciellen Ledererkrankungen in fünf Hauptabschnitte eingetheilt: 

1) In die Erörterung aller hepatischen Störungen mit gelber , 
durch temporäre oder permanente Suppression der Gallensecre - 
tion verursachten Hautfärbung. Diese Leberaffectionen bringt 
Harley in drei verschiedene Classen, je nachdem sie herrühren, 
entweder von Enervation , sei es in Folge von Furcht, Aufregung, 
von plötzlicher Freude, übermässiger Geistesarbeit oder Hirner¬ 
schütterung, oder von Mangel an secernirender Substans, welche 
vorkommt bei Krebs, Cirrhose, fettiger oder amyloider Degeneration 
und acuter oder chronischer Leberatrophie. Sie kommen schliesslich 
vor bei Störung der Lehercirculation durch Hyperämie der Le¬ 
ber, welche actio sein kann bei traumatischer Hepatitis, bei Ver- 


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18 


dauungsstörungen, Wechselfieber, beim abdominalen und ex&nthe - 
matiscben Typhus, bei Scharlach, Pyämie und bei animalischen, ve - 
getabilischen nnd mineralischen Giften, oder passiv , wie bei Herz - 
krankheiten, Pneumonie, Pleuritis nnd dem unvollständigen Athmen 
der Neugeborenen. 

2) In die Erörterung von Leberkrankheiten ebenfalls mit gelber 
Hautffir >ung, aber nicht in Folge von Suppression der Gailensecre- 
tion, sondern von Obstrudion der Gatlensecretion . Als Ursachen, 
welche den Obstructionsicterus hervorrufen, führt H a r 1 e y das an¬ 
geborene Fehlen der GaUengänqe an, sei es des Duct. choledoch. 
comm. oder des Duct. hepat. oder der feinen Gallengänge selbst, 
ferner die zufällige Verstopfung der GaUengänqe durch verdickte 
Galle, durch Gallensteine, Entozoön und Fremdkörper, und drittens 
den Verschluss des JJuct. choled. comm. in Folge von Katarrh und 
Strictur desselben, oder durch Druck von Tumoren oder im Colon 
transversum eingekeilte Kothmassen, ferner in Folge organischer 
Erkrankung des Pankreas, der benachbarten Drüsen oder anderer 
Organe, und schliesslich in Folge von Geschwürsnarben im Duo¬ 
denum. 

3) ln die Erörterung aller Leberaffectionen, mit denen eine gelbe 
Hautfärbung weder nothwendig , noch regdmässig verbunden ist. 
Zu diesen zählt Harley Abscesse, Carcinome und syphilitische Er¬ 
krankungen der Leber, ferner Hydatiden und cystische Erkran¬ 
kungen derselben, desgleichen Fett- und Amyloidleber und schliess¬ 
lich fibröse Geschwülste, Embolien und Extravasate in der Leber. 

4) Id die Erörterung des hepatischen Ascites, welcher, obgleich 
natürlich keine Lebererkrankung, sondern nur Symptom von solchen, 
dennoch besonders erörtert wird, weil er ein fast ebenso häufiger 
Begleiter der Leberkrankheiten ist, wie der Icterus. Als Ursache 
desselben, einerlei ob er bei gutartigen oder bösartigen Neubildungen 
anftritt, wird stets ein mechanisches Hinderniss für den normalen 
Abfluss des abdominalen Blutes durch die Vena cava inferior be¬ 
zeichnet. 

5) ln Diagnose, Pathologie und Therapie der Erkrankungen der 
Gallenblase, welche Harley in drei Classen gruppirt, indem er 
zur ersten jene Fälle rechnet, wo die Functionen der Gallenblase gar 
nicht gtattfinden, sei es deswegen, weil das Organ ganz fehlt, oder 
atrophirt oder geschrumpft ist, mithin seine Function, als Reservoir 
der Galle zu dienen, wegfällt. Zur zweiten Olasse werden die Falle 
von Ausdehnung der Gallenblase mit grüner oder weisser Galle, 
Schleim, Eiter, Gallen- oder Kalkconcrementen gezählt, und zur 
dritten die Fälle, wo die Gallenblase der Sitz von Neubildungen ist. 

(Schluss folgt. 

A. D. Knie. Rechenschaftsbericht über meine chirurgische 
Th&tigkeit in meinem Privat*Hospital 1880—1883. I. 
Moskau, 1884. Typographie von N. L. Puschkarew. 

Hospitalberichte sind Erscheinungen, die jederzeit mit Sympathie 
aufgenommen werden müssen, sie sind unschätzbares Material für 
den Bearbeiter jedweder klinischen Special - Frage, ganz besonders 
verdienen sie aber noch unser Interesse, wenn die gebotene Casuistik 
nicht wenig des Aussergewöhnlichen enthält, wie der vorliegende 
Bericht. Obgleich die Zahl der behandelten Kranken keine imposant 
grosse ist (240), so enthält sie doch viel interessirende Fälle, so 3 
Parotisexstirpationen, 8 Stromaexstirpationen, 5 Gastrotomien, 2 
Laparotomien wegen Volvulus, 4 Resectio genu, 10 Resectio coxae, 
die ganze Operationsliste hat 200 Nummern. Verf. ist nach einigen 
temporären Abweichungen wieder zum typischen Listerverband, 
aber ohne Spray zurttckgekehrt. Die Art der Behandlung, Verpfle¬ 
gung ist ausführlich besprochen, ebenso die unglücklichen Zufälle, 
die letalen Fälle, sowie die Behandlung der bösartigen Neubildun¬ 
gen. Die Resultate sind glänzende, 3.33% Sterblichkeit. T. 

C. Gerhardt: Lehrbuch der Auscultation und Percus¬ 
sion mit besonderer Berücksichtigung der Inspection, 
Betastung und Messung der Brust und des Unterleibes 
zu diagnostischen Zwecken. IV. Aufi. Mit 40 Holzschnit¬ 
ten Tübingen, 1884. H. Lanpp’sche Buchhandlang. 347 
Seiten. Preis 6 Mark 60 Pf. 

In dieser neuen Auflage des bekannten Lehrbuches ist der Ver¬ 
fasser bestrebt durch zahlreiche Zusätze und Aenderungen den be¬ 
deutenden Fortschritten der Percussions- nnd Anscnltationslehre ge¬ 
recht zn werden, welche sich ans den vielen werthvollen Arbeiten er¬ 
gaben, die seit dem Erscheinen der letzten Auflage seines Werkes 
auf diesem Gebiete geliefert wurden. Er hat diesen Zweck erreicht 
ohne wesentliche Mehrung des Umfanges, indem Kürzungen der ein¬ 
leitenden Abschnitte den Ranm gewährten. 

Mit vollendeter Gründlichkeit werden in den fünf ersten Ab¬ 
schnitten die physikalischen Untersuchnngsmethoden im engeren 
Sinne, nämlich die Inspection, Palpation, Mensnration, Percussion 
and Aupcnltation in ihrer Anwendung zur Erkennung der physika¬ 
lischen Zustände sowohl der normalen Organe der Brust und des 
Unterleibes, als auch bei pathologischen Veränderungen derselben 
besprachen. In einem sechsten Abschnitte werden dann physika¬ 
lisch-diagnostische Symptomengruppen im Zusammenhänge abge- 
bandeit, wie sie sich bei den in der Praxis vorkommenden Krank¬ 
heitsbildern vorfinden. 


Wenn auch manchem Anfänger ein mehr methodisch gehaltenes 
Lehrbach erwünschter sein wird, so bietet das vorliegende Werk 
^gerade dem schon mit den zahlreichen Klippen der physikalischen 
Diagnostik vertrauteren Arzte ein nicht hoch genug zu schätzendes 
Material in differential-diagnostischer Hinsicht aus den langjährigen 
Erfahrungen des bewährten Klinikers. 

Eine grössere Reihe von Holzschnitten, unter denen sich nament¬ 
lich auch viele Cnrven befinden, erleichtern das Verständniss des 
schon ohnehin in klarer Schreibweise dargestellten Inhaltes. Auch 
im Uebrigen ist die Ausstattung und der Druck gut, der Preis bei 
alledem ein mässiger, so dass das Werk die vielen Freunde, die es 
sich schon in den früheren Auflagen erworben hat, gewiss noch um 
ein Bedeutendes vermehren wjrd. —x. 

0. P u h 1 m a n n: Die chemisch - mikroskopische Unter¬ 
suchung des Harns auf seine wichtigsten Verände¬ 
rungen. m. völlig umgearbeitete Auflage. Berlin, Hinch- 
w&ld 1885. Kl. 8. 39 S. 

Von diesem kleinen Werke erschien 1870 die erste Auflage, der 
schon 1871 eine zweite folgen musste; die vorliegende dritte ist den 
Fortschritten der Harnuntersuchung in den verflossenen 13 Jahren 
gemäss bedeutend erweitert nnd ergänzt. Die Tabellen, in welchen 
nach und neben einander Operation, Reaction, Ursache derselben, 
Prüfung, Gegenprobe und Bemerkungen aufgeführt werden, giebt 
ein ungemein übersichtliches Bild über die Reactionen auf die Harn- 
bestandtheiie, in einem auderen Abschnitte sind die Harnsedimente, 
leider ohne Abbildungen sehr klar abgehandelt. Wir können dieses 
Büchlein nur warm empfehlen, namentlich praktischen Aerzten, 
weiche keine Zeit haben, dickleibige Abhandlangen über dieses 
Thema durchzustudiren. 


Auszug aus den Protokollen der Gesellschaft prakti¬ 
scher Aerzte zu Riga. 

Sitzung am 17. October . 

1) Dr. Vier hoff demonstrirt einen Fall von symmetrischer Miss¬ 
bildung der Extremitäten! J. N. 19 Jahr alt, ans gesunder Familie 
stammend, zei$t folgende Defecte und Missbildungen. Rechte Hand: 

1., 2. nnd 3. Finger fehlen vollständig bei vorhandenen Metacarpal- 
knocben, zwischen dem 3. und 4. Metacarpalknochen eine Knochen¬ 
brücke (vielleicht rnndimentärer Mittelfinger). 4. nnd 5. Finger 
vorhanden, jedoch vollständige Syndactylie bei getheiltem Nagel. 
Auf den vorspringenden Gelenkenden der Metacarpalknoehen kämm 
sichtbare Narben. Linke Hand: es fehlen bei normalem Hetacar- 
pns, die 2. Danmenpbalanx und der ganze 2. Finger, der 3. und 4. 
Finger vollständig verwachsen, nur dir. erste Pbaiaox ist doppelt.— 
Am rechten Fusse fehlen 2. und 3. Metatarsalkuochen uud die 2. und 
3. Zehen. Starke Valgusstellung der grossen Zehe. 4. und 5. Zehe 
vollständig verwachsen bei doppelten Phalangen. -Am linken Fusse 
fehlt nur der 2. Metatarsalknochen, sonst ganz dieselben Verhält¬ 
nisse wie rechts. 

2 ) Dr. Mercklin verliest seinen Vortrag «Zur Symptomatologie 
des petit mal». 

Veranlassung die Symptome des petit mal näher zu betrachten, 
gab ein bei einem 14jährigen hereditäir belasteten Knaben beobach¬ 
teter Fall, der in Bezug auf die Anamnese und den Verlauf einige 
Besonderheiten bot, so das9 die Diagnose erst spät gestellt wurde.— 

In Folge der hypnotischen Versuche des Magnetiseurs Robert ver¬ 
suchte der bis dahin gesunde Knabe sich durch Anst&rren glänzender 
Gegenstände zu hypnotisiren. Seit jener Zeit (Herbst 1882) will 
Pat. nervös geworden sein, und sind eigentümliche kurze Anfälle 
von «Dösen», Bewussteeinsverdunkelungen eingetreten, besonders 
dann wenn Pat. auch ohne sich hypnotisiren zu wollen glänzende 
Gegenstände fixirte. 1883 Häufung der Anfälle, besonders wenn 
Pat. an sie dachte. Keine Aura. Dauer der Anfälle oft wenige 
Secunden, zuweilen auch länger. Dazwischen zeigt Pat. während ; 
der Anfälle Flexibilitas cerea, durch Rütteln, Anblasen können die 
Anfälle abgekürzt werden. 1884 musste der Knabe aus der Schule 
genommen werden weil die Anfälle ihn am Lernen hinderten. Wäb- i 
rend lOtägiger Beobachtang im Hanse des Vortragenden nur wenige 
spontane Anfälle, doch konnte man sofort kurze Anfälle von Be¬ 
wusstseins Verdunkelung resp. Bewusstseinspause hervorrufen, wenn J 
die Gedanken des Pat. durch Krankenexamen etc. anf seine Krank¬ 
heit concentrirt wurden. Auch hier einmal während des Anfalles 
FJex. cerea. 

Obgleich Vortragender die Möglichkeit einer vorhandenen Epilep¬ 
sie mitior in Betracht zog, neigte er doch mehr der früher von Dr. 
Holst gestellten Diagnose, die anf «spontanen Hypnotismus» ge¬ 
lautet, zu, besonders in Anbetracht der Anamnese, der kataleptoiden 
Symptome, des Einflusses psychischer Momente bei Hervorrufung 
der Anfälle, sowie des Mangels jedes Krampfes. — Ein wenige Tage 
später eingetretener typischer schwerer epileptischer Anfall machte 
die Diagnose klar. — Seitdem serienweis auftretende Anfälle von 
petit mal ohne nnd mit sichtbarem Krampf. Einmal wurden wäh¬ 
rend 15 Minuten 8 Anfälle beobachtet. — An der Hand dieser, eine 
eingehende Beobacbtungermöglichenden Anfälle nnd der vorliegen« 
den Literatur bespricht Vortragender die Symptomatologie des petit 


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19 


mol und schlieast mit einigen Bemerkungen zur Differentialdiagnoee 
desselben. 

Dr. H o 1 st: Dem Kranken war das Hervorrufen des Anfalls und 
Vevbairen in demselben angenehm. Daher protrahirte derselbe die 
Absencen, während es in seiner Macht lag dieselben abznkürzen. 
Ein einmaliger, ja nach Waise selbst ein wiederholter klassischer 
Anfall mache in den Entwickelnngsjahren die Diagnose Epilepsie 
noch nicht sicher Endlich sei die Wirkungslosigkeit des Bromkali, 
der günstige Einfluss psychischer Einflüsse, der veränderten Umge¬ 
bung etc. zu bemerken. Da ähnliche Zustände bei Hysterischen 
häufig von Holst beobachtet worden, so möchte er seine Diagnose 
noch nicht ganz fallen lassen. 

Dr. M e r c k 1 i n: Die Erscheinungen seien sehr characteristiscb ge¬ 
wesen , überdies gäben ihm die letzten Nachrichten, hach denen Pa¬ 
tient jetzt schon mehr psychisch geschädigt sei, Recht. Er empfehle 
flberhaupt bei vorhandenen kurzdauernden. Absencen stets an Epilep¬ 
sie zu denken, nm nicht durch einen ausgesprochenen Anfall über¬ 
rascht zu werden. 

Dr. T i 1 i n g: Die kurze, momentane Dauer des Anfalls sei schon 
an nnd für sich höchst characteristisch. käme dazu noch ein ansge¬ 
bildeter Anfall, so sei dies entscheidend für die Diagnose. 

Dr. Merck 1 i n hebt znm Schlüsse hervor, dass sich zuweilen bei 
dem Kranken als Anra plötzlicher Harndrang einstelJe. — Die Wich¬ 
tigkeit dieses Symptomes als Zeichen vorhandener Secretionsanoma- 
lie vor nnd während des Anfalles und die Bedeutung für die Diagnose 
Epilepsie wurde von Dr. Holst nnd Dr. T i 1 i n g anerkannt. 

Sitzung am 7. November . 

l)Dr. Schwartz: Ueber die angeborenen Sacraltumoren. 

Anlass sioh mit dem voiliegenden Thema eingehender zu be¬ 
schäftigen boten zwei in der Klinik des Vortragenden operirte Fälle, 
die von ihm nnd Dr. Bergmann der Operation unterzogen 
wurden. 

Vortragender recapitnlirt kurz die Geschichte des Studiums der 
fraglichen Geschwülste, beleuchtet an der Hand der Entwicklungs¬ 
geschichte die Entstehung derselben nnd giebt dann eine systema¬ 
tische Eintheilung der verschiedenen hier in Frage kommenden Bil¬ 
dungen. Nachdem er dann die Schwierigkeit der Diagnose am le¬ 
benden Kinde hervorgehoben, schliesst er mit einigen Bemerkungen I 
bezüglich der Therapie der Sacraltumoren. Demonstration des vom ] 
Vortragenden durch die Operation gewonnenen Präparates. Das¬ 
selbe stammt von einem *0 Tage alten Mädchen. Kind mässig ent¬ 
wickelt, sonst normal gebildet, zeigt in der Kreuzbeingegend eine 
prallgespannte, leicht durchsichtige Geschwulst. Grenzen derselben, 
nach oben die Articnlatio sacro-coccygea, seitlich mit beiseite Drän- 
gung der Glntealmnskeln die beiden Tubera ischii. Unten ragt die¬ 
selbe über diu Aftermündung hinaus, nnd drängt Scheide nnd Mast¬ 
darm stark nach vorne. Din Geschwulst misst von oben nach unten 
17 Ctm., von links nach rechts 27 Ctm., nnd zeigt eine deutliche 
Dreitheilnng. In der Mitte nnd links 2 scheinbar communicirende 
Qysten, rechts eine derbere Gcschwclstmasse. Steinbein in die Ge¬ 
schwulst eingebettet. Hant überall verschiebbar. — Die Exstirpa¬ 
tion verhältnismässig leicht, nur znm Rectum bin musste das Peri- 
tonäum eröffnet nnd in garzer Breite der Geschwulst mit entfernt 
werden. — Naht des Peritonänm mit Serosa des Rectum, Jodoform- 
gaze-Salicylwatte-Verband. Glatter Wnndverlanf, am 6. Tage mit 
UMt verheilter Wunde entlassen. — Das Präparat zeigt eine zwei- 
kammerige Cyste, und eine kleine solide, in der Mitte käsig zer¬ 
fallene Geschwulst. 

Dr. Bergmann: Der von ihm operirte Fall ist folgender: 
Ein gitgenährter, kräftiger, 5 Monate alter Knabe zeigt rechts 
oberhalb des Anns einen angeborenen berabhängenden 7-f Ctm. lan¬ 
gen, Ctm. breiten, 2£ Ctm. dicken wnrstäbnliehen Tnmor. Der¬ 
selbe inserirt mit dünnem Stiel am unteren Rande des Kreuzbeines, 
nnd besteht ans einer oberen nnd unteren transparenten Cyste, die 
durch eine derb sieb anfühlende Partie von 2—3 Ctm. Breite ge¬ 
trennt sind. • Commnnication mit dem Wirbeloanal konnte mit Be¬ 
stimmtheit weder nachgewiesen, noch ausgeschlossen werden. — 
Ansschälen des Tnmor sehr leicht. Beim Abtrennen von der Fascie 
wird eine kleine Cyste mit dünnbreiigem Inhalt entleert. Abprä- 
pariren vom Krenzbein, wo eine kleinerbsengrosse Cyste nachbleibt. 

— Sorgfältige Naht, Jodoformcollodinm. Fast durchweg prima 
intentio. Am 10. Tage geheilt entlassen. Beim Durchschnitt zeigen 
sich eine obere nnd eine untere Cyste mit rein serösem Inhalt, wäh¬ 
rend eine mittlere düuuflüssigen Brei enthält. Keine Haare. 

Vortragender hebt hervor, dass man bei Cysten dieser Art immer 
an die Möglichkeit einer Commnnication mit dem Wirbelcanal den¬ 
ken müsse, doch sei dieses seiner Ansicht nach keine Contraindica- 
tion gegen die Operation, da es bei einiger Vorsicht stets gelingen 
dürfte, die Commnuicationsöffnnng rechtzeitig zu schliessen resp. zn 
vernähen. 

Dr. Schwartz hält die naebgewiesene Commnnication für eine - 
gewichtige Contraindication gegen die Operation. Er sei einmal 
in der Lage gewesen, eine solche Commnnicationsöffnnng nicht 
schliessen za können, and sah das Kind in 2 Tagen zn Grande geben. 
Eine strenge Antisepsis scheitere hier zn leicht an der Unmöglich¬ 
keit, den Verband vor dem Dnrcbnässen nnd Beschmutzen von 
8 eiten des kleinen Patienten zn bewahren. 

Dr. M i k r a m , d. Z. Secretair. 


Nachtrag. 

Um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen, kann ich nicht um¬ 
hin hier mein Bedauern auszudrücken, dass die Abbildung in meinem 
in voriger Nummer veröffentlichten Artikel znm Tbeil recht unbe¬ 
friedigend ansgefallen ist. Die mit b bezeichnet« Figur soll ein 
normales Blntkörpercnen darstellen, ist aber etwas zn gross ge- 
rathen, nnd sieht wie ein kernhaltiges ans, während in der Abbil¬ 
dung des k'jrnbal .igen Blutkörperchens c der Kern viel zn klein ge- 
rathen ist. Di'« ülr.gen Figuren sind richtig. Dr. H o 1 s t. 


Vermischtes, 

— Am 6. Januar n. St. beging der berühmte Chirurg, Professor 
Dr. Ritter v. NnssbanminMünchen sein 25-jähriges Professoren- 
Jnbilänm. Die Feier fand in den hübsch verzierten Räumen des 
Operationssaales statt, in welchen der Jubilar lange Jahre mit Er¬ 
folg seine Thätigkeit entfaltet hat. Zahlreiche Deputationen beglück- 
wünschten ihn zn den grossartigen Erfolgen, welche er als Opertr- 
teur nnd Lehrer errangen habe. Der Herzog Dr. med. Carl Theo¬ 
dor v. Baiern stattete persönlich seinem Lehrer seine Glück¬ 
wünsche ab. Die Stadentenschaft veranstaltete zn Ehren des Jubi¬ 
lars einen Fackelzag. 

— Im August d. J. findet in Brüssel der nächste internationale 
Apotheker-Congress statt, auf welchem die auf dem vorhergegan- 
genen Congresse ungebahnte internationale Pharmakopoe den Ha*ptf-> 
gegenständ der Berathnngen bilden wird. Der König von Belgien 
hat das Ehrenpräsidium dieses Congresses angenommen. 

— In Paris hat der berühmte Chemiker Chevrenil, welcher 
sich «Senior der Studirenden Frankreichs» nennt, vor Kurzem sein 
hundertstes Lebensjahr erreicht. 

— In Wien erscheint seit dem Beginn dieses Jahres eine neue 

Zeitschrift für Zahnheilkunde, welche von dem Docenten Dr. H e i n r. 
S c h m id in Prag redigirt wird, unter dem Titel: «Oesterreichisch- 
Ungarische Vierteljabrschrift für ZahnheiJknnde». Sie hat sich zur 
Aufgabe gestellt, die wissenschaftlichen Interessen der Zahnärzte 
nnd Zahntechniker zu vertreten. (A. m. C.-Ztg.) 

— Unsere Academie der Wissenschaften hat Dr. RobertKoch 
in Berlin nnd Prof. Pasteür in Paris zu correspondirenden Mit¬ 
gliedern gewählt. 

— Ernannt : Die Docenten der Moskauer Universität: Dr. Erit- 
m a n n — als ordentl. Professor der Hygiene; Dr. Tiohomirow 
(Fhatmakognost), Dr. Bögoslowski (Pharmakolog), Scher» 
winski (pathol. Anatom); Dr. Jeisinski (Patbolog), Dr. 
Manssnrow (Dermatolo*), Dr. Ssinizyn (Chirurg. Pathol.), 
Dr. M a k e j e w nnd Dr. S n l g i r e w (Geburtshelfer) — als ausser¬ 
ordentliche Piofessoren für die von ihnen vertretenen Fächer. 

— Um die nachteiligen Folgen, welcne durch den Dienst der 
Militärärzte in anderen Ressorts nnd bei Wohlthätigkeitsanstalten 
hervorgernfen werden, zn beseitigen, hat der Kriegsminister es Ar 
unumgänglich nötbig erachtet, nachstehende Anordnungen zn treffen: 
1) zn bestätigen, dass, anf Grundlage des Art. 171 des III. Bandes 
des Reichsgesetzbnches, Ausgabe v. J. 1876, den Militärärzten nicht 
das Recht zusteht, in anderen Ressorts Aemter zn bekleiden oder 
dienstliehe Beschäftigungen zu übernehmen, ohne vorher durch ihre 
nächsten Vorgesetzten die Erlanbniss derjenigen Autorität, durch 
welche sie im Militärressort angestellt wurden, eingeholt zn haben 
nnd 2) der betreffenden Vorgesetzten Behörde vorznschreiben, in Zu¬ 
kunft ihre Einwilligung zu versagen: a) zur Bekleidung solcher 
Dienststellungen der Militärärzte in anderen Ressorts nad bei Wohi- 
thätigkeitsanstalten, denn Classe dem Range nach höher ist als die 
Classe ihres Amtes im Militärressort nnd b) zur Verleihung von 
Rang-Ciassen nnd Orden an Militärärzte, welche ihrer dienstlichen 
Stellung im Militärressort nicht entsprechen d. h. höher sindr-ala 
ihuen solche Ar den Dienst im Militär-Ressort verliehen werden 
können. 

— C a z i n ist es in einem Falle von Vaginismus , in Folge dessen 
die betreff. Kranke seit langen Jahren den Coitns nicht vollziehen 
konnte, gelangen, durch Application einer Gocatnlösung in die 
Vulva nnd Vagina Ar die Dauer der znm Coitus nothwendigen Zeit 
die hochgradige Hyperästhesie zn beseitigen. (A. m. C.-Ztg.). 

Krankenbestand der Civil- u. Kinderhospitäler St. Petersburgs 

am 30. December 1884. 


M. W. Summa. 

, Civilhospitäler. 2631 1783 4414 

Kinderbospitäldr. 137 163 300 

Unter der Gesammtzahl befanden sich : M. W. Summa. 

Typhöse Krankheiten (abd., exanth., reo.) 187 93 280 

Scharlach . 16 29 45 

Pocken .. 5 7 12 

Venerische Krankheiten .. . 437 332 769 


Die Ambulanzen der Kinderhospitdler wurden in der Woehe 
vom 23.- 29. December 1884 besucht von 2047 Kranken, darunter 
znm ersten Mal von 830. 


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20 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs 
far die Woche vom 23. bis 29. December 1884. 
Zahl der 8teibef411e: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Gänsen: 

, § 
M. W. Sa. 2 


SSS2S28 || 

I.W.81. «^*^1111 | | | | 0 | 

I I I I HiOr^HriHHHQ Jf* 

q ,0 ■* CD HW( 0 'd<' 0 ®t'W Ö 

293 235 527 106 36 56 18 10 21 45 54 58 65 39 20 8 1 

2) nach den Todesunachen: 

— Typh. exanth. 0, Typh. ahd. 8, Fehde recurrens 0, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 4, Pocken 3, Masern 0, Scharlach 4, 
Diphtherie 15, Croup 2, Keuchhusten 4, Puerperalkrankheiten 3. 
Dysenterie 0, Thiergilt 0, andere Infectionskrankheiten 9. 

— Gehirnapoplexie 12, Entsündnng des Gehirns und seiner Haute 
27, andere Gehirnkrankheiten 21, Krankheiten des Hersens und der 
Geiasse 21. acute Entsfindnng der Athmnngsorgane 70, Lungen¬ 
schwindsucht 111, andere Krankheiten der Brusthöhle 13, Gastro- 
intestinal-Krankheiten 73, andere Krankheiten der Bauchhöhle 19, 
angeborene Schwache und Atrophie infant. 34, Marasmus senilis 27, 
Gaehexia 23. 

— Tod durch Zufall 10, Selbstmord 3, Mord 2. 

— Andere Ursachen 9. 


Mortalität!-Bulletin St. Petersburgs 

für die Woche vom 30. Dec. bis 5. Jan. 1884. 
Zahl der Sterbefftlle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 

Im Ganzen: . . 

M. W. Sa. * ^ ~ , | , | , I II”! 

i | i i S S S 5 3 3 S S 8 Ö 

290 280 570119 50 73 12 12 18 66 52 51 39 42 26 5 5 


2 ) naeh den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 2, Typh. abd. 16, Febris recurrens 1, Typhös 
ohne Bestimmung der Form 1, Pocken 1, Masern 1, Scharlach 7, 
Diphtherie 10, Croup 1, Keuchhusten 3, Puerperalkrankheiten 1, 
Dysenterie 0, Thiergift 0, andere Infectionskrankheiten 11. 

— Gehirnapoplexie 12, Entzündung des Gehirns und seiner Häute 
38, andere Gehirnkrankheiten 19 f Krankheiten des Herzens und der 
Gefässe 25, acute Entzündung der Athmnngsorgane 77, croupöse 
Lungenentzündung 20, Lnngen-schwindsucht 112, andere Krank¬ 
heiten der Brusthöhle 7, Gastnnntestinal-Krankheiten 93, andere 
Krankheiten der Bauchhöhle 18, angeborene Schwäche und Atro¬ 
phie infant. 27, Marasmus senilis 24, Caehexia 21. 

— Tod durch Zufall 4, Selbstmord 0, Mord 0. 

— Andere Ursachen 18. 


Mortalität einiger HauptstSdte Europas. 


Name Neuer 3tyl. 


3.I.1 

mh 


Stockholm . . 
Kopenhagen.. 
Berlin .... 
Wien .... 
Brüssel • . . 
Paris .... 
London . . . 
St. Petersburg 
4 ) inol. 16 an 


14—20 Dec. 
17—23 Dec. 
21—27 Dec. 1 
21-27 Dec. 
14—20 Dec. 
21—27 Dec. 2 
21-27 Dec. 4 
28 Dec. — 3 Jan. 
Masern. *) incl. 


181732 93 13 25,4 

267 000 97 28*117,0 

225 065 514 99 21,. 

759 849 375 13 3,s 

171 293 92 11 27,« 

239928 1012 102* 23,s 
019 361 1430 148 18, • 
928016 475 55 26,o 
1 an Cholera. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger Aerzte- 
Dienstag den 22. Januar 1885. 

Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins- 
Montag den 14. Januar e. 


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ct> nopTpeTOMi h eaKCHHH.ie aBTopa. 

Hsäahie «X». OaeMMHHra. Che., 1885. IUha 3 p. 


ßosBoieno geHsypoio. C.-IIeTepöypn, 11. flHBapz 1885 r. Verlag von Carl Bicker. Buchdruckerei von A. Caspary, Liteiny 52. 


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Neue Folge. St. Petersburger iu««*. 

^ (ln der Reihenfolge X. Jahrgang.) 

Medicinische Wochenschrift 

unter der Redaction 

von Prof. ED. v. WAHL in Dorpat und Dr. L. v. HOLST in St. Petersburg. 


Die « St. Petersburger Medicinische Wochenschrift» erscheint jeden Sonn¬ 
abend. Der Abonnements-Prois ist in Russland 8 Rbl. für das Jahr, 
4 Rbl. für das halbe Jahr inclusive Post-Zustellung; In den anderen Län¬ 
dern 16 Mark jährlich, 8 Mark halbjährlich. Bestellungen übernehmen 
die Buchhandlungen aller Länder. Der Insertions-Preis für die 3 mal 
gespaltene Zeile in Petit ist 12 Kop. oder 40 Pfenn. 


Manuscripte sowie alle auf die Redaction bezügliche Mittheilungen bittet 
man an den geschäftsführenden Redacteur, Dr. L. v. Holst in St. Peters¬ 
burg, Evangelisches Hospital, Abonnements-Aufträge, Inserate etc. an 
die Buchhandlung von C. Rlcker in St. Petersburg, Newsky-Prosp. Äl 14 
zu richten. Ausser dem Honorar (16 Rbl. pro Bogen) werden den Autoren 
25 Separatabzüge ihrer Original-Artikel zugesandt. 


Ns 3. 8t. Petersburg, 19* (31.) Januar 1885. 


■■halt: J. M aximo witsch: Ueber die therapeutische Verwendung des Chininum bihydrobrom&tnm. — Heyfelder: Die Cor* 
Periode 1884 in Pjatigorok. — Bücher-Anzeigen und Besprechungen : George Harley: Die Leberkrankheiten. — Prof. J. S k w 0 r • 
sow: Conus der praktischen Hygiene.—Hartigan: The lock-jaw of infants (Trismns nascentiom). — Gostav Bohrend: Lehr¬ 
buch der Hautkrankheiten. — An die Bedaction eingesandte Bücher und Druckschriften. — Vermischtes. — Vacanzen. — Kranken- 
bestand der Oivü- und Kinderhospitäler St. Petersburgs. — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Mortalität einiger Haupt¬ 
städte Kuropas. — Anzeigen. 


Ueber die therapeutische Verwendung des Chininum 
bihydrobromatum. 

Von 

Dr. J. M a x i m 0 w i t b c h. 

Unter der grossen Zahl der Ghininprftparate hat in den 
letzten Jahren das Chininum hydrobromatum (CsoHmN* 
OiHBr.-f-HsO) 1 ) besondere Berücksichtigung gefunden, 
da die Analysen einen Gehalt von 75—76 % reinen Chinins 
ergaben, während c. 18 % Brom enthalten war. Wenig be¬ 
achtet ist aber bisher das saure Salz: Chininum bihydro¬ 
bromatum (C*> Hm Nz 0» 2HBr. + 3 H*0) *), welches 60 % 
reinen Chinins, dafür aber c. 30% Brom enthält. Nach 
Bai 11 e and Baadrimont sollen die Bromverbin¬ 
dungen des Chinins, letzteres Alkaloid in reinerem Zu¬ 
stande gebunden halten als die schwefelsauren Verbin¬ 
dungen. Aach sollen die erstgenannten Verbindungen sich 
durch leichtere Löslichkeit in Wasser auszeichnen und sich 
schon in 1:60 Aq. lösen, während Chinin, sulf. sich nur 
1:788 Aq. löst. Das Chin. bihydrobromatum ist noch 
leichter löslich, als das Chin. hydrobromatum. In Folge 
dieser Eigenschaften lenkten die Forscher G u b 1 e r , Ray¬ 
mond u. A. ihre Aufmerksamkeit auf die Brom Verbin¬ 
dungen des Chinin und fanden, dass sie leicht resorbirbar, 
wenig oder fast garnicht unangenehme Nebenwirkungen 
aufweisen und dabei noch eine sedative Wirkung ausüben. 
Daher wandten die französischen Aerzte das Chinin, bro- 
mat. bei Fieber mit gleichzeitiger Excitation des Nerven- 
systemes, Neuralgien, Gehirnhyperämie etc. an. Ein be¬ 
sonderer Vorzug des Mittels ist auch seine Verwendbarkeit 
zu subcutanen Injectionen, da es weder Abscesse, noch lo¬ 
cale Reizzustände hervorruft. Prof. Jaccoud*) benutzt 
gegenwärtig bei Typhus ausschliesslich das Chininum bi¬ 
hydrobromatum. In Deutschland benutzen S t e i n i t z , 
sowie Prof. Rosen thal das Mittel bei Keuchhusten, 
Hysterie, nervösem Erbrechen, Schmerzen der Tabetiker etc. 


*) Bai 11 e und Bandrimont. Journ. d. Pharm, und Chemie 
1874, pag. 18. 

*) E. Schmidt. Lehrb. d. pharmaceut. Chemie 1882. II Bd., 
pag. 1033. 

*) Traitement de la fievre typhoide. Paris. 1883, pag. 17. 


In Russland verwendet Prof. B o t k i n *) seit längerer Zeit 
das Mittel zu symptomatischer Behandlung verschiedener 
Leiden und hat sehr erfreuliche Erfolge. Selbst in Dosen 
von 4—5 Gran zeigt sich noch die sedative Wirkung. Be¬ 
rücksichtigt man, dass die Bromverbindungen des Chinin 
nur 18 resp. 30% Brom enthalten, die Salze des Broms 
(Bromammonium 81 %, Bromnatrium 78 %, Bromkali 67 %) 
dagegen viel mehr, so geht hieraus hervor, dass die seda¬ 
tive Wirkung kleiner Bromdosen durch besondere Verhält¬ 
nisse veranlasst wird, sei es durch die Combination des 
Broms mit dem Chinin oder durch grössere Activität dieses 
oder jenen Mittels etc. Gerade der sedativen Wirkung 
wegen hat Prof. B o t k i n das Mittel bei vielen Fällen von 
Kopfrehmerzen, die durch Störungen im Gebiete des vaso- 
motrischen Nervensystemes bedingt, bei Schwindel verschie¬ 
denen Ursprunges, bei Neuralgien und bei Typhus mit 
gleichzeitigen Delirien, Schlaflosigkeit etc. angewandt Die 
guten Resultate dabei veranlassten Dr. T u m a s 8 ) zu einer 
Reihe experimenteller Untersuchungen. Indem wir die Re¬ 
sultate seiner Beobachtungen an Fröschen bei Seite lassen, 
wenden wir uns zu seinen Experimenten an Warmblütern. 
Hierbei ergab sich, dass durch Chin. hydrobrom. die Zahl 
der Herzcontractionen verringert und der Blutdruck herab¬ 
gesetzt wird. Letzteres wird durch Ersticken des Tbieres 
und Reizung des centralen Endes des Nervus ischiadicus 
garnicht oder kaum beeinflusst. 

Die Versuche bezüglich des vasomotorischen neuromus- 
cul&ren Apparates zeigten, dass Chin. bydrobr. sowohl bei 
intactem vasomotorischem Centrum, wie auch nach Durch¬ 
schneidung der Verbindungen mit demselben, Erweiterung 
der Gefässe bewirkt, wobei weder Compression der Bauch¬ 
aorta, noch Reizung der Nervi splanchnici die Erweiterung 
der Gefässe verhindern können. Nach Injectionen des Chin. 
hydrobromat. (Red.: subcutan?) wird durch Reizung des 
Nerv, depressor eine relativ geringe Herabsetzung des ar¬ 
teriellen Blutdruckes bewirkt. Auf Grund dieser Ergebnisse 

*) ApXHFb UHHHKH BHyTDeHHHXl ÖOrlSH. Tom. VIII. 1882— 
1883, pag. 460. (B.’s Archiv der Klinik für innere Krankheiten. 
Bd. VHI). 

*) Matepiaju im <J>apnaKoioriH raxpoöpoiucTaro xhhhhs. Ap- 
xhbt. kjhh. BHjTp. 6 oj. T. VIII. 1882—83, pag. 448—645. (Ma¬ 
terialien zur Pharmakologie des Chin. hydrobrom. — Ibidem). 


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22 


nimmt T u m a s an, dass die lähmende Wirkung des Chin. j 
hydrobr. sich auf das periphere vasomotorische System be¬ 
zieht, jedoch nicht dem im Salze enthalteuen Brom zuzu¬ 
schreiben ist, da Parallelversuche mit gleichen Mengen 
Brom-Natrium (welches c. 78 % Br. enthält) zeigten, dass 
Letzteres nicht getässerweiternd wirkt. Diese Wirkung 
muss also dem im Chin. hydrobr. enthaltenen Chinin zuge- 
scbrieben werden und zwar mit um so mehr Berechtigung, 
als das Chinin muriatic. eine gleiche Gefässerweiterung be¬ 
wirkt Nach meiner Ansicht jedoch kann man die Wirkung 
nicht dem Chinin allein zuschreiben. 

Die Versuche über den Einfluss des Chin. hydrobr. auf 
Herzklopfen zeigten, dass die Verlangsamung der Herzac¬ 
tion bei grossen Dosen durch Beeinflussung der excitomo- 
torischen Centren des Herzens bewirkt wird, denn weder 
Entfernung der Centren der Vagusfasern, noch ihre Durch- 
schneidung oder Lähmung durch Atropin heben die Ver¬ 
langsamung auf, so lange das Chin. hydrobr. wirkt. 

Die Versuche bezüglich der psychomotorischen Centren 
ergaben, dass das Chin. hydrobr. die Thätigkeit derselben 
herabsetzt und dass die Zeit welche nöthig ist, die Erre¬ 
gung von den Psychomotoren bis zu den Muskeln zu über¬ 
mitteln durch Chin. hydrobr. verdoppelt wird. 

Alle diese Ergebnisse erhielt T u m a s mit relativ kleinen 
Dosen 0,12—0,2 oder 0,002—0,02 Grm. pro Kilogramm 
des Gewichtes des Versuchsthieres. 

Im Hinblick auf die dargelegten Ergebnisse, sowohl der 
experimentellen wie auch der therapeutischen, mit Chin. 
hydrobromat. unternahm ich es nun auch das Chininum bi- 
hydrobromatum in therapeutischer Beziehung zu prüfen, 
wobei ich mich eines von E. M e r k in Darmstadt bezoge¬ 
nen Präparates bediente. Gegenwärtig jedoch wird das 
Mittel auch in Warschau hergestellt und zwar vom Apo¬ 
theker Mutnjanski(in Form hellgelber Krystalle), wo¬ 
bei der Gran nur 1 Kop. theuerer, als das aus dem Aus¬ 
lande bezogene Präparat. Bei den Droguisten kostet das 
Mittel gegenwärtig c. 3 Mal mehr als Chininum muriaticum. 

Meine Beobachtungen über Chinin, bihydrobromat. sind 
1883 und 1884 zum Theile im Warschauer Ujäsdow- 
schen Militärhospitale, zum Theil in der Privatpraxis an¬ 
gestellt. Das Merk’ sehe Präparat stellt ganz kleine 
weissgelbliche Erystallchen dar, die sich in Wasser leicht 
lösen. Die Lösung reagirte sauer und nahm beim Stehen 
nach einigen Tagen eine grünliche Färbung an. Zu subcu- 
tanen Injectionen benutze ich gewöhnlich eine Lösung von 
0,180—0,30 :1,0 Aq. destill. (3—5 Gran : 16 Gran). Um 
die Lösung recht schnell herzustellen, muss man sie etwas 
erwärmen und filtriren. Innerlich gebe ich das Chin. bi¬ 
hydrobromat in Oblaten zu 3—5 Gran. Gewöhnlich ver¬ 
ursachten die Injectionen keine besonderen Störungen, nur 
wenn die Lösung nicht ganz frisch war, trat um die Stich¬ 
öffnung herum ein c. 20 Kop. grosser rotber Fleck auf, der 
erst in 2—3 Tagen verschwand und zuweilen blieb für kurze 
Zeit diese Partie infiltrirt 

Von Kraukheiten mit Fieberzuständen wurden von mir 
mit dem genannten Mittel behandelt: croupöse Pneumonie, 
Abdominaltyphus, Scharlach, Pocken, Schwindsucht etc., 
meist per os, nur in denjenigen Fällen wo schwere Compli- 
cationen, wie wilde Delirien etc. Vorlagen, gab ich es sub- 
cutan. Nach 0,6—0,9 (10—15 Gran) subcutan oder 0,6— 
1,2 (10—20 Gran) innerlich fiel die Temperatur in schwe¬ 
ren Fällen um 0,4—0,8® C., in leichteren um 1—1,5®. 
Der Puls verlangsamte sich um 10—30 Schläge pro Mi¬ 
nute. Diese Besserung hielt einige Stunden an, dann stieg 
die Temperatur wieder zur früheren Höhe, während der 
Puls auch noch weitere 2—3 Stunden verlangsamt bleibt 
Viel augenscheinlicher sind jedoch die übrigen Wirkungen 
des Cbiu. bihydrobromat. auf das Allgemeinbefinden, be¬ 
sonders wenn das Nervensystem stark irritirt war. Etwa 
*/>—1 Stunde nach Verabreichung des Mittels versinken die 
Pat. in ruhigen Schlaf, der 3—5 Stunden anbält. Nach 
dem Erwachen haben die Delirien aufgehört, das Bewusst¬ 


sein ist frei und Pat. äussert sein subjectives Wohlbefinden. 
Ohrensausen und Schwerhörigkeit wie sie nach Chinin Vor¬ 
kommen, treten gewöhnlich nicht auf und falls sie sich 
zeigen, so gehen sie rasch vorüber. 

In den Fällen von Schwindsucht (mit Nachtschweissen, 
starken Schmerzen etc.) war das Chin. bihydrobromat. so¬ 
wohl durch seine sedative, wie antifebrile Wirkung von gu¬ 
tem Nutzen, namentlich in denjenigen Fällen, wo die Pa¬ 
tienten narkotische Mittel nicht vertrugen. Parallelver¬ 
suche mit Chinin, muriat. zeigten, dass Letzteres der seda¬ 
tiven Wirkung entbehrt. 

Bei Febris intermittens war unser Mittel ebenfalls von 
vorzüglicher Wirkung, ähnlich wie die übrigen löslichen 
Chioinsalze. Namentlich bewährte es sich bei Neuralgien 
malariscben Ursprunges. 

In einem Falle von Intermittens quotidiana bei dem be¬ 
reits ohne jeglichen Erfolg 244 Gran (15,2 Grm.) Chinin, 
sulfuric. und c. 3j (4,0) Solutio Fowleri verbraucht worden, 
wurde das Chin. bihydrobromat. subcutan in Anwendung 
gezogen. Im Krankenbogen ist darüber Folgendes notirt: 

15. N o v. 1883. Es werden 0,37 (6 Gran) in 2 Grm. 
Wasser subcutan in die Milzgegend injicirt. Abends kein 
Schüttelfrost. Temp. 38,2. 

16. Nov. Nachts starker Schweiss. Morgens 36,2. 
Abends 38,7; kleiner Schüttelfrost. 

17. Nov. Injection von 10 Gran Ch. bihydrobr. (0,6) 
in 2 Grm. Wasser. Darauf schläft Pat. ruhig 3 Stunden 
und tritt subjectives Wolbefiuden ein. Temp. Morg. 36,8. 
Abends 38,2. 

18. Nov. Temperatur Morg. 36,2. Ab. 36,8. 

19. Nov. Injection von 10 Gran in die Milzgegend. 
Pat schläft darauf ein und klagt beim Erwachen über 
Ohrensausen, welches c. 2 Stunden anhält. Die Tempera¬ 
tur normal, kein Schüttelfrost. 

Vom 20.—25. Nov. wurde Pat. ohne jegliche Medication 
gelassen, doch traten keine Paroxysmen auf. 

Am 25. Nov. wurde Tinct chin. comp, verordnet und 
Pat. am 1. Dec. als genesen entlassen. Die Milz, deren 
obere Grenze bei der Aufnahme des Pat. bis zur 7. Rippe 
reichte, wies beim Austritt fast normale Grenzen auf. 

Ferner wandte ich unser Mittel bei Nervenleiden an und 
zwar bei Fällen allgemeiner Störung des Nervensystems, 
dem Symptomencomplex, welcher unter den Benennungen : 
Neurasthenie, Neurosismus, cerebro-cardiale Neuropathie, 
Irritatio spinalis etc. bekannt ist, bei Hysterie, und in allen 
Fällen mit günstigem Erfolg, sogar bei Dosen von 2—3 
Gran (0,12—0,18). War gleichzeitig Anämie vorhanden, 
oder reizbare Schwäche, Abspannung in Folge geistiger 
Ueberanstrengung, so leistete mir das Ch. bihydrobr. in 
Verbindung mit Bromeisen vorzügliche Dienste, in Form 
von Pillen nach folgender Formel: 

Rp. Ferri bromat. __ 

Chinin bihydrobromat. äädj (4,0). 

Extract. et Pulv. rad. Rhei q. s. 

ut fiant pil. Ni 120. DS. 2 Pillen 2—3 Mal tägl. 

In einigen Fällen wurde jedoch gleichzeitig Arsenik und 
Hydrotherapie verordnet, doch gaben die Pak meist den 
Pillen den Vorzug. 

Auch bei nervösem Herzklopfen gab unser Mittel gute 
Erfolge. 

In der Kinderpraxis habe ich es ebenfalls mit Erfolg 
angewandt. 

Auf meinen Vorschlag bat auch Dr. A. Steinberg, 
welcher die Abtheilung für Nervenkranke imUjäsdow- 
schen Hospital leitet, das Mittel versucht und ist so freund¬ 
lich geweseo, mir "nachfolgende 3 Krankengeschichten zur 
Disposition zu stellen. 

I. Fall, Sorin, Soldat, 23 Jahr alt, gut gebaut, jedoch anä¬ 
misch, klagt über allgemeine Schwäche, Appetitlosigkeit, Sera¬ 
klopfen und Ohrensausen. Pat. glaubt, dass alles dieses die Folge 
von Syphilis sei, hat jedoch nie ein syphilitisches Geschwür gehabt, 
so wie auch jetzt nicht. Es stammt aus einer gesunden Familie, ist 
ziemlich intelligent und hat sein Leiden begonnen, nachdem er kan 


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23 


Korber die Broschüre des Dr. Rosenblum über «Onanie» und 
über «Syphilis* gelesen. Die cntane Sensibilität ist nngleichmässig 
erhöht. Linkerseits ist die Reizbarkeit der Haut auf Nadelstiche 
und thermische Eindrücke stärker, desgleichen das Kniephänomen. 
Die Pnpillen normal, reagiren gnt, Ptosis des linken oberen Augen¬ 
lides. Die Region des 3. und 7. Brustwirbels ist druckempfindlich. 
In der Richtung des linken Ureters Empfindlichkeit. Häufiger 
Harndrang (10—15 Mal am Tage und 8 Mal in der Nacht). Der 
Harn klar, blass, schwachsauer, specif. Gew. 1014—1018; beim 
Stehen kein Niederschlag, weder Eiweiss noch Zucker vorhanden. — 
Es wird dem Pat. Natron bromat. <3ß zur Nacht verordnet und Ferr. 
carbonic. 3 Gran, Chinin sulfuric. und pulv. rad. Rhei ^ 1 Gran, 
2 Mal tägl. Ferner Morgens und Abends ein Douche von + 
16-12° R. 

Pat. schlief schlecht und sah im Traume Weiber, die ihn zu sich 
lockten und, wie er angab, wahrscheinlich krank waren, so dass 
er erschrak, aufwachte und von 2 Uhr an nicht mehr einschlafen 
konnte, aus Angst vor diesen Gästen. Am folgenden Morgen ist die 
Temp. normal, Pat. matt, verdriessHch, da er das Unmotivirte seiner 
Hallucinationen einsieht. Bis zur Morgenvisite des Arztes hat er 

4 Mal mit Schmerzen in der Glans, in der linken Inguinalregion und 
lii&s vom Nabel, urimrt. Der Gan$ leicht ataktisch. Die elektri¬ 
sche Untersuchung giebt kerne positiven Resultate, nur ist die fara- 
dische Erregbarkeit der Haut erhöht. Die folgende Nacht wieder 
unruhig, Pat. verlangt inständig auf «Syphilis» behandelt zu werden. 
—8 Tage vergingen bei der oben angegebenen Behandlungsmethode, 
ohne jeglichen Erfolg, Pat. schlief schlecht, war düster und in sich 
gekehrt. Da wurde zum Chin. bihydrobr. gegriffen. Pat. erhielt 

5 Gran davon am Tage und eine gleiche Dosis zur Nacht, die frühere 
Medication wurde weggelassen, Pat. schlief die nun folgende Nacht 
besser, urinirte nur 3 Mal, viel reichlicher und leichter. Er fühlt 
sich wohler, sitzt jedoch noch den Tag über theilnahmslos auf seinem 
Bette. Die folgenden 5 Abende erhält er je 5 Gran des Mittels und 
das Resultat davon ist, dass er die ganze Nacht durch schläft, Nachts 
gamicht und am Tage nicht mehr als 4 —5 Mal urinirt. Die Träume 
sind weniger lebhaft. Das Kniephänomen und die Hautreflexe sind 
geringer. Nun wird das Mittel wieder weggelassen und Douchen 
wie aueh Eisen verordnet. Die Anämie vergeht und nach 3 Wochen 
wird Pat. vollständig gesund entlassen. Im Verlaufe des Hospital¬ 
aufenthaltes hat Pat. nur 2 Grm. (c. <3ß) Chinin, bihydrobromat. ver¬ 
braucht. 

II. Fäll . M. 8., Officier, 23 Jahr alt, Wuchs hoch, Ernährungs¬ 
zustand gut. Pat. klagt über Schwäche in den unteren Extremi¬ 
täten, Kreuzschmerzen, starkes Herzklopfen, Impotenz und Samen¬ 
ausfluss. Er will seit 2 Monaten leidend sein und zwar in Folge 
von Onanie, die er vor 9 Jahren als 14jäbriger Knabe geübt. Der 
Gang ist so erschwert, dass man Anfangs Verdacht auf Tabes hatte, 
jedoch zeigte sich bei der durch Dr. Steinberg vorgenommenen 
Untersuchung deutlich der Charakter des Leidens. Während näm¬ 
lich die Pupillen untersucht wurden, verfiel Pat. plötzlich in den Zu¬ 
stand der Hypnose, die in Katalepsie überging, aus weicherer 
leicht erweckt werden konnte. Es wurden kalte Douchen (14° R.), 
2^Mal täglich und Tinctura anrantior. comp, und Tinct. Rhei Darelii 
m 2 Mal tägl. 1 Theelöffel voll (zur Hebung der Verdauung) ver¬ 
ordnet. Unter dieser Behandlung trat bald Besserung ein, der Gang 
wurde wieder sicher, die Schwäche und Kreuzschmerzen vergingen, 
das Herzklopfen quälte jedoch den Pat. andauernd, besonders Nachts, 
auch bielton schmerzhafte Erectionen und Pollutionen an. Nun 
wurde Chin. bihydrobr., verordnet, zu 4 Gran Morgens und 8 Gran 
Abends. Nacü 3 Tagen konnte man die Dosis bereits auf 5 Gran, 
nur Abends gegeben, verringern, während die Douchen fortgesetzt 
wurden, das Herzklopfen und die schmerzhaften Erectionen hörten 
innerhalb 9 Tagen auf, nachdem 80Gran (5,0 Gim.) des Mittels ver¬ 
braucht worden. Pat. geheilt entlassen. 

III. Fall. Amalie J., 41 Jahr alt, Gutsbesitzerin, litt seit län¬ 
gerer Zeit an Störungen des Nervensystems, hysterischen Charak¬ 
ters. Sie ist bereits seit 15 Jahren darauf behandelt worden, bald 
ging es besser, bald schlechter, ganz gesund hat sie sich w&rend 
dieser Jahre nie gefühlt. Zu den bisherigen Erscheinungen 
(Schwäche, Unlust, Schlaflosigkeit, unbestimmte Schmerzen und 
Druck in der Herzgegend etc.) gesellten sich seit dem August a. c. 
Durst, saures Aufstossen, beständige Uebelkeiten nach jeder war¬ 
men Nahrung. Verschiedene Mittel dagegen, wie Elektricität und 
Hydrotherapie brachten nnr vorübergehende Besserung. Am Besten 
fühlte Pat. sich noch beim Gebrauch von Pillen aus Eisen und Brom¬ 
kali (3 Mal täglich je 2 Gran). In letzter Zeit vertrug sie das Eisen 
jedoch nicht mehr, selbst nach geringen Dosen desselben traten 
Herzklopfen und Erregung ein. Wiederholte Untersuchungen und 
Ausspülungen des Magens Hessen an demselben keine pathologischen 
Veränderungen entdecken. Die Zunge ist rein, jedoch Neigung zur 
Stufalverstopfung (Atonie des Darmes). Am 16. August wird der 
Pat. Chinin, bihydrobromat. 16 Gran pro die (je 3stündlich 4 Gran) 
verordnet und gleichzeitig eine gürtelförmige Compresse öchauffante. 
Als Diät: Milch, kaltes Roastbeaf, Eier, Portwein mit Sodawasser 
oder gewöhnUchem Wasser. Im Verlaufe der 2 folgenden Tage 
bleibt die Uebelkeit aus, das Aufstossen hört auf. Nun wird die 
Dosis auf 5 Gran 2 Mal tägl. herabgesetzt, bei gleicher Diät. Nach¬ 
dem Pat 3jß <6 Grm.) unseres Mittels verbraucht, zeigt sich auch 
nach Genuss warmer Speisen keine Uebelkeit mehr. Nunmehr wird 


I zu Douchen und Aqua fern nervina übergegangen. Seither findet 
Pat. sich bis zum heutigen Tage (November 1884) vollkommen wohl. 

Die eben dargelegten Erfolge haben mich za dieser Mit¬ 
theilung bestimmt» da es doch scheint, dass die chemischen 
Eigenschaften des Chinin, bihydrobromatum eine intensi¬ 
vere therapeutische Wirkung bedingen» als wenn man Chi¬ 
nin- und Bromverbindungen einzeln verordnet» selbst in 
grösseren Gaben, so z. B. hatten Natron bromat. 5 ß c. 
5—10 Gran Chinin, muriat. nicht die therapeutische Wir¬ 
kung» wie & Gran Ghininum bihydromatum.,;^ 


Die Curperiode 1884fin Pjatigersk* 
dB vonS 

Dr. Heyfelder, Oberarzt des Müitärhospitals daselbst.'CH 
- 1 

Um mit den Witterungsverhältnissen, als der Vorbedingung und 
Basis der Badesaison zu beginnen, so muss vor Allem constatirt 
werden, dass dieser 8ommer der ungünstigste des letzten Jahrzehnts 
von 1874—1884 inol. gewesen ist und zwar nicht nur nach dem all¬ 
gemeinen Urtheil der Aerate und der Bewohner, sondern auch nach 
den genauen von Herrn Sibin officieU angesteUten und nach dem¬ 
selben Schema seit Jahren pnbUcirten 4 ) meteorologischen Beobach¬ 
tungen. Dieselben erstrecken sich auf Mittel, Maximum und Minimum 
der Lufttemperatur nach Celsius, Bewölkung, vorherrschende 
Winde, Niederschlag per Millimeter und Regentage. Die Monate sind 
nach dem neuen d. h. in der ausserrussischen Welt herrschenden Ka¬ 
lender gerechnet, wodurch sie mit den in Tiflis, Petersburg gemach¬ 
ten Beobachtungen und mit der gesammten internationalen Meteo¬ 
rologie in Uebereinstimmung bleiben. Da aber Eröffnung und Schluss 
der Saison, Verzeichniss der Ankommenden, so wie Rechnungsfüh¬ 
rung der Einnahmen und Ausgaben nach dem alten Kalender, der in 
Russland herrschenden Zeitrechnung, berechnet werden, so findet 
sich in allen Berichten über unsere kaukasischen Bäder, auch in 
dem officiellen diesjährigen in J 4 19 des JIhctok'B abgedruckten die 
Incongruenz der meteorologischen und der übrigen Zeitangaben, in¬ 
dem diese hinter jener um die bekannten 12 Tage zurückstehen. 

Auch dieser Bericht behält diese herkömmliche Differenz bei. 


Tabelle der meteorologischen Beobachtungen zu Pjatigorsk. 


Monate u. 
Jahr nach 
neuem 
Styl. 

Lufttemp. n. Celsius 

© ( 

© 

"Ö 

tD 

tD 

© , . 

Heitere Tage.l 

+ 

9 

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« 

1882 

Mai 

+14.3 

+25,6 

+ 6,5 

715,0 

0 

6,8 

140,9 


16 

Juni 

+ 18,8 

+28,7 

+ 8,6 

714,8 

w 

5,6 

84,8 

— 

12 

Juli 

+23,0 

+33,1 

+ 15,1 

714,4 

0 

3,8 

27,5 

— 

4 

August 

+23,1 

+ 35,0 

+14,6 

714,8 

0 

3,6 

6,0 

27,4 

— 

5 

September 

+16,0 

+35,21 

+ 4,0 

717,8 

0 

98,3 

— 

12 

Mittlere 

Zahl 

1883 

Mai 

+19,0+31,5 

+ 9,8 

715,4 

*/• 0 

5,0 

378?9 


49 

+ 15,9 

H 

[-25,0 

+ 6,7 

714,9 

0 

4,8 

62,4 


11 

Juni 

+19,0 

H 

[-29,3 

+11,9 

714,6 

0 

6,7 

118,9 

— 

13 

JuH 

+24,0 

■J 

-36,3 

--16,2 

714,7 

0 

4,3 

53,4 

_ 

7 

August 

+21,6 

H 

1 - 35,5 

--10,5 

1 715,4 

0 

3,9 

66,51 

— 

7 

September 

+16,8 

H 

28,2 

+ 8,7 

1 718,4 

0 

5,1 

4,3| 

— 

5 

Mittlere 

Zahl 

1884 

Mai 

+ 19,5 

+30,9 

+ 10,8 

715,6 

0 

4,8 

305*6* 
’ | 

— 

43 

+19,4 

+ 29.4 

+ 1,5 

716,6. 

0 

5,3 

37,8 

6 

12 

Juni 

+18,7 

+ 28,4- 

+13,1 

714,1 

w 

6,1 

4,3 

28,3 

3 

13 

Juli 

+21,3 

+ 33,7- 

-12,0 

714,7| 

w 

57,4' 

9 

10 

August 

+ 19,8 

+32,1- 

-11,8 

715,3 

0 

5,2 

38,0| 

6 

10 

September +12,0| 

+ 23,4 

+ 2,9 

717,6 

0 

5,6 

72,5| 

5 

12 

Mittlere 

Zahl 

+ 17,6 

+ 29,4- 

+ 8,2 

1 

715,61 */»0 

5,3 

234 , 0 ! 

29 

57 


Wir sehen aus der vorstehenden Tabelle, dass der Mai, welchem 
in diesen Breiten gewöhnlich schon zwei Frühlingsmonate vorausge¬ 
hen, dessen mittlere Lufttemperatur sonst + 15,0, zuweilen +16,8 
beträgt, es nur zu einer Durchschnittswärme von +13,4 brachte, 
somit der kühlste Mai innerhalb 11 Jahren war. Das Minimum von 
+1,5 wurde nur einmal in der genannten Zeitperiode und zwar anno 
1876 übertroffen, wo im Mai die Temperatur einmal bis + 1,0 saok. 
Im Verlauf des ganzen diesjährigen Wonnemonats kamen nur 6 hei¬ 
tere, dagegen 12 Regentage vor. 

Während nun der Mai hier zu Lande wie in Gesammteuropa tradi¬ 
tionell «kühl und nass» zu sein pflegt, wogegen gewöhnlich die 
eigentlichen Sommermonate heiss, der Herbst schön und trocken ist, 


4 ) Cf. npmoseHie i% äectkj w nocfeT. KaBBascE. MEHep. 
bo*t>, OTb 18 CeHTflöpz 1883 ro*a, J 4 20 . 

3 * 


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24 


so übertraf 1884 der Monat Juni seinen Vorgänger (den Mai) noch 
an Regentagen (13) und hatte nur 3 sonnenhelle Tage aufzuwei- 
sen. Die mittlere Temperatur blieb mit + 18,7 unter dem Durch¬ 
schnitt +1^,7, wogegen in günstigen Jahren viel höhere Mittel¬ 
temperaturen des Juni vorkamen, wie z. B. 1883 mit -f- 19,0, anno 
1875 mit + 20,5 und 1876 sogar mit + 22,3. 

War bei solcher Witterung und solchen Temperaturverhältnissen 
das Baden in den heissen Schwefelbädern von Pjatigorsk eine pre¬ 
käre Sache, so gestaltete sich in dem hoher gelegenen, waldreichen 
Shelesniwodsk (Eisenbrunn) der Anfang der Saison noch ungünsti¬ 
ger. Um von den zahlreichen catarrhalischen Affectionen der Athem- 
Organe zu schweigen, so war es auffallend, dass in Pjatigorsk wie 
Shelesniwodsk ganz gegen die Gewohnheit schon in dieser Periode 
des Jahres Erkrankungen am kaukasischem Wechselfieber vorka¬ 
men. Viele Badegäste konnten die Cur erst verspätet beginnen, 
andere waren genOthigt sie zeitweilig zu unterbrechen. 

Der wärmste für die Badecuren günstigste Monat war der Juli mit 
einer Lufttemperatur von durchschnittlich + 21,3 Celsius, einem 
Maximum mit -f- 33,7 und einem Minimum von +12,0, mit 9 son¬ 
nenhellen und 10 Regentagen. Da jedoch diese Regen vorzugsweise 
warme, schnell vorübergehende Gewitterregen waren, so kann der 
Monat Juli als ein schöner, warmer, gesunder und der Badebehand¬ 
lung günstiger Monat angesprochen werden. Derselbe hat auch die 
grösste Frequng von Curgästen und die höchste Zahl von genomme¬ 
nen Bädern auffcuweisen. 

Vom 1. August an trat wieder ein Umschlag der Witterung zum 
Schlimmen ein. Immerhin hielt sich die mittlere Temperatur dieses 
Monats noch auf + 19,8, das Maximum auf + 32,1, das Minimum 
auf +11,8 mit 6 heiteren, 10 Regentagen. Die ungünstigen, nass¬ 
kalten Tage besonders im Anfang August veranlassten nicht wenige 
Curgäste ihre Cur vorzeitig abzubrechen und dieselbe entweder in 
der Krim fortzusetzen oder schon definitiv nach Hause zurückzu- 
kehren, während sonst der August ein Hauptmonat der Saison war 
bei durchschnittlich + 21,0 { anno 1882 sogar + 23,1 mittlerer Luft¬ 
temperatur und einem Maximum von durchschnittlich (in zehn Jah¬ 
ren) -f- 32,0, anno 1882 sogar von+35,0, anno 1883 von + 35,5 
Wärme. Dieser Monat ermöglichte sonst die so beliebten grösseren 
Ausflüge in die nähere und fernere Umgebung und die Bergbestei¬ 
gungen wie z. B. des Besch tan, des Bermamuth, das Befahren der 
grusinischen Heerstrasse. Wenn auch das Publicum im Ganzen 
weniger solche Excursionen machte, so bestieg trotz des keineswegs 
günstigen Wetters, Dr. Pa wlo w aus St. Petersburg, Gruppenarzt 
von Kisslowodsk, den Elborus, einen der berühmten Riesen des Kau¬ 
kasus. 

im September sank die Temperatur definitiv und dauernd bei vie¬ 
lem Regen (12 Tage) und wenig Sonnenschein (5 Tage) auf eine 
Mitteltemperatur von +12,0, mit einem Maximum von + 23,4 und 
einem Minimum von +2,9, so dass viele Curgäste nicht mehr im 
Stande waren zu baden und die Saison ein frühzeitiges Ende nahm 
und zwar eigentlich an den meisten Gruppen schon ehe der officielle 
Schluss ausgesprochen wurde, was für Essentuki anfangs, für Sheles¬ 
niwodsk und Kisslowodsk Mitte und für Pjatigorsk Ende September 
eintrat. 

Die Tabelle der letzten zehn Jahre zeigt für September eine mitt¬ 
lere Lufttemperatur von +16,0, für das Jahr 1878 sogar +19,3. 
Das durchschnittliche Maximum der zehnjährigen Periode ist + 30,0, 
anno 1882 sogar +35,2. Das diesjährige Minimum wurde jedoeh 
vom September 1875 mit + 0,5 übertroffen, wogegen 1883 der Sep¬ 
tember ein Minimum von +8,7 hatte. Während sonst das geschützt 
gelegene, sogar als klimatischer Curort angesprochene Kisslowodsk 
(8auerbrunn) an den Herbstregen wenig partidpirte und sich durch 
seinen beständigen, milden September zur Nachcur besonders eignete, 
war 1884 gerade auch Kisslowodsk vom Anfang des Monats an reg¬ 
nerisch und kalt, von Wechsel-Fiebern heimgesucht, so dass die Sai¬ 
son durch Mangel an Curgästen von selbst aufhörte vor dem offldel- 
len Schluss. Im Gegensatz zu diesem Vorkommniss blieben 1881 
und 1882 auch nach dem Schluss der Saison so viele Fremde, dass der 
Badepächter ihnen zu lieb die warmen Narsanbäder auch noch nach 
dem 16. September fortsetzen liess. 

Mi bleibt noch, auf die herrschenden Winde und ihren Einfluss 
hinzuweisen, pjatigorsk ist von Ostwinden am meisten heimge- 
suoht, die hier mie anders wo gutes Wetter bringen, jedoch 
keineswegs constant. Im vorigen Jahre wie anno 1878 herrschte 
während der 4 Sommermonate ausschliesslich Ostwind; nicht so 
1884, wo im Juni und Juli Westwinde überwogen. 

Die meteorologischen Beobachtungen, welche der Tabelle und 
der Statistik zu Grunde liegen, sind in Pjatigorsk selbst angestellt, 
wo sich seit Jahren die nöthigen Instrumente befinden und ein ge¬ 
übter Beobachter angestellt ist. Pjatigorsk ist der natürliche Vor¬ 
ort der vier Curorte, die einzige Stadt unter denselben und der Sitz 
der Behörden. Die meteorologischen Data haben für die anderen 
drei Puncte keine absolute Verbindlichkeit, da dieselben der Boden¬ 
beschaffenheit, der Lage und der Höhe nacn nicht unwesentlich diffe- 
riren. Gemeinsam ist allen vier Gruppen ihre Lage im Süden Eu¬ 
ropas, welche lange und harte Winter ausschliesst, und am nörd¬ 
lichen Abhang eines hohen Gebirges, welcher jähe Wechsel der Tem¬ 
peratur und der Wetterbeschaffenheit involvirt, ähnlich den Gegen¬ 
den am nördlichen Abfall der Alpen. 


Pjatigorsk, die Stadt der 5 Berge, mit etwa 14,000 Einwohnern, 
liegt 156ü' über dem Spiegel des Schwarzen Meeres am Fusse des 
Bergkegels Maschuka, eingekeilt zwischen diesem und dem soge¬ 
nannten heissen Berg, einem Product der örtlichen Schwefelthermen. 
Das Terrain ist steinig, mit wenig Humus bedeckt, entbehrt jeg¬ 
licher Brunnen, des Trinkwassers; der Pfianzenwuchs ist demgemäss 
spärlich und vertrocknet überdies Ende Juni, Anfang Juli unter dem 
Einfluss von Hitze und Winden. Denn die Stadt ist vielfach hef¬ 
tigen Winden ausgesetzt, welche theils durch die Schlucht zwischen 
obigen Bergen herabfahren, theils zwischen den beiden Bergen 
Beschtau und Meschuka hindurch mit dem Charakter eines Zug¬ 
windes blasen. Diese Luftströmungen treten plötzlich um Mittag 
oder um Sonnenuntergang auf, halten manchmal mehrere Tage an 
und steigern sich besonders im Spätsommer und Herbst zu wahren 
Orkanen; sie haben meistens starke Abkühlung der Atmosphäre 
zur Foige und sind für die Curgäste, namentlich beim Gebrauch 
heis8er Bäder, sehr gefährlich. Ihr ausnahmsweises Fehlen wäh¬ 
rend des diesjährigen September und October erklären zum Theil die 
anhaltenden Regen und Nebel während dieser beiden Monate in Pja¬ 
tigorsk selbst, während rings umher in der Steppe, wie im Gebirg, 
in Georgiewsk, in Kisslowodsk trockne helle Witterung herrschte. 

Die Kosakenstaniza Essentuki liegt etwas niedriger als Pjati¬ 
gorsk, obgleich aufwärts am Potkumokflüsschen, hat Steppenklima, 
gleichmässigeres Wetter, geringere Temperaturschwanknngen, be¬ 
sitzt Süsswasserquellen, reichere Vegetation, ist aber durch die Nähe 
von Sümpfen am Potkumok ein Fieberort, in dessen niedriger gelege¬ 
nen Theilen die Intermittens endemisch ist. Anstrocknen oder 
Canaiisiren dieser Sümpfe, wie Zuführung von gutem Triukwasser 
nach Pjatigorsk wären wohl die ersten Bedingungen eines rationel¬ 
len Betriebes der kaukasischen Mineralwasser. 

Kisslowodsk , ein Dorf mit Park und Villenvorstadt, liegt 2700 / 
über dem Meere, südlich von den beiden vorigen, in den Vorbeigen 
des Kaukasus an geschützter Stelle, von zwei Gebirgsflüsschen 
durchströmt, hat mildes Gebirgsklima und zeichnet sich vor Pjati¬ 
gorsk durch den wohlthuenden Feuchtigkeitsgehalt seiner Atmo¬ 
sphäre aus. Es scheint, dass in diesem Sommer in Kisslowodsk 
selbständige meteorologische Beobachtungen gemacht worden sind, 
deren Resultate mir jedoch nicht zu Gebote stehen. 

Shelesniwodsk , ein dürftiges Oertchen 2000 / über dem Meere, 
also höher denn Pjatigorsk, aher niedriger als Kisslowodsk, ist ran- 
her als beide vorgenannten Orte, waldreich, hält den Schnee lange, 
kann erst in der Hälfte Juni von Kranken bewohnt werden. Da es 
einerseits wenig Comfort besitzt, andererseits von Wald umgeben 
ist, so war es in diesem regnerischen Sommer düster, unfreundlich, 
vielfach auch ungesund und hatte unter allen Gruppen die kürzeste 
Saison. 

Was nun die Eröffnung und den Schluss der officiellen Curperiode 
an den 4 verschiedenen Gruppon betrifft, so halten wir uns an die 
Publication des „Ahctoki“ als des moniteur officiel des eaux mi« 
nörales du Causase und ersehen aus demselben, dass pjatigorsk mit 
seinen berühmten heissen und warmen Schwefelquellen dieses Jahr 
wie alljährlich am 1. Mai eröffnet, am 1. October geschlossen worden, 
mithin eine Curperiode von vier vollen Monaten besessen hat; Essen¬ 
tuki mit seinen herrlichen alkalischen Trinkquellen J\S 17 und J6 18, 
am 15. Mai eröffnet, am 1. September geschlossen, hatte ausnahms¬ 
weise eine Saison von 3-J- Monaten, welche durch die Anwesenheit 
S. E. des Generalgouverneurs von Moskau, Fürst Dolgoruki und des 
kaukasischen Gebietschefs und Obercommandirenden Fürst Donda- 
kow-Korsakow besonderen Glanz erhielt. Shelesniwodsk mit seinen 
warmen und kalten, schwach eisenhaltigen Quellen eröffnete seine 
Badezeit am 30. Mai und schloss am 15. September; in Kisslowodsk 
dauerte die Saison von 3. Juni bis 15. September, also nicht ganz 
3|- Monate. 

Der officielle Schluss der Saison an einem der 4 Badeorte hat so 
viel zu bedeuten, dass an den Quellen nicht mehr getrunken wird 
und keine Bäder mehr verabfolgt werden. Zugleich reisen die für 
jeden Ort besonders angestellten Gruppenärzte ab; es werden die 
Aufseher und Aufseherinnen der Bäder entlassen, das untere Dienst¬ 
personal bis auf ein Minimum reducirt, die Personenpost eingestellt, 
die Telegraphenstation geschlossen, die Briefpostfilialen eingezogen. 
Die verschiedenen der Badeverwaltung unterstellten Gebäude wer¬ 
den geschlossen, Hotels und Restaurants gehen ein ; es bleibt nur in 
Pjatigorsk die Möglichkeit für Fremde ein entsprechendes Unter¬ 
kommen zu finden. In pjatigorsk bleiben auch die Nikolaibäder 
für Jedermann ohne Saisonbillete oder besondere Erlaubniss geöffnet 
und zwar zu vermindertem Preis, wovon das Publicum eineu ausgie¬ 
bigen Gebrauch macht, ln Essentuki dagegen beginnt sogleich 
nach Schluss des Trinkens und Badens die Füllung der Hauptquellen 
54 17 und 18 in Flaschen. Der Verkauf der Mineralwasser in 
Flaschen (Essentuki wasser, Narsan und Bitterwasser) ist ein nicht 
unbedeutender (52,931 in dieser Saison); namentlich auf den ver¬ 
schiedenen Gruppen (50,449), weniger durch Versandt im gesummten 
Reich (2582). Laut obigem Berichte war am 1. August mit 
Flaschenfüllnng zum Versandt angefangen worden. Am 1. Sep¬ 
tember waren 15,342 BouteiUen vorräthtig. 

(Schliss folgt.) 


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25 


Bücher-Anzeigen und Besprechungen. 

George Harley: Die Leberkrankheiten. Handbnehfür 
Aerzte und Studirende. Unter Autorisation des Verfassers 
deutsch herausgegeben von J. Kraus und C. G. Bot he. Mit 
2 Chromolithographien und 35 Holzschnitten. Leipzig 1683. 
Verlag von Ambr. Abel. 496 Seiten. Preis elegant gebunden 
15 Mark. 

(Schluss.) 

Das sehr fesselnd geschriebene Werk schliesst mit einem Capitel 
Uber praktische Winke zur Diagnose und Prognose der Leberkrank¬ 
heiten, in welchem der Autor die in seinem Werke Entwickelten An¬ 
sichten und Thatsacben in Kürze zusammenfasst, und von welchen 
ich für Diejenigen, welche nicht gewillt sein sollten, dieselben im 
Originale nachzulesen, hier das Wichtigste wiedergeben will. 

1) Sehr viele Leberkrankheiten sind erblich. Selbst viele von de¬ 
nen, die scheinbar zufällig erworben werden, wie z. B. Gallensteine, 
machen hiervon keine Ausnahme. 

2) Kinder sind denselben Forihen von Lebererkankungen ebenso 
zugänglich, wie Erwachsene; dies bezieht sich auch auf maligne 
Erkrankungen. 

3) Mehrere Leberaffectionen können bereits während des Uterin¬ 
lebens acquirirt worden sein : Missbildungen der Gallengänge, selbst 
Hydatiden, syphilitische und krebsige Tumoren, Hepatitis, Gallen- 
concremente. 

4) Schmerz ist ein constantes, wenn auch nicht immer dauerndes 
Symptom fast aller Formen von Lebererkrankung. 

5) Meistens schmerzlose Leberaffectionen sind: Hydatiden, Em¬ 
bolismus, fettige, amyloide oder syphilitische Leber. Aber selbst bei 
diesen können Schmerzen acut auftreten, wenn sie in Entzündung 
übergehen, oder wenn Hydatidencysten den Duct. comm. verstopfen. 

6) Die Art des Schmerzes. Bei Neubildungen, besonders ma¬ 
ligner Art, ist der Schmerz ein dumpfer, anhaltender, mit subacutem 
Charakter; bei Gallensteinen oder Entozoen, wenn sie die Gallen¬ 
gänge verstopfen, ein acuter, paroxysmenartiger; bei Hepatitis an¬ 
haltend und acut 9 und wenn die Kapsel, besonders der obere Theil 
derselben in Mitleidenschaft gezogen ist, wird der Schmerz ausser¬ 
dem durch’s Athmen verstärkt. Treten grässliche Leberschmerzen 
plötzlich auf, ohne Icterus, so ist die Ursache gewöhnlich eine Ver¬ 
stopfung des Duct. cystic. durch einen Fremdkörper. 

7) Man muss aber stets berücksichtigen, dass Leberschmerzen, 
selbst mit ausgesprochen kolikartigem Charakter, auch auf andere 
Ursachen zurückzuführen sein können, und zwar auf Nierensteine 
im rechten Nierenbecken oder im rechten Ureter, auf Pleurodynie, 
rechtsseitige Pleuritis, acute Gastritis, Duodenitis oder partielle 
Peritonitis. 

8) Schulterscbmerzen sind nach Harley kein markantes Symptom 
irgend einer Leberkrankheit. 

9) Unter den Lebervergrösserungen ist die rascheste Form von 
schmerzloser die Fettleber, welche dabei selten bis über den Nabel 
hinunterreicht. Die amyloide Entartung ist ebenfalls nicht mit 
Schmerzen verbunden, entwickelt sich aber sehr langsam und geht 
zuweilen bis an die Crista ilei. Die einzige übrige Form von 
schmerzloser Lebervergrösserung, ist die durch Hydatiden bedingte, 
welche mit den ersteren nicht leicht verwechselt werden kann, weil 
sie ungleichmässig und gewöhnlich auf den unteren Leberrand be¬ 
schränkt ist. 

10) Von den schmerzhaften Formen von Lebervergrösserung, wie 
acute und chronische Hepatitis, Gallenconcremente, Krebs, idiopa¬ 
thische und traumatische Abscesse* zeichnet sich die einfache Hepa¬ 
titis dadurch aus, dass die Leber selten unter den Nabel herabgeht. 
Bei bösartiger Erkrankung dagegen kann sie bis an die Crista ilei 
Teichen und hat meistens eine höckerige Oberfläche. Alle Formen 
▼on Hepatitis und Vereiterung sind von Fiebererscheinungen be¬ 
gleitet, während bei maligner Degeneration krebsige Kachexie auf- 
«Ult, und oft Heredität und Fehlen von Pyrexie vorliegt. 

11) Sehr bedeutende Lebervergrösserung mit subacuten Schmerzen 
deutet auf Medullarsarcom in der Leber. 

12 ) Ein vorgeschrittenes und erweichtes Leberencephaloid kann 
xier untersuchenden Hand das Gefühl von Fluctuation Vortäuschen, 
das leicht auf Abscedirung bezogen werden kann; bei ersterer ist 
aber stets krebsige Kachexie, bei letzterer rascher Puls, trockene 
Zunge bei hochgradigen Fiebererscheinungen vorhanden. 

13) Ferner wäre eine Lebervereiterung mit Hydatiden zu ver¬ 
wechseln, aber die suppurative Vergrösserung ist schmerzhaft auf 
Druck, ist begleitet von schweren Störungen des Allgemeinbefindens 
und wird ein Abscess niemals das s. g. Hydatidenschwirren wahr- 
. nehmen lassen. Eine vereiterte Hydatidencyste dagegen ist ziemlich 
einem Absceese gleich zu halten in Bezug auf Symptome und Be¬ 
handlung, gestattet aber eine günstigere Prognose. 

14) Alle chronisch entzündlichen, schmerzhaften Lebervergrösse- 
fungen sind unwandelbar von Atrophie gefolgt, vorausgesetzt dass 
der Kranke so lange lebt, bis der Druck des entzündeten und folg¬ 
lich hypertrophirten Bindegewebes auf die secernirenden Zellen ver¬ 
nichtend eingewirkt hat. 

15) Wenn auch der Suppressionsicterus nicht gerade selten ist, so 
ist doch der Obstructionsicterus viel häufiger, uuter dessen Ursachen 
Gallensteine das grösste Contingent stellen — ungefähr 58 Procent. 

16) In 90 von 100 Fällen, wo die Anamnese das Vorhandengewe- 
sensein von Icterus constatirt und der Patient über acute Schmerzen 


in der Lebergegend mit paroxysmenartigem Charakter klagt, liegen 
incarcerirte Gallensteine vor. 

17) Gelbsucht als Folge von in einem Gallengange festsitzenden 
Gallen concrement ist stets von Schmerz begleitet, der aber auch 
schon vor dem Icterus bestanden hat. 

18) Gallensteine,, und noch dazu sehr grosse, mögen Jahre lang 
in der Blase liegen, ohne die geringste Störung zu verursachen. 

19) Incarceration von Gallensteinen im Duct. cystic. kann wohl 
die grässlichsten Schmerzen, Erbrechen, Fieberbewegungen u. s. w., 
aber niemals Icterus erzeugen; dieser tritt erst auf, wenn die Incar¬ 
ceration im Duct. comm. und zwar, derart ist, dass absolut keine 
Galle in den Darm gelangen kann. 

20) Sofort nach dem Uebertritt eines im Duct. comm. incarcerirt 
gewesenen Steines in den Darm wird der Stuhl dunkel, gallig. 

21 ) Die durch Gallensteine drohenden Gefahren sind nicht immer 
schon mit der Austreibung der ersteren aus der Blase oder den Gal¬ 
lengängen vollkommen beseitigt; viel hängt dabei von dem Wege 
ab, auf dem sie entleert werden, und selbst nach der Entleerung de« 
Steines mit dem Stuhl ist noch die Gefahr eines Verschlusses des 
Duct. comm. nicht ausgeschlossen, wenn nämlich die Beizung des 
Orificium duodenale durch den passirenden Stein so bedeutend war, 
dass eine adhäsive Entzündung oder Geschwürsbüdang zustande 
gekommen ist, welche im weiteren Verlaufe zur Stricturirung oder 
Narbenbildnng an dieser Stelle führt. 

22) Man muss sich hüten, mit einem solchen Verschlüsse des Duct. 
comm. durch Narbenbildung die blosse Verstopfung desselben durch 
einen Gallenstein zu verwechseln, da in beiden Fällen Prognose und 
Therapie ganz verschieden sind. Wenn nach dem Abgänge eines 
incarcerirten Gallensteines der Icterus für kurze Zeit zurückgeht, 
dann aber allmälig und ohne Schmerzen wieder zunimmt und perma¬ 
nent wird, handelt es sich in 9 Fällen unter 10 um einen solchen 
permanenten, lebensgefährlichen Verschluss des Duct. comm. Kommt 
das Letztere zu Stande, so wird in der Kegel die Ausgangsöffnung 
des Pankreas ebenfalls mit in die Vernarbung hineinbezogen, wo¬ 
durch dann die Differentialdiagnose wesentlich erleichtert wird, da 
der Fettüberzug der abgekühlten Entleerungen das Fehlen des pan- 
kroatischen Saftes anzeigt. 

23) Ein Concrement verdickter Galle lässt sich von einem Gallen¬ 
stein schon durch die Gestalt, aber auch dadurch unterscheiden, dass 
es in Pulverform gebracht nach Zusatz von concentrirter Salpeter¬ 
säure eine purpurrothe Farbe annimmt. 

24) Wenn bei Icterus der Stuhl mit einem Male die Thonfarbe ver¬ 
liert, so ist die Ursache der Gelbsucht entweder ein Gallenconcre- 
ment oder ein Entozoon gewesen, wodurch der Duct. comm. verstopft 
wurde. Dieser Verschluss kommt durch Entozoen langsamer zu 
Stande als durch Gallensteine, aber schneller als durch Neoplasmen 
oder Vernarbung eines Duodenalgeschwürs. 

25) Plötzliches Auftreten von Gelbsucht ohne Schmerzen und ohne 
andere nachweisbare Ursache ist wahrscheinlich durch Druck einer 
Hydatidencyste auf den Duct. comm. zu Stande gekommen. 

26) Ausgesprochener permanenter Icterus wird nicht blos von ma¬ 
lignen Neoplasmen des Lebergewebes, sondern auch von derartigen 
Neubildungen der Nachbarorgane hervorgebracht, welche durch ihre 
Lage im Stande sind, die GaMeaf Inge derart zu comprimiren, dass 
keine Galle in den Darm abfliessen kann. Die Differentialdiagnoso 
ist schon deswegen leicht, weil Icterus durch degenerirte Nachbar¬ 
organe nur sehr langsam zu Stande kommen kann und inzwischen 
die charakteristischen Symptome der Neubildungen in den befalle¬ 
nen Organen deren Diagnose und LocaHsationsbestimmung ermög¬ 
licht haben. 

27) Incarcerirte Gallensteine, besonders wenn sie durch Ulcera- 
tion ihren Ausweg suchen, werden häufig mit Krebs verwechselt. 

28) Sehr selten kommen auch Fälle vor, wo Obstructionsicterus 
durch Vergrösserung der Drüsen in der Portalspalte zu Stande ge¬ 
kommen ist; fast alle diese Fälle waren von Ascites begleitet; eben 
so selten wird Stauungsicterus durch Ansammlung von Fäcalmassen 
in der Flexura coli dextra bedingt. 

29) Die Gegenwart von Gallensäuren im Urin ist in allen Fällen 
von Icterus ein deutlicher Beweis, dass fertige Galle reabsorbirt 
wird, daher die Untersuchung darauf stets mit der grössten Sorgfalt 
gemacht werden soll. 

30) Wo es sich um die Differentialdiagnose zwischen den beiden 
Formen von Icterus handelt, berücksichtige man besonders Folgen 
des: Suppressionsicterus kommt vor bei allen Formen von Hepatitis- 
und in vielen Fällen von Leberatrophie; dabei können dunkle, selbst 
gallig aussehende Entleerungen Vorkommen, welche Färbung aber 

I nicht von Galle, sondern von Blut herrührt, wie dies auch bei conta- 
giöser Gelbsucht und acuter Leberatrophie der Fall ist. In nahezu 
allen übrigen Fällen handelt es sich um Obstructionsicterus, dessen 
Ursachen wiederholt angeführt wurden. 

31) Die procentuale Häufigkeit des Icterus bei Leberaffectionen 
ist folgende: bei Gallensteinen 99% , bei chronischer Leberatrophie 
90%, bei Leberabscessen 70%, bei Leberhyperämie 30% (geringer 
Icterus), bei Leberkrebs 6%, bei Hydatiden 2%, bei amyloider und 
fettiger Degeneration der Leber 1 % und auch dann blos eine leichte 
Verfärbung; stets ist bei letzteren die Hautfarbe schmutzig grau. 

32) Suppressionsicterus ist immer mit schweren Allgemeinerschei¬ 
nungen verbunden: War er durch Innervationsstörungen bedingt, 
so kommen Himerscheinungen dabei vor. Das Gleiche gilt vom 
Icterus in Folge acuter oder subacuter Atrophie. Liegt eine Blut- 


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Vergiftung zu Grande, dann sind heftige Fieberbewegungen vor¬ 
handen. Bei durch Hepatitis bedingtem Icterus kommen acute all¬ 
gemeine Entzündungssymptome vor. 

33) Veränderungen in der Intensität des Icterus kommen bei per¬ 
manenter Dauer desselben häufig vor, ohne dass dem eine besondere 
Bedeutung beizumessen ist. 

34) Oedem der unteren Extremitäten und Erweiterung der Abdo¬ 
minalvenen kommt bei einfachen Fällen von Abscessen, Hydatiden, 
Gallensteinen, Krebs, fettiger und amyloider Degeneration und an¬ 
deren Formen von Parenchymerkrankungen der Leber nicht vor. 
Ausnahmen hiervon können eintreten, wenn ein äusserer wesent¬ 
licher Druck auf die Vena cava ascendens ausgeübt wird. 

35) Das Vorkommen Einer Art Lebererkrankung schliesst nicht 
aus, dass gleichzeitig auch andere Erkrankungen der Leber vorhan¬ 
den sind. 

36) Der rechte Leberlappen wird öfter krankhaft afftcirt, als der 
linke. 

37) Bei Lebergeschwülsten zweifelhafter Natur, namentlich wenn 
sie Fluctuation zeigen, wird die Explorativpunction am ehesten zur 
Sicherstellung der Diagnose führen. 

38) Eine einmal entleerte Hydatidencyste füllt sich nie wieder, da¬ 
gegen sind vereiternde Hydatiden immer gefährlich, aber enden nicht 
immer tödtlich. 

39) Kranke mit malignen Tumoren sterben innerhalb eines Jahres 
von aem Momente, wo die krebsige Kachexie bemerkbar wird. 

40) Wenn beim Obstractionsicteras auch nur von Zeit zu Zeit die 
aufgestante Galle sich in den Darm ergiessen kann, so gestaltet 
sich der Fall zu einem verhältnissmässig günstigen. 

41) Acute Abscesse sind im gemässigten Klima ebenso gefährlich, 
als im tropischen und enden in den meisten Fällen tödtlich; eine 
rechtzeitige Eröffnung bietet nocb die meisten Chancen. Dagegen 
können chronische Abscesse jahrelang bestehen und bei günstigem 
Durchbrache sogar heilen; bei Durchbrach in ungünstiger Weise 
(Lungen, Peritonäum u. s. w.) führen sie rascher oder langsamer 
zum Tode. 

42) Acute Leberatrophie muss nicht unbedingt zum Tode führen. 

43) Tyrosin und Leucin im Urin deuten stets auf Leberatrophie. 

44) Wenn nach Darreichung von Benzoö im Urin Hippursäure 
nachweisbar ist/so darf man mit Sicherheit annehmen, dass zum 
Mindesten ein ülieil des Lebergewebes noch regelmässig functionirt. 

45) Das Erscheinen von Zucker im Urin bei permanentem Icterus 
deutet auf ein baldiges letales Ende, ebenso machen centrale Sym¬ 
ptome bei Leberkrankheiten die Prognose ungünstig. 


Eine detaillirte Besprechung der in manchen Stücken eigenartigen 
Therapie Harley’s bei Leberkrankheiten würde uns zu weit führen 
und müssen wir in dieser Beziehung auf das Original selbst ver¬ 
weisen. Es steht nur zu hoffen, dass dieser fremdländischen Arbeit 
bald auch eine maassgebende deutsche gegenübergestellt werden 
könnte, indem v. Frerichs nach Veröffentlichung seiner langjähri- 

f en Studien über den Diabetes jetzt wohl Zeit finden dürfte, 'seine 
Erfahrungen über Leberkrankheiten in einer neuen Auflage seines 
vor 26 Jahren erschienenen berühmten Werkes niederzulegen. 

Jalan de la Croix. 

Prof. J. Skworzow: Curaus der praktischen Hygiene 
für Studenten, Aerste und öffentliche Sanitätsinstitutionen. 
Abth. I.: Sanitäts-Statistik und -Geographie. Lieferung 1. 
Warschau. Kowalewski, 1884. (Rypc?» npasTnuecsoft m- 
rieHH. Otßfkx’b I.: CaeimpHag ct&thcthb& h reorpadrin.) 
480 Seiten, nebst einer farbigen graphischen Tabelle. — Preis 
2 Bbl. 50 Kop. 

Das vorliegende Buch ist nicht nur als russische Originalarbeit zu 
begrüs8en, sondern auch als ein in durchaus neuer Art und Weise 
angelegtes Handbuch der Hygiene, welches namentlich die prakti¬ 
schen Gesichtspuncte berücksichtigen will. Vf. legt uns in der Vor¬ 
rede folgendes Programm dar: In der vorliegenden wie auch in der 
demnächst erscheinenden 2. Lieferung der ersten Abtheilung will 
Vf. die Sanitätsstatistik und die Ursachen der vorzeitigen Sterblich¬ 
keit eingehend einer Besprechung unterwerfen; die 2. Abtheilung 
des Werkes soll die physiko-ohemiscben und biologischen Methoden 
der hygienischen Forschungen enthalten. Die 3. Abtheilung soll die 
Sanitätsgesetzgebung, Organisation und Controle des Sanitätswesens 
behandeln. Wir sehen also, dass Vf. eine Reihe gerade solcher 
Fragen, die meist garaicht oder nur beiläufig in den Handbüchern 
der Hygiene behandelt werden, zu seinem Hauptthema anserwählt. 
Einen besonderen Werth erhält das Buch dadurch, dass Vf. das stark 
angewachsene, aber in einzelnen Journalen und Brochüren zer¬ 
streute Material der russischen hygienischen Literatur sorgsam be¬ 
nutzt. Den Inhalt der 1. Lieferung bilden folgende 6 Gapiiel: Die 
statistische Methode, Statik des menschlichen Körpers und dessen 
Wachsthum, Dynamik (Stoffwechsel und Kräfte) des menschlichen 
Körpers, die Statik der Bevölkerung, die Dynamik (Bewegung) der 
Bevölkerung und die Mortalität und Morbilität. Als Anhang giebt 
Vf. eine der bekannten König’sehen sehr ähnliche graphische, 
farbige Tabelle, welche die Zusammensetzung und ^ erdaulichkeit 
der Hauptnahrungsmittel darstellt. 

Soweit wir nach Durchsicht der ersten Lieferung urtheilen kön¬ 
nen, verspricht das S,’sche Werk recht inhaltreich zu werden, na¬ 
mentlich findet man nirgends so vollständige Daten über die Morta¬ 


lität in Russland und über die geographische Verbreitung [der In- 
fectionskrankheiten. Bezüglich der Morbilität müssen wir jedoch 
eine kleine Bemerkung machen: Die vom Vf. über Petersburg ge¬ 
brachten Ziffern sind viel zu gering, weil sie aus unseren grossen 
Spitälern stammen, deren statistische Daten bisher mannigfachen. 
Verhältnissen unterworfen waren und lange nicht alle (nicht einmal 
die schwersten) Scorbutfälle in die Statistik gelangten. — Zum 
Schluss möchten wir noch auf die beiden Capitel: Struma und Lepra 
aufmerksam machen, die interessante Zusammenstellungen über 
Russland enthalten; bezüglich der Lepra scheint jedoch dem Vf. die 
Bergmann’sehe Monographie unbekannt geblieben zu sein. Mit 
Interesse erwarten wir die weiteren Lieferungen, die hoffentlich 
nicht zu lange auf sich warten lassen. P. 

H a r t i g a n: The lock-jaw of inf&nts (Trismus nascen- 
tium). New-Tork, Birmingham 1884. kl. 4°. 123 S. 

Verf. wärmt in diesem Schrifteben die vor einigen 30 Jahren von 
Marion Sims aufgestellte Ansicht auf, dass der Trismus neona¬ 
torum von einer Depression der Hinterhaupts- und Scheitelknochen, 
consecutivem Drucke und Reizung der hinteren Lappen abhänge. 
Nach einer literärischen Einleitung führt er ungefähr 50 eigne Fälle 
an, welche er mit Reposition der betreffenden eingedrückten Knochen 
und späterer geeigneter Lagerung des Kopfes behandelte. Ob über¬ 
all die Knochen deprimirt, ist nicht zu ersehen, von den 50 so be¬ 
handelten Kindern genasen nur 5, die übrigen starben; die gesund 
gewordenen Kinder waren resp. 2, 3, 5, 8 Monate und 12 Tage alt* 
Fast alle Kinder litten an Darmcatarrhen. " Hz. 

Gustav Bohrend: Lehrbuch*[der Hautkrankheiten, 
(y ueÖHum» koshhxi» öojhsHet a jz npaueft h CTyaeHTOBT») nach 
der 2. Auflage in’s Russische übersetzt unter der Redaction des 
Dr. A.Pospelow, Oberarzt des Mjasnizki-Hospitals in Mos¬ 
kau. Mit 43 Zeichnungen im Text. Moskau, 1885. 608 Seiten, 
Preis 3 Rbl. 50 Kop. 

Die vorliegende Uebersetzung des B e h r e n d ’schen Handbuches 
ist eine durchaus glückliche zu nennen, obgleich man sich dabei auf 
ein einfaches Uebertragen ins Russische beschränkt und keinerlei 
Anmerkungen dazugesetzt. Für Diejenigen, die sich in kurzen Zü¬ 
gen einen Ueberblick über den gegenwärtigen Stand der Dermato¬ 
logie schaffen wollen, ist das B’sche Buch äusserst empfehlenswert 
und dabei der Preis der rassischen Ausgabe ein bedeutend niedri¬ 
gerer als des deutschen Originals. Die Ausstattung ist erfreulicher 
Weise eine vorzügliche. Moskau macht grosse Fortschritte. P. 


An die Redaction eingesandte Bücher und Druck- 
schritten. 

— Das Sauerstoffbedürfniss des Organismus. Eine 
farbenanalytische Studie von Dr. P. Ehrlich. — A. Hirschwald, 
Berlin 1885. 

— Je wi sh hygiene and diet, the talmud and va- 
ri ous other jewish writings heretofore untransla- 
ted by C. v. Klein. (Sep.-Abd. a. d. «Journal of the amerio. 
med. associat.». Septbr. 1884). 

— Wreden’g Sammlung Bd. X. Augenheilkunde und 
Ophthalmoskopie. Für Aerzte und Studirende bearbeitet von 
Dr. H. Schmidt-Rimpler. Mit 163 Abbild, in Holzschn. und 
1 Farbentafel. — Fr. Wreden, Braunschweig 1885. 

— Lehrbuch der patholog. Anatomie von Dr. Birch* 
Hirschfeld. 2. Aufl. 2. Bd. Specieller Theil. 2. Liefg. 
Mit 58 Abbild, im Text. —■ F. C. W. Vogel, Leipzig 1884. 

— Boletin de medicina M 5. 

— Arsberättelse(denfemte) fran Sabbatsbergs 8juk- 
hus i Stockholm for 1893. 

— Grundzüge der vergleichenden Physiologie u. 
Histologie von Dr. L. v.Thanhoffer. Mit 195 Holzschnitten. 

— F. Enke, Stuttgart 1885. 

— Bauet Wöchnerinnen-Asyle! Ein Ruf an Deutsch¬ 
lands Frauenwelt von Dr. Brennecke. — A. & R. Faber, Mag¬ 
deburg 1884. 

— Klinische Propädeutik. Ein Lehrbuch der klinischen 
Untersuchungsmethoden von Dr. B. Scheube. Mit 109 Abbild. 

— F. C. W. Vogel, Leipzig 1884. 

— Grundriss der Anatomie, Physiologie und Ent¬ 
wicklungsgeschichte des Menschen von Dr. A. Brass. 
Mit 66 Abbild. — F. C. W. Vogel, Leipzig 1884. 

— Revue de clinique m&dico-chirurgicale J# 3. 

— Zahnärztlicher Bote. 1. Jahrgang, AI 1. (rass.) 

— Tabes dorsuaüs cerebralis mit einer seltenen 
Veränderung im Kiefergelenk von Dr. A. N. Baba je w. 

— Tiflis 1884. (Sep.-Abd. a. d. Med. Sbor. Kaw. Ob. AI 39. (russ.). 

— Handbuch der speciellen Pathologie und The¬ 
rapie fürprakt. Aerzte und Studirende von Dr. H. Eichhorst. 
Mit Genehmigung des Autors übersetzt von Dr. N. E. Krusen- 
stern. 10. Lief. — C. Ricker, St. Petersburg 1884. (rass.) 

— Home again! a synopsis of a tour abroad by Ed. Brock. 

— St. Louis 1884. 


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Vermischtes. 

— Der Professor der Anatomie an der Wladimir - Universität in 
£4jew, Dr. W. ß e e z , ist nach Ansdiennng von 25 Jahren anf wei¬ 
tere 5 Jahre wiedergewählt worden. Der ansseretatmässige Prof, 
emer. Dr. K a r a w a j e w ist wieder als etatmässiger Professor der 
operativen Chirurgie an der Universität Kijew angestellt worden. 

— Znm Professor der pathologischen Anatomie in Leipzig an 
6telle de® verst. Prof. Cohnheim sollMedicinalrath Dr. Birch- 
Hircbfeldt, Prosector am Stadtkrankenhanse in Dresden, er¬ 
nannt sein. Vorgeschlagen waren gleichzeitig Prof. v. Beck- 
lingshatisen und Prof. Ziegler. 

— Dr. A. S c h m i d t, bekannt durch seine vielfachen Arbeiten 
auf dem Gebiete der Chirurgie, hat sich als Privatdocent der Chi¬ 
rurgie an der Moskauer Universität habilitirt. 

— Als Mitredacteure der von Prof. B o t k i n herausgegebenen 
und redigirten «Jeshenedeljnaja klinitscheskaja Gaseta» (Klinische 
Wochenschrift) sind die Professoren der militär-medicinischen Aca¬ 
demie Dobrowolski, Bystrow, Prnssak und L e b ed e w 
bestätigt worden. Die Leitung der Bedaction übernimmt der Pri- 
Vatdocent Dr. N. P. W a s s i 1 j e w. 

— Am 29. December a. pr. fand die Generalversammlung der 
medicinischsn Unterstützt nascasse statt. Das Capital derselben 
übersteigt bereits 200,000 Rbl. Das Verwaltungs-Comit6 besteht, 
nachdem einige Neuwahlen vorgenommen worden, gegenwärtig aus 
folgenden Gliedern: Prof.emer. Tschistowitscii (Präsident), 
N. M&monow (Vicepräsident), Bata 1 in (Kassirer), S o c h - 
n o w s k i (Secretär — neugewählt an Dr. E. S s o r o k i n ’s Stelle), 
8tark, Schreiber, Nasarewski und Prof. M a n a s - 
nein (Comitömitglieder). 

— Verstorben: 1) ln St. Petersburg am 19. December a. pr. 
der Militärarzt Kalabanowitsch, zugleich Arzt an der Heil¬ 
anstalt der Dreifaltigkeitsgemeinschaft barmherziger Schwestern. 

2) In Birjutsch Dr. Wosnessenski im Alter von 103 Jahren. 

3) In Moskau Dr. E i n h o r n. 4) In Tomsk der ältere Arzt des 
dortigen Reserve Bataillons A. C h o c h r j a k o w. 5) In Schaulen 
der Militärarzt Dr. D a u k s c h a. 6) In Kasan der Ordinator am 
dortigen Landschaftshospital Koschinski. 7) Der ältere Arzt 
des iQasanschen RegimentsSchpiljawski. 

— Die von N. W i 1 k i n hierselbst herausgegebene «Medizinskaja 
Bibliotheka» wird in diesem Jahre statt der bisherigen Referate und 
der Chronik eine besondere Wochenschrift mit dem üblichen Pro¬ 
gramm der med. Wochenschriften unter dem Titel «Wochenschau 
der Medicinischen Bibliothek» (EseHex'hibHoe Oöoeptnie Mexn- 
ÜHHCKOft Budiioxeuu) als Zugabe erhalten. Redacteur der Wochen- 
schrift.ist der..Professor ,der gerichtlichen Medisin an- der milkär- 
medicinischen Aeademie*Dr. J. Ssorokin. Die Abonnenten der 
«Mediz. Bibliotheka* erhalten die Wochenschrift gratis, für Nicht¬ 
abonnenten der «Med. Bibi.» beträgt der Preis 3 Rbl. jährlich. 

— In Kijew haben bei den letzten Prüfungen von 98 Medicinstu- 
tlirenden, weiche sich zum Arztexamen gemeldet hatten, 43 dasselbe 
bestanden und zwar 10 cum lande; 28 müssen sich einer Nachprü¬ 
fung in einem Fache nach 3 Monaten unterwerfen und 27 sind noch 
auf ein Jahr im letzten Cursus belassen worden. fKijewl.-Wr.). 

— Wie der «Wratsch» gerüchtweise erfährt, giebt Dr. N. K o s - 
l.o w in nächster Zeit seine Stellung als Redacteur des «Militär-me¬ 
dicinischen Journals» auf. 

— Die königl. Academie der Wissenschaften zu Turin macht be¬ 
kannt, dass seit dem 1. Januar 1883 der Concurs für den von Dr. 
Bre ssa gestifteten Preis eröffnet ist und am 31. December 1886 
geschlossen wird. Dieser Preis ist als Belohnung für denjenigen Ge¬ 
lehrten oder Erfinder bestimmt, welcher im Laufe des Quadriennioms 
1883—1886, nach dem Unheil der Turiner Academie der Wissen¬ 
schaften, die wichtigste und nützlichste Erfindung gethan, oder das 
gediegenste Werk veröffentlicht haben wird auf dem Gebiete der 
physikalischen und experimentellen Wissenschaften, der Naturge¬ 
schichte, der Physiologie und Pathologie, der Mathematik und Che¬ 
mie, ebenso der Geschichte, Geographie und Statistik. Der Preis 
wird 12,000 Lire betragen und die Bewerbung um denselben den 
Gelehrten und Erfindern aller Nationen zugänglich sein. 

— Ji 51 1884 der «Gazeta lekarska» ist gewidmet d. Prof. Dr. 

Heinrich Hoyer, in Veranlassung seines 25jährigen Jubiläums. 
Der Nummer ist ein schönes Portrait des Jubilars beigelegt. Ausser 
einer kurzen biographischen Mittheilung ist die ganze Nummer einer 
umfassenden Uebersicht der wissenschaftlichen Thätigkeit des be¬ 
rühmten Mikroskopikers gewidmet. Folgende Arbeiten sind referirt: 
1) Ueber die Eifollikel der Vögel, namentlich der Tauben und Hüh¬ 
ner. Archiv f. Anatomie und Phys. 1857, p. 52. 2) Ueber den Bau 
der Nasenschleimhaut. Berlin, 1857. 3) Mikroskopische Unter¬ 
suchungen über die Zunge des Frosches. Reichert’s Archiv 
1859, p. 481. 4) Ueber die mikroskopischen Verhältnisse der Nasen- 
schJeimbaut verschiedener Thiere und des Menschen. Reichert’s 
Archiv 1860. 5) Ein Beitrag zur Histologie der Pacinischen Kör¬ 
perchen. Ibidem, 1864. 6) Ein Beitrag zur Histologie bindege¬ 

webiger Gebilde. Ibidem 1865. 7) Ueber unmittelbare Einmün¬ 
dung kleinster Arterien in Gefässäste venösen Charakters. Archiv 
f.mikroskop. Anatomie. Bd. XIII. 8) Zur Histologie des Knochen¬ 
markes. Centralbl. f. d. m. Wies. 1869. H 17. 9) Beobachtungen 
über die Vertheilung der Blutgefässe in Knochen und im Knochen¬ 
marke. (Pam. Tow. lek. 1869). 10) Neuer Beitrag zur Histologie 


des Knochenmarkes. (Pam. Tow. lek. 1873). 11) Untersuchungen 
über die Nervenendigungen in der Hornhaut. Reichert’s und 
Du-BoisBeymond’s Archiv 1866 und Archiv von Schnitze 
1873. 12) Ueber die Verdauung von Oscillatorien in den Amoeben. 
(Pam. Tow. lek. Bd. LI. 1864. 13) Die histologischen Unter¬ 

suchungen über die Bindezellen u. s. w. Ausserdem findet man 
einen Originalartikel von Prof. C. W e i g e r t aus Leipzig über ein 
neues Mikrotom für grössere Schnitte. 

— Tilbury Fox (Therapeut. Gaz.) empfiehlt gegen Alopecia 
areata eine Mischung von 15,0 Tinct. Nucis vomicae, 10,0 Tinct. 
Cantharid. und Aquae Rosarum 180,0- Tragen die Haare an ihrer 
Basis Pilzsporen, so pinselt man die kranken Stellen mit einer Lö¬ 
sung von 0,05 HgCl in 15,0 Bosenwasser, 

(Bullet, de thörap. Aout 30. 1884). 


Vacanzen. 

Der Flecken Komai im Gouvernement Kowno sucht einen Arzt. 
Gehalt 200 Rbl. (!). Wegen der näheren Bedingungen hat man sich 
an «A. JK&xyxcsift, Brjbho, bb co 6 ctb 0 hhoitb xont» an 
wenden. (Wr.). 


Krankenbestand der Civil* u. Kinderhospitäler St. Petersburgs 

am 6. Januar 1883. 

M. W. Summa. 

Civilhospitäler. 2790 1816 4606 

Kinderhospitäler. 137 151 288 

Unter der Gesammtzahl befanden sich : M. W. Summa. 

Typhöse Krankheiten (abd., exanth., rec.) 194 94 288 

Scharlach. 22 31 53 

Pocken. '8 9 17 

Venerische Krankheiten .. 482 367 849 

Die Ambulanzen der Kinderhospitäler wurden in der Woche 
vom 30. December 1884 bis 5. Januar 1885 besucht von 2343 Kran¬ 
ken, darunter zum ersten Mal von 1078. 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs 

für die Woche vom 0. bis 12. Januar 1883. 
Zahl der Sterbefälle: 

1 ) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 


M. W. Sa. 


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2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 0, Typh. abd. 12, Febris recurrens 2, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 4, Pocken 3, Masern 2, Scharlach 6, 
Diphtherie 7, Croup 3, Keuchhusten 4, Puerperalkrankheiten 2, 
Dysenterie 1, Thiergift 0, andere Infectionskrankheiten 7. 

— Gehirnapoplexie 9, Entzündung des Gehirns und seiner Häute 
29, andere Gehirnkrankheiten 14, Krankheiten des Herzens und der 
Gefässe 34, acute Entzündung der Athmungsorgane 74, Lungen¬ 
schwindsucht 99, andere Krankheiten der Brusthöhle 13, Gastro- 
intestinal-Krankheiten 68, andere Krankheiten der Bauchhöhle 22, 
angeborene Schwäche und Atrophia infant. 45, Marasmus senilis 31, 
Cachexia 18. 

— Tod durch Zufall 5, Selbstmord 1, Mord 0. 

— Andere Ursachen 8. 


Mortalität einiger Hauptstädte Europas. 


Name 

Neuer Styl. 

Einwohner¬ 

zahl. 

Gest, ohne diel 
Todtgeb. I 

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Stockholm 

21—27 Dec. 

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101 

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27.« 

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*33!» 

Kopenhagen. • 

24—30 Dec. 

267 000 

157 

35* 30.« 

22,s 

r 

34,® 

Berlin . • . • i 

28 Dec.—3 Jan. 

1225 065 

507 

88 

21, • 

18,4 

j6,« 

Wien .... 

28 Dec.—3 Jan. 

769849 

372 

25 

25,4 

6,7 

35,« 

Brüssel • . . 

21—27 Dec. 

171293 

65 

8 

19,4 

13,« 

30 ,4 

Paris .... 

28 Dec.—3 Jan. 

2 239928 

1157 

104 J 

26,. 

8« 

26, • 

London . . . 

28 Dec.—3 Jan. 

4019 361 

1918 

265* 

24,* 

13,8 

42,4 

St. Petersburg 

4—10 Januar 

928016 

527 

5! 

27,. 

9,« 

36$ 


0 incl. 22 an Masern. *) incl. 3 an Cholera. 8 ) incl. 1 an Cholera. 

Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger Aerzte 
Dienstag den 22. Januar 1885. 

Nächste Sitzung des deutschen ärztliohen Vereins 
Montag den 28. Januar o. 


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28 


Alleinig© Annahme der ausländischen Annoncen (mit Ausnahme der Bücher- Anzeigen) in den Central« 
Axmoncen-Expeditionen in Moskau, Petrowka M 6 nnd in 8t. Petersburg, Newsky M 8. 


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Direction: Paris, 8, boulev. Montmartre. 

GRAND-GRILLE. Gegen lymphat. 
Neigungen, schlechte V erdaunng, V er- 
stopfung der Leber, der Milz, des Lei¬ 
bes, Steinkrankheit u. s. w. 

HOPITAL. Gegen Verdauungsbe¬ 
schwerden, Magenbesch werden, Appe¬ 
titlosigkeit. Magenschmerzen n. s. w. 

CfiLESTINS. Gegen Kreuzschmer¬ 
zen, Blasenleiden, Steinkrankheit, 
Podagra, Appetitlosigkeit u. s. w. I 
HAUTERlVE. Geg.Kreuzschmerz., 
Blasenleiden, Steinkrankh., Podagra, 
Appetitlosigk.u.s.w. —Man fordere die 
Bezeichnung d. Quelle auf d. Scuachtel. | 
Zu haben bei: Stoll & Schmidt, Russ. | 
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hlixi npenoxaBaTexeö. Tiyfoso coanaBaa 3acxyrH CBoero neaaÖBeHHaro npeanxeHTa, Koh- 
(hepenuifl AsaxeMin HCxoxaiaücTBOBajia pa3ptmeHie OTspmb noxnHCsy, htoöu yBksoBk- 
uHTb ero naxsTb liocTanoBKOÄ öiocia h nopyunia Bexeuie 3Toro xkxa ocoöoä Koxxeccix 
, H3b HHxenoxnHcaBmHxca. 

Hjenu KoxMHeeiH oöpaniaioTca noaroxy so Bchxi Bpauaxi h Booöiue jauaxi, kotophxi 
xoporo cjiaBHoe npomxoe AsaxexiH, h caxo no ceöt, h sasi BtpHbiü saion He xeHke 
cxaBHaro Oyxymaro, ci nosopHbflnieÄ npocböoft npHnnn nocHibHoe yuacTie bi 0Ea3axix 
noueia naMATH qeJOBksa, ocoöeHHo xHoro h dioxotbopho DOTpyxHBmarocÄ &ia Asaxexii, 
a, cxkxoBaTexbHO, h xjb Bcero xexnuHHCsaro xkxa bi Poccin. IlycTb saxxMÄ Bbipasxrb 
CBoe yqadie bi rhxi npexkjaxi, soTopae xjih Hero bosxoxhu, oieioxb He crfecHaacb 
cspoxHocTbio cyxxu: hohthti naxsTb Uempa ÄAeKcaudpoäuua JfyGoeumtaio oOsaaHBoen 
Bekxi pyccsHxi Bpanefi; npi ynacrix ze Bckxi xxx oueHb xHorxxi xozbo cx^iaTb xsoroe 
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Neue Folge. St. Petersburger n.iw*m. 

^ (ln der Reihenfolge X. Jahrgang.) 

Medicinische Wochenschrift 


unter der Redaction 

von Prof. ED. v. WAHL in Dorpat und Dr. L. v. HOLST in St. Petersburg. 


Die «St. Petersburger Medicmische Wochenschrift» erscheint jeden Sonn¬ 
abend. Der Abonnements-Preis ist in Russland 8 Rbl. für das Jahr, 
4 Rbl. für das halbe Jahr inclusive Post-Zustellung; in den anderen Lftn- 
dirn 16 Mark jährlich, 8 Mark halbjährlich. Bestellungen übernehmen 
die Buchhandlungen aller Länder. Der Insertions-Preis für die 3 mal 
gespaltene Zeile in Petit ist ia Kop. oder 40 Pfenn. 


Manuscripte sowie alle auf die Redaction bezügliche Mittheilungen bittet 
man an den geschäftsführenden Redacteur, Dr. L. V. Holst in St. Peters¬ 
burg, Evangelisches Hospital, Abonnements-Aufträge, Inserate etc. an 
die Buchhandlung von C. Rieker in St. Petersburg, Newsky-Prosp. H 14 
zu richten. Ausser dem Honorar (16 Rbl. pro Bogen) werden den Autoren 
25 Separatabzüge ihrer Original-Artikel zugesandt. 


N® 4. St Petersburg, 26. Januar (7. Februar) 1885. 


InMmlt: G. Tiling: Ueber Sectio alta mit Naht der Blase. — Heyfelder: Die Gnrperiode 1884 in Pjatigorsk. (Schloss.) — 
Befer ate. H. Burckhardt: Ueber die Exstirpation der Kropfcysten. — W. Steinfeld: Ueber die Wirkong des Wismoths auf den 
thierischen Organismus. Bücher-Anzeigen und Besprechungen : W. Podwyssotzki: Kefir, Kaukasisches Gährungsferment und 
Gotränk aus Kuhmilch — W. N. Dmitriew: Kefir. Ein Heilgetränk aus Kuhmilch. — Krauss: Die Psychologie des Verbrechens. 
Ein Beitrag nur Erfahrungsseelenkunde. — Auszug aus den Protokollen des deutschen ärztlichen Vereins . — Vermischtes . — Kran* 
kenbestand der Civü- und Kinderhospüäler St Petersburgs . — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Mortalität einiger Haupt¬ 
städte Europas . — Anzeigen . 


Ueber Sectio alta mit Naht der Blase. 

Von 

Dr. G. Tiling, 

Ordinator am Alexander-Hospital. 


1a SABMBoluMAk- 

nicht zu den häufig geQbten Operationen, es sei mir daher 
verziehen, wenn ich in Folgendem über eine nur kleine 
Zahl solcher Operationen berichte. Die alte Frage über die 
Vorzüge nnd Nachtheile der einzelnen Steinschnittmetboden 
scheint in den letzten Jahren wieder in lebhafteren Fluss 
gekommen zu sein nnd zwar unter dem Einfluss der Anti* 
septik and der damit verbundenen kühleren Beurtheilnng 
anatomischer Hindernisse, die dem Messer des Chirurgen 
ins Wege stehen, in einer Richtung, die für die Zukunft 
mehr Stabilität verspricht als bisher in Sachen der za wäh¬ 
lenden Steinschnittmethode geherrscht hat, mehr Stabilität, 
weil die neuerdings eingeschlagene Richtung mehr Ver¬ 
nunft und anatomischer Conception, sowie dem Ideal chi¬ 
rurgischen Heilverfahrens, d. h. schneller, reactionsloser 
Heilung entspricht. 

So alt die Methode des hohen Steinscbnitts auch sei, 
ihre volle Bedeutung bat sie erst gewonnen, seit man ge* 
lernt, auf sie die Antiseptik durch Anlegung der Blasennaht 
voll anzuwenden, seitdem scheint sie die siegreiche Rivalin 
aller anderen Methoden zu werden. 

Da die Brauchbarkeit von Operationsmetboden allendlich 
nur benrtbeilt werden kann nach den Erfolgen in einer 
grossen Reibe von Fällen, ist es Pflicht jedes Arztes das 
seinige zur Ansammlung solcher grossen Zahlen beizu¬ 
tragen durch Mitteilung der eigenen Erfahrungen, auch 
wenn sie allein za kleine Zahlen enthalten, um beweiskräftig 
zu sein. 

Es ist auffallend, dass in den letzten Jahren, seitdem 
Lotzbeck, Ultzmann, Bruns, Maximow, 
Albert'), Petersen*), K i s p e r t *), neuerdings 


') Lehrbuch der Chirurgie und Operatiouslehre von Dr. E d. A1 - 
bert. 1. Aufl. 

*) Ueber Sectio alte von Prot. F. Peters en. Archiv f. klin. Cbi- 
rnrgi. fid. XXV, Heft 4. 

*) Centralbl. f. Chirurg. 1881. N 31. 


auch v. Bergmann 4 ) und Volkmann 6 ) für Sectio 
alta mit folgender Blasennaht eingetreten sind, noch so sel¬ 
ten Meldungen von erzielter, vollständiger Prima intentio 
erschienen sind. Es scheint das ein Beweis, dass die Blase 
trotz der Massigkeit ihrer Wandung schwer zur Heilung 
durch unmittelbare Verklebnng zu bringen ist, wohl weil 
es so schwer gelingt, den Wundflächen selbst nnd deren 
nächster Umgebung vollständige Ruhelage zu geben. 

Es ist genugsam hervorgehoben (Albert, Petersen), 
dass die Blasennaht, auch wenn sie, wie in den meisten ge¬ 
meldeten Fällen am 5. oder 6. Tage (am 10. Tage bei Ma- 
kawejew 6 ) theilweise aufgeht, grosse Dienste gethan 
hat, denn sie hat die ersten Tage, die gefahrvollste Zeit 
hindurch das lockere Zellgewebe des Beckens vor Infection 
geschützt; grannlirende Flächen sind bekanntlich schwer 
inficirbar. 

Da auch mir nach dem ersten Erfolge später zweimal die 
Naht theilweise fehlscblng, d. h. Harn dnrchliess und dieses 
Aufgehen der Nähte offenbar von der mangelhaften Ruhig- 
Stellung der ganzen Blase nnd besonders der der Blasen- 
wunde benachbarten Blaaentheile abbing, versuchte ich bei 
dem letzten Fall eine sicherere Ruhigstellung dadurch zu 
erreichen, dass ich über die gewöhnliche Reihe der Knopf- 
näbte, deren äusserste in allen Fällen nach J u 11 i ardV) 
Rath jenseit des Endes der Wunde lagen, eine fortlaufende 
Naht legte. Mir scheint, eine solche entlastet die Knopf¬ 
nähte und macht ihr Anseinanderweichen schwerer mög¬ 
lich, garantirt überhaupt einigermaassen, dass die der 
Wunde benachbarten Theile der Blase vor starken Bewe¬ 
gungen nnd Zerrungen geschützt sind. & trat prima in¬ 
tentio ein, doch ein Fall beweist wenig. 

Als ich am 28. Juni 1880 znm ersten Mal in dieLage kam, 
eine Lithotomie machen zu müssen bei einem kräftigen Pat. 
von 16 Jahren, der 4 Jahre an Steinbeschwerden litt (Iwan 
Wassiljew. Jß 4429) fiel es mir nicht schwer, die Methode 

*) Centralbl. f. Chirurg. 1884. M 45. Bericht ftber die Verhand¬ 
lungen der ‘Chirurg. Section der 57. Naturforscbervenammlung in 
Magdeburg. 

s ) Ibidem. 

*1 St. Petersburger medicin. Wochenschrift 1884. X 41—42. 

') Dr. G. J u 11 i a r d. Biss der Harnblase-Blasennaht. Heilung. 
Archiv f. klin. Chirurgie Bd. XXVIII, Heft 2. 


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30 


za wählen, es herrschte die Sectio mediana, Grösse des ; 
Steines sollte kein Hinderniss sein, da er von der Wunde 
ans leicht zcrtrflmmert werden bann (König, Volk¬ 
mann). Letzteres geschah, die Fragmente wurden ohne 
jede Gewalt entfernt und wogen 41 Grm. Der Schnitt 
durch die Harnröhre reichte nicht bis zur Prostata, son¬ 
dern endigte V* oder 1 Ctm. vor derselben. Schon am 2. 
Tage träufelte der Harn garnicht mehr und wurde nur im 
Strahl entleert. So ging es mehrere Tage sehr gut, als 
plötzlich ein Frost eintrat und Schmerzen in der linken 
Nierengegend. Der Harn war klar. Pat. fieberte hoch bis 
zum 18. Juli, an welchem Tage beim Katheterismus sich 
dicker, stinkender Eiter entleerte. Da der Katheter immer 
sehr vorsichtig eingeführt war, durfte ich eine Fausse route 
au8scbliessen und an einen Prostataabscess denken. Fieber, 
sogar Delirien hielten noch 2*/a Wochen an, dann erholte 
sich der Pat., die Wunde heilte und Pat. blieb nur 
noch im Hospital, weil der zur Zeit des Prostataabscesses 
entstandene Blasenkatarrh noch nicht geschwunden war. 
Da erkrankte Pat am Typhus exanthemat., musste darnach 
wieder einige Zeit an Cystitis leiden und wurde endlich am 
15. Oct. geheilt entlassen. Vor der Entlassung untersuchte 
ich per anum und war erstaunt über den Befund, ich stiess 
bei Einführung des Fingers auf ein gleichmässig hartes, 
steifes Diaphragma, 4&s eben nur das Rectum durchtreten 
liess; es war also im Zellgewebe des Beckenbodens, von der 
Prostata ausgehend, eine Entzüudung abgelaufen analog 
der Parametritis, ohne glücklicherweise zur Eiterung in 
unzugänglichen Gegenden geführt zu haben. Beinahe ein 
Jahr nach der Operation bestand das Infiltrat noch fast un¬ 
verändert. Diese schlimme Erfahrung, die freilich dieses 
Mal noch ohne böse Folgen abgelaufen war, denn ich habe 
Pat fast 2 Jahre nach der Operation wohl und gesund ge¬ 
sehen, machten mich zweifelnd gegenüber den Lobeserhe¬ 
bungen der Sectio mediana. Ende 1880 erschien der ge¬ 
nannte Artikel von Prof. Petersen in Kiel über Sectio 
alta, ebenso der IV. Band der I. Aufl. der A 1 b e r t'sehen 
Chirurgie. Albert kämpfte dort mit grosser Leiden¬ 
schaftlichkeit gegen das Irrationelle der Perinäalschnitte 
und für die Vorzüge der Sectio alta mit Blasennaht, vor 
allen Dingen lobte A1 be r t die Klarheit der anatomischen 
Conception. Die bei den Dammschnitten beobachteten 
üblen Erscheinungen, wie Blutungen, Incontinenz, Impo¬ 
tenz, Verletzung des Rectum seien bei dem hohen Schnitt 
unmöglich. Die Gefahr der Verletzung des Peritonäum bei 
der Sectio alta solle der Chirurg eben umgehen, da er sieht 
was er zerschneidet und da er hier nie die Schärfe seines 
Messers aus dem Auge zu verlieren brauche. Endlich sei 
bei dem Perinäalschnitt unvermeidlich, dass über die 
frische Wunde stets Harn rinnt, sei er nun sauer oder stin¬ 
kend alkalisch. 

Um die Gefahr der Verletzung des Peritonäum zu ver¬ 
ringern resp. zu bannen, füllt Petersen die Blase mit 
4—600 Cub. Cent, antiseptischer Lösung, führt darauf einen 
Colpeurynter in das Rectum, füllt auch diesen mit c. 600 
Cub. Cent. Wasser und hebt auf diese Weise die gefüllte Blase 
aus dem Becken und wälzt mit ihr die Umschlagsstelle des 
Peritonäum stets bis über die Symphyse, durchschnittlich 
auf 2—3 Cent., wie er sich durch Leichenexperimente über¬ 
zeugt bat. Benutzt man nun diese Vorschrift und lässt 
die Blasenwunde nicht offen, sondern vernäht sie gewissen¬ 
haft, so dürfte die Epicystotomie als das Normalverfahren 
zur Entfernung jedes Steines, der eine blutige Operation 
fordert, anzuseben sein. Hält die Blasennaht, so ist die 
erste und grösste Gefahr jeder Lithotomie, die Harninfil¬ 
tration, absolut ausgeschlossen, hält sie nicht, so gehen die 
Nähte am 4.-6. Tage auf, also zu einer Zeit, wo die Wunde 
schon mit Granulationen ausgekleidet ist, oder wenigstens 
die Zcllgewebsränme durch plastische Infiltration vor Re¬ 
sorption schädlicher Dinge geschützt sind. Zu dem allen 
kommt, dass die Blasennaht antiseptischen Verlauf garan- 
tiren kann und wenn sie gelingt, so schnelle Heilung bringt l 


wie keine andere Methode der Lithotomie. Dieses die 
Gründe, aus welchen ich mich entschloss vorkommenden 
Falles nur noch die Epicystotomie zu üben. 

Im Mai 1881 entfernte ich einem Knaben von 7 Jahren 
(Dmitri Iwanow, Jft 4154), der drei Jahre an Steinbe¬ 
schwerden litf, einen Stein von 8 Grm. Vom Colpeurvnter 
stand ich ah, weil ich keinen passenden fand. Das Perito¬ 
näum lag nicht vor, die gefüllte Blase liess sich sehr schön 
übersehen, so dass sogar eine oberflächliche Arterie der 
Blase erst doppelt ligirt und dann durchschnitten werden 
konnte. Die Blasenwunde wurde durch fünf Seidensuturen 
geschlossen, welche laut Rath von M axi m o w die Schleim¬ 
haut nicht mitfassten, die Hautwunde durch ebenso viele, 
und ein Drain zwischen beide Nahtreihen geschoben. Dar¬ 
über ein Listerverband. Es wurde kein Verweilkatheter 
eingeführt, sondern nur angesagt, dass der Knabe nicht ge¬ 
scholten werden sollte, wenn er den Harn ins Bett lasse. Die 
Wunde heilte vollständig per primam, es ist nie ein Tropfen 
Harn durch die Wunde gegangen. Die höchste Tempera¬ 
tur war 37,5°. Aus Vorsicht wurde Pat. zwölf Tage im 
Bett gehalten, und 18 Tage nach der Operation geheilt 
entlassen. 

Der dritte Pat. (Peter Andrejew. 1881. JV» 7915) war 22 
Jahre alt, ihm waren seit dem dritten Lebensjahre von Zeit 
zu Zeit Steine abgegangen, seit 12 Jahren keine mehr. 
Grosser, weicher Stein, starker Blasencatarrh. Da der 
letztere durch 5wöchentliche Behandlung kaum besser 
wurde, der Harn alkalisch blieb, Bodensatz hatte und Pat. 
anfing herunterzukommen, entschloss ich mich auch bei 
stinkendem Harn zu operiren am 20. Nov. 1881. Da Pat. 
Blasenausspülungen nicht ertrug, also auch die Blase nicht 
geübt werden konnte grössere Massen aufzunehmen, konnte 
das Petersen 'sehe Verfahren nicht angewandt werden, 
zudem war die Narcose eine sehr ungünstige, es wurde ein¬ 
mal ein grosser Tbeil des Wassers aus dem Colpeurynter 
ausgepresst. So fand ich denn die Umschlagsstelle des 
Peritonäum nicht über, sondern weit hinter der 8ymphyse, 
musste das Peritonäum mit den Fingern, ja mit den Nägeln 
von der Blase abstreifen. 

Da der Stein gross war, (48,5 Grm.) fiel die Blasenwunde 
sehr gross aus, ging weit hinter die Symphyse und liess sich 
daher sehr schwer nähen. Es wurden zehn Blasennähte 
angelegt. Natürlich wurde bei jeder genau darauf gesehen, 
dass nie die Blasenschleimbaut mitgefasst wurde, damit 
nicht Harn mit d'en Fäden in Berührung kommt und an die¬ 
sen in die Gewebe zieht. Es wurde ein Verweilkatheter 
eingeführt. Im Uebrigen war wie im vorigen Fall verfah¬ 
ren, Nabt der Bauchdecken und Drainage. Fünf Tage 
hielten die Nähte, am 6. floss Harn durch und da dieser 
noch alkalisch war, ging ein grosser Theil der übrigen 
Nähte in der Haut auf, so dass eine Zeitlang eine ziemlich 
grosse Wunde bestand, die aber mit Granulationen ausge¬ 
kleidet, daher vor Harninfiltration geschützt war. Erst am 
31. Jan. 1882 hatte sich die letzte haarfeine Fistel ge¬ 
schlossen. 

4. Wassili Dolotow, 38 Jahr alt (1884, Ns 287), leidet seit 
der Kindheit an Steinbeschwerden, die in den letzten Jah¬ 
ren arg zugenommen haben. Pat sieht alt, herabgekom¬ 
men, krank aus, muss c. alle Viertelstunde unter schreck¬ 
lichen Schmerzen Harn lassen. Der Harn hat starken Bo¬ 
densatz, reagirt aber noch neutral. Da die Blasenkrämpfe 
den Pat. fürchterlich plagen und Irrigationen ganz uner¬ 
träglich machen, wird schon am 5. Tage nach der Auf¬ 
nahme am 25. Jan. 1884 zur Operation geschritten. Nach¬ 
dem Blase und Colpeurynter gefüllt sind, wird die Bauch¬ 
wand durchtrennt. Es liegt trotzdem deutlich vor Augen 
das Peritonäum, durch welches man sogar Darmschlingen 
erkennen kann. Der Scheitel der Blase stand in der Mitte 
zwischen Nabel und Symphyse, trotzdem war die vordere 
Fläche der Blase von Peritonäum bedeckt, ja letzteres 
reichte c. 1 Zoll hinter die Symphyse hinunter. Daher 
musste es auch in diesem Fall mit den Fingern von der 


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31 


Blase abgestreift werden. Der Schnitt in der Blase wnrde 
2*/* Cent, lang gemacht. In der Blase fanden sich zwei 
Steine mit glatter Oberfläche, deren Extraction sehr leicht 
war, da sie bei einer Länge von 7 und 6 Cent, genau die 
Form dreikantiger amerikanischer Nasse hatten. Sie wogen 
zusammen 78,5 Gnn. Die Blasenwunde wurde durch 13 
Seidensuturen geschlossen, die Bauchwunde durch 6; Drai¬ 
nage. Die Nähte platzten am 7. Tage. Während des 
Hoepitalaufenthaltes litt Pat. einige Zeit an sehr heftigen 
Schmerzen in der rechten Nierengegend, dabei wurde das 
Allgemeinbefinden sehr abel. Pat. hatte schon früher an 
solchen Schmerzen gelitten. Am 2. April verliess Pat.* 
gekräftigt das Hospital noch mit einer haarfeinen Fistel. 

5. Andrei Trawkin, 30 Jahr alt (1884, 2016), leidet 

ebenfalls von Kindbeit auf an Steinbeschwerden, ist aber 
bei leidlich guten Kräften. Der Harn ist trfibe aber noch 
schwach Bauer. Grosser, weicher Stein. Am 3. Juni 1884 
Epicystotomie nach den Vorschriften von Petersen. Das 
Peritonäum schien gut hinaufgewälzt, nur um üble Irrthü- 
mer zu vermeiden, wurde das Bindegewebe vor der Blase 
nach oben zurückgestreift. Schnitt in der Blase 3 Cent, 
lang, grosser Stein (44,8 Grm.). Extraction nicht schwer. 
Die Blasenwunde wurde durch 11 gewöhnliche Knopfnähte 
aus Seide geschlossen und darüber eine fortlaufende Naht 
gelegt, um, wie Eingangs erwähnt, der ersten Reihe Nähte 
Ruhe zu geben. In diesem Falle fiel es auf, wie gut sich 
das Peritonäum und Bindegewebe zwischen Blase und 
Baucbwand verschob und diesen leidigen Raum ausfüllte. 
Dann Naht der Bauchwand und Drainage. In diesem Falle, 
wie in dem ersten von Sectio alta, ging die Heilung an¬ 
standslos per primam intentionem vor sich. Am 9. Juni 
wurde das Drain entfernt, am 10. der Verweilkatbeter, am 
13. die tiefen und am 17. die oberflächlichen Nähte der 
Bauchwand, am 23. Juni verliess Pat. vollständig geheilt 
und gesund, ohne jede Beschwerde beim Harnlassen das 
Hospital Einige Monate später sah ich ihn bei vollständi¬ 
gem Wohlbefinden. 

Es sind das nur 4 Fälle von Sectio alta, mir scheint aber, 
sie fordern auf, auch fernerhin bei dieser Methode zu blei¬ 
ben, da zwei Mal prima int. eingetreten ist, die fortlaufende 
Naht über den Knopfnähten vielleicht ein solches Resultat 
noch begünstigen würde. Es lässt sich nicht leugnen, die 
Epicystotomie hat technisch ihre grossen Schwierigkeiten, 
so ist das sorgfältige Nähen der Blasenwunde in der Tiefe 
sehr mühsam, das Vermeiden der Schleimhaut oft sehr um¬ 
ständlich, ich musste jedes oder fast jedes Mal die Mi. recti 
abdominis über ihrer Insertion an der Symphyse quer 
einkerben, sonst war der Raum für Hand und Nadel zu eng. 

Ein übler Folgezustand, den ich bisher nicht gegen die 
Sectio alta habe urgiren gehört, trat bei Fall 3 ein. Der¬ 
selbe kam nach zwei Jahren wegen Gystitis wieder in meine 
Behandlung. Dabei sah ich, dass die Narbe, der Fall war 
ja nicht per primam geheilt, sich ausgeweitet batte und ku¬ 
gelig vorgewölbt war. Die flache Vorwölbung von der Grösse 
eines halben Apfels enthielt Blase, jedoch machte diese Er¬ 
scheinung dem Pat. keinerlei Beschwerden. 

Der Vollständigkeit halber sei hier noch kurz berichtet 
über einen Steinschnitt, der tödtlich verlief, aber kaum hier¬ 
her rubricirt werden dürfte, da er ein Medianschnitt (Bou- 
tonnifere) war, an einem sehr heruntergekommenen Pat. 
wegen plötzlicher Urinretention durch einen in die Prostata 
eingekeilten Stein. Natürlich kam hier die Epicystotomie 
gar nicht in Frage. Da der Stein sich durch den metalleuen 
Katheter nicht in die Blase zurückschieben liess, wurde die 
Boutonnibre gemacht und ein Stein entfernt, ein zweiter 
grosser wurde in der Blase zertrümmert und extrahirt. 
Trotz Controluntersuchung der Blase durch zwei Collegen, 
hatte Ich ein nicht kleines Steinfragment in der Blase zu¬ 
rückgelassen. Pat starb. Bei der Section fand sich an 
Stelle der linken Niere ein kleiner häutiger Sack, die rechte 
Niere war durchsetzt von kleinen Abscessen. Ich habe die¬ 
sen Fall als kaum hierher gehörig bezeichnet, weil 1. das 


Allgemeinbefinden, Pat. war einige Tage vor der Einkeilung 
des Steines und der dadurch plötzlich nöthig gewordenen 
Operation ins Hospital getreten, die Statthaftigkeit eines 
Steinschnittes sehr zweifelhaft machte, und 2. die Opera¬ 
tion nicht durch freien Entschluss, sondern durch Zwangs¬ 
lage herbeigeführt war. Der Tod konnte nach dem 8ec- 
tionsbefund nicht der Operation zur Last gelegt werden. 

Beachtenswerth ist bei dem Fall, dass trotz genauer Digi¬ 
talexploration der Blase durch drei Aerzte ein Steinfragment 
von c. 1 Gent, im Geviert in der Blase zurückgelasseu wor¬ 
den war. Ein übeles Vorkommnis, das bei perinäalem 
Schnitt unschwer eintritt, bei hohem Schnitt kaum denkbar 
ist. Noch neulich hat Prof. v. Bergmann auf der Na¬ 
turforscherversammlung in Magdeburg auf diesen grossen 
Uebelstand bei allen perinäalen Schnitten aufmerksam ge¬ 
macht. 


Die Curperiode 1884 in Pjatigorsk 

von 

Dr. Heyfelder, Oberarzt des Militärhospitals daselbst. 


(Schloss.) 

Was die Frequenz der diesjährigen Saison betrifft, so waren laut 
dem Badeblättchen (JIhctoei) 3,912 Familien, genauer 4,565 Perso¬ 
nen, gegen 3,599. respective 4,283 des Vorjahrs nnd gegen 3,507 
resp. 4,045 vom Jahr 1882 anwesend. Für eine so aussergewöhnlich 
glückliche Combination verschiedenartiger Quellen wie Pjatigorsk 
nnd seine Nacbbarcnrorte, eine sehr mässige Frequenz. Allerdings 
ein kleiner Ueberschuss gegen das Vorjahr. Oeberhaupt weist die 
Statistik eine progressive unbedeutende Zunahme von Jahr zn Jahr 
naob, an welcher Progression auch dieses Jahr in demselben Verhält- 
niss wie die letzten zehn Jahre Theil nimmt. Die fundamentale Ver¬ 
änderung, nämlich Ersatz des wenig populären Badepächters durch 
die nene Verwaltung bat anf die Frequenz keinen merklichen Ein¬ 
fluss geübt. 

An diese 4,565 Curgäste wurden im verflossenen Sommer vom 1. 
Hai — 1. September 159,451 Bäder verabfolgt, nämlich 79,284 in 
Pjatigorsk, 37,599 in Shelesniwodsk, 24,844 in Eisslowodsk, wo die 
Saison am kürzesten, 17,629 in Essentnki, dessen Quellen mehr zum 
Trinken als Baden verwandt werden. 

Zu diesen 159,451 Bädern kamen im Monat September noch etwa 
2,000 ausschliesslich in Pjatigorsk verabfolgte Bäder. 

Der Zahl der Bäder entspricht so ziemlich die Frequenz der ver¬ 
schiedenen Gruppen, pjatigorsk hat wie die meisten Bäder so auch 
die meisten und die constantesten Curgäste aufzuweisen, d. h. con- 
stant indem sie lange daselbst verweilen. Die grosse Hehrzahl der¬ 
selben sind Rheumatiker nnd Syphilitiker. 

Die geringe Zahl der Bäder in Essentnki entspricht keineswegs 
der Frequenz dieses Ortes, sondern ist Folge der geringen Quantität 
von Hineralwasser nnd von Badewannen. Die vorwiegenden Krank¬ 
heiten, nm derentwillen hier Heilung gesucht wurde, waren wie in 
den früheren Sommern: Affectionen des Intestinalcanals nnd seiner 
Adnexa, Catarrhe der Athemorgane, pathologische Fettsucht (Obe- 
sitas praeternatnralU), welche alle hauptsächlich anf den inneren 
Gebrauch der alkalischen Quellen angewiesen sind. 

Die Bäderzahl von Shelesniwodsk 37,599 entspricht dem ziemlich 
starken Besuch, der sich jedoch in diesem Jahre auf ljf Uonate 
(halber Juni nnd Juli) beschränkte, während in früheren Jahren 
diese Gruppe eine 3 Monate währende Saison batte. Blutannuth, 
gewisse Frauenkrankheiten, ferner Tabes dorsalis, Ataxia stellen 
das Hauptcontingent; diese Grnppe ist vorwiegend von Frauen, wie 
Pjatigorsk vorwiegend von Männern besucht. 

Aus der relativ geringen Zahl von Bädern 24,844, welche in Kiss- 
lowodsk abgelassen wurden, darf man keineswegs anf einengeringen 
Besnch dieses sehr beliebten Cnrorts scbliessen; die kühle Witterung 
des Angust-Monats verhinderte viele Personen zu baden. 

Kisslowodsk war im Gegentbeil nach Pjatigorsk am meisten be¬ 
sucht nnd zwar batte es stabile Gäste, welche Juni, Juli, August 
sich daselbst aufhielten und ausserdem eine Henge Passanten. Die 
Tradition bringt es nämlich mit sich, dass die Convalescenten der 
drei anderen Curorte schliesslich in K. znsammenstrOmen, um da¬ 
selbst eine erfrischende, stärkende Nachcur zu gebrauchen oder eine 
kurze Ruhezeit zu verleben. Diese Nachcnr wird in der Art gewöhn¬ 
lich eingeleitet, dass man in erwärmtem Narsan badet, anfangs an¬ 
nähernd mit der Temperatur beginnend, mit welcher man ander¬ 
wärts aufgehört. Dann aber wird rasch die Temperatur vermindert 
nnd nicht Wenige enden damit, in dem Bassin des natürlich kalten 
(14,3°) Narsan zu baden. Kisslowodsk ist beiläufig bemerkt der 
einzige Ort, an welchem überhaupt Bassins sich befinden und zwar 
nur 2 für Uänner und 1 für Frauen, nnd nur von natürlicher Tem¬ 
peratur. Dagegen enthält es Apparate zn Örtlichen und allgemeinen 
Gasbädern wie zn Inhalationen. 

Nach dem officiellen Rechenschaftsbericht des Regierungscommis- 
sars waren die Ausgaben der Verwaltung vom 1. Hai bis 1. Septem¬ 
ber 1884 folgende: 

4 


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Rbl. K. 

1) Gehalt der Angestellten und deren Fahrgelder 24,425 86 

2) Für Kanzlei und Drucksachen . . *. 1,240 79 

3) » Herausgabe des JUHCToro.1,210 59 

4) » Remonte der Gebäude.11,196 02 

5) » Anschaffung von Rohmaterial and Inventarstücke 12,423 56 

6) » Anschaffung von Wäsche ... ...... 1,263 19 

7) » Waschen, Plätten etc. der Badewäsche .... 1,271 21 

8) > Anschaffung von Material, Heizung, Beleuchtung 2,972 44 

9) > Füllung von Mineralwasser, Bereitung von Pa¬ 

stillen, Salz und anderer Quellenproducte 2,531 02 


10) > Unterhaltung des chemischen Laboratorium . . 732 — 

11) > die Bibliothek. 916 69 

12) * Arbeitsthiere (Zugvieh) und Equipagen . . . . 1,898 34 

13) » den Unterhalt der Parke, Boulevards etc. . . . 3,020 69 

14) » die Gurmusik. 10,288 41 

15) » Miethe von Fuhrwerk für die Kranken in dem 

bergigen Shelesniwodsk . 529 34 

16) • Arrende der Theresienquelle . •. 200 — 


76,120 15 

Die Gehalte und Fahrgelder der Angestellten nehmen offenbar im 
Verhältniss zu den übrigen Ausgaben, so wie zu den Einnahmen 
einen sehr grossen Posten ein, ja er ist der bei weitem grösste Po« 
sten der ganzen Tabelle. 

Die Remonte der zur Badeverwaltung gehörigen Gebäude, darun¬ 
ter auch die Wohnung des Kommissars, beträgt 11,196 Rbl., unab¬ 
hängig vom Unterhalt der Gärten und Spaziergänge, die 3,020 Rbl. 
beansprucht. Im Uebrigen steht über kurz oder lang ein den Anfor¬ 
derungen unserer Zeit entsprechender Umbau oder Neubau der Bade¬ 
häuser bevor, welcher alsdann ein bedeutendes Capital erfordert. 
Die jetzigen, zerstreut liegenden, besonders in Essentuki und She- 
lesniwodsk mit wenig Wannen versehenen Badehäuser verdienen 
durch grosse, einheitliche Gebäude ersetzt zu werden, nach welchen 
die verschiedenen Quellen zusammengeleitet wären und in welchen 
Piscinen, Douschen, Halbbäder, Salzbäder, Localbäder, Dampfbäder 
nicht fehlen dürften. Wenn dem entsprechend die Heilmittel wie 
der Comfort für die Curgäste vermehrt, die Communication erleich¬ 
tert und namentlich auch eine Schienenverbindung der 4 Gruppen 
unter sich und mit der Bahn Rostow - Wladikawkas hergestellt sein 
wird, so würde sich die bisher geringe Besucherzahl und ebenso die 
relativ mässige Einnahme verdoppeln und verdreifachen. Doch kön¬ 
nen diese nothwendigen Reformen nicht ohne bedeutende Capitalien 
vorgenommen werden. Die Einnahmen der Saison 1884 sind nach 


dem officiellen Bericht, folgende: 

Rbl. K. 

1) Für Saisonbilette.12,591 — 

2) > Consultaticn der angestellten Aerzte der Ver¬ 

waltung . 1,525 — 

3) > Bäder . . 50,395 40 

4) » Mineralwasser in Flaschen. 6,279 27 

5) » Pastillen, Salz und andere Quellenproducte . . 667 45 

6) > Badewäsche . 1,600 55 

7) * die Bibliothek . 1,229 80 

8) » den JliiCTOin» • 834 59 

9) » Fahrstühle. 159 50 

10) » Krankenequipagen in Shelesniwodsk. 494 75 

11) » Zimmervermiethung in Shelesniwodsk und Kiss- 

lowodsk. 854 90 

12) » Arrende verschiedener Stellen. 7,062 35 

13) » den Turnplatz. 58 91 


Summa . . • 83,753 47 

Hierzu kommt noch ausstehend vom Kriegs, und Mari* 
neministerium: 

Für Offiziere and Beamte. 4,479 30 

» Untermilitärs. 908 90 


Gesammtsumme . . . 89,141 67 

Der grösste Posten der Einnahmen ist, wie natürlich, von den 
Bädern nämlich 50,395 Rbl., der nächste von den Saisonbilleten 
12,591 Rbl., endlich von der Yermiethung gewisser Verkaufsstellen 
an den Promenaden 7,062 Rbl. Nur gering war die Einnahme von 
der ärztlichen Consultation, nämlich 1,525 Rbl. Darüber bemerkt 
ein Artikel der «Moskauer Wedomosti» M 301 von diesem Jahre, 
welchen 9 angesehene hiesige Aerzte unterzeichnet haben und wel¬ 
cher sich über die diesjährige Verwaltung kritisch verbreitet, Fol¬ 
gendes : «Die Consultation bestand vorzugsweise aus Aerzten, welche 
zum ersten Mal unsere Quellen sahen. Das Resultat einer solchen 
Zusammenstellung war ungeachtet der wiederholten Annoncen, ein 
sehr geringes Zutrauen des Publicums zu denselben, wie es aus dem 
vom Commissar veröffentlichten Rechenschaftsbericht hervorgeht. 
Man ersieht aus demselben, dass nur 300 Besucher von der Künfrn- 
belconsultation angezogen wurden, was bei 4,500 Curgästen eine 
sehr bescheidene Zahl ist.» Die ärztliche Consultation ist eine Ein¬ 
richtung, welche zur Erleichterung des Badepublicums unter der 
Direction von Dr. Smirnow eingeflihrt, unter Baykow beibehal¬ 
ten und nun schon gegen 20 Jahre besteht, aber keineswegs eine 
Neuerung der diesjährigen Verwaltung ist. 


Für Offiziere und Beamte des Kriegs- und Seeministeriums wurden 
auf Kronskosten, d. h. auf Kosten ihrer Ministerien, Badebillete für 
4,479 Rbl. 30 Kop., für Untermilitärs für 908 Rbl. abgelassen, ein 
Posten der in früheren Jahren bei weitem höher stand. Es ist näm¬ 
lich nunmehr die Zahl der Freistellen für jeden Kreis genau normirt 
und im Vergleich zu früher reducirt. Sollte die Verwaltung defini¬ 
tiv im Auftrag der Regierung geführt werden, so steht zu erwarten, 
dass diese Summen nicht mehr von einem Ministerium an das an¬ 
dere bezahlt werden, sondern dass einfach diese Bäder umsonst gege¬ 
ben werden. Selbst für einen neuen Contract mit einem Badep&ch- 
ter oder einer Gesellschaft empfiehlt sich der Vorbehalt, dass die auf 
Kronskosten geschickten Militärs und gewisse Kategorien von Ar¬ 
men umsonst baden, wie ähnliches in Ems, in Wiesbaden, in Baden 
(bei Wien) der Fall ist. 

In dieser Saison wurden wenig oder keine Billete umsonst gege¬ 
ben, worin der frühere Badepächter, Herr Baykow freier handeln 
konnte. Saisonbillete, welche mit 3 Rbl. ausgewogen werden müs¬ 
sen, angeblich zum Unterhalt der Musik, und ohne deren Vorzeigung 
keine Bäder verabfolgt wurden, erhielten Aerzte, (wie in der ge¬ 
summten Welt Medicinalpersonen in Bädern nicht bezahlen), und 
Kranke, die auf Kosten des Rothen Kreuzes badeten, zusammen 35 
Personen und 21 Curgäste, die von der Pjatigorsker Hülfageseil- 
schaft empfohlen waren. Diese letztere erhielt 800 Billete für 
Pjatigorsk, 160 für Kisslowodsk zum halben Preise im Betrage von 
160 Rbl. Die Vergünstigungen an Medioiner und arme Kranke 
waren also höchst mässig. 

Da aber der Andrang von armen Kranken in diesem Jahr, wie 
auch früher ein sehr beträchtlicher war und dieselben meist den weni¬ 
gen, besser situirten Familien zur Last fielen, so muss die oben ge¬ 
nannte Gesellschaft als ein grosser Fortschritt angesprochen werden. 
Ihr voller Titel lautet: «Pjatigorsker Hülfsverein für bedürftige 
Kranke». Der Sitz dieser Gesellschaft und ihres Präsidenten ist in 
Petersburg: hier hat sie einen Agenten, dem sie das grösste Quar¬ 
tier in der Stadt gemietbet. In einem Zimmer ist das Empfangslocal 
für arme Kranke, die übrigen bewohnt der Bevollmächtigte mit sei¬ 
ner Familie. Ausserdem sind in der Stadt zwei Zimmerchen gemie- 
thet, wo angereiste, bedürftige Curgäste anfangs, d. h. 2—3 Tage 
lang, unentgeltlich wohnen können. Damit ist eine Speiseanst&lt 
des Vereins verbunden, wo zu geringem Preise gesunde Hausmanns¬ 
kost verabfolgt wird. Ein Theil der hiesigen Aerzte empfängt &b- 
wechselungsweise in dem Vereinslocal arme Kranke. Natürlich 
wird mit der Zeit die Thätigkeit des Vereins sich erweitern und auf 
eine grössere Anzahl von armen Kranken ausdehnen. Früher bestand 
eine kleine ÖojbHirua Cb. O-ibni“, welche der Badepächter in einem 
Theil der Elisabethgallerie unterhielt, und wo 5 oder 7 bedürftige 
Kranke Wohnung, Kost, Pflege und Bäder ganz umsonst erhielten. 

Man hatte stets behauptet, dass der frühere Contrahent oder 
Pächter der kaukasischen Mineralbäder eine enorme Reineinnahme 
habe. Nach dem officiellen Ausweis dieses Jahres ist dieselbe nur 
unbedeutend. Als höchst anerkennungswerth und übersichtlich muss 
es bezeichnet werden, dass die jetzige Verwaltung alle Monate ihre 
Einnahmen und Ausgaben publicirte. Somit hatte das Publicum 
Gelegenheit, Schritt für Schritt diese Angelegenheit zu verfolgen 
und sich selbst zu überzeugen, wie Ausgaben und Einnahmen so 
ziemlich Schritt mit einander hielten. Die Ausgaben vom 1. Mai — 
1. September betrugen 76,120 Rbl., die Einnahmen 89,141 Rbl.; als 
Ueberschuss ist die Summe von 13,021 Rbl. bezeichnet. Da die Ein¬ 
nahmen jedoch so ziemlich auf die Sommermonate beschränkt sind, 
die Ausgaben aber das ganze Jahr fortgeben (Remonte, Gehalt der 
Beamten und Diener, Heizung der Gebäude, Füllung der Mineral¬ 
wasser, Bereitung von Salz, Pastillen etc.) so möchte sich dieser 
Ueberschuss als illusorisch erweisen. 

Dankenswerth ist, dass seit Beginn der neuen Verwaltung ein 
Gärtner bestellt worden, der Stadtgarten einer heilsamen Reform 
und Bearbeitung unterzogen, die abgestorbenen Bäume der Promena¬ 
den entfernt und durch neue Anpflanzungen ersetzt wurden. 

Das Project den Tambukansee in den Bereich der Badeverwal¬ 
tung hereinzuziehen ist wenigstens in Betracht gezogen, so viel 
man weise. Dieser sehr stark salzhaltige See liegt 7 Werst von 
Pjatigorsk und wäre durch Anlage von Wohn- und üadehäusern so 
wie von Baumpflanzungen erst für eine Exploitation zu Heilzwecken 
in Stand zu setzen. 

Vorläufig wird das Salzwasser des Tambukansees nach pjatigorsk 
in Fässern transportirt und daselbst zu Bereitung von Seebädern 
verwandt. 

Wie schon erwähnt, werden auf den verschiedenen Gruppen die 
hauptsächlichsten hiesigen Mineralwasser in Bouteillen verabfogt. 
Ausserdem ist in Pjatigorsk, Kisslowodsk und Shelesniwodsk Kumyss 
zu bekommen, in Kisslowodsk vortreffliche Ziegenmilch, in allen 4 
Orten Kefir, welcher letztere durch Herrn Buschmann, Provisor 
der Bold t’schen Apotheke iu Pjatigorsk auch nach auswärts bezo¬ 
gen werden kann. 

An allen vier Orten befinden sich selbstständige Apotheken, in 
Pjatigorsk sogar zwei, die eine von Bo ldt, die andere Baumgar- 
t en’sche verwaltet von Kowscharow. Alle diese fünf Apotheken 
haben während der verflossenen Saison gute Geschäfte gemacht, 
denn es gab unter den 5,000 Curgästen stets eine Anzahl intercurri- 
render Erkrankungen; manche Aerzte halten auch darauf die Mini- 
ralwassercur durch Medicamente zu unterstützen und viele Patien¬ 
ten wollen durchaus neben den Brunnen und Bädern auch Arzneien 


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' 33 


gebrauchen. Es versteht sich von seihst, dass in I^atigorsk selbst 
der Verbrauch von Quecksilber, Jodk&linm und Jodoform den aller 
anderen Mittel übertraf. Eine Statistik der Krankheiten hoffen wir 
in einem officiellen Bericht der jetzigen Verwaltung in Kürze er¬ 
scheinen zu sehen, obgleich die von ihr gewünschten Beiträge sei¬ 
tens der prakticirenden Aerzte nicht genau ausfallen konnten, da 
einfach die Kranken sich weigerten, mit Namen und Krankheits- 
diagnose statistisch verwerthet zu werden. So wurden die von der 
Verwaltung ausgegebenen Blanks theilweise ohne Namen, theils 
ohne Diagnose, theils mit veränderter Bezeichnung der Krankheit 
eingereicht. 

Höchst wichtig ist das Resultat von Bohrversuchen, welche wäh¬ 
rend dieses Sommers in Essentuki gemacht wurden. Was Leon 
Dru vor zwei Jahren nicht gelang, soll jetzt unsern einheimischen 
Ingenieuren gelungen sein, nämlich das Auffinden eines der Quelle 
Jfi 17 entsprechenden, ergiebigen Wassers. Da diese Quelle, die 
wichtigste, heilsamste und berühmteste von Essentuki, seit zwanzig 
Jahren merklich abnahm, so dass sogar ihr Versiegen in einer bere¬ 
chenbaren Zeit bevorstand, so ist die Entdeckung eines identischen 
Wassers geradezu eine Lebensfrage für Essentuki und dieselbe soll 
durch Bohrungen glücklich gelöst sein. 

Fjatigorsk mit seinen 3 Nacbbarcurorten und ihrem etwa halben 
Hundert Quellen steht noch eine grosse Zukunft bevor; wenn sich 
Unternehmungsgeist und Capital, inländisches oder ausländisches, 
mit der Intelligenz und Technik, namentlich aber auch mit der Erfah¬ 
rung hiesiger Aerzte und Ingenieure vereinigt, so könnte diese glän¬ 
zende Zukunft bald heraufgeführt werden. 

Referate. 

H. Burckhardt: Ueber die Exstirpation der Kropf¬ 
cysten. (Centralbl. f. Chirurg. 1884. M 43). 

Da die Punction mit nachfolgender Injection medicamentöser Lö¬ 
sungen bei Kropfcysten nur unsichere Resultate geben, nicht ohne 
Gefahr sind, und die Incision mit Vernähung der Cystenwand mit der 
Haut lange Heilungsdaner fordert, hat Verf. die letzten Jahre alle 
solitären Kropfcysten exstirpirt, die einer Therapie bedurften, und 
ist mit dem Erfolg sehr zufrieden; in allen 17 Fällen trat Heilung 
ein, in den letzten 9 Fällen durchschnittlich in 19 Tagen. Meist 
fand Verf. den Cystensack sehr verdickt, oft mitKalkeinlagerungen, 
daher die Erfolglosigkeit von Injectionen verständlich sei. Bei der 
Operation beachtenswert sei, dass die Cysten immer innerhalb der 
SchiJddrüsenkapsel sässen, dass also letztere immer zuerst zu spalten 
sei; berücksichtige man diesen Umstand nicht, so passire es leicht, 
dass man sich im Parenchym von der Cystenwand entferne und da¬ 
durch leicht heftige Blutungen bekomme; gestielte Cysten sind 
selten. Der Zusammenhang der Cystenwand mit dem Parenchym 
der Drüsen sei viel inniger als mit der Drüsenkapsel, ebenso seien 
dort auch die Gefässverbindungen zahlreicher, trotzdem sei eine 
Ablösung in allen operirten Fällen möglich gewesen. Ob man sich 
bereits auf der Cystenwand befinde, oder ob diese noch von einer der 
Schilddrüsenkapsel ungehörigen Lamelle bedeckt sei, erkenne man 
an dem Verlauf der Gefässe. Denn in der Cystenwand selbst ver¬ 
laufen keine nennenswerten Qefässe parallel ihrer Oberfläche und 
die zur Cystenwand gehenden Arterien und Venen haben eine zur 
Cystenwand annähernd rechtwinklich gestellte Verlaufsrichtung. 
Ueber der Cyste liegendes Parenchym wird durchschnitten bis die 
Cystenwand blank za Tage liegt. Dieses Parenchym ist gewöhnlich 
verändert und blutet daher nicht stark. Die eigentliche Ausschä¬ 
lung der Cyste macht Verf. stumpf, der Hautschnitt braucht dabei 
nicht die ganze Länge der Geschwulst zu haben. Wird die Cyste 
während der Operation angestochen, so räth Verf. sie ganz zu spal¬ 
ten und den entleerten Balg auszuschälen. Die Blutstillung und 
Ablösung der Cystenwand wird dadurch etwas erschwert. Zum 
Schluss Drainage und exacte Naht. Die exstirpirten Cysten waren 
hühnerei- bis kindskopfgross. T. 

W. Steinfeld: Ueber die Wirkung des Wismuths auf 
den tbierischen Organismus. (Dorpater Inauguraldisser¬ 
tation 1884> 

Obgleich die Gruppe der Schwermetalle eine Reihe für die medi- 
cinische Praxis höchst wichtiger Substanzen enthält, so ist die phy¬ 
siologische Wirkung derselben doch im Ganzen noch sehr wenig be¬ 
kannt. Es rührt das daher, dass die therapeutisch benutzten Prä¬ 
parate der schweren Metalle fast durchweg entweder unlösliche Ver¬ 
bindungen sind oder doch auf Eiweisslösungen oder Blut coagulirend 
wirken und deshalb nicht resorbirt weiden können. Das gilt na¬ 
mentlich auch vom Wismuth, dessen fast ausschliesslich angewandtes 
Präparat, das Magisterinm Bismuthi, ja gleichfalls im Magen-Darm- 
tractus nur locale Wirkungen zu entfalten vermag. Seit jedoch 
K o c h e r an einigen von seinen mit Magisterum Bismuthi behan¬ 
delten Operirten allgemeine und in einem Fall sogar tödtliche Ver¬ 
giftungssymptome beobachtete, ist die Frage von der physiologischen 
Wirkung des Metalls brennend geworden. Einen höchst dankens¬ 
werten Beitrag zur Lösung derselben hat Steinfeld in seiner 
Dissertation geliefert. Er benutzte zu seinen Experimenten eine 
schwachalkalische Lösung von weinsaurem Wismuthoxydnatrium, 
welche sowohl durch subcutane als durch intravenöse Injection in 
den Blutkreislauf gebracht werden kann, ohne daselbst Gerinnungen 


zu bewirken, und es zeigte sich, dass in dieser Form das Wis¬ 
muth ein energisches Gift für den thierischen Organismus sei . 
Ich übergehe die Versuche an Fröschen und Hühnern und wende 
mich zu den Experimenten an Säugetieren (Mäusen, Ratten, Ka¬ 
ninchen, Katzen und Hunden), welche für den praktischen Arzt von 
grösserem Interesse sind. Bei Katzen und Hunden war eine Dosis 
des Weinsäuren Wismutnatriums, welche 14 bis 90 Milligramm 
Wismutoxyd uro Kilogramm des Thieres entielt, schon tödtlich. 
Zunächst wird aie Respirationsfirequenz sehr gesteigert, dann treten 
klonische und tonische Krampfanfälle auf, ferner Störungen der Co- 
ordinationsfähigkeit und in wenigen Stunden kommt es unter conti- 
nuirlichem Sinken des Blutdruckes und der Pulsfrequenz zum Herz¬ 
stillstände durch Lähmung des vasomotorischen Centrums in der 
Medulla oblong, und der excitomotorischen Herzganglien. — Bei 
subcutaner Einverleibung kleiner Dosen konnte Verf. chronische 
Vergiftungen hervorrufen, welche je nach der Menge des injidrten 
Giftes den Tod in 5 bis 13 Tagen bewirkten. Die Vergiftungssymp¬ 
tome bestanden in Erbrechen, Durchfall, Salivation, jauchender'Sto¬ 
matitis, Albuminurie, allgemeinen klonischen, epiieptiformen oder 
auch tetanischen Krämpfen und schiesslich in Lähmungserschei¬ 
nungen und allmäligem Aufhören der Herztätigkeit. Im Urin liess 
sich stets Wismuth nach weisen.—Die Section ergab neben parenchy¬ 
matöser Nephritis den interessanten Befund, dass ausnahmslos die 
Schleimhaut des Coecum, des Processus vermiformis und der obere 
Theil des Colon kohlschwarz pigmentirt war und öfters grosse Sub¬ 
stanzverluste durch necrotischen Zerfall erlitten hatte. Eine ge¬ 
nauere chemische und mikroskopische Prüfung zeigte, dass diese 
Schwarzfärbung von Schwefel wismuth herrührte, welches die Lymph- 
* gefässe der Schleimhaut erfüllte und besonders den Lympbkörper- 
eben anhaftete. An diese, am Dickdarm beobachteten Thatsachen 
knüpfen sich höchst wichtige und interessante Fragen über die Aus- 
scheidung des Wismuths, ja der schweren Metalle überhaupt, über 
die physiologische Function des Dickdarmes etc., jedoch werden die 
diesbezüglichen Untersuchungen des Verf. an anderer Stelle ver¬ 
öffentlicht werden. D—o. 


Bücher Anzeigen und Besprechungen. 

W.Podwyssotzki (Sohn): Kefir, Kaukasisches G&h- 
rungaferment und Getränk aus Kuhmilch. Aus dem 
Russischen nach der dritten Auflage übersetzt von Moritz 
Schulz. St. Petersburg, Verlag von Carl Ricker. 1884. 
73 Seiten. 

Es werden gewiss viele Collegen, namentlich in Deutschland, dem 
Uebersetzer der P’schen Arbeit, die im Laufe eines Jahres bereits 
3 Auflagen erlebte, Dank wissen, denn bisher fehlte es an einer 
deutschen Schrift, welche die bereits stark angewachsene Kefir-Li- 
teratnr, übersichtlich bearbeitet, kritisch gesichtet und durch ei¬ 
gene Forschung vervollständigt dem Leser darbietet. Die P.’sche 
Schrift macht uns mit der Geschichte, Literatur, Zubereitung, Zu¬ 
sammensetzung des Kefir, sowie mit dessen physiologischer und 
therapeutischer Bedeutung bekannt. 

Wenn wir nun noch daran erinnern, dass P. im verflossenen Som¬ 
mer seine Forschungen im Kaukasus, an den Heimatbsorten des 
Kefir, fortgesetzt, so geht schon daraus allein der Werth des vor¬ 
liegenden Büchleins hervor. Die Uebersetznng ist eine fliessende 
und correcte. P. 

W. N. D m i t r i e w: Kefir. Ein Heilgetränk aus Kuh¬ 
milch. (B. H J,MHTpie B< b: Ketfuipi». Jleqe6Hui 
HanHTOKb EWb ROpOBbiiro MOJlORa). III. Auflage (bedeu¬ 
tend vermehrt und vervollständigt). St. Petersburg, Verlag 
von C. Ricker. 1884. 96 Seiten. 

Das D m i t r i e w 'sehe Buch erscheint in kurzer Zeit bereits zum 
3. Male, ein Beweis dafür, wie das Interesse für die Kefirfrage in 
stetem Wachsen begriffen. Bekanntlich hat D. sein Buch mehr po¬ 
pulär gehalten, doch hat es auch für den Arzt einen nicht zu unter¬ 
schätzenden Werth, namentlich durch die Angaben über die Berei¬ 
tung des Kefir und über seine Untersuchungen über das Ferment der 
Knollen desselben. Wir können das Buch daher den Collegen em¬ 
pfehlen, wenn sie ihre Patienten mit der Kefirfrage bekannt machen 
wollen. P. 

Krauss: Die Psychologie des Verbrechens. Ein Beitrag 
zur Erfahrungsseelenkunde. Tübingen, Laupp. 1884. 8. 
421. S. 

Dag vorliegende Werk enthält nach den Worten des Verf. die Ge- 
sammtheit einer fast fünfzigjährigen Erfahrung über Bedingung und 
Erscheinung des Verbrechens. Es zerfällt in zwei Theile, deren 
erster nach einer ausführlichen grundlegenden Begriffsentwickelung 
eine allgemeine Aetiologie des Verbrechens bietet, während der zweite 
sich eingehend mit den hervorragendsten Charakterformen desselben 
beschäftigt. Die Gesichtspuncte des Verf. sind in Kürze folgende: 

Verbrechen ist eine bewusste Gesetzesübertretung bei voller gei¬ 
stiger Normalität. Diese aber besteht in der Integrität des Selbst¬ 
bewusstseins incl. sittlichen Bewusstseins und der Fähigkeit nach 
Vernunftprincipien zu handeln. Auf der Höhe dieser sittlichen Frei¬ 
heit und der aus dieser sich ergebenden Verantwortlichkeit für seine 
Handlungen steht der Mann, besonders der durch geistige Cultur 


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34 


und höhere Denkkraft ausgezeichnete. Beim Weibe wird durch die 
überwiegende Empfindungsstärke einigerma&ssen das sittliche Selbst¬ 
bewusstsein getrübt nnd der sittliche Wille beeinträchtigt, im Grei- 
senalter führt die senile Involution noch sicherer za demselben Re¬ 
sultate, die Kindheit and die Uncaltar repräsentiren die Unreife, 
der Idiotismus ein mehr oder weniger ausgesprochenes potentielles 
Unentwickeltsein des sittlichen Bewusstseins. Aber auch beim 
gereiften Mann kann die Zurechnungsfähigkeit aufgehoben sein 1) 
durch normale Schlafzustände und 2) durch pathologische Abwei¬ 
chungen von der geistigen Normalität, wie sie sich aus acut fieber¬ 
haften Krankheiten, aus Neurosen und Psychosen ergeben; dass 
letztere vom Verf. eingehend besprochen werden, ist selbstverständ¬ 
lich. 

Das Selbstbewusstsein wird ferner auch durch die Naturanlage des 
Individuums beeinflusst, äussert sich verschieden je nach Tempera¬ 
ment und Gemüthsart, sowie unter dem Einflüsse verschiedener Af- 
fecte und Triebe. Es kann, wie es die Quelle der Sittlichkeit ist, 
auch die der Unsittlichkeit werden, insofern es zur Selbstsucht führt 
und in Befriedigung der letzteren die Schranken des Sittengesetzes 
überspringt. Die Selbstsucht äussert sich bei der grossen Mehrzahl 
als Eigennutz, bei erhöhter Reizempfänglichkeit hingegen, beson¬ 
ders wenn sich dazu noch eine hervorragende Energie und hinrei¬ 
chende Intelligenz gesellen, nimmt sie die Form der Leidenschaft 
an und spielt als solche eine Hauptrolle unter den Causalmementen 
des Verbrechens. Dieses gilt sowohl von den activen Leiden¬ 
schaften (Hab-, Ehr-, Herrsch-, Wage-, Rachsucht), welche nur 
durch den Erfolg befriedigt werden, als auch ganz besonders von den 
passiven (Genusssucht und Sexualität) deren Ziel der Genuss, deren 
Ausgang8punct die Arbeitsscheu ist—von letzteren um so mehr, als 
Genusssucht und Arbeitsscheu nicht nur zu rascher Demoralisation, 
d. h. zur Verminderung der sittlichen Widerstandskraft, sondern 
auch zur Noth führen und dadurch zum Verbrechen zwingen . 

Unter den entfernteren Ursachen des Verbrechens nehmen endlich 
noch die Fehler der Erziehung eine hervorragende Stelle ein. Die¬ 
selben führen namentlich den grossstädtischen Proletarier nur zu oft 
unrettbarem moralischem Verfall entgegen, weil hier zur frühzeiti¬ 
gen bösen Angewöhnung noch Verbitterung gegen die Gesellschaft, 
Verhetzung und Frechheit kommen und allen besseren Einflüssen 
entgegen wirken. 

Die das Verbrechen veranlassenden Ursachen lassen sich in zwei 
Gruppen bringen. Die erste derselben, wohin Noth, Gelegenheit, 
Verleitung, Affecte, Rausch gehören, wirkt gleichsam durch Ueber- 
raschung, zur zweiten ist die Selbstsucht und ihre Erscheinungswei¬ 
sen: Eigennutz, Gelüste, Leidenschaften zu rechnen. Todeswürdigen 
Verbrechen liegt übrigens häufig eine Vervielfältigung der Motive 
zu Grunde und nicht immer ist sich der Verbrecher des Hanptmoti- 
ves bewusst. wenn sich dasselbe aus dem vorherrschenden (Jharak- 
terzuge des letzteren auch meist deutlich genug ergiebt. Die häu¬ 
figste Triebfeder des Verbrechens ist der Eigennutz, an welchen sich 
in gewissem Sinne der Wahn anschliesst, weniger Gespensterglaube 
und Hexenfurcht u. s. w., welche ja auch noch immer die Rechts¬ 
pflege interessiren, als jener verhängnissvolle religiöse oder politi¬ 
sche Wahn grosser Massen, welche durch Bosheit, ruhelosen Ehr¬ 
geiz und unersättliche Herrschsucht einzelner Invididuen leicht in 
die Bahn der Gewaltthaten gelockt wird und dessen Lebensäusse- 
rongen aus jüngster Zeit und nicht am wenigsten in unserem Vater¬ 
lande, uns in frischem Gedächtnisse leben. 

Betreffs der einzelnen Charakterformen des Verbrechens müssen 
wir um so mehr auf das Buch selbst verweisen, als wir das sorgfäl¬ 
tig aasgelesene und analysirte casuistische Material doch nur so 
nebenbei erwähnen könnten, und gerade dasselbe bietet unseres Er¬ 
achtens den grössten Theil des praktischen Nutzens dar, welchen 
dieses Buch dem Gerichtsarzte zu bringen berufen Ist. 

Zum Schlüsse seiner Ausführungen präcisirt Verf. die Pflicht des 
Staates und der Gesellschaft dahin, dem Sittengesetze in seinem 
Kampfe gegen die Selbstsucht nachdrücklich beizustehen. Strenge 
ist hierbei rationeller als Milde, welche Ueberzeugung aber sowohl 
in der Gesetzgebung, als namentlich in der Gesellschaft noch nicht 
hinreichend entschiedenen Ausdruck findet. Das Zuchthaus ist eine 
Hochschule des Verbrechens und kann als einziges rationelles Sur¬ 
rogat desselben die Deportation angesehen werden, weil nnr diese je 
eine sittliche Wiedergeburt des Verbrechers zu Stande brächte. Für 
den Mord aus kalt eigennützigen Motiven ist die Todesstrafe durch 
keine andere Strafform zn ersetzen. 

Das Studium des vorliegenden Werkes hat uns grossen Genuss be¬ 
reitet nnd wünschen wir, dass noch viele andere Leser dasselbe er¬ 
fahren. Grubert. 


Auszug aus den Protokollen des deutschen ärztlichen 

Vereins. 

Sitzung vom 19. März 1884. 

1. Dr. A s 8 m u t h spricht über die Behandlung des Cystospasmus. 
Bei spastischen Stricturen handle es sich um Hyperkinese der Harn¬ 
wege, die sich in Contraction des Compressor äussere, bei Cysto¬ 
spasmus sei das Essentielle die Contraction des Detrusor. In ein¬ 
zelnen Krankheitsfällen hat man beide Muskeln alterniren sehn. 
Der Cystospasmus stellt meist ein selbständiges Leiden dar, die Be¬ 
dingungen seiner Entstehung sind, wenigstens häufig, unbekannt; 


seltener ist es Symptom eines vorhandenen Blasensteins ; schon häu¬ 
figer wird der Cystospasmus durch Excorationen, die ihren Sitz im 
Blasenhalse haben, bedingt. Die Therapie bestand in Injectionen 
in die Pars prostatica, in Aetzungeu des Blasenhalses und in An¬ 
wendung verschiedener Narcotica. Dr. Assmnth hat in 3 Fällen 
bei Frauen die gewaltsame Dehnung der Urethra, nach Analogie 
des von Recamier bei Proctospasmus eingeführten Verfahrens, 
mit gutem Erfolg vorgenommen. Die Fälle waren folgende: 1) vor 
4 Jahren. Eine 40jährige Frau litt seit mehreren Jahren an Blasen¬ 
krämpfen, Ischurie, die an Häufigkeit Zunahmen. Es wurde cha¬ 
rakteristische Urina spastica entleert, deren Reaction stark sauer 
war, also war kein Blasenkatarrh vorhanden, sondern eine Neurose 
lag vor. In Chloroformnarkose wurde mit den Fingern die Deh¬ 
nung der Urethra ausgeführt. Nach einer Woche erklärte sich die 
Frau für völlig gesund. 

2) Vor Jahren. Eine 3Cjjährige Frau die mehrfach geboren 
hatte, litt seit einem Jahre an Biasentenesmen, die gewaltsame 
Dehnung hat nur Besserung zur Folge gehabt. Nach 1-fr Wochen 
wurde die Operation wiederholt und hatte vollen Erfolg, nach 2 Mo¬ 
naten waren die Erscheinungen des Cystospasmus noch nicht wieder¬ 
gekehrt. 

3) Vor 4 Wochen trat eine 40jährige Frau in’s Evangelische Ho¬ 
spital, die seit lange an heftigen qualvollen Biasentenesmen litt, bis 
30 Mal in einer Nacht war sie gezwungen zu uriniren, häufig be¬ 
stand Hämaturie. Zur Zeit des Eintritts in’s Hospital war der 
Harn blutfrei, Urina spastica. In tiefer Narkose wurde die Erwei¬ 
terung der Urethra ausgeführt, dabei wurde constatirt, dass die 
Blase kein Concrement enthält, aber eine wulstige Auflockerung 
eines Theils der Schleimhaut gefühlt, die links vom Blasenhalse aus 
aufstieg. und in Anbetracht der häufigen Blutungen den Verdacht 
auf Papillom erregte. Nach ausgeführter Dilatation wurden noch 
einige Sphincterfibrilien eingeschnitten. Nach der Narkose wurden 
die Schmerzen heftiger wie je, aber am Morgen war der frühere Zu¬ 
stand wiedergekehrt, keine Incontinenz. Im Laufe einer Woche 
erfolgte langsam fortschreitende Besserung, die Blasenentleerung 
wurde nur c. 4 Mal in 24 Stunden nöthig, und fand statt ohne 
Schmerz und Tenesmen. Nnr leichtes Brennen während des Urini- 
rens besteht fort. Blutharnen trat wiederholt bis zum Schluss der Be¬ 
handlung auf, nur am letzten Tage des hiesigen Aufenthaltes wurde 
der Urin ganz klar. — Der Tonus der dilatirten Urethra pflegt sich 
in 1—3 Tagen wieder vollkommen einzustellen. 

2. Dr. 8 c h m i t z theilt folgenden Krankheitsfall mit: Im Be¬ 
ginne des vorigen Jahres constatirte er bei einem 7monatlichen 
Mädchen in der linken Leistengegend einen kleinen Tnmor, der bei 
leichtem Druck verschwand, gelegentlich wiederkehrte und sonst 
keine Erscheinungen bedingte. Seit 8 Tagen war der Tumor nicht 
reponirbar, war von c. Taubeneigrösse, hatte seinen Sitz der äusse¬ 
ren Leistenöffnung entsprechend, war sehr schmerzhaft, dabei leicht 
beweglich, die Hautdecken darüber normal gefärbt, verschiebbar. 
Auch in der Narkose gelang keine Reposition; es konnte nur Netz¬ 
bruch oder ein eingeklemmtes Ovarinm sein. Dr. Schmitz schritt 
zur Herniotomie; es lag ein Organ von schwarzrother, pulpjöser Con- 
sistenz vor, an dem ein Strang, der die Tuba und das Lig. ovarii 
deutlich erkennen liess, mit der Bauchhöhle communicirte. Das 
Ovarium wurde exstirpirt, der Bruchsack unterbunden und abge¬ 
tragen, das Ligamentum latum abgebunden und reponirt. Bei fie¬ 
berlosem Wund verlauf erfolgte in c. 10 Tagen Heilung. Das Vor¬ 
kommen eines solchen Befundes ist selten, die Operation wurde nur 
durch Guersant ausgeführt in einem Fall, der durch Peritonitis 
tödtlich verlief. Vor mehreren Tagen wurde Dr. Schmitz in 
dieselbe Familie gerufen und constatirte bei einem 5 Wochen alten 
Kinde, in derselben Gegend, dieselbe Hernie von etwa Erbsengrösse, 
die sich unter gurrendem Geräusch reponiren liess. 

3. Dr. von M a y d e 11 weist darauf hin, wie unsicher und re¬ 
sultatlos alle Ziffern sind, die zur Kenntniss der Morbilität der 
Stadtbevölkerung verwerthet werden Bollen. Das ergebe sich unter 
Anderem aus Folgendem : Es ist bekannt, dass der grösste Theil 
aller Kranken in den Krankenhäusern Aufnahme finden; nachdem 
seit einem Jahre ein rapides Fallen der Thyphuserkrankungen con¬ 
statirt worden, sank auch die Morbilität der Hospitalkranken um 
800—1000, dennoch haben wir eine Höhe der Mortalitätsziffer er¬ 
reicht wie seit lange nicht, nämlich bis 44 pro mille der Bevölke¬ 
rung. Alle Schlüsse, die aus dem Material aer Hospitäler für Mor- 
bilität88tati8tik gemacht werden könnten, sind daher falsch, die 
Mortalitätsziffern geben uns ein ganz anderes Bild. Dr. v o n 
Maydell bemerkt ausserdem, dass die Hospitäler gegenwärtig 
allerdings nicht überfüllt seien, aber es wurden doch Kranke 
zurückgewiesen, das Publicum scheine eben weniger die Kran¬ 
kenhäuser aufzusuchen. Dr. H e r r m a n bestreitet, dass im 
Obuchowhospital eine irgend bedeutende Absage der Krankenauf¬ 
nahme stattfinde. Das Verhältniss der Krankheitsformen habe sich 
gegen früher verschoben; während die Infectionskrankheiten be¬ 
deutend abgenommen, treten jetzt schwere katarrhalische Erkran¬ 
kungen, Pneumonien, namentlich aber Phthisiskranke, letztere bis 
14 % der Aufnahme gegen 3% früherer Jahre, häufiger ein. Der 
Werth solcher Beobachtung für Beurtheilung der Morbilität der 
Stadtbevölkernng sei doch nicht ganz aözusprechen. Dr. B i d d e r 
meint, dass Morbilitätsstatistik für bestimmte Fragen, wie z. B. 
die Verbreitungsweise von Krankheiten, reellen Werth haben müsse. 
Dr. M o r i t z und Dr. vonMaydell halten für wissenschaftlich 


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35 


verwerthbar nur die Mortalitätsziffero, die Horbilitftt sei Ton Zn- 
(Eiligkeiten allsa abhängig and unberechenbar. Dr. Spe rck halt 
Morbilitätsstatistik nur für gewisse Theile einer Stadtbevölkerung 
möglich, also solcher die unter beständiger Aufincht steht, in Inter¬ 
naten wie 8chulen, Kasernen, Gefängnissen n. s. w. 

s. Z. Direetor: Dr. Herrmann. 

Secretair: Br. Am b urger. 


Vermischtes. 

— Hierselbst verstarb ror Kuraem in hohem Alter Geheimrath 
Dr. G. Prosorow, beständiges Glied des Hedicinalraths, des 
militär-medicinischen gelehrten Comitös und des Veterinär-Comitös. 
P. war Mher Professor der Veterinärknnde an der hiesigen medico- 
chirnrgischen Acsdemie gewesen. Kurz vor seinem Tode flbergab 
er der med. Academie ein Capital von 2000 Rbl., dessen Zinsen zur 
Bezahlung der Collegiengelder (Or zwei Studenten verwandt werden 
sollen. 

— Am 18. Januar starb hierselbst der Chef des Medicinalwesens 
des St. Petersburger Hafens und gleichzeitig Oberarzt des hiesigen 
Kalinkin-Marinehospitals { Wirk!. Stafetsrath Dr. Heinr. Bene- ! 
z e t. Sein Name ist hier in weiten Kreisen durch die von ihm ge¬ 
leitete gymnastische Anstalt (in der Admiralität) bekannt geworden, 
welche sich eines lebhaften Zuspruchs erfreute. 

— Der Professor der Histologie und Embryologie an der militär- 

mediciniiohen Academie, Dr. S a w a r y k i n, ist nach Ausdienung 
von 25 Jahren auf weitere 5 Jahre gewählt worden. , 

— Der Privatdocent Dr. A. B j e 1 z o w ist zum etatmässigen 
Docenten an der chirurgischen Hospitalklinik der militär-med. Aca- 1 
demie ernannt worden. 

— Wie dem «Temps» mitgetheilt wird, hat die Pariser medicini- 
sehe Academie bei der am 15. Januar stattgehabten Wahl eines 
ausländischen correspondirenden Mitgliedes Prof. Krassowski 
in St. Petersburg gewählt. Als Candidaten waren ausserdem Prof. 
Pan um in Kopenhagen und Dr. Sayre in New-York vorge¬ 
schlagen worden, welche aber weniger Stimmen erhielten. 

— Der Redacteur der vom Medicinaldepartement herausge^ebe- 
nen «Zeitschrift für gerichtliche Medicin und öffentliche Hygiene« 
(B-hcTHHK'b cyAeÖHOfi nejtHHiHS u oömecTBöHHofl rzridHti) steht von 
nun an im Staatsdienste und erhält ein Gehalt von 2400 R. jährlich. 

— Wie der «Wratsch« erfährt, wird in allernächster Zeit von 
der militär-med. Academie ein Concurs Behufs Besetzung des 
JjehrstuMs der Laryngoskopie ausgeschrieben werden. Bedin¬ 
gungen des Concurses sind: 1) Diplom eines Dr. medicinae; 2) Spe¬ 
cialarbeiten ans dem Gebiete der Laryngologie, sowie der Anatomie 
und Physiologie des Kehlkopfs; 3} zwei Probevorlesungen und eine « 
klinische Prüfung am Krankenbett. Solchen, welche bereits Privat- 
docenten sind, kann diese 3. Bedingung von der Conferenz der Aca¬ 
demie erlassen werden. Diejenigen, welche sich am Concurse be¬ 
theiligen wollen, haben sich im Laufe von 6 Monaten vom Tage der 
Publication des Concurseszu melden und gleichzeitig ihr Curriculum 
vitae beizufügen. 

— Verstorben : l)In St. Petersburg Dr. D r s z e w e z k i, Or- 
dinator am hiesigen Marienhospital. Unseren Lesern ist D. durch 
seine im Verein mit dem verstorbenen Dr. J. E r i c h s e n in dieser 
Wochenschrift (Jabrg. 1876, As 2 und 3) veröffentlichte Arbeit: 
«Zur Casuistik der CundurangoWirkung bei Magencarcinom» be¬ 
kannt. 2) In Weissenstein Dr. L o u i s M i c k w i t s. Nach Be¬ 
endigung seiner Studien in Dorpat war M. mehrere Jahre Ordinator 
am Marien-Magdalenen-Hospital in St. Petersburg und siedelte 
darauf nach Estland über, wo er als Landarzt prakticirte. 3) In 
Kiew der Dooent der Geburtshülfe an der dortigen Universität, Dr. 
A. S c h w a r z im 45. Lebensjahre. Der Verstorbene war gleich¬ 
zeitig Chefarzt der Südwestbahnen. 4) In Davos der bisherige 
Leiter des Hospizes des Vereins für Kinderheilstätten, Dr. A d o 1 f 
Boekmannim 29. Lebensjahre. 

_ Dr. A118 c h u 1 ist, wie er in einer Sitzung des Vereins deut¬ 
scher Aerzte zu Prag mitgetheilt hat, zu der Ansicht gelangt, dass 
die Behandlung der Brandwunden nicht eine antiseptische, resp. 
antiphlogistische, sondern eine aseptische sein müsse, und hat sich 
ihm von'Verschiedenen, zu diesem Zwecke angewandten Mitteln am 
besten das Jodoform bewährt, das er früher in dünner Schicht als 
Pulver angewandt hat, während er es jetzt in Form von Boli mit 
bestem Erfolge applicirt. (A. m. O.-Ztg.) 

— Der engliche Arzt 0 g s t o n theilt einen Fall von Scharlach 

bei einem Kanarienvogel mit. Von 2 scharlachkranken Kindern, 
welche sich bereits im Desquamationsstadium befanden, war das 
übriggebliebene Brot einigen Kanarienvögeln gegeben worden. 
Einer von diesen Vögeln, welcher besonders gierig von dem Brot 
und mit demselben eine Epidermisschuppe von den Lippen eines der 
Kinder gefressen hatte, erkrankte schwer. Er war so matt, dass 
er sich kaum aufrecht halten konnte. Die Haut unter den Federn 
war vollständig scharlachroth. Er starb, nachdem er vorher starke 
Bchluckbewegungen gemacht hatte, als ob ihm der Hals schmerzhaft 
und geschwollen wäre. (D. M.-Ztg.) 

— Huchard spricht über die diuretische Wirkung des Coffein 
in der Sitzung der Societö de tbör&peutique am 12. November 1884 
und meint, dass dasselbe, subcutan angewandt, ein, dem Aether 
vorzuziehendes Excitans darstelle. Innerlich braucht er es in fol¬ 
gender Formel: Natri benzoioi, Coffeini pari » 5,0, Aquae de- 


stiUatae 300,0. MDS. 2—6 Esslöffel voll täglich, subcutan nach der 
Tanret’schen Vorschrift; Rp. Natri benzoid 3,10, Coffeini 
pari 4,0, Aq. destillatae ad 10 Centimetr. cubic. Jeder Cubikcenti- 
meter enthält 0,10 Coffein, injicirt können täglich 0,40—0,80 wer¬ 
den. Nach Dujardin-Beaumetsist das benzoesaure Natron 
das beste Lösungsmittel für Coffein. (Progres. Med. H 46). 

— Conner, ( ephdtocele traumatica (Americ. Journ. ofthe 
Medic. Sdence). Er berichtet über 19 Fälle, von denen 2 eigne, 
von subfascialer Ansammlung von Cerebrospinalflüssigkeit nach ein¬ 
fachem Schädelbruche und zieht folgende Schlüsse: 

1) Eine einfache Schädelfractur (am Dache) kann eine Ansamm¬ 
lung von Cerebrospinalflüssigkeit unter der Kopfhaut hervorbringen, 
möglicherweise durch Eröffnung eines Gehirnventrikel. 2) Eine 
solche Cephalocele traumatica kann sich rasch oder im Verlaufe von 
Tagen und Wochen entwickeln. 8) Sie ist bis jetzt nur bei jungen 
Individuen beobachtet worden. 4) Die Affection ruft den Tod in 
gleich# Weise durch Leptomengitis oder Meningoencephalitis her¬ 
vor. 5) Der operative Eingriff sollte sich nur auf Entleerung einer 
geringen Flüssigkeitsmenge durch Aspiration beschränken und zwar 
nur bei Anwesenheit schwerer Hirndrucksymptome. 6) Eine ähn¬ 
liche Flüssigkeitsansammlung erscheint zuweilen nach Verheilung 
der äusseren Wunde bei oomplicirten Schädelbrüchen und nach Tre¬ 
panation. (New-York Medic. Record. Aug. 30.1884). 


Krankenbestand der Civil- u. Kinderhospitäler St. Petersburgs 

am 13. Januar 1885. 


M. W. Summa. 

Civilhospitäler. 2787 1825 4612 

Kinderhospitäler. 143 156 299 

Unter der Gesammtzahl befanden sich: M. W. Summa. 

Typhöse Krankheiten (abd., exanth., ree.) 203 99 302 

Scharlach. 21 29 50 

Pocken. 5 6 11 

Venerische Krankheiten.. 478 390 868 


Die Ambulanzen der Kinderhospitäler wurden in der Woche 
vom 6. Januar 1884 bis 12. Januar 1885 besucht von 3037 Kran¬ 
ken, darunter zum ersten Mal von 1369. 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs 

für die Woche vom 13. bis 19. Januar 1885. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 


M. W. Sa. 


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u M ä ja ja 3 3 -a je ja 

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340 295 635 176 50 78 8 4 16 67 55 49 62 40 22 5 3 

2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 0, Typh. abd. 9, Fehns recurrens 1, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 3, Pocken 0, Masern 1, Scharlach 10, 
Diphtherie 7, Group 1, Keuchhusten 2, Puerperalkrankheiten 3, 
Dysenterie 2, Thiergift 1, andere Infectionskrankheiten 16. 

— Gehirnapoplexie 7, Entzündung des Gehirns und seiner Häute 
34, andere Gehirnkrankheiten 19, Krankheiten des Herzens und der 
Gefässe 23, croupöse Lungenentzündung 15, acute Entzündung der 
Athmungsorgane 86, Lungenschwindsucht 117, andere Krankheiten 
der Brusthöhle 14, Gastrointestinal-Krankheiten 112, andere Krank¬ 
heiten der Bauchhöhle 24, angeborene Schwäche und Atrophia in¬ 
fam, 50, Marasmus senilis 32 Chchexia 25. 

— Tod durch Zufall 0, Selbstmord 4, Mord 0. 

— Andere Ursachen 17. 


Mortalität einiger Hauptstädte Europas. 


Name 

Neuer Styl. 

Einwohner¬ 

zahl. 

Gest, ohne die!! 
Todtgeb. || 

ii 

1. 
i! 

ä ■ 

Von 100 Oestorb. 

sind an Infoc- 
tionskrankh.gest. 

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Stockholm . . 

28 Dec.—3 Jan. 

190 115 

110 

17 

30,i 

15,4 

32, i 

Kopenhagen. • 

31 Dec.—6 Jan. 

267 000 

129 

26 

24,. 

20,i 

40t 

Berlin .... 

4—10 Jan. 

1 225 065 

568 

87 

23,4 

15, ? 

34,* 

Wien ... 

4—10 Jan. 

759849 

392 

33 

26, s 

8,4 

34,t 

Brüssel • . . 

28 Dec.—3 Jan. 

171 293 

77 

5 

23,4 

6,« 

32 t s 

Paris .... 

4—10 Jan. 

2 239928 

1192 

155 

27.» 

13 o 

29,» 

London . . • 

4—10 Jan. 

4019 361 

1956 

192 

25,o 

9.« 

36,4 

St. Petersburg 

11—17 Januar 

928 016 

570 

55 

31,. 

o,. 

30,» 


Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger Aerzte 
Dienstag den 6. Februar 1886. 


Nächste Sitzung des deutschen ärztliohen Vereins 
Montag den 28. Januar o. 


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36 


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CBNeue Folge. St. Petersburger im««««* 

^ (ln der Reihenfolge X. Jahrgang.) 

Medicinische Wochenschrift 

unter der Redaction 

von Prof. ED. v. WAHL in Dorpat und Dr. L. v. HOLST in St. Petersburg. 


Die «St. Petersburger Medicinische Wochenschrift» erscheint jeden Sonn¬ 
abend. Der Abennements-Preis ist In Russland 8 Rbl. für das Jahr, 
4 Rbl. ffcr das halbe Jahr inclusive Post-Zastellung; In den anderen Lln- 
dtra 16 Mark jährlich, 8 Mark halbjährlich. Bestellungen übernehmen 
die Buchhandlungen aller Länder. Der Insertions-Preis für die 3 mal 
gespaltene Zeile in Petit ist 13 Kop. oder 40 Pfenn. 


Manuscripte sowie alle auf die Redaction bezügliche Mitteilungen bittet 
man an den geschäftsführenden Redacteur, Dr. L. v. Holst in St. Peters¬ 
burg, Evangelisches Hospital, Abonnements-Aufträge, Inserate etc. an 
die Buchhandlung von C. Ricker in St. Petersburg, Newsky-Prosp. H 14 
zu richten. Ausser dem Honorar (16 Rbl. pro Bogen) werden den Autoren 
2$ Separatabzüge ihrer Original-Artikel sugesandt. 


Nt 5. St Petersburg, 2. (14.) Februar 1885. 


* Bbormann: Zur Frage der Steinoperation bei Franen. — Referate. W. Grohmann: Ueber die Einwirkung des nel- 

lenfreien Blutplasma auf einige pflanzliche Mikroorganismen. — F. Rubinstein: Einige Bemerkungen über die Ursachen der Foetalla- 
gon. —-Prof. P. Kraske: Ueber die Entstehung seeundärer Krebsgeschwülste durch Impfang. — Bücher-Anzeigen und Besprechun¬ 
gen* 0. von Gr ü n e w a 1 d t: «Ueber die humanitäre und wissenschaftliche Bedeutung kleiner Gebärasyle nebst einem Bericht über dis 
Vorkommnisse in dem Gebärasyle des Verfassers su St. Petersburg.» — Kochs: Ein neues Fleischpepton. Nähr- und Genussmittel für 
Kranke und Gesnnde. — Sir Henry Thompson: Vorlesungen über einige wichtige Fragen aus asm Gebiete der Chirurgie der Harn- 
? r S? n ^* • P a 7 : Ueber Kopfschmersen. — Auszug aus den Protokouen der Gteselkekmß praktischer Aerzte su Riga. — Proto- 

koUe des Vereins St. Petersburger Aerste. — Vermischtes. — Mortalitäts-Bulletin 8t. Petersburgs . — Mortalität einiger Haupt¬ 
städte Europas. — Anzeigen. 


Zur Frage der Steinoperation bei Frauen. 

Vortng gehalten im Venia St. Petersburger Aerste am 11. Dec. 1881. 

Von 

Dr. Ebermann. 


uw wumvumMf öui ftsscs gvuvn wr omMNram au 

der Dissertation von WenzisI&naPelik&n 1872, S. 
7 findet man eine vergleichende Tabelle: Vorkommen der 
Steine bei Männerund Frauen; die Totalzahl der Stein- 
kranken 10,975, darunter 10,592 Männer and nur 383 
Frauen, also auf 27 steinkranke Männer kommt 1 Frau. 
Weil die Frauenharnröhre kurz, dehnbarer und sehr weit ist, 
so muss man annehmen, dass kleinere Concremente leicht 
. und sehr oft ohne Wissen der Patientinnen entleert werden 
können. In der That, wenn man in der Literatur nach- 
sehlägt, so findet man spontanen Abgang von colossalen 
Steinen durch die Harnröhre der Frauen angegeben, so z. 
B. schon C e 1 s n 8 hatte spontanen Abgang der Steine bei 
* Franen beobachtet, Kerkringund Bartolinussa- 
hen Steine von der Grösse eines Hühnereis, B o r e 11 i and 
C o 1 o t sogar eines Gänseeis abgeben. Fälle von spon¬ 
tanem Abgänge von Steinen mehr oder weniger bedeutender 
Gröase hat Günther in seinem Lehrbnche von den bin* 
lägen Operationen S. 387 gesammelt. Deshalb begnügten 
sich verschiedene Operateure die Entfernung des Blasen¬ 
steins bei Franen nnr durch die Dilatation der Harnröhre 
zn vollziehen: so Celsus, die Egypter etc. Peter 
Frank benutzte zur Dilatation ein besonderes Dilatato- 
rium, FabriciusHildanus ein Gorgeret, A. C o o - 
per und B- B e 11 e gebrauchten den Weis s’schen Dilata¬ 
tor; 8imon seine Hartkautschuk-Dilatatoren. Später 
verband man die Dilatation mit Einschnitten der Harnröhre 
bald in der weniger dehnbaren, äusseren Oeffnnng, bald in 
den höher gelegenen Tbeilen derselben. Ich lassse hier 
die anderen Operationsmethoden weg, wie Sectio vesico-va- 
ginalis, hypogastrica und hebe nur die Entfernung der 
Steine und Fremdkörper durch die einfache Dilatation und 
durch den Einschnitt der Harnröhre hervor. — Die bei W. 
Pelikan in der Dissertation beschriebenen 64Opera¬ 
tionsteile sind gesammelt vom Jahre 1581 bis 1871. Unter 
diesen wurden Steine and Fremdkörper entfernt: durch 


die einfache Dilatation in 4 Fällen, durch mehr oder we¬ 
niger tiefen Einschnitt der Harnröhre 7 Fälle, and durch 
Vestibalarschnitt 4 Fälle, die anderen durch Sectio vagi¬ 
nalis, nur 4 durch Epicystotomie and 2 durch Lithotripeie. 

Vom Jahre 1870 bis jetzt habe ich in 7 Fällen von Li- 
thiasis bei Franen wie folgt operirt: a) Lithotripaie bei 1 
Frau, b) Extraction inernstirter Haarnadeln bei 2 Frauen 
(bei einer wurde die Harnröhre dilatirt, bei der anderen 
ohne vorhergehende Dilatation dieselbe durch meinen Ex- 
tractor für Fremdkörper der Blase entfernt), c) Extraction 
eines Steines mittelst eines Lithotriptors direct ohne Dila¬ 
tation der Harnröhre 1 Fall, endlich d) 3 Fälle von Ex¬ 
traction der Steine dnreh Einschnitt eines Theils oder auch 
der ganzen Harnröhre. 

Bei der Lithotripsie, welche ich in 8 rasch auf einander 
folgenden Seancen 1870 gemacht habe, können Sie, M. H., 
sehen, welche grosse (2 Gtm.) Bruchstücke durch die nicht 
dilatirte Franenharnröhre passiren konnten. — Im 1. Falle 
der Anwesenheit einer Haarnadel in der Blase, bei einem 
20jährigen Mädchen, entfernte ich erst den Fremdkörper, 
dann folgte die Lithotripsie des hei der Extraction der 
Haarnadel zerbröckelten, recht grossen Steins; das letzte 
Bruchstück, ungefähr 1 Ctm. dick, 5 Ctm. lang and 2 Gtm. 
breit, klemmte sich in der Harnröhre ein, ich fasste das¬ 
selbe mit einer Kornzange and entfernte es so mit Leich¬ 
tigkeit aas derselben. In diesem Falle war die Harnröhre 
zum Zwecke des Entfernens der Haarnadel vorher mit dem 
Weiss’schen Spiegel dilatirt, so dass mein Zeigefinger 
and neben ihm eine gewöhnliche Kornzange bequem in die 
Blase eingeführt werden konnten. — lm 2. Falle, welcher 
bei einem ungefähr 25jährigen Dienstmädchen vorkam, war 
die aus der Blase heraasgezogene Haarnadel an ihrer Ober¬ 
fläche nur etwas incrostirt. Die operirten Steinkranken 
waren folgende: 

I. Frau R. ans dem besseren Stande, Wittwe 54 J., mas¬ 
sig guter Körperbau, kinderlos, seit 12 Jahren keine Re¬ 
geln, sachte meinen Rath am 13. Januar 1883 wegen star¬ 
ker Schmerzen beim Uriniren, welche aber nicht constant 
die K. beunruhigten und an welchen sie schon 9 Monate 
litt Die verschiedenen Curen, wie Gebrauch von Vichy c. 
6 Monate, dann 2 Monate Milchcur, warme Bäder, Kali 


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38 


chloricum intern haben nur zeitweise die Schmerzen gelin¬ 
dert, nicht aber beseitigt. Vor einem Jahre hatte Patientin 
eine starke rechtsseitige Nierenkolik mit Abgang von 10 
dunkel braungelben, kleinen Concrementen. Bei der Un¬ 
tersuchung per vaginam entdeckte ich linkerseits, gleich 
über dem Collum vesicae eine etwa wallnussgrosse, läng¬ 
liche, harte Geschwulst; der eingeführte Metallcatheter 
stiess auf einen barten Stein, welcher die obenerwähnte 
Geschwulst bildete. 

Den 15. Januar führte ich in die Blase einen löffelartigen 
Lithotriptor ein, fasste den Stein in querer Richtung und 
da er beim Drucke mit Hülfe des Pignons nicht brechen 
wollte (er war zu hart), so lockerte ich die Branchen des 
Instrumentes und dirigirte den Stein mit dem in die Vagina 
eingefübrten Finger nach derLängsaxe des Instruments und 
mit nicht zu grosser Mähe zog ich denselben aus der Blase 
heraus. Es zeigte sich eine leichte Blutung aus der Harn- 
röhre und Tags darauf fand ich die Urethra etwas ange¬ 
schwollen, was aber nach dem Gebrauche von Bleiwasser¬ 
umschlägen in 2 Tagen schwand. Der exstirpirte Stein von 
gelblicbbrauner Farbe (Urat) hat die Form eines Radies¬ 
chens, oben am dicken Ende sitzt fest angeheftet ein erb- 
spngrosses Concrement.. 

- D. Frau B.Wittwe, 68 Jahre alt, von mässig 

tem Körperbau, sehr nervöser Natur, Besitzerin eines 
nsionnats, welches sie übrigens schon längst aufgegeben 
hat, leidet seit mehreren Jahren an Harnbeschwerden 
(Schmerzen und häufigen Tenesmen). Der Urin trübe, 
übelriechend, ammoniakalisch, mit starkem Satze, aus 
Eiter und Tripelphospbaten bestehend. Seit den letzten 
3 Monaten ist der Zustand unerträglich, so dass sich die 
Kranke im Anfang Februar 1871 an mich wandte. Bei 
der Untersuchung der Blase fand ich in dem erweiterten 
Blasenhalse einen eingekeilten Stein, ungefähr von der 
Grösse eines kleinen Hühnereis. Zwischen dem Stein und 
der hinteren Harnröhrenwand konnte man nur mit Mühe 
einen gewöhnlichen silbernen Catheter in die Blase durch¬ 
führen, wo ich auch auf Concremente stiess. Ich schlug 
vor, durch eine Operation den Stein zu entfernen; mit vie¬ 
len Bedenken entschloss sich endlich die Patientin auf mei¬ 
nen Vorschlag einzugehen und am 15. Februar schritt ich 
in Chloroformnarkose zur Operation Ich schnitt die hin¬ 
tere Harnröhrenwand ungefähr auf 2‘/» Ctm. in der Mittel¬ 
linie auf und entfernte mit der Zange den Stein aus dem 
erweiterten oberen Theile der Harnröhre. Beim Heraus¬ 
ziehen bröckelte die äussere Schicht ab. Der in die Blase 
eingeführte Finger fand Incrustationen der Blasenwände, 
welche ich sämmtlich mit der Fingerspitze ablöste und 
theils mit der Zange, theils mit dem Löffel entfernte. Den 
15. Abends stieg die Temperatur auf 38,5; durch den fort¬ 
während abfliessenden Urin fühlte die Patientin brennende 
Schmerzen in der Wunde, welche sich übrigens nach einigen 
Stunden verminderten. Deo 16. Abends war die Tem¬ 
peratur 40,5, welche gegen Morgen am 17. auf 37,0 sank. 
Am 20. wurden die Temperaturen normal, es stellte sich 
aber eine starke Diarrhoe ein, welche bis zum 10. März 
dauerte. Schon am 22. Februar konnte die Kranke den 
Harn willkürlich halten. Im Laufe des März-Monats 
eicatrisirte sich vollständig die Wunde der Harnröhre. 
Den Sommer erholte sich die Kranke in Zarskoje-Sselo und 
lebte noch bis 1880, ohne je Harnbeschwerden wieder ge¬ 
habt zu haben. 

III. Frau von K.70 Jahre alt, von guter Consti¬ 

tution, Wittwe, litt seit vielen Jahren an Harnbescb werden. 
Die letzten 2 Monate hatten sich die Tenesmen und Schmer¬ 
zen beim Uriniren sehr gesteigert, deshalb suchte, am 15. 
Mai 1871 die Patientin meine Hülfe. Ich entdeckte einen 
Blasenstein und versuchte bei ihr die Lithotripsie zu 
machen, es gelang mir aber nicht den in dem Blasenbalse 
und erweiterten oberen Theile der Harnröhre liegeuden 
Stein zu fassen, sogar das Instrument zu öffnen. Deshalb 
machte ich der Kranken (am 24. Mai) in Chloroformnarkose 


einen Einschnitt in der Mitte der Vaginal-Urethral wand, 
vom Orificium externum urethrae an bis zur Stelle, wo der 
Stein sass (ungefähr über 3 Ctm.) und extrahirte mit Leich¬ 
tigkeit den fast hübnereigrossen, etwas höckerigen Stein, 
welcher an der Oberfläche aus harnsaurem Ammonium be¬ 
stand. Patientin fühlte sich wohl nach der Operation, nur 
beim unwillkürlichen, ruckweisen Abfliessen des Urins hatte 
sie brennenden Schmerz in der Wunde, welcher nach 24 
Stunden sich schon bedeutend verminderte. Am 29. Mai, 
in Folge eines Diätfehlers (Abends ass sie eine fette, ge¬ 
räucherte Wurst) bekam Patientin Erbrechen und leichtes 
Fieber, welche nach dem Gebrauche einer Dose 01. ricini 
und ricinöser Mixtur den 3. Tag darauf schwanden. Ddt 
11. Juni war die Wunde vollständig cicatrisirt, es blieb 
noch ungefähr 2 Monate eine Incontinenz, welche nach dem 
Gebrauche des inductiven Stromes aoeh schwand. 

IV. Im Anfang Januar 1884 bat mich eine alte 78jüh- 
rige Dame, Generalmajors-Wittwe H..., ihr Hülfe za 
leisten, nämlich sie von starken Blasenschmerzen und häu¬ 
figem Harndrange wenn nicht zu befreien, so wenigstens 
dieselben doch zu lindern, an welchen sie schon 8 Jahn 
litt. Die Kranke, von mässig gutem Körperbau, von star¬ 
ken Schmerzen und Tenesmen beim Uriniren, von gestörtem 
Schlafe und Appetitlosigkeit geschwächt und abgemagert. 
Die Untersuchung ergab einen ziemlich grossen Steht 
welcher in dem Blasenhalse eingekeilt war. Durch dei 
stark erweiterten oberen Theil der Harnröhre hinter dem 
Steine lässt sich ein ziemlich dicker elastischer Cathetec 
durchführen. Da der Urin übelriechend, ammoniakalisch 
und mit Blut vermengt war, liess ich die Blase eine ganze 
Woche mit einer Jodoformlösung (Schüttelmixtur von Jodo¬ 
form» 5 \, Gljcerini <3jj, Aquae dest 5VI) ausspritzen. Am 
14. Januar versuchte ich die Lithotripsie, aber es gelang 
nicht den in der Harnröhre eingekeilten Stein zu fassen. 
Es wurden die Jodoformeinspritzungen fortgesetzt und am 
17. schnitt ich in der Ghloroformnarkose die äussere Harn¬ 
röhrenöffnung auf 2 Ctm. nach hinten ein, führte dann mit 
Leichtigkeit die Steinzange ein, iasste den Stein und ohne 
jede Anstrengung extrahirte ich den hühnereigrossen Stein 
aus der Blase. Die Blase wurde gehörig mit Jodoform aus¬ 
gespritzt, die Wunde mit Jodoformpulver bestreut. Nach 
der Operation fühlte sich die Kranke gut, die Tenesmen 
hörten auf, die Schmerzen wurden anderer Natur— Schrin- 
nen in der Wunde, welches übrigens allmälig aufbörte. — 
Die Temperaturen stiegen nur am Abend in den ersten ö 
Tagen (den ersten Abend nach der Operation 37,6, 2. 37,2, 
nur den 4. 38,1). Am 4. Tage fühlte die Patientin grössere 
Mattigkeit, der Appetit schwand vollständig, jedoch mit 
Aufhören des Fiebers schwanden auch diese Symptome; 
die Kranke erholte sich allmälig und ist bis jetzt, ausser * 
einem leichten Blasencatarrh, ganz gesund. Die erste 
Woche nach der Operation war eine nicht vollständige In¬ 
continenz vorhanden, welche sich aber später gab. Sie 
Beben hier den ovalen Stein von der Grösse eines kleinen 
Hühnereis, an einer Seite mit abgebröckelter Schale und 
noch bis jetzt stark nach Jodoform riechend. Die äussere 
Schicht ist phosphorsaurer Kalk, die 2. barusaures Ammo¬ 
niak. Ohne das abgebröckelte Theilchen'wog der Stein 
31X gr. VII. 

Aus den oben angeführten Fällen kann man folgende 
Schlüsse ziehen: 

1) Die Steinoperationen bei Franen sind überhaupt fast 
gar nicht gefährlich, besonders die Extraction der Steine 
durch einfache Dilatation, sogar durch Incision der ganzen 
Harnröhre. Selbst dör Vaginalschnitt ist nicht gefährlich, 
von welchem C i v i a 1 e in seinem Werke Traitö de la Li- 
thotritie p. 257 die Meinung V i d a 1 ’s und V e 1 p e a u ’■ 
auführt, welche bei 30 Frauen die Sectio vaginalis mach¬ 
ten, ohne eine einzige zu verlieren, übrigens wurde dabei 
auf die üble Folge zurückbleibender Vesicovaginal-Flstebt 
keine Rücksicht genommen. 

2) Auch im hohen Alter ist die Gefahr der Steinopen- 



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99 


tan bei Frauen gering, Fall II, III and IV von mir and 
Vilb 1, 2 and 26 in der Dissertation W. PelikanS. 52. 

8) Nicht die mechanische Dilatation der Harnröhre, 
••feit nicht das Durchschneiden derselben, Vereinigung der 
Wunde durch eine Naht hinterlsasen Ineontinens, um so 
weniger wenn das Orifidum internum der Harnröhre ge* 
••hont blieb. 

4) Wenn der lange Zeit eingekeilte Stein die Blasenmün- 
duog und den oberen Theil der Harnröhre bedeutend dila* 
tfrt hat (Fall H, III, IV), so verliert dieselbe auch dann 
nicht ihre frühere Contractionsf&higkeit, es bleibt auch 
darum (oblata causa) keine Ineontinens. 

6) Die Sectio hypogastrica muss bei den Frauen dem 
Jtacheine nach ebenso gefahrvoll sein, wie bei den H&n* 
lern, darum ist sie vollständig auszuschliessen, weil die an¬ 
deren Operationsmetboden ganz gefahrlos sind, und da man 
auch die grössten Steine zerkleinert durch dieselben ent¬ 
fernen kann. 


Referate, 

W. Grohmann*. Ueber die Einwirkung des zellenfreien 
Blutplasma auf einige pflanzliche Mikroorganismen. 
(Dorpater Inauguraldissertation. 1884). 

Sachdem Al. Sch mid t und Gro th 4 ) gefunden hatten, daaa 
«wischen dem Blutplasma des circnlirenden Blutes und den Leuko- 
c£hen eine derartige Wechselwirkung stattfindet, dass letztere 
dsveh das Plasma fortwährend zersetzt, nnd unter Abspaltung ihres 
Khrinfermentes im Blute aufgelöst und zum Verschwinden gebracht 
* , lag die Frage nahe, ob nicht auch zwischen dem Prote- 

pflamlicher Organismen und dem Blutplasma ähnliche 
shnngen stattfinden. Die Abspaltung des Fibrinfermentes aus 
dem Protoplasma der tbieriseben Leukocythen äuaserst sich in dem 
uu dem Gefässsystem entfernten Blutplasma durch eine beschleu¬ 
nigte Gerinnung des letzteren. Demgemäss hat Grohmann 
klar filtrirtes Pferdeblutplasma mit verschiedenen Schimmel-. Spross¬ 
end Spaltpilzen versetzt nnd festzustellen gesneht, ob und in wie 
weit durch diesen Zusatz die Gerinnung des Plasma beschleunigt 
wird. In der Tbat fand Verf., dass die Gerinnung des Blutplasma 
durch stimmt liehe von ihm geprüfte Pilsarten beschleunigt wurde. 
Atzt man die normale Gerinnungszeit des filtrirten Pferdeblmtplasma 
M einer gewissen Temperatur gleich 100 — so gerann'dasselbe 
Pläsma nach Zusatz von Mncor mneedo schon nach 7,6% der Nor- 
UMÜgerinnangszeit, also etwa in einer 14 Mal kürzeren Zeit. So 
erhielt Verf. als Gerinnungszeiten des filtrirten Blutplasma in Pro¬ 
zenten der Normalgerinnungszeit folgende Zahlen: 

Mach Zusatz von 

Mncor mneedo . .. 7,6 

Penicillum glaucum. 20,7 

Aspergillus niger. 16,1 

Bierhefe. 57,9 

Grosse Fftulnisskokken.22,2 

Bacterinm termo.67,6 

Sarcine . 72,2 

BadJlos subtilis. 69,9 

Milzbrandbacillos. 74,2 

Aus dieser Znsammenstellnng ergiebt sich, dass die Abspaltung 
den Fibrinferment es bei den verschiedenen Pilzarten sehr verschieden 
u*r zieh geht, oder mit anderen Worten, dass die verschiedenen 
JBÜzarten eine sehr verschiedene Widerstandsfähigkeit gegen die 
mitenden' Kräfte des Blatplasma besitzen. Am geringsten war 
dieselbe hei den Schimmelpilzen (Mncor, Aspergillus n. Pinicillum) 
und den Fäulnisskokken, am grössten hei der Sarcine nnd dem 
■SJzbrandbacilins. 

. Ferner hat der Verf. durch Zöchtungsversuche festgestellt, dass 
der chemische Eingriff, welchem die Pilze im gerinnenden Blatplasma 
unterliegen, auch auf ihre Entwickelungs- resp. Vermehrnngsfähig- 
kett-uicht ohne Einfluss bleibt. Seine Versuche ergabeu, dass das 
Wachsthum solcher Pilze, welche dem geronnenen Blutplasma 
entnommen waren , bedeutend langsamer vor sich ging , als das - 
jenige der frischen Pilze . 

Endlich hat es der Verf. durch einige Impfversnche mit Milz- 
Irandhacillen wahrscheinlich gemacht, dass die Virulenz and Infec- 
tiosität dieser letzteren durch die Einwirkung des Blatplasma gleich¬ 
falls vermindert wird. 

Das grosse Interesse, welches diese unter der Leitung von Prof. 
Ai. Schmidt vorgenommenen Versuche für die Frage von der 
pathogenen Wirksamkeit der Mikroorganismen innerhalb des thie- 
risehen Organismus haben, liegt auf der Hand. Es ist durch die¬ 
selben nachgewiesen worden, dass das Blatplasma die Fähigkeit be¬ 
sitzt, die Entwicklung and vielleicht auch die Infectioaität vieler 

*) Cfir. d. Beferat der Gro th’schen Dissertation in M 24des 
Jahrganges 1884 unserer Wochenschrift. . 


pflanzlicher Mikroorganismen mehr oder weniger abzuschwächen, 
und vielleicht beruht die Widerstandsfähigkeit, welche dem thieri- 
sehen Organismus gegenüber den deletären Einflüssen der patho¬ 
genen Mikroben bis zu einem gewissen Grade unzweifelhaft inne¬ 
wohnt, gerade auf dieser setiven, die Entwicklung der Mikroorga¬ 
nismen beeinträchtigenden Thätigkeit des Blutplasma. D—o. 


F. Bubinstein (Warschau): Einige Bemerkungen Aber 
die Ursachen der Foetallagen. (prs. lek. H 13,14,15). 

Am 2./14. Dezember 1880 wurde in*§ Marien - Gebärhaus in Pe¬ 
tersburg ein 2Syäbriges Bsuarmädehen, I-para, aofkeoommen. Am 
nächsten Tage gebar sie einen kräftigen, stark asphyktisehert 
Knaben in der Steisslage. Vom Anfänge der Geburt an lag der 
Steias vor und in dieser Lage wurde das Kind künstlich extrahirfc. 
Schon hei oberflächlichem Bliebe schien der Kopf des Kihdessum 
Typus der doliohocephalisehen Köpfe sn gehören. Die Maaase ha¬ 
ben diese Annahme vollkommen bestätigt. Der gerade Durchmes¬ 
ser (FO) betrug 12 Ctm., der grosse quere (BP) 8 Ctm. Das gegen¬ 
seitige Verhältniss der beiden Durchmesser nicht nach Br oca den 
sogenannten «Indice cephaIique*(Kt pfcoefflcTent), welcher als Maas» 
der Deliehoeophalie gilt und zwar wird er nach folgender Proportion 
berechnet: 12:8 = 100: x. In diesem Balle x = 66,6. Je nach 
der Grinse dieses Coeffieienten theilt B r o c a die Kindsköpfe in drei 
Haupttypen: 1) langköpfige (dolichocephales), wenn der Coeffieient- 
von unter 70 bis 77,7 ist; 2) mittelköpfige (mesocephales) mit der 
Indexzahl von 77,7—80 und 3) knrzköpfige (BmeMmphales), wenn 
die Zahl von 80 bis über 85 beträgt Die In unserem Falle erhal¬ 
tene Zahl — 66,6 — fällt in die doliehocephalische Gruppe. 

Hecker stellte die allgemein bekannte Theorie auf vom Einfluss 
der Dolichocephalie auf die Gesichtslagen, indem er die Erklärung 
dafür im einfachen Gesetze des Hebelmechanismns sucht. In diesem 
Falle wurde ein dolichocephalisebes Kind nicht in einer Gesichtslage 
geboren. Und da nach H e ck e r ’s Ansicht die Dolichocephalie eine 
Gesiehtakge bewirke, so sieht Verf. in diesem Umstande einen Wi¬ 
dersprach mit der Hecker , sehen Theorie. Aber ob mit Reeht ? 
— Ref. ist entgegengesetzter Meinung. Ein solcher Fall, wo das 
doliehocephalische Kind in doaStei—läge geboren wird, widerspricht 
nicht im geringsten der Hecker 'sehen Ansicht. Diese Theorie 
Ist doch nicht so sn versteüen, dass die Dolichocephalie durchaus 
immer Gesichtslage bedinge, selbst im Falle einer Steisslage das Ge¬ 
sicht snr Einstellung bringe; diese Theorie hat ihre Geltung nur 
bei Schädellagen, wie es auch Jedermann schon ans der Erklärung 
verständlich ist, welche dieser Theorie von Hecker zu Grunde 
gelegt worden ist und zwar, dass bei der Dolichocephalie in Folge 
der relativen Länge des hinteren ideellen Hebelarmes im Vergleiche 
znm vorderen die austreibende Kraft in der Weise anf den Kopf ein- 
wirke, dass das Hinterhaupt nicht sich senke, wie es normaiiter 
geschieht, sondern dass statt dessen die Senkung des vorderen Sohä- 
delahschnittes erfolge. 

Der zweite Theil dieser mühseligen Arbeit besteht ans der Be¬ 
trachtung der Frage: ob die Confignration des Schädels von Ein¬ 
fluss anf die Entstehung der foetalen Lage sei? Es wird vom Verf. 
der Kopfcoefficient für 3698 Geburten nach B r o c a ’s Methode be¬ 
rechnet nnd anf diesem statistischen Wege sein Einfluss anf die Art 
der Kindslagen festzustellen gesucht. Obwohl Verf. zu dem allge¬ 
meinen Schlüsse kommt, dass die Confignration des Kopfes ohne 
Zweifel einen bestimmten Einfluss auf die Entstehung der foetalen 
Lagen hat nnd diesen Satz durch eine lange Reihe von speciellen* 
Schlüssen zn beweisen sacht, so führt Ref. dieselben an dieser 8telle 
gar nicht an, weil sie seiner Ansicht nach jeder wissenschaftlichen 
Bedeutung entbehren. Ein c&rdinaler Vorwurf trifft hier die Frage¬ 
stellung. Wenn man viele andere wichtige nnd einflussreiche Mo¬ 
mente bei der Benrtbdlung der Ursachen der Lagen ausser Acht 
lässt nnd sich blindlings der Betrachtung eines einzigen Umstandes 
hingiebt, so sind die Resultate einer solohen Forschung einseitig 
und unzuverlässig. In dieser Arbeit hat Verf. z. B. vollkommen 
ausser Acht gelassen solche wichtige — ja, Ref. möchte sagen, un¬ 
ermesslich wichtigere — Momente, wie Form, Grösse, Elasticität, 
resp. Schlaffheit des Uterus, seine Neigung znm Becken, Zahl frü¬ 
herer Geburten, Zwillinge, Beokenneigung, Fruchtwassermenge, 
Confignration und Maasse des Beckens, Grösse des Kindskopfes, 
Alter der Frucht u. s. w., u. s. w. Es ist zwar viel bequemer, sich 
aller dieser Kleinigkeiten bei dem Antwortgeben zu entledigen, aber 
dann passirt manchmal das Unglück, dass man die Folgen für die 
Ursachen hält nnd umgekehrt. Ich fürchte, etwas ähnliäes sei dem 
Verf. in dieser Arbeit passirt. Wir sehen nämlich, dass Verf. die 
Ursache der Kindslage in der Kopfform fand; es ist aber eine be¬ 
kannte Thatsache, dass die Kindslage einen bedeutenden Einfluss 
anf die Confignration des Schädels hat. Es wird demnach nioht ganz 
unrichtig sein den gerade entgegengesetzten Satz anfznstellen: die 
Ursache der Kopfform liegt' in der Kindslage. So wird z. B. der 
Kopf bei Hinterhauptlagen in der Weise zusammengepresst, dass die 
Diameter: SB nnd BP verkleinert, die MO nnd FO verlängert wer¬ 
den. Bei gewisser Enge des Beckens kann es zu einer, manchmal 
sogar recht bedeutenden Asymmetrie des Schädels kommen. Die 
Maasse des Kopfes, welche vom Verf. seinen Ansführungen zu Grund» 
gelegt worden sind, sind wahrscheinlich gleich nach der G eb urt .aa£ 
genommen, also noch zu der Zeit, wo dieform des Kopfes deconfl- 
gurirt war. Schon aus diesem Grunde müssen diese Zahlen unMdr 


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40 


unzuverlässig erscheinen und um desto weniger kann sich Bef. mit 
den aaraus gesogenen öciiiusseu befreunden. Ziemacki. 

Prot P. Kraske: Ueber die Entstehung secundärer 
Krebsgeschwülste durch Impfung. (Centralbl. f. Chirurg. 

1884, J4 48). 

Verf. erinnert an einige in der Literatur gemeldete Fälle, in de¬ 
nen die Autoren eine Krebsimpfhng durch Contact annehmen zu 
müssen glaubten. V i r c h o w sah in Fällen von bis auf die Serosa 
reichendem Magenkrebse seoühdäre Knoten des Peritonäums nicht 
in der Umgebung des Magens, sondern in den Ausbuchtungen des 
Beokenperitonäums auftreten, wo etwa abgesprengte Partikel des 
primären Krebses am ehesten hingleiten und Buhe finden. Lücke 
sah bei einem exulcerirten Gattcroid am Zungenrand eine Impfung 
auf die Wangenschleimhaut derselben Seite. Kaufmann be¬ 
schreibt einen Fall von gleichzeitig bestehendem Caneroid des rech¬ 
ten Handrückens und der rechtsseitigen Copjunctiva bulbi bei 
einer 81jährigen Frau, von der er annimmt, dass sie sich durch 
häufiges Reiben der Augen mit dem Handrücken selbst eine Impfung 
aufdie Conjunctiva gemacht habe. Verf. berichtet über zwei Fälle 
von Mastdarmkrebs, in denen er eine gleiche Aussaat annimmt. 
Im ersten Fall fand er drei Wochen nach der Exstirpation eines 
Bectumkrebses, durch 10 Ctm. gesunder Schleimhaut von dem ersten 
Tumor getrennt, zwei kleine Krebsknötchen, die ganz dieselbe Struc- 
tur zeigten wie der erste Tumor. 

Im zweiten Fall fand Verf. bei der Untersuchung vor der Opera¬ 
tion wieder 10 Ctm. unterhalb des exulcerirten Krebses einen Kno¬ 
ten, dazwischen gesunde Mucosa. Der untere Knoten stimmte in 
seiner Structur durchaus mit dem oberen überein; die Cylinderform 
der Krebszellen trat hier um so deutlicher hervor, als der kleine 
Tumor in dem untersten, mit geschichtetem Plattenepithel ausge¬ 
kleideten Theile des Mastdarms sass. Verf. spricht zum Schluss 
aus, dass ein Theil der früh beobachteten Recidive in solchen Fällen 
auf eine bereits vor der Operation erfolgte Impfung zu beziehen ist 
und schlägt daher vor, bei Mastdarmkrebs stets die totale Exstir- 
patio reoti zu machen. T. 


BUcher-Anzeigen und Besprechungen. 

6. von Grünew»ldt: «Ueber die humanitäre and 
wissenschaftliche Bedeutung kleiner Gebärasyle nebst 
einem Bericht über die Vorkommnisse in dem Gebär¬ 


asyle des Verfassers zu St. Petersburg.* St. Petersburg, 
Verlag von C. Kicker 1884. gr. 8°. 96 Seiten. 

Bereits vor 7 Jahren erschien von demselben Verfasser unter dem 
Titel «Kleine Gebärasyle oder grosse Gebäranstalten 1 ) ?» eine Ar¬ 
beit, welche dieselbe Frage behandelte und die damals erst vor Jah¬ 
resfrist, nämlich im September 1876, zum ersten Male vor interna¬ 
tionalem Forum auf dem in Brüssel tagenden Congresse für Hygiene 
und Rettnngswesen zur Discossion gebracnt worden war. Diese 
Frage, damals eine brennende und manches Für und Wider hervor- 
rufend, ist mittlerweile in einer Zeit, wo von Staaten und Städten 
so vieles und nach allen Richtangen hin für das öffentliche Wohl 
geschehen, ihrer Entscheidung näher gerückt worden und dürfte 
heute schon, nach einer verhältnissmässig kurzen Spanne Zeit, wohl 
als spruchreif zu betrachten sein. — In Anbetracht dessen, dass die¬ 
selbe nicht nnr in allen ärztlichen, sondern auch in weiteren Kreisen 
des gesammten gebildeten Publicums ein so berechtigtes lebhaftes 
Interesse gefunden, erscheint es angezeigt hier etwas näher auf die¬ 
selbe einzugehen, deren allendliohe Lösung, jener oben citirten Ar¬ 
beit v. G.’s mit ihren warmen Worten und beredten Zahlen gewiss 
nicht wenig verdankt. Wird daher die neueste Arbeit v. G.’s all¬ 
seitig dem regsten Interesse begegnen, so wird doch ganz besonders 
aber der engere Fachgenosse dieselbe mit um so lebhafterer Freude 
begrüsseo, als v. G. in derselben nicht nur die Resultate seiner mü¬ 
hevollen and langjährigen Thätigkeit auf dem betr. Gebiete dar¬ 
stellt, sondern das ganze Krankenmaterial, wie es in dem Zeitraum 
von 1875 bis 1882 durch das von ihm unterhaltende Gebärasyl ge¬ 
gangen ist, dem Leser vorführt. In übersichtlicher Weise geordnet 
giebt Vf. eine statistische Zusammenstellung sämmtlicher Vor¬ 
kommnisse in seiner Anstalt und führt den Leser so, an der Hand 
genauer Zahlenangaben von einem Geburtsact zum andern, von den 
normalen Gehörten zu den pathologischen, alles in kurzer, klarer 
Darstellung berührend, und so dem Leser einen offenen Einblick bis 
in’s kleinste Detail in die segensreichen Leistungen seines Asyles 
gestattend. Bringt einerseits diese Art der Darstellungsweise den 
Vorzug mit sich, dass der Leser gewissermaassen selbst die Resul¬ 
tate aus den gebotenen Ziffern zieht, so braucht andererseits hier 
nicht mehr hervorgehoben zu werden, wie lehrreich ein solcher Be¬ 
richt bei aufmerksamem Studium für den Fachgenossen ist, und kann 
daher der Vf. des Dankes aller dieser im Voraus sicher sein. 

Was nun die Frage: «Kleine Gebärasyle oder grosse Gebäran¬ 
stalten?» anbetrifft, so hatte v. G. schon in seiner eisten, 1877 er¬ 
schienenen Arbeit, zunächst die Frage sich gestellt: «Bezeichnet 


4 ) Volkmann’s flanmlnng klin. Vorträge, 14193. Abth. Gyn. 
H 88, November 1877. ^ y 


die Gründung von Asylen, wie sie in der Stadt St. Petersburg ge- 
Beheben ist, einen wesentlichen Fortschritt in der Entwicklung 4er 
öffentlichen Maasregeln, die zur Pflege bedürftiger Kreissenden und 
Wöchnerinnen in grossen Städten getroffen werden können?» Ge¬ 
stützt auf die Resultate, die sich bis 1876 in den hiesigen Asylen 
(bestehend seit 1869) ergeben hatten 9 ), konnte Vf. diese Frage «ent¬ 
schieden bejahend* beantworten. Ein Vergleich der Mortalität*» 
Ziffern grösserer Geb&rhänser mit der ans dem Material unsere^. 
Gebärasyle resnltirenden, die für 10,400 Frauen 1 % ergab, hiervon 
jedoch nnr «0,6% bis 0,7 % in Folge von lnfection zu Grande gin¬ 
gen*, lehrte dann ferner, dass anch die zweite Frage, «ob die Pflege 
in den Gebärasylen den darin Gebärenden einen grösseren Schutz; 
vor der Gefahr infectiöser Erkrankungen gewährt, als in der grossen 
Mehrzahl der bestehenden Gebärhänser, somit bejahend beantwortet 
werden mnss.» Auch die weitere Behauptung v. G’s, «dass auch 
im Vergleich zur Privatpflege die Wöchnerin im Asyle leichter vor 
lnfection zu schützen ist», dürfte bei dem heutigen Stande der gan¬ 
zen Infections-Frage nicht leicht bestritten werden. — Zum Schlosse 
einer Besprechung der Lehr- und Lernzwecken dienenden Anstalten 
kam Vf. zu dem Resultat, dass «bei voller Anerkennung der grossen 
nnd vielseitigen, — in mancher Beziehung unersetzlichen Vor« 
theile, welche die Asyle dem hüifsbedürftigen Publicmn und auch 
der Wissenschaft bieten», wir dennoch grosser Gebäränstalten zur 
wissenschaftlichen Fortentwickelung der Einzelnen, wie der Ge- 
sammtheit nicht entrathen können, denn, «wer möchte bezweifeln, 
dass dieselben Principien, die das (nämlich jene Vortheile der Asyle) 
ermöglichen, mit demselben Erfolge in den grössten Gebäranstaltes 
angewandt werden können ?» Und «so lange es gut geführte Ge¬ 
bärhäuser giebt, in welchen die Sachkenntnis» nnd Energie des Lei¬ 
ters ebenso günstige Erfolge schafft, als nnr irgend eine Art 4er 
Verpflegung das vermag, — wird Niemand von ans in den Ruf ein¬ 
stimmen : fort mit den Gebärbäusern 1» 

Kehren wir nach dieser kurzen Recapitnlation zur neuesten Ar¬ 
beit v. Grünewaldt’s znrück, so finden wir zunächst in der 
Einleitung derselben in Kürze die Resultate niedergelegt, zn denen 
Vf., gestützt auf ein sorgfältig beobachtetes Krankenmaterial nnd 
auf weitere reichhaltige Erfahraigen. gelangt ist. Sie berechtigen 
ihn zu den Worten: «Seitdem hat sich die Frage bedeutend geklärt, 
nnd sich unzweifelhaft in dem Sinne entschieden, in welchem ich mich 
in meinem betr. Aufsatze anssprechen zn müssen glaubte. In der 
«Befolgung der Principien des antiseptischen Verfahrens », wo¬ 
rin nicht minder eine streng durchgefährte Prophylaxe miteinbe¬ 
griffen ist, mnss heutzutage der Scnwerpunot jener ganzen, grossen 
Frage gesucht werden; sind diese Bedingungen stricte eingehalten, 
so braucht «die pnerperale Sterblichkeit, ceteris paribus, nicht 
grösser zn sein in grossen Anstalten, wie in kleinen nnd wie in der 
Privatpraxis.» \ ** 

Nach dieser Einleitung folgt ein statistischer Theil, der bis in’s 
Detail ausführliche Bericht über die Vorkommnisse in der Anstalt. 
8o interessant ein näheres Eingeben gerade anch in diesem Abschnitt, 
der Arbeit wäre, so müssen wir doch leider des Raumes halber dar-’ 
auf verzichten, ln dieser Hinsicht können wir daher das einge¬ 
hende Studium derselben den engeren Faohgenossen nnr dringend 
empfehlen, und wenn auch das Material ein relativ nicht grosses 
(500 Frauen) and zur Entscheidung Vieler Fragen noch lange nicht 
hinreichendes ist, so bietet doch gerade dieser Theil des Interessan¬ 
ten und Lehrreichen in Fülle und Anregung nach allen Seiten hin. — 
Nur auf das Gesammtresultat können wir nicht umhin einen Blick 
zu werfen. Was zunächst die Qesammtr Mortalität anbetrifft, so 
finden wir nur 0,0 % für dieselbe verzeichnet, eine Ziffer, wie sie 
günstiger wohl kanm gewünscht werden kann und wie sie auch 
keine der grösseren Gebär&nstalten, selbst solcher, die sich in letz¬ 
ter Zeit eines besonders guten Rufes in der Hinsicht haben zn er-, 
freuen gehabt, auf weisen kann. Vergleichen wir die Resultate* 
dieser Anstalten, welche in demselben Zeitraum, also anch unter , 
annähernd gleichen prophylaktischen nnd antiseptischen Cantelen’ 
gewonnen wurden, mit obiger Ziffer von 0,6% (cf. Uebersichtstabelle : 
auf pag. 88 und 89), so finden wir für das Dresdener Entbindmrgs- 
hans für das Jahr 1875 eine Mortalitätsziffer von 1,3 % verzeichnet, 
für 1876 eine solche von 1,4%, für 1877 — 1,7%, 1878 — 1,0%; in 
der Königsberger neuen Universitätsklinik 1874—1877 eine Morta- 
litätsziffer von 1,4%; im Wiener Gebärhanse für 1881—1882 — 
0,9%; im St. Petersburger Gebärhanse für 1877—1880 — 1,6%; 
wir sehen, keine dieser Anstalten kommt in ihrer Mortalitätsziffer 
derjenigen des v. G.’schen Asyles gleich. Allein das Mortaiitäts- 

S rocent für sich genommen bietet hentsntage noch keinen brauch- 
aren Maassstab für die Leistungen einer Anstalt. Doch sehen wir 
weiter die Morbüität: Für das Asyl v. G.’s ergeben sieb 64,4 % 
afebrile Puerperien , während die Königsberger Klinik für den oben 
angegebenen Zeitraum nur 60,7 %, die Giessener Klinik gar nnr 
37% n. s. w. anfrnweisen haben. Nicht minder günstig gestaltet 
sieb für die Kinder die Mortalität, welche in v. G.’s Asyl 7,8% 
beträgt, während z. B. das Dresd. Entbindongshaus in den gleichen 
Jahien 11,6%, 10,6%, 9,9%. 10,8% anfweist. Alle diese genannten 
Ziffern dürfen wir nnn freilich nicht so losgelöst von dem Ganzen 
mit einander vergleichen, ohne gewisse andere Umstände gleichzeitig 
mit zn berücksichtigen, welche bekanntermaassen von wesent- 

*) S. Dr. W. 81 o 1 z: «Asyles d’accouohement de la ville de 8t , 
Pötersbonrg. Matörianx statistiques etc.» 8t. Pötersbonrg 1876. 


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41 


Uchem Einfluss auf jene Ziffern sind. So sehen wir zunächst im 
Asyle v. G. s die Prtmiparen in relativ geringer Anzahl vertreten, 
nämlich 35,8 % sämmtlicher Frauen, während sie im Dresd. Entbh. 
54,5%, 53,7 , 50,6% and 48,5 % aasmachten, in der Ktfnigsb. Kl. 
66.1%, im Wiener Gebärhause 43,7 % a. s. w.; es ist dies aber in¬ 
sofern ein sehr wichtiger Factor, als je grosser die Anzahl der Erst- 

S bärenden, desto grosser ceteris paribas auch die Zahl der Erkran- 
ingen and Todesfälle im Wochenbett ist, da erfahrangsgemäss die 
Erstgeburt mehr za diesen prääisponirt. Dafür finden wir aber, dass 
gewisse andere Umstände and pathologische Vorkommnisse unter 
der Gebart, welche ihrerseits wiederum von grösstem Einfluss saf 
Morbilität and Mortalität im Wochenbett sind and zwar beide in 
ungünstigem Sinne beeinflussen, in dem Asyle v. G.’s sich relativ 
häufiger ereignet haben, als das in den genannten anderen Anstal¬ 
ten der Fall war; so sehen wir gleich nnter den Primiparen, dass 
die Zahl der sog. alten Erstgebärenden eine reL grosse ist, näml. 
3»2%, gegen 1,7%, 1,8% in Dresden, ferner die Zahl der Becken - 
engen 11,4% gegen 1,8%, 5,0%, 8,0%, 1,3% etc., daher auch die 
Zahl der künstlichen Frühgeburten eine rel. hohe bei v. G. ist: 
3,4%, während im Dresd. Entbh. nur 0,2%, 0,09%, in der KOnigsb. 
Klin. 0,5%, im Wiener Gebh. 0,06%. im Petersb. Gebärh. 0,07% 
▼orkamen; auch Blutungen (13,0%) f spontane Frühgeburten 
<8,8 %), Zwülingsgeburten (2,0%), Eklampsien (0,8%) etc. waren 
im Asyle v. G.’s relativ häufigere Erscheinungen, also alles Um¬ 
stände, welche erfahrangsgemäss im Wochenbett eine erhöhte Mor- 
Mität und Mortalität zur Folge haben. Trotz alledem ist die An¬ 
zahl der afebrilen Puerperien eine rel. so hohe, 64,4 %, nur vom Pe¬ 
tersburger Gebärbause in den Jahren 1877—80 noch übertroffene 

S O,3%), and ebenso die Mortalität (0,6 %) eine so niedrige, wie sie 
i Anbetracht aller Umstände nur je gewünscht werden kann und 
auch von keiner anderen Ansult auch nur annähernd erreicht wird, 
nur ein Asyl hierselbst, dasjenige des Dr. M a s 8 m a n n hat eine 
gleich günstige Mertalitätsziffer von 0,6 % und sogar für den ganzen 
Zeitraum von 1869—79 aufzuweisen (cf. die Tabelle a. a. 0.). Wo¬ 
rin es begründet liegt, dass jene oben genannten patholog. Vor¬ 
kommnisse in dem Asyle v. G.’s mit relativ so hohen Ziffern vertre¬ 
ten sind, darauf können wir hier nicht näher eingehen, und müssen, 
wie in so vielen anderen Puncten, eben auf die Arbeit selbst ver¬ 
weisen. — Aber schon aus dieser kurzen Aufzählung der Hauptmo¬ 
mente und dem flüchtigen Vergleich der Hauptziifern, bei dem wir 
us leider bewenden lassen müssen, erhellt zur Genüge, was das kleine 
Asyl in aller 8tille mitten im Getriebe der Weltstadt geleistet hat, 
sowohl in Hinsicht auf die allendliche Losung jener oben präcisirten 
Fragen, als auch vom humanitären Standpuncte aus hinsichtlich 
seiner vielen PflegliLge, die in demselben ein stilles, segensreiches 
Heim gefunden haben, sowie endlich auch in Hinsicht auf d$ Fort- 
ufttwtoklung so mancher wissenschaftlichen Frage, die honte noch 
ihrer Entscheidung harrt. —ek. 


Koch s: Ein neues Fleischpepton. Nähr- und Genuss¬ 
mittel für Kranke and Gesunde. Bona, 1884. Verlag 
von M. Cohen und Sohn. 

Da bekanntlich die Magenschleimhaut im erkrankten Zustande 
ihreipeptonisirende Eigenschaft znm Theil einbüsst, so suchte Vf. 
die EiweisakOrper Vor ihrer Einführung in den Magen künstlich zu 
peptonisiren,, was ihm auch gelungen ist. Das von ihm aus dem 
Mnskeifieisch dargestellte Präparat, welches er als «Fleischpepton» 
bezeichnet, enthUt den grössten Theil der EiweisakOrper des Flei¬ 
sches Ä ) nebst Extractiv8toffen und anorganischen Salzen und hat in 
Folge dessen einen angenehmen Geschmack und Geruch. Obiges 
Präparat kann in elastisch-weicher (in Blechbüchsen und Porcellan- 
tipen) und in fester Form (in Peptontafeln und Pastillen) längere 
Zeit, selbst monatelang in feuchter und warmer Luft unverändert 
aufbewahrt werden. In trockener Form besteht das K’sche Fleisch¬ 
pepton ungefähr aus gleichen Theilen peptonisirter EiweisakOrper 
und anorganischer und organischer Eztractivstoffe (letztere ent¬ 
sprechen dem sog. Liebig’schen Extract). Das Präparat kann 
für sich allein (sowohl in weich-elastischer, als auch in trockener 
Form) genossen werden, oder aber im gelosten Zustande, wobei es 
mit kochendem Wasser und Salz eine schmackhafte und nahrhafte 
Bouillon giebt. Im Darin wird es ohne Rückstand resorbirt und 
trotzdem, dass es an Kalisalzen reicher ist, als frisches Muskel- 
fieisch vom gleichen Eiweissgehalt, hat es auf das Hers und Nerven¬ 
system keine nachtheilige Nebenwirkung. Das Fleischpepton ist 
bei allen Formen von Dyspepsie indicirt (hei Unwegsamkeit des Oe¬ 
sophagus kann dasselbe auoh in Klystierfbrm applicirt werden). 
Auch Reconvalescenten und Gesunden wäre es zu empfehlen bei au¬ 
genblicklicher Mattigkeit und Schwächezuständen. Schliesslich eig¬ 
net es sich zu Seereisen, Feldzügen u. s. w. (besonders in Pastillen¬ 
form). Das Fleischpepton (Inhalt der PorcellantOpfe) ist von ela¬ 
stisch-weicher Consistenz, bräunlicher Farbe, angenehmem, braten¬ 
ähnlichem Geschmack und Geruch und kann schon in diesem Zu¬ 
stande ohne Zusatz genossen werden. Dasselbe darf nicht faden- 
ziehend sein; zuweilen enthält es Krystalle von phosphorsaurer 


*) Die bis jetzt bekannten Fleischbrühen und Extracte bestehen 
nur aus anorganischen Salzen und Extractivstoffen des Fleisches, 
wirken daher nur flüchtig erregend und haben eigentlich keinen 
Nährwerth» • - 


! Ammoniakmagnesia (Struwit), enthält circa 46% Wasser. Dm 
I Präparat verändert sich weder in feuchter Luft, noch bei warmer 
Temperatur. Nur zuweilen bildet sich an der Oberfläche desselben 
eine leichte Schimmeldecke, wenn es mit organischen Substanzen 
verunreinigt wird, nach deren Entfernung man die darunter liegende 
Masse unverändert findet. Es löst sich im kalten und warmen 
Wasser (im letzteren leichter) zu einer bräunlichen Flüssigkeit von 
angenehmem Geschmack und saurer Reaction. Beim Stehen der 
Losung bildet sich ein geringer Niederschlag (Struwitkrystalle und 
einige Flocken von ungelöstem Ei weise), die übrige Flüssigkeit be¬ 
hält eine klare durchsichtige Beschaffenheit. Durch Kochen wird 
das Eiweiß aus ihr nicht herausgefällt. 

Die LOsung zeigt die bekannte M i 11 o n ’sche Reaction und ver¬ 
hält sich verschiedenen Chemikalien gegenüber folgendermaassen s 
auf Zusatz eines Tropfens verdünnter Salz- oder Salpetersäure bildet 
sich ein geringer Niederschlag, der auf Zusatz von etwas mehr Säure 
oder beim Erwärmen versohwindet. Ammoniak oder Kalilauge, 
bis zur schwach-alkalischen Reaction zugesetzt, bilden nur einen 
unbedeutenden Niederschlag. Alcohoi und Aether-Alcohol bilden in 
der wässrigen LOsung einen Niederschlag, der abfiitrirt, sich in 
Wasser wieder klar lOst. Bleiacetat, Silbernitrat und Quecksilber¬ 
chlorid bilden einen weissen und Eisenchlorid einen gelben Nieder¬ 
schlag. Die Analysen von Dr. Bodländer in Bonn ergaben fol¬ 
gendes Resultat: 

Fleischpepton in Porcellanbüchsen enthält 40,44% Wasser 

59,56 % Trockensubstanz 

* » fester Form.18,71% Wasser 

81,29 % Trockensubstanz 

Die Trockensubstanz bestand aus: 

Eiweiss in Wasser unlöslich.. 2,11% 

» » » löslich, durch Natriumsul- 

phat fällbar (Pepton I). 24,80% 

Eiweiss in Wasser lOslich, durch Ammonium- 

sulphat fällbar (Pepton II). . 21,15% 

48,06% 

Sxtractivstoffe des Fleisches.. 40,66% 

Asche. . - 11,28% 

100 , 00 % 

Die Asche bestand aus Kali, Natron, Kalk, Magnesia, Eisenoxyd, 
Phosphorpentoxyd, Schwefeltrioxyd und Chlor. 

Versuche, die Verf. im Bonner pharmakologischen Laboratorium 
an Hunden und Katzen angestellt, ergaben, dass obige Thiere bei 
einer aus Miloh und Stärke bestehenden Nahrung (400 Grm. Milch, 
8 Grm. Stärke) wenig an Gewicht Zunahmen, dagegen bei derselben 
, Nahrung + Fleischpepton (20 Grm.) in demselben Zeitraum bedeu¬ 
tend an Gewicht Zunahmen (so nahm z. B. eine Katze bei obiger 
Nahrung + Pepton um 228 Grm., ohne Pepton in demselben Zeit¬ 
raum nur um 52 Grm., und schliesslich wieder mit Zusatz von Pep¬ 
ton um 95 Grm. zu). Da das Fleischpepton auch Extractivstofle 
enthält, so konnte man diese günstige Wirkung auch diesen letz¬ 
teren zusohreiben. Um diese Fehlerquelle auszuschliessen, wurden 
an 3 Katzen Peptonversuohe gemacht. Jede derselben erhielt 
dieselbe Quantität Nahrung (ISO Grm. Milch) und zwar rein, mit 
Zusatz von Pepton (12 Grm.) und eben so viel Fleischextract 
und es zeigte sich, dass die erste Katze 75 Grm. von ihrem Ge¬ 
wicht verlor, die zweite um 25 Grm. zunahmund die dritte 153 Grm. 
verlor (fast */* ihres ursprünglichen Gewichtes); sie ging auch an 
Entkräftung zu Grunde. Letzterer Versuch spricht zu Gunsten des 
Peptons dem Extraot gegenüber. An Menschen wurden diesbezüg¬ 
liche Versuche in den Hospitälern von Berlin, Wien, Paris und Lon¬ 
don angestellt. Prof. Leyden und vonBamberger sprachen 
sich über das Präparat günstig aus. Die Broschüre enthält Ta¬ 
bellen und Curventafeln. N. E. 

Sir Henry Thompson: Vorlesungen über einige 
wichtige Fragen aus dem Gebiete der Chirurgie der 
Harnorgane. (Lectures of some importante points connected 
with the surgery of the urinary organs, delivered in the Royal 
College of aurgeons, London). London, J. und A. Churchill. 
1884. 147 pag. 

Wiederum liegt von dem bekannten Londoner Chirurgen, dem wir 
bereits eine Reihe trefflicher Schriften aus dem betreffenden Special¬ 
gebiete verdanken, ein neues Buch vor, welches ein reiches Material 
praktischer Erfahrungen enthält. 

ln 6 Vorlesungen behandelt er folgenden Stoff: 

I. Behandlung der Stricturen vermittelst der Urethrotemia in» 
terna. 

n. Systematische Diagnose der Harnapparatkraakheiten. Die 
Digitaluntenuchung der Blase und deren firgebniss. 

HI. Blasentumoren. 

IV. Verminderte Blasenftmction und deren Folgen. 

V. Die Fortschritte der Steinoperationen im jetzigen Jahrhundert 
und die neuesten Modificationen der Lithotriüe. 

VI. Die Resultate der Lithotomie und Lithotritie in England 
während des jetzigen Jahrhunderts, auf Grund einer Besprechung 
von mehr als 800 Fällen. 

Eine genaue Wiedergabo des Inhaltes würde uns zu weit führen, 
doch mochten wir den Coliegen namentlich die Vorlesungen II und 


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41 


m empfehlen, die sieh durch Klarheit und praktische Bathschllge 
aasniehnen. 

Zur Iiiaatrining der Frage über den 8its der Blaeengeechwnlat 
giebt Vf« eine ganse Reihe schematischer Zeichnungen, welche 
tasserst instructiv sind. 

Die beiden latsten Capitel sind von besonderer Wichtigkeit für 
die gegenwärtig brennende Tagesfrage in der Chirnrgie bezüglich 
der Art der Steinoperation, ln der Vorlesung V legt Vf. die Ent¬ 
wiche! nng der Steinoperationsfrage im Laufe unseres Jahrhunderts 
dar. Zu Beginn desselben wurde vorherrschend die Lithotomie ge¬ 
macht, nur Einseine waren Anhänger der Sectio alta. 1813 wurde 
▼ob Gruithuisen in Baiern ein Steineertrümmerer vorge- 
schlagen; ihm folgte 1817 Eider ton, darauf fand diese Methode 
Anhänger in Amussat .Lero j d'Et io lies und Civiale in 
Fans. Letsterer ist wohl als der Vater der Lithotripsie ansusehen, 
bei Hub hat Thompson seine 8chule durchgemacht und dieses 
Operationsverfahren su hohem Ansehen gebraoht Allerdings be¬ 
richtete Brodle bereits 1855 in London über 115 Lithotripsien, 
doch ist nicht bekannt, um wieviel Patienten es sich dabei handelt, 
denn allein auf einen Pat. kamen 8 Lithotripsien. 

. In Misscredit kam die Lithotripsie seitweilig dadurch, dass, wie 
T h. sagt, dieselbe ohne alle Kritik geübt wurde und dadurch hohe 
Mortalit&tssüfern gab. 

1885 schlug Clo vor den Gebrauch eines Aspirators nur Ent¬ 
fernung der Steinsplitter vor und wurde diese Idee durch Bige- 
1 ow in Amerika verwerthet su seiner Litholapaxie, die er 1878 
verschlug und welche gegenwärtig in Paris und Wien viele Freunde 

e den hat. Thompson hat seit 1878 — bereits 196 Litho- 
ien gemacht, mit nur 5% Mortalität. Der grösste Stein, den 
er in einer Sitzung entfernt, wog2f J und beanspruchte 70 Mi¬ 
nuten. Der 70jährige Patient genas. 

In der VI. Vorlesung giebt Vf. eine umfassende Statistik der 
Steinoperationen dieses Jahrhunderts, wobei er 3 Perioden unter¬ 
scheidet. 

Die I. Periode , die bereits 1770 beginnt, dauerte bis 1835, um¬ 
fasst vorherrschend Lithotomien in der Perinäalgegend. T h. hat 
ans verschiedenen Hospitälern Englands aus dieser Zeit 1827 Stein - 
schnitte ausammengestellt. wobei die Sterblichkeit je nach dem Al¬ 
ter sehr variirt. 1028 Fälle kommen auf das Alter von 1—16 Jah¬ 
ren mit 7 % Mortalität. 528 Fälle aufs Alter von 17—58 Jahren mit 
ca. 17 % und 271 Fälle aufs Alter von 59—81 mit ca. 30 % Sterb¬ 
lichkeit. 

Die II. Periode von 1835—1860 umfasst ziemlich die gleiche Zahl 
von Steinschnitten wie Lithotripsien. 

Keit h machte 161 Lithotomien mit 24% Mortalität und 116 
Lithotripsien, wobei nur 6% starben, 

Fepgusson verlor von HO LHhotomien'30%, von 109 Litho, 
tripsien nur 11 %. 

Die III. Periode von 1860—84 zeigt, dass die Lithotripsie die 
Lithotomie besiegt hat. In diese Periode fällt die Hauptthätigkeit 
des Vt. welcher bereits über 812 Steinoperationen berichten kann, 
die er an 716 Personen ausgeführt, darunter ist nur eine Sectio 
alta, die wegen Fremdkörper in der Blase gemacht werden musste. 
762 Operationen wurden an Männern vollführt, mit 10,5% Mortali¬ 
tät und zwar starben von 110 Lithotomien — 35%, dagegen von 
672 Lithotripsien nur — 6-J- %. 15 Mal handelte es sich um Kinder, 
bei denen 12 Mal Lithotomie und 3 Mal Lithotripsie gemacht 
wurde. Bei 13 Weibern wurde 10 Mal lithotomirt und 3 Mal li- 
thotripeirt. 

Vf.’s St&ndpunct ist folgender: Er ist stets für die Lithotripsie, 
jedoch macht er die Lithotomie, sobald der Stein das Gewicht von 
2 Unzen übersteigt und war er bisher Anhänger der Sectio lateralis, 
spricht sich jaioch zum Schluss dahinaus, dass die Petersen- 
sche Methode ihm so praktisch erscheine, dass er sie bei nächster 
Gelegenheit versuchen wolle. Dieses sagte er in der im Juli gehal¬ 
tenen Vorlesung. Ein Anhang berichtet bereits, dass er im August 
eine Sectio alta mit glücklichem Erfolge ausgeführt hat. Es scheint 
uns darnach nicht unwahrscheinlich, dass unser berühmtester Stein¬ 
operateur sich bald als ein Anhänger der Sectio alta zeigen wird 
und sind wir daher auf seine nächsten Veröffentlichungen äusserst 
gespannt. 

Das vorliegende Buch aber, dessen vorzügliche Ausstattung bei 
dem rtthmlichat bekannten Verleger Churchill ja eine gewohnte Sache 
ist, können wir allen unseren Collegen, nicht nur den Specialisten, 
aufs Wärmste empfehlen und sind überzeugt, dass eine deutsche 
Ueberoetzung es bald allgemein zugänglich machen wird. P. 

W. D a y: Ueber Kopfschmerzen. (In’s Rassische übersetzt v. 
Dr. Trassewitsch). (0 tojobhhxi <5ojhxt>. üepeBOXi 
■ HSj&Biex-pa äk. Hb. Tpy ceios). 1885. 8°.XU and 
198 pag. 

Das Werk bildet den Anfang einer Serie von Uebersetzungen, 
durch welche in dankenswerther Weise einige bemerkenswerthe Er¬ 
scheinungen der modernen englischen resp. amerikanischen medi- 
cinischen Literatur dem russisch lesenden Publicum zugänglich ge¬ 
macht werden sollen. 8einer Befähigung zu diesem Unternehmen 
hat der Uebersetzer durch die vorliegende erste Nummer ein gün¬ 
stiges Zeugnisa ausgestellt. 1 


Als zweite Nummer soll demnächst eine Uebersetzung des Buche« 
von Weir Mitchell über seine bekannte combinfrte Behand¬ 
lungsmethode der Blutannuth, Neurasthenie, Hysterie etc. herau»- 
gegeben werden. Gruben 


Auszug aus den Protokollen der Gesellschaft prakti* 
scher Aerzte zu Riga. 

Sitzung am 14. November. 

Dr. Schnls demonstrirt mehrere Blutproben und einzelne Or¬ 
gane, gewonnen durch die Sectiou von 4 durch Köhlenoxyd vergü 
tnng Verstorbenen. 

Dr. Worms giebt ein eingehendes Referat der Prof. Oertel- 
sehen «Allgemeinen Therapie hei Kreislaufstörungen» und be¬ 
spricht anschliessend datan die Entziehnngscnren bei Fettherz. 

Dr. Hampeln: Auch ihm erscheinen die Oertel’schenVor» 
Schriften durchaus berttcksichtigenswerth. Wie weit die gefordert» 
Herzgymnastik bei organischen Herzfehlern zulässig sei, bedarf 
noch der Prüfung. Des Ebstein 'sehe Verfahren sei physiolo¬ 
gisch schwer verständlich, biete aber den Vorang, dass die Albuni- 
nate bei gleichseitiger Fettaufnahme leichter reeorbirt werden. Sr 
selbst habe bei strictem Einhalten der K i s o h ’ sehen Vorschrift« 
und gleichzeitigem Gebrauche von Marienbader Wasser sehr gut» 
Resultate gebaut. 

Dr. H ü b ner berichtet seine persönlichen Erlebnisse während des 
Gebrauches verschiedener Entziehnngscnren. 1864 unterzog er skb 
bei einem Körpergewichte von 236 PAL ross, der Bantingcur. Br 
erzielte damit im Verl&ufo von 3-f Monaten eine Gewichtsabnahme 
von 26 Pfd., musste dieselbe aber dann unterbrechen, weil sich Wi¬ 
derwillen gegen Fleisebnahrnng, Kopfschmerzen, Schmerzen in der 
Herzgrube, Obstructionen, nervöse Veratimmnng und Schlaflosigkeit 
einstellten. Im Frühjahr 1872 war das Körpergewicht auf 256 Pfd. 
gestiegen. Durch eine modifleirte Bantingcur (Enthaltung von 
Zocker, und möglichste Beschränknag der Aufnahme der übrigen 
Kohlehydrate, sowie der Fette) sank das Gewicht auf 210 PE. 
Aeusaere Verhältnisse, eine Reise ins Ausland, Hessen die Cur im 
terbrechen. 1884 im Frühjahr war wieder starke Zunahme dos 
Körpergewichtes eingetreten, Herzpalpitationen und leichte Albu¬ 
minurie machten ihn besorgt. Er wandte sich brieflich an Prof. 
8ohwonninger,der ihm umgehend seine diätischen Vorschrif¬ 
ten zukommen lies». Es sind im Wesentlichen die von Oertel 
anfgestellten. Sie bestehen in Entziehung von Zucker nnd Be¬ 
schränkung der Aufnahme von Wasser, der übrigen Kohlenhydrate 
and der Fette. Bei strengem Einbalten dieser Vorschriften hat dae 
Körpergewicht abgenommen, ist die Albuminurie geschwunden und 
fühlt sich Vortragender körperlich nnd geistig frisch. Unterstützt 


wurde die Cur durch starke körperliche Bewegung. — Im Laufe der 
Zeit hat er sich folgenden Speisezettel anfgestellt: 

Morgens: eine grosse Tasse Milch mit Kaffe . 150 Gm. 

2 weiche Eier. 90 » 

Frühstück: 2 Schnitte Braten oder ein mässiges 

Beafoteak. 70 » 

Mittag : 6—8 Esslöffel Suppe mit Kohl.... 140 » 

2 kleine Stücke Braten oder gekochtes Fleisch 75 » 

Salat. 50 > 

2 kleine Aepfel oder Weintrauben . . . 100 » 

Abends : eine Schaale saurer abgerahmter Milch 300 » 

ein Schnitt Braten. 50 » 


1025 Gm. 

Ausnahmsweise kommen hinzu im Laufe des 
Tages zu8ammengerechnet: 

2 kl. Gläser französischen Rothweines. • . 100 Gm, 

1 Glas Wasser ansserhalb der Mahlzeit. . 185 • 


4- Stück Süsasaoerbrod. 32 * 

1 Zwieback. 23 » 


Zusammen 320 Gm. 

Auf den Nährwerth berechnet enthält diese Menge: 

Wasser Albumin Fett Koblenhydr. 

Im Minimum . . 848,10 lu5,93 24,08 46,04 

> Maximum . . 1121,95 110,48 24,45 77,44 

Daraus habe er ersehen, dass er entschieden zu wenig Eiweiss 
aufnehipe. und will er daher 45,52 Grm. Albuminate in Form von 
Fleisch oder Eiern hinznfügen. 

Zum Schlosse weist Vortragender darauf hin, dass dieselbe Cur 
bei manchen Formen von chronischem Darmcatarrh, bei Anämie und 
vielleicht auch bei einzelnen Formen von Frauenleiden von Vortheil 
sein könnte. Dr. II i r a m, d. Z. 8ecretair. 


Protokolle des Vereins St Petersburger Aerzte. 

Sitzung den 11. December 1884 . 

1) Dr. Th. v. Schröder referirt im Aufträge Dr. Magawly’s 
über die Resultate, welche bisher in der St. Petersburger Augen- 
Heilanstalt mit dem Cocain erzielt worden sind . BezügUch der 
pharmakologischen Eigenschaften nnd der übrigen physiologischen 
Wirkungen des Cocains auf die zahlreichen bereits erschienenen Ar* 


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43 


tikel verweisend, hebt Sehr, als die für den Ophthalmologen wich« 
tigste Eigenschaft des Cocains seine anaesthesirende Wirkung hervor. 
Als Mydriaticum hat das Cocain wenig Werth, da seine pupillener- 
weiternde Wirkung nicht bedeutend ist und bereits eine ganze Reihe 
vortrefflicher Mydriatica existiren. Die Erweiterung der Pupille 
kann sogar störend sein in den Fällen, wo das Cocain seiner anaesthe- 
sirenden Wirkung wegen bei Operationen (Cataract, Glaucom etc.) 
in Anwendung gezogen werden muss, Mydriasis aber nicht wttn- 
schenswerth ist. 

Die Anaesthesie der Coigunctiva und Cornea wurde stete in weni¬ 
gen Minuten erreicht durch Einträufelung einiger Tropfen 2%tiger 
Lösung von Coc&inum muriaticum, nach K o 11 e r’s Angabe; anfangs 
wurde bisweilen auch nach Katzanrow’s Angaben 5%tige Salbe 
von Coc. purum in Anwendung gezogen, später nicht mehr, da die 
Lösung sauberer, die Wirkung die gleiche ist und ausserdem wäh¬ 
rend der Operation Salbe nicht mehr ins Auge gestrichen werden 
kann. — Die Dauer der Anaesthesie (circa 20 Min.) ist lang genug 
tm die meisten Augenoperationen ausfüliren zu können. Man kann 
dieselbe aber natürlich beliebig lang ausdehnen durch wiederholtes 
Binträufeln von Cocain. Dies wiederholte Einträufeln und zwar | 
schon vor der Operation in Intervallen von etwa 5 Min. ist aber auch 
m dem Zweck nöthig um die tieferliegenden Tbeile des Auges bes. 
dte Iris zu anaestbesiren; eine einmalige Einträufelung bewirkte 
nur Anaesthesie der Conjunctiva und der oberflächlichen Schichten 
der Cornea; nach wiederholtem Einträufeln tritt ausser stärkerer 
Anaesthesie dieser Tbeile auch fast vollständige Anaesthesie der 
Iris ein, die bei den meisten Operationen wünschenswerth ist. 

Die Bedeutung der Anaesthesie liegt nicht nur in der Schmerzlo¬ 
sigkeit der Operation für den Kranken, sondern auch in der grossen 
Erleichterung der Operation für den Operateur durch die vollstän¬ 
dige Ruhe des Patienten, durch das Ausbleiben der reflectorischen 
oder willkürlichen Bewegungen des Auges, sowie; des Zusammen- 
kneifens der Lider. Das hierzu früher nicht selten nothwendige 
Chloroformiren, das viel Zeit raubte, die Operation bei nicht genü¬ 
gend tiefer Narcose erschwerte, durch Erbrechen bisweilen schäd¬ 
lich wurde und in seltenen Fällen sogar zum Tode führte, wird da¬ 
durch jetzt auf einige wenige besonders schmerzhafte, grössere Ope¬ 
rationen beschränkt bleiben. 

Der Unterschied beim Operiren früher und jetzt ist namentlich 
auffallend bei Pat. die bereits ein Mal operirt worden sind. -So z. B. 
extrahirte Sehr: neulich einer Pat.« die sich bei der Staarextraction 
höchst ungebeidig betragen hatte, den mit der Iris verwachsenen 
Nachstaar, eine sonst mehr schmerzhafte Operation, welche Pat. 
ganz ruhig ertrug. Auch bei Kindern ist der Unterschied sehr in 
dje Augen springend, wie Sehr, bei einer beiderseitigen Iridecto- 
ude wegen Cataracta zonularis bei einem 10-jährigen, geistig etwas 
aprückgebliebenen Mädchen sah; dieselbe war während der Opera¬ 
tion ganz ruhig, während solche Pat. sonst wohl stets unter Chloro¬ 
form operirt werden mussten. 

Bis zum 4. Dec. wurden folgende Operationen unter Cocain ge¬ 
macht, zu denen später noch eine ganze Reihe weiterer Operationen 
kamen, die die gleichen Resultate ergaben: Sta&rextractionen 11 
Mal, fast ganz schmerzlos; die bisher gebräuchliche bewährte Ope¬ 
rationsmethode mit Lappenschnitt im Limbus corneae bei Fixation des 
Bulbus mit dem P&marc’schen Spiess oder der Fixationspincette 
und mit folgender Iridectomie wurde beibehalten, da kein Grund zur 
Abweichung vorlag; hier besonders war das Ausbleiben des oft sehr 
störenden, bisweilen zu Glaskörpervorfall und damit zu schlechterem 
Resultat führenden Zns&mjnekneifens der Lider sehr günstig. Nach- 
staarextraction 2 Mal, fast schmerzlos. 

Iridectomie zu optischen Zwecken 14 Mal, bei Glaucom 6 Mal; 
fast ganz schmerzlos; bei letzterer Operation wurde kurz vor der 
.Operation, wie schon an den vorhergehenden Tagen, Eserin einge- 
träufelt um Mydriasis zu vermeiden. 

Tenotomie eines Muskels 2 Mal, Verlagerung eines Muskels mit 
Tenotomie des Antagonisten 2 Mal; das Fassen des Muskels auf den 
üchielhaken, sowie das Vorzieben des vorzulagernden Muskels und 
.das Knüpfen der Nähte war schmerzhaft, wenn auch weniger als 
sonst; für die Schieioperationen ist das Operiren ohne Chloroform 
darum besonders wichtig, weil gleich nach der Operation der Schiel- 
winkel gemessen und eine Verminderung resp. Vergrößerung des 
Effects vorgenommen werden kann. 

Fteryginmoperation 1 Mal; Staphylomabtragong 1 Mal; Abtra¬ 
gung von Prolapsus iridis 1 Mal; weniger schmerzhaft als sonst. 

Die fast täglich in der Ambulanz vorkommende Extraction.von 
Fremdkörpern aus der Cornea war völlig schmerzlos. 

Auf den Heilverlauf hat das Cocain keinen merkbaren Einfluss; 
derselbe war in allen Fällen wie früher und die Operationsresultate 
.«riehen ebenfalls nicht von den früheren ab. 

Ausser bei Operationen wurde das Cocain auch therapeutisch bei 
schmerzhaften Entzündungen der Augen, besonders bei den verschie¬ 
denen Formen der Keratitis, bei Iritis etc. angewandt. Es bewirkte 
.rasches Schwinden der oft unerträglichen Schmerzen. Die Dauer 
der Analgesie ist je nach der Heftigkeit der Schmerzen verschieden, 
reicht nach einmaliger Einträufelung oft über mehrere Stnnden und 
-nimmt bei längerem Gebrauch des Cocains ab. Hier ist die mydria- 
tische Wirkung des Cocains meist erwünscht. 

Wichtig ist, dass das Cocain mit den meisten in der ophthalmolo- 
gischen Therapie gebräuchlichen Mitteln zusammen gegeben werden 
'kann. 


Dt. Dohnberg hat ebenfalls ausgezeichnete Resultate mit Co¬ 
cain erzielt, es eignet sich auch zur subcutanen Anwendung bei Lid*: 
Operationen. Da es einen gewissen Grad von Ischaemie bewirkt, so 
ist nach Cocainanwendung auch die Blutung ans der Iris geringer. 

> Bemerkenswerth ist, dass C. nur auf die gesnnde Iris mydriatmeh 
I wirkt. Sehr günstig ist die gleichzeitige Anwendung des C. mit 
' Pilocarpin und Eserin. 

Dt. Th. v. Schröder bestätigte die Angabe, dass das Cocain 
Ischaemie hervorrnft, was ausser bei Operationen besonders anffal- 
land sich bei kürzlich entstandener pericornealer Injection in Folge 
von Fremdkörper in der Cornea oder sonstiger Verletzung derselben 
zeigt; die Iqjection schwindet rasch vollständig. — In Betreff der 
Lidoperationen hebt Sehr, hervor, dass ausser der Iqjection ton 
Gr. */» Coc. muriat. unter die Haut des Lides auch durch wiederhol¬ 
tes Einträufeln von Coc. die Conjunctiva palp. anaesthesirt werden 
muss. Bisher war durch dies Verfahren eine Verringerung der 
Schmerzhaftigkeit besonders beim Hautscbnitt zu erzielen. Die In¬ 
jection wirkt störend auf die Operation dnreh Durchtränkung der 
Gewebe mit der Lösung. Die Versuche in dieser Bichtung werden 
fortgesetzt. 

Dr. Moritz hat das C. bei einer alten Frau vor der Operation 
einer auf dem Jochbogen Bitzenden Balggeschwulst angewandt. 
Nach snbentaner Injection von 3-}- Gran konnte er die Geschwulst 
schmerzlos exstirpiren. Nur gegen Schluss der Operation, als M. 
einen Muskel mit der Pincette fasste, zuckte Pat. etwas. 

Dr. Neumann hat das C. bei Larynx undRachennntersuchunges 
. mit Erfolg angewandt, der Pharynx wird analgesirt. Auch Poly¬ 
penextractionen hat N. unter Cocain schmerzlos ausführen können. 
N. hat ebenfalls Ischaemie der bestrichenen Schleimhaut beobachtet. 
Er wandte eine 10%tige Lösung an. 

Dr. Dohnberg erwähnt, dass er von 5—10%igen Lösungen 
keine stärkere Wirkung beobachtet, als von der 2%igen, wenn man 
nur mit letzterer recht häufig die Pinselung wiederholt (|- Std. 
lang, alle 3 Minuten). 2 Mal hat das C. ihm auch bei heftigen Zahn¬ 
schmerzen geholfen. 

2) Dr. Ebermann hält einen Vortrag: %e\ *r Frage der Stein¬ 
operationen bei Frauen *, wobei er eine Reihe extrahirter Blasen-* 
steihe sowie 2 aus der Blase extrahirte Haarnadeln demonstrirt. 
(v. oben) 

3) Dr. T i 1 i n g hält einen zum Druck bestimmten Vortrag «über 
die Epicystotomie *, auf Grund von 4 von ihm mit Erfolg operirter 
Fälle, (cf. M 4 dieser Wochenschrift.) 

Dr. Ebermann meint, die Zahl der Fälle von hohem Steinschnltt 
sei noch eine zu geringe um ein entschiedenes Urtheil übte die ge¬ 
nannte Operationsmethode zu fällen. Er habe kürzlich noch 3 Litho- 
r tripeieen gemacht, die fieberfrei verlaufen. Ebenso wie über die 
Epicystotomie lasse sich auch über die Litholapaxie noch kein Ur» 
theil fällen, letztere ist gewiss nicht für alle Fälle brauchbar. Ott 
ist noch eine 2. Sitzung nöthig und auch dann können immer noch 
Trümmer Zurückbleiben. Beide Operationsmethoden haben gewiss 
eine Zukunft, doch sind die anderen Methoden deshalb nicht zu ver¬ 
werfen. Jede Steinoperation gelingt nur, wenn die Nieren gesund 
sind und die Blase nicht zu stark pathologisch verändert. Bezüglich 
der Epicystotomie sei die Möglichkeit der Harninfiltration stets zu 
berücksichtigen. 

Dr. T i 1 i n g will die möglichen Gefahren beim hohen Steinschrift 
garnicht aegiren, doch kommen bei den Permäalschritten noch an¬ 
dere Gefahren in Betracht, wie das Operiren im Dunkeln, Blutungen, 
Mangel an Schutz vor Harninfiltraüon und Zurücklassen von Stein¬ 
fragmenten und ferner nachfolgende fanctionelle Gefahren, wie Im¬ 
potenz und Incontinenz. Der hohe Steinschnitt hingegen bietet viele 
günstige Momente, wie klares Uebersehen der anatomischen Verhält¬ 
nisse bei der Operation, Sicherheit der Extraction des Steines und 
absoluter Schutz gegen Harninfiltration durch die Blasennaht, we¬ 
nigstens für die ernten Tage. Das Peritonäum ist sowohl beim hohen 
Schnitte, wie beim Perinäalschnitt der Gefahr der Verletzung ansge¬ 
setzt. — Die Zukunft der Litholapaxie scheint T. fraglich geworden 
zu Beiu, seit der hohe Steinschnitt mit nachfolgender Blasennaht ge¬ 
übt wird, auch giebt die Litholapaxie nach grösseren Zahlenzusam- 
menstellungen 4—6% Mortalität und setzt sie oft schlimme stampfe 
Verletzungen (Dittel.) Endlich ist die fdtholapaxie Sache ganz 
specieller Dexterität. 

Dr. Ebermann führt zn Gunsten des Lateralscbnittes noch fol¬ 
genden Fall an. Kürzlich batte er eine Sectio lateralis wegen 
Fremdkörper in der Blase (ein incrustirtes Papierstück) gemacht. 
Am folgenden Tage ging bereits Ham per nrethram ab, die Wunde be¬ 
gann sich zu schliessen ; da sammelten sich Coagula in der Blase an 
und die Temperatur stieg anf 38°, bo dass E. sich entschloss die 
Wunde wieder aufzureissen, und sofort wurde Pat. fieberfrei. Jetzt 
ist die Wunde fest verheilt und Pat. befindet sich wohl. 

Dr. Schmitz meint, man gehe mit der in Deutschland und Frank¬ 
reich sich jetzt geltend machenden Vorliebe für die Epicystotomie 
zu weit. Dieselbe giebc doch noch hohe Sterblichkeitsziffem, wie 
die Statistiken von Garcin und Tuff!er zeigen. Bezüglich der 
Blasennaht äussert S. sich dahin, dass in denjenigen Fällen, wo die 
Bl&sennaht angelegt wurde, die Gefahr der Harninfiltration sich 
steigere. Dieses gerade ist aas Gefährliche beim hohen Steinschnitt, 
nicht die Verletzung des Peritonänms, die lasse sich leichter ver¬ 
meiden. 

Dr. Anders meint, man habe bei der Wahl der Methode de« 


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44 


Strinschnitts vor Allem auf die Indicationsstellung an achten, die 
8eotio alta eigene sich für grosse Steine. Bei kleinen Steinen hat 
A. 2 Mal mit der 8ectio lateralis prima intentio (bei Kindern) erzielt. 

Secretair: Dr. 0. Petersen. 


Vermischtes, 

— Der bekannte Hygienist, Prof. Dr. J a c o b y in Charkow, sie* 
ielt, wie der «Wr ätsch» erfährt, im nächsten Semester nach Kasan 
tber^ Bs wirft diese Nachricht, falls sie sich bewahrheiten sollte, 
kein gutes Licht anf die Verhältnisse der Charkowsohen Universität. 

— Wie die «Rnss. Med.* erfährt, richten die Privatdocenten DDr. 
Stroganow und Mo tschn tkowski in Odessa im dortigen 
8tadtho8pitale Privatbörse für Aerste ein. 

— Die Stipendien an der hiesigen militär-medicinischen Acade- 
mie werden von 25 Rbl. anf 30 Rbl monatlich erhöht. 

— Die Pariser chirurgische Gesellschaft hat den Professor der 

Chirurgie an der Moskauer Universität, Dr. Sklifossowski, 
mm ausländischen Mitglieds und den Professor Saitsmann in 
Helsingfors xum ausländischen correspondirenden Mitglieds ge¬ 
wählt. (L. Un. med. — Wr.) 

— Wegen Uebergabe der bisher unter dem St. Petersburger Cu- 

ratorenconseil stehenden Hospitäler an die Stadtverwaltung sind die 
Oberärate dieser Hospitäler, deren Gehftlfen, sowie die Incpectoren 
derselben vom Ressort des Cnratorenoonseils abgesählt (nicht wie 
die politischen Blätter berichten, entlassen) worden und werden 
wohl von nnn an dem Ressort des Ministeriums des Innern zuge zählt 
werden. • ***** 

— Das ansserstädtische Hospital, welches bisher vom Ministerium 
des Innern unterhalten wurde, ist nunmehr von der Stadtverwal¬ 
tung übernommen worden und beabsichtigt letztere, dasselbe in eine 
Verpflegungsanstalt für 500 Geisteskranke umzuwandeln. 

— Verttorben : 1) In St. Petersburg der Leiter einer Heilanstalt 

für venerische Krankheiten J. Topas. 2) In Kijew Dr. M. La¬ 
go w s k i am Flecktyphus, den er sich im Hospital ungezogen hatte. 
3) Die Militärärzte Eosanow und Ssa 1 azki. (Wr.) 

— Am 3. Febr. n. St. verstarb in Franfnrt a. M. Professor Dr. 
J.Lucae, Lehrer der Anatomie am 8enekenberg 'sehen me¬ 
dizinischen Institut, im 72. Lebensjahre. Die Wissenschaft ver¬ 
dankt ihm zahlreiche anatomische und naturwissenschaftliche Werke. 

— In Meiningen ist der als Brunnenarzt von Bad Liebenstein be¬ 
kannte Medicinärath Dr. D 5 b n e r gestorben. 

— Der berühmte Professor der Chirurgie am Kings College in 
London, J. L i s t e r, ist znm auswärtigen Ritter des Ordens pour 
le mflrite für Wissenschaft und Künste in Berlin ernannt worden. 

— Joseph Lister’s Erwählung zum Ritter der Friedens- 

classe des Ordens pour le mörite in Preussen hat dadurch ein beson¬ 
deres Interesse, als vor ihm nur ein Chirurg, nämlich Diefen¬ 
bach (f 1847) und seit dem Tode desselben, also seit 37 Jahren, 
kein ChiruTg diesen Orden getragen hat. Ausser Diefenbach 
und Schönlein hat kein ausländischer Arzt diesen Orden erhal¬ 
ten, wohl aber eine Reihe von Physiologen und Anatomen, wie Joh. 
Müller, Tiedeman,ErnstHeinr. Weber,Schwann, 
Duboi8-Reymond und Brücke. (A. m. C.-Ztg.) 

— Dr. A11 h a u 8 macht auf ein neues Symptom der Tabes auf¬ 

merksam, welches sehr früh, oft vor allen anderen, auf den Beginn 
der Rückenmarkserkrankung hindeuten soll, nämlich auf das Unver¬ 
mögen, rückwärts zu gehen . Die Kranken sind geradezu an den 
Boden gefesselt, sie straucheln sehr leicht bei dem Versuche rück¬ 
wärts zu gehen und fürchten zu fallen. Gerade der Gegensatz 
zwischen dem leichten Vorwärtsschreiten und dem unbeholfenen 
Rückwärtsgehen legt nach A.’s Erfahrung den Verdacht einer be¬ 
ginnenden Tabes nahe. (Brit. med. Journ.) 

— Der deutsche Verein für innere Medicin in Berlin hat auf den 
Antrag des Prof. Leyden beschlossen, nach Art der vorigjährigen 
8ammelforschung, welche die Pathologie der Schwindsncht betraf, 
in diesem Jahre eine EnquUe über die Uebertragung von an¬ 
steckenden Kinderkrankheiten sowohl durch Personen aus der Um¬ 
gebung der Patienten, als auch durch Gegenstände, mit welchen 
letztere in Berührung gekommen, zu veranstalten. Insbesondere 
sollen Erkrankungen an Scharlach, Masern, Keuchhusten, Diphthe¬ 
rie und Blattern in der bezeichneten Richtung beobachtet werden. 

(A. m. C.-Ztg. 

— Die Provinz Brandenburg beabsichtigt eine Heil-, Pflege- und 
Erziehungsanstalt für Epileptische einzurichten. Bei dieser Ge¬ 
legenheit erweist es sich, dass die Zahl der Epileptischen in der 
Provinz Brandenburg allein auf ca. 3000 sich beziffert, in ganz 
Deutschland aber ca. 75,000 betragen soll. 

— Wildermuth (Central bl. f. klin. Medic. Aug. 16.1884), 
hat in den letzten 2 Jahren die Osmiumsäure in einer Reihe von 
Fällen gegen Epilepsie in Verbindung mit Potasche gebraucht, jede 
Pille enthielt * s /«ooo Gran des Salzes. Bei zehn veralteten FÜlen 
blieb das Mittel ohne Wirkung 7 Mal, in 2 Fällen wurden die An¬ 
fälle seltener und in 1 trat Heilung ein; das Mittel brachte niemals 
unangenehme Nebenwirkungen hervor. 

— Perroncito (Annali Univ. di Med., July 1884)empfiehlt 
nachdem er alle möglichen Desinflcientia auf Tödtung der Bacillen und 
Sporen untersucht hat, bei Carbunkeln frisch bereitetes Chlorwasser, 
das am besten nach V i t a 1 i folgendermaassen dargestellt wird. 3 
Kilogr. Chlorkalk werden mit 100 Litres Wasser gemischt, dann 6 


Litres Schwefelsäure fl—5 Wasser) zugefttgt. Schwefelsaurer Kalk 
fällt nieder, Chlor bleibt in der Lösung. 

(London Medical Record. Dec. 1884. 

MortalitSts-Bulletin St. Petersburgs 

für die Woche vom 20. bis 20. Januar 1886. 
Zahl der 8terbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 


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340 283 623 ?28*59 98 9 


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2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 0, Typh. abd. 10, Febris recurrens 1, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 2, Pocken 1, Masern 2. Scharlach 8, 
Diphtherie 10, Croup 1, Keuchhusten 1, Puerperalkrankheiten 8, 
Dysenterie 0, Thiergift 0, andere Infectionskrankheiten 12. 

— Gehirnapcififsxie 13, Entzündung des Gehirns und seiner Häute 
33, andere Gehirnkrankheiten 21, Krankheiten des Herzens und dSr 
Gefässe 31, croupöse Lungenentzündung 18, acute Entzündung das 
Athmungsorgane 80, Lungenschwindsucht 117, andere Krankheiten 
der Brusthöhle 15, Gastrointestinal-Krankheiten 89, andere Krank¬ 
heiten der Bauchhöhle 23, angeborene Schwäche und Atrophia tu- 
fant. 44, Marasmus senilis 32 Cachexia25. 

— Tod duroh Zufall 9, Selbstmord 8, Mord 0. 

— Andere Ursachen 19. 


Mortalität einiger Hauptstädte Europas. 


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Neuer Styl. 


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Stockholm . . 

4—10 Jan. 

190 115 

99 

17 

27,, 

17,o 

Kopenhagen. . 

7—13 Jan. 

267 000 

145 

31 

27,, 

21,» 

Berlin .... 

11—17 Jan. 

1 225 065 

564 

90 

23, s 

15,» 

Wien .... 

11—17 Jan. 

759 849 

422 

24 

28,s 

5,« 

Brüssel . . . 

4—10 Jan. 

171 293 

93 

10 

28,, 

10,7 

Paris .... 

11—17 Jan. 

2 239 928 

1227 

105 

28, s 

8.6 

London . . . 

11-17 Jan. 

4 019 361 

1856! 209 

23,7 

11,1 

St. Petersburg 

18—24 Januar 

928 016 

523 53 

29,s 

10,0 


35,i 

38.. 
36,t 

29., 
37,4 
27,t 
37 ,t 

Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger Aerzte 
Dienstag den 6. Februar 1886. 

Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 11. Februar o. 

Nächste Sitzung der geburtshülflichen Seetion Don¬ 
nerstag den 7. Februar a. o. 

Adressen von Krankenpflegerinnen. 

* E. van der Vliet, Box&m. Macrepczas, x. ä 5, eb. 49. 

s Fr. P. Enrich, Ha yrxyMaioft Hxajuuesoi yx. z Dprcieza 
nep., x- Ml/12 kb. 19. 

* Äj Hsa Rap iobhe MepTxe, Asymepma, Pncmifl npocu. 
XO m M 42/4. kb. J4 5. 

* Co$ix üaBioBHa HlBixpeBCBa*, no Moirt x* M 102 f 
spapr. M 4. 

Maa. Hellwig , HsuaftioBCsift nom, 11. poTa, xomt>M5, kb. 6. 
Max* ropxoHB, RpoHflepKCKiflnpocnearb, yroiB KoHHaro nep. 
xon» Mt 11 kb. 11. 

Fr. Kaufmann, HerepÖ» crop., uaiaxMoHeTHas M6/8 kb* J4 1. 
Amalie Hammer IleTepöyprcKafl CTopoHa, no RpoHBepxcKOiiy 
npocneKTy, xokb M 71, kb. i9. 

Wilhelmine Honsel, Wassili Ostr., 17.Linie Hans Thur Ji 12 . 
Quart. Mt 24. 

Frl. Mohrmann, IIoxb Cmoibhhitb, TBepcxas yx. Mt 20 kb. 17, 
Therese Fischer, YxiuBHaa, npoTHBB RpiÖepra M 45/48 
xom #KmepB. 

Fr. Berg, Offizierstrasse Haus M 20 Quart. 25. 

r-sa YMHHCKax, HszafixoBCKifl uoxki 2-x pera, M10 kb. 241. 

Fr. Strauch, Gr. ratjatscheskqjaM 25, Quart. 11. 

Laura Hacker, no JIktobk* x* M52 KoxoHift CavB-raxxK kb. 24 
150 HaxB npanemHOft. 

Frau Amalie Schnlze, Nikolskaja Ploschtschad, H. 4, Qu. 15. 
Awaiix AbBOBHa PHTTept. Bac. Ocrp. 17 xnaix y Box*» 
maro npocnexia x. Typs M 12, kb. M 37. 

8chwester Elise Tennison. Was. Ostr. 7. L., H. 56 Qu. Foib- 
berg M10. 

OxzraÄMHTpieBHa KohxPst Beuna, Hzcbk 5 yxniax- ä 
10 kb. 3 auf dem Hof. 


XosBoxeHo geHsypoio C.-QeTep6yprb, 1. OeBpaxs 1885 r. Verlag von Carl. Rickar. Buehdruekerei von A. Gaspary, Liteiny 52« 


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Neue Folge. St. Petersburger iu*hr6*h 6 . 

^ (ln der Reihenfolge X. Jahrgang.) 

Medicinische Wochenschrift 

unter der Redaction 

von Prof. ED. v. WAHL, in Dorpat und Dr. L. v. HOLST in St. Petersburg. 


Die «St. Petersburger Mediduische Wochenschrift» erscheint jeden Sonn¬ 
abend. Der Abonnements-Preis ist in Russland 8 Rbl. für das Jahr, 
4 Rbl. für das halbe Jahr inclusive Post-Zustellung; in den anderen Län¬ 
dern 16 Mark jährlich, 8 Mark halbjährlich. Bestellungen übernehmen 
die Buchhandlungen aller Länder. Der Insertions-Preis für die 3 mal 
gespaltene Zeile in Petit ist 12 Kop. oder 40 Pfenn. 


Manuscripte sowie alle auf die Redaction bezügliche Mittheilungen bittet 
man an den geschäftsführenden Redacteur, Dr. L. v. Holst in St. Peters¬ 
burg, Evangelisches Hospital, Abonnements-Aufträge, Inserate etc. an 
die Buchhandlung von C. Rlcker in St. Petersburg, Newsky-Prosp. H 14 
zu richten. Ausser dem Honorar (16 Rbl. pro Bogen) werden den Autoren 
25 Separatabzüge ihrer Original-Artikel zugesandt. 


Ns 6. 8t. Petersburg, 9 . (21.) Februar 1885. 


Inhalt: N. Lun in: Ein Beitrag zur Therapie und Statistik der Diphtherie. — Neumann: Beitrag zur ischämisirenden, antiphlo¬ 
gistischen Wirkung des Cocainum muriaticum. — Beferate. J. Bertenson: Bericht der Commission zur Prüfung der Schutzimpfung 
gegen die sibirische Pest. — B. Goldfeld: Alnmen nstnm als Verbandmittel per se und als Zusatz zu Jodoform. — M*lle. Eilaby: De 
Pamplitude de convergence. — Prof. F. Neelsen : Rapide Wucherung und Ausbreitung eines Mammacarcinoms nach zwei schweren Ery- 
aipelanfällen von 15- resp. 10 tägiger Dauer. — Maximilian Schaechter: Eine Modification des Brisement forc6 bei der Streckung 
contrahirter Kniegelenke. — Bücher-Anzeigen und Besprechungen. D. Krajewitsch: Material zur medico-statistisoheu Kenntniss 

über das Gouvernement Simbirsk. — K. Schadek: Die primären syphilitischen Sclerosen des Rachens_ Auszug aus den Protokollen 

des deutschen ärztlichen Vereins. — Vermischtes. — Krankenbestand der Civil - und Kinderhospitäler St. Petersburgs. —■ Mortali¬ 
täts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen . 


Ein Beitrag zur Therapie und Statistik der Diphtherie. 

Ans dem Kinderhospit&l des Prinzen von Oldenburg. 

Von 

. Dr. N. L u n i u. 


ln den letzten Jahren sind eine solche Anzahl von Mitteln 
gegen die Diphtherie empfohlen worden, dass es jetzt fast 
wie ein Wagniss erscheint einen Beitrag zur Behandlung 
der Diphtherie liefern zu wollen. Betrachten wir aber die 
Literatur hinsichtlich der Therapie dieser Krankheit näher, 
so finden wir, dass die Mittel gewöhnlich anfangs warm 
empfohlen worden, dem Autor wesentliche Dienste im Kampfe 
gegen diese mörderische Krankheit geleistet haben, aber 
dann auch über kurz oder lang in Vergessenheit gerathen 
oder höchstens noch in genauen Zusammenstellungen aller 
gegen die Diphtherie empfohlenen Mitteln referirt werden 1 ). 
Es erschien mir daher ganz lohnenswerth einige dieser so 
warm empfohlenen Mittel an dem mir auf der Diphtherie- 
Abtheilung des Kinderhospitals des Prinzen von Oldenburg, 
zu Gebote stehenden reichen Materiale einer objectiven 
Prüfung zu unterziehen. Um sich aber ein einigermaassen 
klares und objectives Bild über die Wirkungsweise eines 
Mittels zu bilden, ist es durchaus nothwendig auf den 
Charakter der Epidemie and auf die in derselben präva- 
lirenden Formen und Complicationen Rücksicht zu neh¬ 
men. Will man aber die mit den verschiedenen Mitteln er¬ 
langten Resultate unter einander vergleichen, so ist es na¬ 
türlich wünschenswert!), die Mittel wenn möglich unter 
gleichen Bedingungen zu prüfen, nicht nur was Form und 
Charakter der Epidemie, sondern auch was die äusseren 
Verhältnisse betrifft, unter denen sich der Kranke während 
der Behandlung befand; vor Allem aber muss das Alter der 
Pat. berücksichtigt werden. Als ich im Jahre 1882 als 
Assistenzarzt in die Infections-Abtheilung des Kinderhospi¬ 
tals des Prinzen von Oldenburg eintrat und meine Unter¬ 
suchungen begann, war ich in der Lage ein Material zu 
haben, wo ein Theil der Bedingungen von Hanse aas er¬ 
füllt war. Die meisten Kranken, an denen die Mittel ver- 

*) 1. Schmidt’s Jährlicher 1884, pag. 176. 2. Ueber Croup 
und Diphtherie nach Monti. 


sucht wurden, kamen in der Zeit vom Januar bis zum Oc- 
tober 1882 in Behandlung und sind von mir selbst beob¬ 
achtet worden; ein kleinerer Theil stammt aus dem Jahre 
1883 und befand sich auf derselben Abtheilung anter Beob¬ 
achtung von Dr. Popow und Dr. H e u k i n g. Der Cha¬ 
rakter der Epidemie hatte sich im Ganzen wenig geändert. 
Das Wartepersonal und die hygienischen Verhältnisse des 
Hospitals Hessen nichts za wünschen übrig z ). Zar Auf¬ 
nahme kamen nur Kinder bis zu 12 Jahren und meist 
schwere Fälle, weil die Diphtherie-Abtheilung fast stets ge¬ 
füllt war, so dass meist nur schwere Fälle aufgenommen 
werden konnten, während die leichteren ambulatorisch be¬ 
handelt warden. Daher lässt sich aus meinem Material, 
das sich nur auf die stationären Kranken bezieht, keine 
Schlussfolgerung im Allgemeinen etwa auf den Gang der 
damaligen Diphtherie-Epidemie in Petersburg . ableiten, 
denn zu diesem Zwecke müsste man die ambulatorisch be¬ 
handelten Kranken gleichfalls in Rechnung bringen. 

Bevor ich aber zu den Resultaten der verschiedenen Be¬ 
handlungsmethoden übergehe, glaube ich erst einiges über 
die verschiedenen Formen der Diphtherie und über die Art 
der Einteilung, wie sie bei uns im Hospital üblich ist, 
sagen zu müssen. 

Die von den verschiedenen Autoren vorgeschlagenen 
Einteilungen decken sich mehr oder weniger, wie es ja in 
der Natur der Sache liegt. 

0 e r t e 1 8 ) unterscheidet 4 Formen: die cat&rrhalische^ 
die croupöse, die septische und die gangränöse. S a n n 6 4 ) 
unterscheidet eine forme bönigne, forme infectieuse et forme 
maligne. Seitz 5 ) beschreibt eine leichte Form oder ein¬ 
fache Rachendiphtherie und eine schwere Form, die wieder 
in einen diphtherischen Croup und in die septisch-gangrä¬ 
nöse zerfällt. M o n t i ®) teilt die diphterische Angina ein 
in Angina diphth. partialis, Angina diphtb. totalis, und eine 
Ang. diphth. septica; beschreibt aber die LaryngitiB diph- 

’) Die Infectione-Abtbeilung befindet sich in einem besonderen 
Hanse, bat einen besonderen Eingang, seine eigene Waschanstalt, 
eigenes Wsrteperoonal und seine besonderen Aerste. 

s ) Ziemesen, Bd. II. 

4 ) Traitfi de la Diphtherie. 

*) Diphtherie und Cronp. . .. 

*) Ueber Cronp und Diphtherie im Eindesalter. 


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46 


therica besonders. K1 e b s , ) schlägt vor, auf Grund sei- f 
ner pathologisch-anatomischen Untersuchungen die Diph¬ 
therie in eine bacilläre und mikrosporine Form eiuzutbeilen. 

Wir unterscheiden bei uns im Hospital 2 Hauptformen : 
die fibrinöse und die phlegmonös-septische Form. Unserer 
fibrinösen Form entsprechen die beiden ersten Formen Oer- 
t e 1 ’s, die forme bänigne S a n n 6 ’s, Seitz’s leichte Form 
and von der schweren Form der diphth. Croup, M o n t i ’s 
Angina diphtherica partialis und totalis und endlich K Iebs 
bacilläre Form. Bei dieser Form handelt es sich um mehr 
oder weniger ausgedehnte fibrinöse Exsudationen, die sich 
auch leicht auf den Kehlkopf ausdehnen können und dieser 
fibrinösen Exsudationen wegen nennen wir diese Form der 
Diphtherie die fibrinöse. Ich glaube der Name fibrinös ist 
unzweideutiger als croupös, weil das Wort <Croup> eigent¬ 
lich einen klinischen Begriff in sich fasst und nur als solcher 
gebraucht werden sollte. Die septisch-gangränöse Form 
nach S e i tz, resp. 0 e r t e 1, bietet bei der bei uns herr¬ 
schenden Epidemie einige Erscheinungen dar, wie sie in 
West-Europa wenigstens nicht in so prononcirter Weise 
vorzukommen scheinen. Das Charakteristische dieser Form, 
wie dieselbe wenigstens in Petersburg seit den letzten Jah¬ 
ren leider nur zu häufig zur Beobachtung kommt, besteht 
in einer starken phlegmonösen Schwellung des weichen Gau¬ 
mens und des die Mandeln umgebenden Zellgewebes. Die 
Tonsillen selbst betheiligen sich weniger an der Schwellung. 
Diese Schwellung breitet sich dann auf dieSubmaxillardrüsen 
aus, auf das dieselben umgebende Zellgewebe, auf das Un¬ 
terhaut-Zellgewebe des ganzen Halses und reicht häufig bis 
auf die Schlüsselbeine resp. Brust und obere Bauchgegend 
herab. Die Affection des Pharynx kann entweder nur eine 
Seite oder den ganzen Pharynx betreffen. Lässt man einen 
Kranken, bei dem nur eine Seite geschwellt ist, den Mund 
öffnen, so erblickt man im Rachen eio Bild, das sehr häufig 
Aehnlichkeit mit einer einseitigen phlegmonösen Angina 
hat Die Tonsillen und der weiche Gaumen der afficirten 
Seite sind derartig geschwellt, dass dieselben in Form einer 
Geschwulst in die Mundhöhle hinein ragen, die meist ödema- 
töse Uvula auf die gesunde Seite verdrängen und die gegen¬ 
überliegende Tonsille berühren. Dabei können die fibrinösen 
Exsudationen ganz unbedeutend sein und leicht übersehen 
werden, bedecken aber bisweilen die Tonsillen, den weichen 
Gaumen und dehnen sich sogar auf den harten Gaumen aus. 
Am ersten und zweiten Tage der Erkrankung bemerkt man 
an der erkrankten Schleimhaut ein dünnes Häutchen, das 
gleichsam wie ein Spinngewebsnetz die kranke Schleimhaut 
überzieht. Am folgenden Tage bat dieses Häutchen be¬ 
deutend an Dicke zugenommen, erscheint jetzt als deut¬ 
liche Pseudomembran von gallertartiger oder talgiger Be¬ 
schaffenheit, die in die Tiefe der Schleimhaut dringt, sich 
gegen die Umgebung nicht deutlich begrenzt, sondern die 
Tendenz zeigt sich weiter auszubreiten. Auf der ent¬ 
sprechenden Seite des Halses sieht man meist schon in den 
ersten 24 Stunden die oben beschriebene Affection der 
Drüsen resp. des Halszellgewebes sich heranbilden. Sind 
beide Theile des Rachens betroffen, so drängen sich beide 
Theile des weichen Gaumens resp. beide Tonsillen in Form 
von 2 halbkugligen Geschwülsten in die Mundhöhle vor und 
während dieselben hinten und unten vollkommen zusammen- 
stossen, sind sie mehr nach vorn durch die Rapbe getrennt. 
Die Infiltration geht bisweilen auch auf den harten Gau¬ 
men über und sehr häufig wird der hintere Theil der Nasen¬ 
höhlen in Mitleidenschaft gezogen. Das Zellgewebe des 
ganzen Halses ist stark geschwellt, alle Gruben am Halse 
vollkommen verstrichen, so dass die Haut von Wange und 
Kinn in gerader Richtung zu den Clavikeln und dem Ster¬ 
num herabzieht. 

Die Haut über dieser Infiltration erscheint vollkommen 
blass; fühlt man die Geschwulst näher an, so ist dieselbe 
teigig weich, nicht schmerzhaft und macht den Eindruck 


D Verhandlungen des Congresses für innere Medicin 1883. 


eines so zu sagen entzündlichen Oedems; es ist aber kein 
eigentliches Oedem, da auf Fingerdruck, keine Gruben hin¬ 
terbleiben. Macht man bei der Section einen Einschnitt 
in solch eine Hautpartie, so hat man das Bild einer sülzigen 
oder gallertartigen Infiltration. Diese Infiltration der Haut 
kann sieh, wie schon erwähnt, bis auf die Haut der Brust 
resp. obere Bauchgegend ausdehnen. Bei den Sectionen 
waren wir häufig in der Lage uns zu überzeugen, wie diese 
Infiltrationen sich längst den grossen Gefassen ins Mediasti¬ 
num verbreiteten und bis aufs Pericardium sich verfolgen 
Hessen. Dieser ausgebreiteteu Phlegmonen und des in die¬ 
sen Fällen fast immer septischen Verlaufs wegen bezeichnen 
wir diese Form als phlegmonös-septisch. Bei dieser Form 
wird der Kehlkopf verhältnissmässig selten in Mitleiden¬ 
schaft gezogen. Die Prognose ist, wie wir weiter unten 
sehen werden, äusserst ungünstig. Sie tödtet meist auf 
der Höhe der Krankheit durch Herzinsufiicienz. Dauert die 
Krankheit längere Zeit, so tritt häufig Gangrän des Pala¬ 
tum molle resp. der Tonsillen hinzu; nur sehr selten ge¬ 
nesen die Kranken von derselben. In letzterem Falle 
stossen sich die Membranen allmälig ab mit Hinterlassung 
leicht blutender Geschwürsflächen die langsam zur Heilung 
kommen, ln der Literatur der Diphtherie habe ich dieses 
Zusammentreffen gerade der starken Schwellung des Pha¬ 
rynx mit den betreffenden Veränderungen des Unterhaut- 
zellgewebes nicht genügend berücksichtigt gefunden. Bei 
seiner sept Form beschreibt Oertel genau dieselbe 
Schwellung des Halses, erwähnt aber nichteine Ausdehnung 
derselben auf Brust und Bauchhaut resp. Mediastinum. 

S a n n 6 sagt bei der Beschreibung seiner forme maligne: 
«II ne faut pas croire, que les fausses membranes soient 
toujours tres-ötendues; au contraire, on est souvent sur- 
pris de les trouver d’un seul cötä et peu ötendues, presque 
aulles. Mais si restreintes qu’elles soient, le cou präsente 
toujours une enorme tumefaction; c’est la caractöristique 
de cette forme. — Ge gonflement ne se forme pas seule- 
ment aux döpens des glandes cervicales et parotidiennes 
enflammöes, il comprend aussi le tissu cellulaire environ- 
nant. — Getto variötö est toujours morteile». 

S e i t z sagt, <die Schleimhaut in der Umgebung der 
Pseudomembran zeigt sich intensiv geröthet, livid, ge¬ 
schwellt» — und in Betreff der Submaxillardrüsen fährt er 
fort, «die Anschwellung nimmt durch Blulanhäufung und 
Oedembildung in dem die Drüsen umgebenden Zellgewebe 
beträchtlich an Umfang zu, so dass die Bewegung des 
Kopfes und das Herabschlingen der Speisen dem Kranken 
sehr beschwerlich wird.» M o n t i schreibt, «bei der An¬ 
gina diphth. septica findet man die Tonsillen gewöhnlich 
hochgradig geschwellt,» und von den Lymphdrüsen sagt er 
«gleich in den ersten Stunden der Erkrankung entwickelt 
sich eine hochgradige Schwellung der Lymphdrüsen am 
Halse.» J a c o b i 8 ) beschreibt die Veränderungen im 
Pharynx ähnlich den schon citirten Autoren und von den 
Lymphdrüsen sagt er : «Sehr frühzeitig schwellen die Nach- 
bardrüsen an und ziehen dos periglanduläre Gewebe in Mit¬ 
leidenschaft, so dass gelegentlich der Umfang des Halses 
um ein bedeutendes schwillt, und der Raum zwischen Un¬ 
terkiefer und Schlüsselbeinen durch eine mächtige Ge¬ 
schwulst ausgefüllt erscheint.» 

Wie man aus diesen citirten Stellen leicht ersehen kann, 
handelt es sich mehr oder weniger um dieselbe Form, möge 
man sie nun nennen wie man wolle, nur scheint es mir, dass 
bei dem von mir beobachteten Material einige Symptome, 
wie die Aflection des Unterhautzellgewebes resp. die Aus¬ 
breitung dieses Processes in viel prononcirterem Grade 
Vorkommen, als sie von den citirten Autoren beschrieben 
worden Bind. 

Diese Form würde der mikrosporinen Form nach K 1 e b b 
entsprechen, Ich muss aber noch bemerken, dass es mir 
nicht immer möglich war, diese Trennung so scharf durch- 

*) Gerhardt, Kinderkrankheiten, Bd. H. 


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47 


znfllhren, wie es Elebs vorschlägt and ich habe häufig 
Fälle beobachtet, die mit einer reinen bacillären Form be¬ 
gannen, im Verlaufe der Krankheit aber in die Mikrosporine 
Obergingen. 

Ich will hier noch eine Krankengeschichte solch einer phlegmo¬ 
nösen Form mittheilen, die einen 11jährigen Knaben betraf, der 
wegen eines leichten chronischen Rheumatismus anf der therapeu¬ 
tischen Abtheilung des Kinderhospitals des Prinzen von Oldenburg 
lag und dort an Diphtherie erkrankte. Dieser Fall ist von der ers¬ 
ten Stunde der Erkrankung an beobachtet worden. Der Knabe 
war gut entwickelt und von normalem Ernährungszustände; Kör¬ 
pergewicht 25,500. Er befand sich schon 14 Tage auf der Abthei¬ 
lung und seine Temperatur, Morgens und Abends gemessen, war 
stets normal. Am Morgen des 15. Tages nach dem Eintritte ins 
Hospital klagte er ttber Halsschmerzen. Die Temperatur war um 
6 Uhr Morgens 38,3 und um 9 Uhr 40,0. Die Inspection des Pha¬ 
rynx ergab starke Röthung der ganzen Pharynxschleimhaut; die 
linke Mandel war etwas, die linke Hälfte des weichen Gaumens sehr 
stark geschwellt: das Zäpfchen war ödematös und ganz anf die ge¬ 
sunde Seite verdrängt. Belege nicht vorhanden. Die linke Sub- 
maxi llardrüse etwas geschwellt und schmerzhaft. Das Schlucken 
fällt dem Knaben schwer. Im Verlaufe des Tages nahmen die linke 
Gaumenhälfte und die linke Mandel dermaassen an Schwellung zu, 
dass der Aditus ad pharyngem vollkommen versperrt war; die Uvula 
war stark ödematös und sah ganz glasig aus. Keine fibrinösen Aus¬ 
schwitzungen. Die Schwellung der Drüsen hat sich auf das umlie¬ 
gende Zellgewebe verbreitet, so dass die Grube am linken Unter¬ 
kieferwinkel vollkommen verstrichen ist. Mittelstarke Albnminurie. 
Der Knabe wurde noch an demselben Tage anf die Infectionsabthei- 
lung gebracht. Ordination: 01 Terebinth. 2 Mal täglich zn 10,0 
und viel Wein. 

2. Krankheitstag . Die Nacht hatte Pat. unruhig verbracht und 
häufig über Schmerzen beim Schlucken geklagt. Die Schwellung 
im Rachen hatte noch zogenommen und zeigt ein gallertartiges Aus¬ 
sehen . Auf der infiltrirten Seite des weichen Gaumens und auf der 
Uvula fibrinöse Ausschwitzungen von talgigem Anssehen, die sich 
nicht ordentlich begrenzen. Die Infiltration anf der linken Seite 
des Halses hat bedeutend zugenommen und reicht nach vorne bis 
über die Mittellinie; und nach unten bis auf die Clavikel. Die 
Schwellung ist so enorm, dass zwischen Wange und Clavikel keine 
Gruben existiren. Die Haut über dieser Infiltration selbst fühlt sich 
weich teigig an und ist nicht schmerzhaft; das Allgemeinbefinden 
relativ gut, Starke Albuminurie. Ordinat.: 01 Terebinth. 2 Mal 
täglich zu 10,0 und viel Wein. Bis znm Abend hatten sich die fibri¬ 
nösen Ausschwitzungen über den ganzen weichen Gaumen verblei¬ 
tet und reichten nach vorn bis auf den harten Gaumen. Die Infiltra¬ 
tion des Unterhautzellgewebes reicht bis zur 2. Rippe herab. 

3 . Krankheitstag . Der Knabe ist sehr matt, der Puls 128 und 
unregelmässig. Im Munde keine Veränderung. Die Schwellung 
des Unterhautsellgewebes reicht bis zur 3. Rippe herab. Der Knabe 
delirirt, ist cyanotisch, wird gegen Mittag pulslos und ist am Abend 
um 5 Uhr eine Leiche» 

Section: Die Erscheinungen im Pharynx stimmten mit den am 
Lebenden beschriebenen überein. Der Hals sehr stark geschwellt, 
besonders linkerseits; diese Schwellung reicht bis zur 3. Rippe herab. 
Auf dem Durchschnitt erscheint das Unterhautzellgewebe gallertig 
infiltrirt. Diese gallertartige Infiltration breitet sich anf das in- 
termu8cnläre Gewebe und auf das, die grossen Halsgefässe umge¬ 
bende Zellgewebe aus. Nach Eröffnung der Brusthöhle erweist 
sich das Zellgewebe im Mediastinum anticum gleichfalls gallertartig 
infiltrirt: solch eine Infiltration des Zellgewebes lässt sich längs den 
grossen Gefässen bis auf den Herzbeutel verfolgen. An der Basis 
der grossen Gefässe und auf dem rechten Herzohr findet man die¬ 
selben Massen. Das Herz erscheint vergrössert, besonders die mit 
Blut und Gerinnsel gefüllte rechte Kammer und Vorkammer. Unter 
dem Epicardinm sieht man zahlreiche und ziemlich umfangreiche 
Hämorrhagien. Das Herzfleisch ist braun-grau verfärbt und sehr 
mürbe. Im rechten Ventrikel sieht man unter dem Endocardium 
gleichfalls zahlreiche Hämorrhagien. Die Bronchialdrüsen ge¬ 
schwellt und einige käsig entartet. Die Lnngen in den untersten 
Abschnitten hyperämisch. Die Milz ist vergrössert^ blutreich, die 
Follikel treten deutlich hervor, das Milzparenchym ist weich, zer- 
fliesßlich. Leber hyperämisch, Läppchenzeichnung verwischt. Nie¬ 
ren etwas vergrössert, die Rindensnbstanz verdickt, stark injicirt. 
Die Mesenterialdrüsen geschwellt und im Darm treten die P e y e r- 
schen Plaques sehr stark hervor. 

Gerade diese Krankengeschichte habe ich mitgetheilt, 
weil dieselbe eine von den wenigen ist, wo Pat gleich von 
den ersten Stunden der Erkrankung an beobachtet wurde, 
während die von aussen ins Hospital eintretenden gewöhn¬ 
lich am 2, oder 3. Tage der Erkrankung zur Beobachtung 
kommen. (Fortsetzung folgt.) 


Beitrag zur ischämisirenden, antiphlogistischen Wir¬ 
kung des Cecainum muriaticum. 

Vortrag gehalten im Verein St. Peterab. Aente am 8. Jan. 1885. 

Von 

Dr. Neu mann. 


M. H. In voriger Sitzung hatte ich die Ehre, Ihnen bei 
Gelegenheit eines Resumös Ober Cocainbehandlung aus un¬ 
serem Augenhospitale einige Erfahrungen, die ich in rhino- 
pharyngologischer Praxis gemacht, mittheileu zu können. 
Vorherrschend kam damals die analgetische nnd anästhe- 
sirende Wirkung des Medicaments zur Sprache, die andere, 
dessen Einwirkung anf die Blutgefässe, die local ischämi- 
sirende, damit entzttndungswidrige wurde weniger berück¬ 
sichtigt. In letzter Zeit habe ich bei weiteren Versuchen 
diese Seite mehr in’s Auge gefasst und möchte Ihnen ein 
paar Krankengeschichten vorführen, die mir nicht ohne In¬ 
teresse zn sein scheinen und die eben genannte Wirkungs¬ 
weise des salzsauren Cocains illustriren sollen. 

P. S., einer unserer älteren Advocaten, ein Herr gegen 
Ende der fünfziger Jahre, kam am 17. Dec. 1884 in die 
Ambulanz des Dr. R&hlmaon mit einer heftigen An¬ 
gina, die den dritten Tag andauerte. Sehr bedeutende 
Schwellung recbterseits der Tonsille, des Arcus, der Uvula. 
Pat. hat schon häufiger an Anginen, die zuweilen in Ab- 
scedirung übergingen, gelitten, was er auch jetzt befürch¬ 
tete und hat ausserdem eine chronische Pharyngorhinitis. 
Dr. Rühluann übergab Pat. mir zur Weiterbehandlung, 
wobei das salzsaure Cocain angewandt werden sollte. Ich 
übernahm die Behandlung um so lieber, als ich das Cocain 
auf die Eigenschaft, Anginen direct zn heilen, prüfen 
wollte. Im «Wratsch» (1884, Ns 49) findet sich eine Notiz 
von Dr. Popow, der durch Cocain in einigen Fällen 
Schmerzlinderung erzielt habe. Meine an der Nase ge¬ 
machte Beobachtung, dass eine bedeutende Ischämie der 
Schleimhaut und des submucösen Gewebes bei Berührung 
mit einer salzBauren Lösung von Cocain eintrete, machte es 
wüDSchenswertb, in dieser Sichtung hin auch bei der An¬ 
gina zu untersuchen. Unserem Pat. wurde das übliche 
Gurgelwasser gegeben, und wollte ich am anderen Tage mit 
Cocain pinseln. 

Am anderen Tage fand ich Pat in äusserst desolatem 
Zustande. Temperatur 38,9. Heftige Schmerzen im Halse. 
Pat. unruhig, hat die Nacht über kaum zwei Stunden ge¬ 
schlafen, den Tag über sieb mit Nichts beschäftigen können, 
nur an seine Krankheit gedacht. Dieselbe Röthe und 
Schwellung, nur dass sie über die Uvula weg auf den lin¬ 
ken Arcus gegangen war. Ich nahm mein theurea Mittel, 
eine 5%ige Lösung von Coc. muriat, vor und begann zn 
pinseln mit der geheimen Furcht, es würde doch nur wenig 
helfen. Ganz vorsichtig machte ich eine Pinselung aller 
geschwollenen Theile, weil bei starker Pinselung die Sali- 
vation die Lösung nur verdünnen oder gar ganz wegspülen 
würde, zumal bei Anginen diese erst recht stark ist Nach 
einer Minute erneuerte ich die Pinselung wieder und end¬ 
lich znm dritten Male nach 3 Minuten. Darauf machte ich 
eine längere Pause von 10 Minuten. In dieser Zeit begann 
das Cocain sich zu betbätigen. Pat, der zu schlucken sich 
fürchtete und es doch alle Augenblicke thnn musste, hatte 
nicht mehr das Bedürfniss, dieses zu thun, und zudem wa¬ 
ren die Schluckbewegungen schmerzlos. Jetzt machte ich 
noch eine, dieses Mal etwas stärkere Pinselung und verord¬ 
net«, Pat. solle sie gegen Abend wieder erneuern. Jetzt 
solle er etwas zu gemessen versuchen. 

Natürlich glaubte ich Pat am anderen Tage mit den al¬ 
ten Schmerzen wiederzufinden, die er mit Pinselungen selbst 
sich zu lindern versuchen sollte. Doch wie war ich ange¬ 
nehm überrascht, als ich einen ganz andern Mann vor mir 
sah. Rasch kam er auf mich zu, dankte mir für die Hilfe, 
die ich ihm geleistet Er habe gar nicht nöthig gehabt, 
die Pinselnng zu erneuern; gleich nachdem ich fortgegan¬ 
gen, hätten die Schmerzen völlig nachgelassen, er tobe 

« 


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48 


dann gespeist, zwölf Standen en suite geschlafen, transspi- 
rirt; heute fühlte er sich vollkommen wohl, habe den Mor¬ 
gen über gearbeitet und fühle nur eine ganz unbedeutende 
Empfindlichkeit im Halse. Bei der Untersuchung des 
Rachens war ich auch nicht wenig erstaunt. Von dem 
gestrigen Bilde sah ich heute positiv gar nichts. Die krank 
gewesenen Partien hatten nur ein ganz leichtes succulentes 
Aussehen, die Berührung derselben war gar nicht schmerz¬ 
haft. Es war definitive Heilung eingetreten, was Dr. Rüh 1- 
m a n n zwei Tage später constatiren konnte. 

In diesem Falle hat das Cocain entschieden diese Heilung 
bewirkt. Man könnte mir einreden, dass am 4. Tage eine 
Angina von selbst schwinde. Die Möglichkeit eines Schwin¬ 
dens am 4. Tage kann ich ja nicht bestreiten, doch war sie 
dieses Mal so plötzlich und sich dem therapeutischen Ein¬ 
griffe so direct anschliessend, dass ich mich vollständig 
meinem Pat. anschliessen musste, im Cocain die Ursache 
zu sehen. 

Ebenso eclatant war die Wirkung in einem 2. Falle. 

, Pat. P. K„ ein kräftiger Bauer, der im Marienhospitale in 
meiner Abtheilung an chron. Rheumatismus und Periostitis 
der VHI. 1. Rippe gelegen, sollte am 3. Januar 1885 das 
Hospital als gesund verlassen. Ich fand ihn statt dessen 
am Morgen im Bette liegend und über heftige Schmerzen im 
Halse klagend. Am Abend vordem batte er einen starken 
Schüttelfrost gehabt. Die linke Rachen hälfte geschwollen, 
stark geröthet, äusserst empfindlich, die Tonsillen mit 
weissen Pünctchen besetzt, die sich nicht wegwischen Hessen. 
. Um 12 Uhr machte ich eine Pinselung mit 5%iger Cocain¬ 
lösung ganz genau so wie oben. Die Schmerzen Hessen so¬ 
fort nach, und glaubte ich schon jetzt eine Abschwellung 
der kranken Theile constatiren zu können. Jedenfalls war 
- um 8 Uhr Abends die Schwellung sehr gering, die Schmer¬ 
zen zwar schon wieder da, doch nicht in solcher Heftigkeit, 
wie vordem. Sie seien circa zwei Stunden nach der Pinse¬ 
lung wieder aufgetreten. Ich machte wieder eine Pinse¬ 
lung und fand am Morgen Pat. schon ganz munter. Er habe 
seit dem Abend keine Schmerzen mehr empfunden, nur eine 
leichte unangenehme Empfindung beim Schlucken sei nach- 
geblieben, die Nacht habe er stark transspirirt. Bei der 
Untersuchung des Rachens finde ich nur eioe leichte Succu- 
lenz der Theile, weiter nichts. Empfindlichkeit unbedeu¬ 
tend. Nochmals eine Pinselung. Von da ab ist Pat. als 
geheilt zu betrachten. Temperaturen: 1. 37,0, 37,5; 2. 
37,0, 39,4; 3. 38,4, 38,5; 4. 37,5, 37,6; 5. 36,8, 37,4; 
6. 37,0, 36,8. 

Ich trage Ihnen, m. H., diese Fälle jedoch immerhin mit 
Reserve vor. Die Indication war, das Räsonnement, glaube 
ich, richtig, der Erfolg trat ein. Aber der Fälle sind nur 
zwei. Hic haeret aqua. Ich möchte daher an die prakt. 
Aerzte, die ja mehr als wir Specialärzte mit acuten An¬ 
ginen zu thun haben, die Bitte richten, in dieser Richtung 
weiter zu experimentiren. Wir würden ja, im Falle es ge¬ 
lingen sollte, Anginen zu coupiren, einer der gefürchtelsten 
und schmerzhaften Krankheiten den Garaus machen und 
unseren Pat. grossen Nutzen bringen. 

In der Nase hatte ich, wie schon in der vorigen Sitzung 
erwähnt, das Cocain bei Polypenexstirpationen angewandt, 
damit eine Analgesie der Theile, so weit sie mit dem Mittel 
in Berührung gekommen, erzielt, die höchst scbätzenswerth 
ist, und zugleich die Beobachtung gemacht, dass die Blu¬ 
tung eine minimale wurde. Da ähnliche Beobachtungen 
von den Ophthalmologen an der Iris gemacht worden, suchte 
ich sie für die hypertrophische Schleimhaut der Nase zu 
yerwerthen. Am 20. Dec. 1884 steUte sich in meiner Am¬ 
bulanz ein Eisenbahnbeamter ein, der an einer äusserst 
starken chron. Rhinopharyngitis Htt. Die Schwellkörper 
der unteren Nasenmuschel waren der Art gross, dass sie 
beiderseits das Septum berührten und in Folge dessen die 
Athmung durch die Nase gerade zu Null war. Sofort pin¬ 
selte ich beide Tumoren mit 5%iger Cocainlösung, und als 
ich nach kaum zwei Minuten wieder zusab, war ich nicht 


wenig überrascht, diese bis auf die Hälfte ihres Volums ge¬ 
schwunden zu sehen, welche Abschwellung weiterhin noch 
zunahm. Pat. war des Entzückens voll, als er plötzlich 
wieder durch die Nase zu athmen vermochte. Doch die 
Wirkung ist nur paUiativ, denn als Pat. sich nach 3 Tagen 
wieder vorstellte, theilte er mir mit, dass nach ca. 4 Stun¬ 
den die Wirkung aufgehört habe und nahezu der alte Zu¬ 
stand wieder eingetreten sei. Ich gab Pat. die Lösung nach 
Hause mit, mit der Weisung, er solle sich 3—4 Mal täg¬ 
lich selbst die vorderen Abschnitte der Nase pinseln. Je¬ 
doch war der Erfolg mangelhaft. Pat. hat es leider nicht 
verstanden, sich selbst zu pinseln. 

Weiterhin habe ich den Versuch viele Male an anderen 
Personen wiederholt. Immer mit demselben Erfolge. Ich 
setze die Versuche weiter fort, immer noch mit der stillen 
Hoffnung, ob es nicht gelingen würde, die palliative Wir¬ 
kung zu einer dauernden zu machen. 

Bald nach den ersten Fällen fand ich eine Bestätigung 
meiner Beobachtung in einem Referat des Lond. Med. Rec. 
(15. Dec. 1884) aus dem New-York Medical Record (Nov. 
1884) über ganz dieselben Versuche, wie ich sie in der 
Nase angestelit, von Dr.Bosworth in America, welches 
auch Dr. P e t e r s e n m seinem Referate über Cocain in 
unserer Zeitschrift erwähnt. Bosworth erklärt sich 
die Wirkungsweise «durch Contraction der Muskelfasern, 
welche die venösen Sinus der Nase umgeben». Wie 
weit das richtig, fühle ich mich incompetent zu beur- 
theilen, jedenfalls ist die Einwirkung auf SchweUgewebe 
eine ganz merkwürdige, wofür ich als weiteren Beleg aus 
Knapp’s Experimenten (London Med. Record 15. Dec. 
1884) das eine anführen will, nämlich, dass bei Einführung 
einer 4%igen Cocainlösung in die Urethra des Experimen¬ 
tators Glans penis ganz blass wurde d. h. eine bedeutende 
Wirkung auf den Scbwellkörper eingetreten war. Bos¬ 
worth aber behauptet weiter, <er habe nie gesehen, dass 
es (d. Cocain) irgend einen Eiufluss auf die capilläre Circu- 
lation der Schleimhäute im Allgemeinen habe und halte die 
Einwirkung auf die Muskelfasern der Sinus für eine teta- 
nische, da die Schleimhaut nachdem in einer Weise (with a 
rigid clasp) an den uuteren Muscheln hafte, die nur als eine 
tetanische beschrieben werden könne.» (Lond. Med. Rec. 
15. Dec. 1884, p. 517). Letztere Beobachtung habe ich 
nicht machen können, da ich nie so stark cocainisirt habe. 
Aber bezüglich der Erklärung, wie die Ischämie zu Stande 
komme, kann ich mich Dr. Bosworth nicht an- 
schliessen. Zwar kann ich mich nicht in eine Discussion 
und Erklärung einlassen, denn dazu sind physiologische Ex¬ 
perimente nötbig. Ich möchte nur dagegen einmal die Er¬ 
fahrung der Ophthalmologen an der Iris anführen, weiter¬ 
hin meine Erfahrungen am Rachen, einige am Larynx und 
dem Ohre. Es sind zwar diese noch gering an Zahl, jeden¬ 
falls habe ich aber bei Larynxcatarrhen, wo die Röthe der 
Stimmbänder keinem Mittel wich, durch Cocainpiuseiungen 
diese und die lästige Schleimproduction herabsetzen können. 
Andererseits habe ich in Fällen von Perichondritis laryngea 
bei Phthisischen Abschwellungen eintreten sehen uud in 
einem Falle von Otit. media acuta catarrhalis nicht nur die 
Schmerzen herabdrücken können, sondern auch die Röthung 
des Trommelfells und Schwund der Entzttndungserschei- 
nungen durch Einträufelungen von 3%iger Cocainlösung in 
den äusseren Gehörgang eintreten sehen. — Meine Beob¬ 
achtungen zeigen, da kein Zellgewebe in diesen Fällen vor¬ 
handen, glaube ich, deutlich, dass hier eine discrete Ein¬ 
wirkung auf die Gefässe selbst bestehe. 


Referate. 

J. Bertenson: Bericht der Commission zur Prüfung 
der Schutzimpfung gegen die sibirische Pest. (Mitthei- 
lnngen und Protokolle der St. Petersburger med. Gesellschaft 
pro 1884. II. Jabrg. Lieferung 11, pag. 30—56. Russisch). 

Im Sommer 1883 wurde unter Leitung B.*s eine Commission, su 
welcher Prof. Kolessnikow uud einige Veterinäre gehörten, 


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49 


ernannt, welche in Neu-Ladoga eine Reihe von Versuchen mit den 
PaBtenr ’schen Schutzimpfungen anstellen sollte. In der Sitzung 
vom 12. Febr. 1884 berichtet nun B. eingehend über die Arbeiten der 
Commission, die zu folgenden Resultaten gelangt. 

II Die Sterblichkeit nach Impfung verschiedener Thierarten war 
bedeutend ; von 18 geimpften Thieren fielen in Neu-Ladoga 2 (von 
6 Pferden —1, von 9 Schafen — 1, während vom Hornvieh keine 
gefallen). 

2) Die Sterblichkeit der geimpften Thiere bei verschiedenen Con¬ 
trolversuchen, wie nachträgliches Impfen mit Blut und Cultnren, 
welche das Virus virulentum enthielten, sowie Fütterung mit Heu, 
welches mit inficirtem Blut besprengt — war sehr gross: Von 29 
geimpften Thieren fielen bei den Control versuchen 12 (von 5 Pferden 
— 3, von 19 Schafen — 9; das Hornvieh war durch die Impfung 
immun gegen Infection geworden). 

3) Aus diesen Ergebnissen ist zu schliessen, dass die Schutz¬ 
impfung gegen die sibirische Pest im nördlichen Theile Russlands 
bei Pferden und Schafen nicht wirksam, dagegen beim Hornvieh po¬ 
sitive Erfolge hatte. 

4) Die relativ bedeutende Sterblichkeit der Thiere bei der Im¬ 
pfung, wie bei den Control versuchen, ist nach Meinung der Com¬ 
mission dadurch zu erklären, dass die localen ökonomischen Ver¬ 
hältnisse ein unüberwindliches Hinderniss dabei bieten, denn zur 
erfolgreichen Durchführung der Schutzimpfung sind vor Allem, wie 
in Frankreich und in Süd-Russland, bessere hygienische Verhältnisse 
für die Hausthiere nöthig, als sie bei uns geboten werden. 

5) Bei der geringen Anzahl der Versuche und mancher ungenü¬ 
gender Verhältnisse beim Anstellen derselben kann die Commission 
keine entscheidenden Schlussfolgerungen ziehen und spricht sich da¬ 
hin aus, dass weitere und genauere Versuche unter besseren Ver¬ 
hältnissen als bisher zu machen seien. 

(Es ist jedenfalls zu bedauern, dass die Commission, welche doch 
officiell vom Medicin&l-Departement zur Lösung der für unsere öko¬ 
nomischen Verhältnisse so überaus wichtigen Frage ernannt war, 
nicht so ausgerüstet gewesen, dass sie ihre Aufgabe hat völlig lösen 
können. Ref.). P. 

B. Goldfeld: Aluinen ustum als Verbandmittel per se 
und als Zusatz zu Jodoform. (Wratsch M 3 ). 

In Folge des für die Landpraxis des Vf. hohen Preises des Jodo¬ 
form sab er sich nach Surrogaten um und blieb schliesslich beim Alu¬ 
men ust. stehen, welches chemisch rein 25 Kop. pro Pfd. kostet und 
leicht ätzend und anstrocknend wirkt und in der That gute Erfolge 
giebt, so lange es bei nicht eiternden Wunden verwandt wird. Ei¬ 
terung sowie Zersetzung des Secretes werden durch Alumen nicht 
bekämpft, in diesen Fällen ist es, rein gebraucht, nutzlos. Daher 
versuchte Vf. eine Mischung von 4 Theilen Alumen auf 1 Theii Jo¬ 
doform, ist mit dieser Mischung äusserst zufrieden und illustrirt 
seine Resultate durch 8 kurze Krankengeschichten. P. 

M-lIe E 11 a b y: De Tamplitude de convergence. (These 
pour le Doctorat en MGdöcine. Paris 1884, pag. 97). 

An der Hand einer grossen Reihe genau angestellter Beobachtun¬ 
gen hat Verfasserin unter der Leitung des Prof. L a n d o 11 die Er¬ 
scheinungen der noch so sehr wenig aufgeklärten muskulären Astheno¬ 
pie (Insufficienz der inneren Augenmuskeln) einem genauen Studium 
unterzogen, und ist dabei zu sehr interessanten Resultaten gelangt, 
die entschieden allgemeine Beachtung von Seiten der Fachgenossen 
verdienen. Für ein eingehendes Referat der immerhin hauptsächlich 
für den Ophthalmologen von Fach wichtigen Arbeit ist hier nicht 
der Ort und ist der Zweck dieser wenigen Zeilen ausschliesslich, die 
Fachgenossen auf M-Ue E 11 a b y ’s, als Dissertation erschienene, 
somit im Buchhandel nicht leicht zu habende Arbeit aufmerksam zu 
machen. L. 

Prof. F. N e e 1 s e n : Rapide Wucherung und Ausbreitung 
eines Mammacarcinoms nach zwei schweren Erysipel- 
anfallen von 15- resp. lOtägiger Dauer. (Centralblatt f. 
Chirurg. 1884, Jä 44). 

Ohne die Details der Krankengeschichte hier zu reproduciren sei 
nur das höchst interessante Resultat der Untersuchungen des Verf. 
erwähnt. Er meint in diesem Fall gefunden zu haben, dass das 
Virus des Erysipels nur die älteren epithelialen Elemente (des Kreb¬ 
ses) afficirt, dagegen die jungen intact gelassen habe. Ferner dass 
das erste Erysipel dem Krebs Platz verschafft habe zu rascherer 
Wucherung, indem die Krebselemente in den durch entzündliches 
Oedem dilatirten Lymphspalten der Nachbarschaft die bequemste 
Gelegenheit zur Ausbreitung auf entfernte Bezirke fanden und dass 
das zweite Erysipel dieser Wucherung in keiner Weise Abbruch ge- 
than habe. T. 

Maximilian Schaechter: Eine Modification des 
Brisement forcd bei der Streckung contrahirter Knie¬ 
gelenke. (Centralbl. f. Chir. 1884, J6 45). 

Prof. K o v & c s in Budapest übtein Verfahren bei oben genannter 
Operation, das der Verf. den Collegen empfiehlt. Es besteht darin,, 
dass an die vordere Fläche des Unterschenkels mittelst Binden eine* 
genügend starke, flach gehöhlte Schiene so befestigt wird, dass das 
obere Ende derselben über das Knie hinausreicht. Der Zweck 
dieser so angebrachten Schiene ist ein doppelter: 1) dient sie dem 
Unterschenkel zur Stütze, erlaubt also eine grössere Kraftanwen¬ 


dung, ohne dass hierbei die Tibia der Gefahr einer Fractur ausge¬ 
setzt wäre; 2) aber und dies ist das wesentliche, hebeltsichdas 
obere, über das Knie hinaasreichende Ende der Schiene an der vor¬ 
deren Fläche des Oberschenkels resp. der Condylen und zieht in dem 
Maasse, als der Unterschenkel gestreckt wird, die Tibia selbst nach 
vorn; verhindert also die Luxation nach rückwärts ebenso, wie die 
Infraction der Gelenkenden. X. 


BQclier-Anzeigen und Besprechungen. 

D. Krajewitscb: Material zur medico-statistischen Kennt' 
niss über das Gouvernement Simbirsk. Simbirsk. Gou- 
vemementstypographie. 1883. 74 Seiten. 

Diese Arbeit ist vom Vf., welcher der Gouvernements-Medicinalin- 
spector des genannten Gouvernements ist, für die Landschaftsver¬ 
sammlung zusammengestellt und verdient die wärmste Anerkennung 
und wäre es nur zu wünschen, dass die Übrigen MedicinaUnspectore 
diesem hübschen Beispiele nacheifern mögen. Der Vf. bietet uns 
eine Fülle äusserst interessanten Materiales zur Beurtheilung der 
SanitätsVerhältnisse in den Provinzen Russlands. Vf. hat genaue 
Data für die Jahre 1875—1884 gesammelt und kommt auf Grund 
derselben zu folgenden Schlüssen: 

1) Der mittlere Zuwachs der Bevölkerung verringert sich von Jahr 
zu Jahr. Die asbolute Sterblichkeit ist eine sehr hohe (36°/oo). Die 
Verringerung des Zuwachses beruht zum Theii auch auf der Vermin¬ 
derung der Productivität. Die Geburten sind von 57,3°/oo auf 
51,7°/oo gesunken. Diese Thatsache ist um so bemerkenswerther, 
als die Zahl der Geburten früher sogar 61,7°/oo betragen hat. 

2) Knaben werden häufiger geboren als Mädchen (102,4:100), 
während andererseits die Sterblichkeit der männlichen Bevölkerung 
eine stärkere als die der weiblichen und sich wie 104,67 :100 stellt. 

3) Die Sterblichkeit der Kinder bis zu einem Jahre beträgt 
49,01°/oo, und sinkt bis zum 15. Jahre bis auf 12,9°/oo, um dann all- 
mälig zu steigen, bis sie im 60. Jahre 34,6°/oo erreicht. 

4) Die Sterblichkeit in den Städten vertheilt sich gleicbmässiger 
auf die verschiedenen Lebensalter als bei den Landbewohnern, daher 
hat die Stadteinwohnerschaft mehr Chancen zur Erreichung eines 
höheren Alters. 

5) Die grösste Sterblichkeit im Laufe des Jahres fällt auf den Som¬ 
mer (31,4% aller Todesfälle), die geringste auf den Frühling (21% 
der Todesfälle), 

6) Die mittlere Lebensdauer berechnet Vf. mit 19,38 Jahren oder, 
wenn man die Sterblichkeit der Kinder unter 1 Jahr nicht mitrech¬ 
net, — 37,05 Jahre. Rechnet man die Kinder unter 5 Jahren nicht 
mit, so stellt sich das wahrscheinlich zu erreichende Lebensalter auf 
49,59 Jahre. 

7) Die Todesursache ist in 70,4% in Krankheiten der Verdauungs- 

und Respirationsorgane zu suchen. P. 

K. Schadek (Kiew): Die primären syphilitischen Sclero- 

sen des Rachens. Russische Broschüre. Kiew, Typographie 
Kortschak. 41 pag. 

Ueber die primäre Sclerose des Rachens findet man in den Hand¬ 
büchern nur wenig Angaben, Zeissl erwähnt ihrer sogar garnicht 
und doch ist bereits in der Literatur eine ganze Reihe derartiger 
Fälle bekannt. Meist sitzt der primäre Heid an den Tonsillen, na¬ 
mentlich an der rechten oder aber an dei Tuba Eustachii in Folge 
von Catheterisation derselben mit einem inficirten Ohrencatheter 
(Fournier, Vajda). Vf. hat sich die Mühe'genommen, die Literatur 
nach Fällen zu durchforschen, wo harte Schanker der Tonsillen cun- 
statirt wurden und fand er c. 53 derartige Fälle, denen er aus seiner 
eigenen Praxis 2 weitere hinzufügt. Charakteristisch ist bei Abwe¬ 
senheit jeglicher Affection der Genitalien die stärkere Schwellung 
der Drüsen, welche dem Infectionsherd zunächst gelegen. 

Ueber die Anamnese liegen überhaupt nur wenig Angaben vor; 
abgesehen von widernatürlichen Cohabitationen giebt es eine Reihe 
von Fällen, wo die Uebertragung durch directen Contact stattge¬ 
funden, nämlich bei Glasbläsern, die nach einander an demselben 
Rohr bliesen. In den meisten Fällen musste man jedoch eine indi- 
recte Uebertragung annehmen, die nicht mehr sicher festzustellen. 
Im Anfangsstadium ist die Diagnose äusserst schwierig und gelingt 
wohl nur selten, erst wenn allgemeine Erscheinungen auftreten, wird 
sie gesichert. 

Bemerkenswerth ist noch, dass alle bisher beobachteten Fälle, wo 
die Initialsclerose im Rachen sass, bei entsprechender Behandlung 
leicht und gutartig verlaufen sind. P. 


Auszug aus den Protokollen des deutschen ärztlichen 

Vereins. 

1) Dr. Herrmann theilt eine Beobachtung von Schluckpneumo¬ 
nie mit: Am 24. März wurde der Bautischler Michael Dmitryew in’s 
Obuchow • Qospit&l aufgenommen. Patient, 36 Jahr alt, erkrankte 
vor 10 Tagen mit Halssehmerzen und Fieber, eingeleitet von einem 
Schüttelfrost. 8 Tage später gesellten sich Stiche in der linken 
Brusthälfte, Husten mit blutigem Auswurf hinzu. Die erste Unterr 
Buchung ergab: Kräftiger Körper, grosse Hinfälligkeit, Blässe dee 
Gesichts, Temp. 38, Puls 112, klein. Haut feucht. Starker Foetoe 
oris. Beide Tonsillen sind stark geschwellt, die ganze sichtbare 
Fläche der rechten mit einem fetzig zerfallenden brandigen Schorfe 


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50 


i 


Gedeckt. Ueber der linken Lnnge unten: Fehlen jedes Athemge- 
räusches, pleuritisches Exsudat, oben feines Schleimrasseln; der un¬ 
tere rechte Lungenlappen hepatisirt, oben feuchtes Rasseln. Milz 
sehr gross. Leib aufgetrieben. Husten mässig, mit schleimig-eitri¬ 
gem, stinkendem Auswurf. Grosse allgemeine Schwäche. Kopf frei, 
Stuhl gut. Die Diagnose lautete: Pleuritis und Pneumonia gan¬ 
graenosa, höchst wahrscheinlich hervorgerufen durch Aspiration und 
Herabsickern des brandigen Tonsilleninhalts. Diphtherie musste 
ausgeschlossen werden, die übrigen Mund- und Rachentheile erschie¬ 
nen normal. Die Section ergab: Rechte Lunge durch starke, frische 
pleuritische Ablagerungen locker mit der Brustwand verklebt, der 
mittlere Lappen in rother Hepatisation begriffen, im obern eine bran¬ 
dige Höhle von der Grösse eines kleinen Holzapfels, die durch eine 
Zone frisch entzündeten Lungengewebes von dem noch lufthaltigen 
Theüe geschieden war. Die linke Lunge bot ähnliche Verklebungen, 
fibrinös-eitriges Exsudat in geringer Menge, der obere Lappen wenig 
lufthaltig, im untern eine zweite, jedoch grössere brandige Höhle. 
Eine Lnngenfistel fehlte. Trachea und Bronchien mit dunkelbluti¬ 
gem Schleim bedeckt, die Schleimhaut missfarbig blutig unterlaufen. 
Mediastinum frei, im Pericardium einiges unblutiges Serum ; Herz 
hypertrophisch, besonders der linke Ventrikel, Endocardium und 
Klappen normal, Herzmuskel fettig degenerirt. Milz 18 Cm lang, 
15 breit, 5 dick. Pulpa weich, zerfliessend. Leber parenchymatös 
degenerirt, nicht gross. Nieren desgleichen. Magen gToss, Schleim¬ 
haut pigmentirt, im untern Theile des Heum eine 2 Decim, lange, 
blutige Fläche von Epithel entblösst, croupöse Entzündung im obern 
Abschnitt dös Rectum. 

Dr. Herrmann demonstrirt die beschriebenen Veränderungen an 
den Präparaten. 

2) Dr. Albanus demonstrirt die Wa 1 denburg’sche Pulsuhr 
und theüt Waldenburg^ und seine hauptsächlichsten Resultate 
bei der Anwendung der Pulsuhr bei verschiedenen Herzkranken mit. 

Dr. Rauchfuss erkennt das Ingeniöse des Apparates vollkom¬ 
men an, bezweifelt aber dass er viel von praktischen Aerzten benutzt 
werden wird. Dazu ist der Apparat zu theuer, zu zeitraubend in 
seiner Anwendung und so complicirt, dass sich zu leicht fehlerhafte 
Beobachtungen einschleichen können. Der Base h’sche Pulsmesser 
ist viel einfacher und wird daher vom praktischen Arzte immer vor¬ 
gezogen werden. Freilich misst dieser Apparat nur den Blutdruck, 
aber man muss zugeben, dass dieser das Wichtigste ist, — über die 
sonstigen Verhältnisse giebt der Finger des Arztes auch genügenden 
Aufschluss. Basch will jetzt an seinem Apparat das Quecksilber¬ 
barometer durch ein Aneroidbarometer ersetzen, was noch ein grosser 
Fortschritt zur Bequemlichkeit sein wird. Ein grosser Vorzug des 
Baschachen Pulsmessers ist auch der, dass er an jede palpable 
Arterie applicirt werden kann, nicht *iur an die Radiaüs, wie die 
Waidenburg’sche Pulsuhr. Arnheim hat zu seinen Untersu¬ 
chungen die Art. temporalis mit besonderer Vorliebe benutzt, weil 
diese Arterie immer dieselbe feste Unterlage, den Schädel hat. Dr. 
A1 b a n u s hebt dagegen hervor, dass neben dem Blutdruck die an¬ 
dern Verhältnisse nicht wenig geschätzt werden dürften. Eine pneu¬ 
matische Behandlung der Herzkrankheiten könne er sich jetzt gar 
nicht ohne Controle der Pulsuhr denken. 

z. Z. Director: Dr. Herrmann. 

Secretair: Dr. Amburger. 


Vermischtes. 

— Zur Besetzung des Postens eines Prosectors am städtischen 
Öbuchow- Hospital ist ein Concurs unter nachstehenden Bedingun¬ 
gen ausgeschrieben worden: 

1) Der Prosector bezieht ein jährliches Gehalt von 2000 Rbl. S. 
nebst freier Wohnung, oder 500 Rbl. an Quartiergeldern. 

2) Der Prosector obducirt alle zur Section bestimmten Leichen, 
wobei er verpflichtet ist, den Hospitalärzten die makro- und mikro¬ 
skopischen Präparate zu demonstriren. 

3) Der im Dienste des Hospitals stehende Prosector darf ohne Ge¬ 
nehmigung der Hospital-Abtheilung der Sanitäts-Commission keine 
dienstlichen Obliegenheiten in anderen Ressorts übernehmen. 

4) Der Concurrent muss Doctor der Medicin sein. 

5) Der Concurrent hat den Nachweis beizubringen, dass er im 
Laufe von 5 Jahren sich speciell mit der praktischen pathologischen 
Anatomie bei dem entsprechenden Lehrstuhle oder in einem Hospi¬ 
tale, in welchem jährlich mindestens 200 Sectionen vorgenommen 
werden, beschäftigt hat. 

6) Der Concurrent muss seine im Druck erschienenen wissenschaft¬ 
lichen Arbeiten aus dem Gebiete. der pathologischen Anatomie und 
Histologie einreichen. 

7) Der Concurrent hat im Beisein der Sub - Commission und der 
Hospitalärzte eine Section mit Demonstration der mikroskopischen 
Präparate und mit Erläuterung des bei der Section Vorgefundenen 
zu machen und muss ausserdem mikroskopische Präparate von einer 
dem Museum des Hospitals entnommenen Geschwulst [demonstriren 
und erklären. 

Zur Wahl der Candidaten ist eine Commission niedergesetzt wor¬ 
den, welche aus dem Curator des Obuchowschen Hospitals K o s a - 
tschenko, dem Professor Iwanowski, dem Oberarzt des 
Obuchowschen Hospitals Herrmann, dem Oberarzt des Kalinkin- 
Hospitals Sperck, dem Oberarzt des Alexander-Baracken-Hospitals 


S s o k o 1 o w und dem Prosector B u r z e w zusammengesetzt ist. 
Diese Commission wählt aus den an dem Concurs sich betheiligt ha¬ 
benden Personen 2 Candidaten und stellt dieselben mit motivirten 
Berichten und Protokollen der bei der St. Petersburger Stadtduma 
bestehenden Sanitäts-Commission (die aus dem von der Duma er¬ 
wählten Vorsitzenden, den Curatoren und den Oberärzten der Hospi¬ 
täler zusammengesetzt ist) vor, welche dann einen Candidaten wählt 
und im Amte bestätigt. 

Die verlangten Nachweise und wissenschaftlichen Arbeiten müssen 
zum 15. Mfirz 1885 der im Gebäude der Duma befindlichen Kan¬ 
zellei der Sanitäts-Commission eingeliefert werden. 

— Der Congress der russischen Aerzte und Naturforscher , 
welcher in diesem Jahre in Charkow stattfinden sollte, wird, wie die 
«Russ. Medicina» erfährt, wahrscheinlich auf das nächste Jahr ver¬ 
schoben werden. Veranlassung dazu soll der Mangel an Räumlich¬ 
keiten für die Sectionssitzungen sein: erst im nächsten Jahr sollen 
die nöthigen Räumlichkeiten fertig werden. 

— Das Mitglied des Medicinalrathes und Medicinal-Inspector der 
Anstalten der Kaiserin Maria , wirkl. Staatsrath Dr. E i c h w a 1 d, 
ist zum Mitgliede des Conseils beim Minister der Volksaufklärung 
ernannt worden, mit Belassung in seinen früheren Aemtern. 

— Als Privatdocenten bei der militär - medicinischen Academie 
haben sich habilitirt: Dr. M. A f a n a s 8 j e w — für allgemeine Pa¬ 
thologie und Therapi^ Dr. Monastyrski — für klinische Chi¬ 
rurgie und Dr. K o s t j u r i n — für allgemeine Pathologie. 

— Die Docenten der Kasanschen Universität Dr. Kotow- 
schtschikow und Dr. Skalosubow sind zu ausserordent¬ 
lichen Professoren ernannt worden, und zwar der erstere für den 
Lehrstuhl der Diagnostik, der zweite für den Lehrstuhl der Nerven¬ 
krankheiten. 

— Die Gesellschaft Kasanscher Aerzte hat in ihrer Jahresver¬ 
sammlung den Professor der gerichtlichen Medicin Ssubbotin 
zum Präsidenten, Dr. Ljubimow zum Vicepräsidenten und die 
DDr. W. E h m a n n und A. Smirnowzu Secretären gewählt. 

— Von dem Verein Ssaratowscher Aerzte, welcher gegenwärtig 
37 Mitglieder zählt, sind Dr. Buchowzew zum Präses, Dr. Po¬ 
pow zum Vicepräses und Dr. Roshdestwenski zum Secretfir 
gewählt worden. 

— Prof. L i s t e r in London ist zum Ehrenmitgliede der Mos¬ 
kauer Universität gewählt worden. 

— Zum Director des deutschen Reichsgesundheitsamtes ist der 
Vortragende Rath im Reichsamt des Innern, Geh. Regierungsrath 
Köhler, ernannt worden. 

— Verstorben : 1) In Moskau am 1. Februar Staatsrath Dr. 
Magnus Gustav v. Lo ewenstein nach langer Krankheit 
im 75. Lebensjahre. 2) In St. Petersburg Dr. K e d r o w. 3) In 
Ischim der dortige Stadtarzt Woloschkewitsch am Fleck¬ 
typhus. Er hat seine Familie ganz mittellos hinterlassen. 4) In 
Tula der dortige Kreisarzt Bulachow. 

— Am 31. Dec. v. J. verstarb in Warschau Dr. Heinrich 
S t e r n , 31 J. alt. Im Kreise der näheren Bekannten hinterliess er 
die beste Erinnerung. Bedeutendes Vermögen vermachte er ver¬ 
schiedenen wohlthätigen und wissenschaftlichen Institutionen in 

arsch au 

— Am 31. Dec. v. J. starb in Krakau Dr. Gustav Pio- 
trowski, Professor der Physiologie an der Krakauer Universität. 

— In Bromberg ist der Nestor der dortigen Aerzte, Sanitätsrath 
Dr. EliasSalomon, im 72. Lebensjahre gestorben. Der Ver¬ 
storbene war nicht allein durch seine wissenschaftlichen Arbeiten 
auf dem Gebiete der Medicin, sondern auch auf dem der National- 
öconomie und als Dichter des Studentenliedes: < Es hatten drei Ge¬ 
sellen ein fein Collegium» in weitesten Kreisen bekannt« 

— Die in Warschau erscheinende medicinische Zeitung «Gazeta 
lekarska» hat einen Preis von 200 Rbl. auf den Namen des War¬ 
schauer Professors Hoyer, welcher vor Kurzem sein 25jähriges 
Jubiläum beging, ausgesetzt für die beste Arbeit über ein histolo¬ 
gisches Thema. 

— In Berlin ist der wohl einzig dastehende Fall vorgekommen, 

dass ein bereits im 74. Lebensjahre stehender Cand. med. die medi¬ 
cinische Doctorwürde dort erlangt hat. Dr. Schultheiss hat 
schon von 1833—37 Theologie in Berlin studirt und nach bestande¬ 
nem Staatsexamen in Südafrika von 1837—1881 als Missionär ge¬ 
wirkt. In den sechsziger Jahren begleitete er den Afrikareisenden 
Prof. Fritsch auf dessen Forschungsreisen. Im Jahre 1881 
kehrte er nach Berlin zurück und liess sich dort zum zweiten Mal 
inscribiren, um Medicin zu studiren. Nachdem er nun nach ^jäh¬ 
rigem eifrigem Studium sein Examen bestanden, gedenkt er sich in 
Südafrika, seiner zweiten Heimath, als praktischer Arzt niederzu- 
lassen. (A. m. C.-Ztg.). ^ 

_Aus St. Louis werden zwei Fälle von asiatischer Cholera mit 

tödtlichem Ausgange gemeldet. 

— Dr. Bettelheim (Wien. med. Presse) empfiehlt bei Tenes- 
mus recti et vesicae Suppositorien von Cocainum muriaticum (0,03). 


Krankenbestand der Civil- u. Kinderhospitäler St. Petersburgs 

20. Januar 1883. 

M. W. Summa. 

Civilhospitäler... . 2911 1839 4750 

Kinderhospitäler .. . 135 131 266 


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51 


Unter der Gesammtzahl befanden sich : M. W. Summa. 

TyphOse Krankheiten (abd., exanth., ree.) 208 100 308 

Scharlach . 18 28 46 

Pocken.. 4 5 9 

Venerische Krankheiten. 532 384 916 

Die Ambulanzen der Kinderhospitäler wurden in der Woche 
vom 13. bis 19. Januar 1885 besticht von 3087 Kranken, darunter 
sum ersten Mal von 1326. 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs 

für die Woche vom 27. Januar bis 2. Febr. 1883. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 


M. W. Sa. 


341 254 595 


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86 8 8 18 71 62 55 

2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 1, Typb. abd. 13, Febris recurrens 1, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 3, Pocken 5, Masern 3, Scharlach 6, 
Diphtherie 22, Croup 4, Keuchhusten 4, Puerperalkrankheiten 4, 
Dysenterie 0, Thiergift 0, andere Infectionskrankheiten 13. 

— Gehirnapoplexie 16, Entzündung des Gehirns und seiner Häute 
37, andere Gehirnkrankheiten 21, Krankheiten des Herzens und der 
Gefässe 18, croupöse Lungenentzündung 8, acute Entzündung der 
Athmungsorgane 90, Lungenschwindsucht 108, andere Krankheiten 
der Brusthöhle 7, Gastrointestinal-Krankheiten 63, andere Krank¬ 
heiten der Bauchhöhle 27, angeborene Schwäche und Atrophia in- 
fant. 51, Marasmus senilis 18 Cachexia 27. 

— Tod durch Zufall 9, Selbstmord 4, Mord 0. 

— Andere Ursachen 12. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger Aerzte 

Dienstag den 19. Februar 1885. 

Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 

Montag den 11. Februar o. 

Adressen von Krankenpflegerinnen. 

* E. van der Vliet, Eoxbih. MacrepcKa*, i. 5, kb. 49. 

* Fr. P. Eurich, Ha yriy Maxofl ÜT&iBjiHCKoft yi. h 3preieBa 
nep., x. 1/12 kb. 19. 

* Aj Hsa KapxoBHa MepTKe, AsymepBa, PuscKifi npoen. 
XOMT» M 42/4. KB. & 5. 

* Co(j)ia HaBioBHa HlKiapeBCKaz, no Moflst x- ^ 102 i 
xpapT. >4 4. 

Mad. H e 11 wig , HsMaftiOBCKifl doakt», 11. poTa, xomt>M 5, kb. 6. 

Max- Topxoht», KpoHBepKCKifl npocneKT^, yroxi KoHHaro nep. 
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Manuscripte sowie alle auf die Redaction bezügliche Mittheilungen bittet 
man an den geschäftsführenden Redacteur, Dr. L. v. Holst in St. Peters¬ 
burg, Evangelisches Hospital, Abonnements-Aufträge, Inserate etc. an 
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zu richten. Ausser dem Honorar (16 Rbl. pro Bogen) werden den Antoren 
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Dr. N. L u n i n. 

♦ _ 

(Fortsetzung). 

Behandlung mit Sublimat. 

Als ich im Januar 1882 auf die Infectionsabtheilnng ein¬ 
trat, begann ich dem Rath meines verehrten Chefs, Dr. 
Rauchfnss, folgend, die Behandlung der Diphtherie 
mit Sublimat. Da es doch wohl fest steht, dass die Diph¬ 
therie eine parasitäre Krankheit ist und das Sublimat nach 
R. K o c h sich als eines der besten antiseptischen Mittel 
erwiesen hatte, so lag der Gedanke nahe dieses Mittel zu 
versuchen. Die Behandlung mit Sublimat bestand erstens 
in Pinselungen der erkrankten Schleimhaut mit 0,1 % Subli¬ 
matlösung und in Ausspülungen des Pharynx mit einer Lö¬ 
sung von 1,0 : ^5000,0. Gepinselt wurde 2stflndlich und 
zwar bedienten wir uns dazu eines dazu verfertigten 
Schwammhalters , in den jedesmal ein frischer Wattebausch 


eingeklemmt wurde. Dass solch’ ein Instrument viel sau¬ 
berer ist als ein Pinsel, braucht wohl nicht besonders ans¬ 
einandergesetzt zu werden. Da wir es nur mit Kindern zu 
thun hatten, so verstand es vielleicht der kleinste Theil der 
Patienten sich den Rachen zu gurgeln und daher wurde der 
Mund und der Pharynx stündlich mit einem sog. Irrigations¬ 
spatel (nach Dr. Rauchfass’s Angabe) ausgespült. 
Beim gewöhnlichen Gurgeln werden doch nur die vorderen 
Gaumenbögen und ein Theil der Mandeln bespült, während 
bei solch’ einem Ausspüien auch die ganze hintere Rachen¬ 
wand irrigirt wird. Ausserdem erhielten die Kranken stets 
grosse Dosen Wein resp. Moschus. 

Zum näheren Verständnis der Tabelle I muss ich hinzu¬ 
fügen, dass die Complicationen mit Scarlatina und Morbilli 
in besonderen Isolirräumen behandelt wurden. Ferner, 
ging während der Behandlung die fibrinöse Form in die 
pbleginonös-sept. über, so wird dieser Pat. unter der Rubrik 
der phlegmonösen Form gezählt. 

Aus den hinzugefügten Complicationen sieht man leicht 
mit welch* schweren Formen wir es zu thun hatten und die 
Tabelle I beweist uns zur Genüge, wie die Mortalitätsziffer 


Tabelle I: Behandlung mit Hydrargyrum bichloratum corrosivum. 
Pinselungen der Beläge mit Solutio Hydrargyr. bichlorat. corroeiv. 1,0 : 1000,0 2stündlich. 
Spülungen des Pharynx mit > • > » 1,0: 5000,0 stündlich. 

Intern: Wein nnd Moschus. 


Alter 

1—6 

Monate 

6—12 

Monate 

1—2 

Jahre 

2—3 

Jahre 

3—4 

Jahre 

4-5 

Jahre 

5-6 

Jahre 

6—7 

Jahre 

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8—9 

Jahre 

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j Jahre 

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Jahre 

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septisch . . 1 

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57 

26 1 45,6 

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Complicationen: ') Anämie nach Recurrens; J ) Typh. abd. c. Parotitide; Scarlatina 3 (3 gen., 2 gestorb.); Morbilli 1 (gen.): Diphth. 
lab. et ling. 1; Coryza 12; Bronchitis cat. diff. 1; Tracheobronchitis ftbr. 2; Pnenmonia cat. 1; starkes Erbrechen 2 ; Catarrh. intest. 21; 
Absced. d. Qland. snbmax. 1 ; Paralysis cord. 2 ; Paralysis pal. moll. et Nerv, laryng. snp. 1 ; Moribund aufgenommen 2 ; Albuminurie 20; 
keine Albnm. 10; Harn nicht gesammelt 27. Während der Behandlung nahmen die Beläge zu 2 ; 2 Mal ging die flbr. in die phlegmonöse 

Mm über nnd ein Mal kam ein Recidiv vor. Laryngitis diph. 18; dieTracheot. wird verweigert 3; Tracheotomirt 6; genesen l; ge¬ 
storben 5, davon einer am 19. Tage nach der Operation, nachdem die Canüle schon entfernt war, an allgemeiner Inanition. 


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54 


lieh je nach der Form ändert Für die fibrinöse Form be¬ 
trägt sie 30,2% nnd für die phlegmonös-septische 93%. 

Während der Behandlung nahmen bei 2 Kranken die 
fibrinösen Ausschwitzungen an Ausbreitung zu und 2 Mal 
ging die fibrinöse Form in die phlegmonöse über. 

Bei denen die als genesen entlassen wurden, brauchten 
die Beläge bis zu ihrem endgültigen Verschwinden 3 Tage 
in 3 Fällen, 4 Tage in 4 Fällen, 4 Mal 5 Tage, 3 Mal 6 
Tage, 9 Mal 7 Tage, 1 Mal 8 Tage, 1 Mal 9 Tage, 1 Mal 
10 Tage, 2 Mal 12 Tage, 2 Mal 16 Tage und 1 Mal 19 Tage. 

Das Sublimat hatte also den Erwartungen nicht ent¬ 
sprochen und ich musstq mich einer anderen Methode zu¬ 
wenden. 

Behandlung mit Eisenchlorid. 

Ich versuchte nun ein Mittel, das seit dem Jahre 1848, 
wo es zum ersten Mal von G i g o t in die Therapie der 
Diphtherie eingeführt wurde, mit mehr oder weniger Glück 
gegen dieselbe angewandt worden ist das ist das Eisenchlo¬ 
rid in Form von Liq. fern sesquichlorati. J a c o b i em¬ 
pfiehlt es sehr warm und sagt, dass, seitdem er dieses Mit¬ 
tel anwendet die Mortalität bei den von ihm behandelten 


Fällen eine bedeutend geringere geworden ist. Von diesem 
Mittel lässt sich in zweifacher Weise eine Wirkung er¬ 
warten, erstens die locale auf die Pseudomembranen und 
zweitens eine allgemeine als Roborans. Die roborirende 
Wirkung des Eisens wurde noch unterstützt durch grosse 
Dosen Btarken Weins und Moschus. Weil ich mich aber 
schon bei der Sublimatbehandlung von der guten Wirkung 
der Pharynxirrigationen, hinsichtlich der Reinlichkeit und 
Desinfection des Pharynx, überzeugt hatte, so wurde ne¬ 
ben der Behandlung mit Eisen und Wein den Kranken der 
Pharynx alle 2 Stunden mit einer 3% Borsäurelösung aus¬ 
gespült und zwar wurden diese Spülungen womöglich vor 
dem Einnehmen des Eisens gemacht, wodurch der Contact 
desselben mit der Pseudomembran noch erleichtert werden 
konnte. Was die Dosis des Liq. ferri sesq. betrifft, so 
glaubte ich mit kleineren Dosen auskommen zu können, als 
sie J a c o b i empfiehlt (bis 15 Tropfen * /«stündlich). Ich 
verordnete je nach dem Alter von 1 Tropfen 2stündlich bis 
zu 2 Tropfen 'Stündlich, was pro Tag 1,0—8,0 ausmacht, 
eine ganz respectable Dosis, wenn man es bedenkt, dass wir 
es selten mit Kindern über 10 Jahren zu thun hatten. 


Tabelle II: Behandlung mit Liq. ferri sesquichlorati. 

Der Liq. ferri wurde innerlich gegeben von 1 Tropfen 2stttndlich bis zu 2 Tropfen halbstündlich. 
Gespült wurde der Pharynx stündlich mit Solutio acid. borici 3%. 

Wein nnd Uoschus. 


Alter 

1—6 
Monate 

6—12 

Monate 

1-2 

Jahre 

2—3 | 
Jahre 

3-4 

Jahre 

4—5 

Jahre 

5-6 

Jahre 

6—7 

Jahre 

7—8 

Jahre 

8-9 

Jahre 

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Jahre 


11-12 

Jahre 

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Jahre 

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phlegmonös¬ 
septisch . . 

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53| 56,3 


Complicationen: Scarlatina 5 ; Varicellae 2 ; Pertussis 1} Coryza 17 ; Dipbtheria conjunct. 1; Bronchitis cat. 1; Bronchitis fibr. 
3; Pneumonie lob. 3; Pleuritis exsd. 1; Paralysis pal. moll. 8 ; Paralysis cord. 2 ; Catarrh. intest. 14; Petechien ausgebreitete 1 ; Otitis 
med. c. perf. 1; Absced. d. Gland. subm. 1; Gangrän d. pal. moll. und starke Blutungen der erkrankten Stellen 4; Becidiv 5 ; während 
der Behandlung nahmen die Beläge an Ausbreitung zu 1; Moribund wurden aufgenommen (phleg.) 8; die fibr. ging während der Behand¬ 
lung in die phlegm. Form über 1; Albuminurie 54; keine Album. 15; Harn nicht gesammelt 25; Laryngitis diph. 21; Tracheotomirt 7; 
davon keiner genesen. 


Die mit dem Liq. fern sesquichlorati erzielten Resultate 
waren gleichfalls nicht sehr ermuthigend. Denn wenn auch 
die Mortalitätszifier bei der phlegmonösen Form auf 78,4 % 
fiel, trotzdem die 8 moriburd aufgenommenen Fälle mitge¬ 
zählt werden, so ergab doch die Gesammtziffer eine Morta¬ 
lität von 56,3%, also grösser als bei der Behandlung mit 
Sublimat. 

Was die Wirkung des Eisens auf das Schwinden der Pseu¬ 
domembranen beträt, so schwanden dieselben, von Beginn 
der Behandlung gerechnet, nach einem Tage in 4 Fällen, 
nach 2 Tagen 5 Mal, nach 3 Tagen 5 Mal, nach 4 Tagen 5 
Mal, nach 5 Tagen 4 Mal, nach 6 Tagen 4 Mal, nach 7 
Tagen 6 Mal, nach 8 Tagen 1 Mal, nach 9 Tagen 2 Mal, 
nach 11 Tagen 2 Mal, nach 13 Tagen 1 Mal und 2 Mal 
nach 15 Tagen. 

Behandlung mit Chinolin. 

Unterdessen hatte 0. S e i f e r t *) eine Anzahl Kranken¬ 
geschichten veröffentlicht, bei denen er mit sehr gutem Er¬ 
folge das Chinolinum purum angewandt hatte. Br empfahl 
zum Pinseln der Membranen eine 5% Lösung von Chino¬ 
linum pur. in Alcohol und Wasser zu gleichen Theilen (Chi- 
nolini pur. 5,0, Aq. dest Alcohol. ää 50,0) und ausserdem 
zum Gurgeln eine Lösung von 1,0 : 500,0 Aq., Alcohol 
50,0. Er pinselte selbst 2—4 Mal täglich, empfiehlt aber 
noch häufigeres Pinseln. Von so behandelten 8 leichteren 
Fällen verliefen 4 ohne jegliche Complicationen, während' 
hei den 4 übrigen der Verlauf nicht vollkommen normal 

•) Barl, klinisch. Wochenschr. 1882, M 22, 23 und 24. 


war. Von 6 schweren Fällen endete nur einer tödtlich und 
zwar betraf dieser Fall ein mit congenitaler Syphilis behaf¬ 
tetes, rhachitisches, schlecht genährtes Kind von l 1 /* Jahren, 
das längere Zeit an Durchfällen gelitten hatte. Dabei wa¬ 
ren die befallenen Rachenorgane bald gangränös geworden. 
Das Chinolin hatte sich nach Seifert «als ein Mittel er¬ 
wiesen, das eine kräftige antiseptische Wirkung besitzt, in 
hohen Concentrationsgraden local angewandt werden darf, 
ohne irgend welche Nachtheile allgemeiner Art weder für 
Kinder noch für Erwachsene etc. > 

«Die an sich leichteren Fälle von Diphtheria fauc. werden 
in kürzester Frist zur Heilung gebracht, die Membranen 
lösen sich nach 12 bis spätestens 24 Stunden ab, die Drü¬ 
senschwellungen gehen schon früher zurück, die Tempe¬ 
ratur fällt in 12 bis 24 Stunden zur Norm ab und bei den 
. schweren Fällen wird zum Mindesten eine drohende Steige¬ 
rung der Krankheitserscheinungen verhindert» 

«Das Hauptgewicht muss ich (S e i f e r t) aber auch bei 
meinem Schlussworte auf den schmerzstillenden Einfluss der 
Chinolinbehandlung legen etc.» 

Auf diese Empfehlung hin machte ich ihich an die Chl L 
nolinbehandlung der Diphtherie. Da mir, wie schon oben 
erwähnt, ein gut geschultes Wartepersonal und in genü¬ 
gender Anzahl zur Verfügung stand, so konnte ich S e i - 
f e r t ’s Proposition, häufiger als 2—4 Mal täglich zu pin¬ 
seln, nachkommen und verordnete das Pinseln 2 stündlich, 
während statt des Gurgelns aus den oben angeführten Grün* 
j. den der Pharynx irrigirt wurde und zwar stündlich. Wein 
wurde gleichfalls in grossen Dosen' verabfolgt 


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56 


Tabelle III: Behandlung mit Chinolin. 

Pinselungen mit Chinolinnm pur. 5,0, Aloobol Aq. 4est. ü 50,0 2stttndlich. 
SpOInngen mit Chinolinum pur. 1,0, Aq. deet. 500,0, AJcohol 60,0 stündlich. 
Wein und Moschus. 


. Altar 

1—6 
Monate 

6—12 

Monate 

1—2 
Jahre 

2-3 

Jahre 

3-4 

Jahre 

4—5 

Jahre 

5—6 

Jahre 

6—7 

Jahre 

7—8 

Jahre 

8—9 

Jahre 

9—10 

Jahre 

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Jahre 

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Jahre 

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28 

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Oomplieationen: Diphtherie coigunot. 1; Bronchitis diff. 1; Bronch. flbr. c. Pneum. lobul. 4; Diphtherie der Heut em rechten Knie 
1; rsremts pel. moll. 2; Paralysis oordis 1; Coryza 4; Ceterrh. int. 13; während der Behendlung nehmen die Beläge in 4; die flbr. ging 
maie phlegm Form Aber 2; Recidiv 1; Albuminurie 15; keine Album. 9; Hem nicht gesammelt 4: Diphtherie Leryng. 8; genesen 2, 
S gestorben, deron 2 operirt. 


In der Tabelle III sind die Resultate der Chinolinbehand- 
hng nach denselben Gesichtspuncten wie die froheren zu- 
sammeages teilt. Der eine als gebessert entlassene Fall 
wird unter die Genesenen gerechnet, weil er, so viel sich 
eben Voraussagen lässt, auch sicher genesen wäre. Von 
der fibrinösen Form starben 31,6% und von der phlegmo¬ 
nösen 100 %, 4 Mal gewannen die Beläge während der Chi- 
nolinbehandlung an Ausbreitung, 2 Mal ging die fibrinöse 
Form in die phlegmonöse über und in 4 Fällen von Diph¬ 
therie des Larynx entstand dieselbe während der Chinolin- 
behandlung. In einem Falle war Diphtherie der äusseren 
Haut am rechten Knie aufgetreten und dort wurden fort¬ 
während Compressen aus 5 % Chinolinlösung applicirt, unter 
denen der Process sich trotzdem weiter ausdebnte. Beson¬ 
ders der' letzte Umstand zeigt, dass das Chinolin nicht 
immer die Wirksamkeit entfaltet, die ihm Seifert zu- 
spriebt und Seifert that daher gut in seiner 2. Abhand- 
laag **) sich ausdrücklich dagegen zu verwahren, das Chi- 
nöftn als P&nacee gegen die Diphtherie empfohlen zu haben. 

Einen Einfluss auf das Abfallen der Drüsenschwellung und 
der Temperatur habe ich gleichfalls nicht constatiren können. 
Was endlich die schmerzstillende Wirkung anbetrifft, bo 
kann ich mir darüber kein Urtheil erlauben, da ich es nur 
mit Kindern zu thun hatte, die darüber doch nur wenig 
Zuverlässiges angeben können. 

Als meine Versuchsreihe schon längst beendigt war, er¬ 
schien die 2. Abhandlung von Seifert,in der er 40 Fälle 
veröffentlicht, die von ihm mit Chinolin behandelt wurden 
und von denen keiner starb und zwei mtt Eodocarditis ent¬ 
lassen wurden. Seifert macht selbst mit Recht darauf 
aufmerksam, dass sein Material doch ein einseitiges war, 
da es nur aus Erwachsenen bestand und so viel man aus 
den tabellarisch angeordneten Krankengeschichten sieht, so 
hatte er es nicht mit so schweren Formen von Diphtherie 
zu thun 11 ). 

Auffallend ist unter den in der 2. Serie der von Sei¬ 
fert beschriebenen Fällen das häufige Vorkommen von En- 
docarditis, in 40 Fällen 4 Mal, während in denen mir zu 
Gebote stehenden 296 Krankengeschichten diese Afiection 
kein Mal notirt worden rät. 

In den Seifert ’schen Fällen waren die Beläge durch¬ 
schnittlich in 2—3 Tagen nach Beginn der Behandlung 
verschwunden, während ich eine viel längere Zeitdauer be¬ 
obachtete, die die Beläge bis zu ihrem endgültigen Ver¬ 
schwinden brauchten. Die Beläge schwanden, vom Tage 
der Behandlung gerechnet, 1 Mal nach einem Tage, 3 Mal 


*•) Berl. klin. Wochenschr. 1883, H 36 und 37. 

“) Dass aber die phlegmonOse Form auch bei Erwachsenen eine 
iassent ungünstige Prognose hat, davon konnte ich mich in 
der Privatpraxis einige Mal überzeugen. Das eine Mal betraf es 
meinen verstorbenen Collegen Dr. P o p o w, dem ich die Versuchs¬ 
reihe mit 01. Terebinthinae verdanke. Er hatte sich auf der Diph 
therieabtheilung inficirt, bekam die phlegmonOse Form und erlag 
derselben am Ende des 4. Tages. 


nach 3 Tagen, 2 Mal nach 5 Tagen, 2 Mal nach 6 Tagen, 
1 Mal nach 7 Tagen, 1 Mal nach 8 Tagen, 2 Mal nach 12 
Tagen und 1 Mal erst nach 18 Tagen. 

Aus den oben angeführten Gründen kann ich leider dem 
Chinolin eine günstige Wirkung gegen die Diphtherie, bei 
Kindern wenigstens, nicht zusprechen. 

Behandlung mtt Resorcin. 

An einer weiteren Gruppe von Diphtberiekrwken ver¬ 
suchte ich das Resorcin. Im Jahre 1880 erschien von A n- 
d e e r eine Arbeit «Einleitende Stadien über das Resorcin», 
in der er die starke antiseptische Wirkung dieses Mittete 
nachwies und in einem kleinen Aufsatze im Centralblatt 
für med. Wissenschaft 1882, Jfc 20 empfahl er das Resor¬ 
cin bei der Behandlung der Diphtherie. Er sagt in dieser 
Arbeit: «Bei leichten Graden der Diphtherie genügt eine 
scharfe Aetzung mit Resorcinkrystallen oder mit conceu- 
trirter Resorcin-Vaselinsalbe, bei mittelschweren ist wieder¬ 
holte und bei schwersten sog. septischen Formen der Krank¬ 
heit ist örtliche wie allgemeine innerliche Anwendung des 
Mittels geboten. Vermöge dieser Heilmethode, welche 
rücksichtlich der Einfachheit und Gefahrlosigkeit wohl alle 
bislang bekannten übertrifft, wurden 222 Diphtheriefälle 
behandelt und alle ohne Ausnahme geheilt.» ' 

Obgleich nun über die Formen der Diphtherie, die mit 
Resorcin behandelt worden, nichts mitgetheilt ist, so glaubte 
ich doch das Mittel, das so günstige Resultate aufzuweisen 
hatte, an einer Gruppe von Kranken anwenden zu müssen. 
Ich musste mich aber entschliessen die Methode etwas zu 
modificiren. Weil es mir unmöglich war selbst den be¬ 
treffenden Kranken die erkrankte Pharynxschleimbaut zu 
ätzen und ich doch dem Wartepersonal Aetzungenmit Re¬ 
sorcinkrystallen nicht Zutrauen konnte, so bediente ich midi 
einer 10% Lösung von Resorcin zum Pinseln, und zum Irri- 
giren des Pharynx wurde eine 1 % Resorcinlösung ange¬ 
wandt. Gepinselt wurde wie in den früheren Versuchen 
2stündlich und irrigirt stündlich. Innerlich habe ich das 
Mittel nicht gegeben, doch ist zu bedenken, dass bei so häu¬ 
figem Pinseln und Irrigiren des Pharynx nicht unbedeu¬ 
tende Mengen dieses Mittels von den Kindern verschluckt 
werden; wie gross diese Mengen sind, lässt sich natürlich 
nicht berechnen, 

In der Tabelle IV sieht man die Resultate der Resorcin- 
behandlung zusammengestellt. Die Erfolge sind nicht sehr 
glänzend und leider kann ich mich dem Lobe And eer ’s 
über die günstige Wirkung des Resorcins bei Diphtherie 
nicht anschliessen. Allerdings bin ich mir dessen wohl be¬ 
wusst, nicht genau nach Andeer’s Vorschrift gehandelt 
zu haben, doch glaube ich, dass das Resorcin auch bei mei¬ 
ner, den Verhältnissen angepassten Anwendungsweise seine 
günstige Wirkung wenigstens theilweise hätte entfalten 
können. 


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56 


Tabelle IV: Behandlung mit Resofrcin. 
Pinselungen mit Solutio Resorcini 10% 2stündlich. 
Spülungen mit » » 1 % stündlich. 

Wein und Moschus. 


Alter 

1-6 I 
Monate 

6—12 

Monate 

1—2 

Jahre 

2-3 

Jahre 

3—4 

Jahre 

4—5 

Jahre 

5-6 

Jahre 

6—7 

Jahre 

7—8 

Jahre 

8-9 

Jahre 

9—10 

Jahre 


11—12 

Jahre 

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29 

19 

65,5 


Complicationen: Pachymening. circumscr. et Thrombosis sinus trausvers, p. Ot. med. 1; Bronchitis fibrin. c. Pneum. lobul. 5; 
Pneumonia lobul. 1; Paralysis pal. moll. 6; Paralysis cordis 5 ; Paralys. nerv. laryng. sup. 1; Coryza 12; Oatarrh. int. 13; Albuminurie 
16; keine Albumin. 8; Harn nicht gesammelt 5 ; während der Behandlung nehmen die Beläge zu 2; die fibr. Form ging in die phlegmon. 
über 2; Laryngitis diphth. 9; genesen 3; gestorben 6 ; Tracheot. wurden 2 V beide starben an fibrin. Bronchitis. 

(Fortsetzung folge.) 


Statistik des hohen Steinschnitts in Russland. 

(Vorläufige Mittheilung). 

Von 

Dr. Heinrich J. Rodziewicz. 


Beim Durchsehen der russischen medidnischen Literatur 
fand ich 65 Fälle von Epicystotomie, die in Russland in den 
Jahren 1844—1885 ausgefQhrt worden. Es sind folgende: 

An- Ge- Ge- 
zahl. heilt, storben. 

1844. A. A. Kie ter(in Kasan). 1 — 1 

1864. N. J. Pirogow (in einem Dorfe des 

Gouvernements Podolien). 1 1 — 

1866. E. T h. P o 1 i k o w s k i (in einer Sta¬ 
uten dee Terscben Gebiets) . . 1 1 — 

1874/75. E. J. Dntrowo (in einem Dorfe des 


Dmitrowschen Kr., Gouv. Moskau) 2 2 — 

1876. N. W. Skiif ossowski (inSt. Pbg.) 1 — 1 

1877. P. J. Multano wski (ibidem) . . 1 1 — 

1877. L. L. L e w s c h i n (in Kasan) . . 1 — 1 

1876/78. J. J. M a k a w e j e w (in einem Dorfe 

des Gouv. Kaluga.10 8 2 

1876/82. 8. J. W e r e w k i n (in Moskau) ... 24 17 7 

1878/82. W. M. Sacharewit8ch(inCharkow) 1 1 ? 

W. Th. G rn b e (ibidem).3 ? ? 

J. K. Sarnbin (ibidem). 1 ? ? 

1879/83. E. P. Asse n delft (in einem Dorfe im 

Sergitsch. Kr., Gouv. Nishni-Nowg.) 5 5 , — 

1880. N. N. Glasnnowski (in einem 

Dorfe im Gonv. Woronesh) .... 1 — 1 

1880. W. D. Orlow (Stadt BorowitMhi, 

Gonv. Nowgorod) .1 1 — 

1883. P. J. Gerassimowitsch (Poltawa) 1—1 

1883. J. J. Makawejew (St. Petersburg) 11 — 

1884. G. Nadeshdin (in einem Dorfe des 

Gonv. Tambow). 1 1 — 

1884. A. A. Golo watsche w(Moskau). 6 5 1 

1884. 8. J. Popow (in einem Dorfe des 


65 45 15 


Aus dieser Tabelle ersehen wir, dass im Verlaufe von 41 
Jahren von 20 Chirurgen 65 Lithotomien — sectiones altae 
— in 45 Fällen mit glücklichem d. h. in 75 %, in 15 mit 
ungünstigem d. h. in 25 % und in 5 Fällen (69,2 %, 23,08 % 
und 7,7 %. Red.) mit anbekanntem Erfolge ausgeführt wor¬ 
den sind. Theilen wir diesen 40j&hrigen Zeitraum in zwei 
Hälften, so ergiebt sich, dass in den ersten zwanzig Jahren 
die Operation in Russland nur ein Mal (bei einem lOjähri- 
gen Bauernmädchen) mit letalem Ausgange gemacht worden 
ist, in den weiteren zwanzig Jahren dagegen alle übrigen. 
Theilen wir auch diesen Zeitraum, so bemerken wir, dass 
die Mehrzahl der Operationsfälle nach dieser Methode den 
Chirnrgen unserer Tage zukommt 

Von 60 Operirten waren 53 Männer nnd 7 Frauen. Von 
den letzteren starb mit Ausnahme des K i e t e r 'sehen 
Falles keine (und die anderen alle gehören dem Dr. Go¬ 
lo w a t s c h e w im Kinderhospitale in Moskau). 

Bei Beurtheilung des Procentsatzes der Sterblichkeit nach 


jeder Operationsmethode spielt zweifellos das Alter der 
Operirten eine wichtige Rolle. Zu unserem Leidwesen 
können wir nur folgende Tabelle bringen: 

Vom 1—15 Jahre — 50. Davon starben 10 = 20% 

» 15—20 » — 3 » » 1 = 33;* 

. 20-40 » — 4 » » 2 = 50)* 

» 40—70 » — 3 > * 1 = 33** 

Betrachten wir die Fälle aus den Universitätsstädten und 
grossen Landschaftshospitälern, so finden wir auf 36 Ope- 
rirte 11 Todesfälle, das macht 30,5% Sterblichkeit, dage¬ 
gen starben in kleinen Städten und in Dorfhospitälern von 
24 Operirten nur 3, d. h. 12% Mortalität'). (12,5%. Red.). 
Dasselbe fand bekanntlich auch Dr. S t o 1 z bezüglich der 
Mortalität in grossen und kleinen Gebärhäusern. Dieser 
Procencsatz von 12% Mortalität ist im Vergleich zum Pe- 
rinäalschnitte immer noch sehr hoch, doch ist es erfreulich 
zu bemerken, dass er fortschreitend abnimmt und sogar ver¬ 
schwindet in der bemerkenswerth erfolgreichen chirurgi¬ 
schen Praxis der Landschaftsärzte unserer Zeit, denen es 
zweifellos Vorbehalten ist, das entscheidende Urtheil in der 
Frage über «Sein oder Nichtsein* des hohen Steinschnitts, 
nicht in Worten, sondern mit der That auszusprechen. 

Bezüglich der Nabt der Blasenwunde kann ich nur das 
sagen, dass die Mehrzahl der russischen Chirurgen sie nicht 
ausgeifthrt hat und dass die Landschaftsärzte in letzter Zeit 
darauf dringen, sie zu unterlassen. 

Das ist Alles, was ich mittheilen kann. Ein ausführ¬ 
licher Artikel in dieser Frage erscheint im Februar im 
neuen Journal «Die Landschaftsmedicin», welches in Mos¬ 
kau unter der Redaction des Dr. W. W. Korsakow 
herausgegeben wird. 


Referate. 

A. Gähn: Heilung von Ileus durch Magenausspülung. 
Unter Benutzung eines Vortrages des Prot K. u s s - 

maul. (Berl. kl. Wochenschr, Ji 42. 43.) 

Noch immer greifen viele Praktiker bei Darmverschluss zu Pur- 
gantien. Dieses Mittel gehört aber zu den aliergefährlichsten, so¬ 
bald es sich nicht um eine einfache Kothverstopfung oder um eine 
m&ssige Stenose mit Verhaltung eingedickten Kothes ohne jegliche 
entzündliche Erscheinungen handelt, ln den allermeisten Fällen 
von Ileus sind die Abführmittel ebenso gefährlich wie bei Entzün¬ 
dung des Blinddarmes, werden aber nichtsdestoweniger sehr häufig 
angewandt. In allen Fällen, wo man sich mit der symptomatischen 
Diagnose Deus begnügen muss, wird man am besten thun einen Ver¬ 
such mit Opium und Morphium zu machen. Man beschwichtigt da- 


4 ) Die Mortalit&t88tatistik im Auslande giebt folgende Zahlen : 
Nach Frere Cömekommenaaf 100Operirte 19 Todesfälle — 1 
» Belmas . . • » 100 » 24 » — 

» Humphry. » » 104 • 31 » — 

(29,8%* B«U 

» Hunter . • » » 159 * 36 » — 

ni (22,64%. 

» Ultzmann. * » 531 * 129 » — 2*H> 

Anmerkung des Verfasser®• 


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57 


■it den Schmerz, das Erbrechen and die stürmischen Bwegungen des 
Darmes; nicht selten treten dann ohne weiteres Zuthun oder nach 
einigen Wassereinläufen Stuhlentleerungen ein und die Kranken ge¬ 
nesen. Wenn aber das Opium, die Eingiesssungen und die Luftein- 
blasungen nichts helfen, dann greifen manche Aerzte zu Drasticis 
oder zu laufendem Quecksilber, wodurch mit seltensten Ausnahmen 
das letale Ende nur beschleunigt wird. Das sicherste Mittel in die¬ 
sem Falle ist jedenfalls die Vornahme der Enterotomie; dieselbe vor- 
sunehmen um die Wegsamkeit des Darmes herzustellen wird sich 
nur dann rechtfertigen lassen, wenn man den Grund und den Ort des 
Verschlusses schon vorher kennt. Dies ist aber selten der Fall. 

In 2 Fällen wurden durch Magenausspülungen, nachdem die best¬ 
empfohlenen Mittel im Stiche gelassen hatten, die Kranken geheilt. 
Bei einem 16-jährigen Mädchen hatte der Darm Verschluss 8 Tage ge¬ 
dauert und es bestand schon seit längerer Zeit Kotherbrechen. 
Opium, Einläufe und Lufteinblasungen hatten zu nichts geführt. 
Nachdem der Magen im Verlaufe von 12 Stunden 5 mal ausgespült 
und alle kothige Flüssigkeit aus demselben entfernt worden war 
traten bald spontane Stuhlentleerungen auf. 

Der 2. Fall betraf einen 33-jährigen kräftigen Mann, der häufig 
an Magenschmerz, Erbrechen und einmal an Blinddarmentzündung 
gelitten hatte. Bei ihm traten ziemlich acut die Symptome einer 
Darmverschliessung ein und in einigen Tagen gesellte sich Kother¬ 
brechen hinzu. 

Am 9. Tage der Erkrankung, wo Pat. schon sehr collabirt war, 
wurde die erste Mage&ausspülung gemacht und gegen 5 Liter dün¬ 
nen gelben Kothes aus dem Magen entfernt. Pat. fühlte sich sofort 
wohler, die Spannung des Leibes nahm ab und 6 Stunden nach der 
Ausspülung und am 9. Tage seit der Erkrankung erfolgte der erste 
8tuhl. Pat. genas. 

Die Aufgabe, das undurchgängig gewordene Darmrohr wieder 
durchgängig zu machen, tritt beim Ileus oft auch in solchen Fällen an 
uns heran, in denen es uns unmöglich ist, auf die Stelle des Hinder¬ 
nisses selbst einzuwirken. Glücklicherweise vermögen wir diese 
schwierige Aufgabe zuweilen selbst dann zu lösen, wenn wir nicht 
genau wissen, wo und weshalb der Darm undurchgängig ist. Das 
Mittel zur Erreichung dieses Zieles besteht im Weg schaffen der Gase 
und flüssigen Kothmassen, die sich oberhalb der undurchgängigen 
Stelle angestaut halben. Der Nutzen solcher Entleerungen ange- 
atauter Gase und Kothmassen ist leicht einzusehen. Erstlich schaf¬ 
fen wir Baum im Bauche, die erste Bedingung zur Befreiung invagi- 
nirter, gedrückter, geknickter, verdrehter und verschlungener Darm- 
theile. Ferner mindern wir dadurch die abnorme Ausdehnung und 
Spannung der oberhalb der unwegsamen Stelle gelegenen Abschnitte l 
des Darmcanals und des Magens und damit den Druck, unter dem 
sie gegen einander gepresst im Bauchraume beisammen liegen. 
Peristaltische Bewegungen werden wie der Augenschein lehrt auch 
von erweiterten und in ihrer Lage festgehaltenen Darmen noch mit 
grosser Stärke ausgeführt, dagegen müssen alle anders gerichteten 
Bewegungen, durch welche die Lage der Darmschlingen zu einander 
geändert werden kann, schwierig und schliesslich unmöglich wer¬ 
den. Endlich, und dies ist wohl die Hauptsache, mässigt und beru¬ 
higt sich mit der Entfernung der angestauten Flüssigkeiten die stür¬ 
mische Peristaltik und es verwandeln sich die heftigen, ungeordne¬ 
ten und gefährlichen Bewegungen in sanfte, geordnete und wohl- 
thätige. 

Somit wirken in dieser Hinsicht die mechanischen Eingriffe, durch 
die die angestauten Gase und Kothmassen entfernt werden, beim 
Heus in ähnlicher Weise wie das Opium. Von allen inneren Mitteln 
leistet dieses noch das meiste. Bei Behinderung der Wegsamkeit 
desDarmes durch Peri-und Paratyphilitis ist es anerkannter Maassen 
durch kein anderes zu ersetzen, während die Purginnittel nur zu 
oft Verschlimmerungen und tödtlichen Ausgang verschulden. 

L—n. 

A. B r i t a o: Ovariotomie bei Schwangeren. (Wratsch M l). 

Am 8. October wurde eine 4Qjährige Pat. mit einer bedeutenden 
Ovarialoyste in die Klinik des Prof. Sklifossowski aufgenom¬ 
men. Pat. hat 7 Mal geboren, seit 19 Monaten besteht die Ge¬ 
schwulst. Die Menses hatten seit 5 Monaten sistirt, Pat. leugnete 
jedoch schwanger zu sein, daher wurde der Uterus 2 Mal sondirt und 
ergab jedes Mal die Sonderuntersucbung Ctm. Daher wurde 
Gravidität ausgeschlossen. Am 23. October machte Prof. S k 1 i - 
tossowski die Ovariotomie und fand die Cysten vom rechten 
Ovarium ausgehend, mit dem Netz verwachsen, die nach ihrer 
Herausnahme 28 Pfd. wogen. Der Stiel wurde versenkt, die Wunde 
drainirt. Am Abend nach der Operation stellten sich wehenartige 
8chmerzen ein und am folgenden Morgen erfolgte ein Abort (die 
Frucht entsprach den circa 5 Monaten). An diesem Tage musste 
der Verband 2 Mal gewechselt werden. Die Scheide wurde 4 Mal 
täglich mit */*>% Sublimatlösung ausgespült und mit Jodoformmarly 
tamponirt. Als am 6. Tage die Temperatur zum ersten Male auf 
37 ,fr stieg, wurde das Drain entfernt und eine Kürschnernaht an¬ 
gelegt, die per primam verheilte. Am 21. Tage nach der Opera¬ 
tion wurde Pat. geheilt entlassen. 

Ovariotomien bei Schwangeren sind nicht so selten gemacht. Vf. 
berichtet über 30 in der Literatur gefundene Fälle ausländischer 
Autoren (SpencerWells allein hat 10 Fälle) und 5 Fälle russi¬ 
scher Aerzte. In diesen 35 Fällen erfolgte 6 Mal Abort und 2 Mal 
Frühgeburt, während 23 Mal die Schwangerschaft ihren normalen 


Verlauf nahm. Spencer Wells spricht sich entschieden für das 
Entfernen von multiloculären Cysten während der Gravidität aus* 

Die Entstehung des Abortus im vorliegenden Falle erklärt Vf. 
durch 3 Bedingungen: 1) die Operation dauerte lange (70 Minuten), 
so dass der Uterus lange der Einwirkung der Loft ausgesetzt war. 
2) Bei der Toilette der Bauchhöhle müssen die Schwämme wieder¬ 
holt den Uterus berührt haben. 3) Die Drainageröhre muss den 
Uterus gereizt und dadurch Contractionen verursacht haben. Die 
Sondirung dagegen kommt nieüt in Betracht, da sie 2 Wochen vor 
dem Abort ausgeführt worden. P* 

Bacher-Anzeigen und Besprechungen. 

L. Pfeiffer: Die Vaccin&tion, ihre experimentellen und 
erfahrungsgemässen Grundlagen und ihre Technik, 
mit besonderer Berücksichtigung der animalen Vaccination. 
Mit 17 Holzschnitten. Tübingen, 1884. Verlag v. H. Laupp. 
158 Seiten. 

In Kürze giebt uns Vf. in klarer, präciser Form Alles bisher über 
Vaccine Bekannte, indem er folgende Capitel behandelt: Eintritts¬ 
und Vermehrungsstätte des Variola-Vaccine-Contagiums, experi¬ 
mentelle Abschwächung des Vanola-üontagiums, Verlauf der Vac¬ 
cine beim Menschen, die relative Immunität der Geblätterten und 
Geimpften gegen Variola und Vaccine, die Degeneration der Vaccine 
und endlich die Impftechnik. Letzteres Capitel ist besonders aus¬ 
führlich behandelt worden und möohten wir aus diesem Grunde das 
Buch unseren Landärzten, namentlich den jüngeren Collegen, die 
auf den Universäten mit dem genannten Capitel verhältnismässig 
wenig bekannt gemacht worden, ganz besonders empfehlen. 

Auch unsere lmpfjgegner werden im vorliegenden Bache Vieles 
finden, was sie zum Nachdenken und bei objectiver Kritik vielleicht 
auch zum Fallenlassen ihrer bisherigen Anschauungen veranlassen 
könnte! P. 

Sir Henry Thompson: On the tumours of the 

bladder. London, J. und A. Churchill, 1884. 

Wir machen unsere Leser anf dieses Werk aufmerksam. In dem¬ 
selben hat der Meister seine Ansichten und reichen Erfahrungen 
über die Tumoren der Blase, deren Diagnose und Behandlung zu¬ 
sammengestellt und wollen wir versüßen einen kurzen Auszug 
dessen zu geben, was kaum in kürzerer Form gegeben werden kann, 
als es Vrf. selbst gethan. 

Verf. betont die NothWendigkeit einer genauen Voruntersuchung 
bei jedem Falle und giebt ein Schema derselben, woran sich die ge¬ 
naue physikalische Untersuchung anschliesst. Das wäre wohl hin¬ 
reichend zur vollständigen Diagnose so ziemlich in allen Fällen. 
Doch kommen auch solche vor, wo trotzdem die Diagnose eine dunkle 
bleibe. Ein solcher, der tödtlich endete und dem man, wie die Seo- 
tion ergab, doch hätte helfen können, gab Verf. dazu Veranlassung, 

| nachzuforschen, wie man am bequemsten die Blase palpiren könne, 
wobei er auf die Digitalexploration der Blase verfiel. 

Im 2. Capitel wird die Operation beschrieben. Es ist die bouton- 
l niere, 1-J- Zoll lang, -f- Zoll vor dem After endigend. Durch diese 
i Wunde kann mittelst des Zeigefingers und mit Hilfe der durch die 
I Bauchdecken entgegenpressenden Hand die Blase vollständig explo- 
rirt werden, natürlich bei tiefster Narcose. — Nach Beschreibung 
der Operation giebt Verf. ein Kesumö der Erfolge, die er mit der 
Operation erzielt und eine kurze Uebersicht der 43 von ihm ausge¬ 
führten Operationen. 

Im 3. Capitel folgt eine kurze historische Skizze der Blasentumoren¬ 
operationen, Beschreibung einzelner Präparate im Metropolitan Mu¬ 
seum zu London und seiner Fälle mit Angabe des anatomischen 
Baues. Dieser Theil ist reichlich mit Illustrationen versehen. 

Im 4. Capitel behandelt Verf. die Therapie der Blasentumoren, 
verwirft die innerliche Darreichung von Stypticis, spricht sich gün¬ 
stig über lnjectionen von Eisenchlorid und Höllensteinlösungen aus 
und geht dann zur Operation, der Abtragung der Tumoren von der 
Blasenwunde aus, über. Diese führt er mit eigens dazu construir- 
ten Löffeln und sägeartigen Instrumenten aus. Genaue Beschrei¬ 
bung des Verfahrens. Vorher behandelt er die Controverse, ob man 
nicht von vornherein lieber die Epicystotomie machen solle. Denn 
ohne die boutonniöre sei die Diagnose auf Tumor nur eine Wahr- 
scheinlichkeitsdiagnose, weiterhin könne man ja auch nicht wissen, 
ob der Tumor überhaupt ein operirbarer und ob die Sectio alta im 
concreten Falle geeignet sei. Durch seinen Explorationsschnitt da¬ 
gegen sei die Diagnose gesichert, ferner könne man durch ihn so 
ziemlich alle Tumoren entfernen, im Falle der Unmöglichkeit einer 
Operation habe man endlich die Chancen des Lebens durch die kleine 
Operation nicht so verringert, wie durch den hohen Blasenschnitt. 

Daran schliesst Verf. seine Besaitete, giebt 5 Krankengeschichten 
der interessantesten Fälle und eine Tabelle aller von ihm operirten 
Fälle mit Zeichnungen. N. 

An die Redaction eingesandte Bücher und Druck¬ 
schriften. 

— Materialien zur medicinischen Geographie und 
Statistik Busslands. I. Bd. Die Syphilis in Buss- 


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58 


l*nd. 7^* I* Die 8ypbilis in Dörfern und grossen I 
Städten von H. M. Hertzenstein. Mit 2 chromolithographi¬ 
schen garten, 4 Diagrammen und 1 graphischen Tafel. -St. Peters¬ 
burg 1885. 

' — Deutsche Bücherei, H. XXXVI. Die Cholera von M. v. 
Pettenkofer. — S. Schottländer, Breslan und Berlin. 

— Zeitschrift für Geburtshülfe und Gynäkologie. 
XI. Bd. I. Heft. 

— Hin Fall von spontaner Humerusfractur bei ei¬ 
nem Syphilitiker von Prof. A. Gay. (Sep. Abd. a. d. «Kuss. 
Medicina» M 43, 44. 1884). (Russ.) 

— A contribution t'o'The relations of ovulation 
and menstruation by A. Re eves Jackson. (Sep. Abd. 
a. d. «Journ. of the amer. med. associat.» Octoo. 1884.) 

— Beiträge zur Craniologie der grossrussischen 
Bevölkerung der nördlichen und mittleren Gouver¬ 
nements des europäischen Russlands von A. Tare- 
netzky. — Eggers & Comp. St. Petersburg 1884. 

— Mittheilungen der Gesellschaft für Morpholo¬ 
gie und Physiologie zu München: Ueber das Resor- 
cinderivat «Phloroglucin» von J. Andeer. (Sep. Abd. 
a. $.‘«Aerzt|. Intelligenzbl.» 1854). 

— Index-C a talogue of the library of the tUTgeen 
general’« office, United States army. Vol. V. — Wa¬ 
shington 1884. 

— III. Bericht über den Congress in Kopenhagen. 
Section für Psychiatrie und Neurologie auf dem inter¬ 
nationalen medicinischen Congress in Kopenhagen (10.—16. August 
1884) von Dr. P. Rosenbach. (Sep. Abd. a. d. «West, für Psy¬ 
chiatrie und Neuropathol.» Th. n. II. Liefg.) (Russ.) 

— Ueber den psychischen Mechanismus des Deli¬ 
riums bei primärer Verrücktheit von Dr. P. Rosen¬ 
bach (ibidem.) (Russ.) 

— Sitzungprotokolle der St. Petersburger psychi¬ 
atrischen Gesellschaft für 1883. — St. Petersburg 1885. 


— Der Fortschritt. I. Jahrgang, 1. 

— Sociötö medico-chirurgicale de Liöge: Compte 
rendu des travaux et de la Situation de la socigtft 
pendant l’annöe 1884 par M. P. Schiffers. — Lißge 1884. 

— Beiträge zur pathologischen Anatomie und 
Physiologie von Dr. E. Ziegler und Dr. C. Nauwerck. 
I. Heft. — G. Fischer. Jena 1884. 


Vermischtes. 

— Am 3. Februar verschied hier das Ehrenmitglied des Medici- 
nalrathes, Academiker Generallieutenant Gregor v. Helmer- 
8 e h im Alter von 82 Jahren. Der Dahingeschiedene, einer der be¬ 
kanntesten Gelehrten Russlands, war am 29. September 1803 in der 
Nähe von Dorpat geboren und erhielt seine wissenschaftliche Aus¬ 
bildung auf der Dorpater Universität, wo er Jurisprudenz und Na¬ 
turwissenschaften studirte. Unvergängliche Verdienste hat sich H. 
durch seine zahlreichen epochemachenden Arbeiten auf dem Gebiete 
der Geologie und Geognosie, durch seine über ganz Russland ver¬ 
breiteten Forschungen und Untersuchungen erworben. Für seine 
zahlreichen Schüler, Freunde und Verehrer wird aber auch der edle 
Mensch, der reine tadellose Charakter, die geistige Grösse der Per¬ 
sönlichkeit des Verstorbenen für immer unvergesslich bleiben. 

— Am 7. Februar verstarb in Dorpat das Mitglied des Medicinal- 
rathes, Professor emer. Wirkl. Staatsrath Dr. Carl Joh. von 
Seidlitz in fast vollendetem 87. Lebensjahre. Wir wir der «N. 
D. Z.» entnehmen, wurde der Verstorbene am 6. März des Jahres 
1798 zu Reval geboren^ von wo aus er unter schwierigen Verhält¬ 
nissen im Jahre 1815 die Universität Dorpat bezog, um sich hier dem 
Studium der Medicin zu widmen und dasselbe mit glänzendem Er¬ 
folge zu absolviren; im Jahre 1818 wurde die von ihm eingereichte 
Bearbeitung einer Preisaufgabe mit der goldenen Medaille gekrönt 
und im Jahre 1821 konnte er mit dem Doctorhute, den er nunmehr 
bald 65 Jahre in Ehren getragen, die Dorpater Hochsohule ver¬ 
lassen. Im Jahre 1822 trat S. in den Staatsdienst und zwar beim 
Seehospitale in St. Petersburg, von wo aus er als Specialist für Au¬ 
genkrankheiten mehrfach Special-Delegationen ausführte. Die Jahre 
1823 und 1824 gehörten der Bekämpfung eines schlimmeren Feindes, 
der im Astrachanschen ausgebrochenen Cholera, an, wobei 8 e i d - 
1 i t z sich nicht geringe Verdienste und einen Ruf in weiteren Krei¬ 
sen erwarb. Beim Ausbruche des türkischen Krieges im Jahre 1829 
trat er hei dem zweiten Armee-Corps in Dienst, fungirte als Ober¬ 
arzt des Hospitals zu Adrianopel, wurde dem General-Adjutanten 
Grafen Orlow als Gesandtschaftsarzt nach Konstantinopel beige¬ 
geben und dann, im Jahre 1830, dem Hauptquartiere des zweiten 
Armee-Corps attachirt. Seine Thätigkeit daselbst trug ihm nicht 
nur die Anerkennung seiner Vorgesetzten ein, sondern konnte von 
ihm auch wissenschaftlich sehr fruchtbringend verwerthet werden. 
Nach seiner Rückkehr vom Kriegsschauplätze ward'er bald zum 
Oberarzte des Marine-Hospitals in St. Petersburg und zum Medici- 
nal-Inspector des St. Petersburger Hafens ernannt. Im Jahre 1835 
begleitete S. die Grossfürstin Helena Pawlowna nach Berlin und im 
Jahre 1836 wurde er Professor der medicinischen Klinik an der me- 
dico-chirurgischen Academie zu St. Petersburg, in welcher Stellung 


er während seiner ganzen späteren dienstlichen Laufbahn verblieb. 
Neben Rangbeförderungen, Orden und sonstigen staatlichen Aus¬ 
zeichnungen wurde seine wissenschaftliche Thätigkeit von zahl¬ 
reichen gelehrten Vereinen und Körperschaften anerkannt: 8 eid- 
1 i t z war Mitglied des Vereins der deutschen Aerzte in St. Peters¬ 
burg, Ehrenmitglied und Stifter der Gesellschaft für Geschichte uud 
Alterthumskunde der Ostseeprovinzen in Riga, correspondirendes 
Mitglied der französischen medicinischen Academie und des Vereins 
preussischer Aerzte, Ehrenmitglied der St. Petersburger pharm*» 
ceutischen Gesellschaft, der medicinischen Gesellschaft in Baden, 
Hamburg u. s. w. 

Ein intimes Freundsohaftsverhältniss verband 8 e i d 1 i t z mit dem 
gefeierten russischen Dichter Shukowski, dem er mit seiner 
trefflichen, dazu bisher einzig in der russischen Literatur vorhande¬ 
nen Biographie ein würdiges Denkmal gesetzt hat. — Die letzten 
Decennien hat Seidlitz auf seinem Landgute Meiershof und in 
Dorpat verbracht — nicht in der Müsse, welcher sich der Greis nach 
thatenreichem Leben hingeben darf, sondern in ununterbrochenem, 
gemeinnützigem Wirken. — Seidlitz war ein Ehrenmann, eine 
fest in sich geschlossene Natur von starkem Wollen und Können, ein 
Patriot, der mit warmem Herzen stets das Beste seiner Heimath 
gewollt und nicht wenig dafür gethan hat. 

— Verstorben : 1) In St. Petersburg der ältere Arzt der hiesigen 
Konstantinow'schen Militärschule Dr. D. K e d r o w. Von ihm ist 
ein «Curaus der Militärhygiene> herausgegeben worden. 2) In Lu¬ 
blin der Corpsarzt des 14. Armeecorps, wirkl. Staatsrath D. Ni¬ 
kol s k i. 3) In Grodno der Oberarzt des örtlichen Militärhospit&ls, 
Staatsrath N. Weprizki. 4) In Tiflis der Militärarzt Dr. 8. 
A m i r o w im 70. Lebensjahre. 

— In Boston ist Dr. H e n r y Martin, der Erfinder der nach 
ihm benannten Gummibinde, gestorben. 

— Der Oberarzt der hiesigen Polizei, Dr. D. Diatroptow und 
der Inspector des medicinisch-polizeilichen Comitds Dr. J. Dune an 
sind einer auf den Posten des Andern versetzt worden. 

— In der Jahresversammlung des hiesigen medicinischen Vereines 
«Wratschebnaja Obschtschina» sind für das laufende Jahr zum Prä¬ 
sidenten Dr. W. Ni kitin , zum Vicepräsidenten Dr. Bibino w , 
zum Secretär Dr. Uwerski und zum Kassirer Dr. H or n gewählt 
worden. Dieser Verein hat auch mit dem 1. Februar eine Heilan¬ 
stalt für ambulante Kranke in den Räumlichkeiten der Gesellschaft 
für Naohtasyle (Fontanka, Haus At 79) eingerichtet. 

— Der Professor der pathologischen Anatomie N. Iwanowski 
ist in die Redaction des «Russkaja Medicina» eingetreten. Von der 
M 5 an zeichnen bereits Dr. P. 11 i n s k i als Herausgeber und Re- 
dacteur und Prof. Iwanowski als Redaoteur der «Russ. Medi¬ 
cina*. 

— Nachrichten aus Kijew zufolge herrscht dort eine Typhusepi¬ 
demie , welche sich mit jedem Tage mehr ausbreitet. Der exantne- 
matische sowie der Abdominaltyphus sollen in ziemlich gleicher 
Zahl Vorkommen. 

— Der Docent Dr. C. Flügge, der durch sein treffliches Lehr¬ 
buch der hygienischen Unterauchungsmethoden bekannt geworden, 
ist zum auseerordentlichen Professor an der Universität Göttingen 
ernannt worden. 

— Der vierte Congress für innere Medicin findet vom 8. bis 11. 
April 1885 zu Wiesbaden statt. Das Präsidium desselben übernimmt 
Herr vonFrerichs (Berlin). Folgende Themata sollen zur Ver¬ 
handlung kommen: Am ersten Sitzungstage, Mittwoch den 8. April: 
Ueber die Behandlung der Fettleibigkeit (Corpulenz); Referent: 
Herr Ebstein (Göttingen); Correferent: Herr Henneberg 
(Göttingen). Am zweiten Sitzungstage, Donnerstag den 9. April: 
lieber Bronchialasthma; Referenten: Herr Cur sc hm ann (Ham¬ 
burg) und Herr Riegel (Giessen). Am 3. SitzungBtage, Freitag 
den 10. April: Ueber Antipyrese; Referenten: Herr Fi 1 e h n e (Er¬ 
langen) und Herr Liebermeister (Tübingen). Folgende Vor¬ 
träge sind bereits, angemeldet: Herr Liebreich (Berlin): Ueber 
Schlafmittel. Herr Binz (Bonn): Ueber neuere Arzneimittel. Herr 
Hack (Freiburg): Ueber chirurgische Behandlung asthmatischer 
Zustände. Herr Edlefsen (Kiel): Zur Statistik und Aetiologie 
des acuten Gelenkrheumatismus. Herr Rossbach (Jena): Ueber 
die Bewegungen des Magens, des Pylorus und des Duodenums. Herr 
Fleischer (Erlangen): Ueber Urämie. In Aussicht gestellt 
haben ausserdem Vorträge: Herr Heidenhain (Breslau): Ueber 
pseudomotorische Nervenwirkungen. Herr K n o 11 (Prag): Thema 
unbestimmt. Herr Edlefsen (Kiel): Ueber das Verhalten der 
Chlorsäuren Salze im Organismus. Herr Schnitze (Heidelberg): 
Thema unbestimmt. Ausserdem ist eine Ausstellung von Fleisch- 
conserven, Peptonen etc. durch Herrn Kochs (Bonn) und verschie¬ 
dene Demonstrationen vorgesehen. 

— Die Primärärzte und klinischen Vorstände des allg. Kranken¬ 
hauses in Prag haben auf Aufforderung des österreichischen Mini¬ 
steriums des Innern (cfr. Nt 1, S. 11 dieser Wochenschrift) folgendes 
Gutachten bezüglich der MaaBsregeln, die zum Schutze gegen die 
nach den neuesten wissenschaftlichen Erfahrungen mögliche Infec- 
tionsgefahr der Tuberculose ,wünschenswert wären, abgegeben: 
1) Möglichste Separation der Krankenzimmer von demjenigen Bä&' 
men, in welchen Tuberculöse untergebracht sind. 2) Strenge Bei®' 
lichkeit der Krankensäle und vor Allem Vermeidung einer mög¬ 
lichen Verstaubung des Auswurfs der Tuberkelkranken. 8) Auf di® 
Desinfeotion der Sputa legt das Gutachten weniger Gewicht, da- 


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59 


gegen wird eine separate Reinigung der Wäsche der Tuberkelkran¬ 
ken empfohlen. 

— In Breslau wurde eine Hebamme Tor Gericht gestellt, weil die 
Frau eines Beamten, welche sie entbunden hatte, unter den Erschei¬ 
nungen einer hochgradigen Blutvergiftung gestorben war. Die 
Sachverständigen schrieben die Blutvergiftung dem Umstande zu, 
dass die Angeklagte nicht, wie es strenge Vorschrift ist, unmittel¬ 
bar vor der Ausübung ihrer Thätigkeit die Hände in einer C&rbol- 
lösung gewaschen habe. Die Angeklagte behauptete zwar, die 
Waschung bei sich zu Hause vorgenommen zu haben, doch wurde 
dies seitens der Aerzte für völlig unzureichend erklärt und die An¬ 
geklagte zu einer Gefängnisstrafe von 6 Wochen verurtheilt. 

Vacanzen. 

— Am 1. März o. wird die Stelle des Pelym’schen Bezirksarztes 

im Kreise Turinsk des Tobolskischen Gouv. vacant. Gehalt 850 R. 
und mit den Zulagen 1000—1150 Rbl. Das Leben in Pelym, welches 
200 Werst von der Uraleisenbahn entfernt ist, soll sehr billig und 
der Dienst nicht sehr schwer sein. (Ruse. Med.) 

Krankenbestand der Civil- u. Kinderhospitäler St. Petersburgs 

am 27. Januar 1886. 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs 

für di© Woche vom 3. Febr. bis 9. Febr. 1886. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 

Im Ganzen: d . c £ j£ Jj £ Jä ä £ Jä £ 

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363 301 664124 81 101 8 10 24 63 59 61 54 40 26 11 2 
2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 1, Typh. abd. 15, Febris recurrens 0, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 1, Pocken 4, Masern 4, Scharlach 6, 
Diphtherie 15, Croup 5, Keuchhusten 6, Puerperalkrankheiten 2, 
Dysenterie 3, Thiergift 0, andere Infectionskrankheiten 9. 

— Gehirnapoplexie 17, Entzündung des Gehirns und seiner Häute 
43, andere Gehirnkrankheiten 13, Krankheiten des Herzens und der 
Gefässe 38, croupöse Lungenentzündung 21, acute Entzündung der 
Athmungsorgane 106, Lungenschwindsucht 112, andere Krankheiten 
der Brusthöhle 6, Gastrointestinal-Krankheiten 88, andere Krank¬ 
heiten der Bauchhöhle 22, angeborene Schwäche und Atrophiain- 
fant. 47, Marasmus senilis 33 Cachexia 23. 

— Tod durch Zufall 4, Selbstmord 2, Mord 0. 

— Andere Ursachen 18. 

MortalitSt einiger HauptstSdte Europas. _ 


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Unter der Gesammtzahl befanden sich: 


Scharlach 
Pocken .. 


M. 

W. 

Summa. 

2954 

1832 

4786 

146 

149 

295 

M. 

W. 

Summa. 

218 

94 

312 

17 

30 

47 

7 

6 

13 

540 

362 

902 


Die Ambulanten der Kinderhospitäler wurden in der Woche 
Vom 20. — 26. Januar 1884 besucht von 3212 Kranken, darun¬ 
ter «um ersten Mal von 1347. 

Krankenbestand der Civil- u. Kinderhospitfiler St. Petersburgs 

3. Februar 1886. 

M. W. Summa. 

Civilhospitäler. 2858 1771 4629 

Kinderhospitäler. 146 148 294 

Unter der Gesammtzahl befanden sich : M. W. Summa. 

Typhöse Krankheiten (abd., exanth., reo.) 203 97 300 

Scharlach... 20 31 51 

Pocken. 8 8 16 

Venerische Krankheiten. 527 358 885 

Die Ambulamen der Kinderhospitäler wurden in der Woche 
vom 27. Jan. bis 2. Febr. 1885 besucht von 2632 Kranken, darunter 
zürn ersten Mal von 1097. 


Name Neuer Styl. 


Stockholm 
Kopenhagen. . 
Berlin . • . • 
Wien . . . . 
Brüssel . . . 
Paris . . . . 
London . . . 
8t. Petersburg 


18—24 Jan. 
21—27 Jan. 
25—31 J an. 
25—31 Jan. 
18—24 Jan. 
25—31 Jan. 
25—31 Jan. 
1—7 Februar 


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278000 

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567 

769 889 

479 

171 293 

102 

2 239928 

1232 

4 083 928 

1885 

928 016 

623 


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28 29,i 17,. 34,« 
81 23,« 14,. 38,i 
30 32,4 6,i 33,« 

5 31,o 4,« 30,o 
110 28,a 9.o 27.8 

203 24,i 10,« 34,r 
46 34,8 7,8 35 f s 


Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger Aerzte 
Dienstag den 19. Februar 1885. 

Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 25. Februare. 



Alleinige Annahme der ausländischen Annoncen (mit Ausnahme der Bücher-Anzeigen) in den Central- 
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Zweiter Band. I. Theil. 

NERVENSYSTEM. 

Zweite vermehrte ui verheuerte Auflage. 

Mit 47 Abbildungen, gr. 8 . 9 M. 

(Die erste Auflage erschien im Januar 1884 .) 


Verlag von F. C. W. Vogel in Leipzig. 

8oeben ist erschienen: 

Kritisch-physiologische Besprechung 

der Ebstefn’schen Behandlung 
der 

FETTLEIBIGKEIT. 

Erwiderung auf dessen Schrift 

«Fett oder Kohlenhydrate.» 

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Prof. Dr. M. J. Oertei in München. 
_gr. 8 . Preis 80 Pf. 27 ( 1 ) 


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Neigungen, schlechte Verdauung, Ver¬ 
stopfung der Leber, der Milz, des Lei¬ 
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schwerden, Magenbeschwerden, Appe¬ 
titlosigkeit, Magenschmerzen u. s. w. 

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zen, Blasenleiden, Steinkrankheit, 
Podagra, Appetitlosigkeit u. s. w. 

HAUTERiVE. Geg. Kreuzschmerz., 
Blasenleiden, Steinkrankh., Podagra, 
Appetitlosigk. u.s. w. —Man fordere die 
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II. Jahrgang. 

(ln der Reihenfolge X. Jahrgang.) 


Neue Folge. St. Petersburger 

Medicinische Wochenschrift 


unter der Redaction 

von Prof. ED. v. WAHL in Dorpat und Dr. L. v. HOLST in St. Petersburg. 


Die «St. Petersburger Medicinische Wochenschrift» erscheint jeden Sonn¬ 
abend. Der Abonnements-Preis ist in Russland 8 Rbl. für das Jahr, 
4 Rbl. für das halbe Jahr inclusive Postzustellung; in den andern Län¬ 
dern 16 Mark jährlich, 8 Mark halbjährlich. Bestellungen übernehmen 
die Buchhandlungen aller Länder. Der Insertions - Preis für die 3 mal 
gespaltene Zeile in Petit ist 12 Kop. oder 40 Pfenn. 


Manuscripte sowie alle auf die Redaction bezügliche Mittheilungen bittet 
man an den geschäftsfiihrenden Redacteur Dr. L. V. Holst in St. Peters¬ 
burg, Evangelisches Hospital, Abonnements-Aufträge, Inserate etc. an 
die Buchhandlung von C. Rlclter in St. Petersburg, Newsky-Prosp. 14 
zu richten. Ausser dem Honorar (16 Rbl. pro Biogen) werden den Au¬ 
toren 25 Separatabzüge Ihrer Original-Artikel zugesandt. 


NS 8. 8t. Petersburg, 23. Februar (7. März) 1885. 


Inhalt: N. Lunin: Ein Beitrag zur Therapie und Statistik der Diphtherie. (Fortsetzung.) — R. Peters: Magenansspülnng bei 
Heus. — Beferate . M. Schmidt: Die Cholera-Bacillen. — Lftrmann: Eine Icterusepidemie, — S. Lebedew: Ueber den Mineral- 
Hunger. — He r rin an n Mauck: Ein neues Mutterkorn-Präparat. Extractam secalis comuti Denzel. — Bücher-Anzeigen und Be- 
sprechungen . F. V. Birch-Hirschfeld: Lehrbuch der pathologischen Anatomie. — Jahresbericht des Vereins St. Petersburger 
Aerete pro 1884 . — Vermischtes. — Krankendestand der Civil - und Kinderhospitäler St. Petersburgs. — Mortalitäts-Bulletin 
8t. Petersburgs. — Mortalität einiger Hauptstädte Europas. — Ansteigen. 


Ein Beitrag zur Therapie und Statistik der Diphtherie. 

Ans dem Kinderhospital des Prinzen von Oldenburg. 

Von 

Dr. N. L u n i n. 


(Fortsetzung). 

Behandlung mit Brom. 

Die Behandlung mit Brom hat Dr. E. H e u k i n g in 
derselben Abtheilnng an 33 Diphtheriekranben erprobt und 
mir in liebenswürdiger Bereitwilligkeit die Krankenge¬ 
schichten dieser 33 Fälle zur Verfügung gestellt, wofür ich 
ihm meinen verbindlichsten Dank sage. B. Koch hatte 
nachgewiesen, dass eine 2 % Bromlösung das Wachsthum 
der Anthraxbacillen aufhebt und dnrch eine 4% Bromlö¬ 
sung wurden sogar die Dauersporen vernichtet. Das Mittel 
war also wohl geeignet eine gute Wirkung bei Diphtherie 
zu entfalten. Dr. JacobSchütz ia ), der es angewandt 
hatte, sprach sich sehr lobend über die Wirkung dieses 
Mittels aus. Er erklärt dasselbe für rationell, weil es 
anf chemischer Basis fusst. Die Bromdämpfe seidenen die 


Beläge zu lösen resp. zn «veraulzen» und gleichzeitig als 
Expectorans and als Antisepticum zu wirken. In 36 so 
behandelten Fällen kam kein Todesfall vor. Auf die Art 
der Anwendung gehen wir hier nicht näher ein und ver¬ 
weisen auf die Originalabhandlung. Einen sehr eifrigen 
Vertheidiger fand die Brombehandlung in H i 11 e r **), der 
mehrfach diese Methode befürwortete. Nach ihm ist keine 
Methode der Diphtheriebehandlung im Stande so gute Re¬ 
sultate zu liefern, wie das Brom. Unter mehr als 50 Fällen 
kam nur ein Todesfall vor und der in Folge von consecu- 
tiver Myocarditis. Ganz besonders günstig war der Ver¬ 
lauf, wenn die Kranken sehr frühzeitig in Behandlung 
kamen. Die fibrinösen Ausschwitzungen lösten sich schon 
in 24—48 Standen und wenn sie sich auch erneuerten, so 
waren dieselben doch schon am 3. Tage nach Beginn der 
Behandlung verschwunden. H i 11 e r empfiehlt Pinselun¬ 
gen des Pharynx mit einer Lösung von Bromi pari, Kali bro- 
mati aa 0,5—1,0 : Aq. dest. 200,0 und zwar sollten die 
Pinselungen,2—3stündlich wiederholt werden. Diese Gor 
wurde gleich von Anfang an durch Inhalationen einer 
0,2—0,4% Bromlösung l /a—lstündlich zn je 5 Minuten 


Tabelle V: Behandlung mit Brom. 

Pinselungen mit Bromi pari, Kali bromati ü 0,5—1,0, Aq. dest. 200,01—3stündlich. 
Inhalationen mit Bromi puri, Kali bromati ü 0,6—1,0 t 300,0 \ —2stündlich. 

Wein und Moschus. 


Alter 

1—6 

Monate 

6-12 

Monate 

1—2 

Jahre 

2 — 3 
Jahre 

3—4 

Jahre 

4—5 

Jahre 

5—6 

Jahre 

6—7 

Jahre 

7—8 

Jahre 

8—9 

Jahre 

9—10 

Jahre 

10—11 

Jahre 

111-12 
j Jahre 

12— 

Jahre 

N5 

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talität 

Ausgang 

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Formen 
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1 

1 

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1 


2 

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1 






15 

7 

47 

phlegmonös- 
septisch . . 

— 

— 

1 

— 

1 

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— 

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— 

1 

— 

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— 

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3 

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2 


1 

— 

1 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

18 

16 

88,8 

Gesammtzahl 


— 

1 

— 

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1 

— 

3 

1 

1 

1 

5 

1 

— 

1 

4 

2 

4 

1 

1 

2 

2 

1 

— 

— 

— 

— 


33 

23- 69,7 


Complicationen: Coryza 12; Pneum. lobul. 2; Paralysis pal. moll. 2; Catarrh. int. 2; Erbrechen 2; Gangrän d. pal. moll. 2» 
Otitis med. 1; Albuminurie 17; keine Album. 7 ; Harn nicht gesammelt 9. Während der Behandlung wurden die Beläge grösser 4 ; di 9 
fibr. Fora ging während der Behandlung in die phlegmonöse über 4; Recidiv 1; Laryngitis diphtb. 11, alle gestorben; Tracheotomirt 6, 

aüe gestorben. 


•*) Das Wesen nnd die Behandlung der Diphtherie. Prag 1882. 


1S ) Deutsche med. Wochensohr. 1882, pag. 328. Charitß- Annalen. 
1883. Wien. med. Bl. 1383, & 23. 


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unterstützt. Genau in der angegebenen Weise wurde die fauc.' et laryngis litt und schon dem Ersticken nahe war, 

Brombehandlung bei 33 Kranken durchgeführt. Ausserdem als der herbeigerufene Arzt Dr. Lange dem Kinde einen 

erhielten die Kranken noch Roborantien in Form von Eisen Theelöffel reinen Ol. Terebinth. gab und dadurch das Kind 

und Wein. vom Tode rettete. Eine weit grössere Anzahl Diphtherie* 

Die vorstehende Tabelle zeigt uns die 33 Fälle nach Form kranker hat S a 11 o w ie ) mit Ol. Tereb. behandelt; es 

und Alter geordnet und die beigefügten Bemerkungen waren im Ganzen 43 Fälle, die in tabellarischer Uebersicht 

machen uns mit den Complicationen resp. den während der zusammengestellt sind. Sie betrafen 8 Erwachsene und 35 

Behandlung eingetretenen Veränderungen bekannt. Kinder, von denen nur ein ganz schwächlicher Knabe von 

Wirsehen, dass während der Behandlung die fibrinöse 5 Jahren am 16. Krankheitstage plötzlich an Herzlähmung 
Form bei 4 Kranken in die phlegmonöse überging, 4 Mal starb. S a 11 o w hatte das Mittel nach dem Rathe von 
nahmen die fibrinösen Ausschwitzungen trotz der Brombe- Bosse in grossen Dosen gegeben d. h. Erwachsene er* 
handlung an Umfang zu. Dieses stimmt mit den Beob* hielten 2 Mal täglich zu einem Esslöffel, Kinder von einem 
achtungen der oben angeführten Autoren nicht überein und Theelöffel bis zum Dessertlöffel ebenfalls 2 Mal täglich. In 

leider können wir diesem Mittel eben so wenig wie den an- der Regel wurde bei Kindern nicht mehr verbraucht als 

deren angeführten bei der Behandlung der Diphtherie eine 15,0, bei Erwachsenen 20,0 —30,0. Nur in mehr protahirten 

besonders günstige Wirkung zusprecben. Fällen wurde mit Unterbrechung mehr verbraucht. 

_ . ., .. n , - .. ... _ Die Mortalität betrug für die Gesammtzahl 2‘/s % und 

Behandlung mit 01. Terebmthinae. Kin(Jer 6 

Das Oleum Terebinthinae wurde zuerst von Dr. Bosse 14 ) Dieses Alles ermuthigte sehr zu einem Versuche, woran 
gegen die Diphtherie vorgeschlagen. Er war durch einen sich der verstorbene Dr. Popow auch machte und über 
Zufall dazu gekommen, die günstige Wirkung des 0. T. bei deren Resultate er in einer Sitzung der Aerzte des Kinder* 
einem Dipbtheriekranken, bei dem der Process sich bis auf hospitals des Prinzen von Oldenburg Mittheilung machte, 
den Kehlkopf ausgebreitet hatte, zu beobachten und wandte Ich habe unter den Krankengeschichten 23 Fälle gefunden, 
nun das Mittel mehrere Male und immer mit gutem Er- in welchen die Behandlung mit grossen Dosen 01. Tereb. 
folge an. Er ist aber weit entfernt in seinem erwähnten systematisch durchgeführt worden ist und übergebe die- 
Aufsatze das Mittel gleichsam als Specificum anzupreisen selben der Oeffentlichkeit. Die folgende Tabelle enthält 
und bittet nur die Herren Collegen dasselbe genauer zu diese 23 Fälle in der schon bekannten Anordnung und in 
prüfen. Dieses ist nun erfolgt. Hampeln 11 ) tbeilt die den Bemerkungen finden sich die vorgekommenen Compli- 
Krankengeschichte eines Kindes mit, das an Diphtheria cationen. 

Tabelle VI: Behandlung mit 01. Terebinthinae. 

Von 2 Mal täglich zn einem Theelöffel bis 10 Tropfen stündlich. 

Spülungen des Pharynx 'mit Solutio acid. borici 3 % stündlich. 
_ Wein und Moschus. __ 

1—6 ! 6—12 1—2 2—3 3-4 4—5 5—6 6—7 7—8 8—9 9—10 10—11 11—12 12— *3 g J 

Monate i Monate Jahre ! Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre § -g 

_!_ _1 __§ | 

gjt g t ? t « t (t t ? t ?|t g t «:t S t ? t S t 5 t ? t| 


Formen 
fibrinös . . 
phlegmonös- 
septisch . . 

Gesammtzahl j — j — | — | 1 | — | 2 | — | 2 | — | 2 | - | — | l|lj2jl|5j — | 1 | — | 2 | — | — | — | — | 1 | 11—1 23 | 10 | 

Complicationen: Diphtheria lab. 1; Dipbtberia aur. dex. ext. 1; Morbilli 1; Urticaria 1; Coryza4; Bronchitis cat. 2; Pneu- 
monia lob. 4 ; Otitis med. 1; Paralysis pal. moll. 3; Paralysis cordis 1; Erbrechen 2 ; Catarrh. intest. 6; Recidiv 1; die Beläge werden 
grösser während der Behandlung 6; Albuminurie 12; keine Album. 4; Harn nicht gesammelt 7 ; Diphtheria laryng. 6, genesen 2, ge¬ 
storben 4; Tracheotomirt 2, davon einer genesen und einer gestorben. 

Die Dosis, die die Kinder erhielten, entsprach anfangs 
genau den Angaben B o s s e ’s resp. S a 11 o w ’s, doch da 
während der Behandlung weder eine günstige noch eine 
nachtheilige Wirkung constatirt werden konnte, so wnrde 
die Dosis allmälig gesteigert bis zu 10 Tropfen stündlich, 
also 240 Tropfen pro die. Da nach S a 11 o w ’s Vorschrift 
das Mittel so lange gebraucht werden sollte bis Besserung 
oder sonstige Contraindicationen auftraten, so wurde das 
Mittel in den meisten Fällen 2—3 Tage, in einigen sogar 
10 Tage lang ohne Unterbrechung gegeben. Sobald Durch¬ 
fall oder Erbrechen auftraten, wurde das Mittel natürlich 
gleich ausgesetzt. Strangurie kam kein Mal zur Beobach¬ 
tung. Die Dosis war keine kleine (20,0—30,0 im Durch¬ 
schnitt, in manchen Fällen bis 120,0). Das Resultat aber 
ein trauriges; bei der fibrinösen Form zwar nur 8,3%, bei 
der phlegmonösen aber 82 % Mortalität. 

Die fibrinöse Form ging allerdings kein Mal in die phleg¬ 
monöse über, jedoch wurde 6 Mal eine weitere Ausbreitung 
der fibrinösen Beläge während der Behandlung beobachtet. 

Vergleich der mit den verschiedenen Behandlungsmethoden 
erzielten Resultate. 

Bis jetzt haben wir nur die Resultate der einzelnen Be¬ 
handlungsmethoden einzeln betrachtet, es bleibt uns also 

M ) Berl. klin. Wochenacbr. 1880, pag. 612. 

“) Peterob. med. Wochenacbr. 1882, pag. 180. 


noch übrig diese unter einander zu vergleichen und der Fol¬ 
gerungen zu erwähnen, die sich für die Praxis ergeben. 
Am übersichtlichsten geschieht dieses in einer tabellarischen 
Zusammenstellung. 

Tabelle VII. 

Vergleich der einzelnen Behandiungemethoden. 


Methode 

der 


Sublimat. . 
Eisen . . 
Chinolin . . 
Besorcin . . 
Brom . 

01, Terebinth 

Gesammtzahl 


Fibrinöse Form 

Phlegmonös¬ 
septische Form 

2 * Ö 

© © 


+* a 

© © 

■s % 

8 3 


a 'S 
§ 2 

«J3 ® 

© © 

% 

'S s % 

« O 


M 0 

43 13 

30,2 

14 13 92,9 

43 14 

32,6 

51 39 76,5 

19 6 

31,6 

9 9 100 

10 2 

20,0 

19 17 89,5 

15 7 

48,7 

18 16 88,9 

12 1 

8,3 

11 9 81,8 

142 43 

30,3 

122 103 84,4 


g 


Aecünei man dazu nocn oz raue, tue zur 4 #eit dieser 
gleichfalls auf der Diphtherie - Abtheilung behandelt wurden, Ml 
denen aber keine der beschriebenen Methoden durchgeführt wurde 
und yon denen 18 Pat. starben, so erhält man im Ganzen 
296 Fälle, wovon 164 starben, also = 65,8%, 

<6 ) Jahrb. f. Kinderheilk. 1883. pag. 53. 


1 - 5 


I — I — I — I — I —I—fl2| lj 8,3 


-I- 1 I 1 1 I- - 


— I—1 — — 1 1 —111 9 81,8 


Alter 

Ausgang 


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63 


Diese Tabelle zeigt uns, wie die Sterblichbeit sich dei den 
verschiedenen Behandlungsmethoden und bei den verschie¬ 
denen Formen der Diphtherie ändert. Aus derselben sieht 
man, dass bei der fibrinösen Form die Mittel nach ihrer 
Wirksamkeit sich in folgender Reihenfolge verhalten: 01. 
Terebinthinae (8,3%), Resordn (20,0 %), Sublimat (30,2%), 
Chinolin(31,6%), Liq.ferrisesq. (32,6%) und Brom(46,7%). 
Für die phlegmonös-septische Form ändert sich das Ver- 
Mltniss bedeutend, denn bei dieser Form gab die besten 
Resultate das Eisen (76,5%), dann folgen das 01. Terebin¬ 
thinae (81,8%), Brom (88,9%), Resordn (89,5%), Sublimat 
(92,9%) und endlich das Chinolin mit 100% Mortalität. 

Will man sich aus diesen Zahlen eine Schlussfolgerung 
für die Praxis erlauben, so folgt daraus, dass die fibrinösen 
Formen mit 01. Terebinthinae, die phlegmonös-septischen 
mit Eisen zu behandeln sind. 

So schlecht die erreichten Resultate auch sein mögen, 
von einem konnten wir uns aber überzeugen, nämlich, dass 
die Irrigationen des Pharynx mit einem Irrigationsspatel 
jedenfalls alles leisten, was man von ihnen verlangen kann, 
denn vermittelst derselben erreicht man schnell das, was 
von Jürgensen auf dem II. Congress für innere Me- 
dicin in Wiesbaden, während der Discussion über die Diph¬ 
therie-Therapie, besonders betont wurde, man schafft zu¬ 
nächst «allen Schmutz heraus.» Erwärmt man noch die 
dazu benutzte Flüssigkeit, so erreicht man seinen Zweck 
noch schneller. 

Es wäre gewiss noch interessant den Mortalitätsprocent- 
Batz jeder einzelnen Behandlungsmethode für beide Formen 
zusammen zu berechnen und die gefundenen Zahlen unter 
einander zu vergleichen, doch dazu muss man sich eine be¬ 
sondere Tabelle entwerfen. Denn die Anzahl der Fälle 
überhaupt, besondere aber die Anzahl von jeder Form ist 
bei den verschiedenen Behandlungsmethoden eine ganz ver¬ 
schiedene gewesen. So kommen z. B. beim Chinolin auf 
19 fibrinöse blos 9 pblegmonös-sept. Fälle, während beim 
Resordn auf 10 fibrinöse 19 phlegmonös-septische kommen. 
Es können daraus die Wirkungsweisen der Mittel nur 
für jede einzelne Form unter einander verglichen werden, 
was schon oben geschehen ist, nicht aber für beide Formen 
zusammen. Um letzteres thun zu können, muss man sich 
eine Tabelle berechnen, wo das Verhältniss der Anzahl der 
fibrinösen zur Anzahl der phlegmonös-sept. Fälle bei allen 
Behandlungsmethoden dasselbe bleibt. 

Bei meinem Material verhält sich die Anzahl aller fibri¬ 
nösen Fälle zur Anzahl aller phlegmonös-septischen wie 142 
zu 122 oder, um kleinere Zahlen zu haben, wie 71 zu 61. 
Nehmen wir jetzt, in der zu berechnenden Tabelle, für jede 
Behandlungsmethode 71 fibrinöse Fälle und 61 phlegmo¬ 
nös-septische Fälle an, so wird das Verhältniss zwischen 
der Anzahl der einen Form zur Anzahl der anderen Form 
bei jeder Behandlungsmethode dasselbe bleiben und ferner 
ist dieses Verhältniss 71: 61 kein beliebig aus der Luft ge¬ 
griffenes, sondern entspricht vollkommen den Zahlen, wie 
ich sie bei meinem Material gefunden habe. 

Tabelle VIII. 


Methode 

der 

jBehandlang 

! Fibrinöse Form 

Phlegmonös¬ 
septische Form 

| Gesammtzahl 

Behandelt 

Gestorben 

% 

Behandelt 

Gestorben 

% 

Behandelt 

Gestorben 

% 

8gjMbnat. . . 

71 

21,4 

30,2 

61 

56,7 

92,9 

132 

78,1 

59.2 

• - • • 

71 

23,1 

32,6 

61 

46,7 

76,5 

132 

69,8 

52,9 

(Aiaolin . . . 

71 

22,4 

31,6 

61 

61,0 

100 

132 

83,4 

63,2 


71 

14,2 

20,0 

61 

54,6 

89,5 

132 

68,8 

52,1 

* • 

71 

33,3 

46,7 

61 

54,9 

88,9 

132 

87,5 

66,3 

ÜfcTwebmth. 

71 

5,9 

8,3 

61 

49,9 

81,8 

132 

55,8 

42,3 

In der vorstehenden 

Tabe 

le ist dieses Verhäl 

tniss ange- 


nommen. Der Procentsatz der Sterblichkeit in den beiden 
ersten Rubriken ist der vorhergehenden Tabelle entnom¬ 


men und die Anzahl der Todten aus den beiden gegebenen 
Grössen berechnet. In der 3. Rubrik sind die Zahlen beider 
Formen zusammengezäblt und ebenso die von beiden For¬ 
men Verstorbenen und aus diesen beiden Zahlen endlich 
der Procentsatz für die Sterblichkeit der beiden Formen 
zusammen für jede einzelne Behandlungsmethode berechnet. 

Vergleicht man die Mortalitätsprocente der 3. Rubrik der 
Tabelle VIII mit denen der Tabelle VII, so fällt einem der 
Unterschied sofort auf. Während nach der einen Tabelle 
das Resorcin die zweitgünstigste Mortalität 52,1% auf¬ 
weist, so steigt die Mortalität in der anderen Tabelle auf 
65,5%. 

Ich bin mir natürlich dessen bewusst, dass diese berech¬ 
nete Tabelle in sofern nur einen relativen Werth hat, als 
dieselbe nur für mein Material bestimmt ist, denn sobald 
das Verhältniss zwischen der Anzahl der fibrinösen und der 
Anzahl der phlegmonös-septischen sich ändert, so wird die 
berechnete Tabelle ganz andere Resultate aufweisen müssen. 

Nochmals muss ich betonen, dass aus meinen Mortalitäts- 
procenten man sich kein JJrtheil über die Bösartigkeit der 
damaligen Diphtherie - Epidemie in Petersburg erlauben 
darf, denn aus den schon gleich am Anfang angeführten 
Gründen hatte ich es meistens nur mit den allerechwersten 
Fällen zu thun. (Schloss folgt.) 


MagenausspOlung bei Ileus. 

Gasuistischer Beitrag 
Von 

Dr. R. Peters. 


Da die Zahl der Fälle, in denen seit der Eussmanl- 
sehen Publication die Magenausspülungen bei Miserere me¬ 
thodisch geübt wurden, im Ganzen relat klein ist, erlaube 
ich mir folgenden casuistischen Beitrag zu liefern. 

H. L. Schuldiener 50 J. alt, hagerer Mann, leidet seit 
wenigstens 10 Jahren an chronischen Durchfällen. Vor 7 
Jahren ist er zum ersten Mal plötzlich 2—3 Tage hindurch 
verstopft gewesen; das zweite Mal vor 5 Jahren, ebenfalls 
2 Tage lang. Beide Male ist die Verstopfung von selbst 
vergangen um den Durchfällen, wie Pat sie immer hat, 
Platz zu machen. 

Jetzt, im December 1884, hat sich zum 3. Male Consti- 
pation eingestellt. Dieselbe ist diesmal hartnäckiger und 
wollte bisher keinem der Abführmittel weichen, die Pat. 
theils auf ärztliche Verordnung, theils aus eigenem Antriebe 
und zwar in gehörigen Dosen, eingenommen hat. So z. B. 
an einem Tage Gastoröl für 60 Kop.; am nächsten Tage 
'/* Fl. Bitterwasser + 1 Fl. Limon. purgative + Wiener 
Tränkchen für 20 Kop.; u. s. w. 

St. praes. 13. December 1884 Das Gesicht verfallen. 
Seit 6 Tagen kein Stuhl mehr, seit 3 Tagen Erbrechen, wel¬ 
ches immer häufiger und quälender wird und seit gestern 
Koth enthalten soll. Auch in meiner Gegenwart werden 
dünne bräunliche faeculente Massen ausgeworfen. Der Leib 
stark aufgetrieben. Unter dem Nabel, namentlich rechts, 
Dämpfung; im Verlauf des Col. transvers und in der linken 
Hypogastriumgegend tympanitischer Schall, gleich über dem 
linken P o u p a r t’schen Bande Schmerzhaftigkeit. Ordina¬ 
tion: Sistiren der Abführmittel. Morphium. Hohes Clysma 
in Knieellenbogenlage. 

Der 1,10 Met. lange Nelaton geht ganz hinein, ohne auf 
ein Hinderniss zu stosBen. 

14. Dec. Kein Stuhl; fortdauerndes Erbrechen faeculen- 

ter Massen. Ordinatjjßn: Magenausspülung (über 9 Lit. 
Wasser), Opium. Erbrechen hat aufgehört. Pat 

verlangt zu essen,/füWfeSjch ungemein erleichtert. 

15. Dec. Moffgoßföt Kein Stuhl. Wieder Uebelkeit, 
Aufstossen; kein Efbfsechen. Magenausspülung. 

3 Uhr Mittags: jjebelkeit verschwunden. Wieder hat 
sich Appetit eingestellt. 

4 Uhr Mittags: Zum ersten Male nach 8 Tagen hat sich 

8 


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64 


ein Stuhlgang eingestellt, klein, aus breiigen Faecalmassen j 
bestehend. 

16. Dec. Am Morgen: Grosser Stnhl mit grösseren 
braun gefärbten Faecalmassen. Leib weich. Dämpfung 
geringer. Empfindlichkeit ebenfalls bedeutend geringer. 
Der Appetit wird immer stärker, die Kräfte haben sich ge* 
hoben. 

In der folgenden Zeit vom 16. bis zum 24. Dec. tritt Pat. 
in volle Reconvalescenz. Der Appetit ist kaum mehr in 
Schranken zu halten. Der Stuhl wieder wie früher, dünn¬ 
breiig, 4—6 Mal täglich. Die Kräfte bessern sich zusehends. 
Pat. geht herum. 

Da, am 24. Dec., ändert sich plötzlich das Bild. Es stellt 
sich ein Schüttelforst mit darauffolgendem profusem Schweiss 
ein. Heftiger Durchfall. Temp. 37,3. 

25. Dec. Wieder Schüttelfrost mit folgendem Schweiss 
mehrere Male am Tage sich wiederholend, ln der Zwi¬ 
schenzeit normale Temp. Grosse Schwäche. Durchfall 
auf Opium besser. 

26. Dec. Die Schüttelfröste kommen immer häufiger. 
Mittags plötzlich Hemiplegia dextra und Aphasie bei nur 

wenig getrübtem Bewusstsein. Die Hemiplegie ist transito¬ 
risch und macht zum Abend einer Hemiparese Platz. Die 
Aphasie hat sich ebenfalls verändert. Es ist mehr die Un¬ 
möglichkeit einzelne Worte, namentlich russische, auszu¬ 
sprechen vorhanden, während Pat. die lettische Mutter¬ 
sprache ziemlich verständlich reden soll. Das Bewusstsein 
vollständig wiedergekehrt. 

27. Dec. Erneute Schüttelfröste, Pat wird soporös. 
Aufgerüttelt, klagt er über Kopfschmerz. 

28. Dec. Unruhe, Jactation. Dazwischen soporöser 
Zustand. Kräfte sinken immer mehr. 

29. Dec. Cheyne-Stokes’sches Athmen. Schüttelfrost. 
Volle Bewusstlosigkeit. 

2 Uhr Mittags: Tod. 

Da ich keine Möglichkeit hatte die Section zu machen so 
sind es nur Vermuthungen die ich Uber das Zustandekom¬ 
men des Gesammtkrankheitsbildes haben kann. Vermu¬ 
thungen, die sich jedoch ganz gut durch den intravitalen 
Befund stützen lassen. Danach wäre der Process etwa fol¬ 
gender gewesen: 

Pat leidet seit langer Zeit an Darmgeschwüren. Ihr Sitz 
ist wahrscheinlich, im Hinblick auf die Passirbarkeit des 
grössten Theils des Dickdarms, entweder in den oberen Ab¬ 
schnitten des Dick- oder in den unteren Abschnitten des 
Dünndarms. 

An den geschwürigen Stellen muss sich mit der Zeit eine 
Verdickung und Verengerung des Darmrohres gebildet ha¬ 
ben. Von Zeit zu Zeit stellte sich eine acute und complete 
Stenosirung des Lumens ein, vielleicht bedingt durch me¬ 
chanischen Verschluss, vielleicht und wahrscheinlich aber 
durch spastische Contractionen, die nach stärkerer Reizung 
der geschwürigen Partien durch irgend welche Ingesta auf- 
treten. Das letzte Mal ist diese Stenose durch die perma¬ 
nente Darreichung der Abführmittel noch gesteigert und 
unterhalten worden. Für die Auffassung, dass die Darm- 
occlusion mehr nervöser Natur war, und nicht auf mecha¬ 
nische Verhältnisse zurückzuführen, spricht der Erfolg der 
Therapie mit.Narcoticis und die Abwesenheit in den Faeces 
von harten bröcklichen sehr alten Kothmassen und anderer 
fester Elemente. An diese GeschwürBbildung und durch 
Resorption fauliger Massen von Seiten der Ulcera be¬ 
dingt, schloss sich die später folgende Pyaemie mit Throm¬ 
benbildung, zunächst im Venensystem des Unterleibes und 
nachfolgender Embolie ins Gehirnv- Und zwar muss der 
Embolus in Hinblick auf die klifiöiÄen Symptome in die 
linke Gehirnhälfte und in eine grösst Arterie gelangt sein, 
die nicht blos die Broca'sche StfrflWindung sondern auch 
zugleich den motorischen Bezirk )9 dÜiKlentsprechenden Ge¬ 
hirnhälfte versorgt. Wahrscheinlich ^ar es, wie so häufig, 
die linke Art. fossae Sylvii, denn diese nährt ja gleichzeitig 
die grossen Ganglien, Streifenhügel, Linsenkern etc., und 


späterhin als Art. front, ext. infer. und Art. pariet ant. 
die 3. Stirn- und vordere Centralwindung. Dass die He¬ 
miplegie transitorisch war, spricht ebenfalls für den Sitz 
des Embolus in einem grösseren Aste. Wäre er bis in die 
feinen Endarterien gedirangen, so hätte sich keine theil- 
weise Reparation, wegen Mangels genügender Collateral- 
bahnen einstellen können. 

Was speciell den Erfolg der Magenausspülungen anbe¬ 
trifft, so war derselbe ein in die Augeq springender. Nicht 
dass ich denselben die Wiederherstellung der Passirbarkeit 
des Darmes zuzuschreiben geneigt wäre: ich will nur den 
palliativen, allerdings sehr bedeutenden Nutzen, den sie 
brachte, betonen. Das Erbrechen resp. Aufstossen sistirte 
nach der jedesmaligen Einführung der (weichen) Sonde so¬ 
fort und für längere Zeit. Der Appetit kehrte wieder. Die 
Spannung im Unterleibe wurde bedeutend geringer und das 
subjective Befinden besserte sich schon 1 nach dem ersten 
Male derart, dass der Pat selber die Wiederholung der 
keineswegs angenehmen Procedur wünschte. 

Diese wohlthätige Wirkung war wohl darauf zurückzu¬ 
führen, dass nicht blos der Magen sondern auch ein Theil 
des Dünndarmes seines Inhaltes sich entledigten. Dafür 
sprach auch das Aussehen des ausfliessenden Wassers. Das¬ 
selbe enthielt zuerst Schleim, Milchcoagula, Bröckchen Bro- 
des, sodann nahm es eine schmutzigbräunliche, stinckende 
Beschaffenheit an um zum Schluss der Sitzung fast klar 
abzufliessen. 


Referate. 

Die Cholera-Bacillen. 

Acten-Referat von Dr. M. Schmidt — San Remo. 

Vom 2. Febr. 1884 ist der VI. Bericht der deutschen Cholera-Com¬ 
mission datirt, in welchem Geheimrath Koch den aetiologischen 
Zusammenhang «wischen dem von ihm gefundenen kommaförmigen 
Bacillus und der Cholera mit Toller Sicherheit behauptet; in der 
Conferenz zur Erörterung der Cholerafrage, welche am 28. und 29. 
Juli 1884 im Kais. Deutschen Gesundheitsamt tagte und an 
welcher die hervorragendsten Vertreter der Medicin der Reichs - 
hauptstadt theiln a h m en, führte er den Beweis für seine Behauptung 
durch Darlegung des ganzen Ganges der Untersuchungen, durch 
Vorlegung von Präparaten und Culturen. und gab durch seine Aus¬ 
führungen den vom Deutschen Reich geplanten Maassregeln zur Ab¬ 
wehr der in Frankreich und Italien herrschenden Cholera ihre Di- 
rection. Die von ihm gefundenen Thatsachen sind folgende: In den 
Choleradejectionen findet man zu Beginn, so lange sie noch faeculent 
sind, nur wenig, später wenn sie flüssig und reiswasserähnlich wer¬ 
den, sehr viele Mikroorganismen, die etwa halb bis 3 /a so gross sind 
als die Tuberkelbacillen, x viel plumper und dicker gestaltet und in 
der Mehrzrhl der Fälle eine leichte Krümmung besitzen, woher der 
Name derselben: Kommabacillen. In späteren Stadien der Krank¬ 
heit, wenn die Oberfläche des Darmes in Verschwärung übergegan¬ 
gen, und der Darminhalt jauchig geworden ist, wenn also der eigent¬ 
liche Choleraprocess vorüber ist, und nur noch die Folgezustände 
besteben, verschwinden sie, während sie auf der Höhe der Krank¬ 
heit, in foudroyanten Fällen, die schnell zum Tode führen, beinahe 
eine Reincultur im Dünndarm bilden. Im Darminhalt bei anderen 
Krankheiten wie Typhus, Dysenterie, Diarrhoen aller Art finden sich 
diese Organismen nicht, auch nicht in Entleerungen bei Cholera 
nostras; in einem solchen Fall von Cholera nostras, der letal endete, 
hat Koch auch in der Leiche keine Kommabacillen finden können, 
während er sie in jedem Falle von Cholera asiatica nachgewiesen 
hat. In vielen Fällen findet man diese Bacillen auch in der Darm¬ 
wand, in den schlauchförmigen Drüsen oder zwischen Epithel und 
Basalmembran. In Fleischbrühe wachsen die Bacillen sehr schnell 
und reichlich, zeigen eine grosse Beweglichkeit. Ferner wachsen 
sie in Milch, ohne selbe zum Gerinnen zu bringen oder das Casein zu 
fällen, in Blutserum und Nährgelatine. Die einzelnen Kommas le¬ 
gen sich in den Culturen oft an einander an, so dass Sförmige Fi¬ 
guren entstehen, oder sie wachsen zu langen Fäden aus, und bilden 
dann zierliche lange Schrauben, welche nach Grösse und Aussehen 
die grösste Aehnlichkeit mit Recurrens-Spirochaeten haben. Koch 
sagt, er würde sie beide nicht von einander unterscheiden können, 
wenn er sie nebeneinander hätte, und glaubt, dieser Entwicklungs¬ 
form wegen sei der Kommabacillus gar kein echter Bacillus, sondern 
eine Uebergangsform zwischen Bacillus und Spirille. Vielleicht so¬ 
gar hätte man es mit einem echten Spirillum zu thun. Das Wachsen 
der Bacillen auf festen Nähr medien, besonders auf Nährgelatine, hat 
sehr prägnante Eigentümlichkeiten, durch welche dieselben sich 
von Colonien anderer Mikroorganismen in ganz bestimmter Weise 
unterscheiden. Am besten wachsen sie bei 30°—40° C., doch hört 
das Wachsthum erst unter 17° C. auf. Niedrigere Temperaturen 


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65 


heben die Entwicklungsfähigkeit nicht anf, wie ein Versuch lehrte, 
bei dem die Bacillen eine Stunde lang einer Temperatur von — 10° 
C. ausgesetzt wurden, und später in ihren Wachsthumsverhältnissen 
nicht den mindesten Unterschied erkennen Hessen. Luft, speciell 
Sauerstoff, brauchen sie aber zu ihrem Wachsthum. Sie wachsen 
sehr schnell, erreichen in einigen Tagen so zu sagen ihren Höhe- 
punct und sterben dann ab, — im Darm ist ihr Verhalten ja auch 
ähnlich. Die Nährflüssigkeiten dürfen nicht zu verdünnt sein, und 
die Fleischbrühe und die Nährgelatine dürfen nicht sauer reagiren, 
sonst findet gar kein Wachsthum statt. Dagegen wuchern die Ba¬ 
cillen auf der Schnittfläche von gekochten Kartoffeln, die auch sauer 
reagirt, vortrefflich, es sind also nicht alle Säuren dem Wachsthum 
hinderlich. Von den Mitteln, welche die Entwickelung der Bacillen 
hemmen, sei nur das Sublimat erwähnt, welches sich auch ihnen ge¬ 
genüber als die stärkst wirkende Substanz bewährt, indem eine Lö¬ 
sung von 1: 100,000 die Entwickelung aufhebt. Das Eintrocknen 
ist ferner den Bacillen schädlich, sie können in trockenem Zustande 
nicht länger als eine Stunde persistiren, ohne abzusterben. Damit 
hängt zusammen, dass es K o c h auf keine Weise gelungen ist, ir¬ 
gend einen Dauerzustand der Bacillen nachzuweisen, und er weist 
darauf hin, dass von Spirillen überhaupt noch keine Dauerzustände 
bekannt sind. Thierversuche waren bis dahin noch nicht geglückt 
und es brauchte weniger Gewicht darauf gelegt zu werden, weil es 
bisher von keiner Thierspecies bekannt ist, dass sie spontan an Cho¬ 
lera erkranken könne. Sehr beweisend sind für Koch aber die 
Thatsachen, dass so oft Personen erkranken die mit Cholerawäsche 
zu thun haben, weil die schleimigen Dejectionen, welche diese 
Wäsche bedecken, nach 1—2 Tagen förmliche Beinculturen der Ba¬ 
cillen darstellen. Ausserhalb des menschlichen Körpers hat Koch 
die Bacillen nachgewiesen in einem Teich, in dessen nächster Um¬ 
gebung Cholera herrschte. Die Menge der Bacillen stand im gera¬ 
den Verhältnisse zur Intensität der Krankheit rings umher. Da die 
Bacillen nur im Darm Vorkommen, nicht einmal in den Mesenterial¬ 
drüsen, so muss man annehmen, dass Producte ihres Stoffwechsels 
das krankmachende und tödtende Agens sind. In schnellverlaufen¬ 
den Fällen findet man also nur sehr geringfügige Veränderungen im 
Darm. Zieht der Process sich aber in die Länge, so kommen die 
Folgeerscheinungen der Nekrotisirung des Darmepithels, die Blut- 
austritte und das Faulen des Darminhalts in den Vordergrund, und 
es bildet sich eine ganz andere Krankheit, das Cholera typhoid. — 
Die häufigste Verbreitungsart ist nach Koch diejenige durch das 
Wasser, sonst auch noch durch Vermittelung feuchter Substanzen 
der verschiedensten Art. In trockenem Zustande könnte der Keim 
nicht verschleppt werden, und bisher sind noch keine Fälle bekannt, 
dass Cholera durch Waaren, Briefe, Postsendungen etc. verschleppt 
wäre; immer benutzte sie Menschen zur Weiterverbreitung. In 
reinem Wasser könnte der Bacillus nicht wachsen, weil es ihm da an 
Nährstoffen fehlt, aber wo einigermaassen stagnirendes Gewässer ist 
mit reichlichen pflanzlichen und thierischen Abfallstoffen, da sind 
die Bedingungen für das Wachsthum gegeben, und ebenso verhält 
es sich mit den Feuchtigkeits- und Nährverhältnissen, die der Boden 
bietet. Endemisch ist die Cholera im Ganges-Delta, von dort wird 
der Keim weiter verschleppt. Die Wasserversorgung von Calcutta 
war früher eine sehr schlechte, das Wasser wurde kleinen Teichen 
entnommen, die gleichzeitig Sammelbassins für allen möglichen Un¬ 
rath waren. Seit 1870 bekommt die Stadt durch eine Wasserlei¬ 
tung gut filtrirte8 Flusswasser, und mit einem Schlage sank die 
Cholerasterblichkeit um 66 % des früheren Durchschnittes. Die Ca- 
nalisatiop, welche schon viel früher begonnen wurde, hat keinen 
Einflnss auf die Cholera gehabt. Noch prägnanter beobachtet man 
dieselbe Wahrnehmung am Fort William, das inmitten Calcuttas 
liegt und als Choleranest berüchtigt war. Seit Anfang der 60er 
Jahre schaffte man besseres Wasser für die Besatzung, und seitdem 
nahm die Cholera erheblich ab; seit 1870 ist die Wasserleitung auch 
dorthin geführt, und von da ab ist die Cholera aus dem Fort ver¬ 
schwunden. Canalisirt worden ist es nicht, es sind also alle Ver¬ 
hältnisse die gleichen geblieben, mit Ausnahme des Trinkwassers. 
Den Hauptnutzen der Entdeckung des Cholerabacillus sieht Koch 
in der Möglichkeit, jetzt schnell die Diagnose stellen und einen ini¬ 
tialen Fall schnell isoüren zu können. Ferner wird die Thatsache, 
dass durch Trocknen der Infectionsstoff zerstört wird, uns abhalten 
Millionen in Gestalt von Desinfectionsmitteln in die Binnsteine und 
Abtritte zu werfen. 

Der Erste, welcher sich zu dieser Frage'äusserte, war kein ande¬ 
rer, alsPettenkofer, der mit vollster Entschiedenheit an sei¬ 
nem localistischen Standpunct festhält. Der Entdeckung des Ba¬ 
cillus lässt er ihr volles Becht widerfahren, er stellt K o c h als Bac- 
terienforscher, der bahnbrechend gewirkt habe, sehr hoch, verwahrt 
sich aber mit aller Entschiedenheit und mit glänzenden Waffen ge¬ 
gen die contagionistischen Schlüsse, die aus derselben gezogen wer¬ 
den. Das Ens morbi sei nun gefunden, das zunächst zu findende 
seien die Formen oder Eigenschaften, welche dieses Ens, der Ba¬ 
cillus, unter für ihn günstigen Bedingungen des Ortes und der Zeit 
annehme, um dann erst dem Menschen gefährlich zu werden. An 
und für sich sei er, ebenso wie die Choleradejectionen, unschädlich. 
In langer Beihe führt er alle Erfahrungen an, die für seine localisti- 
sche Anschauung sprechen, erkennt keine Contagion auf Schiffen an, 
sondern behauptet, immer hätte Infection aller Erkrankten am Lande 
stattgefunden, und meint hypothetisch, dass vielleicht in seltenen 
Ausnahmsfällen das inficirende Agens — der Dauerzustand des Ba- 


| cillus, oder wie man es nennen will — mit an Bord gekommen sei 
und unterwegs die Mannschaft inficirt habe. Koch’s Beispiel be 
treffs Fort William in Calcutta sucht er zu entkräften, da die Was¬ 
serleitung erst 1873 hingekommen sei, die Cholera aber schon 1863 
angefangen habe abzunehmen. Diese Angaben, ebenso diePetten- 
k o f e r ’sche Behauptung, die Abnahme der Cholera im Fort William 
sei von der mittlerweile eingerichteten Drainage abhängig, werden 
von A. C. C. D e B e n z y: The extinction of Cholera-epidemies in 
Fort William, Lancet 1884, Jft XXIV zurückgewiesen, der genauer 
Kenner der indischen Verhältnisse ist, und angiebt, Fort William 
könne gar nicht drainirt werden, weil es nur 1 Fuss über dem mitt¬ 
leren Wasserspiegel des Hughli liegt; die Umgebung ist auch jetzt 
noch oft ein Morast. Die Wasserleitung ist allerdings erst 1873 
hingekommen, aber schon 1865 war dort ein neues System von Ver¬ 
sorgung mit filtrirtem Wasser fertig gewesen. Er kennt alle Sta¬ 
tionen in Indien, und sagt, eine Cholerapidemie habe sich nirgend 
dort gezeigt, wo die Wasserversorgung eine einigermaassen gute 
war, dagegen sei allen Cholera-Plätzen schlechtes Wasser gemein¬ 
sam. In vielen indischen Stationen beträgt die Choleramortalität 
der englischen Truppen 70°/oo, ja 100°/oo, in Fort William sei sie seit 
den 18 Jahren auf 12,35 °/oo herabgegangen. Gerade der Fall des 
Fort William scheint ihm wichtig genug, um die Einsetzung einer 
gemischten Commission zur unbefangenen Prüfung desselben zu be¬ 
antragen. 

Wären die Bacillen in den Stühlen das Ansteckende, sagt P e t - 
tenkofer,so müssten Aerzte und Wärter vor Allem inficirt wer¬ 
den, was nicht der Fall, wenn nicht im Hospital selbst eine Haus¬ 
epidemie herrscht. Die erfahrungsmässige Gefährlichkeit der Cho: 
lerawäsche sieht Pettenkofer nicht in dem Umstande, dass sie 
von Cholerakranken, sondern dass sie von einer Choleralocalität her¬ 
stammt ! Dieser Punct der Pettenkofer 'sehen Beweisführung 
ist schwach, ihm steht die Erwägung gegenüber, dass die Fälle ex¬ 
trem selten sind, in denen durch gesunde Personen, respective deren 
Kleider und Wäsche, Dritte an immunen Orten inficirt sind, während 
die mit Cholera Wäsche beschäftigten Personen sehr gefährdet sind. 
Und ist das einzig Bestimmende die Localität, so muss reine Wäsche 
ans Choleraorten, die von Flüchtlingen überall hingeführt wird, 
ebenso iuficirend wirken können. 

Als die Wogen der Discussion höher gingen, hat sich Patten- 
k o f e r am 15. Oct. 1884 in der Sitzung des ärztlichen Vereins zu 
München, erboten, eine von Koch selbst bereitete Beincultur von 
Kommabacillen «mit grösster Herzensruhe» auszntnnken, voraus¬ 
gesetzt, dass am Ort des Experiments keine örtliche oder zeitliche 
Disposition für Cholera herrsche. 

In Indien hat dann Dr. C a r t e r in Bombay nach Koch 'scher 
Methode aus frischen Choleradejectionen den Bacillus dargestellt und 
demonstrirt, Dr. W e i s s in Bombay hat in von Cholerakranken 
benutztem Brunnenwasser «Bacterien» gefunden, und Dr. B a 1 f our 
hat von diesem Wasser mit negativem Erfolge getrunken. Er hat 
also die zweifelhafte Ehre, als Erster dieses gar nichts beweisende 
Experiment an sich gemacht zu haben. Der Zweite ist das Mitglied 
der englischen Cholera-Commission Dr. K1 e i n, welcher in Bom¬ 
bay Culturen von Cholerabacillus verzehrt hat, welche That in einem 
Telegramm der Times gemeldet wurde. Oh es wirklich Choleraba¬ 
cillen gewesen, welche von Beiden getrunken wurden, ist freilich 
auch nicht sicher. Zur englischen Commission gehörte ausser Dr. 
Klein noch Dr. Heneage Gibbes, die Herren haben ihren 
Bericht bereits erstattet, und ihre Angaben lauten dahin, dass die 
Kommabacillen eine wohlcharakterisirte Art von Fäulnissbacterien 
sind, die auch in einer Menge anderer Krankheiten ausser bei der 
Cholera Vorkommen. Sie sind nur im Darmlumen zu finden nicht 
in der Darm wand, und ebenso wenig in einem inneren Organ. Im¬ 
pfungen und Fütterungen sowohl mit Dejectionen, als auch mit 
Beinculturen blieben vollkommen erfolglos; Wasser, welches Cho¬ 
lerahäuser versorgte, enthielt keine Bacillen, dagegen haben sie 
in Wasser, welches gesunde Häuser versorgte, Kommabacillen ge¬ 
funden. Aus der einen Angabe schon, dass die Kommabacillen in 
ihren Culturen bei den Züchtungsversuchen sich von Fäulnissbac¬ 
terien in nichts unterscheiden sollen, kann man entnehmen dass die 
Herren nicht competent in diesen Fragen sind, da das Verhalten der 
Kommas auf Nährmedien ein ganz charakteristisches ist. 

(Schluss folgt). 

Lürmann (Bremen): Eine Icterusepidemie. rBeri u 

Wochenschr. 1885, 2). ‘ 

Die Arbeit ist in aetiologischer Beziehung hochinteressant * die 
bisher bekannten Icterusepidemien werden meist zurückgetühit auf 
einen miasmatischen Ursprung oder auf Ursachen, welche überall im 
Stande sind, Gastroduodenalkatarrh zu erzeugen. Nur Fröhlich 
(Arch. f. kl. M., 24. Bd.) schildert unter 30 Fällen einen, der auf 
ihn den Eindruck einer Infectionskrankheit machte. L. beobachtete 
von October 1883 bis April 1884 eine Icterusepidemie beim Perso¬ 
nale der Schiffbaugesellschaft «Weser», die auf sandigem Boden er¬ 
baut, selbst bei höchstem Wasserstande nicht inundirt ward. Mit 
Phosphor wird nicht gearbeitet. Auch war früher noch nie eine Ic¬ 
terusepidemie aufgetreten. Von 12 bis 1500 Beschäftigten erkrank¬ 
ten im October einzelne, bis Ende November 33, im December wei¬ 
tere 137, denen sich im Januar 14, Februar und März 5 und April 
2 hinzugesellten; in Summa 191. Die Erkrankungen betrafen sowohl 
Arbeiter als Techniker, Beamte etc. In allen Fällen war eine mehr 


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66 


oder minder beträchtliche Auftreibung des Epigastrinms vorhanden, 
welches auf Druck sehr empfindlich war. Die Leber war nie deut¬ 
lich vergrößert, auch eine Vergrösserung der Gallenblase konnte 
nicht nachgewiesen werden. Der Verlauf war afebril, in einzelnen 
Fällen deutliche Puls Verlangsamung. Nur in einem Falle trat Cho- 
laemie ein, mit nachfolgendem Hydrops ascites und Anasarca; auch 
dieser genas nach fünfmonatlicher Krankheitsdauer. Die meisten 
hatten 4—6 Wochen an dem Leiden zu laboriren, nur Etliche länger 
als 6 Wochen krank; die Letzteren zeichneten sich durch tiefgelb¬ 
grünes Colorit der Hautdecken und Conjunctiven aus, verbunden 
mit hochgradiger Abmagerung und Kräfteverfall. — Die Fabrik 
liegt hoch mit kräftiger natürlicher Ventilation, auch sind keine 
Veränderungen des Terrains vorgekommen , atmosphärische und 
miasmatische Einflüsse sind daher ausgeschlossen. Die Ernährung 
war stets gehörig und regelrecht, auch ist in den Familien der Er¬ 
krankten kein Icterusfall, Weib und Kinder betreffend, vorgekom¬ 
men, das Trinkwasser endlich ist im Monat August und December 
untersucht, als gut bezeichnet worden; viele der Erkrankten haben 
übrigens nie Trinkwasser aus dem Fabriksbrunnen resp. Wasser¬ 
tonnen genossen« Doch ist eines anderen Umstandes zu gedenken. 
Es wurden nämlich am 13. August wegen vereinzelter Pockenfälle 
im Etablissement sämmtHche Angestellten revaccinirt . Die Im¬ 
pfung fand in 3 getrennten Localitäten durch 6 Aerzte statt und 
zwar mit humanisirter Glycerinlymphe, bezogen von einem Bremer 
Apotheker, der sie von dritter Hand erhalten. Nach jeder vorge- 
gommenen Impfung wurde die Impflanzette mittelst 1 % Carbollö- 
lösung gereinigt. 87 Angestellte Hessen sich von anderen Aerzten 
und mit anderer Lymphe impfen. Von diesen erkrankte Keiner. 
Ebenso blieben diejenigen, welche vor dem Impftermin (13. August 
bis 1. September) die Anstalt verliessen, gesund, sowie auch die¬ 
jenigen (ca. 500), welche nach dem Termin neu augestellt, also nicht 
revaccinirt wurden. Hingegen sind 9 Erkrankungen constatirt bei 
Arbeitern, welche mehr oder minder kurz nach erfolgter Revaccina- 
tion die Fabrik verliessen, oder kurz vor dem Impftermin als Ar¬ 
beiter angestellt wurden. Die Epidemie ist demnach als eine Infec- 
tionskrankkeit aufzufassen, deren Noxe nach dem Angeführten ört¬ 
lich (zwei benachbarte Etablissements boten keinen Fall von Icte¬ 
rus dar) und zeitHch scharf begrenzt, unter sehr verschieden langer 
Incubationszeit die Epidemie hervorrief. (Bei dem jedenfalls sehr 
interessanten und klar detailHrten Aufsatz ist die überaus lange In¬ 
cubationszeit — von 5 und sogar 8 Monaten — etwas suspect. 
Leider wurden auch die Fäces nicht mikroskopisch untersucht. Bef.). 

Dr. H e r t z k a—Karlsbad. 

S. L e b e d e w : Ueber den Mineral-Hunger. (Wratsch 2). 

Unter der Leitung des Prof. Paschutin hat Vf. eine Reih© 
von Fütterungsversuchen angestellt, welchen Einfluss eine möglichst 
von mineralischen Salzen befreite Nahrung auf den Organismus aus¬ 
übe. Zu diesem Zwecke wurde Pferdefleisch, wiederholt ausge¬ 
kocht, verabreicht, doch wollten die Hunde es nicht gemessen 
und wenn es mit Gewalt beigebracht wurde, traten Durchfall und 
Erbrechen ein, so dass bei weiteren Versuchen doch etwas Bouillon 
zugesetzt werden musste. Ein Versuch ist dadurch von besonderem 
Interesse, dasa bei dem Hunde am 11. Tage untrügliche Zeichen 
scorbutischer Affection der Gaumen und Bachen wand auftraten. 

Vf. kommt zu folgenden Schlüssen : 1) Die ganze Frage vom Mi¬ 
neralhunger muss von Neuem umgearbeitet werden und vor Allem 
muss die Frage von der Verdaulichkeit einer von Salzen vöüig be¬ 
freiten Nahrung entschieden werden. 2) Zerkleinertes und ausge¬ 
kochtes Fleisch ist verdaulicher, als rohes, da es relativ weniger 
Wasser und mehr Stickstoffbest&ndtheile enthält, jedoch nur wenn 
gleichzeitig Bouillon genossen wird. 3) Die UnVerdaulichkeit aus¬ 
gekochten Fleisches ist nur durch Mangel an Salzen und Extrac- 
tivstoffen bedingt. P. 

Herrmann Mauk (Tübingen): Ein neues Mutterkorn- 
Präparat. Extractum secalis cornuti D e u z e 1. (Med. 

Corr.-Blatt des Württ. ärztl. Landesvereines 1884, 41). 

Das neue Extract soll alle wirksamen Bestandtheile des Mutter¬ 
korns enthalten, ohne die bekannten Unzulänglichkeiten der älteren 
Präparate (Sclerotinsäure, Ergotin, Ekbolin) zu theilen. Die Dar¬ 
stellungsmethode ist von dem Erfinder Dr. Denzel (Apotheker in 
Reutlingen) in der «Zeitschrift des Apothekervereines, 22. Bd., 2. 
Heft, 1884* beschrieben worden. Auf Grund von Versuchen, weiche 
damit in der Tübinger geb.-gynäkol. Klinik längere Zeit hindurch 
in allen Indicationen des Mutterkorns angestellt worden sind, wird 
dem Präparat das Zeugniss ausgestellt, dass es sich sowohl subcu- 
tan, als peros ohne jegliche unangenehme Nebenwirkung an wenden 
lässt und bei ersterem Applicationsmodus geringere Schmerzhaftig¬ 
keit, geringere Neigung zur Bildung von Zellgewebsinfiltrationen 
und entschieden grössere Wirksamkeit vor allen anderen Mutter¬ 
kornpräparaten für sich voraus hat. Mit Glycerin versetzt hält die 
Lösung sich monatelang völlig rein und zeigt keine Spur von Pilz¬ 
bildung. — Man verordnet: 1) Innerlich Extr. secal. cornuti Den¬ 
zel 2,0, Aq. cinnamonis 180,0 tägl. 2 Esslöffel voll, und 2) subcu- 
tan Extr. secal. cornuti D e u z e 1, Glycerin ü 2,5, Aq. dest. 5,0, 

8. 1 Spritze_0,12 Grm. Extr. sollen nach D e u z e 1 1,0 und 

0,25, 2,0 Plv. Secal. cornuti entsprechen. Der Preis des Präparates j 
ist kaum höher als der des officineUen. G. I 


BUcher-Anzeigen und Besprechungen. 

F. V. Birch-Hirschfeld: Lehrbuch der patholo¬ 
gischen Anatomie, n. völlig nmge&rbeitete Auflage, II. 
Band. Specieller Theil. Lieferung II. (Mit 58 Abbildungen 
im Text). Leipzig. Verlag von F. C. W. Vogel. 1884. pag. 
193—592. 

Von diesem rühmlichst bekannten Handbuche Hegt uns wiederum 
eine Lieferung der 2. Auflage vor. In der Gegenwart ist das 
Birch-Hirschfeld ’sche Handbuch jedenfalls das Beste, dafür 
ist auch diese Lieferung wiederum ein Beweis. Vf. hat sich bemüht bei 
seiner Umarbeitung die meisten neuen Errungenschaften der Wissen¬ 
schaft zu verwerthen, so finden wir namentlich im Capitel über infec- 
tiöse Darmerkrankungen bei der Cholera ausser den Koch ’schen 
Arbeiten bereits die Versuche N i c a t i ’s und Bietsch’s erwähnt 
und wird bei den Coliegen namentlich dieses Capitel durch seine 
zweckentsprechende Bearbeitung willkommen sein. 

Die vorliegende Lieferung beendet das Capitel der pathol. Ana¬ 
tomie des Gehirnes und bringt ferner die path. Anat. des Rücken¬ 
markes und Nervensystemes, sowie der Haut- und des Respirations¬ 
und Verdauungsapparates. Die eingefügten Abbildungen (theils 
mikro-, theils makroskopischer Präparate) sind praktisch gewählt 
und namentlich bezüglich des Centralnervensystemes dem Leser 
sehr willkommen 

Recht ausfÜhrHch ist auch! das Capitel über die Veränderungen 
der Haut, wobei Vf. den Schwimmer ’schen Ansichten Rechnung 
trägt. Als lehrreich wäre auch das Capitel über die Lungenaffec- 
tionen zu bezeichnen, in welchem die Tuberculosenfrage eingehend 
behandelt wird, jedoch vermissen wir eine Besprechung der als 
«Cirrhose der Lunge* bezeichneten VeränderungenJ 

Im Allgemeinen müssen wir sagen, dass wir das B’sche Buch 
stets mit Vergnügen und Nutzen zur Hand nehmen, da es nament¬ 
lich nicht nur über die Art, sondern auch über die relative Häufig¬ 
keit der verschiedenen pathologischen Veränderungen Auskunft 
giebt. 

Hoffentlich folgt bald die ScblussHeferung. P. 


Jahresbericht desVereinsJSt. Petersburger Aerzte pro 1884. 

Im Jahre 1884 fanden 15 Sitzungen und eine Festsitzung zur Feier 
des 25-jährigen Bestehens des Vereins statt. In diesen Sitzimgen 
wurden 36 Vorträge gehalten und fanden 9 Mal aHgemeine Discus- 
sionen statt. Ferner wurden 7 Pat. vorgestellt, 9 pathol. anatomi¬ 
sche Präparate und eine ganze Serie von Blasensteinen demonstrirt. 

Wenn wir die gehaltenen Vorträge nach den einzelnen Disdplinen 
ordnen, so ergiebt sich, dass die meisten Mittheilungen sich auf da* 
Gebiet der Chirurgie beziehen und zwar 13: 

1) Dr. Dombrowski: Ein Fall von Hysterolaparotomie. 

2) Dr. TiHng: Ueber eine tiefe umfassende Naht. 

3) Dr. A ri d e r s: Studien über Haltung der Wirbelsäule bei freier 
SteUung und bei Suspension. 

4) Dr. Monastyrski: Darmresection, und Sarkom der Scapula. 

5) Dr. M a s i n g : Ein Fall von Knieverletzung. 

6) Dr. T i 1 i n g: Zwei FäUe von 6tichVerletzungen. 

7) Dr. W u 1 f f: Ein Fall von Chloroformtod. 

8) Dr. S e v e r i n: Zwei FäUe von Steinoperation. 

9) Dr. S e 1 e n k o w: Chirurgische Casuistik. 

10) Dr. Dombrowski: Ueber Gelenktuberculose. 

11) Dr. S e 1 e n k o w: Ein Fall von traumatischem Aneurysma. 

12) Dr. Ebermann: Ueber Steinoperationen bei Frauen. 

13) Dr. T i 1 i n g: Ueber Epicystotomie. 

Auf die innere Medicin, Ophthalmologie, Gynäkologie etc. kamen 
23 Vorträge: 

14) Dr. Holst: Ueber Pneumothorax. 

15) Dr. Moritz: Ein Fall von Meningealtuberculose. 

16) Dr. Peters: Ein Fall von Miliartuberculose. 

17) Dr. Holst: Behandlung der Diabetes mit Natron saHcyHcum. 

18) Dr. Monastyrski: Zwei Fälle von Rotz. 

19) Dr. Kernig: Ein Fall von chronischem Rotz. 

20) Dr. P ö h 1: Ueber Mikroorganismen normaler und pathologi¬ 
scher Faeces. 

21) Dr. Stange: Ueber Cholerabacillen. 

22) Dr. S c Kr ö d e r: Ueber Augenmigraine. 

23) Dr. Lange: Ueber die Differentialdiagnose zwischen seröser 
und durch Choroidaltumor bedingter Netzhautablösung. 

24) Oberlehrer Kolbe; Ueber relative Helligkeit von Schriftzei¬ 
chen. 

25) Dr. Schröder: Cocain in der Augenheilkunde. 

26) Dr. v. G r ü n e w a 1 d t: Ueber die Wandlungen der Anschau¬ 
ungen und Principien in der Geburtshülfe und Gynäkologie während 
der letzten 25 Jahre. 

27) Dr. Maassmann: Ueber Pilocarpinanwendung bei einer 
schweren Geburt. 

28) Dr. v. Grünewal d^t: Ein Fall von Carboisäurevergiftung 
bei einer Schwangeren. 

29) Dr. P ö h 1: Bakterioskopische Untersuchungen des Newawas¬ 
sers. 


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67 


30) Dr. U c k e: Ueber die Canalisation in Berlin. 

31) Dr. H ö f 1 e r: Ueber Bad Krankenheil. 

32) Dr. Weber: Ueber das Baydar’sche Hochthal in der Krim. 

33) Dr. Reimer: Ueber Variola-Behandlung mit'Salicylsäure 

34) Dr. Fremmert: Ueber Leukoplakia. 

35) Dr.fP e t e r s e n: Zwei Fälle von Darminvagination. 

36) Dr. P ö h 1: Ueber Fäulnissalkoloide. 


Vermischtes, 

— Die «St. Petersburger medicinische Gesellschaft« hat, wie die 
«■Nowosti» erfahren, die Professoren Bergmann und S chr oe- 
der in Berlin zu ihren Ehrenmitgliedern gewählt. 

— Der Docent der hiesigen militär-medicinischen Academie Dr. 
Ii 5 s c h soll zum ausserordentlichen Professor für den Lehrstuhl der 
Diagnostik in Kijew designirt sein. , 

~ ** u fc * *!® terslmr S ist «herein von Kinderärzten* in der 
Bildung begriffen. Vor Kurzem fand bereits die zweite Versamm¬ 
lung einer Anzahl hiesiger Kinderärzte statt, in welcher der Sta¬ 
tutenentwurf durchberathen und schliesslich einer Commission, be¬ 
stehend aus den hiesigen Kinderärzten Prof. B y s t r o w , den DDr. 
Hau c h f u 8 s , Beitz, Tomaschewski, Theremin, 
Weidemann, Ilinski, Bussowu. A. die endgültige Be- 
daction der Statuten nnd Vorstellung derselben zur obrigkeitlichen 
Bestätigung übertragen wurde. 

— Im März dieses Jahres vollenden sich 50 Jahre, seit der be¬ 
rühmte Anatom H y r 11 die Doctorwürde an der Wiener Universität 
«erhalten. Aus diesem Anlass sind mannigfache Ovationen für den 
greisen Jubilar in Aussicht genommen. 

Neuesten Mittheilungen zufolge hat der Entdecker der Gelb¬ 
fieber-Mikrobe, Dr. D o m i n g o F r e i r e (in Bio de Janeiro), mit 
seinen Impfversuchen, deren wir bereits im vorigen Jahrgange dies. 
Wochenschr. Erwähnung gethan haben, überraschende Erfolge ge¬ 
habt, indem von c. 1000 durch ihn geimpften Personen nur eisige 
wenige an der mildesten Form des gelben Fiebers erkrankten, keine 
einzige aber von der Krankheit schwer ergriffen wurde. 

— Der «Medicinski Westnik» hat, wie uns der Herausgeber mit¬ 
theilt, sein Erscheinen einstweilen eingestellt. 

— Verstorben : 1} In Born der berühmte italienische Chirurg 
Prof. M azz o n i, Mitglied der dortigen medicinischen Academie, 
im 62. Lebenetjahre. 2) In Kischinew der Ordinator des örtlichen 
Landschaftshospitals, Dr. E. Mischtschenko, im Alter von 
35 Jah en. 3) In Moskau der Arzt am Scheremetew’schen Kranken¬ 
hause Al. Bogoljepow. 4) Die Militärärzte Lipjawko* 
Polo winez und Zechanowitsch. 5) In Perejaslawl Dr. 
8 k o r i k. 6) Die Landschaftsärzte des Choroljschen Kreises (Gouv. 
Poltawa) L i n d a und Jeschtschin — beide an der Schwind¬ 
sucht. 7) In Lemberg Dr. T h. Z u 1 i n s k i. 8) In Krakau Dr. J. 
Brodowicz, gewesener Prof, der therapeutischen Klinik in 
Krakau, im Alter von 95 Jahren. 

— Die gegenwärtig in Kijew herrschende Typhusepidemie hat, 
wie zu erwarten war, auch Aerzte betroffen. Es sollen bereits 8 
Aerzte am Typhus erkrankt sein, von denen bisher einer — Dr. La¬ 
go w b k i — gestorben ist. 

7 Dje Gesammtzahl der Studirenden der Universität Dorpat 
ist in dies e m Jahre von 1595 auf 1613 gestiegen. Von diesen ge¬ 
hören 803 — also fast die Hälfte — der medicinischen Facultät an 
und zwar 691 Mediciner und 112 Pharmaceuten. Den grössten Zu¬ 
wachs To n allen Studienfächern hat auch diesmal das Studium der 
Medicin, nämlich 20 Jünger, zu verzeichnen, während die Zahl der 
Pharmaciestudirenden im Vergleich zum vorigen Semester um 8 zu¬ 
rückgegangen ist. 


Krankenbestand der Civil- u. Kinderhospitäler St. Petersburgs 

IO. Februar 1886. 


M. W. Summa. 

Civilhospitäler. 2967 1882 4849 

Kinderhospitäler . 154 154 308 

Unter der Gesammtzahl befanden sich : M. W. Summa. 

Typhöse Krankheiten (abd., exanth., rec.) 214 106 320 

Scharlach... 17 31 48 

Pocken. 6 9 15 

Venerische Krankheiten. 543 402 945 


Die Ambulanzen der Kinderhospitäler wurden in der Woche 
vom 3. Febr. bis 9. Febr. 1885 besucht von 2355 Kranken, darunter 
zum ersten Mal von 986. 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs 

für die Woche vom IO. Febr. bis 10. Febr. 1886. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht nnd Alter: 

Im Ganzen: 


M. W. Sa. 


354 252 606123 55 84 10 13 11 59 58 62 49 47 27 7 1 
2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 1, Typh. abd. 15, Febris recurrens 0, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 1, Pocken 3, Masern 9, Scharlach 3, 
Diphtherie 9, Croup 2, Keuchhusten 3, Puerperalkrankheiten 2, 
Dysenterie 3, Thiergift 0, andere Infectionskrankheiten 10. 

— Gehirnapoplexie 17, Entzündung des Gehirns nnd seiner Häute 
33, andere Gehirnkrankheiten 21, Krankheiten des Herzens nnd der 
Gefässe 28, croupöse Lungenentzündung 29, acute Entzündung der 
Athmungsorgane 79, Lungenschwindsucht 109, andere Krankheiten 
der Brusthöhle 13, Gastrointestinal-Krankheiten 69, andere Krank¬ 
heiten der Bauchhöhle 30, angeborene Schwäche und Atrophia in- 
fant. 41, Marasmus senilis 23 Cachexia 24. 

— Tod durch Zufall 8, Selbstmord 1, Mord 0. 

— Andere Ursachen 20. 


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Mortalität einiger Hauptstädte Europas. 


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Neuer Styl. 

Einwohner¬ 

zahl. 

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Stockholm 

1—7 Febr. 

190115 

117 

16 

32,o 

13,6 

32,1 

Kopenhagen. . 

4—10 Febr. 

278 000 

120 

7 

22,4 

5,8 

37.1 

Berlin . . • 

8—14 Febr. 

1263 455 

550 

74 

22,6 

13,4 

36,i 

Wien . . . 

8—14 Febr. 

769 889 

440 

33 

29,7 

7,6 

36,2 

Brüssel . . . 

1—7 Febr. 

171 293 

88 

12 

26,7 

13,6 

30,7 

Paris .... 

8—14 Febr. 

2 239928 

1146 

131 

26,i 

11,4 

28,i 

London . .1 

8—14 Febr. 

4 083 928 

1526 

196 

19,5 

12,8 

37,o 

St. Petersburg 

15 — 21 Februar 

928 016 

664 

71 

37, s 

10 ,. 

21,. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger Aerzte 
Dienstag den 6 März 1885. 

^Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 25. Februar e. 


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von Prof. ED. v. WAHL in Dorpat und Dr. L. v. HOLST in St- Petersburg. 

Die «St. Petersburger Medicinische Wochenschrift» erscheint jeden Sonn- Manuscripte sowie alle auf die Redaction bezügliche Mitteilungen bittet 
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gespaltene Zeile in Petit ist 12 Kop. oder 40 Pfenn. toren 25 Separatabzüge ihrer Original-Artikel zugesandt. 

NS 9. St. Petersburg, 2 . (14.) März 1885. 


Inhalt: N. Lun in: Ein Beitrag rar Therapie and Statistik der Diphtherie. (Schloss). — 0. Tiling: Aneurysma v&ricosum trau- 
maticum art. axillaris. Exstirpation. Heilung. — Referate* M. Schmidt: Die Cholera-Bacillen. (Schluss). — Weiss: Die infantile 
Rysterie. Schäfer: Ueber Hysterie bei Kindern. — J. Hoffmann und Cazin: Ueber die Anwendung des Cocains in der frauenämt- 
lichen Praxis. — Bücher-Anzeigen und Besprechungen. A. Schmitz: Das Oranienbaumer Asyl für convalescente Kinder. — Prof. 
Budolf Boehm: Lehrbuch der allgemeinen und speciellen Arznei verordnungslehre. — An die Bedaction eingesandte Bücher und 
Druckschriften . — Vermischtes . — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Anzeigen . 


Ein Beitrag zur Therapie und Statistik der Diphtherie. 

Aus dem Kinderhospital des Prinzen von Oldenburg. 

Von 

Dr. N. L u n i n. 

(Schluss). 

Diphtherie des Kehlkopfs und der Luftwege. 

Alle Fälle, bei denen die Diphtherie der Luftwege ent¬ 
weder als Theilerscheinung oder als selbständige Krankheit 
auftrat, sind in einer besonderen Tafel zusammengestellt 
In derselben finden noch 22 Fälle von Keblkopfdiphtherie 
Aufnahme, die nicht genau nach einer der oben beschrie¬ 
benen Methoden behandelt wurden und bei denen von Hause 
aus der ganze Schwerpunct der Behandlung blos auf die 
Behandlung der Laryngotracheitis fibrinosa verlegt wurde. 

Sobald die ersten Zeichen bemerkbar wurden, dass die 
Krankheit Anstalten mache, sich auf den Kehlkopf auszu¬ 
breiten, so wurden sofort 17 ) Inhalationen von 2 % Natr. 
bicarb. Lösung stündlich zu je 5 Minuten verordnet; intern 
erhielt ein kleinerer Tbeil der Kranken Sublimat zu 0,002& 
stündlich, bei weitem aber die grösste Mehrzahl der Kran¬ 
ken Apomorphin, je nach dem Alter von 0,001—0,003 


stündlich. Steigerten sich die Krankheitserscheinungen, so 
wurde zur hydrotherapeutischen Behandlung geschritten. 
Die leitenden Gesichtspuncte dieser Behandlungsmethode 
sind von Dr. Rauchfussin einem Vortrage in der «Ver¬ 
sammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Baden- 
Baden» im Jahre 1879 * 8 ) und auf dem letzten internatio¬ 
nalen Congress zu Kopenhagen auseinander gesetzt worden. 

Da. die Pseudomembranen bei der Laryngo-tracheo-bron- 
chitis fibrinosa hauptsächlich durch die Fortsätze des Fi¬ 
brinnetzes in die Orificien der Schleimdrüsen auf der 
Schleimhaut haften, diese Fortsätze aber durch die gestei¬ 
gerte Secretion der Schleimdrüsen aus denselben gleichsam 
herausgeschwemmt und so die Pseudomembranen zur Loslö¬ 
sung gebracht werden können, so musste die Therapie der 
Laryngo-tracheitis fibrinosa in Mitteln bestehen, welche die 
Secretion der Schleimhaut der Respirationswege befördern. 
Dieses geschieht hauptsächlich durch methodisches Wasser¬ 
trinken. Als Getränk diente meist Wasser oder Thee mit 
Zucker und Cognac, wovon man leicht 3—1 Liter in 24 
Stunden einem Kinde beibringen kann. Ausserdem wurden 
noch Einpackungen des ganzen Körpers in nasse Laken und 
wollene Decken auf 1—2 Stunden gemacht. Die Pat. ge¬ 
rieften sehr bald in starke Transpiration und alsbald er- 


Tabelle IX: Diphtherie des Kehlkopfes und der Luftwege. 


. Alter 

1-6 

6—12 

1—2 

2-3 3—4 

4—5 

5-6 

6—7 

7—8 

8—9 

9—10 

10—11 

11—12 

12 — 

Monate 

Monate 

Jahre 

Jahre Jahre 

Jahre 

Jahre 

Jahre 

Jahre 

Jahre 

Jahre 

Jahre 

Jahre 

Jahre 


Ausgang 


8 t « tLg 




Gesammtrahl I — — — 2 18 515 2 11 3 9 5 — 4 519 3 41412 — — 



_ 7147 ;66,2 
, 24 22 91,7 

-95 69 72,6 


Complicationen: Morbilli 1; Scarlatina 7; Varicellae 2; Coiyza 15; Bronchitis cat. 3; Bronchitis fibrin. 14; Pneumonia lobul. 15; 
Pleuritis exsud, 1 ; Catarrh. int. 32; Paralysis pal. moll. 9; Paralys. nerv, laiyng. super. 3; Insnffic. cordis 4 ; Otitis med. 1; Pachymening. 
circumscr. 1; Periostitis uralt. 1; Vitiam cord. cong. 1; Diphtherie conjnnct. 1; Diphtherie leb. et ling.* 1; Albuminurie 59; keine Al¬ 
bumin. 12; Harn nicht gesammelt 24; Tracheo-laryngitis asc. 2; Moribund angenommen 8; Operation verweigert 4; Tracheotomirt 35, 
genesen davon 5 = 14,5 %, die Genesenen litten an der fibrinösen Form. Ein Pat. starb am Ende der 3. Woche nach der Operation, nach¬ 
dem die Canttle entfernt war, an Henparalyse. 

<T ) Ausgenommen sind nur die mit Brom und 01. Terebinth. be- **) Jahrbuch für Kinderheilkunde 1879, pag. 383. 
handelten Fälle. 


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70 


folgte «ein Feuchterwerden der sichtbaren Schleimhäute, 
der Nase und Mundrachenhöhle, ein feuchterer Husten, und 
feuchtere Rasselgeräusche ersetzten die schnurrenden, pfei¬ 
fenden, trockenen Rhonchi.» Solcher Einwickelungen wur¬ 
den den Kindern wenn nöthig 5—6 in 24 Stunden gemacht 
und selbst nach der Tracheotomie fortgesetzt. Als ein gutes 
Unterstützungsmittel dieser secretionsbefördernden Therapie 
erwies sich das Apomorphin, dessen expectorirende Wir¬ 
kung von R o s s b a c h ,9 ) experimentell nachgewiesen 
worden ist 

Aus vorstehender Tabelle sehen wir, wie verhältnissmässig 
selten bei der phlegmonösen Form der Larynx afficirt wird. 
Bei den 24 ghlegm. Fällen hatte bei vielen die Krankheit 
mit einer rein fibrinösen Form angefangen und erst später 
ging dieselbe in die phlegmonöse über. Tracheotomirt wurde 
35 Mal (meist wurde die Tracheotomia inf. gemacht), am 
Leben verblieben nur 5 (alle 5 hatten die fibrinöse Form) 
und einer starb an Herzparalyse am Ende der 3. Woche 
naeh der Operation, nachdem die Canüle schon entfernt 
war. Von den 5 Genesenen konnte bei einem 4jährigen Mäd¬ 
chen die Canüle wegen Granulationen (Trach. sup.) nicht 
entfernt werden und erst als auf dem Wege der Thyreoto- 
mie*°) die Granulationen entfernt waren, genas das Mäd¬ 
chen vollkommen. Bei einem 8jährigen Knaben gaben 
chronische subchordale Schwellungen längere Zeit hindurch 
ein Hinderniss zur Entfernung der Canüle ab; erst als diese 
schwanden, wurde die Canüle entfernt. 

Bemerken muss ich noch hier, dass in 23 Fällen die fibri¬ 
nösen Beläge der Larynxschleimhaut laryngoskopisch fest¬ 
gestellt wurden. Vom sogen, «ascendirenden Croup» 21 ) 


4# ) Berl. klin. Wochensohr. 1882, >119. 

*°) fl. Ponomorewa 4 a. n. wurde am 18. December 1881 auf die 
Diphth.-Abtheilung aufgenommen. Das Mädchen war seit einer 
Woche erkrankt. Die Krankheit begann mit Fieber, Halsschmerzen 
und Kisten. In den letzten Tagen wurde der Husten bellend und 
in der Nacht fiel dem Kinde das Athemholen schwer. Das Kind ist 
▼on guter Entwickelung und gutem Ernährungszustände. Der 
Rachen ist schwach geröthet, die Tonsillen leicht geschwellt und 
auf der rechten Tonsille ein diphth. Belag von 1 Ctxn. Durchmesser. 
Die Submaxillardrüsen etwas geschwellt und empfindlich. Während 
der Inspiration ist ein leichtes Laryngo-Stenosen-Geräusch hörbar, 
das an Stärke zunimmt, sobald das Kind unruhig wird. Die Stimme 
ist ganz heiser, der Husten bellend. Das Laryngoskopireu gelang 
nicht. Bei der Untersuchung der Lungen hört man vereinzelte 
Rasselgeräusche und leises vesiculäres Athmen, das theilweise durch 
das Stenosengeräusch verdeckt wird. Temperat. 37,8. Ordination: 
Hydrarg. bichl. corrosivi 0,004 2stündlich, viel heisse Getränke und 
Einpackungen in nasse Laken und wollene Decken. Die Erschei¬ 
nungen der Laryngostenose steigerten sich aber beständig, so dass 
in der folgenden Nacht die Tracheotomia sup. ausgeführt werden 
musste. Beim Durchschneiden der Trachea entleerten sich aus der¬ 
selben reichliche Mengen Ton eitrigem Schleim, aber keine Mem¬ 
branen. An dem auf die Operation folgenden Tage stieg das Fieber 
auf 40,1, im Pharynx trat starke Röthung auf, die Submaxillar- 
drfisen nahmen an Umfang zu und am Abend bemerkte man auf Hals 
und Brust leichtes Scharlachexanthem. Der Scharlach verlief ganz 
complicationslos, nur dauerte die Desquamation über 2 Monate. 

Sobald das durch Scharlach bedingte Fieber gefallen war, so wurde 
zur Entfernung der Canüle geschritten, zumal die Stimme ganz klar 
war und das Kind mit geschlossener Canüle frei athmen konnte. 
Am Tage athmete das Kind ganz gut durch den Kehlkopf, in der 
Nacht traten aber so starke Erstickungsanfälle auf, dass die Canüle 
wieder hineingelegt werden musste. Dieses wiederholte sich meh¬ 
rere Mal, so dass man eine Granulationsbildung in der Trachea von 
der Wunde aus vermuthen musste. Als die Desquamation vollkom¬ 
men beendigt war, wurde Pat. auf die therapeutische Abtheilung 
hinübergeführt und dort von Dr. R a u c h f u s s die Wunde nach 
oben erweitert, der Ringknorpel und der untere Theil des Schildknor¬ 
pels gespalten und die Granulationen, die am Rande der Tracheal- 
wunde üppig wucherten, theils mit dem scharfen Löffel, theils mit 
dem Galvanocauter entfernt. Die Wunde heilte per primam, am 
4. Tage nach der Operation konnten die Nähte und am 7. die 
Trachealcanüle entfernt werden. Die Trachealwunde schloss sich 
sehr schnell und das Kind wurde mit vollkommen klarer Stimme ent¬ 
lassen. 

9i ) Der eine Fall betraf einen 7jährigen Knaben, der wegen einer 
Laryngitis in die therapeutische Abtheilung aufgenommen und da. er 
fibrinöse Membranen aushustete, am anderen Tage auf die Infec- 
tions-Abtheilung hinübergeschafft wurde. Der Rachen war schwach 
geröthet, die Stimme heiser, der Husten bellend und die Inspiration 
etwas erschwert. Laryngoskopischer Befund: Röthung der ge¬ 


habe ich 2 Fälle beobachten und laryngoskopisch verfolgen 
können. 


Allgemeine Statistik. 


Unter den 296 Diphtheriekranken waren 159 Knaben 
und 137 Mädchen. 


Von den 159 Knaben sind genesen 60, gestorben sind 106 
und ungeheilt entlassen sind 3; die Mortalität beträgt also 
mit Abzug der letzten drei 67,9 %. 

Von den 137 Mädchen sind genesen 68 t gestorben sind 60 
und 9 wurden ungeheilt entlassen; die Mortalität beträgt 
mit Abzug der letzten neun 46,9 %. ' 

Was den Ernährungszustand der Pat betrifft, so waren 
von den 296 Kranken 25 von schlechtem Ernährungszu¬ 
stände, 44 von mittelmässigem Ernährungszustände und 
225 waren gut entwickelte und gut genährte Kinder. Bei 
2 Kranken ist der Ernährungszustand nicht notirt worden. 

Es wird allgemein angenommen, dass Kinder von 
schwächlicher Constitution und scrophulösem Habitus leich¬ 
ter an Diphtherie erkranken als gesunde Kinder; dem kann 
ich nach den obigen Zahlen nicht beistimmen. Meine 
Kranken waren meist ) gut entwickelte und gut genährte 
Kinder. Ob dieselben vor ihrer Erkrankung häufig an An¬ 
gina oder an hypertrophischen Tonsillen gelitten, darauf 
habe ich bei der Aufnahme der Anamnese leider zu wenig 
Acht gegeben. 


Die bei den 296 Kranken 
waren folgende: 

Urticaria 1, 

Varicellae 2, 

Morbilli 2, 

Scarlatina 10, 

Pertnssis 1, 

Typh. abd. 1, 

Anaemia p. Recurr. 1, 
Paralysis pal. moll. 22, 
Paralys. im Gebiete des Nerv. 

laryng. snp. 2. 

Insufficientia cordis 11, 
Paralysis nniversalis 1, 

Coryza 63, 

Bronchitis cat. 5, 

Bronchitis fibrin. 24, 
Pnenmonia cat. 22, 

Pleuritis exsnd. 1, 

Vitium cordis congen. 1, 
Erbrechen 6, 


beobachteten Complicationen 

Catarrh. intest. 73, 

Otitis med. 3, 

Otitis ext. diphth. 1, 

Conjunctivit. diphth. 2, 
Diphtheria linguae 1. 

Diphtheria labior. 2, 
Hautdiphtherie 1, 

Abscedirung d. Gld. subm. 2, 
Pachymeningitis circ. 1, 
Petechien der Haut 1, 

Erythema sept. 2, 

Die fibrin. Form gebt in die 
phlegmonöse über 12, 

Gangrän d. pal. moll. 6, 

Recidiv 8, 

Moribund aufgenommen 12. 

Albuminurie 161, 

keine Album, im Harn 56, 

Harn nicht gesammelt 79. 


Unter Herzinsufficieuz werden hier die Fälle gezählt, wo 
Pat. bei relativ gutem Kräftezustand noch während der 
Krankheit plötzlich, z. B. beim Sichaufrichten im Bette, 
starben oder die längere Zeit nach Ablauf der Krankheit 
allmälig an Herzschwäche zu Grunde gingen. (W&hr- 


sammten Larynxschleimhaut, subchordale Schwellungen massigen 
Grades beiderseits, auf der rechten subchordalen Schwellung ein 
fibrinöser Belag, der sich weiter in die Trachea verfolgen lässt. 
Eine genaue Inspection der Trachea ist nicht möglich. Im Verlaufe 
der beiden nächsten Tage konnte man deutlich die Ausbreitung der 
fibrinösen Beläge auf dem ganzen Larynx laryngoskopisch ver¬ 
folgen. Die Epiglottis blieb verschont. Am 4. Tage trat Schwel¬ 
lung der Tonsillen auf und ein diphtherischer Belag auf der rechten 
Mandel, der am folgenden Tage die ganze rechte Mandel bedeckte. 
An demselben Tage bedeckte sich die linke Mandel gleichfalls mit 
einem weissen Belage. Die Erscheinungen im Larynx waren an¬ 
fangs zurückgegangen, und der Knabe athmete schon ganz frei, 
doch traten die Erscheinungen der Stenose von Neuem auf und bei 
der Auscultation der Lungen hört man verbreitete Rhonchi sonores 
und trockene Rasselgeräusche. Am 7. Tage nach dem Eintritt ins 
Hospital war die Stenose so stark, dass an eine Operation gedacht 
werden musste. Die Eltern willigten nicht in die Operation und 
der Knabe erlag noch an demselben Tage der Larynxstenose. Gleich 
von Beginn der Krankheit war starke Albuminurie vorhanden. 

Im 2. Falle handelte es sich um ein 5jähriges Mädchen A. A., das 
gleichfalls auf die Diphtherie-Abtheilung gebracht wurde, weil es 
fibrinöse Massen ausgehustet hatte. Das Kind liess sich vortrefflich 
laryngoskopiren und da konnte man gleich am ersten Tage auf den 
mässigen subchordalen Schwellungen fibrinöse Ausschwitzungen con- 
statiren, die sich in den nächsten Tagen theils sprungweise, theils 
per continuitatem auf den Larynx und dann auf den Pharynx ver¬ 
breiteten. Trotzdem die Stimmbänder belegt waren, kam es nicht 
zu stenotischen Erscheinungen und das Kind konnte nach etwa 1-J- 
Wochen geheilt entlassen werden. 


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71 


Kheinlich an consecutiver Myocarditis, Leyden* 2 ). 
Schliessen wir die Herzparalysen ans, so bleiben noch 24 
Paralysen auf 296 Fälle, also 8,1 %. Auffallend ist ferner 
die Häufigkeit der Darmaffection. Nach Oertel und 
S a n n 6 sind Durchfälle nicht häufig, während ich in 296 
Fällen 73 Mal Intestinalcatarrh zu beobachten Gelegen¬ 
heit hatte. 

Auf Eiweiss wurde täglich der Harn aller Kranken ge¬ 
prüft (bei denen der Harn gesammelt werden konnte). Un¬ 
tersucht wurden im Ganzen 217 Pat und von diesen konnte 
in 161 Fällen, also in 74,2%, Albuminurie constatirt wer¬ 
den. Von diesen gehörten an der 

fibrinösen Form 132 Fälle mit 92 Fällen von Albuminu¬ 
rie, also 69,6% und der 

phlegmonös-sept. Form 85 Fälle mit 69 Fällen von Al¬ 
buminurie, also 81,2%. 

Von diesen 161 Kranken, bei denen Eiweiss im Harne 
constatirt wurde, starben 86 und bei ihnen wurde die Albu¬ 
minurie mit sehr seltenen Ausnahmen von dem Tage des 
Elintrittes ins Hospital bis zum Ende des Lebens beobachtet 
and zwar dauerte die Albuminurie bei diesen 86 Kranken 


2 Taffe in 1 Falle 

11 Taffe in 3 F&llen 

3 

> 

» 10 F&llen 

12 

> 

> 1 Falle 

4 

> 

> 8 > 

13 

> 

- 1 > 

5 

» 

>14 > 

14 

> 

> 1 > 

6 

> 

> 12 » 

15 

» 

» 1 > 

7 

> 

> 15 » 

16 

> 

> 1 » 

8 

» 

> 7 » 

17 

* 

> 3 F&llen 

9 

» 

> 2 > 

18 

> 

> 2 > 

10 

» 

» 3 • 

27 

> 

> 1 Falle 


66 FBlle 

Von den 75 überlebenden ist die Dauer der Albuminurie 
in der folgenden Tabelle zusammengestellt. 


1 Tag in 10 Fallen 13 Tage in 4 Fallen 


2 Tage in 

7 


14 

> 

> 

2 » 

3 

> > 

3 

» 

15 

> 

> 

2 > 

4 

i > 

2 

> 

16 

> 

> 

2 > 

5 

> » 

8 

» 

17 

> 

> 

1 Falle 

6 

> > 

7 

> 

18 

> 

> 

4 F&llen 

7 

> > 

6 

> 

20 

» 

> 

1 Falle 

8 

> » 

5 

» 

21 

> 

• 

1 > 

10 

» » 

5 

» 

22 

> 

» 

1 > 

11 

> S 

3 

> 

25 

* 

• 

1 * 


75 Falle 

Hinzuffigen muss ich hier noch, dass 19 Pat mit noch 
bestehender Albuminurie, auf Wunsch der Eltern, nach 
Hause entlassen wurden. In diesen 19 Fällen waren die 
fibrinösen Beläge geschwunden und die Kinder fühlten ach 
ganz wohl; objectiv konnte bei denselben ausser der Albu¬ 
minurie nichts constatirt werden. In prognostischer Be¬ 
ziehung habe ich die Albuminurie nicht verwerthen können. 
Die phlegmonöse Form war in 81,2 % aller auf Eiweiss un¬ 
tersuchten Fälle von Albuminurie begleitet, während bei 
der fibrinösen Form in 69,6% Albumen im Harn gefunden 
wurde. Ich habe aber mehrere Fälle tödtlich verlaufen gese¬ 
hen, wo der Harn stets eiweissfrei blieb und umgekehrt Pat, 
die mit starker Albuminurie in Behandlung kamen, bald 
als genesen entlassen können. Diese Beobachtung stimmt 
mit denen von S a n n 6 und S 6 e M ) gemachten überein. 

In einigen 20 Fällen mit starker Albuminurie wurde der 
Harn mikroskopisch untersucht und es fanden sich im Bo¬ 
densätze ausser den gewöhnlichen Salzen Cylinder verschie¬ 
dener Form und Zusammensetzung. In grosser Menge habe 
ich dieselben aber nie gefunden. Neben den Cylindern 
landen sich reichlich weisse Blutkörperchen; rothe Blut¬ 
körperchen wurden seltener gefunden, doch aber zu häufig 
am diesen negativen Befund als differentiell-diagnostisches 
Merkmal zwischen Diphtherie-Harn and etwa Scharlach- 
Harn verwerthen zu können, wie esSprengler 41 ) pro- 
ponirt hat 


**) Zeitschrift f. kl. Med. 1882. 

*) Albuminurie dans ln Diphtherie in Soc. m6d. des hOp. 1858. 
“) Deutsch. Arch. f. kl. Med. 1883, pag. 305. 


Aneurysma varicosum traumaticum art. axillaris. 
Exstirpation. Heilung. 

Von 

Dr. G. T i 1 i n g. 

Ordinator am Alexander-Hospital. • 

Am 12. December 1884 wurde ich ins Hospital gerufen 
zu einem Kranken, der einen Selbstmordversuch gemacht 
hatte. N. P., 17 Jahre alt (16 5757), Gymnasiast, hatte vor 
5 Stunden einen Schuss auf sich abgefeuert mit der Ab¬ 
sicht das Herz zu treffen, er hatte aber die Pistole nicht 
an die Brust gedrückt, sondern dieselbe in einiger Entfer¬ 
nung von derselben gehalten. Daher war der Schuss nicht 
in die Brust gefahren, sondern hatte die Schulterwölbung 
vorne getroffen, in der Höhe der Oberarm-Gelenk-Kopfes. 
Ausschuss war nicht vorhanden. Aus dem Hemde war an 
dieser Stelle ein mehr als rubelgrosses Stück ausgebrannt. 
Der Einschuss klein, keine Blutung. Pat. selbst nicht 
blass, ohne grossen Choc, erzählte, er habe eine Pistole 
(Vorderlader) alten und grossen Kalibers benutzt, das Pro- 
jectil habe dem Lauf nicht entsprochen, und habe bestanden 
aus dem Kegel eines cylindro-conischen Geschosses, den er 
von letzterem abgeschnitten. 

Um die Einschussöffnung existirte eine Verbrennung 
zweiten und dritten Grades in einer Grösse, die dem ausge¬ 
brannten Loch in dem Hemde entsprach. Um die Wunde 
war eine kaum merkliche Schwellung, die linke Mohren- 
hei m ’sche Grube schien etwas voller als die der unver¬ 
letzten Seite. Radialpuls vorhanden. Knochen heil, pas¬ 
sive Bewegungen geringer Excursion im Schultergelenk 
schmerzlos, Auscultation und Percussion ergab keine Abnor¬ 
mitäten. Die Kugel konnte nirgends ertastet werden. Ob¬ 
gleich somit keine wichtigen Organe verletzt schienen, wurde 
ein grosser, antiseptischer Verband angelegt und der Arm 
am Thorax fixirt Pat fühlte sich schon vom nächsten Tage 
ab ganz wohl, fieberte nicht So wurde denn der Verband 
erst am 17. Dec. geöffnet zu nochmaliger Untersuchung 
resp. Entfernung der Kugel. Als ich wieder, wie am 12. 
Dec., die Schultergegend durcbtastete und den Finger in 
die Achselhöhle führte, war ich erstaunt, denn in letzterer 
war ein starkes Schwirren fühlbar, das sich central unter- 
und oberhalb der Clavicula fühlen liess, peripher auch in 
der Art. brachialis. Die Infraclaviculargrube links war et¬ 
was voller als rechts. Auscultatorisch liess sich das Schwir¬ 
ren dem Pulse isochron in der ganzen Subclavia und peri¬ 
pher bis in die Cubitalis sehr deutlich hören, neben dem 
Schwirren war deutlich ein hoher, pfeifender Ton hörbar. 
Linke Hand und Arm waren in ihrem Aussehen im Ver¬ 
gleich mit der gesunden Seite nicht verändert Wenn man 
das Ohr unmittelbar dem Körper anlegte, so konnte man 
das Schwirren anf der Scapula und auf der Aussenseite der 
Schulter ebenfalls hören. Untersuchungen des Herzens und 
der Carotiden liess keinerlei Abnormität finden. In den 
Venen Nonnengeräusche. Diese Befunde zwangen dazu, 
eine drcumscripte Veränderung im Lumen des Gefässrohrs 
der Art. subclavia oder axillaris anzunehmen. Weiteres in 
Betreff der Localisirung der Lumenalteration ergaben Com- 
pressionsversuche. Compression des Gefässrohrs bis zum. 
Verschwinden des Radialpulses hob das Schwirren überall 
auf, wenn die Compression unter- und oberhalb des Schlüs¬ 
selbeins oder in der Achselhöhle gemacht wurde, Compres¬ 
sion der Brachialis liess das Schwirren weiter bestehen. 
Leichtere Compression der Subclavia alterirte das Geräusch 
nicht, wohl aber verschwand dasselbe peripher und central, 
wenn man die Axillaris nur leicht comprimirte, so dass der 
Radialpuls noch deutlich fühlbar blieb. Diese Compres- 
8ionsver8uche sind häufig gemeinsam mit Collegen unter 
gegenseitiger Controle gemacht worden. Sie erlaubten den 
Schluss, dass die Veränderung des Gefässlumens in der 
Axilla ihren Platz hat und in einer localen Dilatation des 
Arterienrohres (Aneurysma) besteht; eine sehr drcum- 
scripte Verengerung des Gefässrohres durch die aufliegende 

9 


Digitized by 


Dogle 







Kugel und die Entstehung des Geräusches peripher von 
dieser verengerten Stelle konnten wohl ausgeschlossen wer¬ 
den, weil schon leichte Compression das Geräusch überall 
verschwinden machte. Eine deutliche Verdickung des Ge- 
fäss-Nervenstranges in der Achselhöhle liess sieb nicht er¬ 
tasten. Die Verbrennung war natürlich nicht geheilt Pat 
fühlte sich ganz wohl und hatte keinerlei Beschwerden. 
Erst nachdem seine Aufmerksamkeit öfters darauf gelenkt 
worden war, meinte Pat. das Schwirren fühlen zu können. 
Es wurde wieder ein grosser Verband mit Fixirung des Ar¬ 
mes am Thorax angelegt und Pat. unter Observation ge¬ 
halten bis zum 1. Februar 1885, an welchem Tage jeder 
Verband weggelassen und dem Pat. angesagt wurde, er 
solle mit dem Arm öfters Bewegungen maehen. Die Wun¬ 
den waren geheilt, in der von jeher kaum bemerkbaren 
Schwellung unter der Clavicula war keine sichere Verände¬ 
rung zum Besseren oder Schlechteren zu constatiren. Die 
palpatorischen und auscultatorischen Erscheinungen waren 
ebenfalls unverändert. 

Seit Aufhebung der Fixation des Armes und leichten Be¬ 
wegungen desselben klagt Pat., dass er öfters Schmerzen in 
dem Arm und leichte Zuckungen in den Fingern habe. Da 
also innerhalb sieben Wochen keine Besserung eingetreten, 
wurde am 5. Fehr. zur Excision des Aneurysma art. axil¬ 
laris geschritten. Zu dem Zwecke wurde ein sehr langer 
Schnitt gemacht, wie zur Unterbindung der Axillaris. Nach 
Durchtrennung der Fascie fiel vorerst auf, dass zwei Axil¬ 
larvenen existirten und ferner, dass die vordere nicht glatt, 
sondern varicös erweitert und gewunden war, ebenso dass 
ihre Wand nicht einfach blau erschien, sondern in der Ge¬ 
gend des vermeintlichen Schusscanals in nicht geringer Aus¬ 
dehnung weisslich gefärbt in strahliger Zeichnung. Dabei 
war die Vene in dieser Gegend mit der Arterie verwachsen, 
so dass ich unmittelbar oberhalb der Gabel des Medianus 
die Isolirungsversuche aufgab und vom peripheren Theil 
unterhalb der Gabel des Medianus damit begann; es muss¬ 
ten dabei Zweige der Vene und Arterie unterbunden werden. 
Ein Ast der Arterie, die Art circumflexa humeri posterior, 
war überaus stark, fast so stark wie die Axillaris selbst 

An der vorderen Axillarvene war Pulsation fühlbar und 
ungemein deutliches Schwirren, letzteres ganz besonders an 
der weisslich veränderten Stelle der Vene. In Betreff der 
Pulsation liess sich aber nicht sicher ausschliessen, dass es 
nur von der Arterie mitgetheilte sei. Uebte man an der 
weissUchen Stelle nur ganz leichten Fingerdruck, so leicht, 
dass eigentlich nur das Venenlumen durch denselben ver¬ 
schlossen wurde, so hörte das Schwirren vollständig auf. 
Die geschilderten Symptome erlaubten mit recht grosser 
Sicherheit ein Aneurysma varicosum anzunehmen, und 
glaubte ich deshalb von der immer schwieriger gewordenen 
Isoürung der Vene von der Arterie abstehen zu dürfen. 
Eine heftige Blutung war nicht zu fürchten, da zu Beginn 
der Operation weit centralwärts ein Faden um die Axillaris 
resp. Subclavia geführt worden war. Der Verschluss der 
Vene konnte in diesem Fall nicht so schwer, wie gewöhnlich 
den Arm gefährden, da ja eine zweite Axillarvene existirte, 
die sich erst weit oben mit der andern vereinte. Ich ent¬ 
schloss mich also, Arterie und Vene ungetrennt zu reseciren. 
Das Spirituspräparat enthält ein zwei Ctm. langes Stück 
der Art axillaris. Die Operation hatte sehr lange gedauert, 
da die Arbeit eine sehr subtile war gerade uuter der Gabel 
des Medianus, und, ich muss es gestehen, mir viel lag an 
der Erhaltung eines unzerstörten Präparates. 

Unmittelbar nach der Operatiou sah die Hand wie eine 
Leichenhand aus. Arm und Hand wurden in Watte ge¬ 
hüllt und am Thorax fixirt. Vier Stunden nach der Ope¬ 
ration war die Hand noch sehr blass, aber nicht kalt. Pat 
fühlt Schmerzen in der Axilla und im ganzen Arm, Amei¬ 
senkriechen, ausserdem hat Pat. die Empfindung, als läge 
der Arm in Eis gehüllt Empfindung und Beweglichkeit 
der Finger sind da. Das Rohr der Radialis war deutlich 
zu fühlen, natürlich kein Puls, doch glaubte ich zuweilen 


zu fühlen, als ob eine ganz schwache, flache Welle unter 
dem Finger durchginge. Ich führe diese ganz unsichere 
Beobachtung an, weU ihre Richtigkeit dadurch ziemlich 
wahrscheinlich wird, dass es am nächsten Morgen gelang, 
wenn auch mit grosser Mühe, zuweilen den Puls zu zählen. 
Ein Irrthum war hier nicht möglich, weil ein College den 
Puls laut zählte, während ich an der anderen Radialis con- 
trolirte dass nicht der eigene Puls gezählt wurde; mir 
selbst gelang das Fühlen des Pulses an der kranken Seite 
nicht. Die subjectiven Beschwerden nahmen in den näch¬ 
sten Tagen schnell ab, nur das Ameisenkriechen blieb noch 
in geringem Grade bestehen. Am 22. Febr. wurde der 
letzte Verband entfernt, die Wunden waren vollständig ge¬ 
heilt, von Geräuschen in den Arterien ist natürlich nichts 
mehr zu hören. Pat. kann mit der Hand kräftig drücken, 
die Empfindung des Ameisenkriechens hat aufgehört. Die 
Bewegungen im Schulter- und Ellenbogen-Gelenk sind noch 
beschränkt, da beide Gelenke mehr als zwei Monate in In- 
activität gesetzt waren. Im Verlauf der Heilung war die 
Temperatur einmal auf 38,6° gestiegen, dabei bestand 
Obstruction und leichter Icterus, eine reichliche Abführung 
liess alle diese Erscheinungen sofort schwinden. 

An dem Präparat findet man keine aneurysmatische Er¬ 
weiterung der Arterie selbst, wohl aber eine weite Commu- 
nicaüon mit der Vene. Die gemeinsame Oeffnung, durch 
welche beide Gefässstränge seitlich mit einander communi- 
ciren, ist grösser als der Querschnitt einer Erbse. Die 
Kugel fand ich bei der Operation nicht. 

Die traumatischen Aneurysmen nach Schuss sind bisher 
im Ganzen noch seltene Beobachtungen, z. B. hat P i r o - 
g o w kein einziges gesehen; F i s c h e r *) hat aus der gan¬ 
zen Literatur jetzt 68 Fälle sammeln können. Aneurysma 
varicosum durch Schuss ist noch viel seltener gesehen wor¬ 
den, nach Bardelebens Zusammenstellung nur 12 Mal 
und von diesen Fällen war nur 5 Mal das Aneurysma va- 
ricos. durch Kugelschuss erzeugt. F i s c h e r bat die Zahl 
derselben auf 13 erhöhen können und zwar waren betroffen: 

2 Mal Vena jugular. int. und Art. carotis, 

3 Mal Vena und Arteria axillaris, 

1 Mal Vena und Art. brachialis, 

1 Mal Vena und Art. iliaca, 

6 Mal Vena und Art. femoralis. 

Da in dem berichteten Fall die Erscheinungen erst 5 Tage 
nach der Verletzung beobachtet wurden, 5 Stunden nach 
derselben bestanden sie positiv nicht, da kein irgend bedeu¬ 
tendes Hämatom eintrat und doch Arterien- wie Venenwaud 
verletzt worden sind, so ist es wohl nicht unwahrscheinlich, 
dass die Kugel nicht sofort die Defecte in den Gefässen er¬ 
zeugte, sondern nur soweit dieselben contundirt hat, dass 
die betroffenen Wandtheile der Gefässe nicht ferner lebens¬ 
fähig waren, der Necrose anheim fielen und erst nach Ab- 
stossung der necrotischen Theile sich die Communications- 
öffnung zwischen beiden Gefässen bildete zu einer Zeit, als 
die umliegenden Gewebe vor dem Blutstrom geschützt 
waren durch Verwachsung der Wände der Gefässe mit ein¬ 
ander. 

Die weissliche, strahlige Veränderung der Venenwand 
schien mir zu ausgedehnt, um der directen Contusion durch 
die Kugel zugeschrieben werden zu können, zudem lag sie 
ja zum grossen Theil der Communicationsöffnung beider Ge¬ 
fässe mit einander vis-ä-vis, dürfte also eher die reactive 
Folge des als Reiz wirkenden, anprallenden, arteriellen 
Stromes bilden. 

Die nervösen Beschwerden (Schmerz, Ameisenkriechen) 
sind in diesem Fall vielleicht nur zum Theil auf die Alte¬ 
ration in der Ernährung des Armes zurück zu führen, denn 
der Medianus musste sehr lange sehr energisch mit Haken 
abgezogen werden, weil lange an den Gefässen präparirt 
werden musste gerade unter seiner Gabelung. 


0 Handbach der Kriegeehirurgie von Prof. Dr. F i s c h e r. 11. 
Anfl. 1882. 


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73 


Referate. 

Die Cholera-Bacillen. 

Acten-Referat von Dr. M. S c h m i d t — San Remo. 

(Schluss). 

In der Pariser Academie de M&decine hat am 5. Äug. 1684 
Strans über die im Verein mit Ronx in Toulon vorgenomme- 
nen Untersuchungen berichtet. Br greift auf den Bericht der egyp- 
tinchen Commission zurück, die unbefriedigt blieb, weil sie aus¬ 
schliesslich in der Darm wand suchte, und mehrere Organismen fand, 
aber nicht constant. In foud^oyanten Fällen fanden sie in der Darm¬ 
wand nichts. Koch hat ihnen in Toulon den Kommabacillus de- 
monstrit, in foudroyanten Fällen haben sie sich davon überzeugt, 
dass der Darm fast eine Reincultur enthält, vor Koch haben sie 
den bacille en virgule nicht gesehen. In protrahirten Fällen haben 
sie ihn aus der Menge der anderen herausgezüchtet. Für bewei¬ 
send halten sie die Thatsache noch nicht, Straus kommt auch zu 
dem Schlüsse, die Kommas müssten, wenn sie alleinige Ursache der 
Cholera seien, ein Gift, irgend ein Ptomain produciren, nach dem 
man fahnden müsse. Die blassen länglichen, eingeschnürten Kör¬ 
perchen im Blute, welche die Franzosen zuerst als Organismen An¬ 
sprachen, sind offenbar die bekannten Blutplättchen. 

Im Laboratorium des Pharo zu Marseille haben dann N i c a t i 
und Rietzsch Hunden und Meerschweinen Choleradejectionen 
oder Reinculturen ins Duodenum gespritzt, ersteren nach Unter¬ 
bindung des Ductus choledochus, letzteren auch ohne Unterbindung, 
sogar einfach mit einer Schlundsonde einverleibt. Unter Erschei¬ 
nungen von Cholera» Durchfall (beim Hund Erbrechen), Cyanose 
mit Sinken der Temperatur Btarben die Thiere nach 1 bis mehreren 
Tagen, und im Darm findet man milchigen Brei, in welchem die 
Bacillen sich Btark vermehren. 

ln einer späteren Mittheilung an die Acadömie des Sciences geben 
die Herren Nicati und Rietzsch Folgendes bekannt: 1) Rein¬ 
culturen von Kommabacillen haben ätherartigen Geruch. 2) Min¬ 
destens acht Tage alte Reinculturen auf Nährgelatine, denen mit 
Pasteur 'schein Filter die Bacillen entzogen werden, erzeugen, 
in’s Gefässsystem von Thieren cingebracht, ernste Störungen, die 
mit dem Tode endeu können. 3) Flüssige Culturen sind selbst iu 
grosser Menge iniicirt, wirkungslos. 4) Frische, nach Pasteur 
nltrirte Culturen bleiben, in die Venen oder subcutan injicirt, wir¬ 
kungslos. Während der Pariser Cholera-Epidemie hat Dr. B a b e s 
Untersuchungen angestellt, und hat die Koch 'sehen Angaben 
durchweg bestätigt, und Herr Bochefontaine, Chef des V u 1- 
pian’sohen Laboratoriums, hat 5 Cctm. Choleradejectionen in 
Pillenform zu sich genommen, ohne durch diese Heldenthat Schaden 
zu nehmen. 

In Deutschland traten im August 1884 die Herren Prof. Fink- 
ler und Docent Dr. Prior in Bonn mit der Mittheilung hervor, 
sie hätten bei einer Anzahl in Bonn vorgekommener Fälle von Cho¬ 
lera nostras neben einer enormen Menge anderer Bacillen auch kom¬ 
maförmige gefunden. Einige Wochen später machten sie ihre de- 
taiHirte Angaben über ihre Reinculturen, in denen sie ein sehr wun¬ 
derbares Verhalten ihrer Organismen beschreiben: Der Kommaba¬ 
cillus bekommt an jedem Ende einen Sporn, derselbe wächst zur 
Spirille aus, selbige werde dicker, platze zuletzt und entleere eine 
Menge junger Kommabacillen, welche dann dieselbe Entwickelung 
durchmachen. Wunderbarer und bedauerlicher Weise nahm die 
Kölnische Zeitung sich dieser Finkler-Prior 'sehen Ent¬ 
deckung mit grosser Wärme an und brachte sie, ohne den mittler¬ 
weile erschienenen Kritiken Raum zu gönnen, ihrem Leserkreise als 
Entdeckungen, welche die Schlussfolgerungen K o c h 's völlig in 
Zweifel stellen. Ja, eine Mittheilung des Lancet über die kom¬ 
maförmigen Bacillen im Mundschleim, welche Lewis gefunden, 
und identisch mit K o c h 's Bacillen erklärt hatte, wurde auch auf¬ 
genommen, und tiiumphirend der Welt verkündet, K o c h ’s Unter¬ 
suchungen hätten keinen Werth. Auch später wurden die E m m e- 
rich'sehen Mittheilungen mit derselben Wärme ans Herz ge¬ 
schlossen. Abgesehen von allen anderen Gründen, die eine politi¬ 
sche Zeitung abhalten sollten, fachwissenschaftlichen Fragen so 
subtiler Art einen Raum, und zwar einen von Parteilichkeit erfüll¬ 
ten Raum anzuweisen, fällt dieses Gebahren gerade bei der Kölni¬ 
schen Zeitung auf, die ihren nationalen Standpunct stets hervor¬ 
kehrt, und sich nicht gescheut hat, Deutschlands grossen Bacterien- 
forscher möglichst zu discreditiren; das hätten französische Zei¬ 
tungen mit Pasteur, russische mit Botkin nicht gethanl 
Die erste Kritik erführen die Mittheilungen von Finkler und 
Prior durch F. Hneppe, der den dringenden Verdacht aus¬ 
spricht, es seien keine Reinculturen von ihnen dargestellt worden. 
Als zweiter Bprach sich aber Koch selbst über diese Untersuchungen 
aas (D. med. Wochenschrift H 45,1884), nachdem er von den Unter- 
suchem eine Reincultur und Präparate übersandt erhalten hatte. 
In dieser «Reincultur» wies nun Koch durch sein Platten verfah¬ 
ren, das von den Bonner Forschern offenbar gar nicht angewandt 
worden war, 4 verschiedene Bacterienarten nach, unter ihnen auch 
kommaförmige, welche sich aber morphologisch und vor Allem, 
worauf Koch sehr grosses Gewicht legt, biologisch wesentlich von 
seinen Bacillen unterscheiden. Ihr Verhalten auf Nährsubstanzen 
ist fast durchgehend different von demjenigen der K o c h 'sehen Ba¬ 
cillen, und ebenso weicht der L e w i s'sehe Kommabacillus des 


Mundschleims, den K o o h sehr gut kennt und über den er auch ge¬ 
schrieben hat, in diesen beiden Hinsichten vom Bacillus Kochii ab. 
Die Koch 'sehe Entgegnung ist nicht sehr zart, doch in weit ur- 
baneren Formen gehalten, wie seiner Zeit die Entgegnung auf die 
Spina 'sehen Angriffe nach der Entdeckung der Tuberkelbacillen. 
Hier erlaubt er sich nur im Tone vornehmer Ironie die Methode der 
Bonner Forscher zu kritisiren, und ihnen den motivirten Vorwurf 
zu machen, sie hätten die Anfangsgründe der Bacteriologie noch 
nicht beherrschte als sie schon ihre «Entdeckungen» der Welt mit¬ 
theilten. Gleichzeitig theilt er mit, dass er die Thierversuche von 
Nicati und Rietzsch controlirt und dieselben Resultate erhal¬ 
ten habe. Auch ohne Unterbindung des Duct. choledochus sterben 
die Thiere nach Ipjection einer kleinen Menge Reincultur ins Duo¬ 
denum, und im Dünndarm findet man dann später Veränderungen 
analog denen des Choleradarmes, und die Bacillen fast als Rein¬ 
cultur. Daran knüpft er die wohlwollende Ermahnung, mit dem 
Verschlucken von Reinculturen vorläufig noch zu warten. 

Finkler und Prior reisten nach Genua und in einer Corre- 
spondenz von dort an die Kölnische Zeitung wurde verkündet, sie 
hätten sich positiv von der Identität ihres Bonner Bacillus und des 
Bacillus der Cholera asiatica überzeugt. Beide könnten durch ver¬ 
schiedenes Culturverfahren dazu gebracht werden, plumper oder 
zarter zu erscheinen, und daher seien morphologische Differenzen 
nicht entscheidend. Ebenfalls in Genua haben die Professoren 
C e n c i und K1 e b s Cholerauntersuchungen gemacht. Ersterer 

f iebt an, die Cholerabacillen seien nicht constant, und seien mit den 
i n k 1 e r 'sehen identisch; er erzählt aber auch, dass es ihm nicht 
geglückt sei, eine Reincultur darzustellen. Letzterer constatirt die 
Bacillen im Darm, findet sie zuweilen nur sehr spärlich, hat sie in 
der Darmwand nicht nach weisen können. Culturverauche mit Blut 
und Milzsubstanz sind ihm nicht geglückt. Zu Ergebnissen, welche 
absolut mit demjenigen K o c h 's übereinstimmen, ist der Belgier Dr. 
van Ermengem gekommen. Auch er giebt an, dass der ge¬ 
krümmte Bacillus des Mundschleims in Gelatine nicht wächst, dass 
die F i n k 1 e r 'sehen Reinculturen ein Gemisch verschiedener Bac¬ 
terienarten sind, und dass er die Thierexperimente von N i c a t i und 
R i e t s c h durchaus nur bestätigen könne. 

Die Cholera-Epidemie in Paris gab August Pfeiffer aus 
Wiesbaden Gelegenheit, dort bezügliche Studien zu machen. In 12 
Fällen von Cholera asiat. fand er den Bacillus constant, in einer 
Reihe Diarrhoen anderer Natur vermisste er Bie. In Schnitten von 
Mesenterialdrüsen hat er sie nie gefunden, bezweifelt daher Em¬ 
me r i c h ’s Angaben. Die Finkler 'sehen Bacillen erklärt er für 
länger und dicker, dieselben wachsen anders in der Platte, anders 
im hängenden Tropfen, anders im Reagens-Röhrchen. Die Unter¬ 
schiede sind für jeden Kundigen gewaltig. K o c h hat die P f e i f- 
f e r 'sehen Culturen von Pariser Kommabacillen untersucht, und die 
Identität mit den Touloner constatirt. 

Von der bayerischen Regierung war Privatdocent Emmerich, 
der nicht lange vorher aus der Zwischendeckentüllung der Schlaf¬ 
säle der Gefangenenanstalt Amberg, wo croupöse Pneumonie ende¬ 
misch herrschte, die charakteristischen Pneumoniekokken gezüchtet 
hatte, nach Neapel geschickt worden, um die Cholera zu studiren. 
Am 3. December 1884 hielt er darauf im ärztlichen Verein in Mün¬ 
chen einen Vortrag, in dem er über seine Resultate berichtet: Aus¬ 
gehend von der Thatsache, dass Choleraleichen nicht blos im Darm, 
sondern auch in den inneren Organen Veränderungen zeigen, und 
dass mau daher die specifischen Pilze auch in letzteren finden müsse, 
hat er 9 Choleraleichen und das Blut einer im Stadium algidum be¬ 
findlichen Frau untersucht, und hat in allen Fällen einen und den¬ 
selben Pilz gefunden, der kurze cylindrische Zellen mit abgerunde¬ 
ten Ecken darstellt. Am zahlreichsten fand er sich iu Niere und 
Leber, dann auch in der Lunge, am seltensten in der Milz. Im Or- 
gansennitt hat er Ihn bisher nur im Darm und in den Nieren gefun¬ 
den. Dieselben Bacillen fanden sich in grosser Anzahl im Stuhl und 
im Darminhalt. Kommabacillen waren bisweilen, meist aber waren 
die E m m e r i c h 'sehen Bacillen überwiegend; in zwei Fällen fan¬ 
den sich keine Kommabacillen. Infectionsversuche an Thieren er¬ 
gaben das merkwürdige Resultat, dass bei Einführung der Bacillen 
in deren Körper auf einem beliebigen Wege, immer Erkrankung des 
Dünndarms in den Vordergrund tritt. Die Veränderungen in dem¬ 
selben sind direct abhängig von der Menge der eingefülirten Pilze. 
Die Milz behält ihr normales Aussehen. Wichtig ist, dass nach 
Injection der Pilze unter die Haut oder in die Lungen die 10—15 
normal im Meerschweinchen-Darm vorkommenden Pilze verschwin¬ 
den, während in den pathologischen Darmsecreten kommaförmige 
Bacillen und Spirillen auftauchen. Er beansprucht für seine Pilze, 
dass sie zur Cholera asiatica in wesentlicher aetiologischer Beziehung 
stehen. 

Einer sehr energischen Kritik unterzieht (D. m. W. J§ 2.1885) Prf. 
C. F1 ü g g e — Göttingen diese Emmerich 'sehen Mittheilungen: 
Er habe nicht das Plattenverfahren beuntzt, habe uur in einem 
Bruchtheil seiner Röhrchen Culturen bekommen, diese Culturen 
hätten nichts Charakteristisches, und die Thierverso che hätten ebenso 
wenig etwas Charakteristisches, man könnte mit beliebigen septi¬ 
schen Spaltpilzen dieselben experimentellen Resultate erhalten. Vor 
Allem fehle noch der Nachweis, dass die Pilze in anderen als Cho¬ 
leraleichen nicht Vorkommen. Er spricht direct die Ueberzeugung 
aus, dass Emmerich es mit Verunreinigungen zu thun gehabt 
hat, seien das nun Spaltpilze, die nach dem Tode in die Leichen ein* 


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gewandert seien, oder seien sie ans der Luft in seine Röhrchen ge¬ 
langt. Zn dieser Kritik hat H. B n c h n e r einige «Bemerkungen» 
in der Berliner klinischen Wochenschrift J4J4 5 und 6, 1885 er¬ 
scheinen lassen, in denen er Emmerich in Schatz nimmt. Die 
von Koch supponirte Giftwirkung der Bacillen gefällt ihm gar 
nicht, und er kann sich nicht gut vorsteiler wie unter solchen Ver¬ 
hältnissen der kritische Umschlag im Befinden des Cholerakranken 
vor sich gehen solle; ebenso stösst er sich daran, dass die massen¬ 
haft transsudirende Darm wand resorbiren soll, und die nicht mehr 
transsudirende bei eintretender Besserung es nicht mehrthue. Diese 
Einwände sind unhaltbar; an und für sich kann er gegen die «Gift- 
bildnng» der Pilze nichts haben, sie ist jedenfalls viel wahrschein¬ 
licher, als dass man die Krankheitserscheinungen durch ihre mecha¬ 
nische Anwesenheit erklären wolle, und ferner ist kritischer Verlauf 
nicht bloss, wie er direct sagt, der croupösen Pneumonie eigen, son¬ 
dern auch z. B. der Febris recurrens, den Malariafiebern. Endlich 
ist die Resorption des «Giftstoffes» wahrscheinlich schon beendet, 
wenn der Darm in Folge dieses Giftes und in Folge der local reizen¬ 
den Pilzmassen transsudirt, und in Genesungsfällen resorbirt er spä¬ 
ter desshalb nicht mehr, weil die Pilzmassen eliminirt sind. Im 
Wesentlichen gipfelt seine Beweisführung, der nachzugehen uns zu 
weit führen würde, in der Behauptung der Zweckmässigkeit von 
Röhrchenculturen in diesem Falle, in Betonung der negativen Milz- 
befunde beim Thierexperiment, was den Erfahrungen über septische 
Pilze widerspreche, und in der Gleichartigkeit der gewonnenen Pilze 
in allen Fällen, was der Annahme einer Verunreinigung wider¬ 
spreche. Zuletzt führt er K o c h ’s Aeusserungen an, er habe «trotz 
der sorgfältigsten Untersuchung aller anderen Organe und des Blu¬ 
tes doch daselbst nichts gefunden, was auf das Vorhandensein eines 
Infectionsstoffes schliessen lasse», und wünscht, Koch möge sich 
äussern, ob er bei diesen Untersuchungen nicht Pilze gefunden habe, 
welche er aber vernachlässigen zu müssen geglaubt habe, weil er sie 
für Fäulnisspilze gehalten habe. Das heisst, er lässt die Möglich¬ 
keit dnrchblicken, Koch habe auf der Jagd nach Kommabacillen 
die anderen sich findenden Pilze als unwesentlich ausser Acht ge¬ 
lassen. Die Antwort von Koch wird wohl nicht auf sich warten 
lassen; man muss auf sie gespannt sein, da sie sich gewiss wie alle 
seine Veröffentlichungen* durch Klarheit, Sicherheit und Bestimmt¬ 
heit auszeichnen wird. Wenn wir noch eine Arbeit von B a b e s 
(V i r c h o w’s Archiv Bd. 99, Heft 1) Untersuchungen über Koch's 
Kommabaciüus anführen, so haben wir das bisher vorliegende Ma¬ 
terial zur Frage so ziemlich erschöpft. B a b e s findet, dass je nach 
der Concentration der Nährmedien das Aussehen der Culturen und 
der Bacillen selbst sich ändert, so dass Verwechslungen und Täu¬ 
schungen durch solche veränderte Bedingungen entstehen können. 
Wichtig sind seine Angaben, dass die Bacillen in destülirtem Wasser 
sehr bald zu Grunde gehen, in Fluss- und Wasserleitungswasser aber 
7 Tage und länger leben können. Einige Uebertragungsversuchc * 
auf Thiere sind ihm geglückt; bei einigen am Schwanz geimpften 
Mäusen konnte er durch Culturen im Bluthund in der Milz den Ba¬ 
cillus nachweisen, bei einer auch direct im Darminhalt. Bei dem 
Meerschweinchen, dem 0,1 Grm. Reincultur ins Duodenum einge¬ 
führt war, fand er Kommabacillen in mässiger Menge in den reis¬ 
wasserähnlichen Darmcontentis. 

W e i s s: Die infantile Hysterie. (Arch. f. Kinderheilk. V. B., 
11. und 12. Heft). 

Schäfer: Ueber Hysterie bei Kindern. (Arch. f. Kinder¬ 
heilk., Bd. V, H. 9 und 10. Leipziger Doctordissertation). 

Verf. ist ein Anhänger der Liebermeister 1 sehen Theorie , 
nach welcher die Hysterie als eine Psychose betrachtet wird. Im 
kindliehen Alter ist die Hysterie bei beiden Geschlechtern nicht 
selten, trotzdem wurde sie bis jetzt wenig berücksichtigt 4 ). Diese 
Krankheit hat im Ganzen einen regellosen und atypischen Verlauf 
und zeichnet sich durch Störungen in der sensiblen, motorischen und 
psychischen Sphäre aus. Störungen letzterer Art kommen wohl am 
häufigsten vor und bestehen in leichteren Fällen nur in gesteigerter 
Reizbarkeit oder Depressionserscheinungen, die sich in schwereren 
Fällen zu Delirien oder hallucinatorischen Erregungssaatänden stei¬ 
gern können. Die oben erwähnten Störungen werden zuweilen von 
Sensibilitäts- oder Motilitätsstörungen begleitet. Letztere können 
für sich allein, in Gestalt der Convulsionen (ohne Verlust des Be¬ 
wusstseins) oder sogen, «hysterischen Contracturen» auftreten. Diese 
Contracturen, die zuweilen das Bild einer Knochen- oder Gelenks- 
affection Vortäuschen, können monate- ja selbst jahrelang bestehen 
und schliesslich plötzlich verschwinden. Dasselbe gilt von den 
übrigen hysterischen Affectionen. Kinder, die an infantiler Hyste¬ 
rie leiden, zeichnen sich sehr oft durch ihre grosse Begabung aus 
(Wunderkinder) und es genügt zuweilen eine unbedeutende Gelegen¬ 
heitsursache (Fall auf ebenem Boden, Schreck u. s. w.) um einen 
hysterischen Anfall hervorzurufen. Oft werden solche Kinder für 
Simulanten gehalten. Die Dauer der Krankheit ist im kindlichen 
Alter eine kürzere und die Prognose eine viel günstigere, als bei 
Erwachsenen. Letzterer Umstand hängt wohl damit zusammen, 


4 ) Beschrieben wurde diese Krankheit von H e n o c h in seinem I 
Handb. der Kinderkrankheiten. Berlin, 1881. Ferner haben sich | 
mit dieser Frage beschäftigt: Fer6, Greffier, Barre und ! 
Riegel. 


dass die Kinder psychischen Einwirkungen mehr zugänglich sind 
als Erwachsene. Mit der medicamentösen Behandlung kommt man 
in der Regel nicht weit. Den einzigen Erfolg verspricht Verf. von 
der sog. psychischen Behandlung, besonders dem sog. «Shock», der 
darin besteht, dass man solchen Kindern mit der Entfernung aus 
dem elterlichen Hause droht. Obiges Verfahren giebt zuweilen 
ganz gute Resultate (in 2 Fällen vom Verf.). Zuweilen bleibt die 
Wirkung des Shocks vollständig aus und sogar die wirklich ausge¬ 
führte Entfernung aus dem elterlichen Hause erweist sich ganz wir¬ 
kungslos. Nach Verfassers Meinung soll man das stärkste Mittel, 
d. h. den Shock nicht gleich anwenden, sondern dasselbe für spätere 
Zeiten sparen. Auch soll man die Umgebung des Kindes beruhigen, 
denn je aufgeregter diese letztere ist, desto intensiver gestaltet sich 
der hysterische Anfall. 

Weit ausführlicher und erschöpfender wird dieselbe Krankheit von 
S. in seiner oben erwähnten Arbeit beschrieben. Auch er bekennt 
sich zur Liebermeister ’schen Theorie, zu deren Anhängern 
die meisten Gynäkologen und Psychiater der Neuzeit gehören. Die 
Ansicht, dass die Hysterie eine ausschliessliche Krankheit des weib¬ 
lichen Geschlechts sei und von der Genitalsphäre ausgehe, ist ge¬ 
genwärtig ganz hinfällig geworden, indem man sie auch bei Män¬ 
nern (wenn auch seltener) und bei Kindern vor der Pubertät (bei 
Knaben etwas seltener, als bei Mädchen), ja selbst bei Säuglingen 
beobachtet hat. Nach S c h e r p f sollen die meisten Fälle von Hy¬ 
sterie Erwachsener aus dem kindlichen Alter herstammen. Die sog. 
infantile Hysterie ist keine seltene Krankheit (Ammon fand unter 
268 F. 16 im Alter v. 8—15 Jahren; S c a nz o n i unter 217 F. 4 im 
Alter unter 10 J. und 13 im Alter v. 10—15 J.). 8ehr oft wird 
diese Krankheit mit Simulation verwechselt, wovon A b e 1 i n *) 
einige merkwürdige Fälle mittheilt. Nach Mendel gehört die 
Hysterie zu den functionellen Psychosen, sie kann ebenso wie Me¬ 
lancholie, Hypochondrie u. s. w. mit der Zeit zu eigentlichen Psy¬ 
chosen führen. Die Ursachen der Hysterie können in prädisponi- 
rende und determinirende eingetheilt werden. Unter ersteren spielt 
die Heredität die Hauptrolle (auch das sog. nervöse Temperament 
der Eltern giebt eine Gelegenheitsursache ab). Die Anlage kann 
aber auch eine erworbene sein in Folge einer unzweckmässigen kör¬ 
perlichen und geistigen Erziehung (mangelhafte Ernährung, Man¬ 
gel an Luft und Bewegung, geistige Ueberanstrengung, vorzeitige 
Erweckung der Sinnlichkeit durch aufregende und unsaubere Leo¬ 
türe u. s. w.). Die meisten Kinder mit infantiler Hysterie zeich¬ 
nen sich durch eine hochgradige Anämie und Chlorose aus. Auch 
Onanie gehört zu den prädisponirenden Ursachen der Hysterie. Un¬ 
ter den determinirenden Ursachen Bpielen die Erkrankungen und Ab¬ 
normitäten der Sexualorgane (angeborene Phimose, Verklebung des 
Präputium mit der Glans u. 8. w.) eine wichtige Rolle. Auch psy¬ 
chische Einwirkungen (Angst vor einer Strafe, Tod der Eitern u. 
s. w.) können einen Anfall hervorrufen. Auch der Nachahmungs¬ 
trieb spielt eine wichtige Rolle in der Aetiologie der Hysterie. See- 
1 i g m ü 11 e r unterscheidet 4 Formen von Hysterie und zwar: 1) 
maniakalische, 2) hypnotische, 3) epileptische und 4) convulsive 
Form. Sensibilitätsstörungen kommen im kindlichen Alter verhält- 
nissmässig selten vor, doch hat man schon verschiedene Arten der¬ 
selben beobachtet und zwar Hyperästhesien (auch H. der Sinnesor- 
organe: Photophobie, Empfindlichkeit gegen Geräusche, auch H. 
des N. vagus — Bulimia), Anästhesie (besonders als Heinianästhesie, 
linkerseits häufiger, welche Haut, Schleimhäute und Sinnesorgane be¬ 
treffen kann. Auch partielle A. besonders des Hand- und Fuss- 
rückens), Parästhesie (Ameisenkriechen { Pelzig- und Taubsein der 
Haut). Auch Parästh. des N. vagus, Picae und verschiedene Neu¬ 
ralgien (Migräne, Neuralgien des Trigeminus, Cardialgie u. s. w.). 
Hierher gehören auch die sogen. Gelenkneurosen besonders des 
Hüft- und Kniegelenkes, zuweilen verbunden mit Muskelcontrac- 
turen («hysterische Gelenkleiden» der Engländer), deren Haupt¬ 
symptom im Hinken und Schmerz besteht (letzterer nimmt zuweilen 
bei Druck zu). Auch constatirt man zuweilen am Gelenk die sog. 
Points douloureux). Die Motilitätsstörungen äussern sich in Kräm¬ 
pfen (klonischen und tonischen), die allgemein oder partiell sein 
können. Solche Krämpfe können auch glatte Muskeln (Globus hy- 
stericus) befallen. Der sogen. Ructus hystericus kommt bei Kin¬ 
dern verhältnissmässig selten vor, dafür aber häufiger das sog. hy¬ 
sterische Erbrechen, wobei die Ernährung der Kinder wenig leidet. 
Auch respiratorische Krämpfe kommen vor als sogen. Singultus mit 
wochenlanger Dauer und nächtlichen Pausen. Ferner beobachtet 
man auch dyspnoetische Anfälle und den sogenannten hysterischen 
Husten (hohl, abgebrochen, trocken, zuweilen bellend, resp. mit 
keuchender Inspiration), der hauptsächlich in der Nacht auftritt. 
Schliesslich gehören auch die sog. Lach-, Wein- und Schreikrämpfe 
(dem Brüllen wilder Thiere ähnliche Töne), sowie der Spasmus glot- 
tidis hierher. Hysterische Contracturen (an den oberen Extremi¬ 
täten meistens Flexionscontracturen, an den unteren Extensionscon- 
tracturen im Hüft-. Knie- und Fussgelenk) entweder allmälig, nach 
Lähmungen oder plötzlich auftretend, von monate- ja selbst jahre¬ 
langer Dauer und schliesslich plötzlich verschwindend, kommen auch 
nicht selten vor. Lähmungen (bei denen die galvanische und fara- 
dische Erregbarkeit jahrelang besteht), bald einen einzigen Mus¬ 
kel oder eine einzige Muskelgruppe (vorwiegend die der Extremi- 


*) Ueber simulirte Krankheiten 4er Sander. Centralzeitung für 
Kinderheilk. Jahrg. 1877/78. 


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75 


täten), zuweilen die beiden gleichnamigen Glieder, ja sogar alle 
4 Extremitäten betreffend, entwickeln sich entweder nach Krämpfen 
oder nach heftigen psychischen Erregungen. Auch Hemiplegien 
(besonders linkerseits, gleichseitig mit Hemianästhesien) ohne Läh¬ 
mung der Gesichts- oder Zungenmuskeln (Unterschied von Cerebral¬ 
lähmungen) kommen vor. Zu den hysterischen Lähmungen gehören 
Lähmung des M. levator palpebr. super. (Ptosis auf part. Lähmung 
des N. oculomotorius beruhend), L. des Pharynx, des Oesophagus 
und der Darmmuskulatur (habituelle Verstopfung) und schliesslich 
L. der einselnen Kehlkopfmuskeln (hysterische Heiserkeit und Apha¬ 
sie). Auch in der vasomotorischen Sphäre beobachtet man bei Hy¬ 
sterie Krampf- resp. Lähmungserscheinungen mit der darauf beru- 
iiendeu Anämie resp. Hyperämie der äusseren Haut und der Schleim¬ 
häute. Letztere können zu Hämorrhagien (Hämatemesis, Hämoptoe, 
n. s. w.) führen. Schliesslich sind noch Secretionsstörungen (Schweiss- 
Speichel-, Harn- u. s. w.) zu erwähnen, die entweder auf einer Ver¬ 
mehrung (Ptyalismus, Polyurie) oder Verminderung (Anurie) des 
betreffenden Drüsensecrets beruhen können. Zuweilen sind bei einem 
und demselben Individuum alle Secretionen alterirt. Die Abnormi¬ 
täten in der psychischen Sphäre bestehen in Reizbarkeit, Empfind- 
Hchkeit, Launenhaftigkeit u. s. w. Mit der Zeit bildet sich eine 
melancholische Stimmung aus. Zuweilen bilden sich die sogen, 
transitorischen Psychosen, häufig mit religiös-hallncinatorischerVer¬ 
zückung. Die Prognose, im Ganzen zweifelhaft, ist doch im Allge¬ 
meinen günstiger (verhäitnissmässig günstig bei Erkrankungen der 
Sexualorgane und bei Chlorose, ungünstig bei hereditärer Anlage) 
als bei Erwachsenen, Besserungen und Verschlimmerungen kommen 
ror und je merkwürdiger und unbegreiflicher der Fall in dieser Be¬ 
ziehung ist, eine desto bessere Prognose gewährt er nach Henoch. 
Zuweilen verschwinden spontan sogar chronische Zustände mit dem 
Eintritt der Pubertät. Bei der Therapie spielt die Prophylaxis die 
Hauptrolle. Bei bereits ausgebrochener Krankheit ist die causale 
Behandlung indicirt. Vf. empfiehlt vor Allem die Elektricität (allg, 
Faradisation) und Anwendung des kalten Wassers (kalte Ueber- 
giessungen, kalte Abreibungen, Bäder, besonders Seebäder. Sonst 
symptomatische Behandlung. Bei lange andauernden Krämpfen 
Narcotica (Chloralhydrat, Chloroforminhalation, subcutane Injec- 
tionen von Morphium u. s. w.). Bei Contracturen und Lähmungen 
Elektricität, Massage, passive Bewegungen und schliesslich die sog. 
psychische Behandlung. Letztere spielt die Hauptrolle in der 
Therapie der infantilen Hysterie. In verzweifelten Fällen hilft zu¬ 
weilen die Entfernung aus dem elterlichen Hause (in ein Kranken¬ 
haus oder in eine fremde Familie). N. E. 

% 

J. Hoffmann: Ueber die Anwendung des Cocains in der 
frauenärztlichen Praxis, insbesondere beim Vaginismus 
und Pruritus vulvae. (Wien. med. Presse 1884, S 60, 51). 

C a Z i n : (Semaine medicale 1885, 1. Verhandlungen der So- 

cietö de Chirurgie zu Paris). 

Der deutsche Verf. hat bei Behandlung obiger Krankheiten bi 8 
dahin meist sehr ungünstige Resultate erhalten, dagegen in letzter 
Zeit durch Cocain recht gute zu verzeichnen gehabt. Zwei aus¬ 
führliche Krankengeschichten von Vaginismus und drei von Pru¬ 
ritus vulvae, in denen Cocain (in Salbenform und als Lösung) über¬ 
raschend günstigen Einfluss auf das Leiden hatte, illustriren Ge¬ 
sagtes. 

Dieselbe Beobachtung in einem Falle von Vaginismus machte Dr. 
C a z i n, der sie briefl. dem obengenannten Verein mittheilte. N. 


BOcher-Anzeigen und Besprechungen. 

A- Schmitz: DasOranienbaumer Asyl für convalescente 
Kinder. Bericht über die Jahre 1872 bis 1883. St Peters- 
bürg, 1884. 

Verf. giebt zuerst ein geschichtliches Apergu der Anstalt, be¬ 
schreibt dann deren Lage, Einrichtung and Hausordnung im allge¬ 
meinen Theile. Der medicinische Bericht befasst sich mit den Er¬ 
folgen, die der Aufenthalt in der Anstalt auf die kranken Kinder 
gehabt, einmal bezüglich der Heilung (resp. Besserung) von ihrer 
Krankheit, andererseits in Bezng auf die Besserung des Allgemein¬ 
befindens und des Kräftezustandes. Dies geschieht an der Hand von 
drei interessanten, hübschen und genau besprochenen Tabellen. 

Es erweist sich das Resultat wirklich als ein äusserst glänzendes, 
so dass wir wünschen, dass des Autors fleissiges Werkchen auch den 
Erfolg haben möge, für derartige Anstalten das Interesse des wei¬ 
teren Publicums zu wecken. N. 

Prof. Rudolf Boehm: Lehrbuch der allgemeinen und 
speciellen Arzneiverordnungslehre. Jena 1884. 8. XVI 
und 676. 

Das vorliegende Werk weicht in gewisser Beziehung von dem 
durch Waldenburg und L i m a n geschaffenen Typus einer Arz¬ 
neiverordnungslehre ab. Der Stoff ist in demselben nicht alphabe¬ 
tisch, sondern systematisch angeordnet; es enthält nur eine be¬ 
schränkte Anzahl von Receptformeln, kein Autoren- und kein thera¬ 
peutisches Register. Steht es sonach als Naehschlagebuch hinter 
jenen in mancher Beziehung zurück, so konnte es wiederum als 


Lehrbnch (und als solches will es der Verf. vor Allem angesehen 
wissen) eben gerade nnr in dieser Form Erfolg haben. Das che¬ 
misch genan characterisirte Material wird in einer Anordnung ge¬ 
boten, welche es ermöglichen soll, dass sich aus den Eigenschaften 
der Arzneimittel in jedem Falle die Form ihrer Anwendung so zu 
sagen von selbst ergieht. Wer demnach über die vorausgesetzte 
Kenntniss der Arzneiwirkungen gebietet und an consequente Ver- 
werthnng derselben gewöhnt ist, wird in diesem Buche über die Ab¬ 
fassung seiner Recepte vollständige Belehrung finden und durch das 
ausführliche alphabetische Register auch in den Stand gesetzt sein, 
ein weiteres Nachschlagebneh zu entbehren. Der Name des Verf. 
allein scheint uns seinem Werke, wenigstens bei vielen der jungen 
Vertreter unseres ärztlichen Standes, als seinen ehemaligen Schü¬ 
lern, eine sympathische Aufnahme zu sichern. G. 


An die Redaction eingesandte BOctier und Druck¬ 
schriften. 

— Aerztliches Gutachten über das Elementar* 
Schulwesen Elsass-Lothringens. Im Aufträge des kai¬ 
serlichen Statthalters erstattet von einer medicinischen Sachverstän¬ 
digenkommission. — R. Schulz & G°. Strassburg 1834. 

— Antwort auf den Artikel des Herrn Dochmann 
von Prof. M. Ghomjakow. — Kasan 1885. (Rnss.) 

— A discussion of so me qnestions relating to ton- 
sillotomy (Sep.-Abd. a. d. «Medic. Record» Februar 1883)and 
«Clinical remarks upon defectiona of the nasal sep- 
tum» (Sep. Abd. a. d. «Medio, and surgic. reporter» December 1883) 
by W. H. Daly. 

— Der Impjfzwanggegner. 1885 S 3. 

— Sitzungsprotokolle der Dünaburger med. Ge¬ 
sellschaft für 1883—1884. — Dünaburg 1885. (Buss.) 

— Ueber die pathogenen, pflanzlichen Mikroorga¬ 
nismen von Dr. Ba um g ar t en. A. d. Deutschen übersetzt und 
erläutert von K. N. Winogradow. Mit 32 Abblid. — St. Pe- 
tersburg 1885. (Russ.) 

— Ueber die sogenannte Vaccination und Variola 
von Dr. J. Hamernik. (Sep.-Abd. a. d. «Politik.») — Prag 1884. 

— The medical chronicle. 1885 & 5. 

— Das Krankenmaterial des Spitals der barmher¬ 
zigen Brüder zu Prag vom Jahre 1670 bis auf unsere Zeit, 
mit besonderer Berücksichtigung der Variola vonDr. H. 
Haas — H. Dominicas. Prag 1885. 

— C. Hüter’s Grundriss der Chirurgie,,III. AufL von 
Prof. H. Lossen. U. Bd. Speciell. Theil. I. 'Abtheil. Die 
chirurgischen Krankheiten des Kopfes. Mit 106Abbild. 

— F. C. W. Vogel. Leipzig 1885. 

— Madeira und seine Bedeutung als Heilungsort 
von Dr. K. Mittermaier und Dr. F. Goldschmidt. II. Aufl. 

— F. C. W. Vogel. Leipzig 1885. 

— Medicinisch-pädagogischer Bote. I. Jahrgang, 
S1 . 1885. (Buss.) 

— Die Syphilis in der Reihe der übrigen parasi¬ 
tären Krankheiten und der Kampf des Organismus 
gegen das Syphilis-Contagium von K. Schadeck. (Sep.- 
Abd. a. d. „Med. West.“ S 44—50,1884. (Russ.) 

— Norsk magazin for lägevidenskalen. !Bd. V. Heft 
I. nnd H. 

— Bote für Zahnheilkunde. I. Jahrgang, S 2 . (Russ.) 


Vermischtes, 

— Am 23. Februar c. verstarb in St. Petersburg der Hofinedicus, 
wirklicher Staatsrath Dr. Theodor v. Ettinger im 54. Le¬ 
bensjahre am Herzschlage. E. hatte seine medicinische Bildung 
auf der hiesigen medico-chirurgischen Academie erhalten, welche 
er im Jahre 1859 absolvirte. Er diente anfangs im Ressort des Do- 
mänenmimsterinms, darauf im Hofressort, wo er in der letzten Zeit 
neben dem Posten des Hofmedicns des VI. medicinischen Hofbezirks 
noch die Stellung eines Arztes beim Reichsrath und zuletzt auch bei 
der Bittschriften-Commission bekleidete. 

— Am 24. Febr. a. c. verstarb hierselbst Dr. Fr. Steinmann, 
35 J. alt. Vor einem Monat hatte er einen Schlaganfall erlitten, 
dessen Wiederholung am genannten Tage seinem Leben ein jähes 
Ende bereitete. Ueber das Leben und Wirken des verdienten nnd be¬ 
liebten Collegen wollen wir demnächst nähere Mittheilungen bringen. 

— In Wien ist der hochverdiente Doeent der Kinderheilkunde an 
der dortigen Universität und dirigirende Arzt des Kronprinz Rudolf- 
Kluderhospilals, Dr. I g n a z H a n k e im 54. Lebensjahre am Herz¬ 
schlage gestorben. 

— Dr. St. Zawadski starb im Alter von 82 J. in Szczuczyn 
(Gonvern. Grodno). 

— In Bremen ist der Nestor der dortigen Aerzte, Dr.Leon- 
h a r d t, im Alter von 84 Jahren gestorben. L. hat das Verdienst 
gleichseitig mit Strohmeyer den 8 ehnenschnitt in die Chirurgie 
eingeführt zu haben; ja, es ist sogar nicht unwahrscheinlich, dass 
ihm die Priorität dieser wichtigen Operation suerkannt weiden muss. 


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— Die einzige wissenschaftlich-medicinische Zeitschrift Bulga¬ 
rien^ <Medicinska Sbirka* ist nach c. zweijährigem Bestehen auf 
Beschluss des bulgarischen Medicinalratbes eingegangen. 

— Am 14. und 15. März n. St. findet in Berlin die VII . öffent¬ 
liche Versammlung der halneologischen Sedum der Gesellschaft 
für Heilkunde statt. Es sind bereits viele Vorträge von bekannten 
Badeärzten Deutschlands für die Sitzungen angemeldet worden. 

— Die Errichtunp einer medicinischen Facultät an der Ödes - 

saer Universität wird gegenwärtig im Ministerium der Volksauf¬ 
klärung berathen. Dr. Ebermann, welcher im vorigen Jahre 
im Aufträge des Ministeriums in dieser Angelegenheit in Odessa 
war, hat nach der «Mosk. russ. Ztg.» dem Ministerium ein Me¬ 
moire eingereicht, in welchem daranf hingewiesen wird, dass zur 
Beschleunigung der Errichtung der Facultät eine Mitwirkung sei¬ 
tens der Stadt Odessa fast unumgänglich nothwendig sei. Ausser 
der Anweisung der zum Bau des Gebäudes erforderlichen Plätze, 
wäre noch eine Summe von c. 600,000 Bbl. nöthig, die jedoch von 
der Stadt nicht aof einmal gezahlt zu werden brauchte, sondern ra¬ 
tenweise im Laufe von 10 Jahren zu 60,000 Bbl. jährlich geleistet 
werden könnte. (Herold). 

— Der Breslauer Physiolog, Prof. B n d. H e i d e n h a i n, hat im 
Aufträge despreussischen Cultusministers v. Gossler unter Ver¬ 
wendung der seitens der medicinischen Facultäten bezüglich der 
Pivisedionsfraae erstatteten Berichte eine populär gehaltene Bro¬ 
schüre, welche den Titel «die Vivisection* führt, verfasst, in welcher 
Verf. auBführt, dass hinter dem Kampfe gegen den Thierversuch sich 
in Wahrheit eine Opposition gegen den Geist und die Methode der 
heutigen Medioin verberge und es also darauf ankomme, diesen 
Geist und diese Methode durch die praktischen Besultate, welche 
durch dieselben erzielt worden sind, zu rechtfertigen. Zunächst be¬ 
spricht Verf., wie wir der «A. m. Ztg.» entnehmen, die wichtigsten 
Entdeckungen der Gegenwart auf dem Gebiete der Physiologie. Die 
Kenntniss der Empfindungs- und Bewegungsnerven, der anatomi¬ 
schen Verbreitung der aus dem Bückenmark hervorgehenden Ner¬ 
ven, die Entwicklung der Functionen der Gehirnnerven, die Wissen¬ 
schaft vom Kreislauf des Blutes, vom Chylusgefäss und dem Abson- 
derungsgefäss sind nur auf experimentellem Wege erworben worden 
und die gegenteiligen Behauptungen der Antivivisectionisten be¬ 
ruhen auf einer Fälschung der Thatsachen. Nicht minder hat sich 
der Thierversuch auf dem Gebiete der praktischen Medicin bewährt 
und auch hier wird eine lange Beihe von Krankheitserscheinungen 
vorgeführt, deren Diagnose und Bekämpfung erst durch den Thier¬ 
versuch gesichert ist. Verf. wendet sich alsdann gegen die Behanp- 
tung, dass der Thierversuch zu einer Modekrankheit geworden sei. 
Eine Enquöte über die Arbeiten der physiologischen Institute von 
Deutschland *tat ergeben, dass andere wertvolle Untersuchungs- 
mittel keineswegs verdrängt sind durch die Thierversuche, die immer 
nur 25 % der gesammten physiologischen Arbeiten ausmachen. Nicht 
anders steht es mit der Behauptung, dass «die weitaus gTösste Zahl 
der vivisectionellen Experimente in den physiologischen Höraälen 
veranstaltet wird, um als Lehr- und Unterrichtsmittel zu dienen». 
Heidenhain hat von 17 Universitäten (6 preussischen und 11 
nichtpreussischen) genaue Angaben über die Zahl von Versuchen er¬ 
halten, welche an warmhlütigen Thieren zum Zwecke der Vorle¬ 
sungsdemonstrationen angestellt wurden. Als Endresultat ergiebt 
^ch, dass im Durchschnitt 13 Vorlesungsversuche an Warmblütlern 
auf den Vorlesungscyclus eines ganzen Jahres fallen. Von Privat- 
sectionen war an 21 Universitäten, die hierüber befragt worden 
waren, nichts bekannt. Die einzige Ausnahme bildete ein Fall auf 
einer süddeutschen und ein zweiterauf einer preussischen Universität. 
Aehnlich steht es mit den experimentellen Arbeiten der Aerzte; 
ausser den bahnbrechenden Arbeiten K o c h ’s dürfte kaum ein zwei¬ 
tes Beispiel zu nennen sein. In Bezug auf das Experiment selbst 
räumt Verf. ein, dass es ohne Schmerzbereitung für die Thiere nicht 
abgehe. Aber die Qualen werden übertrieben; man vergisst vor 
Allem, dass das Thier nur den physischen, nicht aber auch, wie der 
Mensch, den psychischen Schmerz empfindet. Im Uebrigen wird 
hervorgehoben, wie Anästhesie und Antisepsis das Loos der Ver- 
suchsthiere wesentlich erleichtert haben. Man könnte trotzdem die 
Frage aufwerfen, ob die Vivisectionen ethisch zu rechtfertigen 
seien. Verf. beruft in dieser Beziehnng sich auf I h e r i n g ’s Aus¬ 
spruch, dass es eine Verirrung des sittlichen Gefühls sei, das Thier 
auf Kosten des Menschen schonen zu wollen. Schliesslich wird der 
Nachweis geführt, dass Charles Bell, auf den sich die Antivi¬ 
visectionisten berufen, selbst das Experiment gerechtfertigt hat und 
nicht anders steht es mit Hy r 1 1. Auch er hat in der Zeit, wo er 
sich an der Fortentwicklung der Wissenschaft betheiligte, den Thier¬ 
versuch für unentbehrlich gehalten. 

Auf Grund dieses Berichtes hat der Cultusminister von Goss- 
1 e r sieh veranlasst gefühlt, bezüglich der Vivisectionsfrage an die 
medicinischen Facultäten der Landesuniversitäten einen Erlass zu 
richten, dessen Wortlaut wir hier fölgen lassen: «Die in Folge 
meines Erlasses vom 3. December 1883 seitens der medicinischen Fa¬ 
cultäten bezüglich der sog. Vivisedionsfrage erstatteten Berichte 
haben mich in der Ueberzeugnng bestärkt, dass auf unseren Landes¬ 
universitäten bei Anwendung und Ausführung der Versuche am le¬ 
benden Thier nach maassvollen und biliigenswerthen Grundsätzen 
verfahren wird, und dass dabei neben den Interessen der wissen¬ 
schaftlichen Forschung und des academischen Lehramtes auch die 
Anforderungen der Humanität gebührende Beachtung gefunden 


haben. Um in dieser Bichtung auch für die Zukunft allen Zweifeln 
vorzubeugen, erachte ich es für sachdienlich, die der bisherigen 
Praxis zu Grunde liegenden Gesichtspuncte durch eine allgemeine 
Anordnung gegen die Möglichkeit von individuellen Abweichungen 
sicher zu stellen. Zu diesem Zwecke bestimme ich hierdurch, was 
folgt: 

1 ) Versuche am lebenden Thier dürfen nur zu ernsten Forschungs- 
Oder wichtigen Unterrichtssweckcn vorgenommen werden. 

2 ) In den Vorlesungen sind Thierversuche nur in dem Maasse 
statthaft, als dies zum vollen Verständnisse des Vorgetragenen noth¬ 
wendig ist. 

8 ) Die operativen Vorbereitungen zu den V'orlesungs versuchen 
sind der Begel nach vor Beginn der eigentlichen Demonstration und 
in Abwesenheit der Zuhörer zu bewerkstelligen. 

4) Thierversuche dürfen nur von den Professoren und Docenten 
oder unter deren Verantwortlichkeit ausgeführt werden. 

5) Versuche, welche ohne wesentliche Beeinträchtigung des Be- 
sultats an niederen Thieren gemacht werden können, dürfen nur an 
diesen und nicht an höheren Thieren vollzogen werden. 

6 ) In allen Fällen, in welchen es mit dem Zwecke des Versuches 
nicht schlechterdings unvereinbar ist, müssen die Thiere vor dem 
Versuche durch Anästhetica vollständig und in nachhaltiger Weise 
betäubt werden.» 

— Dr. H o 1 z (Berlin) wandte bei hartnäckigem Erbrechen einer 
Schwangeren , nachdem die verschiedensten dagegen empfohlenen 
Mittel ohne Wirkung geblieben waren, das Cocain innerlich an. 
Nach 10 Tropfen einer 3% Lösung, am Morgen gegeben, hörte das 
Erbrechen sofort auf, kehrte am Abend wieder. Zwei weitere Gaben 
von je 10 gtt. genügten, die Patientin von dem lästigen Erbrechen 
vollständig zu befreien. 

— Da das Paraffinum liquidum nicht unbedeutende Mengen von 
Jod zu lösen vermag, so hat J e h n eine solche Lösung von Jod in 
flüssigem Paraffin an Stelle der Jodtinctur als Heilmittel bei Frost¬ 
beulen angewandt und durch diese Vereinigung der Wirkungen der 
Jodtinctur mit denen des Paraffins gute Erfolge erzielt. Er stellt 
das Paraffinum jodatum öprocentig dar durch Uebergiessen von 20 
Grm. Jod mit 380 Grm. flüssigem Paraffin in einem Glaskolben und 
durch gelindes Erwärmen und häufiges Umschütteln bis zur Lösung, 
welche eine dunkelviolette Flüssigkeit darstellt. Eine lOprocentige 
Lösung ist nicht zu erreichen, da ein Theil des Jods ungelöst zu¬ 
rückbleibt. 

— Dr. B. P ers h hat als äusserst wirksames Bandwurmmittel, 

selbst in den hartnäckigsten Fällen, an sich selbst und ca. 20 ande¬ 
ren Patienten erprobt eine Mischung von 01. croton. gtt. j, Chloro¬ 
form <3j, Glycerin Jj. Die ganze Dosis wird am Morgen nüchtern 
eingenommen, wirkt rasch und schmeckt nicht schlecht. Eine Vor- 
cur ist nicht nöthig; dagegen empfiehlt es sich am Abend vorher 
ein salinisches 'Abführmittel zu geben, damit nicht der Wurm etwa 
durch feste Kothmassen zerrissen werde und weil auch die Unter¬ 
suchung des schon verflüssigten Kothes leichter ist. Die durch das 
Crotonöl verursachte Darmreizung lässt sich durch Wismuth und 
Opium controliren. (Med. Surg. Bep. Oct. 25,1884. — Med. Press 
and Circ. Dec. 10 , 1884, H 2380.) G. 


Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs 

für die Woche vom 17. Febr. bis 23. Febi*. 1886. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 


M. W. Sa. 


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84 64 49 37 42 32 11 1 


2 ) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 1, Typh. abd. 19, Febris recurrens 0, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 4, Pocken 0, Masern 6, Scharlach 5, 
Diphtherie 6, Croup 1, Keuchhusten 2, Pnerperalkrankheiten 4, 
Dysenterie 1, Thiergift 1, andere Infectionskrankheiten 7. 

— Gehirnapoplexie 14, Entzündung des Gehirns und seiner Häute 
37, andere Gehirnkrankheiten 31, Krankheiten des Herzens und der 
Gefässe 18, acute Entzündung der Athmungsorgane 111, Lungen¬ 
schwindsucht 129, andere Krankheiten der Brusthöhle 12, Gastro- 
intestinal-Krankheiten 62, andere Krankheiten der Bauchhöhle 24, 
angeborene Schwäche und Atrophia infant. 41, Marasmus senilis 
27 Cachexia 24. 

— Tod durch Zufall 5, Selbstmord 2, Mord 0 . 

— Andere Ursachen 12. 


Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger Aerzto 
Dienstag den 5 März 1885. 

Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 11. März o. 


Nächste Sitzung der geburtshülfliohen Section Don¬ 
nerstag den 7. März a. o. 


ßosoieze gezsypo» C.-Herepöypra, 1. Mapra 1885 r. Verlag von Carl. Bieker. Buchdruckerei von A. Caspary, Liteiny 52. 


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Neue Folge. St. Petersburger 

^ (ln der Reihenfolge X. Jahrgang.) 

Medicinische Wochenschrift 


unter der Redaction 


von ProL ED. v. WAHL, in Dorpat und Dr. L. v. HOLST in St. Petersburg, 


Die «St. Petersburger Medidnische Wochenschrift» erscheint jeden Sonn¬ 
abend. Der Abonnements-Preis ist In Russland 8 Rbl. für das Jahr, 
4 Rbl. für das halbe Jahr inclusive Postzustellung; In den andern Län¬ 
dern 16 Mark jährlich, 8 Mark halbjährlich. Bestellungen übernehmen 
die Buchhandlungen aller Länder. Der Insertions - Preis für die 3 mal 
gespaltene Zeile in Petit ist 12 Kop. oder 40 Pfenn. 


Manuscripte sowie alle auf die Redaction bezügliche Mittheilungen bittet 
man an den geschäftsführenden Redacteur Dr. L. V. Holst in St. Peters¬ 
burg, Evangelisches Hospital, Abonnements-Aufträge, Inserate etc. an 
die Buchhandlung von C. Rlcker in St. Petersburg, Newsky-Prosp. M 14 
zu richten. Ausser dem Honorar (16 Rbl. pro Bögen) werden den Au¬ 
toren 25 Separatabzüge ihrer Original-Artikel zugesandt. 


Ns 10. 8t. Petersburg, 9. (21.) März 1885. 


lahalt: C. Wiedemann: Ein Fall von Eileiterschwangerschaft mit Aasgang in Genesung. — Th. Grosse: Künstliche Geburt 
eines zusammengewachsenen Zwillingspaares. — Referate. William S. Forbes: The liberating of the ring finger in musicians 
by dividing the accessory tendons of the extensor communis digitorum mnscle. — Louis Wolffberg: Ueber die Prüfling des Licht¬ 
sinnes. — Bücher-Anzeigen und Besprechungen. Hermann Eichhorst: Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie. — 
H. Plaut: Färbungsmethoden zum Nachweis der fäulnisserregenden und pathogenen Mikrooiganismen. — Brenn eck e: Bauet Wöch¬ 
nerinnen- Asyle! — Auszug aus den Protokollen der Gesellschaft praktischer Aerzte zu Riga. — Der neue Modus der Stellenbeset - 
eung in den städtischen Hospitälern St. Petersburgs. — Friedrich Steinmann, f — Vermischtes. — Krankenbestand der Ci - 
vil- und Kinderhospitäler St. Petesrburgs. — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs. — Mortalität einiger Hauptstädte Europas . — 
Anzeigen. 


Ein Fall von Eileiterschwangerschaft mit Ausgang in 
Genesung. 

Von 

Dr. C. Wiedemann. 


Genau in ihrem Verlauf beobachtete Fälle von Eileiter¬ 
schwaogerschaft sind in der Literatur nicht wenige ver¬ 
zeichnet, und es könnte unnütz erscheinen noch eine neue 
Krankengeschichte der so reichhaltigen Casuistik beizu- 
fügen. Wenn ich trotzdem dieses thue, so glaube ich bei 
meinem Falle dazu berechtigt zu sein durch den höchst ei- 
genthflmlichen Verlauf, den die Schwangerschaft nahm, 
einen Verlauf, wie er bisher, so weit mir die Literatur zu¬ 
gänglich war, noch von Niemandem beobachtet worden ist. 

Frau M. S., 25 Jahre alt, kräftig gebaute Dame, etwas 
anämisch, seit einem Jahr verbeirathet. Menses stets re¬ 
gelmässig und schmerzlos, kein Fluor alb. — Im Mai 1884 
abortirte Pat., nach Aussage des Hausarztes Dr.Trau- 
g o 11, im 2. Monat, das Wochenbett verlief normal. Die 
Menses stellten sich wieder regelmässig ein bis zum 12. 
August 1884. Ende desselben Monats war vorübergehend 
etwas Uebelkeit und allgemeines Unbehagen vorhanden. 
Am 6. September, also wieder genau nach 28 Tagen, trat 
eine kleine Blutung ein, die einen Tag anhielt, darauf 2 
Tage aussetzte, dann am 9. September wiederkehrte und 
unter dem Bilde gewöhnlicher, ziemlich reichlicher Menses 
5 Tage andauerte. Darauf einen Tag Pause und dann wie¬ 
der beständige Blutungen mässigen Grades bis zum 21. 
October. 

Zum ersten Mal sah ich die Patientin am 29. September. 
Das Allgemeinbefinden und der Kräftezustand waren gut, es 
wurde nur über die beständige Rlotung, über häufigen Harn¬ 
drang und Obstruction geklagt Die Brüste sollen angeb¬ 
lich an Umfang zugenommen haben, der Warzenhof war 
stärker pigmentirt. Die Untersuchung der Genitalien er¬ 
gab einen anteflectirten, vergrösserten, etwa dem 2. Schwan¬ 
gerschaftsmonat entsprechenden Uterus, der Fundus reicht 
bis zur Symphyse, die Cervix weich, 'etwas massiger anzu- 
ffihlen, das Orific. extern, spaltförmig. Das rechte Ova- 
rium von normaler Grösse, beweglich, deutlich zu palpiren, 
sonst im rechten Parametrium nichts nachzuweisen. Im 


linken Parametrium dagegen findet sich eine etwa wallnuss¬ 
grosse, prall elastische Geschwulst; sie ist etwas beweglich, 
vom Uterus deutlich abzugrenzen, doch nah demselben an¬ 
liegend. , Im linken Scheidengewölbe ist eine starke, weit 
verbreitete Pulsation der Gefässe zu fühlen. Die Unter¬ 
suchung war nicht schmerzhaft und konnte wegen der sehr 
dünnen, wenig gespannten Bauchdecken auch ohne Chloro- 
formaarcose sehr genau gemacht werden. Die Specular- 
untersuchung zeigte an der vorderen Muttermundslippe eine 
nicht blutende, ziemlich grosse Erosion und eine mässige 
Blutung aus dem CervicalcanaL 

Eine stricte Diagnose liess sich nach diesem Befunde 
nicht stellen, doch lag mir der Gedanke nahe, dass wir es 
hier vielleicht mit einer extrauterinen Gravidität zu thun 
haben, da mir der Hausarzt Dr. Traugott mittheilte, 
dass er bei einer vor etwa 10 Tagen vorgenommenen Ex¬ 
ploration ausser einer Vergrösserung des Uterus nichts 
hatte constatiren können. 

Die Behandlung war demnach zunächst eine expecta- 
tive. Ruhige Bettlage; gegen die beständig anhaltenden 
Blutungen heisse Vaginaldouchen ä 35° R. und innerlich 
Secale cornut., doch beides ohne Erfolg. 

Nach 14 Tagen, am 13. October, untersuchte ich Pa¬ 
tientin zum 2. Mal. Am Uterus liess sich keine wesent¬ 
liche Veränderung constatiren, dagegen war der im linken 
Parametrium befindliche Tumor zusehends gewachsen und 
hatte etwa die Grösse eines kleinen Apfels erreicht; Consi- 
stenz und Beweglichkeit desselben waren unverändert. Die 
starke Pulsation der Gefässe im linken Scheidengewölbe war 
auch bei dieser Untersuchung deutlich zu fühlen. Hier sei 
endlich noch erwähnt, dass am 13. October und am darauf 
folgenden Tage einige Membranen (im Ganzen vier) ex utero 
ausgestossen worden, die ganz wie Decidua aussahen. — 
Wehenartige Schmerzen waren dabei nicht aufgetreten. 
Die mikroskopische Untersuchung dieser Häutchen, die Dr. 
Frankenhäuser freundlicbst übernahm, bestätigte 
meine Voraussetzung, dass man es hier mit einer Decidua 
zu thun habe und nicht etwa mit Membranen, wie sie bei 
der Dysmenorrhoea membranacea Vorkommen. Er fand 
nämlich, dass die ausgestossenen Membranen vollständig 
den Ban einer Decidua haben und aus sehr schön ent- 


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78 


wickelten Deciduazellen bestehen. Sie waren von weiten, 
sehr dünnwandigen Gefässen durchzogen, doch Hessen sich 
keine Chorionzotten nachweisen. 

Aus dem oben angeführten Symptomencomplex und dem 
mikroskopischen Untersuchungsbefund ersehen wir, dass 
man in diesem Fall nur zwischen 2 Diagnosen schwanken 
konnte, entweder handelte es sich hier um einen Abort und 
um eine rasch wachsende Ovarialcyste oder um extraute¬ 
rine resp. tubare Gravidität. Die erstere Annahme musste 
als äusserst unwahrscheinlich fallen, da sowohl die sehr 
dünne Decidua, an der sich keine Chorionzotten nachweisen 
Hessen, wie das rasche Wachsen des neben dem Uterus be¬ 
findlichen Tumors dagegen sprachen, während Alles darauf 
hinwies, dass man es hier mit einer extrauterinen Gravidi¬ 
tät zu thun habe. Die Punction der Eihöhle, behufs Töd- 
tung der Frucht, beschloss ich noch auf eine Woche bis 
zum 24. October zu verschieben, da momentan keine alar- 
mirenden Symptome Vorlagen, die ein baldiges Platzen der 
Tuba voraussetzen Hessen. Ausserdem war es vielleicht 
mögUch, ja sogar wahrscheinlich, dass der Foetus abgestor¬ 
ben, da, wie bekannt, für gewöhnlich eine Decidua erst 
nach dem Tode der Frucht ausgestossen zu werden pflegt. 

Am 2. Oct. untersuchte ich Pat. abermals. Der Uterus 
hatte seit meiner letzten Exploration am 13. Oct. entschieden 
an Umfang abgenommen, der Tumor neben dem Uterus war 
dagegen unverändert gebUeben, er war wie damals etwa 
kleinapfelgross. Am 24. October, am Tage, wo ich die 
Punction vornehmen woUte, untersuchte ich Pat. noch ein¬ 
mal und batte einen ganz neuen Befund zu constatiren. Der 
Uterus hatte an Umfang noch weiter abgenommen, im lin¬ 
ken Parametrium liess sich das linke etwas vergrösserte 
Ovarium deutlich abtasten und, von demselben zum Uterus 
hin abgehend, eine mässig dicke, strangförmige Infiltration, 
vom früheren etwa kleinapfelgrossen Tumor war nichts mehr 
zu finden*). 

Wie sollen wir uns dieses rasche Schwinden der doch 
relativ grossen Geschwulst erklären? War hier der Inhalt 
der Eihöhle, nachdem die Frucht abgestorben, in wenigen 
Tagen einfach resorbirt worden, oder war durch Platzen 
der Eihöhle ohne irgend welche alarmirende Symptome, 
ohne nachweisbare Blutung eine so genannte Naturheilung 
zu Stande gekommen und das erreicht, was wir durch die 
Punction erzielen wollten ? A priori scheint die erstere An¬ 
nahme die wahrscheinlichere, nur ist es nicht recht zu er¬ 
klären, warum derTumorvom 13. October bis zum 20. unver¬ 
ändert blieb und dann plötzlich innerhalb weniger Tage bis 
zum 24. October resorbirt wurde, wo doch die Frucht 
wahrscheinlich schon vor dem 13. abgestorben war und 
man ein allmäliges Schwinden der Geschwulst erwarten 
musste. Die sehr rapide Resorption legt mir den Gedanken 
nahe, dass hier doch vieUeicht ein Platzen der Eihöhle 
stattgefimden habe und zwar an einer Stelle des Eies, wo 
die Tuba nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde; oder an¬ 
ders gesagt, dass man es hier mit einer tuboabdomineUen 
Schwangerschaft zu thun batte, wo sich das Ei wahrschein- 
Hch am Franzenende der Tuba festgesetzt und der Riss 
nicht im Eileiter stattfand. 

Es fragt sich nur, warum denn in diesem Fall keine wahr¬ 
nehmbare innere Blutung in die Eihöhle entstand? Dieses 
suche ich mir so zu erklären, dass die Schwangerschaft 
noch nicht weit vorgeschritten war (circa die 6. Woche), 
und sich noch keine Placenta gebildet hatte; dass ferner 
der Foetus offenbar schon seit mehr als einer Woche ab¬ 
gestorben, worauf das Abgehen von Deciduafetzen hin¬ 
weist, und dass in Folge dessen der Blutkreislauf im Ei 
herabgesetzt sein musste. 

Falls ein Platzen des Eies in diesem Fall anzunehmen 
ist, so kann es am 21. October stattgefunden haben, wo 


<) Anfan g December waren auch die letzten Spuren des Infiltrats 
im linken Parametrium geschwinden, so dass Pat. als vollkommen 
genesen betrachtet werden konnte. 


Patientin ein Kind auf ihr Bett hob und bald darauf kolik¬ 
artige, in die Oberschenkel ausstrahlende Schmerzen im 
Leibe verspürte, die vielleicht durch den Austritt des Frucht¬ 
wassers in die Bauchhöhle hervorgerufen waren; diese 
Schmerzen hielten übrigens nur wenige Stunden an, auch 
waren sie nicht sehr hochgradig. 

Der Verlauf dieses Falles bestätigt die Thatsache, dass 
die Tubargravidität zu keinen subjectiven Erscheinungen 
Veranlassung zu geben braucht, und zeigt ferner, dass das 
Ei sesorbirt werden, vielleicht sogar platzen kann, ohne 
dass irgend welche Erscheinungen letztere, für gewöhnlich 
so gefährliche, Katastrophe anzeigen. 

Auf ein Symptom möchte ich hier noch aufmerksam 
machen, welches die Untersuchung und Beobachtung dieses 
Falles veranlasste, es ist die lange anhaltende Blutung 
nach aussen. Nach Hennig*) sind diese, die Tubar- 
Schwangerschaft begleitenden, Blutungen relativ häufig. 
So sonderte in einem Fall von Graviditas tubo-ovarica die 
Kranke 13 Wochen, eine andere (tubo-abdominal.) 5 
Wochen lang Blut aus. Meist aber tritt diese Blutung aus 
der Gebärmutter erst kurz vor dem Ende der abnormen 
Schwangerschaft ein. — Ich füge noch hinzu, dass bei Tu¬ 
bargravidität die Menstruation relativ häufig nicht voll¬ 
kommen sistirt, sondern noch ein oder mehrere Mal wieder 
eintritt, — unter den von H e n n i g gesammelten 150 Fäl¬ 
len bei 13 Frauen. Auch in dem in Rede stehenden Fall 
ist kein Ausbleiben der Menses zu constatiren gewesen, sie 
traten genau nach 28 Tagen am 9. September ein, obgleich 
schon Ende August subjective Schwangerschaltserschei- 
nungen (Uebelkeit, allgemeines Unbehagen) vorhanden 
waren. 

Zu erwähnen wäre noch, dass ein solcher Ausgang einer 
Tubarschwangerschaft, wie ich ihn in diesem FaU zu ver¬ 
folgen Gelegenheit hatte, bis jetzt noch nicht beobachtet, 
wenigstens noch nicht brachrieben worden ist, denn in den 
bisher veröffentUchten Fällen starben die meisten Kranken 
in Folge des Tubarisses an innerer Blutung. Möglich ist 
es aber, dass solche FäUe gar nicht als Unica zu betrach¬ 
ten sind und relativ häufig Vorkommen, nur dass sie sich 
meist der Beobachtung entziehen, weil man selten Gelegen¬ 
heit hat gleich im Beginn hinzugerufen zu werden. 

Was die Prognose bei Tubargravidität betrifft, so ist sie 
wie bekannt, als eine sehr ungünstige zu bezeichnen, H e n- 
n i g, der 150 Fälle von Tubarschwangerschaft bis zum 
Jahre 1876 gesammelt hat, kommt zu sehr trüben Resul- 
ten. Von diesen 150 Tubaschwangeren sind nur 17 ge¬ 
heilt und am Leben geblieben, die übrigen alle über kurz 
oder lang ihren Leiden erlegen (88%), und zwar erfolgte, 
in den sich selbst überlassenen FäUen, der Tod 81 Mal 
(54%) an innerer Blutung in Folge des Tubarisses, so dass 
die Diagnose meist erst post mortem gestellt werden konnte. 
Veit 3 ) hält in seiner Broschüre Uber Tubarschwanger- 
schaft, die er vor Kurzem veröffentlicht hat, die Prognose 
nicht für so ungünstig. Schon die Thatsache, dass viele 
Hämatocelen, die günstig verlaufen, nachweislich ihre Ge¬ 
nese in Eileiterschwangerschaften finden, setzt die Sterb¬ 
lichkeit in Folge von Tubargravidität um mehrere Procent 
herab. Vonden von Veit zusammengestellten 146 Beobach¬ 
tungen von Hämatocele sind 40 Fälle (28 %) auf Rup¬ 
tur einer extrauterinen resp. tubaren Schwangerschaft zu¬ 
rückzuführen. Von den in Folge von Eileiterschwangerschaft 
an Hämatocele Erkrankten starben nach V e i t ’s Berech¬ 
nung 25 %. Trotzdem bleibt die Prognose bei Extraute¬ 
ringravidität eine äusserst ungünstige, da man nur selten 
Gelegenheit hat, zeitig den gefahrvollen Zustand sicher zu 


*) Carl Hennig. Die Krankheiten der Eileiter and die 
Tuben Schwangerschaft. Stuttgart 1876. Verlag von Ferdinand 
Enke. 

3 ) J. Veit. Die Eileiterschwangerschaft. Ein Beitragznr Pa¬ 
thologie and Therapie derselben. Stuttgart 1884. Verlag von Fer¬ 
dinand Enke. 


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79 


erkennen und durch Unterbrechung der Schwangerschaft 
den meist ungünstigen Ausgang zu verhindern. 

Unter den Methoden, die bei der künstlichen Unter¬ 
brechung der Extrauteringravidität in Anwendung kom¬ 
men, möchte ich zunächst die Behandlung durch den elek¬ 
trischen Strom erwähnen. Es werden kräftige elektrische 
Ströme durch den Eisack geleitet, wobei der eine Pol in die 
Vagina, der andere aufs Abdomen applicirt wird (2 Fälle 
von B r a x t o n H i c b s), oder es werden Nadeln in die 
Cyste eingestochen und der Strom durchgeleitet (1 Fall, 
B a c h e 11 i). In Bezug auf diese Methode möchte ich 
mich der Meinung Y e i t ’s anschliessen, der sich gegen 
dieses Verfahren ausspricht, da dasselbe einerseits unsicher 
ist (in dem einen Fall von Braxton Hicks lebte der 
Foetus weiter), und da andererseits theoretische Bedenken 
' gegen dasselbe geltend gemacht werden können. Es liegt 
jedenfalls die Gefahr nahe, dass durch die Elektricität, wie 
schon Keller darauf aufmerksam macht, Contractionen 
der glatten Muskelfasern der Tube zu Stande kommen, die 
ihrerseits wieder leicht zur Ruptur des Eileiters führen 
können. 

Bei der anderen Methode, der Punction von der Scheide 
ans, stehen nach V e i t 6 günstige Fälle gegenüber 10 un¬ 
günstig für die Mutter verlaufenden, der Tod trat theils 
in Folge innerer Blutung, theils in Folge von Sepsis ein. 
Zählt man den von Dr. Krassowski*) in Petersburg 
mit günstigem Erfolg punctirten Fall hinzu, so würde sich 
das Verhfiltniss wie 7 : 10 gestalten. Endlich wäre noch 
der Fall von F r ä n k e 1 zu nennen, wo trotz Punction der 
Frachtsack weiter wuchs, so dass die Laparotomie gemacht 
werden musste. Wenn genannte Zahlen auch gegen die 
Pnnction sprechen, so glaube ich dennoch sagen zu müssen, 
dass in unserer Zeit, wo die Gefahr der Sepsis vermiedeir 
werden kann, diese Methode entschieden nicht von der Hand 
zn weisen ist, speciell in den Fällen, wo die Tubarschwan¬ 
gerschaft nicht länger als höchstens 2 Monate besteht und da¬ 
her die Gefahr einer inneren Blutung in dieEiböhle eine ver- 
bältnissmässig geringe ist. Rathsam wäre es vielleicht, wie 
Koeberle es mit gutem Erfolge angewandt bat, der Punc¬ 
tion eine Morpbiuminjection in den Eisack folgen zu lassen. 

Endlich wäre hier noch zu gedenken des sehr beachtens- 
werthen Vorschlags von V e i t, bei feststehender Diagnose 
anf uncomplicirte Tubarschwangerschaft stets per Laparo- 
tomiam die Exstirpation des Sackes vorzunebmen, ein Ver¬ 
fahren, welches bei der heutigen Antiseptik und Technik 
der Laparotomie günstige Resultate zu geben verspricht 
Veit hat 2 Fälle mit günstigem Erfolge operirt und giebt 
an, dass die technischen Schwierigkeiten nicht grössere 
seien, als die bei einer gewöhnlichen Ovariotomie. 

Meinen Standpunct in der besprochenen Frage möchte 
ich dahin formuliren, dass bei wahrscheinlicher Dia¬ 
gnose auf Tubarschwangerschaft, da periculum in mora 
liegt, in den ersten zwei Monaten die Punction, als weniger 
gefährliche Operation vorzuziehen sei, um so mehr, da zu 
dieser Zeit leicht Verwechslungen mit anderen Leiden vor¬ 
liegen können; ist aber die Eileiterschwangerschaft weiter 
vorgeschritten, die Diagnose feststehend, die Placenta ge¬ 
bildet und daher die Gefahr der inneren Blutung bei der 
Punction eine grössere, so ist dort die Laparotomie indicirt. 
St. Petersburg, December 1884. 

Künstliche Geburt eines zusammengewachsenen 
Zwillingspaares. 

Mitgetheilt von 

Dr. T*h. Grosse in DUnaburg. 

Anne Kasak, die Frau des Fabrikmaurers Carl Kasak, 
welcher in der Stahl-Gussfabrik Alexandershof bei Düna- 


*) A. &. KpaccoBCKift. BninaTOHHaa öepeneuuocTb, — 
BipOHTHO TpyÖHO-flHVHHKOB&H JltBOfl CTOpOHH, — npepBAHHa* Ha 

t. nheanh npoKoxom, tuoxuaro aflaa vepesi cboj/e »xaraxama. 
Bpam, 1882, JÄ 24. 


bürg in Arbeit stand, 23 Jahre alt, & Jahre verheirathet, 
von gesunder und kräftiger Constitution, bisher 4 Mal ge¬ 
boren — 3 Mal eine todte Frühgeburt männlichen Ge¬ 
schlechts ohne nachweisbare Ursache — 1 Mal ein ausge¬ 
tragenes Kind weiblichen Geschlechts ohne Kunsthilfe — 
zum 5. Mal 8 volle Monate schwanger, verlor nach bis da¬ 
hin normal verlaufener Schwangerschaft am 26. Nov. 1884 
ohne die geringsten Wehen und ohne äussere Veranlassung 
eine recht bedeutende Menge Fruchtwassers, worauf sie 
sich zu Bett legte. 

Die am Abend desselben Tages herbeigerufene Hebamme 
constatirte durch die Digitaluntersuchung per vaginam 
durch den kaum geöffneten Muttermund die Vorlage eines 
Fusses. Da nach Verlauf von mehreren Stunden noch im¬ 
mer keine Wehen sich einstellten, verliess die Hebamme die 
Frau mit der Weisung, bei Eintritt von Wehen mich, den 
Fabrikarzt, sofort holen zu lassen. Den 28. Nov. um 2 Uhr 
Nachts traten heftige, anhaltende Weben ein, die um 11 
Uhr Morgens zwei Füsse durch die äusseren Geschlechts- 
theile hinaus beförderten. Weil die Geburt nicht weiter 
vorwärts schritt, wurde ich am 28. Nov. um 2 Uhr Nach¬ 
mittags abgeholt und constatirte durch die äussere und in¬ 
nere Untersuchung an der Kreissenden und der Frucht Fol¬ 
gendes: Puls klein und frequent, heftige Wehen ohne Er¬ 
folg, Unterleib hart, gross, breit, in der Richtung der Linea 
alba bei tiefem Druck eine Furche fühlbar, über dem Nabel 
zwei grosse, harte, runde Kindestheile durchfühlbar, Herz¬ 
töne der Frucht nicht hörbar, durch die äusseren Ge- 
schlechtstheile zwei Füsse hervorgetreten und vorn in der 
Scheide befanden sich ebenfalls zwei Füsse. Alle 4 Füsse 
blau-roth gefärbt und kalt anzufühlen. Es konnte kein 
Zweifel obwalten, dass ich es mit einer Zwillingsgeburt zu 
thun batte, und die Doppelfrucht bereits abgestorben war. 
Während ich nun die rechte Hand mit einiger Gewalt in die 
Scheide und noch höher hinauf einführte, um mich von der 
Lage und Beschaffenheit der Doppelfrucht, wie auch von 
den Beckenmaassen der Mutter genauer zu überzeugen, 
fand ich das Zwillingspaar auf der Seite dos-ä-dos liegend 
am Kreuzbein lest verwachsen. Das Becken der Frau er¬ 
schien regelrecht gebaut, die Durchmeseer von normaler 
Grösse. Da mehrere Extractionsversuche sowohl vermit¬ 
telst der Hände an den unteren Extremitäten, als auch ver¬ 
mittelst des um die verwachsene Stelle am Kreuzbein von 
hinten nach vorn eingeführten stumpfen Hakens vermuth- 
lich wegen der Raumbeengung in Folge der beiden neben 
einander liegenden Köpfe und Rumpfe der Doppelfrucht er¬ 
folglos blieben, so trennte ich mit Messer und Scheere in 
Assistenz des Herrn Dr. Doraschkewitsch zum 
Tbeil von oben nach unten, zum Theil von vorn nach hin¬ 
ten zuerst die fleischige und darauf die knochige Verwach¬ 
sung des Zwillingspaares, worauf nun die Extraction des¬ 
selben einzeln sehr leicht von Statten ging. 

Der Befund an den neugeborenen Knaben war folgender: 
Beide noch nicht vollständig ausgewachsen, doch an den 
einzelnen Körpertheilen dem 8monatlichen Foetusalter ent¬ 
sprechend ziemlich vollkommen und bis auf die knochige 
Verwachsung am Kreuzbein normal entwickelt, waren ver¬ 
schieden an Grösse und Gewicht. Das Kopfhaar und die 
Nägel waren entwickelt, obgleich noch etwas spärlich, die 
Pupillarmembran noch nicht ganz geschwunden, bei Beiden 
nur der linke Hode in das Scrotum berabgetreten. Der 
grössere Knabe 15" lang, 4 Pfd. schwer, dessen Kopf im 
grossen Querdurchmesser 3", im Längsdurchmesser 31, 
war mit einem daumendicken, 16" langen Nabelstrange 
versehen, der fast central inserirte, dessen 3 Gefässe jedoch 
kurz vor der InsertiODSstelle divergirend auseinander liefen, 
während der kleinere 121" lang, 31 Pfd. schwer, dessen 
Kopf im Querdurchmesser 21", im Längsdurchmesser 3", 
keinen Nabelstrang besass (nur eine Nabelgrube) und ent¬ 
schieden indirect durch den Bruder vermittelst der gemein¬ 
schaftlichen Blutgefässe ernährt worden und daher wohl 
auch im Wachsthum zurückgeblieben war. Beide Knaben 

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waren am Kreuzbein knochig so fest verwachsen, dass dieses 
als eines, jedoch viel stärker entwickelt erschien. Die Spal¬ 
tung desselben hatte ziemlich senkrecht stattgefunden, so 
dass der Rückgratscanal zum Theil offen vor Augen lag. 
Leider war die Operationsfläche eine so unebene, dass die 
Blutgefässe am Kreuzbein mit dem Auge nicht genauer sich 
verfolgen Hessen. Becken, Steissbein und After waren ge¬ 
sondert, nur erstere an der hinteren Fläche zum Theil seh¬ 
nig verwachsen. Eine Placenta, ein Fruchtsack! Erstere 
7" im Durchmesser, li Pfd. schwer, dicker als gewöhn- 
. lieh entwickelt, wurde wegen eintretender Uterinblutung 30 
M. nach erfolgter Geburt rechts hinten im Fundus Uteri 
mit der Hand leicht gelöst und extr&hirt 

Das Wochenbett der entbundenen Frau verlief bei einer 
antiseptischen Behandlung fieberfrei und ohne jede Störung. 
Eine spätere genaue Untersuchung der Frau wird hoffent¬ 
lich die Ursache der häufigen Frühgeburten aufdecken. Zu 
meinem grossen Bedauern wurde mir weder die Besitz¬ 
nahme der beiden Kinderleichen, noch auch die genauere 
Section, namentlich des Unterleibes, gestattet. 

Referate. 

William S. Forbes, M. D.: The liberating of the 
ring finger in musicians by dividing the accessory ten- 
dons of the extensor communis digitorum muscle. 
(Bost. Med. Sarg. Journ. 1884, Dec. 25). 

Veit, hat die in der Ueberschrift erwähnte Operation mit bestem 
Erfolge (natürlich snbeutau) an 14 Personen ansgeführt. Wund- 
complicationen kamen nicht vor. Der Erfolg zeigte sich nicht nnr 
in der unmittelbar erzielten grösseren Beweglichkeit, sondern auch 
im Ausbleiben der bei einigen Patienten sonst den ganzen Vorder¬ 
arm entlang fühlbaren schmerzhaften Mnskelanstrengungen. An¬ 
dererseits bringt die Operation nicht den geringsten fnnctionellen 
Nachtheil mit sich. Verf. vergleicht dieselbe recht treffend mit der 
Tenotomie des M. rect. oc. ext. wegen Insufficienz der MM. interni. 
Dieselbe soll namentlich die Technik des Glavierspieles für Anfänger 
in hohem Grade erleichtern. Sie hinterlässt kaum sichtbare Nar¬ 
ben, so dass also ihrer Ausführung auch bei Damen nichts im Wege 
steht, wenn auch Letztere wegen der grösseren Beweglichkeit ihrer 
Finger nur selten in die Lage kommen, sich derselben unterziehen 
zu müssen. Unter den Fällen des Verf. befand sich nur eine Person 
weibl. Geschlechts. Uebrigens seien gedachte accessorischc Sehnen 
überhaupt keineswegs constant, und erklärt Verf. dieselben, ge¬ 
stützt auf Owen’s Angaben über die vergl. Anatomie der Hand 
bei Affen und Halbaffen, für ein rudimentäres Erbtheil unserer näch¬ 
sten thierischen Vorfahren. G. 

Louis Wolffberg: Ueber die Prüfung des Licht¬ 
sinnes. Eine physiologisch-klinische Studie, (v. Graefe's 
Arch. f. Ophth. 1885, XXXI. 1, pag. 1—78, Tal. I—V). 

Vergleichende Untersuchungen führten Wolffberg zu dem (übri¬ 
gens nicht ganz neuen) Resultat: <Bei herabgesetzter Beleuchtung 
ändert sich die Sehschärfe langsam , schneller der Lichtsinn una 
am schndtsten der Farbensinn .» Hierauf gestützt sucht Verfasser 
die Lichtsinnanomalien durch Prüfung des von der Helligkeit der 
Beleuchtung am meisten beeinflussten Farbensinnes zu ermitteln. 

Der zu diesem Zweck von W. construirte Apparat unterscheidet 
sich von dem Weber 'sehen durch die Wahl der Pigmente (farbiges 
Tuch , anstatt der Heidelberger Blumenpapiere, in schwarzen Sammet 
eingelassen) und die Vorrichtung zum Regulireii der Helligkeit. Die 
Fenster des Beobachtungsraumes wurden bis auf eines, vor dem der 
Perimetertisch steht, völlig verdunkelt. Vor das Fenster wird ein 
auf Holzleisten gespannter Pappladen angebracht, der — in Kopfhöhe 
des am Perimeter Sitzenden — einen rechteckigen, in der horizon¬ 
talen Richtung längeren Ausschnitt hat (dessen Grösse nicht ange¬ 
geben ist. Ref.), Vor dem Ausschnitt lassen sich über einen Rah¬ 
men ausgespannte Blätter des bläulich-weissen Seidenpapieres (ein¬ 
zeln oder zu je 4) leicht verschieben. Die Helligkeit des durch¬ 
fallenden diffusen Tageslichtes bei einem Blatte vor der Oeffhung 
setzt Wolffberg = l 5 /t», die bei 15 Blättern = 0; also die bei 
3 Blättern = ia /is u. s. w., und bezeichnet sie mit H. Eine schwarze 
Sammettafel ist in 5 Meter Entfernung aufgestellt und hat in der 
Mitte eine Oeffnung, durch welche die auf den beiden Isolirungs- 
tafeln befindlichen farbigen Objecte sichtbar werden, deren Grösse 
empirisch bestimmt wurde. Um nun eine Differentialdiagnose 
zwischen diffuser MedientrÜbung, Lichtsinnanomalie , Hefrac- 
tionsanomalie und centralem Scotom zu ermöglichen, vereinigte 
Verfasser auf einer Hilfstafel folgende Daten: 

1 . a) Das centrale Farbensinnmaximum (cFm), (ausgedrückt 
durch die Grösse der rothen, blauen, grünen und gelben Tuchobjecte), 
£) den Lichtsinn (L) und c) die centrale Sehschärfe (cV) an 
S n e 11 e n ’s Tafel. Die unter a, b , c angeführten Wertbe sind bei 
den 15 verschiedenen Beleuchtungsgraden an Personen mit voller 
Sehschärfe (c / 7 = */ 3 — 5 /j) bestimmt worden für 5 Meter Entf. 


2 . Die Grösse des quant. Farbensinnes bei Augen, welche durch 
Linsentrübung (entsprechend einer Herabsetzung der Beleuchtung) 
Sehschärfe von */ao bis 3-$-/so haben. 

3. Die Entfernung, in welcher Augen mit Linsentrübung und 
Sehschärfe von Finger- in 3 Metern bis zu Handbewegungen herab 
Tuchquadrate von 10 Ctm. Seite erkannten. 

Ausserdem sind unter der Rubrik h (horizont. Durchmesser) und 
v (vertik. Durchm.) die Gesichtsfeldgrenzen notirt, innerhalb welcher 
die Netzhaut normal functioniren muss, um die durch entsprechende 
Linien eingerahmten Grössen der Tabelle (s. o. unter 1 , a) bei der 
betr. Beleuchtung zu erkennen. Hierzu bemerkt nun Wo l ff- 
b e r g: «Es mag Jemand Sehschärfe von */« (!), von knapp ß /#, von 
*/»o haben, es mag Jemand Finger in 3 Metern oder nur dicht vor 
dem Auge zählen, ein Blick auf die Hilfstabelle und die Constati- 
rung des quantitativen Farbensinnes genügt, um sofort eine vorläu¬ 
fige Anschauung von der vorliegenden Krankheit zu gewinnen». 

Durch eine grosse Reihe von klinischen Beobachtungen hat Ver¬ 
fasser die Brauchbarkeit seines (auch auf dem internat. med. Con- 
gress in Kopenhagen 1884 demonstrirten) Apparates zn erweisen 
gesucht. Geliefert wird derselbe (complet für 63 Mark) von Ehr¬ 
hardt und Metzgerin Darmstadt (Elisabethenstrasse 47 ). 

K—e. 


Bücher-Anzeigen und Besprechungen. 

Hermann Ei-chhorst: Handbuch der speciellen 
Pathologie und Therapie, n. Band, gr. 8 °, 1274 Seiten, 
viele Holzschnitte. Wien und Leipzig. Urban & Schwarzen¬ 
berg 1884. 

Der II. Band liegt jetzt vollständig vor, er enthält in 9 Kapiteln 
die Krankheiten der Milz, Nebennieren, des Harn- und Geschlecht« 
apparates, der Haut des Nervensystems, der Muskeln, des Blutes 
und der blutbereitenden Organe, des Stoffwechsels, und die Infec- 
tionskrankheiten. Die Darstellung und das Material sind so um¬ 
fassend wie möglich, viele Abbildungen sind eingestreut, einzelne 
Abschnitte, wie z. B. die functioneil wichtigen Harnveränderungen 
S. 189—213 sind in solcher übersichtlicher und vollständiger Zu¬ 
sammenstellung Nova in einem Lehrbuch der Pathologie. Zur Em¬ 
pfehlung können wir nichts zu dem hinzufügen, was wir beim ersten 
Bande schon geäussert haben. Ein nicht unwesentlicher Vorzug ist 
ein genaues Sachregister. M. Schmidt — San-Remo. 

H. Plaut, Assistent am Veterinär - Institut der Universität 
Leipzig: Färbungsmethoden zum Nachweis der fäulniss- 
erregenden und pathogenen Mikroorganismen. H. ver¬ 
mehrte und verbesserte Auflage. Leipzig 1885. Verlag von 
Hugo Voigt. 32 Seiten. 

Bei der von Tag zu Tag wachsenden Zahl der verschiedenen Fär¬ 
bungsmethoden zur Untersuchung der Mikroorganismen ist es ge¬ 
wiss willkommen, wenn sie uns in einer «Sammlung» vorliegen, da¬ 
mit man sich schnell über diese oder jene Methode informiren kann. 
Diesen Zweck erfüllt das kleine, nur 60 Pfennige kostende Büch¬ 
lein. Will man jedoch Untersuchungen vornehmen, so ist es, na¬ 
mentlich für den Ungeübten, besonders wichtig ganz genaue An¬ 
gaben über die zu übende Methode zu haben. Dieses bietet nun das 
Büchlein nicht, da die Methoden ganz kurz, auszugsweise angege¬ 
ben sind. Präcisere und ausführlichere Angaben, namentlich mit 
kritischen Bemerkungen aus der Praxis bei Anwendung der Me¬ 
thoden, würden das 'Büchlein viel brauchbarer machen, wie über¬ 
haupt dasselbe durch das Bestreben sich möglichst kurz zu fassen 
an Klarheit verliert. P. 

Brennecke: Bauet Wöchnerinnen-Asyle 1 Ein Ruf au 
Deutschlands Frauenwelt. Verlag von Faber, Magdeburg, 
1884. gr. 8 ®. 30 Seiten. 

Es ist derselbe Autor, welchem die heutige Literatur der Puerpe¬ 
ralfieber-Frage und des Hebammenwesens so manchen schätzen«- 
werthen Beitrag verdankt. Auch die neueste Arbeit B's, ein Vor¬ 
trag, den Verf. am 1 . Dec. vor. J. in einem Kreise von Damen zr 
Magdeburg gehalten und ursprünglich nur für die dortigen Ver¬ 
hältnisse bestimmt hat und der zunächst einem localen Bedürfnisse 
Rechnung tragen soll, enthält Mahnworte und praktische Vorschläge, 
die hoffentlich nicht wirkungslos verhallen oder innerhalb der 
Mauern jener Stadt allein Gehör finden werden, sondern auch weiter 
hinaus und auch ausserhalb der Grenzen Deutschlands, da sie 
wohl werth sind in der gesammten civilisirten Welt beherzigt resp. 
verwirklicht zu werden. 

Verf. schildert im Eingänge seines Vortrages die vorantiseptische 
Zeit mit ihren allerorten immer und immer wiederkehrenden Kind¬ 
bettfieberepidemien, gegen deren mörderisches Wüthen es weder 
Macht noch Mittel gab und welche man daher fast als ein nothwen- 
diges Uebel betrachtete und mit einem gewissen Fatalismus hin¬ 
nahm. ln klarer populärer Darstellung giebt er sodann ein Bild von 
den bekannten Lehren Semmel weis', von ihren segensreichen 
Erfolgen dort, wo sie in Anwendung gebracht wurden, wie sie dann 
wieder für die Gesammtheit ganz verhallten, um erst im Anfang 
der 70er Jahre wieder aufzutauchen und sich gewaltig Bahn zu 
brechen, zunächst freilich nur in den grossen Entbindungsanstalten, 


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aus denen Ton nnn ab jene mörderischen Epidemien immer mehr and 
mehr verschwanden, während in den Städten und auf dem flachen 
Lande die Sache so ziemlich beim Alten blieb. Erst die statisti¬ 
schen Arbeiten B o e r *s und v. A. gaben gegen Ende der 70-er 
Jahre der ganzen Frage einen gewaltigem Anstoss, so dass heutzu¬ 
tage, nachdem von allen Seiten her mit regstem Eifer daran gear¬ 
beitet worden ist, die Sache sich so stellt, dass sowohl in kleinen 
Gebärasylen, als auch in grossen Gebäranstalten die Pfleglinge mehr 
vor puerperaler Infection geschützt sind, als dies in der Privatpraxis 
der Fall ist, was ans leicht ersichtlichen Gründen namentlich für 
die niederen Volksschichten Geltung findet. Die Grundursache hier¬ 
für sieht Verf., ausser der Armuth und des Elends der niederen 
Volk8cla88en, welche die erste Bedingung für eine erfolgreiche An¬ 
ti septik, peinlichste Reinlichkeit, oft absolut unmöglich machen, 
mit Hecht in dem heutigen Zustande des Hebammemoesens , wie 
er mehr oder weniger gleich allerorts noch existirt. Zunächst der 
Umstand, dass die Hebammen fast immer aus den niederen Ständen 
hervorgehen, eine nur höchst mangelhafte Bildung besitzen, ja oft 
nur gerade des Lesens und Schreibens kundig sind; und Verf. hat 
sicherlich Hecht, wenn er sagt: «Der Emst und die Bedeutung des 
Hebammenberufes ist dem Bildungsgrade und dem Verständnis der 
bisherigen Hebammen über den Kopf gewachsen! » Und so lange 
man neben gewissen Veränderungen der Hebammenordnung Staat- 
licheraeits, wie längere und gründlichere Schulung, von Zeit zu Zeit 
wiederholte Nachprüfungen, stetige Controle einer jeden u. s. w. — 
so lange man also nicht nur an die fachliche , sondern ganz be¬ 
sonders auch an die aUgemeine t an die Charakterbildung der Heb¬ 
ammen nicht grössere Anforderungen stellt, so lange wird auch 
alle Reform des Hebammenwesens Stückwerk bleiben. — Um allen 
diesen Noth- und Missständen Abhülfe zu schaffen, plaidirt Verf, für 
Gründung von Wöchnerinnen-Asylen, «in denen bedürftige Ehefrauen 
zur Zeit der Niederkunft und des Wochenbettes unentgeltliche oder 
doch nahezu unentgeltliche Aufnahme und Verpflegung finden.» 
Diese Asyle stehen unter der Leitung eines Arztes und einer Obe¬ 
rin aus den gebildeten Ständen , «Schwestern», welche «nach Dar¬ 
legung ihrer geistigen und moralischen Befähigung» den Lehrcursus 
und die Prüfung einer Hebamme bestanden haben, versehen die Heb¬ 
ammendienste in denselben und haben Gelegenheit sich noch eine 
Zeitlang in ihrem Fache hier auszubilden. Dann erst beginnt die 
selbständige praktische Thätigkeit dieser ausserhalb der Anstalt in 
den Privatbäusern, aber unter stetiger Leitung und Ueberwaohung 
des Wöchnerinnen-Asyles, des « Mutterhauses* , «die Schwestern 
vom Wöchnerinnen-Asyl arbeiten nicht erwerbs - sondern berufs¬ 
mässig ». Gerade von letzterem Umstande verspricht sich Vf. viel, er 
erhofft dadurch für den Stand der Geburtshelferinnen eine erhöhte 
Achtung und «in demselben Maasse ein edleres Gepräge, als ihm die 
Praxis eine humane Berufssache wird und nicht eine egoistische Er¬ 
werbsquelle bleibt.» Auch glaubt Verf., dass gerade bei einer 
solchen Organisation zu einer « Genossenschaft» , die eng zusam¬ 
menhält, wo jedes einzelne Glied vom Ganzen gehalten und getra¬ 
gen wird, dass sich «auch mehr und mehr Frauen der gebildeten 
Stände dem wahrlich hohen und köstlichen Berufe zuwenden wer¬ 
den.» — Dies in Kürze der Inhalt seiner Vorschläge; hinsichtlich 
der näheren Details, sowie der Ein wände, die gegen dieselben bereits 
geltend gemacht worden sind und die Verf. kurz und treffend wider¬ 
legt, müssen wir auf die hübsche kleine Broschüre selbst verweisen. 

Verf. wünscht also ähnliche Verhältnisse auf dem Gebiete des Heb¬ 
ammenwesens zu schaffen, wie sie im Diakonissenwesen seit Lan¬ 
gem besteben und sich trefflich bewährt haben. Hoffen wir daher, 
nass sein «Ruf» nicht wirkungslos verhallen, sondern aller Orten 
und in der gesammten civilisirten Welt dazu beitragen möge, dass 
das ganze Hebammenwesen möglichst bald in dem einen oder ande¬ 
ren Sinne einer durchgreifenden Reorganisation unterworfen werde. 
Es thut wahrlich Noth und ist hohe Zeit 1 — ck. 

Auszug aus den Protokollen der Gesellschaft prakti¬ 
scher Aerzte zu Riga. 

Sitzung am 5. December 1884. 

1. Dr. Jansen referirt über eine von ihm ausgeführteGastroto- 
mie. Der 10jährige Patient hat vor 10 Monaten eine Lösimg von 
Chlorkalk und Soda getrunken. Seit 3 Monaten sich steigernde 
Schluckbeschwerden. Am 25. November vollständige Occlusion auch 
für Flüssigkeiten. Erst am 29. November konnte die Einwilligung 
der Eltern zur Operation erlangt werden, die am stark collabirten 
Kranken sofort vorgenommen wurde. Tod unter zunehmender 
Schwäche am 3. Tage. Keine Peritonitis. 

Das Präparat zeigt im unteren Theile des Oesophagus eine 7 Ctm. 
lange enge Strictur, die jedoch für eine gewöhnliche Hohlsonde pas- 
sirbar ist. Die absolute Occlusion wurde nach Ansicht des Vortra¬ 
genden durch die zahlreichen Schleimhautfalten an der oberen Mün¬ 
dung der Strictur verursacht. Dieselben hinderten wohl auch bei 
den wiederholt vorgenommenen Sondirungen die Strictur zu entriren. 

2. Dr. Berg demonstrirt einen colossalen Cystensack, der 19 Stof 
Flüssigkeit enthielt und von ihm dnreh die Ovariotomie entfernt 
wurde. Trotz zahlreicher Adhäsionen glatter Verlauf. 

3. Dr. Berg berichtet über die Krankenbewegung in Kemmem 
in den Jahren 1883 und 1884. Es wurden daselbst behandelt im er¬ 


sten Jahre 1289 Kranke (785 M., 504 W.), im zweiten Jahre 1359 
Kranke (770 M., 589 W.). 

Die Hauptmasse bildeten Rheumatiker, in diesem Jahre 642, dann 
Syphilis 287. Der Rest waren Fälle von: Arthritis deformans, 
Scrophulose, Carie, Necrose, Kyphose, Coxitis, Contracturen, An¬ 
kylosen, zahlreiche Hautkranke (Lepra, Psoriasis, Lupus, Eczeme, 
kcabies), dann Nervenkranke (Hemiplegie, Parese, Tabes, Ischias), 
und schliesslich Frauenkrankeiten (Parametritis, Metritis und Oopho¬ 
ritis). 

Unterstützt wurden die wannen Schwefel- resp. Moorbäder je nach 
Bedürfhiss, durch Elektricität, Massage, Inunctionscur, und ver¬ 
schiedene medieamentöse oder instrumentelle Curen in allgemeiner 
oder localer Anwendung. 

Am günstigsten waren die Erfolge bei frischen Fällen von Gelenk¬ 
rheumatismus, so wie bei Lues, zufriedenstellend auch bei den Haut¬ 
krankheiten. Weniger gut bei den Knochenleiden. Die Hemiplegi- 
schen und Paralytischen wurden günstig beeinflusst wo Lues vorlag, 
ebenso Neuralgien und Ischias auf rheumatischer Basis. Schlecht 
waren die Erfolge bei Tabeskranken wo keine Syphilis vorlag. Ja 
in manchen Fällen konnte eine deutliche Verschlimmerung nachge¬ 
wiesen werden. Vortragender warnt daher solche Kranke nach Kem- 
mern zu dirigiren. 

Zum Schluss theilt Dr. Berg mit, dass in Folge ministerieller Be¬ 
stätigung eine neue Baracke für Moorbäder erbaut wird, so dass in 
der nächsten Saison, anstatt 4, 12 Moorzellen zur Verfügung stehen 
würden. Ferner wird eine neue Analyse des Kemmem’schen Schwe¬ 
felwassers vorgenommen. Ueber die Resultate derselben will er sei¬ 
ner Zeit berichten. 

Dr. Hach referirt über die Wirkung Kemmerns bei chronischen 
Frauenleiden. Er hat genauer beobachten können: 

4 Fälle von chron. Metritis; geheilt 1, gebessert 1, subjectiv ge¬ 
bessert bei gleichem objectivem Befunde 2. 

6 Fälle von Parametritis; geheilt 2, gebessert 4, darunter 3 be¬ 
deutend gebessert. 

8 Fälle von Perimetritis; geheilt 3, gebessert 1, bei 4 derselbe Be¬ 
fund bei subjectiver Besserung. 

In allen Fällen wurden Moorbäder, bald Voll-, bald Halbbäder ge¬ 
braucht. Die Zahl derselben betrug im Durchschnitt 18. Während 
der Cur war Schlaf und Appetit gut. Geklagt wurde nur über grosse 
Müdigkeit und Erschlaffung nach dem Bade, die Schmerzen im Un¬ 
terleibe nahmen im Beginn zu, um sich dann bald zu vermindern resp. 
zu schwinden. Auf Stuhl und Menses konnte eine besondere Einwir¬ 
kung nicht constatirt werden. Die ausländischen Bäder hätten den 
Vorzug des milderen Klimas und der Mineralwasser-Trinkquellen; 
wo diese beiden Erfordernisse nicht nothwendig, könne Kemmem 
sehr wohl einen Ersatz bilden und würde man bei richtiger Auswahl 
der Fälle iü unserem inländischem Bade glänzende Erfolge erzielen 
können. 

Dr. v. Stry k hebt die Wichtigkeit der gleichzeitigen localen Be¬ 
handlung hervor. Betreffs der Häufigkeit der Moorbäder spreche 
seine Erfahrung dafür nicht mehr wie 7 Bäder in 14 Tagen nehmen 
zu lassen, weil sonst bedenkliche Erschlaffung der Unterleibsorgane, 
profuse Menstruation etc. sowie nervöse Unruhe, Herzklopfen u. s. w. 
sich einstellen könnten. 

Dr. H a m p e 1 n und Dr. Ru 11 e sind geneigt die erschlaffende Wir¬ 
kung der Moorbäder durch die überhitzte Luft in den Badezellen zu 
erklären. Auf eine Abkühlung derselben müsste Bedacht genommen 
werden. In Arensburg, wo die Bäder kühler genommen würden (2 
bis 28° R. gegen 32° R. in Kemmem), könne man häufi ger bed 
lassen. 

Dr. Hübner macht auf den Unterschied zwischen dem dünn¬ 
flüssigeren Schlammbad in Arensburg und dem consistenteren Moor¬ 
bad in Kemmem aufmerksam. Er ist geneigt demselben eine gleich¬ 
zeitige Druckwirkung zuzuschreiben. 

Dr. Miram, d. Z. Secretair. 


Der neue Modus der Stellenbesetzung in den städtischen 
Hospitälern St. Petersburgs. 

Seit im Herbst des vergangenen Jahres die Haupthospitäler unter 
die Leitung der Stadtverwaltung gelangt, hat man beständig auf 
Besserung der Verhältnisse gewartet, bisher jedoch vergebens, da 
das Statut des Verwaltungsmodus sogar noch nicht fertig ausgear¬ 
beitet ist. Eine neue Einrichtung ist jedoch bereits von der Stadt¬ 
verwaltung getroffen. Die Aerzte sollen nicht, wie bisher, durch 
die ärztlichen Vorgesetzten angestellt werden, sondern die frei wer¬ 
denden Stellen sollen auf dem Wege der öffentlichen Concurrenz (des 
Concurs) besetzt werden, wobei speciell ernannte Commissionen die 
Canditaten einer gewissen wissenschaftlichen Prüfung unterwerfen 
und dann 2 derselben der städtischen Sanitätscommission zur Be¬ 
stätigung vorstellen. Diese Sanitätscommission besteht aber, unter 
dem Präsidium eines Juristen, aus 26 Stadtverordneten (darunter 
nur ein Arzt). Die Oberärzte der Hospitäler haben allerdings auch 
Sitz in dieser Commission, soviel aber bekannt, bis jetzt nur eine 
berathende Stimme. Unbekannt ist leider, wie die Abstimmung er- 
• folgen wird, ob man mit absoluter oder 2 /a Majorität gewählt wird; 
jedenfalls hängt es von Nichtärzten ab, diesen oder jenen Arzt zu 
wählen oder nicht. Ist dieses schon ein Missstand, so finden wir in 
den 2 bisher erlassenen Aufrufen zum Concurs noch andere nicht ge 


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ringere Missstände. Der erste Aufruf erfolgte zur Besetzung der 
8telle des Gehülfen des Oberarztes und älteren Chirurgen des Ale- 
zanderhospitales Mitte December des Torigen Jahres, wobei als Mel¬ 
dungstermin die Zeit bis zum 1. März 1865 festgesetzt wurde. Die 
Bedingungen sind Folgende: Gegeben wird ein Gehalt von 1500 R. 
und in der Nachbarschaft des Hospitales eine Wohnung von 5 Zim¬ 
mern und Küche. Meldungsbedingungen : 

1) Der Grad eines Doctor mcdicinae. 

2) Man muss nicht weniger als 5 Jahre in einem Hospitale oder 
einer Klinik chirurgisch thätig gewesen sein. 

3) Es muss ein Verzeichniss der vollftihrten grossen Operationen, 
mit Angabe der Resultate (wo' möglich beglaubigt) eingereicht 
werden. 

4) 2 chirurgische Patienten sind nach Wahl und in Gegenwart der 
Commission zu untersuchen und zu besprechen; wobei die Behandlungs¬ 
methode bestimmt werden soll und falls die Commission es wünscht, 
muss auch die eventuell nöthige Operation ausgeführt werden. 

5) Einreichung der wissenschaftlichen Arbeiten. 

Zur Wahl der Candidaten ist eine aus folgenden 'Personen be¬ 
stehende Commission ernannt: Der Curator des Alexanderhospitales 
P. W o 1 k o w (Architekt), Prof. B o t k i n , Prof. K o 1 o m n i n , 
Oberarzt des Alexanderhospitales Di. Lopuschinski und Ober¬ 
arzt des Obuchowhospitales Dr. Herr mann. Ausser einem Nicht¬ 
arzte, der also kein Urtheil über die Leistungen der Candidaten 
haben kann, jedoch stimmberechtigt ist, befinden sich 3 Therapeuten 
in der Commission und als einziger Chirurg nicht etwa einer unserer 
älteren Hospitalchirurgen, sondern ein Prof, der Academie, ge- 
wissermaassen als Experte. Warum Aerzte, die zu den Stadthos¬ 
pitälern in keiner Weise in Beziehung stehen, bemüht werden, wäh¬ 
rend doch die Stadthospitäler selbst eine Reihe competenter Aerzte 
besitzen, ist nicht einzusehen, es findet jedoch auch bei der 2. Con- 
currenzausschreibung, die Stelle des Prosectors des Obuchowhospi¬ 
tales betreffend, ebenfalls statt. Für diese Stelle wird, laut Aufruf 
zur Meldung, geboten: 2000 Rbl. Gehalt und eine Wohnung oder 
500 Rbl. Wohnungsgeld jährlich (jedenfalls nur für eine kleine Woh¬ 
nung berechnet). Dafür hat der Prosector alle zur Section bestimm¬ 
ten Leichen zu öffnen und den Hospitalärzten die Präparate makro¬ 
skopisch und mikroskopisch zu demonstriren. Ohne Erlaubnis der 
Ho8pitalabtbeilung der Sanitätscommission kann der Prosector keine 
Nebenstellen übernehmen. Die Concurrenten müssen 1) den Grad 
als Doctor medicinae besitzen, 2) Beweise beibringen, dass sie 5 
Jahre lang sich speciell praktisch mit pathologischer Anatomie bei 
einer Lehrkanzel oder einem Hospital, wo nicht weniger als 200 
Sectionen jährl. vorgenommen werden, beschäftigt haben und 3) 
haben sie gedruckte Arbeiten aus dem Gebiet der pathol. Anatomie 
und Histologie vorzuBtellen. Dann haben sie in Gegenwart von 
einer Commission und von Hospitalärzten eine Section zu machen 
nebst Demonstration mikroskopischer Präparate und entsprechender 
Erklärung des Befundes. Ferner müssen mikroskopische Präparate 
einer dem Museum entnommenen Geschwulst demonstrirt und er¬ 
klärt werden. Zu Gliedern der Commission sind ernannt: der Curator 
des Obuchowhospitales, Herr Kosatschenko (Nichtarzt), Prof. 
Iwanowski (von der militär-med. Academie), die Oberärzte: 
DDr. Herrmann, Sperk und Sokolow und der Prosector 
der militär-med. Academie Dr. B u r z e w. Der Meldungstermin ist 
bis zum 15. März fixirt. Auffallend ist in dem eben erwähnten Auf¬ 
ruf eine Anmerkung, in welcher gesagt wird, die städtische Sani¬ 
tätscommission bestehe aus den Curatoren und Oberärzten der Ho¬ 
spitäler. Soviel uns bekannt und wie schon erwähnt, ist das Ho¬ 
spitalstatut weder beendigt noch bestätigt und werden bisher offi- 
ciell alle dazu erwählten Stadtverordneten als Glieder der Sanitäts¬ 
commission gerechnet. Desgleichen ist die Curatorfrage auch noch 
nicht officiell geklärt. Im September wurden Stadtverordnete mit 
der Uebernahme der Hospitäler betraut und für jedes derselben ein 
<IIpieMmHKi> ernannt. Dieselben haben nun auch zeitweilig die 
Verwaltung der einzelnen Hospitäler weiter besorgt, ohne jedoch 
bestimmte Instructionen zu erhalten, die ihre Pflichten und Rechte 
festsetzen, ja officiell ist nicht einmal bestätigt, dass sie den Titel 
«Curator» führen dürfen und doch werden sie in den Aufrufen so 
genannt. Alle an den Hospitälern Dienenden sehnen sich darnach, 
dass das Provisorium bald fest fixirten Bestimmungen weichen möge, 
es wäre jedoch sehr bedauerlich, wenn die Sanitätscommission (in 
der einen oder anderen Zusammensetzung) ein Hospitalstatut aus¬ 
arbeiten und wo gehörig zur Bestätigung vorstellen sollte, ohne den 
Hospitalärzten die Möglichkeit zu bieten, durch ihre Erfahrungen 
zur Verbesserung desselben beitragen zu können. 


Friedrich Steinmann, f 


In M 9 dieser Wochenschrift brachten wir die Trauerkunde von 
dem plötzlichen Ableben des beliebten und verdienstvollen Collegen, 
über dessen Leben und Wirken wir jetzt einige Nachrichten geben 
wollen. 

FriedrichSteinmann, Sohn des s. Z. hier als Pädagog 
rühmlichst bekannten Directors des Kais, historisch-philologischen 
Instituts, wurde am 14. December 1849 in St. Petersburg geboren. 
Nach Absolvirung der St. Petrischule bezog er 1867 die Universität 
hierselbst, wo er Naturwissenschaften studirte und sich hauptsäch¬ 


lich mit Physiologie, unter Leitung des Professor C y o n , beschäf¬ 
tigte. Aus dieser Zeit schon stammen zwei werthvolle wissen¬ 
schaftliche Arbeiten, die in den Bulletins d. Kais. Academie der 
Wissenschaften veröffentlicht wnrden: 

1) «Ueber den Tonus der willkürlichen Muskeln». Von Stud. F. 
Steinmann. Einleitung von E. Cyon. Bulletin de l’acad. 
Impöriale des Sciences de St. Pötersbourg. Tome VH. 

2) «Die Geschwindigkeit des Blutstromes in den Venen». Von 
E. Cyon und F. Steinmann. Erschienen ebendas. Tome VIII. 

Nachdem Steinmann im Frühjahr 1871 Candidat der Naturwissen¬ 
schaften geworden, ging er im Herbst desselben Jahres nach Berlin, 
um nun, seinem ursprünglichen Plane treu, sich dem Studium der 
Medicin zu widmen. Von 1872—1875 setzte er in Jena seine Stu¬ 
dien fort, wo er bereits vom Sommer 1873 an als Assistent an der 
gynäkologischen Klinik des Professor B. S. Schnitze fungirte. 
Dieser Zeit auch gehört eine Arbeit aus der medicinischen Klinik an: 
«Herderkrankung im Kleinhirn mit den klinischen Symptomen des 
Aneurysma der Basilararterie». Deutsches Arch. f. klin. Med. 

Im Sommersemester 1875 beschäftigte er sich bei Prof S c h r o e - 
d e r in Erlangen und promovirte daselbst. Seine Inaugural-Disser- 
tation «Ueber Retrofiexionen und Retroversionen der Gebärmutter 
und deren Behandlung» gehörte zu den gediegensten Arbeiten dieser 
Art. Den Beschluss seiner ausländischen Studien bildete ein halb¬ 
jähriges praktisches Wirken an der unter Leitung des Prof. Dr. W i n • 
ekel stehenden köngl. Entbindungsanstalt zu Dresden. Ende 1875 
kehrte es als theoretisch und praktich tüchtig ausgebildeter Arzt, 
Gynäkolog und Geburtshelfer in seine Vaterstadt zurück. Im Jahre 
1876 absolvirte er sein Doctorexamen in Dorpat. Nach einer kurzen 
Thätigkeit am hiesigen Maria - Magdalenenhospital, gelang es 
Steinmann seine Specialkenntnisse, von Anfang des Jahres 1877, 
an mehreren Anstalten zu verwerthen; diese waren die Entbin¬ 
dungsanstalt, das klinische Elisabeth-Kinderhospital und, seit 1881, 
auch noch das städtische Petrowskische Gebärasyl. 

Trotz Beschäftigung in 3 Anstalten, gehörte Steinmann zu 
den rastlosesten, eifrigsten und gewissenhaftesten Arbeitern, wo¬ 
durch er bald sich die Liebe und Achtung der Collegen und Aller, 
die mit ihm dienstlich in Verkehr standen, erwarb. Die viel zeit¬ 
raubende Hospitalarbeit und die schon bedeutende Privatpraxis ver¬ 
hinderten ihn nicht wissenschaftlich weiter zu streben. Davon 
zeugen folgende 3 Arbeiten, von denen die zweite seine Dorpater 
Doctordissertation war: 1) «0 ta 30 bhxi> noioxeHiflX't» 4 ). üpiuo- 
»em KT» Me^HQ. otu. C.-Heiepö. Po^oBcnouor. säße*. BkjoMCTBa 
yap. ÜMiiepaTpHUH Mapiu. 1880. 2) Ueber den Zeitpunct der Ab¬ 
nabelung Neugeborener. Dorpat 1881. 3) Geburt und Wochenbett 
älterer Erstgebärender. Arch. f. Gynäkologie Bd. XXII, 3. 

Mit einer neuen wissenschaftlichen Arbeit (über Nabelschnurvor- 
lage) ist auch Steinmann’s Erkrankung im Zusammenhänge ; 
Material zu dieser Arbeit sammelnd, eilte er, von der Dujour im 
Entbindungshause, zu einer Kreissenden, wo ihn, nach einer glück¬ 
lich beendigten schweren Wendung, ein Schlaganfall traf. Unge¬ 
achtet der schweren Krankheit, welche ihn befiel und deren er klar 
bewusst war, traf er zuerst Anordnungen in Bezng auf die Patientin 
und den Neugeborenen und dann erst liess er sich in die Entbin¬ 
dungsanstalt zurückfahren. Hier, wie auch später in seinem Hanse, 
sah man an der liebevollen und aufopfernden Pflege aller seiner Col¬ 
legen, wie sehr sein Wohl und die Erhaltung seines Lebens ihnen 
allen am Herzen lag. 

Die Untersuchung des erkrankten Collegen erwies: eine Parese 
des linken Facialis, eine linksseitige Hemiplegie und eine leichte 
Parese des rechten Oculomotorius, wobei die psychischen Functionen 
fast vollkommen intact blieben. Starke Anästhesie der gelähmten 
Seite. Die Diagnose war: ein hämorrhagischer Herd im rechten 
Corpus striatum und Druck auf den rechten Pedunculus. Nach den 
Ursachen dieser frühzeitigen Gehirnblutung forschend, erwies es 
sich bald, dass beim Patienten, offenbar schon seit Jahren, eine hoch¬ 
gradige interstitielle Nephritis bestand , welche ganz unbemerkt 
verlief. Die ophthalmoskopische Untersuchung erwies einen für 
chronische Nierenentzündung charakteristischen Befund. Nachdem 
im Laufe von 4 Wochen die Lähmungserscheinungen allmälig zu¬ 
rückgingen und das subjectiye Befinden höchst befriedigend war, 
erfolgte am 24. Februar, ohne jegliche sichtbare Veranlassung, ganz 
unerwartet eine neue Hämorrhagie, welche nach einer Stunde den 
Tod herbeiführte. Die genauere Krankengeschichte wird später 
referirt werden. 

Mit Steinmann ist unserem Kreise wieder ein junger, höchst 
sympathischer, unermüdlicher, strebsamer und humaner College ent¬ 
rissen. Aber auch alle seine Patienten, wie überhaupt alle die¬ 
jenigen, welche diesen schweigsamen, bescheidenen, biederen und 
| tüchtigen Mann kannten, beklagen diesen schweren und schmerz¬ 
lichen Verlust. Der treue Diener der Wissenschaft, der treue wohl¬ 
wollende und stets hilfsbereite Freund, Arzt und College ist nun da¬ 
hin. Ehre seinem Andenken. 


Vermischtes. 

— In Berlin verschied am 2. März der berühmte Kliniker uud 
Professor an der dortigen Universität, Wirkl. Geheime Ober-Medi- 
cinalrath Dr. Theodor v. Frerichsan Apoplexie. 


4 ) Ueber Beckenenülag n. 


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83 


F. war am 24. März 1819 zu Aurich in Hannover geboren, wo er 
nach absolvirtem Stadium zuerst als praktischer Arzt thfitig war 
und als solcher schon damals nicht minder für innere Krankheiten 
wie als Chirurg sich einen Namen zn erwerben verstand. Von dort 
siedelte er nach Göttingen über, habilitirte sich an der Universität 
als Privatdocent nnd wurde bald darauf zum ausserordentlichen Pro¬ 
fessor ernannt, in welcher Stellung Frerichs auf allen Gebieten 
der Medicin, selbst auf dem der Chemie, einen so hervorragenden 
Euf erlangte, dass er bereits im Jahre 1851 gleichzeitig Berufungen 
nach Kiel als innerer Kliniker, nach Marburg als Chirurg und nach 
Giessen als Chemiker erhielt, von welchen er sich damals für die 
erstere entschied. Schon nach einem Jahre folgte er aber dem Bufe 
als Director der med. Klinik an die Breslauer Universität und im J. 
1859 erhielt er die Berufung an die Berliner Universität (als Nach¬ 
folger Schönlein ’s), wo er bis zu seinem Lebensende thätig war. 
Im April des vorigen Jahres beging F. in voller Rüstigkeit das 
25jährige Jubiläum seiner Lehrtätigkeit an der Berliner Universi¬ 
tät, bei welcher Gelegenheit ihm zahlreiche Ovationen zu Theil 
wurden. Der deutsche Congress für innere Medicin, dessen Be¬ 
gründer und Präsident der Verstorbene war, hatte seine Sitzungen 
ausnahmsweise nach Berlin verlegt, um an der Jubiläumsfeier seines 
Präsidenten theilnehmen zu können. 

Frerichs Verdienste um die Medicin,namentlich seine epoche¬ 
machenden wissenschaftlichen Arbeiten sichern ihm einen Ehren¬ 
platz in der medicinischen Wissenschaft für alle Zeiten. 

— Verstorben : 1) In Kijew der Docent der Pharmacie Ne* 
me 11i. 2) In Fastowo der Arzt an den Südwestbahnen Dr. Bo¬ 
bern im 50. Lebensjahre. 3) In Nizza der noch junge Arzt S1 a - 
townatski an der Lungenschwindsucht. 4) In Samarkand der 
junge Militärarzt Kwaschnin ebenfalls an der Lungenschwind¬ 
sucht. 5) In Liegnitz der Senior der preussischen Aerzte Geh. Me- 
dicinalrath Dr. S c h 1 e g e 1 im 93. Lebensjahre. 

— Der Docent für klinische Pathologie und Therapie an der Ki~ 
jewschen Universität, Dr. EugenAfanasjew hat nach löjäh* 
rigem Dienste um seine Verabschiedung von diesem Posten nach¬ 
gesucht. 

— Das auch von uns reproducirte Gerücht, es beabsichtige die 
Regierung die von ihr unterhaltene hiesige Instrumentenfabrik auf 
der Apothekerinsel, welche den Bedarf an chirurgischen und ande¬ 
ren Instrumenten für die Armee liefert, eingehen zu lassen, scheint 
sich nicht zu bestätigen, da neuerdings ein neuer Chef, Dr. Ne¬ 
da t z, für diese Fabrik ernannt worden ist. 

— Am 2. December 1884 beschloss eine Versammlung von Wege¬ 
baningenieuren, welche behufs der Stiftung eines Hospitals für Die¬ 
nende des Ingenieurressorts zusammengekommen waren, die einge¬ 
kommenen 70,000 Rubel der Gesellschaft homöopathischer Aerzte zu 
übergeben, welche vorgeschlagen hatte, einige Betten in ihrem Ho¬ 
spitale für Kranke aus dem Ingenieurressort einzuräumen! 

(Hobocth 1884, 333. Med. Obsr. 1885, M 2). 

— In J# 2 der «Wien. med. W.» werden folgende Zahlen aus den 
Jahresberichten der 3 grossen Hospitäler Wiens pro 1883 wie¬ 
dergegeben : Im «Allgemeinen Krankenhause» nebst den dazu ge¬ 
hörigen Kinderhospitälem und im Sophien-Spital wurden 1883 — 
25,666 Pat. behandelt, davon geheilt 13,110, gestorben 2919. 
Durchschnittlich blieb jeder Pat. 25,9 Tage in Behandlung. Im 
Krankenhause »Rudolph-Stiftung» — 9702 Pat., davon 5277 geheilt, 
1020 gestorben. Verpflegungsdauer durchschnittlich 30 Tage. Im 
Wiedener Spitale nebst Joseph-Kinderhospital genasen von 7863 Pat. 
— 4870, starben 899. Die meisten Todesfälle traten in Folge von 
Lungenerkrankungen ein (c. 54% derselben starben). Die Netto- 
ausgaben für’s Allgem. Krankenhaus betrugen 627,364 Gulden, für’s 
Rudolph-Hospital 247,761 Fl., für’s Wiedener Spital 176,089 FL, es 
kostete mithin ein Kranker 24 resp. 25 resp. 22 Fl., wobei der Ver¬ 
pflegungstag auf 94 resp. 85 resp. 90 Kreuzer zu stehen kam. 
Mögen diese Zahlen bei demjenigen Collagen, welche bei der Reor¬ 
ganisation unserer Petersburger Hospitäler mitzusprechen haben, 
Beachtung finden! 

— In der Jahresversammlung der Gesellschaft Jekatrinoslaw - 
scher Aerzte istDr. Goreleitschenko zum Präsidenten, Dr. 
Choroschewski zum Vicepräsidenten und die DDr. Wysche- 
1 e s k i und Diakonowzu Secretären gewählt worden. 

— Prof. W e i g e r t, der langjährige, durch seine hervorragend 
den Arbeiten bekannte Assistent des verst. Prof. Cohnheim in 
Leipzig, welcher in Folge seiner Uebergehung bei der Neubesetzung 
der Professur für pathologische Anatomie an der Universität Leip¬ 
zig seine academische Thätigkeit dort aufgegeben hatte, ist zum 
Nachfolger des vor Kurzem verstorbenen Prof. Lucae an das 
Senkenberg’sche medicinische Institut in Frankfurt a. Main 
berufen worden. 

— Aus Persien wird wieder der Ausbruch der Pest in Ojagh , 
60 Meilen von der grossen Stadt Hamadan, gemeldet. 

— Dr. Unna (Hamburg) hat einen neuen Comedonenquetscher 
construiren lassen. Die Neuerung resp. Verbesserung des Instru¬ 
mentes besteht darin, dass dasselbe auch seitlich drückt, während 
mit den bisherigen uhrschlüsselartigen Comedonenquetschera nur 
ein senkrechter Druck ausgeübt werden kann und ein auf die Haut 
verücal ausgeübter Druck nur diejenigen Comedonen zu entfernen 
im Stande ist, welche senkrecht in der Haut sitzen, was aber für 


die wenigsten Follikel zutrifft. Der Unna ’sche Comedonenquet¬ 
scher besteht aus zwei stählernen Ringen, die zu einem £-fÖrmig 
gekrümmten Instrumente verbunden sind, mit welchem man durch 
Streichen oder Drücken (je nach der Richtung des Follikels, die aus 
der Stellung des Haares erkannt wird) den Comedo herausquetscht. 
Der obere Rand der Ringe ist angeschärft und dient zum Abschaben 
der den Comedo deckenden Hornschicht. Zwei solcher Quetscher 
mit vier Ringen von verschiedenem Caliber reichen für alle Fälle — 
für kleinste Comedonen und grösste Acnepusteln — aus. 


Krankenbestand der Civil- u. Kinderhospitäler St. Petersburgs 

17. Februar 1886. 


M. W. Summa. 

Civilhospitäler. 3159 2083 5242 

Kinderhospitäler .. 155 164 319 

Unter der Gesammtzahl befanden sich : M. W. Summa. 

Typhöse Krankheiten (abd., exanth., rec.) 212 101 313 

Scharlach. 23 34 57 

Pocken. 5 9 14 

Venerische Krankheiten. 540 431 971 


Die Ambulanzen der Kinderhospitäler wurden in der Woche 
vom 10. Febr. bis 16. Febr. 1885 besucht von 2847 Kranken, darunter 
zum ersten Mal von 1223. 


Krankenbestand der Civil* u. Kinderhospitäler St. Petersburgs 

am 24. Januar 1883. 


M. W. Summa. 

Civilhospitäler. 3198 2113 5311 

Kinderhospitäler. 170 165 335 

Unter der Gesammtzahl befanden sich: M. W. Summa. 

TyphöseKrankheiten(abd., exanth., rec.) 194 94 288 

Scharlach. 26 33 59 

Pocken. 5 7 12 

Venerische Krankheiten. 533 440 973 


Die Ambulanzen der Kinderhospitäler wurden in der Woche 
vom 17. — 23. Febr. 1884 besucht von 2919 Kranken, darun¬ 
ter zum ersten Mal von 1140. 


Mortalität« - Bulletin St. Petersburgs 

für die Woche vom 24. Febr, bis 2. März 1886. 
Zahl der Sterbefälle: 


Im Ganzen: 


M. W. 8a, 2 S « S 


1) nach Geschlecht und Alter: 

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8 3 8 


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364 256 620120 62 92 16 8 22 77 52 53 50 39 19 10 0 


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2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 0, Typh. abd. 15, Febris recurrens 0, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 2, Pocken 1, Masern 7, Scharlach 8, 
Diphtherie 11, Croup 2, Keuchhusten 6, Puerperalkrankheiten 6, 
Dysenterie 1, Thiergift 0, andere Infectionskrankheiten 13. 

— Gehirnapoplexie 14, Entzündung des Gehirns und seiner Häute 
39, andere Gehirakrankheiten 24, Krankheiten des Herzens und der 
GefäsBe 22, acute Entzündung der Athmungsorgane 80, croupöse 
Lungenentzündung 24, Lungenschwindsucht 123, andere Krank¬ 
heiten der Brusthöhle 14, Gastrointestinal-Krankheiten 93, andere 
Krankheiten der Bauchhöhle 16, angeborene Schwäche und Atro- 
phia infant. 38, Marasmus senilis 23, Cachexla 20: 

— Tod durch Zufall 1, Selbstmord 2, Mord 0. 

— Andere Ursachen 15. 


Mortalität einiger Hauptstädte Europas. 






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Stockholm . . 

8—14 Febr. 

190115 

90 

22 

24.« 

24,« 

Kopenhagen. • 

11—17 Febr. 

278000 

106 

10 19,« 

9.« 

Berlin. . . . 

15—21 Febr. 

1263455 

577 

76 

23,7 

13,4 

Wien .... 

15—21 Febr. 

769 889 

543 

33 

34,e 

6,o 

Brüssel • . - 

8—14 Febr. 

171 293 

115 

18 

34,. 

15.« 

Paris .... 

15—21 Febr. 

2 239928 

1124 

131 

26,i 

11.« 

London . . .! 

16—21 Febr. 

4 083 928 

1497 

175 

19,i 

11,7 

St. Petersburg 

22—28 Februar 

928 016 

606 

61 

33,. 

10,0 


35,« 

37.4 
38,» 

39.4 
3lyi 


28 

32 

33 


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Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger Aerzte 
Dienstag den 19. März 1885. 


Nächste Sitzung des deutschen ärztliohen Vereins 
Montag den 11. März o. 


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84 


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Neue Folge. St. Petersburger h.jahr6*n6. 

^ (ln der Reihenfolge X. Jahrgang.) 

Medicinische Wochenschrift 

unter der Redaction 

von Prof. ED. v. WAHL in Dorpat und Dr. L. v. HOLST in St. Petersburg. 


Die «St. Petersburger Medicinische Wochenschrift» erscheint jeden Sonn¬ 
abend. Der Abonnements-Preis ist in Russland 8 Rbl. für das Jahr, 
4 Rbl. für das halbe Jahr inclusive Postzustellung; In den andern Län¬ 
dern 16 Mark jährlich, 8 Mark halbjährlich. Bestellungen übernehmen 
die Buchhandlungen aller Länder. Der Insertions - Preis für die 3 mal 
gespaltene Zeile in Petit ist 12 Kop. oder 40 Pfenn. 


Ns 11 


Manuscripte sowie alle auf die Redaction bezügliche Mittheilungen bittet 
man an den geschäftsführenden Redacteur Dr. L. v. Holst in St. Peters¬ 
burg, Evangelisches Hospital, Abonnements-Aufträge, Inserate etc. an 
die Buchhandlung von C. Ricker in St. Petersburg, Newsky-Prosp. H 14 
zu richten. Ausser dem Honorar (16 Rbl. pro Bogen) werden den Au¬ 
toren 25 Separatabzüge ihrer Original-Artikel zugesandt. 


8t. Petersburg, 16. (28.) März 


1885 


Inhalt: W. Demi tsch: Mitteilungen aus der Dorp&ter chirurgischen Klinik. Ein Fall von Pityriasis rubra. — Referate . B. 
v. Jaksch: Thallin, ein neues Antipyreticum. — Al. Helling: Ein Beitrag zur Blutkörperchenzählung bei chronisch-pathologischen 
Zuständen des menschlichen Organismus. — G. Smigrodski: Die Verbreitung der Syphilis und venerischen Krankheiten unter der 
männlichen Bevölkerung Petersburgs. P. Prochorow: Die Syphilis im Jamburgschen Kreise und die subcutane Behandlung mit 
1 — 2 %*S er Lösung von Hydrargyrum cyanatum. — Bücher-Anzeigen und Besprechungen. Bericht der St. Petersburger städtischen 
SanitätBcommission pro 1881—1884. — Vermischtes . — Krankendestand der Civil - und Kinderhospitäler St. Petersburgs. — Mor¬ 
talität einiger Hauptstädte Europas. — Anzeigen 


Mittheilungen aus der Dorpater chirurgischen Klinik. 

Ein Fall von Pityriasis rubra. 

Von 

W. Demit8ch. 


Die Pityriasis rubra bietet wegen ihrer grossen Selten¬ 
beit, wegen der Mannigfaltigkeit der HautverSnderungen, 
wegen der vollständigen Dunkelheit der Aetiologie und der 
merkwürdigen Resistenz gegen alle bisher angewandte Me- 
dication sehr viel Interesse dar. Man muss gestehen, dass 
diese Krankheit, obgleich sie schon lange die Aufmerksam¬ 
keit der Dermatologen auf sich gezogen hat, doch noch in 
vielen Hinsichten dunkel und in klinischer Beziehung noch 
nicht genügend aufgeklärt ist, so dass Verwechselungen der¬ 
selben mit anderen ähnlichen Hautkrankheiten oft Vor¬ 
kommen mögen. In der Literatur finden sich nur wenige 
Notizen über diese Erkrankung. Wir wollen zunächst die 
wichtigsten von ihnen hier recapitnliren, ehe wir unseren 
eigenen Fall mittheilen. 

Bateman erwähnt bereits die Pityriasis rubra und rech¬ 
net sie zur zweiten Classe des Wi 11 an 'sehen Systems (Squa- 
mae, HL Gattung, 2. Art), Nach B a t e m a n ist sie eine 
Hauterkrankung des vorgerückten Alters und besteht in 
leichter (?) Entzündung der Haut, indem dieselbe zuerst 
roth und hart wird, sich aber bald mit kleinen Schuppen 
(fnrfur) bedeckt, nach deren Entfernung eine neue rothe 
Haut nachbleibt, die denselben Process durchmacbt, wie die 
entere. Bei wiederholter Bildung dieser Schuppen werden 
sie grösser, die Haut wird dabei trocken und juckt bedeu¬ 
tend ; hierbei kommt es zu einem eigenthümlichen Steifig¬ 
keitsgefühl (stiffness), zur allgemeinen 8chwfiche und Un¬ 
ruhe des Patienten. Nach Abfall der Schuppen bleiben 
gelb-braune Flecke nach'). Ich glaube, dass diese kurze 
Schilderung unserer Krankheit eine ziemlich zutreffende ist, 
und doch wurde Pityr. rubra vielfach mit Eczema univer¬ 
sale verwechselt; so meint z. B. H. v. H e b r a, dass selbst 
Fälle von A1 i b e r t, die er in seinen Vorlesungen über die 


') npäKT. onncaHie hekomhii öoxisaeft, hsx. Ä-pom Bareua- 
non no cicrexi B&uraa, üepee. ci sHrjiflcsaro. Cnö. 1829, 
pag. 62—63. 


Krankheiten der Haut unter dem Namen Herpes squamosus 
lichenoides anführt, mehr an Eczema squamosum erinnern 2 ). 
Prof. F u c h 8 betont in seinem Lehrbuche der Hautkrank¬ 
heiten die Universalität der Pityr. rubra, die er zur ersten 
Classe, V. Familie, 2. Sippschaft, 8. Gattung rechnet; da¬ 
durch unterscheidet er sie von anderen 8 Arten von Pi¬ 
tyriasis 8 ). Bei Devergie finden wir schon eine aus¬ 
führlichere Beschreibung dieser Krankheit, und D u h - 
ring schreibt ihm sogar die erste Darstellung der Pityr. 
rubra zu *), obgleich das nicht ganz richtig ist. Nach De¬ 
vergie ist sie öfter bei Frauen als bei Männern zu 
treffen. Sie tritt an irgend einem Körpertheile, meist an 
der vorderen Körperoberfläche und an den inneren Partien 
der Extremitäten in Form von erythematöser Röthe auf, 
welche gleichmässig und scharf von der gesunden Haut ab¬ 
gegrenzt ist. Die Röthe verbreitet sich weiter und wird 
intensiver. Die Haut wird dicker, und es bilden sich dann 
Schuppen, welche bei jedem Reiben leicht abfallen.' Dabei 
sollen Patienten Fieber, Brennen und Jacken der Haut 
haben. Allmälig nach einiger Zeit verbreitet sieb die Röthe 
über den ganzen Körper, die Schuppen werden breiter und 
zahlreicher. In 15—30 Tagen kann die ganze Haut auf 
diese Weise verändert werden. Devergie macht eben¬ 
falls auf die Universalität der Pityr. rubra aufmerksam. 
(< Cest la setde affection gut puisse ainsi envahir toute la 
surface de la peau sans laisser d’espace au celle-ci seit 
saine»). Er giebt zu, dass diese Krankheit am Anfänge 
leicht mit Eczem verwechselt werden kann und versucht 
daher die Differentialdiagnose der Pityr. rubra von Ecz. 
universale aufzostellen. Er will die Röthe bei der Pityr. 
rubra von der des Ecz. dadurch unterscheiden, dass sie leb¬ 
hafter («plus vif») sei. Die Röthe gehe bei Ecz. unbe¬ 
merkbar in die gesunde Haut über, während sie bei Pityr. 
rubra sich scharf von der gesunden Haut abgrenze. Weiter 
betont er den Umstand, dass die Röthe nur bei Pityr. rubra 
die ganze Körperoberfläche einnehmen könne, während die- 


*) Viert, f. D. u. 8.1876. pag. 508. 

*) Die krankhaften Verindeirangan der Hant. Von Prof. C. H. 
F n c h s. Güttingen 1840, pag. 126. 

*) Iioprari. Barbara kosh. Ilepea. Ä-pa. $pax6epra. Cnö. 
1884, pag. 277. 


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86 


ses bei Ecz. universale nie der Fall sei, weil hier immer 
Partien der gesunden Haut die krankhafte Rötbe unter¬ 
brechen. Das Jucken sei bei Pityr. rubra nicht so stark, 
wie bei Ecz.: dagegen hätten die an Pityr. Erkrankten hö¬ 
here Hauttemperatur. Auch in der Art und Weise des 
Auftretens der Schuppen findet er manche Unterschiede 
zwischen Pityr. rubra und Ecz. universale B ). F. H e b r a 
vervollständigte die Charakteristik der Pityr. rubra, sowie 
auch die Differenzirung derselben von andereB Krankheiten, 
als Ecz. universale squamosum, Lichen ruber, Psoriasis und 
Lupus erythematodes, bei welchen ebenfalls Röthe und Ab¬ 
schuppung der Haut angetroffen werden. Er versteht unter 
Pityr. rubra ein Hautleiden, welches sich durch folgende 
Hauptmerkmale auszeichnet: 

a) Intensiv dunkel-rothe Färbung , ohne bedeutende In¬ 
filtration der Haut, ohne Knötchenbildung, ohne Entwicke¬ 
lung von Schrunden, ohne Nässen- oder Bläschenbildung, 
welche nur mit geringem Jucken verbunden ist. 

b) Universalität des Leidens , da die Röthe' sich meist 
über die gauze Haut ausbreitet. 

c) Desquamation der Haut. 

d) Langsamer, äusserst chronischer Verlauf ®). 

Dies sind entschieden die wichtigsten und charakte¬ 
ristischsten Zeichen der Pityr. rubra. Dazu kommt noch, 
dass diese Krankheit allen bis jetzt vorgenommenen thera¬ 
peutischen Eingriffen trotzte. H. v. Hebra z. B. hat 
einen Patienten 1324 Tage auf verschiedene Weise behan¬ 
delt. Er versuchte ganz systematisch: 

1) Oleum jecoris Aselli; 

2) lange fortgesetzte Bäder; 

3) Kautschuk als einen Anzug; 

4) Benzin; 

5) Einreibung verschiedener Art. 

Alles blieb fruchtlos! Dann hat er den armen Patienten 
einer enormen Arsenikcur unterworfen — «wie solches ge¬ 
wiss nicht oft bisher unternommen wurde* •— nach der Be¬ 
merkung des Autors selbst: 4000 Pillen mit 400 Gran Ar¬ 
senik wurden eingenommen, und der Zustand des Kranken 
änderte sich nicht im Geringsten! Aus diesem misslun¬ 
genen therapeutischen Versuche zieht H. Hebra den 
Schluss, dass es sich gewiss nicht um Lichen ruber und 
Psoriasis gehandelt haben könne, da diese durch Arsenik 
entschieden günstig beeinflusst werden y 

Dank den genannten Autoren ist jetzt die Diagnose der 
Pityr. rubra eine viel leichtere geworden. Anders steht es 
mit der Aetiologie und der pathologischen Anatomie der¬ 
selben. Von der ersteren weiss man so gut, wie gar nichts. 
Freilich setzt K a p o si als Ursache der Pityr. rubra Affec- 
tionen des Centralnervensystems, namentlich des Rücken¬ 
marks, voraus 8 ), doch ist diese Voraussetzung mehr hypo¬ 
thetischer Natur; sie ist bis jetzt durch keine anatomischen 
Befunde bestätigt worden. 

Was die pathol. Anatomie der Pityr. rubra anbetrifft, so 
besitzen wir nur die vor Kurzem angestellten Untersuchun¬ 
gen von H. Hebra. Er hob hervor, dass Pityr. rubra 
im vorgeschrittenen Stadium zur Tuberculose führt, da er 
bei der Section eines an Pityr. rubra Verstorbenen ausser 
der allgemeinen Tuberculose überrascht wurde durch die 
Auffindung eines grossen Tuberkels im Kleinhirn, obgleich 
bei Lebzeiten keine Symptome von Seiten des Gehirns be¬ 
merkbar waren. Auch Fleischmann fand mehrmals 
Tuberkel im Kleinhirn der an Pityr. rubra gestorbenen 
Kinder *). 

Die mikroskopischen Untersuchungen von H. Hebra, 


*) Tr&itä pratique des maladies de la pean. Paris 1854. pag. 
263 u. w. 

*) flandb. der spec. Pathol. a. Thor. v. R. V i r c h o w. Bd. III, 
Lief. 1. 1860. Acute Exantheme v. F. He b ra, pag. 321 u. w. 

0 Viert, f. D. u. 8. 1876, pag. 516. 

*) Pathol. u. Ther. der Hautkrankheiten. 2. Aufl. 1882, pag. 81. 
') Ziemssen. Handb. d. spec. Pathol. und Ther. Bd. XIV, 
I. H., 1884, pag. 529. 


welche er in 2 Fällen vorgenommen hatte, ergaben, dass 
die Haut im vorgeschrittenen Stadium der Pityr. rubra voll¬ 
ständig ihre normale Structur verliert, atrophisch wird und 
den Charakter einer mit Epidermis überzogenen Narbe an- 
nimmt. So waren in dem älteren Falle beträchtliche Lä¬ 
sionen nachweisbar: die im Allgemeinen atrophische Haut 
zeigte eine verdickte Epidermisschicht, dann folgte eine 
dünne, mit Infiltrationszellen reichlich angefüllte Partie von 
verkümmerten Retezellen; darunter eine dünne, flache 
Bindegewebsschicht, mit vielen, gut entwickelten elastischen 
Fasern, die ein breites Netzwerk bildeten und Narbenge¬ 
webe ähnlich waren. Hier war die Infiltration geringer, 
dagegen zeigte sich eine reichliche Ablagerung eines gelb¬ 
braunen, körnigen Pigmentes. Der Papillarkörper war 
geschwunden; keine Schweissdrüsen; Talgdrüsen, Haarbälge 
und Haare nur sehr spärlich vorhanden 10 ). 


Wir gehen jetzt zur ausführlichen Beschreibung eines 
von uns beobachteten Falles über, welcher bei ziemlich ty¬ 
pischem Verlaufe alle erwähnten Symptome darbot und 
ausserdem sich von anderen bisher beschriebenen Fällen 
der Pityr. rubra durch eine auffallende Neigung zur Ecchy- 
mosenbildung auszeichnete. 

Moses Riibnik, 60 a. n., aus Reshiza (Gouv. Witebsk), 
Schneider, hat die letzten 37 Jahre in Livland (im Walk- 
schen Kreise) verbracht, von wo er nur auf einige Wochen 
jährlich seine Heimath besuchte. Seine Eltern sind schon 
lange gestorben, woran — weiss er nicht anzugeben. Jeden¬ 
falls sollen sie nicht an irgend einer Hauterkrankung ge¬ 
litten haben. Pat hat 4 Kinder, welche alle ganz gesund 
sind. Vor 6 Jahren soll er an Rheumatismus der unteren 
Extremitäten gelitten, sonst sich aber stets einer guten Ge¬ 
sundheit erfreut haben. 

Etwa vor 4 Jahren bemerkte er zuerst, dass die Haut an 
den Händen zu platzen und leicht zu bluten begann, darauf 
stellte sich Röthe und Abschuppung der Haut an den un¬ 
teren Extremitäten ein, welche bald auf den ganzen Körper 
Übergriff, wobei die Haut Risse an vielen Stellen zeigte. 
Diese Erscheinungen waren mit einem mässigen Jucken 
verbunden, welches nur bei Berührung der Haut stärker 
wurde. 

Vor 2 Jahren fingen die Haare an allmälig auszufallen, 
so dass Pat fast an allen Stellen das Haar verloren hat. 

Vor einem Jahre will er «Blasen» auf dem Rücken be¬ 
merkt haben, später auf der Brust und an anderen Körper¬ 
teilen. Die Natur der «Blasen» weiss er nicht genau 
anzugeben. Während einige von ihnen heilten, brachen 
neue auf. 

An den Nägeln hatte Pat. schon vor dem Ausfallen der 
Haare auffallende Veränderungen bemerkt, welche in Ver¬ 
dickung und Verhärtung bestanden. 

Ausserdem leidet er seit der Erkrankung beständig an 
Kältegefühl, was vorher durchaus nicht der Fall war. 

Medicinische Hilfe hat er nur ein Mal in Anspruch ge¬ 
nommen : doch half ihm dieselbe gar nichts. 

Da sein Zustand mit der Zeit schlimmer wurde, so begab 
er sich noch Dorpat, wo er am 26- Juli 1884 in die chirur¬ 
gische Klinik aufgenommen wurde. 

Am 15. August bekam ich den Patienten zur Beobach¬ 
tung und constatirte folgenden Status praesens: 

Allgemeine Beschreibung. Pat. ist von mittlerer Statur 
und mässig entwickelter Muskulatur und Knochenbau. 
Panniculus adiposus stark reducirt, so dass Pat. beträcht¬ 
lich abgemagert erscheint. Er ist ziemlich intelligent. Bei 
der Betrachtung seines Körpers sind besonders auffallend 
mannigfaltige Verfärbungen der Hautdecken, und zwar ist 
die Haut im Gesichte und an den Extremitäten glänzend, 
intensiv verfärbt: dunkel-roth bis blau-roth, ins livide spie¬ 
lend ; am Rumpf mehr gelblich, stellenweise braun; sie ist 
atrophisch, papierdünn, wie bei Neugeborenen, 'erscheint 

1# ) Viert, f. D. u. 8. 1876, pag. 521 u. w. 


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87 


auffallend gespannt und macht daher den Eindruck, als ob 
sie dem Patienten zu enge geworden wäre; das tritt na¬ 
mentlich an den Wangen hervor, deren Spannung ein Ectro- 
pion der unteren Augenlider bedingt bat; in Folge dessen 
macht das Gesicht einen sonderbaren Eindruck, es sieht fast 
larvenartig aus. Dabei ist die Haut trocken und hat Vieles 
von ihrer normalen Beschaffenheit eingebflsst: sie besitzt 
namentlich keine Elasticität, legt sich bei den Muskelbewe¬ 
gungen in verschiedene Falten. Die Furchen, die die Haut¬ 
oberfläche durchkreuzen, treten deutlicher hervor, als nor¬ 
mal. Sie ist fast gar nicht geschmeidig und fühlt sich rauh 
an. Auf Druck blasst die Röthe ab und (unterlässt eine 
braon-gelbliche Verfärbung. Die Temperatur ist nicht er¬ 
höht Die Sensibilität ist überall eher gesteigert, als her¬ 
abgesetzt 

Von dermatitischen Erscheinungen ist Folgendes wahr¬ 
zunehmen : 

a) Vermehrte Schupf enbildung der Epidermis ; 

b) Risse und Rhagaden an vielen Stellen, namentlich 
dort, wo die Haut viel und stark bewegt, oder auf irgend 
eine andere Weise in Anspruch genommen wird; 

c) zahlreiche inselartige Flecke , besonders am Rücken 
und an der Brust; sie zeichnen sich durch besondere Pig- 
mentirung aus, sind zum Tbeil mit weisslicben, leicht ab¬ 
lösbaren Schuppen, zum Theil mit Borken und Krusten be¬ 
deckt; 

d) an einigen Stellen finden sich kleine ecchymosenartige 
Flecke und Streifen. Bei der Betastung der Haut fällt es 
auf, dass solche Ecchymosen sofort entstehen, wenn man 
eine Hautfalte zwischen den Fingern quetscht ; 

e) hier und da kleine excoriirte und erodirte Stellen. 

Die Schuppenbildung ist entschieden nach der Pigmen- 

tirnng die vorwaltendste Erscheinung und ist fast über den 
ganzen Körper verbreitet Es sind meist ziemlich grosse 
Lamellen, welche gewöhnlich in der Mitte der Haut anhaf¬ 
ten, an den Rändern dagegen sich abheben. Die Lamellen 
lassen sich leicht entfernen; die Haut unter ihnen erscheint 
dunkler pigmentiVt, als die umgebende und ist bart Durch 
die massenhafte Abschuppung der Epidermis producirt Pat. 
eine beträchtliche Menge von weissem Staub. 

Die Haare sind an allen Stellen — am Kopf, an den Au¬ 
gen, am Bart, auf der Schamgegend — ausgefallen. Die 
Nägel sind auch wesentlich verändert in weiter zu beschrei¬ 
bender Weise. 

Die Talg- und Schweissdrüseu scheinen ihre Functionen 
nur in beschränktem Grade zu erfüllen. Doch giebt Pat. 
an,, dass er zuweileu schwitzt. 

Die Hautveränderungen bewirken ein mässiges Jucken. 

Nässen ist nur an den Stellen vorhanden, wo die Haut 
in Folge zu starker Spannung platzt. Es tritt dann eine 
eitrige Flüssigkeit zu Tage. 

Pat. bat fortwährend ein subjectives Frostgefühl und 
klagt über Steifigkeit und Spannung der Haut. 

Topographische Beschreibung. Kopf, Das Haar ist 
vollständig ausgefallen; die Haut der Kopfschwarte, wo sie 
nicht mit Borken und Schuppen bedeckt ist, erscheint hell- 
roth, glatt und spiegelnd. Die Epidermisschicbt dünn, 
trocken, theilweise mit weisslichen Schuppen bedeckt, was 
besonders am Nacken aufiällt. Vorne an der Uebergangs- 
stelle der Stirn- in die Kopfhaut ist fast die ganze Ober¬ 
fläche mit Borken und Krusten bedeckt. Dieselben lassen 
sich leicht entfernen und darunter ist die Haut entweder 
so beschaffen, wie die übrige, oder weist flache Erosionen 
auf, die weisslichen Eiter secerniren. Auf der linken 
Scheitelgegend ähnliche Stellen, wie die an der Stirn; an 
einigen von ihnen sind die Borken dicker. Rechts von der 
Medianlinie, der Sutura coronaria entsprechend, 2 frische 
Erosionen, in deren Umgebung die Haut intensiv roth inji- 
drt ist. Hinter der rechten Ohrmuschel, im unteren Ab¬ 
schnitte derselben ist eine Schrunde sichtbar, welche mit 
dicken, schwarz-rothen Borken bedeckt ist. An der linken • 
Ohrmuschel hinten kleinere Borken. 4 


Gesicht. Die Haut ist hier dunkler pigmentirt als die 
übrige und ist wenig mit Schuppen bedeckt. Keine Borken 
sichtbar. Die Haut ist über die Knochen straff gespannt, 
als ob Pat. eine braun-rothe Maske hätte. Die Augen 
zeigen Ectropion der beiden unteren Lider; die Cilien sind 
auf den oberen Lidern nur spärlich vorhanden, auf den un¬ 
teren fehlen sie vollständig. Ebenfalls sind die Haare an 
den beiden Augenbrauen nur mangelhaft vorhanden und 
auffallend dünn, wie Lanugo. Die Augen thränen fort¬ 
während. Die Nase zeigt auch eine gesteigerte Secretion, 
welche in klarer, wasserähnlicher Flüssigkeit besteht. An 
der Schleimhaut des Mundes und Rachens ist nichts Abnor¬ 
mes wabrzunehmen. 

Rechter Arm. An der äusseren Peripherie der Schulter, 
im Gebiet des Deltoideus, finden sich roth-tiogirte, ecchy¬ 
mosenartige, punct- und streifenförmige Flecke ’*). (Solche 
Ecchymosen lassen sich auch durch Quetschung einer Haut¬ 
falte hervorrufen). Unter denselben, im mittleren Drittel 
des Oberarmes, eine etwa linsengrosse Erosion. Am Ellen¬ 
bogen Borken und Risse; unter ihnen eine ca. 2 Ctm. lange 
Rhagade. An der Streckseite, den unteren Enden des Ra¬ 
dius und Ulna entsprechend, 2 Borken und eine 2kopeken- 
grosse am Rücken der Hand. Die Haut der Hand ist blas¬ 
ser, als die der anderen Körpertheile. An der Beugeseite 
nur spärliche rotbe Flecke. Am oberen Drittel des Vorder¬ 
armes medianwärts eine ca. 5kopekengrosse Stelle, welche 
dunkler pigmentirt und mit flachen Borken bedeckt ist. Am 
unteren Drittel medianwärts eine 2 Ctm. lange und V* Ctm, 
breite Rhagade in querer Richtung. Die Nägel sind ausser¬ 
ordentlich hart, verdickt, rissig, zum Theil schwärzlich ver¬ 
färbt. t 

Linker Arm. Die Borken und Risse am Ellenbogen sind 
kleiner, wie rechts. Kleinere borkige Flecke an der Beuge¬ 
seite, beinahe an correspondirenden Stellen (unt. Ende des 
Bad. u. der Ulna). An den Fingern hier und da Excoria- 
tionen. Am Rücken des II. Fingers, entsprechend der Ver¬ 
bindungsstelle der Pbal, H und III, eine quere breite Rha¬ 
gade. Die Nägel wie rechts. 

Brust. Ausser den allgemeinen Hautveränderangen findet 
man hier inselartige Flecke, die anders gefärbt sind, als die 
umgebende Haut: links zwischen der Mamma und dem 
Sternum, in der Höhe der 7. und 8. Rippe, 2 ca. 5ko- 
pekengrosse Flecke. Der eine von ihnen ist zum Theil 
mit Borken und Schuppen bedeckt. Die Haut an ihnen ist 
eigenthümlich gelblich gefärbt und erscheint bart. Auf der 
rechten Seite, lateralwärts von der Mamma, 2 etwas klei¬ 
nere Flecke von derselben Beschaffenheit. In scrobiculo 
cordis einige kleine Erosionen. Rechts einige grosse, dunkel- 
rothe, ecchymosenartige Flecke. 

Abdomen. Am Bauche ebenfalls ein paar ähnliche 
Flecke, wie auf der Brust. Ueber der Symphyse einige 
fast schwärzliche Stellen. In der rechten Inguinalgegend 
eine oberflächlich erodirte papillenartige Erhebung. Beider¬ 
seits, unter dem Lig. Poupartii, die Drüsen stark diffus ge¬ 
schwellt. 

- Rücken. Hier ist die Haut besonders scheckig, weil auf 
ihr bald dunkel-rothe, bald hellere, gelbe Flecke abwech¬ 
seln. Oben, in der Gegend des Dornfortsatzes des 2. Brust¬ 
wirbels, eine ca. bobnengrosse, oberflächlich geschwttrige 
Stelle, die infiltrirt ist. Der rechten Spina scapulae ent¬ 
sprechend 2 kleine Erosionen. In der Gegend des 4. Len¬ 
denwirbels ein erbsengrosser ecchymosenartiger Fleck. 

Untere Extremitäten. An den Hinterbacken und an den 
hinteren Partien des Oberschenkels reichliche Schuppen, 
welche leicht zu entfernen sind. Im oberen Drittel des 
rechten Oberschenkels 2 prominirende, unregelmässig ge¬ 
zackte, ulcerirende Geschwüre, mit callösen Rändern. Am 
rechten Unterschenkel hinten viele Erosionen. Die Haut 
unter den Fersen hornartig verdickt, mit vielen Rissen und 

4 **) Sie sind nach einigen Tagen spurlos verschwunden. 

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88 


Rhagaden durchzogen. Die Nägel sind in derselben Art 
verändert, wie an den Händen. 

An den übrigen Organen lässt sich nichts Abnormes 
n&chweisen. 

Der Ham ist stark sauer, specif. Gew. = 1,010. Die 
wiederholte, sorgfältige Untersuchung ergab in ihm weder 
Eiweiss, noch Blutkörperchen. Der Stuhlgang träge, 2—3 
Mal wöchentlich. Pat bat guten Appetit und fühlt sich, 
abgesehen von Steifigkeit und Hautspannung, die ihn quä¬ 
len, ziemlich wohl (Schluss folgt). 


Referate. 

R.v. Jaksch: Thallin, ein neues Antipyreticum. (Wien, 
med. Wochenschr. H 48,1884). 

Die letzten Jahre haben uns eine recht bedeutende Zahl neuer 
Antipyretica gebracht, doch hat man sie meist bald wieder fallen 
lassen, Vf. erinnert an Resorcin, Hydrochinon, Brenzkatechin, Chi¬ 
nolin und Kairin. Ueber das Antipyrin sind die Acten noch nicht 
geschlossen. Meist haben die genannten Mittel störende Neben¬ 
eigenschaften, daher ist weitere Forschung nach Antipyreticis durch¬ 
aus gerechtfertigt. Vf. hat nun in letzter Zeit eine Reihe von 
Prof. Sk raup synthetisch dargestellter Chinolinbasen auf ihre 
physiologischen und therapeutischen Eigenschaften geprüft und da¬ 
bei bei einer derselben bedeutende antipyretische Eigenschaften ent¬ 
deckt. Es ist dies eine Chinolinbase, welche als hydrirtes Parachin- 
anisol anzusehen ist. Dosen von \—1 Grm. blieben bei Gesunden 
wie bei nicht fiebernden Patienten ohne jegliche Wirkung, wirkten 

S en auf Fiebertemperaturen recht energisch antipyretisch. 

zeitig fand Vf., dass diese Salze ziemlich energische antifer¬ 
mentative Wirkungen entfalten. 0,2%ige Lösungen verzögern, 
0,5%ige heben die amoniakalische Gähruog des Harnes auf. Vf. 
benutzte weinsaure, Schwefelsäure und salzsaure Verbindungen der 
neuen Base. Alle diese Salze sind in Wasser leicht löslich, schmecken 
intensiv bitter-aromatisch und reagiren die Lösungen sauer. Mit 
oxydirenden Substanzen wie mit Eisenchlorid behandelt liefern sie 
grün gefärbte Salze und nach dieser Eigenschaft hat 8 k r a u p die 
Base Thallin benannt. Ausser den Thallinsalzen hat Vf. auch eine 
Reihe von Versuchen mit Aethylthallinsalzen angestellt. Im Gan¬ 
zen hat Vf. 85 mit Fieber verlaufende Krankheitsfälle, darunter ln- 
fectionskrankheiten, Gelenkrheumatismus und Intermittens behan¬ 
delt. Bei Letzterem gelang es die Anfälle zu coupiren, wenn 2—3 
Stunden vorher Thallinsalze gegeben wurden, auch wurden die An¬ 
fälle abgekürzt, wenn bei Beginn derselben Th. genommen wird. 
Th. wirkte jedoch nur symptomatisch und zur Heilung der Inter¬ 
mittens musste zum Chinin gegriffen werden. Auch bei den übrigen 
Fieberfällen wirkte Th. prompt, ohne Nebenwirkungen, Temperatur 
herabsetzend, schon sicher in Dosen von -J-—-§• Grm.; meist wurde 
unter heftigem Schweisse die Temp. um mehrere Grade Celsius her¬ 
abgedrückt; die stärkste Wirkung tritt 2—3 Stunden nach der Ein¬ 
nahme ein, nach 4—5 Stunden steigt die Temperatur jedoch wieder, 
nicht selten von Schüttelfrösten begleitet, doch bleiben diese oft, 
ebenso wie der Schweiss aus, obgleich der Temperaturabfall eintritt. 
Im Harh tritt nach Th. weder Eiweiss noch Zucker auf, wohl aber 
geht ein Theil der Thallinsalze in denselben unzersetzt über. Nach 
Aethylthallingaben zeigt der Harn eine dunkelbraune Farbe und 
giebt, wie auch nach Thallin, mit Eisenchlorid eine rotbe Färbung. 
Von den 3 genannten Salzen meint Vf. dem schwefelsauren Thallin 
den Vorzug geben zu können, obgleich sie sich wenig unterscheiden, 
bezüglich ihrer Wirkung. Obgleich in ihrer Wirkung dem Kairin 
ähnlich, so haben sie vor demselben voraus, dass sie prompter wir¬ 
ken und namentlich bei tuberculösen Processen gut wirken, wäh¬ 
rend Kairin dabei im Stiche lässt. 

Weitere Beobachtungen werden wohl zeigen, ob die Thallinsalze 
sich einen bleibenden Platz in unserem Arzeneischatz erringen wer¬ 
den oder nicht. P. 

Al. Helling: Ein Beitrag znr Blutkörpercbenzählnng 
bei chronisch - pathologischen Zuständen des mensch¬ 
lichen Organismus. (Dorp&ter Inauguraldissertation 1884.) 

Verf. hat die Menge der im Cub.-Ctm. Blut enthaltenen rothen 
Blutkörperchen bei verschiedenen chronischen Krankheiten durch 
Zählung nach der von T h o m a angegebenen Methode bestimmt. 
Im Allgemeinen bietet die Arbeit wenig neue Resultate; es bestä¬ 
tigte sich, dass bei allen chronischen Kachexien von einiger Dauer 
eine Verminderung der rothen Blutkörperchen zu Stande kommt. 
Von Interesse ist das Verhalten der rothen Blutkörperchen bei der 
Krebskachexie. Man kann bei derselben, wie Hampeln gezeigt 
hat, klinisch eine unter dem Bilde einer hochgradigen Anämie ver¬ 
laufende Form (anämische Form der Carcinose) und eine mehr dem 
gewöhnlichen senilen Marasmus ähnelnde Form (marastische Form 
der Carcinose) unterscheiden. Verfasser hat nun gezeigt, dass bei 
der ersten Form die relative Zahl der Blutkörperchen, ähnlich wie 
bei der perniciösen Anämie, bedeutend abnimmt, während bei der 
zweiten zwar die gesammte Blutmenge verringert wird, der relative 


Gehalt derselben an Blutkörperchen jedoch ziemlich unverändert 
bleibt. D—o. 

G. Smigrodski: Die Verbreitung der Syphilis und 
venerischen Krabkbeiten unter der männlichen Bevöl¬ 
kerung Petersburgs. (Wratach 1884, 1 « 47). 

P. Prochorow: Die Syphilis im Jamburgschen Kreise 
und die subcutane Behandlung mit 1—2%iger Lösung 
von Hydrargyrum cy&natum. (Wratach 1885, M 3). 

Smigrodski berichtet über seine Beobachtungen im unent¬ 
geltlichen Ambulatorium, welches seit 1880 beim Kalinkinhospital 
eingerichtet und beziehen sich seine Zahlen auf 1882. Während 
dieses Jahres wurden im Ambulatorium 1041 Pat. behandelt. Unter 
denselben befanden sich 516 Syphilitiker (frische Syphilis — 159, 
condylomatöses Stadium — 306 und gummöses Stadium — 51), bei 
201 fand man Ulcera mollia nebst Folgezuständen und bei 324 — 
Urethritis, sowie deren Complicationen, somit war bei 49,5% Sy¬ 
philis, bei 19,3% Ulcus molle und bei 31,1% Urethritis. Das Alter 
der Patienten betreffend, bemerkt Vf., dass die'Meisten 26—30 Jahr 
alt waren; dieses erklärt sich wohl daraus, dass es sich meist um 
Handwerker und Arbeiter handelte. Bezüglich der Familienver¬ 
hältnisse ergab sich, dass 57,1% unverheirathet, 25,6% wohl ver- 
heirathet waren, aber nicht mit ihren Frauen lebten (dieselben waren 
im Dorf) und 13% Verheirathete, die mit ihren Frauen leben. Von 
einem Theil der Pat. (200) konnte man in Erfahrung bringen, wo sie 
sich inficirt und da ergab sich, dass 112 in öffentlichen Häusern, 
81 bei einzeln Wöhnenden (offene wie geheime Prostitution) und 7 
von ihren Frauen inficirt worden. Dabei erinnert Vf. daran, dass 
nach der Berechnung Sperk’s 30—40% der Insassen der öffent¬ 
lichen Häuser sich in der condylomatösen Periode der Syphilis be¬ 
finden, mithin keine Controle eine Infection völlig verhindern könne. 
Ferner weist Vf. mit Recht darauf hin, wie die geheime Prostitution 
durch die Leichtigkeit, mit welcher sie in den Badstuben, Badean¬ 
stalten (im Sommer) und den möblirten Zimmern eineu Platz für 
ihre Thätigkeit findet, stetig zunimmt und zum Schluss klagt 
auch Vf. darüber, dass zu wenig Raum in den Spitälern für männ¬ 
liche Veneriker. 

Prochorow bespricht die Ausbreitung der Syphilis im Jam¬ 
burgschen Kreise des Petersburger Gouvernements. Genaue Erhe¬ 
bungen darüber existiren nicht, doch zieht Vf. daraus Rückschlüsse, 
dass er 1883 unter den im Jamburgschen Land-Hospital behandelten 
306 Patienten 35,5 % Syphilitiker fand und dieses ist gewiss der 
geringste Theil der Inficirten. Hauptquellen der Infection bilden 
Petersburg, wohin ein grosser Theil der Banem zur Ausübung des 
Fuhrmannsgewerbes zieht und Narva, wo sie auf den Fabriken ar¬ 
beiten. Von dort kehren sie inficirt zurück und übertragen die 
Krankheit auf ihre Umgebung. Die Bauern haben keinen Begriff 
davon, dass das Ulcus induratnm (welches sie gewöhnlich garnicht 
beachten) und die Allgemeinerscheinungen Zusammenhängen. Daher 
bekam Vf. auch nur 2% Patienten mit harten Schankern zu Gesicht. 
Ferner erwähnt Vf. 3 Fälle, wo die Infection dadurch zu Stande 
gekommen, dass Bäuerinnen aus dem Findelhause syphilitische Kin¬ 
der zum Säugen erhalten hatten. 

Zur Behandlung hatte Vf. Anfangs eine 1% Lösung von Sublimat 
gewählt, da die Inunctionscur bei seinen Hospitalverhältnissen 
schwer durchführbar. Mit diesen Injectionen wurden 40 Pat. be¬ 
handelt, die je 15—25 Injectionen einer gefüllten P r a v a z ’schen 
Spritze, theils täglich, theils über einen Tag erhielten. 

Meist sch wanden alle Erscheinungen nach 10—12 Tagen. Im 
Ganzen wurden bei 40 Patientinnen 800 Ipjectionen gemacht und ka¬ 
men darnach 22 Mai (2,75 %) Abscesse vor. Darnach griff Vf. zum 
Hydrargyr. cyanatum, mit dem bereits 80 Pat. behandelt worden. 
Hierbei sah er bei 1650 Injectionen einer l%igen Lösung nur 10 Mal 
Abscesse, davon 4 bei einer Patientin von 15 Jahren. Vf. hat das 
letztgenannte Mittel übrigens auch innerlich zu £ Gran verab¬ 
reicht. p. 


Bücher-Anzelgen und Besprechungen. 

Bericht der St. Petersburger städtischen Sanitätscommission 
pro 1881—1884. St. Petersburg 1884. 225 Seiten. Bass. 

Als die drohende Pestgefahr zur Zeit der bekannten Wetljanka- 
Epidemie ganz Europa in Aufregung versetzte, regte sich auch un¬ 
sere Stadtverwaltung und ernannte am 9. Februar 1879 eine tem¬ 
poräre Sanitätscommission, die unter dem Präsidium eines Juristen 
(Lichatschew) aus 14 Stadtverordneten bestand (darunter kein 
einziger Arzt). Sie beschränkte sich jedoch in ihrer Thätigkeit nur 
auf die Besichtigung verschiedener Wohnräume, Untersuchung des 
Wassers in den Flüssen und Canälen der Stadt und liess einen Be¬ 
richt bezüglich der Uebergabe der Hospitäler an die Stadt ausar¬ 
beiten. Ferner errichtete die genannte Commission 1879 und 1880 
temporäre Hospit&ler. Ueber diese Arbeiten vom Februar 1879 — 
April 1881 hat die Commission seinerzeit bereits einen Bericht ver¬ 
öffentlicht. 

1881 nun fand eine Neuwahl der Stadtverordneten statt und dem¬ 
entsprechend fanden auch Aenderungen im Bestände der Commission 
statt. Als neues Glied derselben wurde auch Prof. B o t k i n er- 


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89 


wählt, während Dr. Archangelsk! der Commission als be- 
rathendes Mitglied zugezählt wurde, somit traten wenigstens zwei 
Mediciner in die Arbeit und wurden zu der Commissionsarbeit noch 
weitere 12 Stadtverordnete hinzugezogen. Aus der Zahl derselben 
wurde für jeden Stadttheil ein Sanitätscurator gewählt. 1881—82 
beschäftigte sich die Commission mit der Erbauung eines neuen Ba- 
rackenhospitales für 300 Infectionskranke, übernahm 1882 die Sa- 
üitätsinspection der städtischen Elementarschulen, beaufsichtigte 
den Bau einer Desinfectionskammer beim Barackenhospital, liess 
einige kleine Flüsse reinigen, übernahm die städtischen Gebärasyle 
und richtete das Institut der städtischen Armenärzte ein. Ueber 
die für das Sanitätswesen verausgabten Summen wird im Bericht 
leider rieht gesprochen und nur erwähnt, dass in der erwähnten 
Zeit 70,000 Bbl. zu Sanitätszwecken von Privatleuten geschenkt 
worden. 

Sehr ausführlich bespricht der Bericht 2 Arbeiten der Sanitäts- 
Commission, die Sanitätsinspection der Elementarschulen und die 
Thätigkeit der Armenärzte. 

I. Die Sanitätsinspeclion der Elementarschulen . Im Jahre 
1880—1881 wurde sie von Seiten der medicinischeu Gesellschaft 
«ärztliche Gemeinschaft» geübt, jedoch als diese eine Erhöhung 
des auf 3000 Bbl. festgesetzten Gesammthonorars beanspruchte, da 
die Zahl der Schulen von 88 auf 105 gestiegen, übernahm es die 
Sanitätscommission am 1. Januar 1882, die Inspection selbst zu lei¬ 
ten und sprach dabei den Wunsch aus, zu diesem Zwecke «nach 
Möglichkeit weibliche Aerzte» anzustellen (Motiv nicht angegeben). 
Dr. Archangelsk! arbeitete für die 5 Aerztinnen eine Instruc¬ 
tion aus, laut welcher sie nicht weniger wie 1 Mal wöchentlich jede 
ihnen zugewiesene Schule besuchen sollen, im Falle von Epidemien 
nach Bestimmung der Schulcommission auch Öfter. Die kranken 
Zöglinge sind zu besichtigen, mit der ersten Hülfe zu versehen und 
die an Infectionskrankheiten Leidenden ins Hospital zu senden. 
Falls sich bei einem Zöglinge eine acute Infectionskrankheit zeigt 
t§ 3), müssen die Lehrer oder Lehrerinnen es dem Arzte anzeigenund ist 
er verpflichtet, wenn er an demselben Tage keine Zeit mehr hat, 
am folgenden Tage zur Constatirung und Erklärung des Falles in 
der Schule oder in der Wohnung des Patienten zu erscheinen und die 
nöthigen Maassregeln zu ergreifen. Desgleichen müssen die Aerzte 
die Schule besuchen, sobald es der dieselbe verwaltende Stadtver¬ 
ordnete verlangt (TpeÖyerb) und zwar muss der Arzt denselben 
rechtzeitig (saöjaroBpeueHHo) von der Zeit benachrichtigen, wann 
er die Schule besuchen wird. Von jedem Falle ansteckender Krank¬ 
heit hat der Arzt sofort die Schul-Subcommission, wie das die Schule 
verwaltende Glied zu benachrichtigen und zu Zeiten von Epidemien 
(NB. wann haben wir keine Epidemien) wöchentliche Berichte der 
Subcommis&ion einzureichen. Ferner hat der Arzt alle neu Eintre¬ 
tenden zu untersuchen, desgleichen muss er, falls eine neue Woh¬ 
nung gemiethet, dieselbe vorher inspiciren. § 11 besagt, dass, im 
Falle er dazu aufgefordert wird, er verpflichtet ist die Lehrerinnen 
und das weibliche Dienstpersonal der Schulen zu behandeln (wes¬ 
halb aber denn nicht das männliche Personal, welches doch diesel¬ 
ben Hechte geniesst ? Dieser Punct lässt sich nur durch die An¬ 
stellung «weiblicher» Aerzte erklären). Wir sehen also, dass die 
Schulärzte recht viel Aufgaben erhielten, wobei auf jede der Aerz¬ 
tinnen 18—25 Schulen kamen, 1883—84 sogar auf jede derselben 
26 Schulen und im Falle von Erkrankungen mussten die gesunden 
Aerztinnen die Schulen der Erkrankten übernehmen; fürwahr keine 
geringe Arbeit, die dazu während der Stunden von 9—2 Uhr been¬ 
det werden muss. Im Schuljahre 1884—85 ist die Zahl der Schulen 
auf 183 gestiegen, für die 7 Aerztinnen angestellt werden sollten, 
mit einer Gesammtausgabe von 4600 Bbl.; es erhält jede jährlich 
500 Rbl. und 100 Bbl. Fahrgelder, wobei sie 26 Schulen beaufsich¬ 
tigt. So sehr man sich freuen muss, dass die Schulhygiene Berück¬ 
sichtigung findet, so muss doch dabei die Exploitation der ärztlichen 
Arbeitskraft hervorgehoben werden und es ist um so bedauerns¬ 
werter, dass gerade die weiblichen Aerzte exploitirt werden. Zum 
Schluss erwähnt der Bericht noch, dass man beabsichtige, die städtischen 
Armenärzte zur Schulinspection heranzuziehen. Dann könnte man 
die Schulen unter 25 Aerzten vertheilen und die Arbeit würde leich¬ 
ter werden. (Aber die Besoldung wird auch geringer). Im Ver¬ 
laufe von 2 Jahren haben die Schuiärztinnen 26,498 Erkrankungs¬ 
fälle congtatirt, wobei jeder Fall durchschnittlich 2—3 ärztliche Be¬ 
richtigungen verlangte, also im Ganzen über 66,000. Die Ausgaben 
betrugen dabei 8750 Bbl. Hieraus rechnet uns der Bericht nach, 
dass für jede ärztliche Hülfeleistung 16,3 Eop. gezahlt, wobei die 
Aerztin für ihre Arbeit — mit 11 Kop. belohnt, während 2,3 Kop. 
auf Fahrgelder und 3,1 Kop. auf Medicamente kommen. Die beige¬ 
fügten Tabellen, welche semesterweis die Zahl und Art der Erkran¬ 
kungen angeben, entbehren leider der Uebersichtlichkeit, so dass 
wir nicht weiter auf dieselben eingehen können. 

II. Die städtischen Armenärzte (xyMCKie spava). Da nach 
der Ansicht der ßanitätscommission für die unbemittelte Bevölke¬ 
rung in medicinischer Hinsicht zu wenig gesorgt, so schritt sie zur 
Einrichtung der städtischen Armenärzte, welche die Armen sowohl 
ambulatorisch, wie auch in ihren Wohnungen zu benandeln und 
ihnen freie Medicin zu verabfolgen haben. Die Idee ist jedenfalls 
eine sehr gute, zumal den Aerzten auch die Möglichkeit geboten 
wird, hier und da auch für bessere Nahrung sorgen zu können. Auf 
Wunsch der Commission hat Dr. Archangelsk! den weiter zu 
besprechenden Bericht über die städtischen Armenärzte pro 1883 I 


zusammengestellt. Anfangs wurden die Aerzte nur für Jahr an¬ 
gestellt, im Juli 1883 diese Einrichtung aber schon für 3 weitere 
Jahre versuchsweise bestätigt. — Am 1. Januar 1883 existirten 20 
städtische Armenärzte (darunter 7 weibliche), die im Laufe des Jah¬ 
res 42,832 Patienten (29,412 ambulatorisch, 13,420 in ihren Woh¬ 
nungen) behandelt haben. Die ambulatorischen Patienten suchten 
die Aerzte 60,968 Mal auf, während bei den Hauskranken 34,816 
Visiten (darunter 1346 Nachts) gemacht worden, durchschnittlich 
kommen also auf jeden Patienten 2 ärztliche Besichtigungen. Be¬ 
merkenswerth ist, dass, während die Zahl der ambulatorischen Pa¬ 
tienten in stetigem Steigen begriffen, die Zahl der Hauskranken 
nicht zunimmt. Die Zahl der von den einzelnen Aerzten Behan¬ 
delten schwankt sehr bedeutend und bewegt sich zwischen 594— 
4350. Am häufigsten wurden die Armenärzte an der Peripherie der 
Stadt benutzt. Recht charakteristisch ist übrigens, was eine 
Aerztin (im Narv’scben Stadttheil) in ihrem Jahresberichte ange¬ 
führt hat; sie sagt, dass ihre ganze Praxis von den 2—3 ihr zu¬ 
nächst liegenden Strassen geliefert wird, in den weiter gelegenen 
hat man keine Ahnung von der Existenz städtischer Armenärzte. 
Ueberhaupt werden verschiedene Stellen aus Einzelberichten wie¬ 
dergegeben, einzelne derselben jedoch widersprechen sich strict, na¬ 
mentlich was die Behandlung der Armen in ihren Wohnungen be¬ 
trifft. Einerseits werden von mehreren Aerzten gerade die trauri¬ 
gen Local Verhältnisse, Schmutz, Kälte, Zusammenpferchung der 
Bewohner etc. hervorgehoben (pag. 94 und 95), andererseits wird 
behauptet (pag. 133), • dass wenn nicht alle, so doch die meisten 
Krankheiten in den Wohnungen der Armen besser verliefen, wie in 
den Hospitälern. Uns ist allerdings unbekannt, in welchen Hospi¬ 
tälern der Dr. T r i w a s , der diese Behauptung aufstellt, seine 
Beobachtungen gemacht hat und wir bedauern nur, dass er keine 
Zahlen dafür anführt. Einige Zeilen weiter im allgemeinen Be¬ 
richte wird jedoch wieder gesagt, dass man bei denjenigen Infec- 
tionskranken, die keine Aufnahme in den Hospitälern fanden, doch 
recht schlechte Resultate erzielte. Gewöhnlich inficirten sie ihre 
Umgebung. Die Hospitäler kommen übrigens im Bericht recht 
schlecht davon, sie werden mit Vorwürfen überschüttet. Wenngleich 
Bef. durch langjährigen Hospitaldienst genau mit den Missständeu 
und Fehlern unserer Hospitäler bekannt ist, so muss er doch ent¬ 
schieden gegen ungerechtfertigte Vorwürfe auftreten, die nament¬ 
lich einen 8tein auf die unter äusserst schwierigen Verhältnissen 
arbeitenden Aerzte werfen. So heisst es z. B. pag. 113 bezüglich 
der Abweisung der Patienten wegen Platzmangel: «auf die Schwere 
der Erkrankung achtete Niemand und wünschte man nicht ein¬ 
mal zu achten. Ausnahmen wurden nur mit Moribunden gemacht 
und auch da nicht aus Humanität, sondern um unangenehme Schrei¬ 
bereien zu vermeiden, im Falle Pat. auf dem Wege von einem zum 
anderen Hospital stürbe.» Hätte der Berichterstatter auch nur ein 
einziges Mal bei Platzmangel in einem grösseren Hospitale als Dujour- 
arzt fungirt, bo würde er wissen, wie schwer es ist, Pat. abweisen 
zu müssen und hätte sich gehütet, noch nachträglich den Hospital¬ 
ärzten Mangel an Humanität vorzuwerfen. Was nur irgend zu 
placiren war, wurde stets in den grossen Hospitälern aufgenommen, 
namentlich wenn es sich um Infectionskranke handelte. Pag. 134 
wird von dem Widerwillen der armen Bevölkerung gesprochen, die 
lieber sterben will als ins Hospital gehen. Woher kommt denn die 
Ueberfüllung der Hospitäler, wenn die Leute nicht in dieselben gehen 
wollen? Wir unsererseits können constatiren, und jeder Hospital¬ 
arzt wird das wohl bestätigen, dass die Abneigung gegen unsere 
Hospitäler von Jahr za Jahr mehr abnimmt und wohl nur noch bei 
einem geringeren Theile der Bevölkerung fortbesteht. Gerade m 
dem Maassstabe, als die Abneigung schwindet, steigt die Calamität 
des Platzmangels in den Hospitälern. Die Abneigung gegen die 
Hospitäler hält Vf. des Berichtes für von einem gewissen Gesichts - 
puncte aus auf solider Basis beruhend. Er bezeichnet die Ho- 
spiläler als überfüllt, schlecht gehalten, unordentlich (6e3nop£AOiHo) 
administrirt und Infectionsnester darstellend. Wir können uns des 
Eindruckes nicht erwehren, als ob diese Vorwürfe an die Adresse 
des Curatorenrathes gerichtet sind, müssen aber leider hinzufügen, 
dass in den 5 Monaten, seitdem die Hospitäler sich unter der Ver¬ 
waltung der städtischen Sanitätscommission befinden, die Verhält¬ 
nisse sich um keine Linie gebessert haben und auch nicht eher eine 
wesentliche Besserung zu erwarten ist, als bis dem ärztlichen Per¬ 
sonal eine andere Stellung eingeräumt wird. Früher leiteten hoch- 
gestellte Staatsbeamte die Hospitäler, die, wenn sie eine Reihe von 
Jahren sich damit beschäftigt, doch genau mit den Verhältnissen 
bekannt wurden und manchen Nutzen brachten. Jetzt stehen die 
Hospitäler unter Leuten verschiedener Stände, die nur auf je 4 Jahre 
zu Stadtverordneten gewählt werden und beider Neuwahl leicht um 
ihre Stellung kommen können, wo sie sich eben eingearbeitet haben. 
Doch diese Bemerkungen führen uns vom Berichte zu weit ab, keh¬ 
ren wir zu ihm zurück. Eine Tabelle giebt eine ausführliche, 
klare Uebersicht über die Arten der von den Armenärzten behan¬ 
delten Krankheiten. In 8063 Fällen handelte es sich um Infec¬ 
tionskrankheiten, darunter 81 Mal Flecktyphus, 757 Abdominal¬ 
typhus, 281 Mal Recurrens und 1537 Mal Typhus ohne Angabe der 
Form (!). Sollte dieses Mangel an Genauigkeit in den Berichten 
oder Unklarheit der Diagnose überhaupt sein? Wir erwähnen nur, 
dass von den unbestimmten Typhen 620 ambulatorisch behandelt 
wurden, desgleichen 15 Mal Flecktyphus, 200 Mal Abdominaltyphus 
und 85 Mal Recurrens. Ferner kamen 1534 Fälle von Masern, 788 


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90 


Fälle von Diphtherie and 696 Fälle tod Keuchhusten zur Behand¬ 
lung. Die venerischen Krankheiten sind merkwürdiger Weise unter 
die Rubrik der nicht infectiösen gerathen und wurden 1431 Mal 
behandelt, wobei sich aus der Tabelle pag. 174 ergiebt, dass 122 
männliche venerische Patienten von weiblichen Aerzten behandelt 
worden *)• Bezüglich der Frauenkrankheiten hatten die Aerztinnen 
jedoch mehr Zuspruch als die Aerzte. Von anderen Krankheiten 
wäre noch zu erwähnen, dass zur Behandlung kamen: Angina — 
3281 Mal, acute Entzündungen der Respirationsorgane — 8021 
Mal, Schwindsucht — 3226 Mal, Magendarmkatarrhe — 11,260 
Mal, chirurgische und äussere Leiden — 8110 Mal (darunter wohl 
auch Hautkrankheiten, denn dieselben sind nicht besonders rubri- 
cirt), Augenleiden nnr 818 Mal, und Ohrenleiden nur 516 Mal. — 
Die Sterblichkeit unter den ambulatorisch Behandelten betrug 0,8%, 
unter den Hauspatienten 6,2%. Von Ersteren wurden 2,7%, von 
Letzteren 8,1 % in Hospitäler gesandt. Bezüglich der Standesver¬ 
hältnisse der Patienten ist auch eine Tabelle zusammengestellt, die 
uns jedoch nicht praktisch und instructiv erscheint, da nnr folgende 
Rubriken vorhanden: Kleinbürger und Handwerker, Reserve-Sol¬ 
daten, verabschiedete Soldaten, Bauern, Soldatenfamilien, Finn¬ 
länder, verschiedene kleine Beamte (pasHo^HHhu). Die Eintheilung 
der ärmeren Klassen scheint dem Bericht über die Volkszählung 
von 1881 entnommen zu sein, entspricht jedoch nicht ganz der 
Wirklichkeit, namentlich was die Reservesoldaten und Finnläuder 
betrifft, die ja zuweilen durchaus materiell sicherstellende Beschäf¬ 
tigungen haben, desgleichen die Kleinbürger. Wie oft haben sie 
sehr einträgliche Handlungen und gehen doch dabei unrein nnd 
ärmlich gekleidet und lassen ihre Familie in kleinen Wobnräumen 
zusammengepfercht wohnen. Es scheint uns überhaupt äusserst 
schwer Zusammenstellungen über die hülfsbedilrftige Bevölkerung 
in medicinischer Beziehung herzustellen, da die Aerzte in dieser 
Beziehung oft und gern eiplcitirt werden und kann nur die Erfah¬ 
rung der Armenärzte allmälig darüber Auskunft geben, wie oft sie 
es mit wirklich Armen und wie oft mit Exploitation zu tliun haben. 
Hier müssen wir übrigens noch eine Angabe des Berichtes berich¬ 
tigen. pag. 113 ist gesagt, dass die ärmsten Klassen bis zur Ein¬ 
richtung der «städtischen Armenärzte» keine Möglichkeit hatten, 
sich zu Hause unentgeltlich behandeln zu lassen. Dieses ist un¬ 
richtig, denn seit vielen Jahren existirt eine Reihe von Armenärzten 
der philantropischen Gesellschaft, die u. A. gerade die Pflicht haben, 
arme Kranke zu Hause zu behandeln. Ferner wird es wohl kaum 
einen praktischen Arzt geben, der nicht auch Arme in ihren Woh¬ 
nungen unentgeltlich behandelt. 

Wir kommen nun zur Honorarfrage. Bekanntlich erhält jeder 
städtische Armenarzt 600 Rbl. jährlich und ausserdem für jede Vi¬ 
site 30 Kop. 1883 sind im Ganzen verausgabt 22,298 Bol., also 
durchschnittlich pro Arzt 1170 Rbl. Das Honorar schwankt jedoch 
de facto zwischen 977 Rbl. und 1741 Rbl., der Preis einer ambula¬ 
torischen Besichtigung von 12—60 Kop. (nach dem Gehalt berech¬ 
net). Der Bericht sieht eine Besichtigung im Ambulatorium mit 
10 Kop . nicht als zu hoch berechnet an und meint daher, wenn der 
Arzt für seine 600 Rbl. Gehafc 6000 Besuche in seiner Ambulanz im 
Jahre empfängt, so hat er seiner Pflicht genügt und müssten wei¬ 
tere Besuche extra honorirt werden. Jedenfalls spricht sich der 
Commissionsbericht sehr befriedigt über die Honorarfrage aus, dass 
die Aerzte je nach der Arbeitsleistung honorirt werden. Allerdings 
führt er Stellen aus 2 Einzelberichten an, die zum Nachdenken an¬ 
regen, der Bericht meint jedoch, »jeder habe den Wunsch besser zu 
leben» und die Lage der «städtischen Armenärzte» müsse doch eine 
ganz günstige nnd sympathischer sein, als nichtärztliche Beschäf¬ 
tigung, da die Duma über eine grosse Zahl von Candidaten zu ihren 
Stellen verfüge. In den beiden eben erwähnten Einzelberichten 
wird von dem einen Arzte darauf hingewiesen, dass im Centrum der 
Stadt sowohl die Gage wie die Visitenzahlung nur für den Unterhalt 
der Wohnung ausreiche, der Armenarzt also Privatpraxis suchen 
müsse. Der andere Arzt sagt bezüglich der Honorarfrage «die In¬ 
teressen der Duma sind vollkommen gesichert, die Einnahmen des 
städtischen Armenarztes jedoch sehr unsicher. Hat man Arbeit, so 
hat man seinen Lebensunterhalt, sind keine Patienten, so kann man 
seine Wohnung anfgeben.» Er plaidirt entschieden für eine be¬ 
stimmte, grössere Gage. 

In J4 4 des «Wratsch* wird berichtet, dass der Präses der Sani- 
sätscommission, Herr L i c h a t s c h e w, für die Central-Hospital- 
verwaltung: den Gliedern der Sanitätscommisskn 10,800 Rbl., für 
Kanzelleibedürfhisse aber 14,000 Rbl. jährlich verlangt. Wie wäre 
es, wenn man auch die Arbeit der Glieder der Sanitätscommission 
stückweis berechnete? — oder sollte nur bei den Aerzten die Ver- 
muthung berechtigt sein, wie auf pag. 120 angedeutet, dass sie nur 
dann eifrig arbeiten, wenn sie durch Visitenzahlung dazu gezwun¬ 
gen werden? Andererseits dürfte doch keine so geringe Meinung 
von dem Pflichtgefühl der Aerzte in der Sanitätscommission Platz 
finden, da ihnen der einzige unter der Zahl der Stadtverordneten be¬ 
findliche Arzt, Prof. B o t k i n , das Gegentheil beweist. Er ist 
Mitglied der Sanitätscommission, Curator des Barackenhospitals nnd 
Präses der Schulsanitätsinspection, opfert also neben seiner Pro- 

4 ) In Folge einer Berathung mit Syphilidologen ist die Sanitäts¬ 
commission zum Schluss gekommen, dass die Behandlung Veneri¬ 
scher durch die städtischen Armenärzte nicht zweckentsprechend 
und unzulässig ist (pag. 142). 


fessur und Privatpraxis noch einen nicht unbedeutenden Theil seiner 
Arbeitskraft der CommunalVerwaltung. 

Vermischtes. 

— Der Leibotiater Dr. W r e d e n und der Professor-Adjnnct der 
Veterinärkunde an der militär-medicinischen Academie W oron- 
zowsind zu beratenden Mitgliedern des militär-medicinischen 
gelehrten Comitös ernannt worden. 

— Die Venia legendi ist den DDr. Kultschizki (Histolog) 
und Pora i-Koschiz (Syphilidolog) von der Universität ertheilt 

worden. _ , . . 

_ An der hiesigen militär-medicinischen Academ’e haben sich 

mit Genehmigung der Conferenz als Privatdocenteu bubilitirt: Dr. 
Rosenbach für Nervenkrankheiten, Dr. Schapirofür interne 
Medicin nnd Dr. J e r o f e j e w für Augenkrankheiten. 

— Das durch den Tod des Dr. Schwarz vacante Amt eines 
Oberarztes der Südwestbahnen, zu welchem sich eine grosse Zahl 
von Candidaten gemeldet haben sollen, ist dem Professor der Ana¬ 
tomie B e e z in Kijew übertragen worden. 

— Die Conferenz der miliär-mediciniscben Academie hat,* wie der 

«Wratsch» erfährt, auf die Bitte der Perm’schen Landschaft be¬ 
schlossen, für den Fall des Ausbruches der Cholera, 25 Studirende 
des letzten Cursus in den Dienst der Landschaft abzudelegiren. Die 
Landschaft offerirt den Studenten die Reisekosten nnd 100 Rbl. mo¬ 
natliche Gage. ,, 

— Verstorben : 1) Der Arzt am Moskauer Hofcomptoir, Wirkl. 
Staatsrath Dr. E. J tt r g e n s. 2) Der Oberarzt des Pawlowschen 
Hospitales in Moskau Dr. Löwenthal. 3) Dr. Minkewicz 
in Moskau. 4) Der Landschaftsarzt des Knrsk’schen Gouverne¬ 
ments J. P o p o w. 5) Der Landscbaftsarzt des Kasanschen Gou¬ 
vernements Smirenski am Typhus. Die beiden letztgenannten 
haben ihre Familie fast ganz mittellos hinterlassen. 

— Die Stadt Jalta hat beschlossen, einen besonderen Sanitätsarxt 

anzustellen, will demselben aber nur die bei der Tüeurung in Jalta 
sehr karg bemessene Gage von 1200 Rbl. zahlen. (Wr.) 

— Die Stadt Moskau hat bis jetzt ausser den wenigen, kleinen, von 
Aerzten eingerichteten Heilanstalten für Geisteskranke und dem von 
einer geistlichen Gemeinschaft unterhaltenen Irren-Krankenhause 
nur ein einziges grösseres (das PreobrasheDsk’sche) Irrenhaus, welches 
von der Krone dotirt wira. Durch die hochherzige Spende der Frau 
Morosow, welche 150,000 Rbl. der Moskauer Universität zur 
Einrichtung einer Klinik für Geisteskranke übergeben hat, wirf 
dieser Calamität einigermaassen abgeholfen. Da die Spenderin die 
Bedingung gestellt hat, dass die Universit&tsVerwaltung ausserdem 
die Mittel zum Unterhalt von 50 Betten ausfindig macht, sq hat die 
Universität sich ait die Regierung mit dem Gesuch gewandt, zuni 
Unterhalt der Klinik ihr 30,000 Rbl. jährlich aus der Reichsreutei 
zu assigniren. 

— Die Odessa’sche Stadtverwaltung beabsichtigt ebenfalls ein 
Irrenhaus zu bauen, falls die Regierung ihr eine Snbsidie im Be¬ 
trage von 300,000 Rbl. (d. i. die Hälfte der zum Bau nötbigen 
Summe) bewilligen sollte. 

— Die Wilnascbe medicinische Gesellschaft beabsichtigt am 26. 
März dieses Jahres den Tag festlich zu begehen, an welchem ihr 
ältestes, noch lebendes Mitglied , Dr. Karl Gebling, vor 50 
Jahren in die Gesellschaft als Mitglied aufgenommen worden ist. 

Dr. G. ist, wie wir der «Ross. Med.» entnehmen, bereits über 82 
Jahre alt und beinahe 62 Jahre Arzt. Er hat seine medicinische 
Ausbildung in Moskau auf der damaligen med.-chirurgischen Aca¬ 
demie zu gleicher Zeit mit P i r o g o w erhalten, war anfangs län¬ 
gere Zeit Militärarzt, darauf Inspector der Studenten an der Wilna¬ 
seben Medico-chirnrgischen Academie bis zur Schliessung derselben 
i. J. 1842. Er zog sich nun auf sein Landgut im Wilnaschen Gou- 
vernerneut zurück und widmete seine Zeit vorzugsweise literarischen 
Arbeiten, von denen sein «Versuch einer Civil-Medicinal-Polizei» die 
grösste ist. Durch letztere Arbeit wurde der damalige Unterrichts- 
minister Uwarow auf G. aufmerksam und bot ihm die neuerrich- 
tete Professur für Staatsarznei künde an der Universität Dorpat an, 
welche er aber wegen verschiedener häuslicher Umstände nicht an¬ 
nehmen konnte. Die letzten 10 Jahre verlebte G. in der Stadt 
Wilna nnd erfreut sich trotz seiner vorgerückten Jahre einer voll¬ 
kommenen geistigen Frische. 

— Auf der im September d. J. in Strassburg stattfindenden / ’er- 
sammlung deutscher N aturforscher und Aerzte wird durch Prof. 
Lücke eine Ausstellung von Instrumenten und Bandagen ver¬ 
anstaltet werden, in welcher nur die neueren Erfindungen auf dem 
Gebiete der ärztlichen Technik und zwar in der Weise vorgeführt 
werden sollen, dass zur Ansstellung nnr die Erfinder selbst oder die 
von denselben beauftragten Techniker berechtigt sein sollen, 

(A. m. C.-Ztg ) 

— Nach dem Vorgänge der Kinderärzte sind hiersei bst auch ei¬ 
nige, mit der Behandlung von venerischen Krankheiten sich beschäf¬ 
tigende Aerzte zusammengetreten, um einen «Russischen Verein von 
Syphilidologen» in T s Leben zn rufen. 

— In Moskau ist eine «Gesellschaft von Militärärzten» in Bildung 
begriffen. 

— Neues CMoroformirungsverfahren mittelst graduirter 
Mischungen von Chloroform und Luft . Seit der ersten Benutzung 
des Chloroforms (Simpson 1847) als Betäubungsmittel fehlt es 


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91 


noch immer an sicheren Regeln für die Anwendung desselben, so 
dass jeder Chirurg über die Grenzen, in welchen es wirksam und ge¬ 
fährlich ist, seine eigene Meinung hat. Pani Bert hat nun ex¬ 
perimentell eruirt, dass es weit weniger auf die Menge des verwen¬ 
deten Chloroforms, Aethers, Amylens etc. ankommt, als auf das 
Verhältniss, in welchem der Betäubungsstoff der eingeathmeten 
Luft beigemischt ist. Die Dämpfe von 30 Grm. Chloroform z. B. 
können, wenn sie mit nnr 100 L. Luft gemischt sind, einen Hnnd in 
wenigen Minuten tödten, während die dreifache Dosis, in einem 
Cnhikmeter Luft verdünnt, während 2 Stunden einfach anästhetisch 
wirkt. Es kommt also bei der Einathmung darauf an, die Span¬ 
nung der Dämpfe zu regeln und darnach die Dosen zu bemessen. 
Bert hat diesen Grundsatz, nachdem er ihn zuerst an zahlreichen 
Thieren durchzuführen versucht, im Hospital Saint Louis in über | 
200 Fällen erprobt. Merkwürdiger Weise stellte sich heraus, dass I 
die gleiche, producirte Mischung auf die verschiedensten Tempera¬ 
mente und Empfindungszustände in der gleichen Weise wirkte. 
Bert beginnt mit 10 Grm. Chloroform in 100 L. Luft verdampft. 
Diese Mischung ist nickt unangenehm, manche Kranke finden sie 
sogar gut. Die Athmungsbeschwerden und HustenantiUle, mit 
denen die Chloroformirung sonst zu beginnen pflegt, werden also 
ganz vermieden. Auch die Phase der Erregung wird sehr gemil¬ 
dert und verkürzt, dauert höchstens 1 oder 2 Minuten und fiel bei 
über V* der Fälle (bei Erwachsenen) ganz aus, indem der Kranke 
ohne Bewegung in den Zustand der Empfindungslosigkeit und Er¬ 
starrung versetzt wurde. In 6 oder 8 Minuten ist dieser Zustand 
vollkommen eingetreten, man unterhält ihn dann durch eine Ver¬ 
stärkung der Mischung auf 1: 8 und später auf 1 : 6. Der Puls 
wird wieder regelmässig und der Schlaf wird weder durch Schneiden 
der Haut oder der Nervenstränge, noch durch das Sägen von 
Knochen etc. unterbrochen. Der Athem wird durcn die Schmerz- 
enegungen leicht beschleunigt. Die Temperatur sank nach einer 
Anästhesie von 37 Minuten nur um nach einer solchen von la¬ 
stenden (Ovariotomie) um 1^°. In keinem Momente des Verfah¬ 
rens aber war ein Anlass zu Besorgnissen über den Zustand des Pa¬ 
tienten in Bezug auf die Gefahren von Vergiftung, Erstickung, 
Herz- oder Gehirnschlag gegeben. («Nature» — A. m. C.-Ztg). 

— Dr. A. T. C a bo t hat eine 4% Cocainlösung mit Erfolg ange¬ 
wandt bei mehreren sehr sensiblen und ängstlichen Personen, an des 
nen er folgende Operationen vorzunehmen hatte: 1) Schlitzung eine- 
sehr engen Orific. cut. urethr. 2) Ablösung eines adhärenten Prä¬ 
putiums von dem hinteren Theile der Glans penis, wobei, als die 
Anaestheaie gegen Ende der Operation aufbörte. eine Application 
der Lösung auf die Wunde sie fast augenblicklich wiederherstellte. 

3) Dehnung einer Harnröhrenstrictur, wobei die Sonde erst unange¬ 
nehm empfanden wurde, als sie die tiefem Partien der Urethra jen¬ 
seits der Strictnr erreichte, die vom Anaestheticnm nicht mehr be¬ 
rührt worden waren. 4) In einem vierten Falle (Spaltung eines 
Scrotalabscesses), wo das Cocain auf die äussere Haut applicirt 
wurde, scheint es seine Wirkung versagt zn haben. (Bost. Med. 
and Sorg. Joura. 1884, 22. Proceedings of the Boston Society for 
Medical Impro7ement.) G. 

Krankenbestand der Civil- u. Kinderhospitäler St. Petersburgs 

am 3. März 1888. 

M. W. Summa. 

Civilhospitäler. 3233 2302 5535 

Kinderhospitäler. 161 154 315 


Unter der Gesammtzahl befanden sich : M. W. Summa. 

TyphöseKrankheiten(abd.,exanth.,rec.) 187 102 289 

Scharlach. 25 29 54 

Pocken. 4 7 yy 

Venerische Krankheiten. 524 456 980 

Die Ambulanzen der Kinderhospitäler wurden in der Woehe 
vom 24. Februar — 2. März 1885 besucht von 2762 Kranken, da¬ 
runter zum ersten Mal von 1030. 

_Mortalität einiger Hauptstädte Europas. 


Name Nener Styl. 


Stockholm 
Kopenhagen. 
Berlin ... 
Wien 

Brüssel . . 
Paris . . . 
London 

St. Petersburg 


15—21 Febr. 
18—24 Febr. 
22—28 Febr. 
22—28 Febr. 
15—21 Febr. 
22—28 Febr. 
22—28 Febr. 
1—7 März 


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5 m 

3 £ 1 

3 


I 1901151 90 
I 278 000] 132 
11263 455 
I 769 889 474 
i 171293 90 


22 j 24,« 24,4 
38 j 24,4 21,s 


1 769 889 474 38 32,0 8,o 

| 171293 90 10 28,# ll fl 

2 239928 1149 114 26,r 9» 

14 083 928 1569 179 19,« liu 

1 928 016 eoe 57 33,9 9,4 


Adressen von Krankenpflegerinnen. 

! £ der . v L li ® t » B OÄm. Macrepcsaa, *. N 5, kb. 49. 

* Fr. P. Eunch, Ha yriy Maiofi HiaiMHCKofi yi. h dprexesa 

nep., a. * 1/12 kb. 19. 1 

* ÄJJL3& Kapx obh a Mepiue, Axymepsa, Puccxift npocn. 
AOm * 42/4. kb. Nt 5. 

* Co4>ia II &bx ob Ha HIk xapeBCKaz, no MoSk* a. *102 
KpapT. N 4. 

Mad. Hellwig, HsMaflxoBCKit hoiki, 11. pora, aomt>M5, kb. 6. 
MaA- ropAOH'b, KpoHBepKCKüt npocneKrb, yroii KoHHaro nep. 
Aom> N 11 kb. 11. 

Fr. Kaufmann, IleTepö. CTop., uaiaa MoHOTHaa *6/8 kb. N 1. 
Amalie Hammer üeTepöyprcKaa cropoHa, no KpoHBepKCKOMy 
npocneKTy, aomt» N 71, kb. 19. 

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Anaxia AbBOBHaPHTTepi. Bac. Octp. 17 ««ia y Boor 
maro npocnexTa a* Typs * 12, kb. * 37. 

Nächste Sitzung des Vereins St. Petersburger Aerzte 
Dienstag den 19. März 1885. 

Nächste Sitzung des deutschen ärztlioheiTvereins 
Montag den 8. April o. 


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im Königlich Sächsischen Voigtlande. 

Eisenbahnstation zwischen Reichenbach in 
Sachsen und Eger in Böhmen. 

Saison vom 15. Mai bis 30. September. 

Für die vom 1. September an Eintreffenden halbe 
Curtaxe. 

(1884 Frequenz: 5397 Personen mit Einschluss 
der Passanten.) 

Elster besitzt an Kohlensäure reiche, alca- 
lisch-salinische Stahlquellen, die zu Trink- und 
Badecuren dienen ; 1 Glaubersalzsäuerling (die 
Salzquelle); langer von vortrefflichem salinischen 
Eisenmoor. Die Mineralwasserbäder werden, je 
nach Verlangen, mit oder ohne Dampfheizung 
bereitet. Molken täglich frisch. 

Erfolgreiche Anwendung finden die Eisen¬ 
quellen und Moorbäder von Elster gegen ver¬ 
schiedene Zustände von Blutarmuth, wie nach 
schweren Geburten, Aborten, starken Verwun¬ 
dungen, bei Hämorrhoidalblutungen, nach über¬ 
standenen schweren acuten und chronischen 
Krankheiten u. s. w., bei Bleichsucht mit Nei¬ 
gung zu Recidiven, gegen Krankheiten des Ner¬ 
vensystems, als krankhafte Reizbarkeit desselben, 
Nervenschwäche, Hysterie, Neuralgien, Erschö¬ 
pfungsparalysen, beginnende Tabes dorsalis und 
gegen gewisse Krankheiten der weiblichen Sexu¬ 
alorgane, als Menstruationsmangel, zu reichliche 
und schmerzhafte Menstruation, Catarrh der Ge¬ 
bärmutter, Sterilität p. p. 

Die Salzquelle (Glaubersalzsäuerling), nur zu 
Trinkeuren benutzt, bewährt sich bei Blutstok- 
kungen im Unterleibe, Abdominalplethora, be¬ 
sonders wenn ein gewisser Grad von Blutarmuth 
nebenbei besteht, bei chronischen Magen- und 
Dlckdarmcatarrhen, bei habitueller Stuhlversto¬ 
pfung, chronischer Blutüberfüllung der Leberund 
Gebärmutter mit reichlicher Menstruation, bei 
chronischem Bronchialcatarrh und chronischer 
Gicht. 

Die Curmittel von Elster werden mit bestem 
Erfolg vielfach auch zu Nachcuren nach dem 
Gebrauche anderer Bäder verwendet. 

Die ausserordentlich gesunde, vor rauhen 
Ostwinden geschützte Lage des Orts in lieblicher 
Waldgegend bei einer Seehöhe von 473 Meter 
empfiehlt aber Elster auch als klimatischen Cur- 
ort für blutarme Kranke und Nervenleidende, so¬ 
wie für Solche, welche durch geistige Ueberan* 
strengung erschöpft sind. 

Zu weiterer Orientirung über die therapeuti¬ 
schen Verhältnisse wird auf die Officialschrift: 
«Bad Elster von Dr. R. Flechsig, 3. Auf¬ 
fluge, Leipzig im Verlage von J. J. Weber 1884» 
verwiesen. 

Mineralwasser- und Moorerde-Versand durch 

die Königliche Baddirection. 42 (1) 

Bad Elster 1885. 

Der königliche Bad-Director? 

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Neue Folge. 


St. Petersburger 


II. Jahrgang. 

(In der Reihenfolge X. Jahrgang.) 


Medicinische Wochenschrift 


unter der Redaction 


von Prof. ED. v. WAHL in Dorpat und Dr. L. v. HOLST in St Petersburg. 


Die t St. Petersburger Medidnische Wochenschrift» erscheint jeden Sonn¬ 
abend. Der Abonnements-Preis ist in Russland 8 Rbl. für das Jahr, 
4 Rbl. für das halbe Jahr inclusive Post-Zustellung; in den anderen Län¬ 
dern 16 Mark jährlich, 8 Mark halbjährlich. Bestellungen Übernehmen 
die Buchhandlungen aller Länder. Der Insertions- Preis für die 3 mal 
gespaltene Zeile in Petit ist 12 Kop. oder 40 Pfenn. 


Manuscripte sowie alle auf die Redaction bezügliche Mittheilungen bittet 
man an den geschäftsführenden Redacteur, Dr. L. V. Hülst in St. Peters¬ 
burg, Evangelisches Hospital, Abonnements-Aufträge, Inserate etc. an 
die Buehhandlung von C. Rieker in St. Petersburg, Newsky-Proap. Jl 14 
au richten. Ausser dem Honorar (16 Rbl. pro Bogen) werden den Autoren 
25 Separatabzüge ihrer Original-Artikel zugesandt. 


Ns 12. St. Petersburg, 23. März (4. April) 1885. 


1 W. Dem itsc h: Mi tthei langen ans der Dorpater chirurgischen Klinik. Ein Fall von Pityriasis rabra. (Schluss) —E. Hein¬ 
rich Kisch: Die Obductionibefunde bei Fettleibigen. — Referate . Fachs: Ueber Wirkung and Bereitungsweise des Extract. ftl. 

— Monnet: Ueber die Kola (Sterculia acnminata). — J. Bosanow: Ueber die Schwankungen der Muskelkraft beim Men¬ 
schen. — J. Saexinger: Ueber Anwendung von Secale cornntum während der Geburt. — Hagenbucü: Die Behandlung der Rha- 
chitis. — Bücher-Anzeigen und Besprechungen . Prof. L. v. Thanhofer: Grundzüge der vergleichenden Physiologie und Histo¬ 
logie. — N. Schtschepotjew: Die Pest- und Cholera-Epidemien im Astrachanschen Gouvernement. — Max v. Pettenkofer: 
Die Cholera. — V. Urbantschitsch: Lehrbuch der Ohrenheilkunde. — Auszug ans den Protokollen des deutsehen ärztlichen 
Vereins . — Vermischtes . — Mortalitäts-Bulletin St. Petersburgs , — Mortalität einiger Hauptstädte Europas . — Anzeigen . 


Mfttheilungen aus der Dorpater chirurgischen|Klinik. 

Ein Fall von Pityriasis rubra. 

Von 

W. De mit sch. 

(Schluss.) 

Wir kommen jetzt zur Diagnose der vorliegenden Krank¬ 
heit. 

Zunächst kann man sich darauf stützen, dass dieses Lei¬ 
den eine allgemeine Hauterkrankung darstellt und, wie es 
sich aus der Anamnese ergiebt, die Erkrankung bald nach 
den ersten Zeichen der Hautröhte universell wurde. Wenn 
wir die ganze Summe der in Folge der Erkrankung entstan¬ 
denen Hautveränderungen ins Auge fassen, so werden wir 
gewiss manche charakteristische Symptome für dieses Lei¬ 
den finden, welches dasselbe von anderen Hauterkrankun¬ 
gen unterscheiden. Die Hautverfärbung, die überall im 
Niveau der Haut verharrt, ist so auffallend und so intensiv, 
wie bei keiner anderen Hautkrankheit Freilich kommt 
Röthe der Haut auch bei Eczem vor, doch ist sie dann auf 
bestimmte Stellen, wo die Herde der Eruption entstehen, 
vertheilt Von Eczema chronicum universale, wo die Haut 
ebenfalls am ganzen Körper roth ist, dürfte sich unser Fall 
unterscheiden durch vollständiges Fehlen der für das Eczem 
charakteristischen Gebilde, wie Knötchen, Bläschen und 
PnBteln, diffuser Infiltration des Papillarkörpers. Nässen, 
welches bei Eczem das wichtigste Symptom ist findet sich 
bei unserem Patienten nur an einigen wenigen Stellen, wo 
Risse vorhanden sind; es ist verhältnissmässig gering und 
hat meist einen eitrigen Charakter. Das Jucken ist nur 
unbedeutend. Es quält den Patienten fast garnicbt Alles 
das lässt mit Sicherheit ein Eczem in unserem Falle aus- 
schliessen. 

Von Psoriasis unterscheiden wir das vorliegende Leiden 
dadurch, dass nirgends eine circumscripte Schwellung der 
Papillarkörper vorhanden ist. Die Art der Entstehung 
und Verbreitung der Hautverändernngen bei den Patienten 
sprechen ebenfalls gegen Psoriasis. Auch sind die von uns 
öfters beobachteten ecchymosenartigen Flecke durchaus un¬ 
ähnlich dem Bilde der Blutung aus dem Papillarkörper bei 
Psoriasis. 


Es wäre vielleicht möglich hier an Ichthypsis zu denken; 
doch ist dieselbe meist angeboren und hat nur durch die 
Schuppenbildung Aehnlichkeit mit der vorliegenden Er¬ 
krankung. Im Uebrigen sind die Unterschiede so gross, 
dass wir auch diese Möglichkeit fallen lassen können. 

Auch mit der Lepra hat unser Fall gar keine Aehnlichkeit. 

Die Haut des Patienten verhält sich genau so, wie bei 
den von Gibert (1860) beschriebenen Kranken, wo «die 
Haut rieh im Allgemeinen wie mumificirt pergamentartig 
anfühlte, die Abschuppung zwiebelschalenähnlich in grossen 
Lamellen statt hatte, die Schuppen mit dem einen Rande 
festbingen, rieh durch Reibung entfernen Hessen und die 
geröthete Haut dann zu Tage trat **)>. 

Ferner haben wir bei unserem Patienten auch alle die¬ 
jenigen Symptome, welche H. Hebra in seiner Beschrei¬ 
bung angiebt. Das sind: diffuse Röthe, welche später ins 
livide übergeht, dabei Schuppen auf rother Baris, welche 
mit der Unterlage in Contact bleiben. Später unteriiegt 
die Röthe einer gelben Umwandlung. Das diese Umwand¬ 
lung einer Beimengung von Pigment zuzuschreiben ist, 
kann man schon am Lebenden daran erkennen, dass auf 
Fiugerdruck wohl die Röthe, aber nicht das Gelbbraune 
schwindet. Weitere Symptome: Enge der Haut, auffallende 
Verdünnung und Spannung derselben, so dass das Gericht 
larveoartig entstellt ist, Verlust der Haare, Frösteln, Ver¬ 
änderungen der Nägel... haben wir genau so, wie sie von 
H. Hebra geschildert wurden **). 

Obgleich unser Fall dnreh Neigung zu den Ecchymosen- 
bildungen rieh von den von anderen Autoren beschriebenen 
unterscheidet, so sind doch die übrigen Symptome im We¬ 
sentlichen mit denen der anderen Autoren so übereinstim¬ 
mend, dass wir in unserem Falle wohl unstreitig Pityriasis 
rubra diagnosticiren können. 

Was die Prognose anlangt, so ist Pityr. rubra nach allen 
spärlichen Beobachtungen, die bis jetzt bekannt geworden 
sind, eine unheilbare Hautkrankheit. H. Hebra stellt 
die Prognose stets ganz ungünstig. Doch kann der Ver- 


**) Weyl. Anomalien der Epidermis im v. Ziemssen’sehen 
H&ndb. d. spee. Patb. n. Ter. Bd. XIV, 1. Hälfte. 

'*) Die krankhaften Veränderungen der Hant. Von H. v. Hebra. 
1884, pag, 384 n. w. 


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94 


lauf der Pitvr. rubra sich sehr in die Lange ziehen, und 
Kaposi 1 *) thut sogar Erwähnung zweier geheilter FäUe. 
W e y 1 theilt die Krankengeschichte eines Patienten mit, 
bei dem bereits 1859 v. Bärensprung die Diagnose auf 
P. rubra gestellt hatte und der noch heute seiner Beschäfti¬ 
gung als S(ubenbohner nachgeht 15 ). Trotz dieser Angaben 
stimmen die anderen Autoren darin überein, dass die 
meisten Patienten nach mehr oder weniger langer Zeit dem 
Uebel durch allgemeinen Marasmus erliegen. Es gesellen 
sich der Krankheit im weiteren Verlaufe gerne Complica- 
tionen, wie Pneumonie, Tuberculose und Nephritis hinzu. 
Was den vorliegenden Fall betrifft, so steht es mit unserem 
Patienten noch nicht so schlimm, obgleich die Krankheit 
sich schon in ziemlich vorgerücktem Stadium befindet und 
trotz den vielen colossalen Hautveränderungen, welche zu 
starker Abmagerung und anderen Symptomen geführt 
haben. Wir konnten keine Veränderungen an seinen inne¬ 
ren Organen finden, und die sorgfältigsten Untersuchungen 
des Harnes Hessen in ihm weder Albumin, noch Blutkör¬ 
perchen nachweisen. Das unterstützt uns noch in der Mei¬ 
nung, dass die Prognose quoad vitam in diesem Falle keine , 
absolut ungünstige ist. Freilich wird der Zustand des Pa- I 
tienten sich allmäüg verschlimmern, da wir nicht im Stande 
sind, den Krankheitsprocess zu coupiren, oder ihn wenig¬ 
stens in Schranken zu halten: ein Specificam gegen dieses 
Uebel giebt es nicht 

Die Therapie beschränkt sich vor allen Dingen auf sorg¬ 
fältigste Pflege der so stark lädirten Haut und auf Beseiti¬ 
gung der lästigen Symptome. In unserem Falle haben wir 
die Ueberzeugung gewonnen, dass Fetteinreibungen und 
warme Bäder dem Kranken am meisten gut thaten: sie be¬ 
seitigten die lästige Spannung der Haut und das Steifig¬ 
keitsgefühl des Patienten, machten die Haut etwas geschmei¬ 
diger und reiner. Selbst die allgemeine Ernährung des 
Kranken schien dadurch merklich gehoben zu werden und 
Patient sagte uns oft, dass er sich in der Klinik entschieden 
erholt habe. Doch ist er ganz arbeitsunfähig, und jede 
angestrengte Muskelbewegung führt zu Rissen und Wunden 
der Haut. 

Somit können wir ungeachtet dessen, dass die Prognose 
quoad valetudinem completam ungünstig ist, die Existenz 
des Patienten durch die erwähnte Behandlung erträglicher 
machen. Die Therapie ist also hier nur eine symptoma¬ 
tische, palliative. 

Ich habe Patienten zwei Monate beobachten können und 
in dieser Zeit folgenden Decursus morbi notirt: 

Seit der Aufnahme (26. Juli) bis zu der Zeit, wo ich den Patienten 
zur Beobachtung bekam, wurde er mit warmen Bädern und Uug. 
zinci behandelt. 

22. August. P&t. wird you heute ab mit Sapo yirid. täglich ein¬ 
geschmiert. Eine Stunde nachher warmes Bad einmal täglich. 
Ausserdem eine Pille von 

Ep. Creosot. 1,25 
Eztr. Tarax. q. s. 
f. pill. M 50. 

23. August. Pat. klagt immer über Steifigkeitsgefühl und über 
eigenthümliche Schmerzen, wahrscheinlich in Folge von Hautspan¬ 
nung. An der Haut lässt sich verfolgen, dass die rotheu e c c h y - 
mosenartigen Flecke im Laufe der letzten Tage bald 
verschwinden,bald irgendwo anders wiederauf¬ 
treten. An einigen Stellen entstanden neue Erosionen. Nach 
dem Bade wird die Haut von den Schuppen voll¬ 
kommen frei, doch werden sie etwa nach 10 Stun¬ 
den von Neuem producirt. 

24. August. Das Einschmieren mit grüner Seife wird ausgesetzt. 
Warmes Bad und eine Creosotpille täglich. 

25. August. Einschmieren nach dem Bade mit Vaselin. 

26. —31. August. Das Einschmieren mit Vaselin 
scheint dem Patienten ei ne ge wisse Erleichte¬ 
rung zu verschaffen: er klagt jetzt nicht mehr 
über Steifigkeit: die Hautspannung ist nicht 
so schmerzhaft. Die Haut erscheint etwas rei¬ 
ner von Schuppen. 


“) Path. u. Ther. der Hautkrankheiten 1881, pag. 411. 

“) Ziemssen. Handb. d. spec. Path. und Ther. Bd. XIV, 
1883, pag. 529. 


1 . September. Es entsteht eine grosse Ecchymose auf der rechten 
oberen Brustseite. Im Uebrigen Status idem. 

2 . September. Aus der gestern auf der Brust entstandenen Ecchy¬ 
mose, welche eine blutige Blase durch Abhebung der Epidermis dar¬ 
stellte, wurde der Inhalt mikroskopisch untersucht. Ausser rothen 
Blutkörperchen sah man auch recht viele weisse, die letzteren in 
grossen Haufen gelagert. Sonst nichts Auffallendes. 

3. —5. September. Status idem. 

6 . September. Heute kann man sehen, dass aus der am 1 . Sept. 
auf der Brust entstandenen ecchymosenartigen Blase eine Erosion 
sich gebildet hat. Die übrigen Ecchymoseu verschwanden dagegen, 
ohne Erosionen hinterlassen zu haben, theils spurlos, theils mit Hin- 
terlasseu einer kleinen, trockenen Borke. Beständiges Kältegefühl. 

7. September. Eine neue Ecchymose auf dem linken oberen Au¬ 
genrande. (Sie verschwand nach 3 Tagen spurlos). 

8 . — 10 . September. Status idem. 

11. September. Da das allgemeine Krankheitsbild durch das 
Eczem der beiden Unterschenkel, wo die Haut in Folge dessen stark 
nässt und eitert, complicirt ist, so wird Patient von heute ab an den 
Unterschenkeln mit Ung. zinci eingerieben, au anderen Körper¬ 
teilen, wie gewöhnlich, mit Vaselin. 

12. —16. September. In dieser Zeit ist das Eczem der 
Unterschenkel durchBehandlung mitZinksalbe 
zurückgegangen. Im Uebrigen Status idem. 

17.—19. Septb. Es sind neue Eechymosen aufgetreten : kleine, 
streifenförmige auf der Brust und eine grössere auf der rechten 
Spina scapulae. Wenn der Patient sich einmal nicht mit Vaselin 
einschmiert, so bedeckt sich seine ganze Hautoberfiäche wieder mit 
zahlreichen Schuppen, welche sich in 3—ökopekengrossen Lappen 
ablösen lassen. Selbst fallen sie in Form von Kleineren Schüppchen 
ab, wie ein weisslicher Staub. Die Haut scheint in ihren oberen 
Schichten morsch zu sein und hat ihre Festigkeit verloren : sie lässt 
schon nach einer leichten Quetschung capilläre Hämorrhagien und 
Wunden entstehen. 

20.— 21 . September. Die am 19. Sept. entstandenen Eechymosen 
sind spurlos verschwunden. Sonst Status idem. 

22.—24. September. Patient ist in diesen Tagen ausgegangen 
und nachher bildeten sich Erosionen rechts in der Inguinalge- 
gend, wahrscheinlich in Folge der verstärkten Muskel- resp. Haut¬ 
bewegung. 

25.—30. Sept. Die Erosionen rechts in der Inguinalgegend sind ver¬ 
heilt, dagegen entstand in der rechten Lumbalgegend ein bohnen¬ 
grosses Geschwür. Die Erosionen links von der linken Mamma ge- 
I heilt, mit Schuppen bedeckt, ebenso die auf dem Abdomen links vom 
I Nabel fast verheilt. Dagegen auf der vorderen Seite im rnteren 
Drittel am Ulnarrande eine haselnussgrosse Erosion entstanden. 
Durch Quetschung der Haut entsteht jetzt nicht so leicht capilläre 
Hämorrhagie in der Schultergegend, wie früher. Patient ist ver¬ 
stopft, bekommt 01 . Ricini. 

1.—4. October, Die Obstipation ist habituell; Stuhlgang nur 
2—3 Mal wöchentlich. Im Uebrigen Status idem. 

5. October, Patient hat sich in der Zeit, die er in 
derKlinik zugebracht (über 2 Monate), etwas 
erholt. Die Ernährung ist entschieden besser 
geworden. Die Beschwerden in Folge der Haut- 
Spannung sind jetzt kaum vorhanden. Fett ei n- 
reibung bat sich a m z w e ck m ässi g s t e n erwiesen 
und hat dem Patienten unzweifelhaft gut ge- 
t h a n. Wenn man ihn einige Zeit beobachtungshalber sich nicht 
einreiben lässt, so verlangt er selbst nach Vaselin. Die Haut 
erscheint jetzt etwasreiner; viele Erosionen 
sind geheilt. Doch ist das allgemeine Krank¬ 
heitsbild nicht viel verändert. Die Eechymosen schei¬ 
nen jetzt nicht mehr so leicht und so oft nach Quetschung zu ent¬ 
stehen, wie vor Kurzem. Es giebt aber noch Stellen, namentlich 
eigenthümliche inselartige gelbe Flecke auf 
der Brust, wo man auch jetzt bei jeder Quetschung grosse Ec- 
chymosen zu Stande bringen kann. Folglich sind an die¬ 
sen Flecken di e H au tca pil 1 are n besonders zer- 
reissli ch. 

6 . October. Hinten am unteren Winkel der Scapula sin. eine 
bohnengrosse oberflächlich erodirte Stelle mit unregelmässigem gel¬ 
bem Grunde, ebenso am rechten Darmbeinkamme. Am rechten Zei¬ 
gefinger zwischen Phal. I und II eine erbsengrosse Erosion. An der 
lateralen Seite des Oberschenkels im oberen Drittel eine kopeken- 

f rosse Erosion. In scrobiculo cordis 2 ca. linsengrosse Eechymosen. 

Irosi onen scheinen sich hauptsächlich dort zu 
bilden, wo die Haut einen mechanischen Insult, 
wie Reibung der Kleider beim Gehen z. B., e r f ä b r t. 

7.—9. October. Die Erosionen am Scapularwinkel, rechten Ober¬ 
schenkel und Zeigefinger sind mit Borken bedeckt. Die Eechymosen 
in scrobiculo cordis vollständig verschwunden. 

9.— 11 . October. Eechymosen in der rechten Parietalgegend ero- 
dirt. Eine Ecchymose haselnussgross auf dem Sternum, erbsengross 
auf der Clavicula entstanden, sind beide verschwunden. 

12 . October. Unter der rechten Mamma (auf gelbem Flecke) eine 
erbsengrosse, am äusseren Rande des Rectus abdom. dext. eine boh 
nengrosse Ecchymose. Ueber der rechten Mamma (ebenfalls am 
: gelben Flecke) durch Quetschung hervorgerufene grosse Ecchymose 


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95 


mit Borken bedeckt. In der linken Supraspinalgegend der Scapnla 
eine haselnussgrosse Eccbymose entstanden. 

14 October. Die vordere Fläche der Oberschenkel mit starkem 
Ecrem bedeckt, welches sehr jnckt. Daranf Zinksalbe verordnet. 
Auf der Vorderfi&che des rechten Unterschenkels 2 haselnussgrosse 
mit Borken nnd Schuppen bedeckte Stellen entstanden, ohne dass 
eine Ecchymosirung vorausging. 

16. October. Pat. verlässt die Klinik. 

Bei der Entlassung des Patienten konnte man constatiren, 
dass das Krankheitsbild im Wesentlichen bestehen geblie¬ 
ben war. An einigen Stellen, namentlich am Kopf und an 
der Brust, sind viele wunde, mit Borken bedeckte Stellen 
zum Schwinden gebracht; dafür sind aber an anderen Stel¬ 
len neue aufgetreten. Das Eczem der Unterschenkel, das 
mit der primären Erkrankung nichts zu thun hat, ist be¬ 
seitigt worden. Ausserdem ist eine gewisse Besserung des 
Patienten zu constatiren, von welcher wir schon früher ge¬ 
sprochen haben. 

Pityriasis rubra ist also nach Allem Gesagten eine uni¬ 
verselle, chronische Erkrankung der obersten Hautschich¬ 
ten, mit vermehrter Abschuppung der Epidermis, mit eigen- 
thümlicher Verfärbung der ganzen Körperdecke in Folge 
einer Pigmentablagerung und auffallender Zerreisslichkeit 
der Hautcapillaren. Dabei lassen sich keine Bläschen und 
Pusteln, keine bedeutende Infiltration der Haut nachweisen. 

Durch die uns unbekannte Ursache wird die ganze Haut¬ 
decke so auffallend verändert, dass sie atrophisch, morsch 
und zerreisslich wird. Sie wird dem Patienten zu kurz, 
ist daher straff über die Knochen gespannt, reisst bei Mus¬ 
kelbewegungen, giebt dabei Veranlassung zu Rhagaden¬ 
bildung und verhält sich im Ganzen, so zu sagen, wie ein 
schlechtes, abgetragenes Kleid. Giebt die Lepra dem Ge¬ 
sichte der Kranken die bekannte < Facies leonina», so dürfte 
wohl gesagt werden, dass dieses Uebel dem Gesiebte eine 
unheimliche Maske ertheilt. 

In unserem Fall ist noch zu betonen, dass die Haut, ausser 
allen erwähnten Veränderungen, noch eine grosse Neigung 
zu eigentbümlicher Eccbymosenbildung zeigte, was wohl 
auf eine abnorme Zerreisslichkeit der Hautcapillaren zu be¬ 
ziehen ist. Es sind entweder kleine capilläre Hämorrha- 
gien, oder kleine Blasen dadurch entstanden, dass die Epi¬ 
dermis sich aufhebt und darunter sich Blut ansammelt 
Die mikroskopische Untersuchung des Inhalts einer solchen 
Blase ergab nichts Besonderes. Das Auftreten dieser ecchy- 
mosenartigen Flecke wurde die ganze Zeit über beobachtet 
und nahm unsere Aufmerksamkeit vollkommen in Anspruch. 
Wir haben bemerkt, dass sie entweder spontan, ohne jeg¬ 
liche Veranlassung, oder durch Quetschung der Haut ent¬ 
standen. Mit Vorliebe traten sie auf der Brust, nament¬ 
lich auf den gelben Flecken, dann auf den Schultern, auf 
dem Rücken, überhaupt im Gebiete der oberen Körper- 
hilfte auf. Was ihr Verhalten anbetrifit, so verschwanden 
sie nach 2—4 Tagen entweder spurlos, oder sie hinter- 
liessen borkige Stellen, deren Verheilung etwas länger auf 
sich warten Hess. Stellenweise bildeten sich aus diesen 
Ecchymosen Erosionen, welche erst nach Wochen ver¬ 
heilten. 

Ausser diesen Gebilden waren noch für uns von grossem 
Interesse die gelben inselartigen Flecke auf der Brust, welche 
schon dem blossen Anseben eigentümlich erschienen, als 
ob sie mit einer gallertartigen Masse gefüllt wären. Sie 
blieben im Niveau der Haut, sahen wie Narben aus und 
zeigten eine besondere Neigung zu der Ecchymosenbildung 
nach jeder Quetschung. Es ist uns gelungen zu constati¬ 
ren, dass diese Flecke aus borkigen Stellen entstanden. 
Das ersieht man z. B. aus folgender Zusammenstellung: 

Brust bei der Aufnahme : Brust bei d. Entlassung : 

Man sieht ausser der allgemeinen Links zw. Sternum u. 

Hautveränderung links zwischen Mamma 2 ca. ükopeken- 
der Mamma und Sternum 2 ca. grosse, glatte , gelbliche 

Bkopekengrosse Flecke. Der erste Stellen. Die Farbe er- 
ist zum Theil mit Borken und innert an die der hellen 


Schuppen bedeckt. Die Haut an Aepfel. Sie neigen mehr 
ihnen ist dunkler pigmentirt und zur Ecchymosenbildung. 
erscheint härter, wie die umge- Rechts v. der Mamma 
bende. Auf der rechten Seite eine 5kopek.grosse Par - 
lateralwärts von der Mamma 2 tie mit Borken bedeckt, 
etwas kleinere Flecke von der - daneben 2 kleinere,glat- 

selben Beschaffenheit. te, gelbliche, ohne Bor¬ 

ken. 

Die gelben Flecke entstehen also etwa auf folgende Weise: 
an einer Stelle zeigt die Haut eine Abschuppung, dann be¬ 
deckt sie sich mit Borken, welche nach einiger Zeit ab- 
fallen, und es bleibt schliesslich ein glatter, gelblicher, nar¬ 
benartiger Fleck. Es wäre gewiss interessant, die Haut 
von diesen Flecken' zu imkroskopiren, um die Befunde mit 
denen von H. H e b r a zu vergleichen, doch verweigerte 
unser Patient entschieden jede Hautexcision. Das Leiden 
hat einen äusserst chronischen Verlauf und ist meist un¬ 
heilbar. Die Therapie ist machtlos. 

Pityriasis rubra verdient nach unserer Meinung ein ein¬ 
gehenderes Studium von Seiten der Dermatologen, als es 
bis jetzt der Fall war, da sie ein interessantes, fast unbe¬ 
rührtes Gebiet für die Forschung darstellt. Möge es einem 
anderen Beobachter gelingen, mehr Licht in die rätsel¬ 
haften Vorgänge dieses Hautleidens zu bringen. Wir ha¬ 
ben uns nur bemüht, eine naturgetreue Krankengeschichte 
vom klinischen Gesichtspuncte aus zu liefern. 

Dorpat, den 20. Januar 1885. 

Die Obductionsbefunde bei Fettleibigen. 

Von 

Dr. E. Heinrich Kisch, 

a. o. Universitätsprofessor in Prag, dirigirender Hospitals- nnd 
Brunnenarat in Marienbad. 

Da die übermässige Fettleibigkeit (Obesitas nimia. Lipo- 
matosis universal») vorwiegend eine Krankheit der gut 
situirten Gesellschaftskreise, nur selten Object der SpiMUs- 
praxis wird, so ist es leicht begreiflich, dass die Gelegen¬ 
heit zur Feststellung der Befunde bei Autopsie keine häu¬ 
fige ist. Ich habe darum die sämmtlichen Sectionsproto- 
kolle des k. k. allgemeinen Krankenhauses in Prag vom 
Jahre 1859 bis 1884 einer Sichtung nach dieser Richtung 
unterzogen und unter den mehr als 20,000 Fällen 18 ge¬ 
funden, in denen die Obesitas nimia mit ihren Consecutiv- 
zuBtänden als Todesursache angesprochen werden musste. 

Diese Fälle betrafen 12 Männer und 6 Frauen, welche 
sich im Alter von 29, 31, 34, 35, 37, 40, 41, 47, 48, 52, 
55, 64, 66, 69 und 70 Jahren befanden *). 

Bei Allen fand sich reichliche Fettablagerung im Unter¬ 
hautzellgewebe, im Pericardium , im Mesenterium, und um 
die Nieren herum. Der Panniculus adiposus unter der 
Haut erreichte hier und da die Mächtigkeit von 6 Ctm. 
Dicke, das Fett war von talgartiger Consistenz, blassgelb. 

Wie hochgradig diese Fettansammlung sich gestaltet, 
möge der Befund bei einem Falle illustriren, der einen 52 
Jahre alten Mann betraf. Der Unterleib betrug durch die 
colossale Fettanhäufung in der horizontalen Circumferenz 
in der Höhe des Nabels ca. 180 Ctm.; der Thorax war auf 
53 Ctm. im queren Durchmesser verbreitert; der Horizon¬ 
talumfang des Oberarmes betrug nahe an 50, der des Ober¬ 
schenkels nahe an 70 Ctm. 

Bezüglich der Veränderungen am Herzen in den obigen 
18 Fällen fanden sich ausser der allgemeinen reichlichen 
Fettumhüllung desselben: 

Hypertrophie Bimplex totius cordis in 5 Fällen 


Hypertrophiaexcentrica totius cord. » 3 » 

Dilatatio cordis dextri.>3 > 

Zeichen von fettiger Degeneration 
des Myocard.7 » 


*) Die hauptsächlichsten Puncte dieser Befbnde werde ich de- 
taulirt in der Prager «Zeitschrift für Heilkunde« I. Heft, 1885 mit- 
theilen. 

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Zeichen von Arteriosderose ... in 13 Fällen 
Aortenklappen waren verdickt . . > 4 > 


BicuspidaÜB verdickt.>4 * 

Pericarditis. . . •.> 1 Falle 

Im Gehirne wurde gefunden: 

Hämorrhagia cerebri.>6 Fällen 

Oedema cerebri.*4 » 

Gßfiase an der Hirnbasis auffallend 

rigid.*4 • 

Die Beschaffenheit der Leber betreffend war: 
Vergrösserung der Leber durch 

Stauungshyperämie.in 3 Fällen 

Fettleber..»9 * 

Stauungsatrophie.> 1 Falle 

Cirrhosis hepatis.»2 Fällen 

Gallensteine.»2 » 

In den Nieren waren: 

Stauungshyperämie.»5 » 


Parenchymatöse Degeneration . . » 8 » 

Exquisite Granularatrophie ...» 2 » 
Die Milz war vergrösserst, blutreich . » 11 > 

In den Lungen wurde nachgewiesen: 


Emphysema pulmonum.»5 > 

Pneumonie .. ...» 5 » 

Oedema pulmonum ......... 6 » 


Wir sehen daraus, dass die Obductionsbefunde mit den 
Erscheinungen im Leben bei hochgradig Fettleibigen recht 
gut in Einklang zu bringen sind. 

Vor Allem tritt uns auch bei der Autopsie die Thatsache 
entgegen, dass in fast zwei Dritttheilen der Fälle Hyper - 
iropkte und Dilatation des Herzens vorhanden war, so wie, 
d&ss bei mehr als einem Drittheile der Fälle die Fettum- 
wachsung des Herzens nicht blos eine äusserliche war, son¬ 
dern die Herzmusculatur selbst sich fettig degenerirt erwies. 

Ganz auffällig ist auch die Häufigkeit der Coincidenz von 
Arteriosclerose mit der allgemeinen hochgradigen Fettlei¬ 
bigkeit und zwar auch bei verhaltnissmässig jüngeren Indi¬ 
viduen. 

Ein anderes in die Augen springende Moment ist die 
nahezu in allen Fällen pathologische Veränderung der Nie¬ 
ren, von der Stauungshyperämie bis zur ausgesprochenen 
Granularatrophie. 

Ein weiterer Punct von wesentlicher Bedeutung ist, dass 
ein Drittheil der Fälle an Hämorrhagia cerebri zu Grunde 
gegangen ist. Und schliesslich wäre hervorzuheben, dass 
in der Hälfte der Fälle Fettleber vorhanden war. 


Referate. 

F u c h 8: Ueber Wirkung und Bereitungsweise des Extract. 
fil. maris. (Wiener med. Blätter Dec. 1884. 

Es ist eine betrübende Thatsache, dass nicht selten Bandwurm- 
euren von Curpfuschem besser ausgeführt werden als von Aerzten. 
Letztere begnügen sich eben damit, das betreffende Präparat ein¬ 
fach zu verschreiben, ohne dasselbe auf seine Güte prüfen zu kön¬ 
nen, während die Bandwurmspecialisten selber die Mittel frisch be¬ 
reiten. Dann spielt auch die Aengstlichkeit in der Dosirung eine 
grosse Bolle. Vf. giebt in vorliegender Arbeit einige Fingerzeige 
über das nach seiner Ansicht wirksamste Bandwurmmittel, das Extr. 
fil. mar. Die Vorschriften zu seiner Bereitung, wie sie in den 
versch. Pharmakopoeen existiren, findet er unzulänglich; die Prä¬ 
parate verlieren zu rasch ihre Wirksamkeit. Er schlägt die K r a - 
mer ’sche modificirte Methode vor. Von den durchaus im Mai oder 
October gesammelten Wurzeln müssen die saftigsten und frischesten 
ausgewählt werden. Man befreit sie sodann von den Schuppen und 
der Binde, zerkleinert sie in ganz frischem Zustande und übergiesst 
sie mit Aether und ganz wenig Weingeist. Das nun folgende Ver¬ 
fahren unterscheidet sich gänzlich von der bisherigen Gepflogenheit. 
Während sonst der Aether sofort abdestillirt wurde, lässt Kramer 
die ganze Masse, also als ätherische Tinctur an einem kühlen Orte 
und unter nicht zu festem Verschlüsse aufbewahren. Soll nun zu 
irgend einer Zeit eine bestimmte Quantität zur Verwendung kom¬ 
men, so entnimmt man die entsprechende Menge und destillirt den 
Aether vorsichtig ab, bis das Extract die entsprechende dünnflüssige 
Beschaffenheit hat. 

Was die Anwendungsweise dieses Extractes betrifft, so ist die¬ 
selbe folgende. Am Tage vorher bei gewöhnlicher Kost leichtes 
Laxans. Am Morgen darauf entweder auf nüchternen Magen, oder 


nach einer Tasse Thee oder Kaffe, erhalten die Patienten das Extr. 
f. m. a 1,0 in Gelatinekapseln 15 Stück hinter einander binnen einer 
halben Stunde. Eine Stunde darauf 1 bis 2 Esslöffel Bicinusöl. In 
der Begel geht dann der Bandwurm mit dem Kopfe nach 2 bis 
höchstens 3 Stunden vollständig ab. Nach beendigter Cur bekommt 
der Pat# eine Schleimsuppe und wenn starke Diarrhoen und Schmer¬ 
zen bestanden, einige Tropfen Opiumtinotar. Der Erfolg war in 
den 5 ersten Fällen des Vf. jedes Mal ein prompter. Auch schwäch¬ 
liche Individuen vertrugen die Cur ausgezeichnet, nur einmal trat 
nach Einnahme der Kapseln ein leichter Ohnmachtsanfall ein und 
zwar bei einer Person, die auf eigene Hand eine dreitägige Hunger, 
cur durchgemacht und die Nacht vorher am Waschtroge angebracht 
hatte. Vf. ist geneigt, diese weiter nicht gefährliche Nebenwir¬ 
kung auf die ix aiugeführten grösseren Dosen Aether zu schieben. 
Auch in den c. 35 Fällen, die Vf. aufzählen kann, hat das Extr. 
fast nie venagt. Dr. Frtthwald an der Klinik des Prof. Wi¬ 
derhofer hat bei Kindern unter 21 Fällen 17 Erfolge zu ver¬ 
zeichnen. Ein anderer College hat nicht minder gute Besultate, 
unter Anderem bei einem sechsjährigen Knaben erzielt und zwar 
hier mit 6,0 (mit eben so viel Honig als Latwerge). Auch der 
Knabe war etwas betäubt und wahrscheinlich gleichfalls vom Aether. 
Für Erwachsene plaidirt Vf. für Einhaltung der obigen 15,0 Dosis, 
da kleinere Mengen nicht so präcise zu wirken scheinen. — s. 

Monnet: Ueber die Kola (Sterculia acuminata). (Bullet, 
de thörap. 1885 Ji 1.) 

Diese neue, Coffein (2,346 %)und Theobromin enthaltende, in Afri¬ 
ka zwischen Sierra Leone und dem Congo wachsende, der Familie 
der Malvaceen angehörende Drogue bildet das Thema einer Doctor- 
dissertation Monn et’s, welche in abgekürzter Form im «Bulletin» 
abgedruckt ist. Wir können hier nur die Schlussfolgerungen des 
Verf. wiedergeben: 

Die Kola (gebraucht wird die Frucht) stellt durch ihren Gehalt an 
Coffein und Theobromin einTonicum des Herzens dar, dessen Schläge 
sie Anfangs beschleunigt und dessen Contraction regelt. Bei fort¬ 
gesetzter Anwendung regulirt sie den Puls, welcher langsam und 
grösser wird, wobei durch Steigerung des Blutdruckes die Diurese 
steigt. Die Kola übt in toxischen Gaben einen lähmenden Einfluss 
auf die quergestreiften Muskelfasern aus und ist ein Sparmittel, wel¬ 
ches die Verbrennung der stickstoffhaltigen Substanzen herabsetzt, 
wobei sie das Nervensystem besonders beeinflusst (Nervennahrungs- 
mittel von Mantegazza). Die Kola ist ein mächtiges Tonicum, 
das bei Anämien, chronischen, schwächenden Krankheiten und in der 
Beconvalescenz nach schweren Leiden gut wirkt, sie befördert die 
Verdauung durch Anregung der Mageisaftsecretion und Erregung 
der glatten Muskelfasern und ist endlich ein vorzügliches Antidiar- 
rhoicum. 

Die Gabe beträgt vorder Tinctur (1:5 Alcohol) 4,0 —10,0, vom 
alcoholischen Extract 5,0—15,0 pro die. Hz. 

J. B o 8 & n o w : Ueber die Schwankungen der Muskel¬ 
kraft beim Menschen. (Wratsch Ji l). 

Vf. hat seine Beobachtungen an Soldaten vermittelst der Dyna¬ 
mometer von Robert nnd C o 11 i n angestellt und zwar an 103 
Bekruten und 64 älteren Soldaten. Es ergab sich dabei, dass die 
Kraft aller verschiedener Muskelgruppen vom Morgen zum Abend 
zunimmt und zwar durchschnittlich um 6,03% der Morgenkraft. 
Somit fand er die Angaben von Buch und Powarnin bestätigt. 
Ferner hat Vf. Messungen angestellt, während die Soldaten gewöhn¬ 
liche Speisen erhielten und darauf an denselben Personen, während 
sie Fastenspeisen bekamen. In beiden Fällen allerdings machte sich 
eine Zunahme der Muskelkraft zum Abend bemerkbar, der Zuschuss 
derselben war jedoch bei der Fastenkost ein geringerer. P. 

J. Saexinger (Tübingen): Ueber Anwendung von Se- 
cale cornutum während der Geburt. (D. med. W 1885 , 
J6 3). 

Die Untersuchungen, welche Schatz über das Secale cornu¬ 
tum mit seinem Tokodynamometer 1871 angestellt hat, haben am 
meisten dazu beigetragen, dieses Mittel unter der Geburt in Miss- 
credit zu bringen, weil es Tetanus Uteri erzeuge, die Geburt somit 
zum Stillstände bringe, und das Leben des Kindes gefährde. Neuere 
Untersuchungen desselben Autors mit demselben Tokodynamometer 
haben dazu geführt, dass Schatz das Secale jetzt wieder anwen¬ 
det, sogar in der Eröffnungsperiode, ohne dass er andere als gute 
Erfolge gesehen hätte. Das giebt Saexinger Gelegenheit zu 
erwähnen, dass er in der Austreibungsperiode bei Wehenschwäche 
seit langem das Mittel angewandt hat, ohne jemals schlechte Folgen 
von demselben zu sehen. Er wendet nicht mehr als 4 Grm. des 
Pulvers, oder die entsprechende Menge des Extractes an, und be¬ 
nutzt seit 3 Jahren mit bestem Erfolge das von Denzel herge- 
stellte Extractnm secalis cornuti, welches nur die Sclerotinsäure, 
das Ergotin nnd Ecbolin rein enthalten soll. Von diesem Extract 
entsprechen 0,5 genau 4,0 Pulvis secal. corn. Auch bei engem 
Becken, wenn der Kopf schon configurirt so tief im Beckenausgange 
steht, dass eine kräftige Wehenanstrengung ihn herausbringt, ist 
die Anwendung, zu empfehlen. 

' Von Autoren und Praktikern, die für die Darreichung von Secale 
eintreten, führt er an: Kleinwächter, Kormann, Hohl, 
West, Nae gele , Spiegelberg, 

M. Schmidt — San-Bemo. 


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Hagenbuch: Die Behandlung der Rhachitis. (Corre- 
spondenzbl. f. Sehweiser Aente 1884, H 13). 

H. hat 20 rhachitische Kinder in dem Baseler Kinderhospitale 
nach der Methode von Kassowitz (0,1 Phosphori solve in Olei 
Amygdal. dulc. 10,0, Pulv. arabici, Syrupi simpL u 5,0 Aq. destill. 
80.0, in 1—4 Theelöffel pro die) behandelt und Besnltate, wie bei 
keiner anderen Therapie erhalten. Den besten Erfolg sah er bei 
Kindern von 1—2 Jahren, einen etwas weniger, aber immerhin aua- 
geseiehneten bei 2—3jährigen Kindern, selbst bei den denkbar un- 

S günstigsten äusseren Verhältnissen und empfiehlt k den Phosphor als 
Spedficnm bei Rhachitis. 

Jchwechten (Berl. klin. Wochenschr. 1884, 52) hat in 

en Fällen eine erfolgreiche Wirkung des Phosphors bei Rhachitis 
nieht gesehen]. Hs« 


BOcher-Anzeigen und Besprechungen. 

Prof. L.V. Tbanhofer*. Grundzüge der vergleichenden 
Physiologie und Histologie. Mit 195 Holzschnitten. Statt- 
gart 1885. Verlag von Ferdinand Enke. 752 Seiten. 

Dieses gleichseitig in deutscher und ungarischer Sprache erschie¬ 
nene Werk, das Resultat theils selbständiger Forschung, theils 
fleissiger Compilation ist wohl in erster Reihe zum Gebrauch für 
Veterinäre bestimmt, wie aus dem Inhalte hervorgeht, doch ist es 
auch für Jeden, der sich mit Thierexperimenten zu beschäftigen 
hat, von ausserordentlichem Werthe. Uebrigens wird auoh jeder 
praktische Arzt, der seine Aufgabe nicht allzu einseitig und specia- 
listenhaft auffasst, das Buch zur Hand nehmen und viel Interessan¬ 
tes und Lehrreiches darin finden, so namentlich in den Capiteln über 
die Verdauung und die Sinnesorgane. 

Die Ausstattung ist eine vorzügliche zu nennen, abgesen davon, 
dass einige Holzschnitte histologischer Bilder etwas undeutlich 
wiedergegeben sind. P. 

K. Schtschepotjew, Ordinator des Astrach&nschenMilitär- 
hospitales: Die Pest- und Cholera-Epidemien im Astra- 
chanöchen Gouvernement Kasan, Typographie der Uni¬ 
versität 1884. 164 Seiten. Russisch. 

Die vorliegende Arbeit ist eine äusserst fleissige und hat Vf. nicht 
die Mühe gescheut, sich in den Archiven der Gouvemementsver- 
waltung das vorhandene Material nutzbar zu machen. Als Aufgabe 
batte sich Vf. gestellt, zu bestimmen, in welchem Grade Boden und 
Klima auf den Gang der Epidemien eingewirkt haben ; er stellt sich 
dabei ganz auf den Pettenkofer ’schen Standpunct und wollte 
offenbar durch seine Arbeit dessen Theorie stützen. Zu diesem 
Zweck hat er verschiedene meteorologische Beobachtungen gesam¬ 
melt und 1 Jahr lang in 2 Brunnen Astrachans Grundwasserbeob- 
achtungen angestellt. Nach des Vf. Anschauung erhält er Resultate, 
die vollkommen der Pettenkofer’schen Ansicht entsprechen, 
wir können uns jedoch nicht darauf einlassen, alle die Zahlenreihen 
einer kritischen Prüfung zu unterwerfen und zwar um so weniger, 
als die Darlegungsweise der Erörterungen des Vf. eine oft nicht 
ganz klare und schwere ist und Vf. selbst keine directen Schlussfol¬ 
gerungen resümirt. Ueberhaupt hätte es der Frage, die bearbeitet 
worden, mehr genützt, wenn Vf. sein Material übersichtlicher ge¬ 
ordnet hätte. Werthvoll ist jedenfalls das vom Vf. zusammen ge¬ 
tragene Material und kann weiteren Forschern nutzbar werden. P. 

Max v. Pettenkofer: Die Cholera. Breslau • Berlin. 
Verlag von S. Schottländer. 63 Seiten. Preis 1 Mark. 

Diese Broschüre bildet ein Heft der von dem genannten Verlage 
in zwanglosen Heften herausgegebenen «Deutschen Bücherei», ist 
offenbar ein Separatabdruck einer in «Nord und Süd» erschienenen 
Abhandlung. Wenn wir trotz des populären Charakters der Schrift 
dieselbe hier einer Beschreibung unterziehen, so thun wir es, weil 
in derselben eine so bedeutende Capacität, wie Pettenkofer, 
seine Anschauungen über die Cholera recapitulirt und in äusserst 
geistreicher, auch dem Arzte interessanter Weise darlegt. P. tritt 
wiederum einmal mit aller Kraft für seine Anschauung ein, dass die 
Cholera nicht contagiös sei und sich nur dort entwickelt, wo die 
Bodenverhältnisse dazu günstig sind. Wenngleich er dem K o c h - 
sehen Kommabacillus auch nicht alle Bedeutung nehmen kann, so 
sucht er diese möglichst herabzudrücken, denn durch denselben wer¬ 
den seine Theorien allerdings scharf gefährdet. Wir können nicht 
sagen, dass P. uns durch seine Schrift zu seiner Anschauung be¬ 
kehrt, wohl aber liest man die Schrift mit grossem Interesse und ge¬ 
winnt die Ansicht, dass allerdings noch viele Fragen bezüglich der 
Ausbreitung der Cholera der Lösung harren und es ist entschieden 
ein Verdienst P.’s, dass er durch seine Opposition zu immer erneuter 
Arbeit anregt. P. 

V. Urbanfcscbitscb: Lehrbuch der Ohrenheilkunde. 

Wien und Leipzig, Urban Schwarzenberg 1884. 

Ein selten gutes Buch, das uns vorliegt und in kurzer Zeit seine 
zweite, umgearbeitete Auflage erlebt. Verf. hat auf dem verhält- 
nissmässig kleinen Raum von 436 Seiten, wovon nooh 14 einem äus- 


I serst genauen Sachregister zukommen, ein Lehrbuch der Ohrenheil¬ 
kunde zu geben gewusst, das in seiner Weise einzig dasteht Es 
ist in knapper Form gehalten, aber dooh so, dass es dem Anfänger 
nicht unverständlich oder schwer verständlich ist, wie es wohl sonst 
vorkommt, andererseits ist dasselbe von solcher Vollständigkeit und 
mit so genauer Quellenangabe versehen, dass es auch auf dem 
Tische des Specialarztes ein Freund sein wird, der ihn in keiner 
Weise im Stiche lässt. N. 


Auszug aus den Protokollen des deutschen ärztlichen 

Vereins. 

Sitzung vom 16. April 1884 . 

1) Dr. Lingua berichtet über einen Fall von hohem Steinschnitt 
und bespricht die in neuerer Zeit angestrebte Bevorzugung dieser 
Operation vor dem Seitensteinschnitt. Bei letzterer Methode erge¬ 
ben Angaben die auf Zusammenstellung grosser Zahlen basirt sind 
eine Mortalität von 15—20%, die Sectio alta gab nach einer Ueber- 
sicht von 364Fällen, die Duller zusammengestellt ein Mortalitäts¬ 
procent von 28 %. Prof. Albert in Wien, der in jüngster Zeit den 
hohen Steinschnitt warm befürwortet, erklärt die Differenz des Mor¬ 
talitätsprocents dadurch, dass der hohe Schnitt fast nur in schweren 
Fällen, bei sehr grossen Steinen vorgenommen werde. Als Vorzüge 
dieser Methode führt Albert an: die leichtere Zugänglichkeit der 
Blase, Vermeidung der Gefahr von Blutung oder Verletzung wichti¬ 
ger Organe, speciell des Peritonaeums, die leichtere Extraction des 
8teins t die Möglichkeit einer Verheilung der Blasenwunde per pri- 
mam mtentionem durch die Naht, die Verringerung der Gefahr der 
Haminfiltration selbst bei Lösung der Naht, da die schon granuli- 
rende Schnittwunde vor dem Einsickem des Urins in die Spalträume 
des Bindegewebes schützen soll. Albert verwirft das empfohlene 
Einlegen von Hebern und Cathetern in die Blasenwunde, empfiehlt 
aber die Application und das Liegenlassen eines elastischen Catheters 
in der Urethra. Seit jeher wurde die Sectio alta bei Kranken im 
kindlichen Alter aus bekannten Gründen eher für indioirt gehalten. 
Vor kurzem wurde der hohe Schnitt im Marien-Magdalenenhospital 
an einem 12-jährigen Knaben vorgenommen. 

Der gutgenährte, aus Jaroslaw stammende Patient litt seit 6 Jah¬ 
ren an allmälig zunehmenden Beschwerden bei der Harnentleerung. 
Die Untersuchung mit dem Catheter lässt deutlich einen Blasenstein 
nach weisen, dessen Grösse sich per rectum auf etwa Wallnussumfang 
bestimmen lässt. Der Harn ist von saurer Reaction und lässt beim 
Stehen ein spärliches schleimiges Sediment niederfallen. Am 14. 
März wird in Chloroformnarkose der hohe Steinschnitt ausgeführt. 
Durchschneidung der Bauchwand oberhalb der Symphyse in der Linea 
alba auf c. 2 Zoll Länge, Füllung der Blase mit Wasser wodurch sich 
dieselbe im untern Wundwinkel prall praesentirt, Fixirung derselben 
mit einem scharfen Haken, Eröffnung derselben, Einführung des 
Zeigefingers, unbehinderte Extraction eines grössern und eines zwei¬ 
ten kleinern Steines von maulbeerartiger Gestaltung, sorgfältige 
Vemähung des Blasensohnittes durch Knopfnähte wie bei der Lam- 
bert’schen Dannnaht, schliesslich Naht der Bauchwand, antisepti¬ 
scher Verband, Einführung und Fixirung eines elastischen Catheters. 
Am folgenden Morgen kein Fieber, reichlicher Abgang von Urin 
durch die Harnröhre. Der Catheter wird wegen Unruhe des Patien¬ 
ten entfernt, eine Iqjection mit einer 1 °/oo Sublimatlösung gemacht. 
Abends Temp. 37,9. Am 3. Tage: Morgens Temp. 37,5; reichliche 
freie Harnentleerung. Am Abend Temp. 39,2. Unruhe des Patienten. 
Am 4. Tage: Angina tonsillaris, Diarrhoe, der Harn öfters in kleinen 
Mengen gelassen ist röthlich braun, sedimentirend. Am 5. Tage: 
Temp. Morgens 38,2. Verbandwechsel, an der Wunde Alles gut, 
3 oberflächliche Nähte werden entfernt. Abends Temp. 39,7. In 
der Nacht ist Patient sehr unruhig, Delirien, Diarrhoe, Angina dau¬ 
ern fort, Erysipel an der Nase tritt auf, Urinabgang frei, mit kleinen 
Blutgerinnseln. Am 6. Tage: das Erysipel verbreitet sich über die 
Wangen und die Oberlippe, Diarrhoe, Temp. 88,9. Der Urin wird 
frei und klar entleert. Die letzten Nähte werden entfernt, die 
Wundränder liegen aneinander, die Umgebung derselben in normalem 
Zustande. 7. Tag: Patient ist unmMg, delirirt, lässt Ham und 
Stuhl ins Bett. In der Mitte der Wunde klaffen die Ränder in ge¬ 
ringer Ausdehnung, es sickert Urin aus. Temp. 37,7. Puls 112. 
8. Tag: Das Erysipel blasst ab; somnolenter soporöser Zustand. 
Die Wunde klafft weiter. Temp. 38,8. 9. Tag: Collaps. Das 
Erysipel weiter geschritten, aller Urin fliesst aus der Wunde ab, die 
mit Granulationen bedeckt ist. Temp. 39,5. Puls 120. 10. Tag: 
Nach sehr unruhiger Nacht tritt am Morgen der Tod ein. 

Section wurde nicht gestattet. 

In diesem Falle stellten sich nach glücklich ausgeführter Opera¬ 
tion vom 3. Tage an Complicationen em, die mit dem Wundverlauf 
keinen Zusammenhang hatten: Angina phlegmonosa, Darmcatarrh, 
Erysipel. Der Urin wurde bis zum 7. Tage reichlich und regelmäs¬ 
sig durch die Harnröhre entleert, erst als das Erysipel und die Hirn¬ 
erscheinungen ihren Höhepunct erreicht hatten, stellte sich Urinaus¬ 
fluss aus der granulirenden Wunde ein, hatte aber auch dann keine 
Haminfiltration zur Folge, da in der Umgebung der Wunde, am 
Penis, am Perinaeum keinerlei Folgen des Infiltrats nachzuweisen 
waren. Der mitgetheilte Fall würde nicht abschreoken dürfen im 
nächsten gegebenen Fäll wieder den hohen Steinschnitt auszuführen, 
vorausgesetzt, dass nicht in Zukunft etwa die Litholapaxie die Indi- 


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J 



98 


c&tion zum Schnitt überhaupt einschränken wird, da dieselbe bei einer 
Uebersicht von 306 Fällen nur eine Mortalität von 4 % ergeben hat. 

Dr. Lingen erwähnt des seltenen Vorkommens von Harnblasen¬ 
steinen in seinem Hospital; in den letzten 20 Jahren sind nur 20 
Steinpatienten angenommen und zur Operation gekommen. 

Br. Schmitz spricht sich nach seinen Erfahrungen gegen die 
Blasennaht aus, letztere sei unnütz, weil sie den Wund verlauf nicht 
verkürzt, Heilung per primam wurde nach Literaturangaben unter 
12 Fällen nur 3 Mal erreicht, von den übrigen wird gesagt: früher 
oder später trat Aussickem des Urins durch die Blasennaht ein. Fer¬ 
ner ist aber bei Anlegung der Blasennaht die Gefahr für den Verlauf 
grösser, weil Durchsickern ins perivesicale Gewebe möglich ist und 
kein freier Abfluss vorhanden, daher eher Zersetzung mit deren Fol¬ 
gen eintritt; ausserdem ist ein Verweilcatheter bei Kindern von 4—5 
Jahren unmöglich; schon nach 2-tägiger Dauer des Verweiloatheters 
wurde in einem Falle Urethritis beobachtet, dabei verstopft sich der 
Catheter fortwährend durch Blutcoagula, der Abfluss wird zu häufig 
ins Stocken gebracht. Im Kinderhospital des Prinzen von Oldenburg 
waren die Resultate früher beim hohen Steinschnitt schlecht, doch 
fand das vor der antiseptischen Zeit statt. Von c. 80—90 Stein¬ 
schnitten wurde 30 Mal die Sectio alta ausgeführt, von diesen 18 Mal 
von Dr. Schmitz. Von seinen Fällen verliefen 5 letal. Einen 
wesentlichen Vortheil sieht Dr. Schmitz in der Bauchlage nach 
ausgeführter Operation, wie sie zuerst Trendelenburg vorge¬ 
schlagen; eine mit 3% Borlösung getränkte Compresse dient als 
Unterlage; in den ersten 24 8tunden nach der Operation macht Dr. 
Schmitz 3-stündlich Ausspülung der Blase mit Borlösung. 

Dr. Wulff hat bei Ausführung des hohen Steinschnitts die von 
Petersen empfohlene Einführung einer Gummiblase in den Mast¬ 
darm in Anwendung gebracht; es präsentirt sich die Blase in der 
Bauchwunde apfelartig. 

2) Dr. Wulff theilt folgenden Krankheitsfall mit: Am 18. Ja¬ 
nuar wird ein kräftiger 18 jähriger Mann ins Obuchowhospital auf¬ 
genommen. Er leidet seit 8 Tagen an Fieber und Schling'beschwer- 
den, seit 4 Tagen an Otorrhoe. Bei der Aufnahme hat Patient Fie¬ 
ber von 40°, die linke Tonsille ist sehr gross, schmerzhaft, perfori- 
rende Otitis. Am nächsten Tage: Nachlass des Fiebers. Am 30. Ja¬ 
nuar : exacerbirt die phlegmonöse Angina, Fieber von 39—40°. Am 
4. Tage: Schüttelfrost, grosse empfindliche Milz, successiv tritt 
Schwellung des rechten Schultergelenks, der rechten Coxa, des rech¬ 
ten Storno-Claviculargelenks auf, Icterus, Leberschwellung, Husten, 
Bruststiche, lobuläre Pneumonie — also das Bild der embolischen, 
metastatischen Py&mie. Am 26. Februar begann eine Zurückbildung 
der Localsymptome und alles schritt der Besserung zu. Am 11. 
März erkrankte Patient mit Masern, eingeleitet durch Schüttelfrost 
und Temp. von 39*. Das Exanthem tritt ungemein intensiv auf, die 
bronchitischen Erscheinungen exacerbiren, sehr heftiger Husten; 
vom 17. an blasst das Exanthem ab, am 16. war in der rechten 
Lunge unten circumscript feinblasiges Knistern constatirt worden. 
Am nächsten Tage rechtsseitiger Pneumothorax, bei Temp. 38,4. 
Von da erreichte die Temperatur höchstens 38° f keine Spur von Pleu¬ 
raexsudat, aber die ganze rechte Brusthälfte ist fassförmig erweitert, 
über derselben amphorisches Athmen, das Herz dislocirt. Dabei ist 
das subjective Befinden relativ gut, geringer Husten. Am gestrigen 
Tage war die Respiration 24. Temp. 37. Puls 84. 

3) Dr. M a s i n g führt als Beispiel von Toleranz bedeutender Ex¬ 
sudatmassen im Thorax eine Beobachtung an, die einen Arbeiter be¬ 
traf, der mit linksseitigem Empyem am 4. April ins Marien-Magda- 
lenenhospital eintrat; das Herz war derartig verdrängt, dass der 
Spitzenstoss in der rechten Mamillarlinie im 5. Jntercostalraum zu 
fühlen war. Am 10. April wurden bei Operation des Empyems 25 Pfd. 
dickflüssigen Eiters entleert. Patient hatte bis zum Tage der Auf¬ 
nahme ins Hospital seine schwere Arbeit nicht unterbrochen. 

4} Dr. K e r n i g theilt mit, dass vor 8 Tagen ins Obuchowhospital 
eine Kranke mit der Diagnose Lungengangrän aufgenommen 
wurde. Sie hatte vor c. 14 Tagen geboren, hatte 8 Tage lang Brust¬ 
beschwerden, expectorirte bei der Aufrahme grosse Massen dünner 
stinkender eitrig-jauchiger Flüssigkeit. Es handelte sich um ver¬ 
jauchendes pleuritisches Exsudat, das in die Bronchien perforirt war; 
vorausgegangen war wohl Embolie im Wochenbett, Nekroseherd in 
der Lunge. H. L. bestand handbreite Dämpfung. Temp. war 37,5. 
Puls 140 klein. Von Dr. Assmuth wurde dieRadicaloperatloii 
ausgeführt: Schnitt im 8. Intermstalraum in der Axillarlinie, Aus¬ 
spritzung mit Sublimatlösung. Der Gestank der Exhalation und Ex- 
pectoration verschwand nach den ersten Injectionen. Der weitere 
Verlauf der Krankheit ist bis jetzt befriedigend. 

z. Z. Director: Dr. Herrmann. 
Secretair: Dr. Amburger. 


Vermischtes. 

— Der Senat hat neuerdings entschieden, dass die Untersuchungs¬ 
richter und Gerichtsbehörden zur Ausführung von gerichtlichen 
Sectiones, gerichtlich medicinlschen Untersuchungen n. s. w. nur 
die Kreis-, Stadt- und freipraktidrenden Aerzte sufbrdern können. 
Die Medicinal-Inspectoren, sowie deren Gehülfen sind von diesen 
Verpflichtungen befreit 

— Der hiesige Kaufmann P. K o r o w i n hat der «Gesellschaft 
zur Beschaffung von Heilanstalten für chronisch kranke Kinder» ein 
auf den «Peski» gelegenes zweistöckiges Haus mit der vollständigen 


Einrichtung und einem Garten, sowie ein Capital von 50,000 Rd«, 
zur Einrichtung eines Kinderhospitals geschenkt. In diesem Hause 
ist Raum für c. 30 kranke Kinder. 

—- Das jüngste medicinische Blatt, die «Medioinskija Nowosti», 
welches seit dem October hier in St. Petersburg erscheint, geht dem¬ 
nächst wohl ein. Der Redacteur desselben, Dr. P o p o w, hat die 
Redaction des Blattes bereits aufgegeben. 

— Die Typhusepidemie in Kijew ist, den Nachrichten der dor¬ 
tigen Blätter zufolge, in Abnahme begriffen. Wie heftig die Krank¬ 
heit aufgetreten ist. geht schon daraus hervor, dass in dem Kiri- 
lowschen Hospital allein 6 Aerzte erkrankten (von denen bisher nur 
einer gestorben ist), ausserdem noch 3 Feldscheerer, 1 Hebamme 
und mehr als die Hälfte der Feldscheererschüler (von 82 nämlich 48). 

— In Prag beging am 19. März n. St. der um die Entwickelung 
der Prager medicinischen Schule hochverdiente und als ausgezeich¬ 
neter Lehrer und feiner Diagnostiker allgemein anerkannte frühere 
Professor der Therapie und inneren Klinik an der Prager Universi¬ 
tät, Dr. Anton Jakscb, Ritter v. Wartenhorst, sein 
fünfzigjähriges DoctorjubiJäum. 

— y erstorben: 1)In Wien der bekannte Franzensbader Brun¬ 

nenarzt Dr. Adolf Holzer nach langem , schweren Leiden. 
Vielen ist er wohl auch in Erinnerung durch seinen eleganten ärzt¬ 
lichen Taschenkalender, den er mit besonderer Berücksichtigung 
der Curorte und Badeärzte herausgab. 2) Der berühmte amerika¬ 
nische Laryngolog Prof. Eis ber g. E. richtete die erste Klinik 
für Kehlkopfkrankheiten in Amerika ein und gab ein «Archiv für 
Laryngologie» heraus. 3) Der GehtUfe des Kutaisschen Gouverne¬ 
ments-Arztes Dr. Die k. 4) Der Ordinator der Kasanschen Uni¬ 
versitätsklinik Kaschinski. 5—8) Die Kreisärzte : von Luk- 
janow — Rubinstein, von Rosslawl — Selenewski und 
von Solwytschegotsk — Jewstifejew; von Ostrow — Kunze¬ 
witsch. 9) Der Stadtarzt in Ssytschewka — Pokrowski. 
10) Der ljumensche Landarzt Dubenski. (Wr.) 

— In letzter Zeit sind hierselbst wieder eine Anzahl von Erkran¬ 
kungen an der Trichinose vorgekommen. Sämmtliche Erkrankte 
(der Hausherr, dessen Familie, Gäste und Dienstboten — zusammen 
mehr als 20 Personen) hatten von einem Schinken gegessen, der in 
einer an der Ecke des Katharinenkanals und des Spasski-Pereulok 
belogenen Fleischbude gekauft worden war. Der Schinken soll aller¬ 
dings mit einem Stempel, der die Unschädlichkeit desselben garan- 
tiren sollte, versehen gewesen sein, doch scheint hier eine Fälschung, 
wie solche schon mehrmals hiesigen Fleischhändlern nachgewiesen 
worden, vorzuliegen, da die Bücher der auf dem städtischen Schlacht¬ 
hofe befindlichen Anstalt zur mikroskopischen Untersuchung des 
Fleisches ausweisen, dass der Inhaber der obigen Fleischbude nie 
ein Stück Fleisch zur mikroskopischen Untersuchung präsentirt hat. 
Ueberhaupt ist bis jetzt nur der sechste Theil des von den Residenz¬ 
bewohnern consumirten Schweinefleisches mikroskopisch untersucht 
worden. Wie nothwendig aber diese mikroskopische Untersuchung, 
beweisen die Erfahrungen der mikroskopischen Untersucbungsst&tioü 
des städtischen Schlachthofes zur Genüge. 

Im Ganzen sind von 3330 Schinken und Theilen und 82,986 gan¬ 
zen Schweinen während des Bestehens der Unterst)chungsstation 
vom Jahre 1882 bis zum 6. März 1885 1383 brakirt worden und 
darunter 139 mit Trichinen inficirt gefunden. Es kommt also in 
St. Petersburg auf 596 Schweine 1 trichinöses, d. i. 0,16 % — ein 
Procentsatz, der 3—4 Mal höher ist, als in Deutschland, wo erst auf 
1500—2000 Schweine 1 trichinöses kommt. Die allgemein verbrei¬ 
tete Ansicht, dass die Schweine in Russland seltener trichinös seien, 
als in Deutschland, ist somit eine vollkommen irrige. Dass die 
Trichinose an Menschen in Russland seltener beobachtet wird, als 
in Deutschland, ist wohl zam Theil dadurch zu erklären, dass das 
Schweinefleisch in Russland, die geräucherten Schinken und Würste 
abgerechnet, meist gebraten und gekocht gegessen wird während 
in Deutschland rohes gehacktes Schweinefleisch eine beliebte Volk»- 
speise bildet. — Da manchem unserer hiesigen Leser die auf der 
mikroskopischen Untersuchungsstation gebräuchlichen Stempel noch 
unbekannt sein dürften, so geben wir zum Schluss eine Beschreibung 
derselben. Die von allen Krankheiten freien Schweine und Theile 
derselben werden mit einem blauen Stempel versehen, welcher in 
der Mitte das Stadtwappen, Angabe des Monats und Tages der Un¬ 
tersuchung, sowie die Umschrift <C. II. B. T Eoähh — ocMOTpeHo» 
aufweist. Die finnigen Schweine, welche ebenfalls zum Verkauf 
zugelassen werden, erhalten einen rothen Stempel , der ebenfalls 
das Stadtwappen, aber mit der Umschrift «C. U. B. T. Eoühu — 
4>hbhu» hat. 


Mort&litfits-Bulletin St. Petersburgs 

für di© Woche vom 3. März bis 9. März 1886. 
Zahl der Sterbefälle: 

1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 


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2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 2, Typh. abd. 15, Febris recurrens 





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1, Typhi» 


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99 


ohne Bestimmung der Form 1, Pocken 2, Masern 9, Scharlach 6, 
Diphtherie 6, Croup 5, Keuchhusten 2, Puerperalkrankheiten 3, 
Dysenterie 2, Thiergift 0, andere Infectionskrankheiten 17. 

— Gehirnapoplexie 27, Entzündung des Gehirns und seiner Häute 
29, andere Gehirnkrankheiten 27, Krankheiten des Herzens und der 
Gefässe 21. acute Entzündung der Athmungsorgane 91, Lungen¬ 
schwindsucht 120, andere Krankheiten der Brusthöhle 15, Gastro- 
intestinal-Krankheiten 79, andere Krankheiten der Bauchhöhle 20, 
angeborene Schwäche und Atrophia infant. 54, Marasmus senilis 
20 Cachexia 16. 

— Tod durch Zufall 3, Selbstmord 4, Mord 0. 

— Andere Ursachen 9. 


Mortalität«-Bulletin St. Petersburgs 

für die Woche vom 10. bis 10. Mürz 1885. 


Zahl der Sterbefälle: 
1) nach Geschlecht und Alter: 


Im Ganzen: 


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2) nach den Todesursachen: 

— Typh. exanth. 0, Typh. abd. 15, Febris recurrens 0, Typhus 
ohne Bestimmung der Form 3, Pocken 3, Masern 7, Scharlach 6, 

Diphtherie 6, Croup 7, Keuchhusten 3, Puerperalkrankheiten 3, 
Dysenterie 7, Thiergift 0, andere Infectionskrankheiten 9. 

— Gehiruapoplexie 12, Entzündung des Gehirns und seiner Häute 


TTT 


41, andere Gehirnkrankheiten 22, Krankheiten des Herzens und der 
Gefässe 32, acute Entzündung der Athmungsorgane 72, croupöse 
Lungenentzündung 21, Lungenschwindsucht 122, andere Krank¬ 
heiten der Brusthöhle 8, Gastrointestinal-Krankheiten 84, andere 
Krankheiten der Bauchhöhle 20, angeborene Schwäche und Atro¬ 
phia infant. 34, Marasmus senilis 32, Cachexia 27. 

— Tod durch Zufall 3, Selbstmord 2, Mord 0. 

— Andere Ursachen 14. 


Mortalität einiger Hauptstädte Europas. 


1 

Name 

Neuer Styl. 

Einwohner¬ 

zahl. 

Gest, ohne diel 
Todtgeb. || 

ii 

11 

GW 

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13 

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Stockholm . . 
Kopenhagen.. 

Berlin .... 

Wien .... 
Brüssel • . . 
Paris .... 
London . • . 

St. Petersburg 

22—28 Febr. 

25 Febr. - 3 März 
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\ 1—7 März j 
1-7 März 
22—28 Febr. 
1—7 März 
1—7 März | 
8-14 März | 

190115 
278000 

1263455 

769 889 
171 293 
2 239928 
4 083 928 

928016 

125 

132 

(619 

|604 

495 

107 

1113 

1495 

620 

30 

20 

75 

71 
40 
11 

116 

179 

72 

34,j 

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10.4 
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11,. 

31.7 

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35,0 
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38.* 
28,9 
27 ,s 
33,4 

36 > 


Näohste Sitzung des Vereine St. Petersburger Aerate 
Dienstag den 2. April 1885. 

Nächste Sitzung des deutschen ärztlichen Vereins 
Montag den 8. April o. 


D ie halbjährlichen Pensionen aus der 
MariencassefUrWittwen und Waisen 
der Aerzte werden ausgezahlt vom 21. März 
an alltäglich, die Feiertage nicht ausgenommen, 
von 11 bis 1 Uhr (in den anderen, als hier an¬ 
gegebenen Tagesstunden nur zufällig) — in 
der Wohnung des beständigen Curators der 
Casse Dt. .4. Sagorgftiy, Kirotschnaja J£8, 
Wohnung >6 62. 


Neu erschienene medicinische Werke. 

Vorräthig in der Buchhandlung von 

Carl Kicker in St. Petersburg, 

Newsky-Prospect A» 14. 

36uiTeÄHT», JKhpt, hjih yr.ieBOA h? Onpo- 
BepateHie B03pa»enift bt> Bonpoct „o TyuHo- 
cth h es jeueHia“. IlepeB. ct> h^m. 1885. 
20 Kop. 

Spjimxt,, YKaaaTejib xaiepaiypH no Bonpocy 
oöt> yaajieHiH h o6e3Bpe»HBaHiH HemicTorb 
H3L nace.ienHHXT> arbcn». 1885, 50 Kop. 

MaTBteßa, Onurb CTaTHCTH i iecKaro H3Cjrfc- 
AOBaniH 6ojit3HeHHOCTH h CMepraocTH «Hie- 
jefi MeHTOHa. 1885, 50 Kop. 

Fick, Myothermische Fragen und Versuche. 

1884, 75 Kop. 

Krukenberg, Zur Charakteristik einiger phy¬ 
siologisch und klinisch wichtigeren Farben- 
reactionen. 1885, 85 Kop. 

Lewi : Manuel pratique des maladies de P6- 
reille. Avec 80 figures dans le texte. 1885, 
3 Rbl. 50 Kop. 

Mariani, La Coca et la cocaine. 1885, 
75 Kop. 

Mireur: Etüde historique et pratique sur la 
prophylaxie et le traitement du cholgra 2-me 
gd. 1885, 1 Rbl. 50 Kop. 

Reliquet: Leqons sur les maladies des voies 
urinaires. 1885, 2 Rbl. 25 Kop. 

Rosenberger, Ueber die Genesis wissen¬ 
schaftlicher Entdeckungen nnd Erfindungen. 

1885, 50 Kop. 

Spencer Wells, The revival of ovariotomy 
and its influence on modern snrgery. 2 ed. 
1885, 65 Kop. 

Stewart, An introduction to the study of 
the disease of the nervous System. 1884, 8 Rbl. 
15 Kop. 

Ziegler: Lehrbuch der pathologischen 

Anatomie (2-te Aufl.) II Bd. 2-te Abth. 
(Schluss) 1885, 4 Rbl. 80 Kop. 

Zlemssen, Wiesbadener Kurerfolge. 1884, 
60 Kop. 


BlaseBziebendes Fapier Albespeyres 

für den Verband und Gebrauch des Vesicatoire im Hause. 

£3 Das Einzige welches in den‘ e Militär Hospitälern gebraucht und auch von 
™ vielen russischen Aerzten angewandt wird . 

Das Vesicatoire vom Papier Albespeyres wird amjleichtesten von den Kranken ver¬ 
tragen. 

Das Papier Albespeyres existirt je nach der sorgfältigsten Präparation in 4 
verschiedenen Stärkegraden, JN& 1 ist von schwächster und JS& 4 von stärkster Wirkung. 
Jedes Blatt des Albespeyre-Papiers trägt den Namen Albespeyres transparent. 
W Das Papier wird nur in Schachteln ä 25 Blatt verkauft. Die Schachtel ist mit einer 
Marke Foumouze - Albespeyres geschlossen und in einer Gebrauchsanweisung 
eingewickelt. 

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PARIS, und in den besten Apotheken Russlands. 

ofr>~W~ 5 gö" oo» 


Auszug aus k. k. Hofrath Dr. Löschners Schrift: 

Das 


AIDSCHITZER BITTERWASSER 


S als wahre und reinste Bittersalzquelle von keinem anderen 
sogenannten Bitterwasser übertroffen, ist ein mächtiges Arznei¬ 
mittel in einer grossen, leider höchst traurig folgereichen Reihe von 
Krankheiten — bei langjährigen Unterleibsleiden, Hämorrhoidal- 
Beschwerden, Hypochondrie und Hysterie, gichtischen Abla¬ 
gerungen, Skropheln, Wurmkrankheiten etc. und hat den Vor¬ 
zug, ^zufolge seiner keineswegs stürmischen Einwirkung, auch den zartesten Organis¬ 
men die trefflichsten Dienste za leisten. 49 (6) 

M. F. L. Industrle-TMi-ection in Biltn (Böhmen), 
DepAt In 9t. Petersburg bei Stoll & Schmidt, Russ. Pharmac. Handelsgesellsch., 
Rulcovius & Holm, H. Klos & Co. 



Vor Fälschung wird ge w amt, 

q wr Verkauf blos in grün versiegelten und blau etiquettirten Schachteln.- 

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störungen überhaupt. Depöts in St. Petersburg bei Stoll & Schmidt, 
Russ. Pharmac. Handels-Gesellsch., Rulcovius & Holm, H. Klos & Co., 
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00000000009000000000 00000900000000000300 


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Neue Folge, 


St. Petersburger 


II. Jahrgang. 

(in der Reihenfolge X. Jahrgang.) 


Medicinische Wochenschrift 

unter der Redaction 

von Prof. ED. v. WAHL in Dorpat und Dr. L. v. HOLST in St. Petersburg. 


Die « St. Petersburger Medicinische Wochenschrift» erscheint jeden Sonn¬ 
abend. Der Abonnements-Preis ist In Russland 8 Rbl. (Ur das Jahr, 
4 Rbl. für das halbe Jahr inclusive Post-Zustellung; In den anderen Län¬ 
dern 16 Mark jährlich, 8 Mark halbjährlich. Bestellungen übernehmen 
die Buchhandlungen aller Länder. Der Insertions-Preis für die 3 mal 
gespaltene Zeile in Petit ist 12 Kop. oder 40 Pfenn. 


Manuscripte sowie alle auf die Redaction bezügliche Mittheilungen bittet 
man an den geschäftsführenden Redacteur, Dr. L. V. Holst in St. Peters¬ 
burg, Evangelisches Hospital, Abonnements-Aufträge, Inserate etc. an 
die Buehhandlung von G. RIcker in St. Petersburg, Newsky-Prosp. Mt 14 
zu richten. Ausser dem Honorar (16 Rbl. pro Bogen) werden den Autoren 
25 Separatabzüge ihrer Original-Artikel zugesandt. 


NS 13. St. Petersburg, 30. März (11. April) 1885. 


Inhalts v. Brunn: Nenere Erfahrungen über die Wirkung Lippspringes. — C. Waldhauersen: Aphoristisches znr Schulfrage. 
— Referate . P. Ssolomin: Ein zweiter Fall von Pneumonia crouposa traumatica. — Mosetig-Moorhof: Zur Jodcformfrage. — 
Senator: Ueber einige neue Arzneimittel. — P. Albertoni: Ueber die Wirkung des Traubenzuckers auf den Blutdruck und die 
Haraahsonderung. — Dittel: Fractura nrethrae. — Protokolle des Vereins St. Petersburger Aerete. — J ermischtes. — Mortali¬ 
täts-Bulletin St . Petersburgs . — Mortalität einiger Hauptstädte Europas . — Anzeigen . 


Neuere Erfahrungen Ober die Wirkung Lippsprtnges, 

Mitgetheilt von 
Dr. von Brunn 
Lippspringe und San - Remo. 

Während einer zwölfjährigen ärztlichen Thätigkeit in 
Lippspringe habe ich fortgesetzt beobachten müssen, dass 
der ans dem Gebrauch unserer Carmittel bei einer Anzahl 
von Respirationskrankheiten und besonders in den Anfangs¬ 
stadien der Phthise objectiv nachweisbar resnltirende und 
oft überraschende Nutzen von allen Nationen der Russi¬ 
schen am wenigsten zu Gute kommt, indem gerade au3 un- 
' serem östlichen Nachbarlande nur eine verschwindend kle ine 
Anzahl von Patienten und dann meist so weit vorgeschrit¬ 
tene Fälle von Tuberculose gesandt werden, dass eine dau¬ 
ernde Besserang und Heilung meist nicht mehr erreicht 
werden kann. Wenn ich nun auch aus Erfahrung weiss, 
dass Patienten, welche ins Ausland geschickt werden, ge¬ 
wöhnlich einem geräuschvolleren, reichlich Zerstreuung bie¬ 
tenden Aufenthalt den Vorzug geben, so kann ich doch, 
eingedenk der für Lippspringe geeigneten und der Ruhe so 
bedürftigen Kranken, nicht glauben, dass dieser Gesichts- 
punct der alleinige Grund für obige Thatsacbe ist, sondern 
glanbe annehmen zu müssen, dass in Russland die Wir- 
knngs- und Anwendungsweise unserer so wirksamen, aber 
etwas abseits gelegenen Heilquelle nicht genügend bekannt 
ist, und aus dem Grunde erlaube ich mir im Nachstehenden 
einige Notizen über Lippspringe und seine Indicationen zu 
geben. 

Eine Lippspringer Cur besteht, abgesehen von der jewei¬ 
ligen diätetischen und klimatischen Behandlung, in der An¬ 
wendung des 17° R. warmen, kalk- und stickstoffhaltigen 
Thermalwassers der Arminiusquelle — Calc. sulf. 0,75, Calc. 
bic. 0,38, Natr. sulf. 0,78, Natr. chlor. U,033, Ferr. bic. 
0,015°/o* — welches znm Trinken, lohaliren und Baden 
benutzt wird. Der innere Genuss der Quelle findet meist 
zwei Mal am Tage in verschiedenen, dem jeweiligen Krank¬ 
heitszustande angepassten Quantitäten statt und bewirkt I 
zuerst Anregung des Appetites und der Verdauung und da¬ 
durch Hebung der Ernährung; bei längerem Gebrauch eine | 


sanfte Ableitang nach den Abdominalorganen, Hätnorrhoi- 
dalstrebungen, und Verminderung der Congestion nach den 
Thoraxorganen, gleichzeitig Steigerung der secretorischen 
Thätigkeit in den Nieren, der Haut und den Drüsen inner¬ 
halb des Respirationstractus, worauf die successive Ver¬ 
flüssigung Anfangs zäher Secrete, die evidente Erleichterung 
der Expectoration und die schnellere Abstossung necroti- 
sirter Gewebspartikel beruhen dürfte. — Das Inhaliren 
findet in Einzelcabinetten statt, in denen durch Ueberlei- 
tung des Arminiusbrnnnens über anfgescbichtete Reisig¬ 
bündel eine Abgabe von Wasserdämpfen, sowie der in der 
Quelle enthaltenen, überwiegend aus Stickstoff bestehenden 
Gase an die Zimmerluft vermittelt wird. Das Einathmen 
dieser so modificirteu Atmosphäre bewirkt Nachlass des 
Hustens, Verminderung von Schmerzen im Bereich des Re¬ 
spirationsorganes, Abnahme der Frequenz und Tieferwerden 
der Athemzüge, physikalisch nachweisbare Verkleinerung 
bestehender Infiltrate, Abnahme der Pulsfrequenz, des 
Herzklopfens und nervöser Erregtheit. — Die Bäder, in 
denen das Arminiuswasser mittelst Hindurchleiten heisser 
Dämpfe in schlangenförmig gebogenen Röhren erwärmt 
wird, bewirken Anregung der Hautthätigkeit, Leitung des 
Blutes dahin, Anregung der resorbirenden Kräfte und Be¬ 
ruhigung des Nervensystems. — Zum Zweck der Abhär¬ 
tung wird bei nicht fiebernden, stationären Patienten unter 
Umständen Gebrauch von der Douche gemacht, welche 
durch das Wasser der benachbarten Lippequelle gespeist 
wird und sich durch hohen Druck, besonders aber durch 
eine sinnreiche Vorrichtung am Xrahn der Ausflussöffnung 
auszeichnet, welche es ermöglicht, das Douche-Wasser in 
jeder beliebigen Temperatur zu verwenden, und deu Arzt 
in Stand setzt, mit lauem Wasser zu beginnen und allmälig 
zu kühlerem und kaltem Wasser überzugehen. — Als letz¬ 
ten nicht zu unterschätzenden - Heilfactor Lippspringes 
führe ich die gleichmässig ruhige, feuchtwarme, staubfreie 
und mit den Düften der Coniferen impräenirte Luft £n, 
welche wegen der Stabilität der klimatischen Factoren auf 
gereizte Athmungsorgane einen ungemein beruhigenden 
Einfluss ausübt und daher vorzüglich geeignet ist für 
eretbisebe und vulnerabele Constitutionen, für zu Catarrben 
und entzündlichen Affectionen der Respirationsorgane Dis- 


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ponirte, vorzugsweise jugendliche und schonender klimati¬ 
scher Eiuwirkung bedürftige Personen. 

Nach Eenntnissnahme der verschiedenen Heilfactoren 
Lippspringes ist die wichtigste Frage, welche Kategorie von 
Kranken bei Anwendung derselben Aussicht auf Besserung 
und Heilung hat. — Nach dem Obigen haben unsere Cur- 
mittel einen besonders günstigen Einfluss auf die Respira¬ 
tionsorgane und dem entsprechend sind auch Erkrankungen 
dieser die geeignetsten Heilobjecte für Lippspringe und von 
diesen ist die von Alters her als vornehmlich indicirt er¬ 
achtete Lungenpbthise noch heute an erster Stelle zu nennen. 
Trotz des grossen Wandels, der sich wiederholt und noch 
neuerdings in den Anschauungen über Wesen und Genese 
des Processes vollzogen hat, wird Lippspringe im Laien- 
und ärztlichen Publicum Deutschlands fort und fort bei 
rechtzeitiger Anwendung als Panacee gegen die Phthise be¬ 
trachtet Und wie ist nach diesen neuen Anschauungen 
die Wirkungsweise unserer Gurmittel zu denken ? — Koch 
hat bekanntlich als Ursache und inficirendes Agens der 
Phthise den Bacillus tuberculosus entdeckt und nachgewie¬ 
sen, dass dieser Pilz allgemein in der Atmosphäre verbrei¬ 
tet Ist und fast mit jedem Athemzuge in unsere Luftwege 
eindringt Angesichts dieser Ubiquität der Krankheitser¬ 
reger muss es zunächst auffallend erscheinen, dass die 
Phthise nicht noch viel verbreiteter ist als thatsächlich der 
Fall, dass also der Pilz nur bei einem relativ kleinen Theii 
der Einathmenden haftet. Als Ursache hiervon scheint fest¬ 
zustehen, dass zur Genese der Phthise ausser der Gegen¬ 
wart des Bacillus noch etwas Weiteres erforderlich ist, 
nämlich eine Disposition des Einathmenden, eine Empfäng¬ 
lichkeit für die Invasion der Bacillen. Diese Disposition 
kann ererbt oder durch depravirende Einflüsse erworben 
werden und besteht in einer Schwächlichkeit der Constitu¬ 
tion und einer Schwäche der Organe besonders des Respi¬ 
rationsorgans, welches, eingezwängt im engen Thorax, im 
Ganzen oder theilweise weniger beweglich ist, in seinem Ge¬ 
webe ungenügend ernährt wird und durch dieses physika¬ 
lische und chemische Verhalten die Ansiedlung der Bacillen 
begünstigen kann. Indessen scheint es fraglich, ob selbst 
diese Disposition für sich allein genügt, die Invasion des 
Bacillus zu ermöglichen; zwei exacte Forscher, Biedert 
und Siegel, verneinen es und gelangen, auf zahlreiche 
Untersuchungen gestützt, zu dem Schluss, dass auch bei 
vorhandener Disposition eine accidentelle Erkrankung als 
Gelegenheitsursache hinzukommen muss und stellen sich 
dies folgendermaassen vor: ein disponirtes Respirations¬ 
organ acquirirt einen Catarrh, dieser geht nicht wie 
im gesunden Organ in Kürze vorüber, sondern wird im im¬ 
mobilsten Theile, der Lungenspitze chronisch, führt auch 
wohl zur Gewebsinfiltration. Hiermit ist ein geeigneter 
Nährboden für die Pilzwucherung geschaffen, und dringen 
in das so vorbereitete Respirationsorgan Bacillen ein, so 
finden sie hier eine geeignete Stätte zur Ansiedelung und 
verleihen dem bisher einfachen Processe den so perniciösen 
Charakter. Denn einmal angesiedelt proliferiren die Pilze 
und erzeugen im Krankheitsherde eine Tendenz zum Fort¬ 
schreiten, indem sie durch Zersetzung und Gewebsdestruc- 
tion zur Cavernenbildung führen, durch chemische oder 
mechanische Reizung wohl auch eine Zunahme der Infil¬ 
tration veranlassen. Oft jedoch bleibt die Baciilencolonie 
Jahre, ja Jahrzehnte hindurch local, ohne den Gesammtor- 
ganismus in Mitleidenschaft zu ziehen, und zwar nach An¬ 
nahme derselben Forscher dank der schützeudeu Wirkung 
desselben Infiltrationsprocesses, der, wie er ursprünglich den 
disponirenden Nährboden abgab, später die Bacillenwuche¬ 
rung abschliesst und die übrigen Lungentheile sowie den 
Gesammtorganismus davor bewahrt. Erst wenn dieser 
Infiltrationswall von den Bacillen durchbrochen ist, entsteht 
durch Uebergang derselben in den Säftestrom Weiterinfec- 
tion der Lunge und bei sehr massenhaftem Eindringen AU- 
gemeininfection, acute Miliartuberculose. 

Wie sind nun aber die anatomisch erwiesenen Heilungen 


phthisischer Processe mit der parasitären Natur zur vereinen? 
— Zunächst wird man die Möglichkeit resp. Wahrschein¬ 
lichkeit der Heilung noch bestimmter als bisher von dem 
möglichst beschränkten Localisirtsein des Processes, also 
von einer energischen Behandlung der allerersten Anfänge 
der Krankheit abhängig machen und kann sich dann den 
Vorgang der Heilung etwa so vorstellen : Mit der bei jeder 
Phthisisbehandlung anzustrebenden, fortschreitenden He¬ 
bung der Ernährung und Kräftigung des Organismus tritt 
in Folge der Besserung der Körpersäfte innerhalb der infil- 
trirten Lungenpartien eine Aenderung der chemischen und 
physikalischen Beschaffenheit und damit eine Sterilisirung 
des Nährbodens ein, welche ein allmäliges Absterben der 
Bacillen zur Folge iiat, ein Effect, der um so wahrschein¬ 
licher ist, je mehr es gelingt, gleichzeitig einen directen 
Einfluss auf den Erkrankuugsherd auszuüben. Da uns 
nun bislang specifische Bacillengifte nicht zur Verfügung 
stehen, so werden wir zunächst in der Behandlung auf dem 
betretenen Pfade bleiben und eine thunliche Kräftigung der 
Gonstitutiou und des Gesammtorganismus neben gleichzei¬ 
tiger Einwirkung auf den Localprocess anstreben müssen. 
Und diesen Indicationen dürfte Lippspringe, wie aus Obigem 
erhellt, in jeder Beziehung bestens entsprechen: Der Brun¬ 
nengenuss bewirkt selbst bei bestehendem Fieber Anregung 
des Appetites, Besserung der Ernährung und des Kräftezu¬ 
standes und bei längerem Gebrauch durch Ableitung des 
Blutes nach den Abdominalorganen, durch energische An¬ 
regung der Expectoration und Befreiung der kranken Lun¬ 
gentheile von necrotisirtem, mit Bacillen durchsetztem Ma¬ 
terial eineu direct heilenden Einfluss auf den Localprocess. 
Begünstigt wird dieser letztere Efiect durch den gleichzei¬ 
tigen Gebrauch der Inhalationen und das Einathmen der 
milden feuchtwarmen Luft, welche auf den bestehenden 
entzündlichen Process curativ einwirkt und neue Reizzu 
stände von dem kranken Organ fern hält Somit stehe ich 
nicht an, auch nach dem neuesten Stande der Wissenschaft 
die Phthise als ein bevorzugtes Heilobject für Lippspringe 
zu bezeichnen, mache aber die Wahrscheinlichkeit eines 
günstigen Resultates besonders davon abhängig, dass unsere 
Gurmittel möglichst im Beginn der Erkrankung, so lange 
der Process noch ein beschränkt localer ist, zur Anwendung 
kommen; dann gelingt es nicht selten, durch eine ein- bis 
zweimalige Lippspringer Cur Ausheilung zu erzielen. Ganz 
besonders indicirt sind Catarrhe und Infiltrationen der obe¬ 
ren Lungenpartien, wobei mässiges Fieber, beginnende Er¬ 
weichung, selbst leichtes Mitergriffensein des Larynx keine 
Contraindicationen sind; zu weit vorgeschrittene Fälle, die 
mit Nierenamyloid oder tuberculöser Diarrhoe combinirt 
sind, in denen wohl gar regelmässige Fieberfröste die Auf¬ 
nahme bacillären Materials in die Säftemasse andeuten, 

- contraindiciren dagegen den Besuch Lippspringes, da Aus¬ 
sicht auf dauernde Besserung dann nicht mehr vorhan¬ 
den ist. 

Gleich günstige Wirkung wie auf phthisisch-bacilläre 
; Catarrhe und Infiltrationen übt Lippspringe auf die homo¬ 
logen, nichtbacillären Processe: In der Resolution zögernde 
croupöse Pneumonien der unteren Lappen bei von Haus aus 
gesunden Individuen kommen hier oft in überraschend kur¬ 
zer Zeit zur Heilung: das Anfangs vorhandene Bronchial- 
athmen schwindet, an seiner Stelle treten neben rauh-vesi- 
culärer Respiration Rasselgeräusche auf, die dann successive 
verschwinden, um rein vesiculäremAthmen Platz zu machen. 

Ebenso sind chronische Catarrhe der Respirationsorgane 
als recht geeignete Heilobjecte für Lippspringe zu bezeich¬ 
nen und haben besonders dann begründete Aussicht auf 
schnelleren Erfolg, wenn sie mit Untgrleibsstockungen in 
Zusammenhang stehen, wie dies bei wohlgenährten Perso¬ 
nen in Folge reichlicher Nabrungszufuhr bei sitzender Le¬ 
bensweise und trägem Stoffwechsel oft vorkommt. In Folge 
von Fettablagerung am Herzen liegen hier dem Catarrh 
Circulationsstörungen, besonders Blutstockungen im kleinen 
Kreislauf zu Grunde, welche durch Brunnengenuss, eventuell 


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auch einige Bäder meist schnell ausgeglichen werden, so 
dass gerade gegen derartige Catarrhe Lippspringe last den 
Rnf eines Specificum geniesst. — So führen denn alljähr¬ 
lich chronische nichtphthisische Larynxprocesse eine Anzahl 
Hilfesuchender nach Lippspringe und finden durch Anwen¬ 
dung von Brunnen und Inhalationen meist prompte Heilung; 
nicht minder günstig wirken diese Maassnahmen bei chro¬ 
nischen Bronchocatarrhen, auch sie werden in Lippspringe 
meist schnell gebessert, wobei ebenso wie bei ersteren die 
gleichmässig milde, windstille, feuchtwarme Atmosphäre 
einen die übrigen Maassnahmen erheblich unterstützenden 
Einfluss ausübt. Ganz besonders geeignet für Lippspringe 
ist der trockene Catarrh der Bronchien, wobei quälende, 
mit Würgen und Erbrechen verbundene, krampfhafte 
Hustenanfälle ein sparsames, klebrig-zähes Secret zu Tage 
fördern, und mit dem nicht selten mässiges Emphysem, 
fast stets aber gewisse asthmatische Beschwerden verbun¬ 
den and. Derartige Kranke fühlen sich meist bald wohler: 
das Bronchialsecret verliert bei Brunnengenuss und Inhala¬ 
tionen seine zähe Beschaffenheit, und wird dünnflüssiger, 
reichlicher und leichter löslich, das Erbrechen schwindet, 
Husten und Asthma lassen nach; bei längeren Gebrauch des 
Brunnen kommt allmälig die secretionsvermindernde Wir¬ 
kung der Kalktherme zur Geltung, und mit der fortschrei¬ 
tenden Besserung der Gesammtconstitution tritt allmälig 
eine Normalisirung der krankeu Schleimhaut und damit 
die Heilung des Leidens ein. Ist dagegen mit dem Broncho- 
catarrh eine reichliche Schleim- und Eitersecretion verbun¬ 
den, besteht gleichzeitig eine hochgradige Erschlaffung, 
wobl gar Ectasie der Bronchialwandungen, kurz handelt es 
ach um Bronchoblennorrhoe, dann habe ich von der An¬ 
wendung unserer Curmittel keine nennenswerthe, jedenfalls 
keine nachhaltige Wirkung gesehen. 

Ich kann die Betrachtung über den Nutzen Lippspringes 
bei Bespirationskrankbeiten nicht beenden, ohne des emi¬ 
nenten curativen Einflusses zu gedenken, welchen dieselben 
auf die Beseitigung alter pleuritischer Exsudate zu haben 
pflegen. Nimmt eine Pleuritis einen schleppenden Ver¬ 
lauf, schwinden die entzündlichen, fieberhaften Erscheinun¬ 
gen, ohne dass das Exsudat Neigung zur Abnahme zeigt, 
dann wirkt meist nichts besser als eine sofort eingeleitete 
Lippspringer Cur. Unter dem Gebrauch der Arminius- 
qnelle und der Bäder werden meist überraschend schnell, 
selbst bei cachektischen Individuen, die secretorischen Ap¬ 
parate des Organismus zu gesteigerter Thätigkeit angeregt, 
damit die Resorption eingeleitet und oft schnell beendet. 
Selbst wenn dem pleuritiscben Process eine tuberculöse Ur¬ 
sache zu Grunde liegt, pflegt die Wirkung nicht auszu¬ 
bleiben, wenngleich auch die Aufsaugung nicht so prompt 
erfolgt. Noch im letzten Sommer sah ich bei zwei Kran¬ 
ken seit Monaten bestehende Pleuraexsudate relativ schnell 
schwinden, nachdem dieselben nach mehrfacher operativer 
Entfernung sich stets umgehend neu gebildet hatten. 

Nachdem wir im Vorstehenden gesehen haben, wie die 
Besserung obiger Processe eingeleitet wurde durch die an¬ 
regende Wirkung unserer Quelle auf Appetit und "Ver¬ 
dauung, wird es nicht befremden, wenn ich schliesslich als 
Heilobjecte für Lippspringe gewisse gastrische Zustände 
in Anspruch nehme: Hartnäckiger Appetitmangel und ato- 
nische Verdauungsschwäche bilden sehr dankbare Behand- 
lnngsobjecte, mögen dieselben selbständiger oder sympto¬ 
matischer Natur d. b. von Constitutionsanomalien, Anämie, 
latenter Lungenerkrankung abhängig sein. Besonders die 
letzteren Fälle, in denen eine Lungenaffection nicht nach¬ 
weisbar, aber wegen der in Folge hartnäckiger Inappetenz 
gestörten Ernährung, Abmagerung und Anämie bei jugend¬ 
lichen Individuen zu befürchten ist, erfahren hier gewöhn¬ 
lich einen prompten Erfolg; der Appetit kehrt zurück, die 
Ernährung hebt sich und die drohende Gefahr der Phthise 
ist beseitigt. Und diese appetitmachende Wirkung mani- 
festirt sich nicht nur nach dem Genuss des Brunnens an 
der Quelle, auch versandt getrunken pflegt er gleich gün¬ 


stig zu wirken; noch jetzt behandele ich hier in San-Remo 
einen 60jährigen Herrn, der seit Monaten an hartnäckigster, 
jeder Maassnahme trotzender Inappetenz litt und dadurch 
in seiner Ernährung dermaassen reducirt war, dass sich dem 
Hausarzt der Verdacht eines Magencarcinom aufdrängte. 
Man hoffte Gutes vom Klimawechsel und als dies ausblieb, 
verordnete ich mehr des Versuchs wegen den Genuss der 
Arminiusquelle, und siehe da, der Appetit hob sich und in 
wenigen Wochen haben Ernährung und Kräfte sich bedeu¬ 
tend gebessert. 

Nicht minder günstig pflegt die Wirkung unseres Brun¬ 
nens beim chronischen Darmcatarrh und besonders bei der 
Form zu sein, die mit Neigung zum Durchfall einhergeht. 
Auch derartige Kranke erholen sich meist schnell, indem 
bei zweckentsprechender Diät die Diarrhoe schwindet und 
Kräfte und Körperfülle schnell wiederkehren- 

Mein früherer Specialcollege, Herr Dr. Rohden, jetzt 
in Arco, zählte noch «allgemeine Nervenüberreiztheit 
schwacher Personen» als Indication zum Besuch Lippsprin¬ 
ges auf, doch habe ich bei derartigen Zuständen höchstens 
vorübergehenden Erfolg gesehen. 

Die Reise führt via Berlin und Paderborn, von wo man 
in bequemen Wagen in einer Stunde ans Ziel gelangt. Das 
Leben am Curort hat den Charakter eines anmuthigen, ru¬ 
higen und behaglichen Landaufenthaltes und findet seinen 
Hauptvorzug in dem unausgesetzten Genuss der reinen, 
milden Luft, wozu vor Allem der mehrere 20 Morgen grosse, 
parkartig angelegte und Windgeschützte Curgarten mit sei¬ 
nen Linden-, Kastanien- und Ahorn-Alleen und seinen zahl¬ 
reichen lauschigen Plätzen eioladet. Für Unterhaltung ist 
durch zweimal tägliches Curconcert, umfangreiche, reich¬ 
haltige Lesecabinets und elegant eingerichtete Conversa- 
tionssalons in den vergrösserten Curetablissements bestens 
gesorgt. Kräftigeren Kranken gewährt der Besuch der 
historisch-denkwürdigen und landschaftlich-schönen Um¬ 
gebung Zerstreuung und Amüsement, Ausflüge, zu denen 
bequeme Landauer hinreichend zur Verfügung sind. 

Wohnung und Verpflegung sind durchschnittlich recht 
gut und den Ansprüchen aller Gesellschaftsklassen ent¬ 
sprechend vorhanden, die Preise dabei mässig, so dass schon 
für 4—5 Mark täglich gute Pension zu haben ist. Am 
besten zu bewohnen und besser Situirten vor Allem zu em¬ 
pfehlen sind die inmitten des herrlichen Curparks gelegenen 
Curhäuser, deren Räume sich durchweg durch schöne Lage, 
angemessene Grösse und genügenden Comfort, theilweise 
sogar durch hohe Eleganz auszeichnen, und doch ist auch 
hier ein relativ wohlfeiles Wohnen möglich, bo dass die 
durchschnittlichen Wochenrechnungen 45—60 Mark nicht 
zu übersteigen pflegen. Die Saison dauert vom 15. Mai bis 
15. September, und da zur Zeit der stärksten Frequenz gute 
Wohnungen oft schwer zu bekommen, diese aber für den 
Erfolg der Cur von grosser Wichtigkeit sind, so empfiehlt 
es sich in der Zeit von Ende Juni bis Anfang August des¬ 
wegen zuvor beim Arzt oder beim Administrator Herrn 
Drevermann anzufragen. 


Aphoristisches zur Schulfrage. 

Von L)r. C. W a 1 d h a u e r sen. 

Seit die Hygiene in der medicinischen Wissenschaft sich zu einer 
selbständigen Disciplin entwickelt hat, kann sie wohl mit Befriedi¬ 
gung auf ihre Leistungen zurttckschauen. Ihre Lehren haben in 
Gestaltung privaten und Öffentlichen Lebens aller Culturstaaten 
sich bereits in hohem Grade Geltung verschafft, und versprechen für 
die Zukunft noch vielmehr, zumal sie allerseits Entgegenkommen 
finden. 

Auch die Schulfrage ist in den Kreis ihrer Bestrebungen einge¬ 
treten, und auch hier hat sie bereits Erfolge zu verzeichnen, welche 
sich mehren werden. 

Es liegt nicht in meiner Absicht durch die vorliegenden kurzen 
Bemerkungen das ganze Feld beleuchten zu wollen, nur in Bezug auf 
die bauliche Anlage der Schulen und die Erhaltung einer guten Luft 
in denselben mochte ich einigen Gedanken Worte geben, die icb 
schon seit Jahren mit mir herumgetragen habe. 

Das Thema ist nicht neu, anderweitig ist bereits in anerkennens- 

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werther Weise darüber geschrieben und gesprochen worden. Luft 
und Licht wendet man jetzt schon grössere Aufmerksamkeit zu. 

Das Bildungsbedürfnis ist in unserer Zeit grösser, als je vorher, 
aber auch der Umfang der Schuldisciplinen ist in .letzter Zeit unge- I 
heuer gewachsen. Wer sich jetzt der höheren Bildung theilhaftig 
machen will, muss bedeutend mehr in sich aufnehmen und bedarf 
dazu längerer Zeit. Man rechnet nicht zu hoch, wenn man es aus¬ 
spricht : der wissenschaftlich durch gebildete Mann verbraucht die 
Hälfte der durchschnittlichen Lebensdauer zur Vorbereitung für 
seine praktische Wirksamkeit. Auch für das weibliche Geschlecht 
sind die Anforderungen der höheren Bildung straff gespannt und ver¬ 
brauchen viel mehr Zeit, als vor Jahrzehnten. 

Thatsache ist es denn auch, dass die durch den Unterricht be¬ 
dingte Lebensweise in der Entwicklungszeit des jugendlichen Kör¬ 
pers ihre Nachtheile hervortreten lässt und hemmend einwirkt. Die 
Frage liegt nahe, ob das in der geistigen Sphäre sich nicht ebenso 
geltend macht? 

Wohl weiss ich, dass nicht alles Uebel auf die Schule und die 
Schulgebäude zu schieben ist, und dass dieses vielleicht gegenwärtig 
in ungerechtfertigter Weise geschieht, dass die häuslichen Verhält¬ 
nisse manchen Theil haben; allein der wesentlichste Factor ist sie 
im Allgemeinen doch. 

Von verschiedenen beachtungswerthen Seiten ist denn auch auf 
die Notwendigkeit einer Reform unserer gegenwärtigen Unter¬ 
richtsmethoden hingewiesen und hingearbeitet worden. Wohin 
man in dieser Richtung schliesslich gelangen wird,, bleibt der.Zu¬ 
kunft Vorbehalten; zu dem peripathetischen Unterricht in luftigen 
Säulenhallen der alten Griechen und zu ihren Gymnasien wird man 
schwerlich zurückkehren. Der geschlossene ^chulsaal wird wohl 
nach wie vor die Stätte sein, wo die Jugend sich bildet und erwächst. 

Man kann es nicht läugnen, es ist die bessernde Hand bereits daran 
gelegt, um diese Räume weniger schädlich zu machen. Der Ueber- 
füllung sind Schranken gezogen und für bessere Luft wird gesorgt, 
für bessere Beleuchtung und bessere Acustik auch, wie oben be¬ 
merkt. 

Ich habe hier besonders die höheren Schalen im Auge, in den nie¬ 
deren sieht es hier zu Lande nach Dr. Reichard’s Mittheilungen 
noch nicht zum Besten aus. An wesentliche Verbesserungen ist bei 
ihnen nur in grösseren und wohlsituirten Gemeinwesen zu denken, 
die ärmeren kleineren Orte und das platte Land werden wohl noch 
warten müssen und sich nach den Umständen zu richten haben. 
Hier aber ist auch die Gefahr nicht so gross, die Schulzeit ist eine 
viel kürzere, und tritt der Schüler ins Leben, so gleicht sich das bei 
Arbeit und namentlich bei Landarbeit aus. 

Bei dem höheren Unterricht ist die Frage wichtiger, er dauert eine 
Reihe von Jahren. Von der Luftbeschaffenheit der einen grossen 
Theil des Tages frequentirten Schulsäle hängt, wie genugsam be¬ 
kannt ist, die Blutbiidnng ab, und von ihr die Ernährung des Ge¬ 
hirns. Sollen bei geistiger Arbeit die Gedanken sprühen, soll das 
Gehirn andauernd Neues und wieder Neues in sich aufnehmen und 
zu Eigenem verarbeiten, so muss es gut ernährt werden, und dazu 
braucht es vor Allem gute ozonhaltige Luft. Nicht minder wichtig 
ist die Beleuchtung und die Acustik der Räume. Das Auge hat 
eine schwere Arbeit dabei und leidet, wie allseitig nachgewiesen, 
recht oft unter den Verhältnissen. «Durch das Auge tritt der 
Mensch in die Welt, durch das Ohr tritt die Welt in den Menschen.» 
Aber nicht nur Hirn, Lunge, Auge und Ohr bedürfen der Luft und 
des Lichtes, der ganze erwachsende Mensch bedarf ihrer, findet er 
sie nicht, so wird die Muskulatur schlaff, die Lunge athmet flach 
und er wird träge und unbeholfen. 

Mein Freund und College Dr. R e i c h a r d *) hat in letzter Zeit 
ein populäres Schriftchen über dies Thema herausgegeben, das na¬ 
mentlich inländische Zustände im Auge hat. Man hat es mit Wohl¬ 
wollen und Anerkennung aufgenommen, wie dasselbe es auch reich¬ 
lich verdient. Durch dasselbe bin ich denn auch zu diesen Zeilen 
angeregt worden, um es gewissermaassen in einer Richtung auszu¬ 
bauen. 

Er kommt zu dem Schluss, im Barackenbau die bestmöglichste 
Lösung der Baufrage für Schulen zu Behen. Auch ich bin der An¬ 
sicht und habe bereits, als ich im Jahre 1873 das neu erbaute Ri- 
gasche Barackenhospital beschrieb, darauf aufmerksam gemacht, 
auch bei einer sich darbietenden Gelegenheit betreffende Vorschläge 
gemacht, ohne indess zu reüssiren. Auch anderweitig ist diese Idee 
erfasst worden, Baginsky, Grass u. s. w. haben dafür ge¬ 
wirkt. In Amerika bestehen bereits seit Jahren Schulen nach diesem 
System, und nach der Auskunft, die ich im verflossenen Sommer auf 
dem Copenhagener Congress darüber einzog, werden sie anerkannt 
und gelobt. 

Noch herrseht bei uus der massive Monumentalbau souverain. 
Der Architect, dessen Stimme bis hierzu die maassgebende ist, liebt 
ihn wohl um der imposanten Faqade willen, vielleicht auch aus doc- 
trinären Gründen. Die städtische Obrigkeit namentlich, liebt ihn 
vielleicht nm derselben Gründe willen, zumeist aber, weil man der 
Meinung ist, zu solcher Anlage einen grösseren Bauplatz nöthig zu 
haben und Grund und Boden theuer ist. Wahrlich eine übel ange¬ 
brachte Sparsamkeit, zumal da nach Dr. Reichard’s Auffassung, 
der ich mich auch anschliesse, die Meinnng eine irrthümliche ist. 

*) Licht, Luft und Schall. Von Dr. R e i c h a r d. Riga 1884. 


Aerzte sind meines Wissens zu Berathungen nicht hinzugezogen 
worden, 

So thürmt sich Stockwerk auf Stockwerk, um dem Andrang zur 
Schule zn genügen, je höher desto ungesunder. Das hohe Gebäude 
darf keine grosse Fensterfläche haben, sonst werden die Mauern zu 
sehr abgeschwächt, und daher ist denn auch überall die Tagesbe- 
leuchtung ungenügend, so sehr auch die Helligkeit gerühmt wird. 
Man bedenke nur, in welcher Proportion vom einseitigen Lichtquell 
ans gerechnet die Lichtintensität abnimmt. Sendet dann noch die 
Sonne ihre Strahlen in den Schulranm, so muss sie natürlich durch 
Marquisen etc. abgeschwächt werden, und dann wird es im Fond 
noch düsterer. 

Für Ventilation wird in dem neuen Gebäude natürlich gesorgt, 
sie wird nach einem «vorzüglichen» System angelegt, und als «vor¬ 
züglich» wird sie gerühmt und liefert prompt das geforderte Luft¬ 
quantum pro Kopf und Stunde, einerlei woher. Später schweigt man 
indess darüber. 

In Massengebäuden kann aber auch nur eine Ventilation herge¬ 
stellt werden, die nicht allzuviel leistet. Lange Zu- und Abströ¬ 
mungsröhren, die auch aus Rücksicht für die Wandstärke nur eng 
sein dürfen. 

So viel ich auch derartige Ventilationseinrichtungen in Augen¬ 
schein genommen, immer waren die Röhren so angelegt, dass sie 
nicht gereinigt werden konnten, ja dass sie nicht einmal glatte 
Binnenauskleidung hatten, auf welcher der Staub sich weniger hätte 
absetzen können ; daher fand ich sie auch alle, Zu- und Abströ¬ 
mungsröhren, gründlich verstaubt. 

Beruht nun der Luftwechsel, wie in der Regel, auf Temperatur¬ 
unterschieden, auf dem System der Aspiration, so ist man vor Rück- 
stössen nie sicher und sie sind unberechenbar. Der Staub wird dann 
aufgewirbelt und ins Zimmer zurückgeworfen, ebenso von einem Zu¬ 
strömungsrohr aus, in welchem zufällig ein stärkerer Strom geht. 
Ausserdem finden sehr häufig in solchen Röhren Strömungen in ent¬ 
gegengesetzter Richtuug neben einander statt (M o rin). 

Wegen dieser Rückstösse und Umkehrungen der Strömungen 
dringt man auch vielfach auf Ventilation durch Pulsion, resp. me¬ 
chanische Kraft. Meist aber gehen diese gleichfalls langen Röhren 
vom Maschinenraum oder von der Nähe desselben aus. Dort ist die 
Luft nicht mehr rein, und es gelangt keine frische ozonhaltige, wenn 
auch sonst geruchlose Luft in den Wohnraum. Die Zuströmungs¬ 
röhren habe ich in solchen Einrichtungen immer sehr verschmutzt 
gefunden. Indess muss ich erwähnen, dass ich auf der Weltaus¬ 
stellung zu Paris eine Maschine gesehen habe, die sowohl durch 
Aspiration, als durch Pulsion wirkte, und die wohl anwendbar sein 
dürfte, wenn nicht schon durch den Weg in einem langen engen 
Rohr üie Luft verdorben wird, was mir der Fall zu sein scheint. 

Camine in den Zimmern dienen nur dem Abstrom, der Zustrom 
kommt abgesehen von Fensterritzen und Wänden zumeist aus dem 
Hause selbst auf weite Entfernung und führt nur zn leicht Luft ans 
den Aborten mit hinein. Ausserdem bewirken sie immer Zugluft 
und sind für besetzte Schulräume entschieden unbrauchbar. 

Ich habe von Staub gesprochen. Nach früheren Anschauungen 
fürchtete man ihn nicht allzusehr, bei den jetzigen Kenntnissen über 
Krankheitskeime dürfte der abgelagerte als ein schlimmer Feind er¬ 
scheinen und manche Infection durch ihn z. B. in Lunge und Augen 
gelangen. 

So könnte die Ventilation auch mehr schaden als nützen, und ich 
habe einen alten scharfblickenden Praktiker aus voller Ueberzeugung 
es aussprechen gehört, die einfache Lüftung durch die Fenster sei 
bis hierzu die zweckmässigste Ventilation. 

Dieser Ansicht will ich mich nun nicht anschliessen, obgleich ihr 
Berechtigung nicht abgesprochen werden kann. Wo Zu- und Ab¬ 
strom gleichmässig abgewogen sind, wo die Röhren aufs penibelste 
rein gehalten werden können, etwa innen gksirt sind und der Luft¬ 
wechsel stark genug ist, um ohne Zugluft zu erregen den zu venti- 
lirenden Raum durchwallt, da ist sie wohl ein grosser Segen. 

Es mag zur Zeit das Problem noch ungelöst sein, wenigstens für 
den Arzt, der Techniker istscüneller damit fertig; aber mit den Hülfe- 
mitteln weiche die Techniker durch regulirbare und in ihrer Leis¬ 
tungsfähigkeit berechenbare Centralheizungen bietet, dürfte es doch 
lösbar erscheinen. 

Vor Allem scheint es mir eine stets festzuhaltende Regel: mög¬ 
lichst kurze Zuströmungsröhren, und die Luft nicht zu nahe dem 
Erdboden geschöpft. Besondere bedeckte Thürmchen ausserhalb 
des Gebäudes, von denen aus die Zustromsröhren in dasselbe geführt 
sind, wie sie nach dem Vorgänge Londons auch in anderen Ländern 
zu finden sind, kann ich nicht für brauchbar erachten. 

Von diesen entwickelten Gesichtspuncten aus tritt uns nun im Ba¬ 
rackensystem gerade für Schulen ebenso wie für Hospitäler die gün¬ 
stigste und vielseitigste Lösung entgegen. An und für sich kann 
kein Raum mit platter Oberlage und einseitiger Fensterreihe so 
rasch und ausgiebig gelüftet werden, als einer im Barackenstyl, 
schon weil hier, abgesehen vom Dachreiter, die beiderseits nach 
oben schräge Oberlage für die wellige und wirbelnde Luttbewegung 
l günstig ist, und keine todten Winkel bestehen. Dazu kommt denn 
I noch der Dachreiter mit seiner Ventilation, d. h. Austritt verbrauch¬ 
ter und Eintritt frischer Luft auf demselben Wege, ohne Zugluft in 
I den unteren Regionen. Ebenso kann gerade in einem so construirten 
1 Raum, wenn es sich um einen künstlichen Luftwechsel handelt zur 


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Zeit, wo die Fenster des Dachreiters geschlossen werden müssen, 
dieses reichlicher und ohne Störung bewerkstelligt weiden. 

Die so wichtige Tagesbeleuchtung ist in den in Rede stehenden 
Bänmen mit Zurechnung des Oberlichtes vom Dachreiter her, un¬ 
gleich günstiger als bei der gewöhnlichen Zimmerconstruction. 

Die Schulmänner zwar verlangen einseitigen Lichteinfall von links 
her. Das ist ein Irrthum, der auf aphoristischen Anschauungen 
beruht. Man prüfe nur vorurteilslos an Ort und Stelle. Licht ist 
immer gut und kann nicht genug vorhanden sein, es komme woher 
es wolle, und zumal das Oberlicht ist eine grosse Hülfe. Eine 
grössere Fensterfläcbe aber als bei Baracken zulässig und ausführbar 
ist, kann ein Massenbau nicht haben. (Forts, folgt.) 


Referate. 

P. Ssolomin: Ein zweiter Fall von Pneumonia crou- 
posa traumatica. (Med. Westn. 1884 Ji 51, 52.) 

Vrf. teilt einen Fall von angeblich traumatischer cronpöser Pneu¬ 
monie (in Folge eines Sturzes in eine 2 Faden tiefe Grabe) mit, die¬ 
ses Mal eine Beobachtung des Dr. Dronzik, und schliesst mit den 
verwegenen Worten: r &nf dieses ursächliche Moment erlaube ich 
mir die Aufmerksamkeit der geehrten Collegen in Hinblick auf die 
neuesten ätiologischen Erklärungen der cronpösen Pnenmonie durch 
die Infectionsbypothese zn richten." Dieser Anssprnch ist doch so 
keck, dass wir nicht umhin können, Vrf. an den alten weisen Sprach 
— post hoc, non est propter hoc — za erinnern. Und erst recht, 
wenn die Krankengeschichte genau analysirt wird. Pat. wird mit 
einer rechtsseitigen cronpösen Pnenmonie anfgenommen, die nach 2 
Mal 24 Stunden in Genesung übergeht. Die Anamnese ergiebt fol- 

f ende Momente: Pat., 60 Jahre alt, ist am 27. October (!) in Omsk(I) 
ei der Arbeit auf einer Scheune in eine frischgegrabene (!) Graue 
gefallen, ans der er besinnungslos herausbefördert wird (wie lange 
er dort gelegen, ist nicht angegeben), und kommt erst dann zn sich, 
als er sich im Zimmer befindet, wohin er gebracht worden und wo 
man ihn zn waschen begann.» Das sind doch wohl ätiologische 
Momente genug, ehe man zn dem vagen traumatischen greift. N. 

Mosetig-Moorhof: Zar Jodoformfrage. (Wiener 
med. Blätter 1886, Jt 1). 

Mit diesem kleinen Artikel tritt Vrf. wiederum sehr warm für 
da* Jodoform ein — als Antitnberculosum und als wenn auch nicht 
das kräftigste, so doch das sicherste vermöge seiner Dauerwirkung 
und das bequemste Antisepticum. Er halte seinen Anssprnch nbi 
jodoforminm, ihi uon sepsis auch jetzt noch aufrecht und theilt ein 
paar beweisende Krankengeschichten als Beleg seiner These mit. 
Nie habe er Vergiftnngserscheinungen (bei 11000 Fällen. Rf.) be¬ 
obachtet, habe aber auch das Mittel nur allein, nie mit anderen An- 
tisepticis zusammen gebraucht. Nur mit Wasser werde die Wunde 
abgespült. 

Er wendet das Jodeform an: 

1) rein, feingepulvert, mittelst Zerstäuber, seltener mittelst Streu¬ 
büchsen, auf Wanden, so dass diese florähnlich feinst bestäubt sind. 

2) Als elastische (Gelatine) nnd starre (Gummi arab., Cacaobutter) 
Stäbchen, je nach dem Bedarf, in Hohlgängen, deren Ansmündnng 
mit einem Drainrohr offen gehalten werden muss, damit die Ver¬ 
wachsung von der Tiefe ans entstehe nnd nicht Secretverhaltungen 
eintreten. 

3) 30—50%tige Gaze, »durch einfache Imprägnation des Gaze- 
Stoffs mit ätherischer Jodoformlösnng ohne weitere Znthat von Kleb¬ 
stoffen». 

4) Als Emulsion (10—50 % mit Glycerin nnd Aqna ü p. aeqn. 
und 0,25% Gummi tragacahth.) für Hohlwunden, bei offenen 
Knochenbrücben, erkrankten Gelenkhöhlen nnd eo ipso auch kalten 
Abscessen.